Kurt Gossweiler über die DDR

Entgegen den offiziell verbeiteten Lügenmärchen haben sich zahlreiche DDR-Wissenschaftler mit Fakten und eigenen Erlebnissen über die DDR geäußert. So zum Beispiel der Historiker Dr.Kurt Gossweiler. In seinen zahlreichen Schriften und Veröffentlichungen setzte er sich nicht nur mit dem schmählichen Untergang des Sozialismus auseinander, sondern charakterisierte auch klar und eindeutig die sozialistische Lebensweise in der DDR. Kurt Gossweiler schreibt:

Schon jetzt halten Schüler von heute uns ehemalige DDR-Bürger für Märchenerzähler, wenn wir ihnen über alltägliche Selbstverständlichkeiten aus dem DDR-Alltag berichten (nach Hermann Leihkauf):

In der DDR
…gab es ein Recht auf Arbeit und keine Arbeitslosigkeit.
…hatte jeder Jugendliche eine kostenlose Schulbildung.
…war das Hochschul-Studium kostenlos und die meisten Studenten erhielten Stipendien, die nicht zurückgezahlt werden mussten.
…erhielt jeder Jugendliche nach Schulabschluß eine Lehrstelle.
…gab es nur eine Krankenkasse für alle; deshalb waren die Krankenkassenbeiträge niedrig.
zahlten die Krankenkassen jede Arztbehandlung und jeden Krankenhausaufenthalt und alle vom Arzt verordneten Medikamente.
…lag die Sozialversicherung in den Händen der Gewerkschaften
…wurden die Löhne und die Arbeitsbedingungen im Rahmen des Arbeitsgesetzbuches durch die Betriebsleitungen und die Gewerkschaften gemeinsam festgelegt, d.h., die Arbeiter haben über ihre Gewerkschaft dabei mitentschieden.
…war gesetzlich festgelegt: Ob Mann oder Frau – gleicher Lohn für gleiche Arbeit!
…lag der Wohnungsbau in den Händen des Staates, der Kommunen oder der Betriebe und Genossenschaften. Er diente nicht der Profiterwirtschaftung, sondern der Schaffung von Wohnraum für die Bevölkerung.
…lagen deshalb die Mietkosten weit unter denen in der BRD.
…gab es keine Obdachlosen.
…gab es auch eine Armee, die Nationale Volksarmee (NVA). Aber die war nur zur Verteidigung gegen Angriffe da, nicht dazu, Angriffskriege zu führen, wie die Bundeswehr, die Angriffskriege geführt hat in Jugoslawien, in Afghanistan und dort noch immer Krieg führt. Die NVA dagegen hat niemals Krieg geführt; denn die DDR-Regierung hielt sich an das von ihr geprägte Wort: Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!

So schreibt Dr. Kurt Gossweiler über die DDR:

1) In der DDR gab es ein Recht auf Arbeit und keine Arbeitslosigkeit.
In der DDR war gesetzlich festgelegt: Ob Mann oder Frau — gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Die Förderung der Frauen, besonders in der beruflichen Qualifizierung, war gesellschaftliche und staatliche Aufgabe. Zunehmend bis zu 92 Prozent aller Frauen im arbeitsfähigen Alter waren berufstätig. Das war möglich, weil praktisch alle Kinder zwischen drei und sechs Jahren in Kindergärten von Fachkräften gegen ein geringes Entgelt betreut und verpflegt wurden. Die älteren Kinder bis zur vierten Klasse hatten die Möglichkeit, ihre Freizeit in betreuten Kinderhorten zu verbringen. Auch die Kinder bis zu drei Jahren konnten auf Wunsch der Familien tagsüber in Kinderkrippen betreut werden.

2) In der DDR hatte jeder Jugendliche eine kostenlose Schulbildung.
In der DDR war das Hochschulstudium kostenlos und die meisten Studenten erhielten Stipendien, die nicht zurückgezahlt werden mußten. Die Bildungsstätten standen jedermann offen. Das einheitliche sozialistische Bildungssystem gewährleistete jedem Bürger eine internationalen Ansprüchen genügende kontinuierliche Erziehung, Bildung und Weiterbildung. Es bestand Chancengleichheit und die freie Wahl des Bildungsweges. In der Deutschen Demokratischen Republik bestand allgemeine zehnjährige Oberschulpflicht, die durch den Besuch der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule zu erfüllen war. Alle Jugendlichen hatten das Recht und die Pflicht, einen Beruf zu erlernen. Jeder Jugendliche bekam nach Schulabschluß eine Lehrstelle. Mit der erweiterten polytechnischen Oberschule sicherte der Staat den Übergang zur nächst höheren Bildungsstufe bis zu den höchsten Bildungsstätten, den Universitäten und Hochschulen. Es bestand Schulgeld- und Lernmittelfreiheit. 1988/89 hatten in der DDR von den 8,9 Millionen Gesamtbeschäftigten sieben Millionen (79,4 %) eine abgeschlossene berufliche Ausbildung; darunter mit Hochschulabschluß 630.000, mit Fachschulabschluß 1,1 Millionen, mit Meisterabschluß 330.000 und mit Facharbeiterabschluß 4,8 Millionen. Damit wurde – zum bisher ersten und einzigen Mal in der deutschen Geschichte – das Recht auf Arbeit, Bildung und Ausbildung verwirklicht.

3) Die Grundsätze der Gesundheitspolitik waren in der Verfassung der DDR verankert.
Nach Artikel 35 der Verfassung hatte jeder Bürger das Recht auf Schutz seiner Gesundheit und Arbeitskraft. In der DDR gab es nur eine Krankenkasse für alle; deshalb waren die Krankenkassenbeiträge niedrig. In der DDR zahlten die Krankenkassen jede Arztbehandlung und jeden Krankenhausaufenthalt und alle vom Arzt verordneten Medikamente. In DDR lag die Sozialversicherung in den Händen der Gewerkschaften. Patienten waren bei Inanspruchnahme des Gesundheitswesens der DDR Praxisgebühr, Beteiligung an den Medikamentenkosten oder an den Kosten für Heilbehandlungen fremd. Es bestand freie Arztwahl, jeder Bürger konnte den Arzt seines Vertrauens wählen. Aus dem Staatshaushalt wurden sowohl ein großer Teil der Sozialversicherung als auch der Einrichtungen des Gesundheitswesens finanziert. Im Verlaufe der vierzig Jahre DDR erhöhte sich die durchschnittliche Lebenserwartung bei Männern um sechs Jahre und bei Frauen um acht Jahre.

4) Die Arbeitsbedingungen in der DDR waren gerecht geregelt.
In der DDR wurden die Löhne und die Arbeitsbedingungen im Rahmen des Arbeitsgesetzbuches durch die Betriebsleitungen und die Gewerkschaften gemeinsam festgelegt, d.h. die Arbeiter haben über ihre Gewerkschaft dabei mitentschieden.

5) Alle Bürger hatten das Recht auf Teilnahme am kulturellen Leben.
Die Teilnahme der Bürger am kulturellen Leben, an Körperkultur und Sport sowie die Feriengestaltung wurden durch den Staat und die Gesellschaft allseitig – auch finanziell – gefördert. Bei Olympiaden, Welt- und Europameisterschaften gehörten DDR-Sportler zu den Spitzenathleten. Es nahmen 1883 Sportlerinnen und Sportler an acht olympischen Sommerspielen und 440 Sportlerinnen und Sportler an neun olympischen Winterspielen teil. Sie gewannen 572 Medaillen, davon 207 in Gold, 192 in Silber und 177 in Bronze. Sie errangen in verschiedenen Sportarten 713 Weltmeister- und 697 Europameistertitel.

6) In der DDR lag der Wohnungsbau in den Händen des Staates, der Kommunen oder der Betriebe und Genossenschaften.
Er diente nicht der Profiterwirtschaftung, sondern der Schaffung von Wohnraum für die Bevölkerung. Der Staat war durch die Verfassung verpflichtet, das Recht auf Wohnraum durch die Förderung des Wohnungsbaus, die Werterhaltung vorhandenen Wohnraumes und die öffentliche Kontrolle über die gerechte Verteilung des Wohnraumes zu verwirklichen. Ein Grundprinzip blieb die Beibehaltung der Mieten auf dem Niveau der Stopp-Preise von 1944. Vom berechneten Aufwand für die Bewirtschaftung und die Erhaltung von einem Quadratmeter des volkseigenen Wohnungsbestandes in Höhe von drei Mark wurden vom Bürger eine Mark und aus dem Staatshaushalt zwei Mark bezahlt. Eine Drei-Zimmer-Neubauwohnung einschließlich Warmwasser und Heizung in einem Wohnungsneubau war über 40 Jahre konstant mit einem Mietaufwand von 110 bis 150 Mark verbunden. Für die gleiche Wohnung wird heute nach mehrfachen Mieterhöhungen eine Miete in Höhe von fast 500 Euro verlangt. In der DDR lagen die Mietkosten weit unter denen in der BRD. In der DDR gab es keine Obdachlosen.

7) Staatlich kontrollierte Preispolitik diente der Verbesserung des Lebensstandardes.
Mit den auf der Grundlage des Leistungsprinzips steigenden Einkommen der Bevölkerung und mit einer vom Staat kontrollierten Preispolitik für Erzeugnisse des Grundbedarfs wurde die Versorgung der Bevölkerung planmäßig und kontinuierlich verbessert. Die Sicherung stabiler Preise für Waren des Grundbedarfs, Tarife und Dienstleistungen für die Bevölkerung ermöglichte den Verbrauch wichtiger Lebensmittel durch alle Einkommensgruppen. Prinzip blieb bis zum Ende der DDR die Beibehaltung der Preise für den Grundbedarf der Bevölkerung auf dem Niveau der Stopp-Preise von 1944 oder sogar von 1936. Bei Grundnahrungsmitteln entfielen auf 100 Mark Einzelhandelsverkaufspreis 30 Mark an Stützungen aus dem Staatshaushalt.

8) Keine Existenzängste, denn die Lebensverhältnisse waren gesichert.
Die Zuwendungen für die Bevölkerung aus dem Staatshaushalt im Jahre 1988 für Bildung, Wohnung, Gesundheit, Kultur, Sport, Erholungswesen und Subventionen betrugen 110,7 Milliarden Mark und hatten einen Anteil an den Ausgaben des Staatshaushaltes von 41 Prozent.

9) Die Volksarmee diente der Sicherung des Friedens
In der DDR gab es auch eine Armee, die Nationale Volksarmee. Aber die war nur zur Verteidigung gegen Angriffe da, nicht zur Führung von Angriffskriegen, wie sie die Bundeswehr gegen Jugoslawien geführt hat und gegen Afghanistan noch immer führt. Die NVA führte niemals Krieg, denn die DDR-Regierung hielt sich an das von ihr geprägte Wort: Von deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen!

Es klingt wie ein Traum – doch es war Wirklichkeit!

Dies alles, was in den Ohren von BRD-Bürgern wie eine Liste von unerfüllbaren Wünschen klingt, das war für „gelernte DDR-Bürger“ so selbstverständlich, daß sie es gar nicht richtig zu schätzen wußten und mehrheitlich meinten, das könnten sie selbstverständlich in die „Vereinigung“ mitnehmen.

Je länger und für immer mehr das alles gegen ein Leben als „Hartzi“ und „Ein-Euro Jobber“, als Arbeitsloser oder vergeblicher Lehrstellenbewerber eingetauscht wurde, desto mehr wächst die Zahl derer, denen bewußt wird, daß sie einen ganz miserablen Tausch gemacht haben, und um so mehr spricht sich auch bei den „Wessis“ – vor allem bei denen, die sich in gleicher Situation befinden – herum, daß das offizielle und aus allen Kanälen verbreitete DDR-Bild ein bösartiges, verlogenes Zerrbild ist.

Die DDR war im Vergleich mit der Bundesrepublik ein armes Land, aber im Umgang der Menschen miteinander an menschlicher Nähe und Wärme um vieles reicher.

Ich habe zu DDR-Zeiten immer wieder erlebt, daß ältere DDR-Bürger und Bürgerinnen, die von ihrem „Privileg“ Gebrauch gemacht hatten, in den „Westen“ zu Verwandten reisen zu dürfen, nach ihrer Rückkehr lang und ausführlich davon schwärmten, was es dort alles in den Geschäften zu kaufen gäbe, und wie billig dort Obst und Gemüse sei, und wie schick ihre Verwandten gekleidet und wie schmuck die Häuser verputzt seien. Wenn ich sie dann aber fragte, ob sie denn für dauernd drüben lebten wollten, dann kam übereinstimmend fast immer die gleiche verneinende Antwort, und auf die Frage: „Ja, warum denn nicht?“ die gleiche Antwort: „Ja, so schön das alles auch ist – aber irgendwie ist das Klima zwischen den Menschen dort kälter. Als ich auf der Rückfahrt über die Grenze fuhr und wieder in der DDR war – da habe ich richtig froh aufgeatmet: Jetzt bin ich wieder richtig zu Hause!“

Quelle:
Horst Jäkel (Hrsg.), DDR unauslöschbar, GNN-Verlag Sckeuditz, 2008, S.20-22 (gekürzt)
(Dr.Hermann Leihkauf war der ehemalige Stellvertretende Vorsitzende der Staatlichen Plankommission der DDR.)

Kurt Gossweiler siehe auch:
„Ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts“,
oder auch: „Die Taubenfußchronik“

Über die DDR: Ein Tag im Leben der DDR

Die Sozialpolitik in der DDR

Das DDR-Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus (1984) schreibt dazu:

Die sozialistische Sozialpolitik ist auf die Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft gerichtet. Sie zielt darauf ab, solche sozialen Verhältnisse weiter auszubilden, die der Entwicklungsphase der sozialistischen Gesellschaft entsprechen, die das Leben der Bürger ständig verbessern, es ihnen ermöglichen, ihre Fähigkeiten und Talente zu entfalten und zur Herausbildung sozialistischer Persönlichkeiten beizutragen.
ddr
Die sozialistische Sozialpolitik als Bestandteil der einheitlichen Politik der Arbeiterklasse unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei dient in Einheit mit der Wirtschaftspolitik der Durchsetzung des ökonomischen Grundgesetzes des Sozialismus und der Erfüllung der daraus abgeleiteten Hauptaufgabe. Wie im Programm der SED festgelegt, trägt die Sozialpolitik zur weiteren Annäherung der Klassen und Schichten, zur Verringerung wesentlicher Unterschiede zwischen körperlicher und geistiger Arbeit und zur Annäherung der Arbeits- und Lebensbedingungen zwischen Stadt und Land bei. Sie verbindet die Verwirklichung des Leistungsprinzips mit der Minderung sozialer Unterschiede.

Die Zielstellungen der Sozialpolitik werden entsprechend den politischen, ökonomischen und sozialen Erfordernissen und in Übereinstimmung mit den volkswirtschaftlichen Möglichkeiten im sozialpolitischen Programm festgelegt. Sie sind Bestandteil der Volkswirtschaftspläne und umfassen eine Vielzahl verschiedenartiger Maßnahmen, insbesondere
— auf dem Gebiet der Wohnungspolitik (Wohnungsbauprogramm),
— zur Gestaltung leistungs- und persönlichkeitsfördernder Arbeitsbedingungen und zur Ausprägung des sozialistischen Charakters der Arbeit,
— zur gezielten Erhöhung des Realeinkommens der Werktätigen und Familien,
— zur Verbesserung der materiellen Versorgung sowie zur geistig-kulturellen, sozialen und gesundheitlichen Betreuung der Bürger,
— zur Verlängerung der Freizeit und besseren Befriedigung der wachsenden Erholungsbedürfnisse der Werktätigen,
— zur Förderung der Familie und berufstätigen Mütter,
— zur Unterstützung und Betreuung älterer Bürger,
— zur Betreuung von Rehabilitanden und bei ihrer Wiedereingliederung in den Arbeitsprozeß sowie
— zur Verbesserung des Umweltschutzes.
KinderferienlagerEin Kinderferienlager in der DDR

Wichtige sozialpolitische Maßnahmen wurden in der Regel in Form gemeinsamer Beschlüsse des ZK der SED, des Bundesvorstandes des FDGB und des Ministerrates der DDR verkündet. Auf dem X. Parteitag der SED konnte festgestellt werden, daß die höheren volkswirtschaftlichen Leistungen es ermöglichten, die sozialpolitischen Ziele des IX. Parteitages Punkt für Punkt zu erfüllen. »Die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik ist ein starker Motor der gesellschaftlichen Entwicklung. Sie fördert den Leistungswillen der Werktätigen; denn sie läßt jeden spüren, daß sich sein Fleiß für die Gesellschaft sowie für jeden einzelnen auszahlt.« (Bericht, S. 9.)

Wie ist es dagegen im Kapitalismus?

Unter kapitalistischen Bedingungen reduziert sich die Sozialpolitik zwangsläufig auf einzelne sozialpolitische Maßnahmen im Rahmen des Kapitalismus, die seinen Grundwiderspruch nicht lösen können. Es bleibt die sich aus den Verhältnissen der kapitalistischen Ausbeutung ergebende soziale Unsicherheit der Arbeiterklasse und anderer Werktätiger als charakteristisches Merkmal ihrer Existenz.

Straßenkinder in Berlin

Die Sozialpolitik ist ein wesentliches Kampffeld der Auseinandersetzung zwischen Kapitalisten und Arbeiterklasse. Sozialpolitische Forderungen der Arbeiterklasse und ihrer Gewerkschaften, z.B. nach Sicherheit des Arbeitsplatzes, materieller Sicherung gegenüber kapitalistischer Rationalisierung und Inflation, Recht auf Bildung und Weiterbildung, sind unabdingbarer Bestandteil der Klassenauseinandersetzung. Das Monopolkapital ist bestrebt, sozialpolitische Maßnahmen in seinem Klasseninteresse zu nutzen und vor allem die antagonistischen Widersprüche zwischen Kapital und Arbeit zu verschleiern.

Die kapitalistische Sozialpolitik dient unmittelbar dem Bestreben, die Arbeiterklasse in das kapitalistische System zu integrieren, sie vom Klassenkampf abzuhalten und die staatsmonopolistische Herrschaft zu sichern.

Quelle:
Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, Dietz Verlag, DDR-Berlin, 1984; S.827

Siehe auch:
Kinderkrippen in der DDR
Wohnungspolitik in der DDE
Das Gesundheitswesen in der DDR
Die Familie in der DDR
Der Sozialismus war und ist lebensfähig
Was denkst Du eigentlich über die DDR, und was sagst Du zu Stalin?

Die antikommunistische Manipulierung und Mobilisierung der Schuljugend in der BRD

von H.-G. HOFMANN

Unter dem wachsenden Einfluß der Monopolbourgeoisie und im Prozeß der vollständigen Herausbildung des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems wird die bürgerliche Klassenschule der BRD immer mehr zum Zentrum der Manipulierung der Schuljugend.

Die Monopole schufen sich eigene bildungspolitische Forschungsgremien, beispielsweise die bildungspolitische Abteilung des westdeutschen Industrieinstituts in Köln, die ihre schulpolitischen und erziehungstheoretischen Vorstellungen bis hin zum Lehrplan und Lehrbuch unmittelbar ausarbeiten. Sie schufen Organisationen, die es ihnen ermöglichen, die für die Erhaltung des imperialistischen Systems entscheidenden Kräfte auch auf bildungspolitisch-pädagogischem Gebiet unter ihrer Führung zu vereinen, wie es zum Beispiel seit mehr als einem Jahrzehnt durch die „Walter-Raymond-Stiftung“, den „Bergedorfer Gesprächskreis“, den „Ettlinger Kreis“ und nicht zuletzt durch die „Septembergesellschaft“ geschieht. Gleichzeitig schieben sie ihnen genehme Wissenschaftler und Politiker, zum Beispiel Hans Leussink oder Hans Maier, in Schlüsselfunktionen der Bildungspolitik.
schuleDie Monopolverbände bestimmen den Lehrplan

Über diese Verflechtung von Monopolen und Staatsapparat gewährleisten die Monopole, daß ihre Konzeptionen in praktische Schulpolitik umgesetzt werden. Die Unterwerfung der Schule wird unter anderem auch darin sichtbar, daß die Monopolverbände sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit zielgerichtet und immer intensiver der Lehrer bemächtigen. Sie schufen ein die ganze Bundesrepublik überziehendes Netz von zentral geführten Einrichtungen wie die Arbeitskreise „Schule – Wirtschaft“, „Schule – Lehrerbildung“, das „Ruhr-Seminar“ und das sogenannte „Austauschgespräch“ führender Vertreter der Wirtschaft und des Bildungswesens. Ferner beeinflussen sie das pädagogische Denken und die Schulpraxis über eine Vielzahl von Publikationen. Insbesondere nimmt in diesem Prozeß der Einfluß der Monopolgruppen zu, die führend im Rüstungsgeschäft sind. Das sind zugleich die aggressivsten Monopolgruppen, die den Antikommunismus nach außen und innen am entschiedensten forcieren.

„Bundeszentrale“ – im Auftrag der herrschenden Klasse

In jüngster Zeit unternimmt der monopolkapitalistische Staat im Auftrage der herrschenden Klasse zunehmende Anstrengungen, um über die Einschränkung der sogenannten Kulturhoheit der Bundesländer die politisch-ideologische Manipulierung der Bevölkerung zu zentralisieren.
Regale
Die Gründung des Bildungsrates, des Bundesministeriums für Bildung und Wissenschaft sowie der Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung spiegeln dieses Bemühen ebenso wider wie die intensive Tätigkeit der Bundeszentrale und der Länderzentralen für „politische Bildung“ und auch die des Kriegsministeriums und der Arbeitskreise „Schule – Bundeswehr“.

Die Schule – Machtinstrument der Monopolbourgeoisie

Im System der staatsmonopolistischen Manipulierung wird der Stellenwert der Schule als wichtiges Machtinstrument der Monopolbourgeoisie erhöht, wird sie zum Zentrum der Manipulierung der Schuljugend und der Lehrer. Die im Dienst der Manipulierung stehende Bildungspolitik und Jugenderziehung haben unter Einsatz ihres gesamten Instrumentariums die Aufgabe, bereits die Schuljugend den Klasseninteressen der Herrschenden zu unterwerfen, sie geistig zu deformieren, ihre Persönlichkeit systematisch zu zerstören, sie total antikommunistisch zu mobilisieren und sie gegen die Überzeugungskraft sozialistischer Ideen immun zu machen.

Antikommunistische Feindbilder

Der Schule sind im System der Manipulierung zwei Grundfunktionen zugewiesen: einen willfährigen, auf Profitproduktion ausgerichteten, konformen, antikommunistisch und nationalistisch aktiven Bundesbürger heranzuzüchten, der über höhere Leistungsfähigkeit, Opferbereitschaft und politisches Engagement auf der Basis eines antikommunistischen Feindbildes verfügt, aggressions- und diversionsbereit gegenüber den sozialistischen Staaten ist. Entscheidendes Ziel der Bildung und Erziehung in der BRD ist es, bei den Schülern ein antikommunistisches Feindbild zu erzeugen. Es ist gegen die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse gerichtet, gegen den Marxismus-Leninismus, gegen die historische Mission der Arbeiterklasse, gegen die sozialistischen Staaten sowie gegen die Kommunisten bis hin zu den demokratischen Kräften in der BRD selbst, die als der „innere Feind“ diffamiert werden…

Ein übles Machwerk…

Die Kommunisten … werden als Schreckgespenst dargestellt, das die Existenz des einzelnen und der Gesellschaft bedrohe. Das geschieht zum Beispiel in dem Lehrbuch zur politischen Bildung von Karl Nebelsiek nach wie vor in militanter und primitiver Form. Nach der Methode – je plumper die Lüge, desto eher wird sie geglaubt – zeichnet er ein Schreckbild, die angebliche Brutalität des kommunistischen Systems. Als Erläuterung verwendet er folgende Attribute: Der Kommunist sei antireligiös und atheistisch (gottlos), totalitär, diktatorisch und damit antidemokratisch, imperialistisch und damit kriegshetzerisch, militaristisch, staatskapitalistisch und arbeiterfeindlich, dialektisch, kollektivistisch, menschenverachtend, brutal, intolerant und skrupellos. Aus solchen Prämissen leitet Nebelsiek die Moralauffassung eines Kommunisten ab, wenn er in gleicher diffamierender Weise schreibt: „Lüge, Diebstahl, ja sogar Mord sind für einen Kommunisten moralisch, wenn sie dem Kommunismus nützen!“ (1)
buecherÜber eine Million antikommunistischer Schulbücher…

Dieses grobschlächtige Machwerk hat als Schulbuch die höchsten Auflagen, die je ein Schulbuch in der BRD erreichte, nämlich mehr als 100 Auflagen mit über einer Million Exemplaren. Die weite Verbreitung dieses Buches beweist, daß die Schulbuchverwendung vom imperialistischen Staatsapparat manipuliert wird. Karl Nebelsiek gehörte zu den ersten Autoren, die seinerzeit die Schulbücher im Sinne der im Jahre 1962 erlassenen „Totalitarismus“-Richtlinien bearbeiteten. Sein Machwerk verdankt die hohen, und zwar seit 1963 über viele Jahre unveränderten Auflagen der Tatsache, daß es seit dieser Zeit ununterbrochen auf der Liste der lehrmittelfreien Schulbücher von sechs Bundesländern erschien, während Schulbücher fortschrittlicher Autoren mit demokratischer Tendenz von den Kultusministerien abgelehnt wurden und somit nicht in die Schulen gelangten…

(1) K. Nebelsieck: Der Gemeinde-, Staats- und Weltbürger. Verlagsgesellschaft Rudolf Müller, Köln-Braunsfeld 1963, S. 42 f.

Quelle:
Die marxistisch-leninistische Pädagogik… a.a.O. Volk und Wissen Volkseigener Verlag, berlin, 1972, S.93ff.

Prof.Dr.habil. Hans-Georg Hofmann war Generalsekretär der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR. Referat – Aus den Materialien der gemeinsamen Konferenz vom 16.–18. November 1971 in Berlin. Nach wie vor aktuell!

Anmerkung:
Die Bundeszentrale für „politische Bildung“ erkannte inzwischen : „Antikommunismus hatte auch in der Schule eher als Erkenntnisbehinderung gewirkt; Feindbilder integrieren zwar, aber sie vernebeln auch…“ – Immerhin. Die Methoden haben sich zwar verfeinert, doch der alte Geist blieb der gleiche.

Siehe auch:
Thomas Mann (1875-1955): Der Antikommunismus, die Grundtorheit unserer Epoche
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR
W.Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?
Schulbücher in der BRD und in der DDR

Das Bildungssystem der DDR

Das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR wurde 1965 eingeführt. Es bestand aus organisch miteinander verflochtenen staatlichen und betrieblichen Einrichtungen zur Bildung und Erziehung allseitig entwickelter sozialistischer Menschen. Die neuen schulpolitischen und pädagogischen Aufgaben waren zuvor eingehend auf der 17.Tagung des ZK der SED als auch auf dem VI. SED-Parteitag behandelt worden. Sie lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1.) Das wissenschaftliche Niveau des Unterrichts mußte entsprechend den Anforderungen des wissenschaftlich-technischen Portschritts erhöht werden. Dabei wurde es erforderlich, die pädagogische Arbeit zu intensivieren und vor allem das selbständige Denken der Schüler zu entwickeln.
2.) Der polytechnische Unterricht an den zehnklassigen Oberschulen mußte wirksamer gestaltet werden.
3.) Alle Stufen des Bildungswesens einschließlich der Einrichtungen zur Erwachsenen-qualifizierung sollten zu einem geschlossenen, ineinandergreifenden und inhaltlich gut abgestimmten einheitlichen Bildungssystem zusammengefaßt werden. Dadurch sollte die einheitliche Organisation des Erziehungs- und Bildungsprozesses mit einem einheitlich konzipierten Inhalt verbunden werden.
4.) Die Jugend mußte in die Lösung aller wichtigen gesellschaftlichen Fragen einbezogen werden. Ihre Initiative und Bewußtheit war zu entwickeln, um klassenmäßige Kämpfer für den Sozialismus zu erziehen.

Bildungssystem

Das Bildungssystem der DDR umfaßte das Volksbildungswesen, die Berufsausbildung, das Hoch- und Fachschulwesen sowie die Aus- und Weiterbildung der Werktätigen. Im einzelnen gliederte sich unser Bildungssystem in die Einrichtungen der Vorschulerziehung, die zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschulen (POS), die zum Abitur führenden erweiterten polytechnischen Oberschulen (EOS), die Sonderschulen für physisch und psychisch geschädigte Kinder, die Einrichtungen der Berufsausbildung, die Fachschulen, die Universitäten und Hochschulen sowie die Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung der Werktätigen. Das Bildungssystem der DDR war so gestaltet, daß jedem Bürger ein reibungsloser Übergang von einer Bildungsstufe zur anderen möglich ist. Für die höheren Bildungseinrichtungen wurden unter Berücksichtigung der sozialen Struktur diejenigen Schüler, Lehrlinge und Werktätigen ausgewählt, die sich durch Leistung und Verhalten auszeichnen.

Der Aufbau des einheitliches sozialistisches Bildungssystem als Gesamtheit der Bildungs- und Erziehungsinstitutionen geht auf einen Beschluß der Volkskammer der DDR von 1965 zurück. Dieser entsprach den objektiven gesellschaftlichen Erfordernissen der DDR bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Das Bildungssystem und seine Zielsetzung widerspiegelten den humanistischen Charakter der sozialistischen Gesellschaft und ihr wichtigstes Anliegen — die allseitige Entwicklung des Menschen.
Schule_DDRSchulalltag in der DDR

Bestimmender Inhalt des einheitliches sozialistisches Bildungssystem der DDR war die sozialistische Allgemeinbildung, die das solide Fundament für jede weiterführende Bildung, für Arbeit und Beruf sowie für aktives, gesellschaftliches Wirken ist. Das einheitliches sozialistisches Bildungssystem verwirklichte zugleich die berufliche Bildung. Aufbauend auf der Allgemeinbildung, erwarben die Mitglieder der Gesellschaft in der Berufsausbildung bzw. an den Universitäten, Hoch- und Fachschulen eine spezielle berufliche Bildung. Unser Bildungssystem verwirklichte schließlich die Aus- und Weiterbildung der Werktätigen. Gestützt auf die erworbene Allgemeinbildung und die berufliche Qualifikation, konnten sich die Werktätigen zugleich mit ihrer beruflichen Tätigkeit neue Kenntnisse aus Wissenschaft und Technik erwerben, die sie befähigten, mit den wachsenden Anforderungen der Entwicklung in Gesellschaft, Produktion, Wissenschaft und Technik Schritt zu halten.

Verantwortlich für die komplexe und koordinierte Leitung und Planung des Bildungswesens war der Ministerrat der DDR. Minister für Volksbildung war Margot Honecker. Die Einrichtungen des Bildungswesens lagen in den Verantwortungsbereichen vor allem des Ministeriums für Volksbildung und des Ministeriums für Hoch- und Fachschulwesen.

Anmerkung:
Frage: Warum gibt es in der BRD so ein chaotisches, unstrukturiertes Bildungswesen?
Antwort: Ein ungebildetes und verwirrtes Volk läßt sich leichter regieren.

Siehe auch:
Welches ist das beste Bildungssystem in der Welt?
Margot Honecker: Und der Zukunft zugewandt
Das einheitliche sozialistische Bildungssystem in der DDR

Die Fehler der Kommunisten

In seinem Buch „Dreißig Jahre später“ schrieb Otto Grotewohl im August 1948:

Die Fehler der Kommunisten lagen in ihrer entscheidenden Bedeutung weniger im Revolutionsjahr 1918/19, als in der sich daraus ergebenden späteren Situation in Deutschland. Auf dem VII. Weltkongreß der Kommunistischen Internationale 1935 hat Georgi Dimitroff die späteren Fehler der Kommunisten in Deutschland dahingehend gekennzeichnet, daß sie die eingetretenen Veränderungen nicht berücksichtigten, sondern fortfuhren, jene Losungen zu wiederholen und auf jenen taktischen Positionen zu verharren, die vor einigen Jahren richtig waren, „als sich um das Banner der Weimarer Republik, wie das 1918 bis 1920 der Fall war, die ganze deutsche Konterrevolution scharte“.

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Bildung ist mehr als Wissen

Hermann_Hesse

Es gibt nur ein Gesetz und einen einzigen Weg, sich zu bilden und geistig durch Bücher zu wachsen; das ist die Achtung vor dem, was man liest, die Geduld des Verstehenwollens, die Bescheidenheit des Geltenlassens und Anhörens.

(Hermann Hasse, Über Literatur, Berlin und Weimar, 1978, S.42.)

Was ist sozialistische Kaderpolitik?

Das Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus (DDR – 1984) erklärt, nach welchen Maßstäben im Sozialismus Führungspersönlichkeiten (Kader) ausgewählt wurden. Ihre moralische und politische Integrität, ihr proletarischer Klassenstandpunkt und ihre offene und ehrliche Haltung waren Grundbedingung für eine revolutionäre Entwicklung im Sozialismus. Ein Verstoß gegen diese Prinzipien bedeutete zugleich auch einen Rückschlag in der Entwicklung.

Kader: in der sozialistischen Gesellschaft Menschen, die die Verantwortung für die Leitung eines Kollektivs tragen; haupt- oder ehrenamtliche Kräfte, die durch die Wahl eines gesellschaftlichen Organs für ihre Funktion bestätigt oder durch einen von der Partei der Arbeiterklasse oder der Regierung beauftragten Leiter berufen werden. Sie tragen durch ihre Arbeit als Leiter bzw. im Leitungskollektiv persönlich die Verantwortung für die Durchführung der Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse, der Gesetze und Verordnungen der staatlichen Organe. Kader sind auch Nachwuchskräfte sowie Werktätige mit einer Hoch- oder Fachschulausbildung, die auf Grund ihrer politischen und fachlichen Kenntnisse und Fähigkeiten planmäßig für Leitungsfunktionen entwickelt werden.

Kader zeichnen sich vor allem aus durch:
1) unbedingte Treue zur Arbeiterklasse, ihrer Partei und zum Marxismus-Leninismus sowie ihren konsequenten Kampf um die Erfüllung der Beschlüsse;
2) Stolz auf die Errungenschaften des Sozialismus, Liebe zur sozialistischen Heimat, unerschütterliche Freundschaft mit der KPdSU und den Völkern der Sowjetunion und Treue zum proletarischen Internationalismus;
3) fundiertes, anwendungsbereites marxistisch-leninistisches und fachliches Wissen, kompromißlosen Kampf gegen alle Erscheinungsformen der bürgerlichen Ideologie;
4) Parteilichkeit, Sachkenntnis, Disziplin und Schöpfertum, Bescheidenheit und Vorbildwirkung in der Arbeit und im persönlichen Leben, Entfaltung von Kritik und Selbstkritik;
5) die Fähigkeit, Kollektive zu leiten und in der Arbeit mit den Menschen ihre schöpferischen Initiativen und Fähigkeiten voll zu entfalten sowie die sozialistische Bewußtseinsbildung zu fördern.

Die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft hängt in hohem Maße von dem richtigen Einsatz und der Qualifizierung der Kader ab.

Kaderarbeit: Formen und Methoden zur Durchsetzung der sozialistischen Kaderpolitik. Die zielstrebige Auswahl, Erziehung, Qualifizierung und die richtige Verteilung der Kader auf die Schwerpunkte der Arbeit sind erstrangige Aufgaben der leitenden Organe der marxistisch-leninistischen Partei, des sozialistischen Staates und der gesellschaftlichen Organisationen der Werktätigen. Die Kaderarbeit ist organischer Bestandteil der wissenschaftlichen Leitungstätigkeit und der Arbeit eines jeden Leiters. Sie ist darauf gerichtet, die kadermäßigen Voraussetzungen für die Erfüllung der Aufgaben bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft zu schaffen und die planmäßige Entwicklung sozialistischer Leitungskader für alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu organisieren. Neue Leitungskader müssen planmäßig herangebildet, qualifiziert und auf die Übernahme entsprechender Funktionen vorbereitet werden. Der Kaderbedarf ist langfristig zu planen, da die Ausbildung mehrere Jahre umfaßt. Aus dem Bedarf leiten sich wichtige Schlußfolgerungen für die Entwicklung und den Ausbau des einheitlichen sozialistischen Bildungswesens ab. Die Kader sind mit einem fundierten Wissen des Marxismus-Leninismus auszurüsten und zu sozialistischen Persönlichkeiten zu erziehen, die im Interesse der sozialistischen Gesellschaft und zum Wohle der werktätigen Menschen wirken.

Der Entwicklung der Kader dienen Kaderprogramme, die ihrer Funktion und Bedeutung nach vor allem Leitungsinstrument zur planmäßigen Qualifizierung und Verteilung der Kader sind. Die ständige Erhöhung des Niveaus der Arbeit mit den Kadern, ihre Auswahl, Entwicklung sowie ihre politische und fachliche Aus- und Weiterbildung sind ein Schlüsselproblem für die Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft. Um die Kontinuität auf kaderpolitischem Gebiet auch für die Zukunft zu sichern, ist es eine unerläßliche Voraussetzung, die kaderpolitische Lage, die politische und fachliche Qualifizierung, die Erfahrungen und Haltungen der Kader zu analysieren und vorausschauend die Anforderungen an Partei, Staat und Wirtschaft einzuschätzen.

Besondere Aufmerksamkeit ist vor allem der Arbeit mit der Kaderreserve und jungen Nachwuchskadern zu widmen. Hier geht es zum einen darum, in allen Ebenen Kader zu entwickeln, die den Anforderungen der 80er Jahre gerecht werden. Zum anderen gilt es, durch sorgfältige Auswahl, Qualifizierung und Einsatz die kaderpolitische Zusammensetzung der leitenden Organe zu sichern. Das verlangt, auf lange Sicht Kader heranzubilden, die klassenverbunden und mit hoher Einsatzbereitschaft verantwortungsbewußt Funktionen übernehmen können.

Die Leitungsorgane der Partei, des Staates, der Wirtschaft und der Massenorganisationen erarbeiten dazu ein Kaderprogramm, in dem die Hauptprobleme der Kaderarbeit und die konkreten Maßnahmen ihrer Verwirklichung für 5 Jahre festgelegt werden. Ausgehend von einer kaderpolitischen Analyse, umfaßt das Kaderprogramm vor allem Maßnahmen

— für die marxistisch-leninistische und fachliche Aus- und Weiterbildung;
— zur Auswahl, Vorbereitung und Arbeit mit der Kaderreserve und mit jungen Nachwuchskadern, besonders aus der materiellen Produktion;
— zur rechtzeitigen Vorbereitung von Kadern und Arbeitskollektiven für die Entwicklung von Wissenschaft und Technik, für Ratio-nalisierungs- und Investitionsmaßnahmen;
— zur Vorbereitung von Kadern für einen Einsatz im Ausland;
— zur Auswahl, Qualifizierung und zum Einsatz von Frauen für leitende Funktionen;
— zur Delegierung von Kadern zum Hoch- und Fachschulstudium und zur schwerpunktmäßigen Verteilung der Hoch- und Fachschulabsolventen sowie
— zur Festlegung des prognostischen Kaderbedarfs für 10 Jahre und länger.
— Das Kaderprogramm ist ständig zu ergänzen. In Jahresplänen sind kontrollier- und abrechenbare Festlegungen zu treffen.

Quelle:
Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, Dietz Verlag, Berlin, 1984, S. 447f.

Anmerkung:
Man kann hier sicher noch hinzufügen, daß sich sozialistische Kader dadurch auszeichnen, daß Wort und Tat bei ihnen eine Einheit bilden. Karrierismus und und Intrige sind dem Sozialismus zutiefst wesensfremde Erscheinungen.

zu Punkt 4) Entfaltung von Kritik und Selbstkritik.
Vorsicht: Die Kritik ist eine scharfe Waffe! Sie treibt den Betroffenen stets in die Defensive. Wer Menschen zum Erfolg führen will, der sollte viel mehr motivieren als kritisieren können. Nur wer andere zu begeistern versteht, der ist imstande, sie zu führen und zu eigener Initiative zu veranlassen.

Die Intelligenz und der Kapitalismus

Nähert sich die Intelligenz der Arbeiterklasse?

Da die objektiven Veränderungen im sozialen Status bei der Masse der Intelligenz im Unterschied zum Verlust der Existenz bei proletarisierten ehemaligen einfachen Warenproduzenten und Händlern vielfach nicht mit einer Veränderung der bisherigen Tätigkeit verbunden sind, widerspiegeln sich solche objektiven Prozesse nicht sofort und automatisch im Bewußtsein, in der Lebens- und Verhaltensweise der Intellektuellen. Dennoch lösten die ständige Gefahr des Verlustes des Arbeitsplatzes, die grassierende Arbeitslosigkeit unter Akademikern, die nicht selten negativen Erfahrungen mit der kapitalistischen Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und der Proletarisierungsprozeß an den unteren Rändern der Intelligenz bei Hoch- und Fachschulabsolventen mannigfache Reaktionen aus.

Wie wirkt sich die drohende Arbeitslosigkeit aus?

Zumeist noch stark mit mittelschichtenspezifischen Denkweisen verbunden, betrachten sich die von Arbeitslosigkeit betroffenen Angehörigen der Intelligenz vielfach als von der herrschenden Klasse, vom kapitalistischen Staat Verratene und Verstoßene beziehungsweise als persönliche Versager. Sozialpsychologisch führt dies häufig zu einem Gefühl der Enttäuschung und Hoffnungslosigkeit, zu einer berechtigten Angst vor der Zukunft. Diese soziale Verunsicherung von Teilen der Intelligenz ist oft auch der Auslöser von emotionellen Protesten gegen die Macht- und Eigentumsverhältnisse in den kapitalistischen Staaten. Manche verfallen angesichts dieser Lage in Pessimismus und Passivität. Nicht wenige jedoch reagierten mit erhöhter Aktivität und begaben sich jetzt auf die Suche nach neuen gesellschaftlichen Alternativen, nach einer sozialen Ordnung, in der sie wieder Anerkennung erfahren würden und ihre Persönlichkeit entfalten können.

Die Entwertung der Qualifikationen

Andere Momente, die in der heutigen Zeit bei der Intelligenz Widerspruch zum herrschenden kapitalistischen System und zur kapitalistischen Nutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts auslösen, sind die wachsenden Tendenzen, die Menschen noch umfassender zu einem bloßen Anhängsel der Maschinen zu degradieren, oder die Konfrontation vieler im Sozialbereich tätigen Angehörigen der Intelligenz mit der sozialen Not immer größerer Bevölkerungsschichten. Die neuen ökonomischen Existenzbedingungen des Imperialismus führten aber nicht nur zu einem höheren Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften, sondern verstärkten auch die gegenteilige Tendenz zur Entwertung bisheriger Qualifikationen und Fähigkeiten sowie zu materieller und geistiger Verelendung.

Die Arbeitslosigkeit ist systembedingt

„Der kapitalistische Markt mit seinem angeblich freien Spiel der Kräfte erweist sich erneut vor aller Augen als Synonym für Ausbeutung, Existenzangst und Massenarbeitslosigkeit.“(1) Das kapitalistische System zeigt sich als unfähig, den wissenschaftlich-technischen Fortschritt grundsätzlich mit sozialem Fortschritt zu verbinden. Mitte der achtziger Jahre gab es in den 24 entwickelten kapitalistischen Ländern (OECD-Staaten) offiziell über 31 Millionen Arbeitslose. Bezieht man noch die nichtregistrierten und die aus den Statistiken herausmanipulierten Arbeitslosen mit ein, so waren in diesem Zeitraum in den imperialistischen Staaten mehr als 50 Millionen Menschen beschäftigungslos.

Weltweit sind hierzu noch die rund 500 Millionen Arbeitslosen beziehungsweise Unterbeschäftigten in den weniger entwickelten kapitalistischen Staaten einzubeziehen. Nach Aussagen westlicher Wirtschaftsexperten ist bezüglich der Arbeitslosigkeit in der kapitalistischen Welt eher mit einer steigenden als sinkenden Tendenz zu rechnen.(2)

Besonders betroffen von der Arbeitslosigkeit in den imperialistischen Staaten sind Jugendliche, Frauen, weniger qualifizierte Arbeitskräfte, ausländische Arbeiter und nationale Minderheiten. Einen bedeutenden Anteil stellen auch arbeitssuchende Akademiker. Nach gewerkschaftlichen Schätzungen stieg allein in der BRD die Zahl der erwerbslosen Hochschulabsolventen von 10.000 im Jahr 1973 auf zirka 250.000 im Jahre 1987, darunter über 135.000 Lehrer und Erzieher sowie rund 11.000 Ärzte. Noch nie in seiner Geschichte verfügte der Kapitalismus über ein solches Heer von hochqualifizierten Arbeitslosen. (…)

Welche Folgen hat das für die menschliche Psyche?

Psychologisch hat eine längere Arbeitslosigkeit für die Betroffenen mannigfache negative Folgen. Viele zweifeln an sich selbst, überhaupt noch für etwas Nützliches fähig zu sein. In sozialer Hinsicht wird der Kontakt zur Arbeiterklasse gelockert oder bei Jugendlichen, die noch nie einen festen Arbeitsplatz fanden, oft gar nicht erst hergestellt. Zum Teil erwachsen daraus Tendenzen zur Asozialität, zu einem ungezügelten Radikalismus, zur Verachtung jeder Arbeit und der Arbeiterbewegung. Anfang 1977 schrieb ein junges Mädchen aus Bologna in einem Brief, der im gleichen Jahr in der Zeitung „Paese sera“ veröffentlicht wurde: „Weißt du, es ist schrecklich, wenn man fünf Jahre die Oberschule besucht hat und dann in einem Geschäft an der Kasse sitzen oder angelernter Arbeiter in einem Betrieb sein muß; noch schrecklicher ist das Warten auf einen Arbeitsplatz, die fieberhafte Suche unter den Annoncen und schließlich die ungelernte Arbeit, nur um dem langweiligen Nichtstun und der leeren Gegenwart zu entrinnen und nicht an die aussichtslose Zukunft in einer Welt denken zu müssen, mit der du nichts gemein hast, unter Menschen, die dir feind sind. Wenn du so verzweifelt bist, daß du an nichts mehr glaubst, wenn du keine Idole mehr hast, denen du dich zuwenden kannst, die dir Zuversicht und Glauben spenden können, dann rebellierst du.“ (3)

Wachsende Armut und die zunehmende Verzweiflung

Synchron mit der hohen Arbeitslosigkeit ist in den imperialistischen Staaten auch ein Anwachsen der Armut, tendenziell zu einer Zwei-Drittel-Gesellschaft zu verzeichnen. Millionen Menschen, rund ein Drittel der Bevölkerung, werden aus dem produktiven Leben ausgegrenzt, an den Rand der Gesellschaft gedrängt, werden marginalisiert. Allein in den USA vegetierten nach amtlichen Angaben 1987 über 33 Millionen Menschen unterhalb der offiziellen Armutsgrenze. Peter Schütt, ein progressiver Schriftsteller der BRD, notierte nach einer Reise durch die USA, daß es in den Vorstädten von Chicago ganze Straßenzüge gibt, in denen die Menschen in ausrangierten LKW-Containern und in Hütten aus alten Kanistern hausen. Wachsende Armut gibt es gleichfalls in der BRD. In einer Sendung im Dritten Programm des BRD-Fernsehens teilte am 16. April 1980 Jürgen Roth mit: In der BRD leben „vier Millionen Menschen in unwürdigen Behausungen, wissen 2,2 Millionen alte Menschen nicht, womit sie sich ernähren sollen … Wissenschaftler schätzen, daß zwischen 15 und 20 Prozent der Bevölkerung arm sind.“(4) Diese Entwicklung hat sich in den achtziger Jahren weiter fortgesetzt. Generell weisen amtliche, gewerkschaftliche und kirchliche Angaben für die achtziger Jahre aus, daß in den OECD-Staaten 6 bis 23 Prozent der Bevölkerung am Rande oder unterhalb des offiziellen Existenzminimums leben. Radikale Verzweiflungstaten sind in einem solchen Milieu daher keine Seltenheit.

Zitate:
(1) Erich Honecker: Referat am 12. Februar 1988, Berlin 1988, S. 52
(2) Siehe Horst Veith: Arbeitslosigkeit – Geißel des Proletariats, Berlin 1985; S.8ff.
(3) Zit. in: K. G. Mjalo: Linksextremistische Gruppierungen in den Ländern Westeuropas: ideologische und sozialpsychologische Genesis. In: Rabotschi klass i sowremenny mir, Moskva, 1985, Nr. 1, S. 136.
(4) Siehe Peter Schutt: Die Mauer in Chicago, die die Reichen von den Armen trennt, ist hundert Meter hoch. In: Unsere Zeit, Düsseldorf, 5. Juli 1979.

Quelle:
Linksradikalismus, Aut.Koll., Dietz Verlag Berlin, 1989, S.65ff.

Anmerkungen:
Nach einer gewissen konjunkturellen „Erholung“ hat sich dieser Prozeß seit Beginn der 2000er Jahre wieder verschärft. Zugleich erweist sich die kleinbürgerliche Ideologie in der Intelligenz als idealer Nährboden für trotzkistische, anarchistische und andere linksradikale Abenteuer. (Siehe auch: Marx und Engels gegen den Linksradikalismus)