Die reaktionäre Innenpolitik der BRD

Aus dem DDR-Schulbuch „Staatsbürgerkunde“ von 1980: (1)

Zu den wichtigsten Seiten der imperialistischen Politik in den noch vom Monopolkapital beherrschten Ländern gehören ökonomische Ausbeutung, politische Unterdrückung und geistige Manipulierung der Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen. Die Bourgeoisie wendet dabei sowohl offen brutale Unterdrückungsmethoden an als auch verschleierte Methoden und Mittel, die oft verbunden sind mit vorübergehenden sozialen Zugeständnissen, die unter dem Druck der Kämpfe der Arbeiterklasse gewährt werden müssen. Alle konkreten Methoden richten sich dabei nach dem gegebenen Kräfteverhältnis im betreffenden Lande.

1. Die ökonomische Ausbeutung

Die ökonomische Ausbeutung hat sowohl in ihrem Umfang zugenommen und ist auch in ihren Formen vielgestaltiger geworden. Die Arbeiterklasse, die am stärksten ausgebeutet wird, muß die Hauptlast der imperialistischen Profitwirtschaft tragen. Bereits im Zusammenhang mit der weiteren Vertiefung der allgemeinen Krise des Kapitalismus hatten wir gesehen, wie durch Arbeitslosigkeit, Inflation, Preissteigerung und Währungsspekulation die soziale Unsicherheit und die Existenzangst der Menschen zunimmt. Aber das ist nur die eine Seite der Übel des Kapitalismus. Eine andere besteht darin, daß über 85 Prozent der Bevölkerung in diesen Ländern vom Eigentum an Produktionsmitteln ausgeschlossen sind, daß wiederum nur wenige Monopolherren die ökonomische Macht in ihren Händen halten und in ihrem Interesse über die Richtung, die Art und Weise und die Ergebnisse der Produktion verfügen.(2)
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Nationale und riesige internationale Wirtschaftsvereinigungen, die sich in vieler Hinsicht mit dem Staatsapparat kapitalistischer Länder verschmolzen haben, nutzen allein den wissenschaftlich-technischen Fortschritt dazu aus, eine Rationalisierungswelle gegen die Interessen der Werktätigen hochzupeitschen, Arbeitsplätze zu streichen und die Arbeitshetze zu vergrößern. Davon am meisten betroffen sind ältere Arbeiter, die oft zur Frühinvalidität verdammt sind, und Jugendliche, die entweder keine Berufsausbildung erhalten oder sofort ins Heer der Arbeitslosen gestoßen werden.

Die Herausbildung einer zahlenmäßig verschwindend kleinen, aber äußerst mächtigen Finanzoligarchie auf der einen Seite und die Proletarisierung der absoluten Mehrheit des Volkes auf der anderen Seite ist heute ein wesentliches Kennzeichen in den hochentwickelten imperialistischen Ländern.

Wie sich unter solchen Bedingungen die Ausbeutungsrate unter anderem bei den Industriearbeitern gesteigert hat, zeigt folgendes Beispiel:

Ein Industriearbeiter in der BRD arbeitet — legt man eine achtstündige Arbeitszeit zugrunde — mehr als fünf Stunden für die Monopole. Zählt man noch die vom Lohn abgezogenen Steuern hinzu, dann arbeitet er sechs Stunden und dreißig Minuten für die Monopole und den Staat und nur eine Stunde dreißig Minuten für sich selbst. Noch schlimmer sind die Verhältnisse in jenen Ländern, wo es noch keine organisierte, starke Arbeiterbewegung gibt und die kapitalistischen Unternehmungen zügellos aus den arbeitenden Menschen herauspressen, was sie nur herauspressen können. Tiefe Armut ist dort die Folge.(1)

Aber der Imperialismus verurteilt nicht nur Hunderte Millionen Menschen in den noch von ihm beherrschten unterentwickelten Ländern zu tiefster Armut. Selbst im „reichsten Land der Welt“ leben mehr als 25 Millionen Amerikaner in bitterster Armut. Gleichzeitig wachsen die Steuerlasten. In den USA gingen von jedem Dollar (100 Cent) der Einkommen der Arbeiter und Angestellten allein an direkten Steuern 1950 14 Cent, 1972 22 und 1974 28 Cent ab. In der BRD stieg der Anteil, der in Form direkter Steuern vom Arbeitslohn abgezogen wird, im gleichen Zeitraum von 12,6 auf 25,7 Prozent.

2. Die politische Unterdrückung

Wie sich im Imperialismus die Lebensbedingungen der Werktätigen und das Profitstreben der Monopole gegenüberstehen, so sind auch Monopolherrschaft und Demokratie unvereinbar. Das System der politischen Unterdrückung wird von Jahr zu Jahr weiter ausgebaut und verfeinert. Zu den vielfältigen Mitteln und Methoden des Imperialismus, die Völker politisch zu unterdrücken und einzuschüchtern, gehören:

— Brutaler faschistischer Terror gegenüber allen demokratischen Kräften, wie ihn zum Beispiel die Junta in Chile verübt. Die faschistische Junta in Chile hatte bis Ende 1976 25.000 Patrioten ermordet, 40.000 Kinder zu Waisen gemacht, 200.000 Menschen aus politischen Gründen von ihren Arbeitsplätzen verjagt.

— Die Einschränkung demokratischer Freiheiten durch das Verbot fortschrittlicher Parteien und Organisationen der Werktätigen. Zugleich wirken zum Beispiel in den USA über 26.000 ultrarechte Organisationen und in. der BRD 113 neofaschistische Organisationen.

— Antidemokratische und arbeiterfeindliche Gesetze, die strafrechtliche Verfolgung von Streikenden in den USA, „schwarze Listen“ in Großbritannien, Japan, Kanada und Spanien oder das Berufsverbot für konsequente Demokraten im Staatsdienst der BRD.

3. Die geistige Manipulierung

Ein äußerst wichtiges Mittel der Innenpolitik der Imperialisten ist die geistige Manipulierung der Volksmassen. Ohne daß sich die Menschen dessen bewußt werden, sollen ihr Weltbild (ihre Weltanschauung), ihre Denkgewohnheiten, ihre Gefühle, ihre gesamte Lebensweise den reaktionären Interessen der Imperialisten untergeordnet werden. Die Manipulierung des Bewußtseins der großen Masse des Volkes soll bewirken, daß sich die Volksmassen — entgegen ihren eigenen objektiven Interessen — den Klasseninteressen der imperialistischen Bourgeoisie, der imperialistischen Ideologie, so weit wie möglich anpassen. Für diese Herrschaftstechnik setzen die Imperialisten vielfältige wissenschaftliche Methoden (zum Beispiel Meinungsforschung) und gewaltige Geldmittel ein.
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Das Heer ihrer Agenten, die „mißliebige Personen“ bespitzeln, ihrer „Fachleute“, die die raffiniertesten Methoden der Massenbeeinflussung ausklügeln, wächst ständig. Riesige Konzerne des Verlags- und Pressewesens (zum Beispiel Springer in der BRD), die Filmindustrie sowie Rundfunk und Fernsehen „machen“ für die arbeitende Bevölkerung jene Meinung, die die Aufrechterhaltung der imperialistischen Machtverhältnisse und Lebensweise geistig absichern soll.

Die gesamte ideologisch-politische Tätigkeit des Imperialismus ist dazu mit falschen Begriffen durchsetzt. Der Imperialismus wagt nicht einmal, sein System beim richtigen Namen zu nennen. Statt dessen wird er als „freie Welt“, „westliche Demokratie“, „westliche Welt“, „atlantische Gemeinschaft“ bezeichnet. Die von Krisen geschüttelte kapitalistische Ordnung wird als „freie Marktwirtschaft“ ausgegeben; die politische Ordnung, die die Werktätigen unterdrückt, wird als „Demokratie“ charakterisiert. Auf diese Weise wird das Denk- und Urteilsvermögen von Millionen Menschen systematisch zerstört. Die Menschen sollen zur geistigen Unmündigkeit verurteilt und zu Untertanen gemacht werden, die keinerlei Kritik am Kapitalismus üben, Ausbeutung und politische Unterdrückung geduldig ertragen und die imperialistische Gesellschaft als die ihrige betrachten.

4. Die verräterische Rolle der Sozialdemokratie

Eine besondere Rolle in diesem System spielt die Mehrheit der sozialdemokratischen Führer(4). Sie bekennt sich zum herrschenden imperialistischen System, ist gegen die notwendige Veränderung der politischen Machtverhältnisse und gegen die Schaffung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln. Sie leugnet den Klassenkampf und geht von einer „Klassenharmonie“ aus.
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Um dem zunehmenden Einfluß der marxistischen Ideen zu begegnen, entwickeln die rechten Sozialdemokraten eigene — scheinbar positive — gesellschaftliche Zielvorstellungen. Eine besondere Rolle unter diesen Auffassungen spielt die Theorie des „demokratischen Sozialismus“. Der „demokratische Sozialismus“ zielt darauf ab, die Entwicklung des Klassenbewußtseins der Arbeiterklasse in den kapitalistischen Ländern zu behindern und die Mitglieder und die von der Sozialdemokratie beeinflußten Arbeiter vom Kampf um eine tatsächliche Veränderung der Machtverhältnisse abzuhalten. Durch Reformen soll das staatsmonopolistische Herrschaftssystem „verbessert“ werden. Außerdem wird mit der verstärkten Propagierung des „demokratischen Sozialismus“ der Zweck verfolgt, bürgerliche Reformpolitik als „sozialistisch“ und „demokratisch“ auszugeben. Solche Auffassungen in der Sozialdemokratie sind ihrem Wesen nach antikommunistisch und erweisen sich als Bestandteil der bürgerlichen Ideologie. Sie ordnen sich in das Gesamtgefüge der bürgerlichen Auffassungen über die Gesellschaft ein und tragen zur geistigen Manipulierung der Werktätigen in den kapitalistischen Ländern bei. Zugleich ist die Theorie vom „demokratischen Sozialismus“ ein wichtiges Mittel der ideologischen Diversion in die sozialistischen Staaten.

Die geistige Manipulierung soll die Entwicklung des Klassenbewußtseins der Arbeiterklasse behindern, die Volksmassen in Unwissenheit halten und damit helfen, den gesellschaftlichen Fortschritt aufzuhalten.

Aber auch dieses Mittel ist letztlich zum Scheitern verurteilt, denn der Gegensatz zwischen Monopolkapital und Volk wird immer tiefer, und der Klassenkampf verschärft sich gesetzmäßig.

Quelle: Staatsbürgerkunde, Lehrbuch für Klasse 10, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1980, S.50f. (Zwischenüberschriften – N.G.)

Anmerkungen:
(1) Auffällig ist, daß dieser gesamte Abschnitt im Schulbuch Staatsbürgerkunde Klasse 10 von 1989 nicht mehr enthalten ist. Stattdessen wird dort ausführlich über die „Friedensfähigkeit des Imperialismus“, über das „Neue Denken“ (Gorbatschow) und die „Schlußakte von Helsinki“ referiert. Ebenso fehlt der Abschnitt über die führende Rolle der marxistisch-leninistischen Partei (3.1.3) und die Verteidigung des Sozialismus (3.2.6). Ein deutlicher Einfluß des Revisionismus in der DDR!
(2) Heute herrscht sogar in den hochentwickelten kapitalistischen Ländern relative Armut. Dazu zählen in der BRD auch die ca. 7 Millionen sogenannten Hartz-4-Empfänger.
(3) In der BRD gibt es über 120 Milliardäre (weltweit ca. 790). Sie besitzen rund 80 Prozent aller Vermögenswerte in der BRD. Gerade in Krisenzeiten nimmt ihr Reichtum zu – und der der Lohnempfänger ab.
(4)Das trifft heute auch auf die Partei „Die Linke“ und die DKP zu.

4 Gedanken zu “Die reaktionäre Innenpolitik der BRD

  1. Als wie wahr sich doch alles aus diesem Stabü-Lehrbuch von 1980 erwiesen hat! Leider haben es viele nicht geglaubt….
    Zum Thema Revisionismus hätte ich noch einzuwenden, daß es den auch schon viel früher in der DDR gab.
    Weil im obigen Artikel als Anmerkung Nr. 1 steht, daß es verschiedene richtige Analysen u. Einschätzungen im Stabü-Buch von 1989 nicht mehr gab usw.: Ich habe ein Video von den 10. Weltfestspielen 1973 in Berlin. Dort sprach auch Erich Honecker. Er sprach doch tatsächlich von der „Zurückdrängung der aggressiven ‚Tendenzen‘ des Imperialismus“….
    Was für eine Verharmlosung, welch ein Revisionismus!…
    Als ob der Imperialismus nur „aggressive Tendenzen“ hätte u. nicht von Natur aus aggressiv ist…. (je nachdem, wie es ihm die „Umstände“ erlauben….)

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    1. Unter dem Einfluß der revisionistischen Kräfte in der Sowjetunion gewann die Verharmlosung des Imperialismus zunehmend an Einfluß. Das spiegelte sich auch in den DDR-Schulbüchern wider und führte zu in der Bevölkerung zu falschen Einschätzungen der tatsächlichen Lage.

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