Marx war ein strenger Lehrer

Karl Marx
Marx war ein strenger Lehrer; er drängte nicht nur zum Lernen, er überzeugte sich auch, ob man lernte. Ich hatte mich eine Zeitlang mit der Geschichte der englischen Trade-Unions beschäftigt; jeden Tag fragte er mich, wie weit ich gekommen war, und schließlich ließ er mir nicht eher Ruhe, als bis ich einen längeren Vortrag in größerem Kreise gehalten hatte. Er war zugegen. Gelobt hat er mich nicht, aber er riß mich auch nicht herunter, und da das Loben nicht seine Gewohnheit war und er meist nur aus Mitleid lobte, so tröstete ich mich über das mangelnde Lob; und als er sich dann wegen einer von mir aufgestellten Behauptung in eine Disputation mit mir einließ, so betrachtete ich das als ein indirektes Lob.
Marx hatte als Lehrer die seltene Eigenschaft, streng zu sein, ohne zu entmutigen.
Und noch eine vorzügliche Lehrereigenschaft hatte Marx: er zwang uns zur Selbstkritik und duldete kein Sich-genügen-Lassen am Erreichten. Das sanftlebige Fleisch der Beschaulichkeit peitschte er grausam mit der Rute seines Spotts. Und keiner hat ihm für diese Zucht mehr zu danken als ich.

Wilhelm Liebknecht in: Karl Marx zum Gedächtnis, 1896

Siehe auch:
Karl Marx und der Umgang mit Menschen

…muß man Revolutionär sein!

Wenn die Welt sich in ununterbrochener Bewegung und Entwicklung befindet, wenn das Absterben des Alten und das Heranwachsen des Neuen ein Entwicklungsgesetz ist so ist es klar, daß es keine „unerschütterlichen“ gesellschaftlichen Zustände, keine „ewigen Prinzipien“ des Privateigentums und der Ausbeutung, keine „ewigen Ideen“ der Unter-werfung der Bauern unter die Gutsbesitzer, der Arbeiter unter die Kapitalisten mehr gibt.

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Also kann man die kapitalistische Ordnung durch die sozialistische Ordnung ersetzen, ebenso wie die kapitalistische Ordnung seinerzeit die Feudalordnung ersetzt hat. Also darf man sich nicht auf diejenigen Schichten der Gesellschaft orientieren, die sich nicht mehr entwickeln, auch wenn sie im gegenwärtigen Augenblick die vorherrschende Kraft darstellen, sondern muß sich auf diejenigen Schichten orientieren, die sich entwickeln, die eine Zukunft haben, auch wenn sie im gegenwärtigen Augenblick nicht die vorherrschende Kraft darstellen. In den achtziger Jahren des vorigen (19.)Jahrhunderts, in der Epoche des Kampfes der Marxisten gegen die Volkstümler, stellte das Proletariat in Rußland eine unbedeutende Minderheit im Vergleich zur Einzelbauernschaft dar, die die gewaltige Mehrheit der Bevölkerung ausmachte. Aber das Proletariat, als Klasse, entwickelte sich, während die Bauernschaft als Klasse zerfiel. Und eben weil das Proletariat sich als Klasse entwickelte, orientierten sich die Marxisten auf das Proletariat. Und sie gingen nicht fehl, denn bekanntlich wuchs das Proletariat dann aus einer unbedeutenden Kraft zu einer erstrangigen historischen und politischen Kraft heran. Um also in der Politik nicht fehlzugehen, muß man vorwärts schauen und nicht rückwärts.

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Ferner. Wenn das Umschlagen langsamer quantitativer Veränderungen in rasche und plötzliche qualitative Veränderungen ein Entwicklungsgesetz darstellt, so ist es klar, daß die von unterdrückten Klassen vollzogenen revolutionären Umwälzungen eine völlig natürliche und unvermeidliche Erscheinung darstellen. Also kann der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus und die Befreiung der Arbeiterklasse vom kapitalistischen Joch nicht auf dem Wege langsamer Veränderungen, nicht auf dem Wege von Reformen, sondern einzig und allein auf dem Wege qualitativer Veränderung der kapitalistischen Ordnung, auf dem Wege der Revolution verwirklicht werden. Um also in der Politik nicht fehlzugehen, muß man Revolutionär sein und nicht Reformist.

Quelle: Stalin – Über dialektischen und historischen Materialismus

GreeceGriechenland im Mai 2010

Gibt es Armut in Deutschland??

Die Frage ist von rhetorischer Art. Viel zu oft wird einfach nur festgestellt: Es gibt Armut in der Welt, und es gibt Reichtum. Na und, so ist das eben! Was können wir daran schon ändern! Wer von Armut nicht betroffen ist, wer also über ein gutes Einkommen verfügt oder über ein gewisses Vermögen, der hat kaum Interesse daran, die Ursachen der Armut zu ergründen, geschweige denn, das zu verändern. Viele Menschen in der BRD haben kaum Verständnis für diejenigen, die soziale Leistungen in Anspruch nehmen, obwohl immer mehr davon betroffen sind. Sie sagen: „Wir arbeiten, damit solche Leute zu Hause sitzen können. Sie kriegen Hartz-IV – das ist ‚unser‘ Geld, das ‚Geld des Steuerzahlers‘!“ Und sie behaupten, diese Leute seien eben „Sozialschmarotzer“, sie seien nur „zu faul zum Arbeiten“. Im Fernsehen wird es ja gezeigt, zur besten Sendezeit in ausführlichen Reportagen. Also: Ganz logisch, sagen sie, daß diese Leute auf Kosten der anderen leben. Nämlich auf Kosten derer, die fleißig arbeiten und ihre Steuern zahlen.

So werden die auf diese Weise die geBILDeten und über die WELT informierten Leser aufgehetzt gegen die anderen, die Sozialhilfe oder Hartz-IV bekommen. Wer sich also abrackert, wer täglich Hunderte von Kilometern fahren muß, um zur Arbeitsstelle zu gelangen, wer gar zu den Besserverdienern gehört, der fühlt sich natürlich durch solche „Reportagen“ herausgefordert und geradezu bestätigt in seinem Zorn auf diese „Hartzer“. Der fühlt sich vom Staat betrogen und verlangt, man solle denen die Sozialleistungen kürzen und diese Leute endlich zur Arbeit zwingen. Es gibt sogar noch schärfere Forderungen und entsprechende Zwangsmaßnahmen der zahlenden Behörden. Und alle diejenigen, die keine Verpflichtungen weiter haben, als nur für sich selbst zu sorgen, keine Kinder, keine pflegebedürftigen Angehörigen, keine Krankheiten, keinen schlechtbezahlten Job, dafür aber ein gutes Einkommen, eine gute Rente usw., die stimmen bedenkenlos in der erbosten Chor der Verurteiler ein. Ist das nun berechtigt? Haben sie recht? Stimmt das Bild? Und sind solche Forderungen gerechtfertigt? Was ist eigentlich der Grund für diese widersprüchliche und verfahrene Situation?

Wie sieht die soziale Lage in Deutschland aus?

Gibt es nun Armut in der BRD, oder gibt es sie nicht? Und sind tatsächlich einige Menschen nur zu faul zum Arbeiten? Die erstgenannte Frage erübrigt sich, denn es gibt Armut in der BRD. Wir wollen versuchen, deren Ursachen zu ergründen. Die zweite Frage ist berechtigt.
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Anhand der Grafik wird deutlich, daß in den östlichen Bundesländern (d.h. in der ehemaligen DDR) verstärkte Armut herrscht. Und das ist nicht etwa die „Folge der maroden DDR-Wirtschaft“, sondern vielmehr das Ergebnis der restlosen und systematischen Ausplünderung der DDR, die Folge des „Plattmachens“ sämtlicher DDR-Betriebe. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es etwa sieben Millionen Leistungsempfänger. Das sind diejenigen, die Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe (Hartz-IV) erhalten, weil das Geld zum Leben sonst nicht reicht. Und etwa siebzehn Prozent aller Kinder leben in relativer Armut – das sind fast drei Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren*. Daß es in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland Kinderarmut gibt, ist mehr als skandalös; daß ihre Rate seit 1990 stärker gestiegen ist als in den meisten entwickelten Industriestaaten, sollte eigentlich Alarm auslösen. Doch im Gegenteil: der Protest hält sich in Grenzen, aus Angst vor behördlichen Schikanen oder einfach nur aus Hilflosigkeit, Verzweiflung und Resignation. Die Repressionen und die Schikanierung der sog. Hartz-IV-Empfänger nimmt weiter zu. Die Zahl der Suppenküchen (vornehm „Tafeln“ genannt) wächst von Jahr zu Jahr. Und die Werktätigen sind oft gezwungen für Dumpinglöhne zu arbeiten. Sind sie also zu faul zum Arbeiten?
Suppenkueche
Wer allerdings eine Arbeit hat, der merkt davon nichts, oder interessiert sich nicht dafür. Denn die Zahl der Ablenkungen, Vergnügungen und Veranstaltungen nimmt gleichfalls zu. Auch äußerlich glänzende Fassaden können über innere Notlagen nicht hinwegtäuschen. Kinder sind in Deutschland indessen häufiger von Armut betroffen als Erwachsene. Es ist doch eigentlich widersinnig, daß junge Menschen in einem Land, dessen Geburtenrate seit Jahrzehnten sinkt, einem immer höheren Armutsrisiko ausgesetzt sind. Woran liegt das? Die OECD gibt darauf folgende „plausible“ Antwort: Die Ursache für die hohe Kinderarmut in Deutschland sei, „daß Familien vor allem über Transfers und Steuernachlässe wie Kindergeld oder Kinderfreibeträge unterstützt werden, daß aber gute Betreuungsangebote der Kinderarmut wirksamer vorbeugen könnten.“ Ganz logisch, na klar! Wenn nur die Eltern das ganze Geld nicht alles versaufen würden! … als ob „Betreungsangebote“ an dieser Situation etwas ändern könnten!

*Kinderreport 2009

Erst wer erkannt hat, wie alles das zusammenhängt, wer die Ursachen der wachsenden Armut (bei gleichzeitig wachsendem Reichtum) erkannt hat, der kann sich ein objektives Urteil darüber erlauben.

Und das sind die Hintergründe und Ursachen für die derzeitige Situation

1. Die Arbeitslosigkeit ist eine Folge der kapitalistischen Ausbeutung. Sie ist unvermeidbar, und ist zurückzuführen auf das Wirken der ökonomischen Geseze des Kapitalismus. Sie ist die Ursache für die Verelendung des Proletariats.
2. Der Lohn ist nicht die gerechte Bezahlung für eine geleistete Arbeit, sondern nur das, was der Unternehmer dem Arbeiter zubilligt, nachdem er seinen Profit gemacht hat.
3. Der Lohn dient überdies als Druckmittel, um die Konkurrenz innerhalb der Arbeiterklasse anzuheizen. Jede noch so geringfügige Lohnerhöhung muß immer erst erkämpft werden. Nicht immer erhalten die Arbeiter und Angestellten dafür auch Unterstützung durch die Gewerkschaften.
4. Ein hoher Lohn ist demzufolge auch nicht das Ergebnis einer hohen Leistung, sondern oft eine Art „Schweigegeld“ für unsaubere oder kriminelle Geschäftspraktiken einer Firma bzw. ein Bestechungsmittel, um das Wohlverhalten der Beschäftigten gegenüber dem sog. „Arbeitgeber“, der Firma, der Verwaltung, der Behörde usw. zu erkaufen.
5. Armut ist gewollt, um die Arbeiterklasse zu zwingen, für noch weniger Geld als bisher zu arbeiten, da es aufgrund der Notlage genügend Menschen gibt, die bereit sind, ihre Arbeitskraft noch weitaus billiger zu verkaufen, um existieren zu können.
6. Reichtum ist nicht das gerechte Ergebnis des eigenen Fleißes, sondern entspringt einesteils aus den Profiten, Renditen oder Grundrenten des Kapital- oder Grundeigentums. Andernteils kommt es aus den angehäuften Löhnen der Besserverdiener. Man muß fragen: Wem gehören denn die vielen schön restaurierten Gebäude, die Villen, Bankgebäude, Brücken und Straßen? Gehören sie dem Arbeiter, die sie gebaut hat, oder gehören sie dem Kapitalisten, der sie vermietet?
7. Der Widerspruch zwischen Armut und Reichtum, zwischen dem Proletariat und den Kapitalisten steckt in der kapitalistischen Produktionsweise. Es ist der antagonistische Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Dieser Widerspruch ist unter kapitalistischen Verhältnissen nicht lösbar.
8. Es gibt massenhaft kleine Unternehmer, sogenannte Selbständige, die sich oft sogar selbst am meisten ausbeuten, die bei Strafe ihres Untergangs zu noch schärferer Ausbeutung, zu höherem Leistungsdruck, zu noch geringerer Lohnzahlung gezwungen sind, die dennoch in das Geheul der Verurteiler einstimmen, weil sie ihre Lage nicht richtig einschätzen können.
9. Gibt es eigentlich noch eine Arbeiterklasse? Ja, es gibt sie. Obwohl viele Arbeiter in einem Betrieb kaum noch ein Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Durch ein ausgeklügeltes Schichtsystem kennen sie einander nicht, sie arbeiten kaum zusammen, sie haben unterschiedliche Sorgen, unterschiedliche Löhne und unterschiedliche Arbeitsbedingungen. Jeder Fall wird juristisch sozusagen als „Einzelfall“ behandelt.
10. Die Arbeiterklasse ist demnach zersplittert. Sie ist abgelenkt und manipuliert durch die Massenmedien und billige Vergnügungen. Teile und herrsche heißt das Prinzip der Bourgeoisie!

Siehe auch:
Woher kommt der Reichtum?
Warum gibt es überhauptArbeitslosigkeit?
Null-Bock-Stimmung – oder: Macht Geld faul?

Lieber klein, aber rein…

TjulpanowSergej I. Tjulpanow (1901-1984)

Damals, gleich nach 1945, hieß ein Schlagwort: „Lieber klein, aber rein“ (lieber eine kleine Partei sein, aber dafür rein, das heißt konsequent marxistisch, kämpferisch sein). Wenn ich im kleinen Kreis mit Kommunisten beisammen war, die eine sozialistische Einheitspartei befürworteten, kam es doch des öfteren vor, daß nach einer Debatte über das jüngste Geschehen – oder wenn Schumacher beziehungsweise einer seiner Gefolgsleute im Kampf gegen die Einheit wieder einmal antisowjetische und antikommunistische Reden geschwungen hatte – die Runde sich Tucholskys und seines bekannten politischen Gedichts „Feldfrüchte“ erinnerte und leise skandierte: „das bescheidene Radieschen: außen rot und innen weiߓ, so daß ich Mühe hatte, an mich zu halten und nicht einzustimmen.

Das waren zwar erklärliche, aber für die Gesamthaltung der KPD eben dennoch nur Randerscheinungen. Und selbst jene, deren Zweifel hinsichtlich der Vereinigung nicht restlos beseitigt waren, hielten sich konsequent an die Linie der Partei.

Quelle:
Sergej Tjulpanow, Deutschland nach dem Kriege (1945-1949), Bln.1987, S.77f.
Тюльпанов, Сергей И.: Германия после войны (1945-1949), М. (Übersetzung: Intertext)

Professor S.I. Tjulpanow war langjähriger Leiter der Informationsverwaltung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) und hervorragender Kenner der deutschen Prblematik nach 1945. Der Schlüssel für die erfolgreiche und historisch so bedeutsame Tätigkeit der SMAD waren die prinzipienfeste, dabei flexible und schöpferische Politik der Sowjetunion und die immer enger werdende Zusammenarbeit zwischen der KPdSU und der SED, sowie den anderen antifaschistisch-demokratischen Parteien und Organisationen, um die grundlegenden Bestimmungen des Potsdamer Abkommens und die antifaschistisch-demokratischehe Umwälzung auf allen Gebieten durchzusetzen.

mehr von Sergej Tjulpanow:
Die Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher nach 1945
Die Gründung der FDJ im Jahre 1946

Ein revolutionäres Volk…

John Reed
Wo immer ein revolutionäres Volk einer schwachen Regierung gegenübersteht, kommt unausbleiblich früher oder später der Moment, da jede Handlung der Regierung die Massen erbittert und jede Unterlassung ihre Verachtung weckt.

(John Reed: „10 Tage, die die Welt erschütterten“, 1973, S.83)

Eine wissenschaftliche Weltanschauung…

Wozu braucht der Mensch unserer Zeit eine wissenschaftliche Weltanschauung?

Auf den heutigen Menschen stürmen tagtäglich zahlreiche – oft unverständliche und einander widersprechende – Eindrücke ein, die viele Fragen hervorrufen. Fragen, wie sie vor allem das politische Leben aufwirft, vermag der einzelne nicht immer richtig zu beantworten.
Doch gerade diese politischen Probleme sind es, die am stärksten in das Leben der heutigen Menschen eingreifen, die sie mehr als je zuvor bewegen und viele Grundfragen der Weltanschauung an sie herantragen. Doch lassen sich die politischen Ereignisse und Probleme letztlich nur von der Grundlage einer wissenschaftlichen Weltanschauung her verstehen. Dieses Verständnis der Politik ist jedoch gerade heute für jeden Menschen von lebenswichtiger Bedeutung.
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Der Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus umfaßt eine ganze Epoche, die mit dem Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution im Jahre 1917 eingeleitet wurde und mit dem Sieg des Sozialismus in der ganzen Welt enden wird. Diese große Bewegung zum Sozialismus hin zieht immer mehr Menschen in ihren Bann, sie dringt in ihr Bewußtsein ein und beeinflußt ihr Denken und Handeln. Fast 100 Jahre ist es her, seit die werktätigen Massen Rußlands in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution unter der Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei die Macht der Kapitalisten und Großgrundbesitzer stürzten und ihre eigene Macht, den ersten sozialistischen Staat der Welt, errichteten.

Viele Menschen besitzen keine wissenschaftliche Weltanschauung. Ihre weltanschaulichen Auffassungen sind überwiegend aus den tagtäglichen Erfahrungen abgeleitet und durch Erziehung in Schule und Elternhaus geformt worden. Dabei entstehen oft ganz falsche Auffassungen und Denkweisen, die den Menschen desorientieren und ihm das richtige Handeln erschweren. So haben zum Beispiel viele Menschen aus bitteren Erfahrungen der Vergangenheit die Meinung gewonnen, daß der einfache Mann nichts zu sagen habe, daß „die da oben“ alles entscheiden und daß es komme, wie es kommen müsse. Wenn die Politiker in Deutschland die Aufrüstung und Kriegsvorbereitung beschlossen hätten, dann könne man nichts dagegen tun, dann müsse das Verhängnis seinen Lauf nehmen.
Eine solche Denkweise heißt in der philosophischen Fachsprache Fatalismus. Der Fatalismus behauptet, daß alles vom Schicksal vorherbestimmt sei, daß die Menschen allen Katastrophen der Natur und der Gesellschaft wehrlos ausgeliefert seien und sich in das „Unvermeidbare“, beispielsweise den imperialistischen Krieg und die kapitalistische Ausbeutung, fügen müßten. Indessen entspricht eine solche fatalistische Auffassung in keiner Weise den Tatsachen. Es gibt kein geheimnisvolles Schicksal, und es existiert auch keine schicksalhafte Unvermeidlichkeit des Krieges.
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Andere Menschen wieder suchen im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die ihnen im persönlichen Leben, in ihrer Arbeit und in der Politik begegnen, Hilfe und Trost außerhalb der Welt, bei Gott. Sie machen Gott, der doch in Wirklichkeit nur ein Phantasieprodukt des menschlichen Denkens ist, für alles Geschehen, für Erfolge und Mißerfolge, verantwortlich und hoffen, Gott werde eines Tages alles zum Guten wenden. Diese Denkweise entspricht, philosophisch gesehen, einer bestimmten Form der Weltanschauung, die wir als Idealismus bezeichnen. Es ist die Weltanschauung, die den Menschen einredet, es gäbe ein übernatürliches, geistiges Wesen jenseits der materiellen Welt, welches diese Welt erst geschaffen habe, und alles Geschehen auf ihr regele.

Sowohl der Fatalismus als auch die Religion sind unwissenschaftliche Weltanschauungen. Sie stehen im Gegensatz zur Wissenschaft und auch zu den Lebensinteressen der Werktätigen. Deshalb können sie keine Grundlage für das Denken und Handeln der fortschrittlichen Menschen unserer Zeit sein. In der heutigen Zeit, da immer mehr Menschen aus der Passivität erwachen und aktiven Anteil am gesellschaftlichen Leben nehmen, wächst das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Weltanschauung ganz erheblich. Immer größere Kreise aus der Arbeiterklasse, der Bauernschaft, der Intelligenz und den Mittelschichten wollen das Wesen dieser Umwälzungen tiefer verstehen und bewußter daran teilnehmen. Immer mehr erfassen bereits, wenn auch in unterschiedlichem Maße, daß es nur eine sinnvolle Orientierung gibt: den Sieg des Sozialismus!
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Der Sozialismus ist aber untrennbar mit der Wissenschaft und der wissenschaftlichen Weltanschauung verbunden. Deshalb braucht der Mensch unserer Zeit den dialektischen Materialismus.

Nach: Klaus/Kosing/Redlow – Der dialektische Materialismus, Berlin 1959

Der Müll in deutschen Köpfen…

Otto Meyer schreibt in ossietzky 5/2010:
„Für die national wie international weiterwuchernde Wirtschaftskrise machen die Herrschenden gern Verursacher im Ausland aus. (…) Am schlimmsten aber soll es Griechenland getrieben haben: Schon die Aufnahme in den hehren Club der Euro-Länder habe es sich mit gefälschten Daten über sein wahres Bruttosozialprodukt und den Staatshaushalt erschlichen – angeblich mit Hilfe von US-Bankern und deren gewieften Finanzstrategien! (…)

Wegen derartiger Hetzkampagnen ist es nun schon zu diplomatischen Verwicklungen und antideutschen Aktionen gekommen. Der deutsche Botschafter in Athen wurde ins griechische Außenministerium einbestellt, der geplante Besuch des griechischen Präsidenten in Berlin war zwischenzeitlich in Frage gestellt worden. Griechische Medien verweisen darauf, daß Deutschland immer noch keine befriedigende Wiedergutmachungsleistungen für die Zerstörungen und die Massaker an der Zivilbevölkerung während des 2. Weltkrieges geleistet hat. Einige Organisationen in Griechenland haben zum Boykott deutscher Waren aufgerufen.

Damit käme man der wahren Ursache schon näher. Denn die Probleme mit der Zahlungsbilanz resultieren großenteils aus dem enormen Handelsungleichgewicht mit Deutschland. Jahr für Jahr konnte die BRD vier- bis fünfmal mehr Waren nach Griechenland exportieren als von dort hierher importiert wurden; 2008 strömten für 8,3 Milliarden Euro deutsche Waren in die Republik Griechenland, der Import aus Hellas dagegen summierte sich auf nur 1,9 Milliarden Euro.
Muell_ausleeren
Wird es nicht langsam Zeit, mal den Müll aus den Köpfen auszuleeren???

Deutscher Völkermord in Leningrad

Fast 900 Tage dauerte die Belagerung Leningrads durch die faschistische Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944.
Vergangenheit_Gegenwart
Der beabsichtigte Verzicht auf eine Einnahme der Stadt durch die deutschen Truppen, mit dem Ziel, die Leningrader Bevölkerung systematisch verhungern zu lassen, war eines der eklatantesten Kriegsverbrechen der deutschen Wehrmacht während des Krieges gegen die Sowjetunion. Schätzungen zufolge verloren etwa 1,1 Millionen zivile Bewohner der Stadt in Folge der Blockade ihr Leben.Vergangenheit_Gegenwart
Die meisten von ihnen starben an Hunger und Kälte. Die Lebensmittelvorräte waren bald aufgezehrt. Das Brennmaterial ging aus, und 1941/42 wütete ein grimmiger Winter, einer der kältesten des 20.Jahrhunderts überhaupt, die Temperaturen sanken auf minus 40 Grad. Der Verkehr stand still, das Wasser gefror in den Leitungen, Heizung und Strom fielen aus. Die schaurigen Fotografien aus jener Zeit zeigen Straßen, durch die sich ausgezehrte Menschen schleppen. Überall liegen die Leichen derjenigen, die mitten auf dem Weg tot zusammengebrochen sind. Den Menschen fehlt sogar die Kraft, ihren nächsten Verwandten ein anständiges Begräbnis zu bereiten. Auf einfachen Schlitten ziehen sie die Verstorbenen zu den Sammelstellen, in riesigen Massengräbern werden die Toten verscharrt.
Vergangenheit_Gegenwart
Als die Belagerung aufgehoben wurde, mischte sich Trauer in den Freudentaumel. Etwa 750.000 Hungertote, außerdem eine halbe Million Soldaten und zivile Opfer von Luftangriffen – die Hälfte der Bevölkerung war ausgelöscht. „Laßt sie uns nicht vergessen, laßt nichts vergessen sein!“ schrieb die Dichterin Olga Bergholz.

siehe auch:
http://www.zeit.de/2004/04/A-Belagerung_L
Osaritschi – ein Wehrmachts-KZ in Sowjet-Belorußland

Ich habe geschwiegen.

PastorNiemoellerSchweigen macht mitschuldig

Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen;
Ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen;
Ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie Gewerkschafter holten, habe ich nicht protestiert.
Ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Juden holten, habe ich nicht protestiert,
ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.

Pastor Martin Niemöller (1892-1984)

(evang.Pfarrer, war 1937-45 als Gründer des Pfarrernotbundes Antifaschist u. Leitungsmitglied der Bekennenden Kirche im KZ Sachsenhausen)

…zu dramatischen Ereignissen 1989

Man kann wohl Erich Honecker glauben, wenn er selbst zu den dramatischen Ereignissen der Jahre 1989 – 90 Stellung nimmt. Im Unterschied zu vielen anderen, die angesichts der sich rapide verändernden Situation sehr schnell ihr Hemd wechselten und ihr Parteidokument vernichteten, erinnert sich Gen.Honecker rückblickend an seinen konsequenten Kampf gegen den Faschismus. Natürlich sind seine Irrtümer tragisch, doch über „Schuld“ zu reden, wäre hier unangebracht, denn auch das Politbüro des ZK der SED bestand nicht aus einer Person…

Er schreibt:

Daß die Überwindung der deutschen „Zweistaatlichkeit“ nach Lage der Dinge nur durch einen Systemwechsel in der DDR zu bewerkstelligen war, war nur logisch. Aber daran zu glauben, kam uns damals nicht in den Sinn. Wir glaubten an die gegenseitigen Bündnisverpflichtungen, die niemandem das Recht gaben, die DDR aufzugeben und wir glaubten an die Festigkeit dieses Bündnisses, an die Ehrlichkeit der Verbündeten, die mit uns nie und nirgendwo über die Möglichkeit der Aufhebung der deutschen „Zweistaatlichkeit“ sprachen.
EH
Die Ereignisse seit dem Beschluß des Politbüros des Zentralkomitees der SED am 11. Oktober 1989 zur Wende, meinem Rücktritt auf dem 9. Plenum des Zentralkomitees am 18. Oktober 1989 verliefen folgerichtig in Richtung Systemwechsel. Die DDR wurde der BRD ausgeliefert und von der BRD okkupiert, auch wenn man das freiwilligen Anschluß nennt. Und heute zeigt sich, daß das nicht des Volkes Wille war, auch wenn später die Mehrheit die CDU/CSU wählte. Diesen Irrtum muß das Volk teuer bezahlen. Die Opferung der DDR ist das Schmerzlichste in meinem Leben, aber es bleibt die Zuversicht, die mit mir viele Menschen teilen: Der Sozialismus ist nicht von der Weltbühne verschwunden und er wird von ihr nicht abtreten.

Trotz des vorläufigen Scheiterns des Versuchs der Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft, trotz der gegenwärtigen politischen Verwirrungen wird der Wille zur Errichtung einer von Ausbeutung freien, gerechten und friedlichen Welt nicht zu brechen sein. Das Wichtigste ist und bleibt, daß unsere Bewegung nach ihrer größten Niederlage seit ihrer Existenz, dem Zusammenbruch der sozialistischen Länder in Mittel- und Osteuropa und der gegenwärtigen komplizierten Lage in der UdSSR und der damit eingetretenen Schwächung ihrer Position in der Welt neue Kräfte sammelt, daß sich die marxistischen Parteien wieder festigen, denn nur sie sind in der Lage, eine Politik in Übereinstimmung mit den gesellschaftlichen Entwicklungsgesetzen auszuarbeiten, auf die neu entstandenen Bedingungen und Probleme Antwort zu finden und trotz aller Widrigkeiten die sozialistische Idee in den Massen zum Tragen zu bringen.

Der Sozialismus ist keine Utopie, er ist eine Wissenschaft, daran ändert auch die Tatsache nichts, daß es in Deutschland, dem Land, aus dem die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus stammen, „modern“ geworden ist, daß „sozialistische Theoretiker“ das in Frage stellen. Niederlagen muß man mit der Marx’schen Methode analysieren, nur so lassen sich Lehren ziehen. So werden und können, wie Karl Liebknecht kurz vor seiner Ermordung schrieb, Niederlagen auch Siege sein, Niederlagen zu neuen Siegen führen.
Major
Natürlich war mir in den Oktobertagen des Jahres 1989 nicht so klar wie heute, daß durch die Verschiebung der weltpolitischen Konstellation für das Sein oder Nichtsein der DDR eine neue Situation eingetreten war. Das möchte ich auch den Mitgliedern und Kandidaten des Politbüros und des Zentralkomitees zugute halten. Denn sie konnten so wenig wie ich das Spiel durchschauen, das zu einer völligen Veränderung des Kräfteverhältnisses in der Welt führte. Ich bin mir gerade heute, wie bereits in der Sitzung des Politbüros vom 10. und 11. Oktober 1989, darüber im klaren, daß der in meiner Abwesenheit vorbereitete Beschluß für die „Wende“ falsch war. Weder die Beschlüsse des 9. Plenums noch des 10. Plenums des Zentralkomitees der SED konnten die Lage positiv beeinflussen, da der DDR, die ein Ergebnis des 2. Weltkrieges und der Nachkriegsentwicklung war, bereits der Boden für ihre Existenz entzogen war. Sowohl die Partei als auch die staatlichen Organe wurden durch den Beschluß und seine Begleitumstände irritiert. Die dann eingeleitete Verleumdungs-kampagne gegen die „SED-Spitzen“ auf den verschiedensten Ebenen hat für den „Systemwechsel“ günstigen Boden bereitet.
Grenze
Das war nun das Verdienst der „demokratischen Sozialisten“ in der Partei, die mit ihrem Ruf nach mehr „Demokratie“, was der Springer-Presse besonders gefiel, dazu beitrugen, die DDR in den Abgrund zu stürzen.

Quelle:
Erich Honecker – Zu dramatischen Ereignissen, W.Runge Verlag, Hamburg, Mai 1992

Siehe auch
Dr.Kurt Gossweiler – Ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts