Der Bruch in der kommunistischen Bewegung

Chrustschow
Die internationale kommunistische Bewegung erfuhr infolge des Chrustschowschen Revisionismus der 60er Jahre einen ernsthaften Bruch und unterlag einer Schwächung. Um diesen Bruch zu überwinden, müssen wir dessen Ursachen ergründen. Worin bestehen nun die strittigen Punkte, die zu diesem Mißklang führten.

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Barambajew wird erschossen…

MomyschUlyEs ist eine schwere Entscheidung für den kasachischen Bataillonskommandeur Baurdshan Momysch-Uly. Wird er seinen jungen Landsmann Barambajew erschießen lassen? Dieser hatte sich in seiner Angst in die Hand geschossen, was er bald darauf aufrichtig bereute. Seit dem wortbrüchigen Überfall der deutschen Wehrmacht herrschte Krieg. Und der Feind war fast bis nach Moskau vorgedrungen. Es war das sozialistische Vaterland – die Sowjetunion.
Momysch-Uly zögert – doch dann trifft er eine Entscheidung . . .

Alexander Bek schreibt in seinem Buch „Die Wolokolamsker Chausee“:

Ich saß in meinem Bunker, den Blick auf den Boden geheftet, stützte den Kopf in die Hände, so etwa – Baurdshan Momysch-Uly zeigte, wie er gesessen hatte – , und dachte, dachte. „Gestatten Sie einzutreten, Genosse Oberleutnant?“ Ohne den Kopf zu heben, nickte ich.
Herein trat der Politoffizier der Maschinengewehrkompanie, Dshalmuchamed Bosshanow.
„Aksakal“, sagte Bosshanow leise auf kasachisch. „Aksakal“ heißt wörtlich übersetzt, „grauer Bart“; so wird bei uns der Älteste in der Gemeinschaft, der Vater, genannt. So nannte mich manchmal Bosshanow. Ich sah ihn an. Sein gutes, rundes Gesicht war verstört. „Aksakal…, in der Kompanie ist etwas Ungewöhnliches passiert, Sergeant Barambajew hat sich in die Hand geschossen.“
„Barambajew?“
„Ja.“
Es war, als drückte mir jemand das Herz zusammen. Alles tat mir plötzlich weh: die Brust, der Hals, der Bauch, Barambajew war Kasache wie ich, ein Kasache mit geschickten Händen, Führer einer Maschinengewehrgruppe, es war der, auf den ich nicht gewartet hatte.
„Was hast du mit ihm gemacht? Erschossen?“
„Nein …, ich habe ihn verbunden und …“
„Und was?“
„Festgenommen und zu Ihnen gebracht.“
„Wo ist er? Her mit ihm!“
So…, in meinem Bataillon ist also der erste Verräter aufgetaucht, der erste, der selbst Hand an sich legte. Und wer? Ach, Barambajew…
(…)
Der Feigling wurde erschossen.
Richten Sie mich!
Vor langer Zeit wurde mein Vater, ein Nomade, in der Wüste von einer giftigen Spinne gebissen. Mein Vater war ganz allein, ringsum nur Sand; niemand war in der Nähe außer dem Kamel. Das Gift dieser Spinne ist tödlich. Mein Vater zog sein Messer heraus und schnitt dort, wo ihn die Spinne gebissen hatte, ein Stück Fleisch aus seinem eigenen Körper.
Genauso verfuhr jetzt ich: Mit dem Messer schnitt ich ein Stück eigenen Fleisches heraus.
Ich bin ein Mensch. Alles Menschliche in mir schrie: Das muß nicht sein. Habe Mitleid, verzeihe ihm! Doch ich verzieh nicht.
Ich bin Kommandeur, Vater. Ich tötete den Sohn, vor mir standen Hunderte von Söhnen. Ich war gezwungen, blutig in die Seelen einzuzeichnen: Für einen Vaterlandsverräter gibt es kein Pardon und wird es keins geben!
Ich wollte, daß jeder Soldat wisse: Wirst du feige, verrätst du – so wird dir nicht verziehen, wie stark der Wunsch danach auch ist.
Schreiben Sie das alles; mögen das nur alle lesen, die eine Soldatenuniform tragen oder sie zu tragen sich anschicken. Mögen sie wissen: Vielleicht warst du gut, vielleicht hat man dich früher geliebt und gelobt; doch wie du auch gewesen bist, für Feigheit und Verrat wirst du mit dem Tode bestraft…

Quelle:
Alexander Bek, Die Wolokolamsker Chaussee, Militärverlag Berlin (DDR), 1971, S.24-31f.

Die Demontage

Wie die KPdSU den Sozialismus in der Sowjetunion zerstörte
Von Ljubow Pribytkowa, Irkutsk

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Wir werden uns noch eine lange Zeit über alle Probleme aufregen, die mit der größten Tragödie des 20.Jahrhunderts verbunden sind – mit dem Sturz der UdSSR, des ersten sozialistischen Staates der Welt. Warum wurde dieser große Staat nach 70 Jahren seiner Existenz zerstört, und warum entstanden auf seinen Trümmern zehn Zwergstaaten? Warum geschah die bürgerliche Konterrevolution? Wer hat die Demontage des Sozialismus realisiert? Was war der Grund für den Zerfall des weltumfassenden sozialistischen Systems? Warum gelang es den reaktionären Kräften, die zunehmend progressive Entfaltung der Völker auf einem Sechstel unseres Planeten aufzuhalten?

Wir müssen eine Antwort finden…

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Stalin zu Fragen der organisatorischen Leitung

stalinplakatDer Sieg kommt nie von selbst!

Manche glauben, es genüge, die richtige Parteilinie auszuarbeiten, sie vor aller Welt zu verkünden, sie in der Form von allgemeinen Thesen und Resolutionen darzulegen und einstimmig anzunehmen, damit der Sieg von selbst komme, sozusagen im Selbstlauf. Das ist natürlich nicht richtig. Das ist ein großer Irrtum, So können nur unverbesserliche Bürokraten und Kanzleimenschen denken. In Wirklichkeit sind diese Erfolge und Siege nicht von selbst gekommen, sondern wurden im erbitterten Kampf für die Durchführung der Parteilinie errungen. Der Sieg kommt nie von selbst, er wird gewöhnlich mühselig erkämpft. Gute Resolutionen und Deklarationen für die Generallinie der Partei sind nur der Anfang der Sache, denn sie bedeuten lediglich den Wunsch, zu siegen, nicht aber den Sieg selbst.

Die richtige Organisation entscheidet alles

Nachdem eine richtige Linie gegeben worden ist, nachdem man die richtige Lösung einer Frage gefunden hat, hängt der Erfolg der Sache von der Organisationsarbeit ab, von der Organisierung des Kampfes für die Durchführung der Parteilinie, von der richtigen Auswahl der Menschen, von der Kontrolle über die Durchführung der Beschlüsse der leitenden Organe. Fehlt dies, so läuft man Gefahr, daß die richtige Parteilinie und die richtigen Beschlüsse ernsten Schaden nehmen. Mehr noch: Ist eine richtige politische Linie gegeben worden, so entscheidet die Organisationsarbeit alles, auch das Schicksal der politischen Linie selbst — ihre Durchführung oder ihr Scheitern. In Wirklichkeit wurde der Sieg erreicht und errungen durch systematischen und harten Kampf gegen Schwierigkeiten aller Art, die der Durchführung der Parteilinie im Wege standen, durch Oberwindung dieser Schwierigkeiten, durch Mobilisierung der Partei und der Arbeiterklasse zur Überwindung der Schwierigkeiten, durch Organisierung des Kampfes für die Überwindung der Schwierigkeiten, durch Absetzung untauglicher Funktionäre und durch Auswahl der Besten, die fähig sind, den Kampf gegen die Schwierigkeiten zu führen.

Was sind das für Schwierigkeiten und wo stecken sie?

Diese Schwierigkeiten sind Schwierigkeiten unserer Organisationsarbeit, Schwierigkeiten unserer organisatorischen Leitung. Sie stecken in uns selbst, in unseren leitenden Funktionären, in unseren Organisationen…

Quelle:
J.Stalin, Werke, Bd.13, S.324

siehe auch:
Die Rolle der Persönlichkeit
Diktatur des Proletariats
Der Lauf der Geschichte

Lenin – Briefe aus der Ferne

LeninLenin – Briefe aus der Ferne

Wird sich in der Masse der russischen Arbeiter soviel Bewußsein, soviel Ausdauer, soviel Heroismus finden, um das „Wunder einer proletarischen Organisation“ hervorzubringen, nachdem sie im unmittelbaren revolutionären Kampf ein Wunder an Tapferkeit, Initiative und Selbstaufopferung vollbracht hat? Wir wissen es nicht, und darüber zu orakeln wäre eine müßige Sache, weil die Antworten auf solche Fragen nur durch die Praxis gegeben werden.

Was wir aber sicher wissen, und was wir als Partei auch den Massen erklären müssen, ist, daß es auf der einen Seite – als historischer Motor – eine gewaltige Kraft gibt, die ungeahnte Krisen, Hunger und unbeschreibliche Not hervorruft. Dieser Motor ist der Krieg, den die Kapitalisten beider kämpfender Lager zu räuberischen Zwecken führen. Dieser „Motor“ hat eine ganze Reihe der reichsten, freiesten und aufgeklärtesten Nationen an den Rand des Abgrundes gebracht. Er zwingt die Völker, bis zur letzten Stufe alle Kräfte anzuspannen, er bringt sie in eine unerträgliche Lage, und er stellt nicht die Verwirklichung irgendwelcher „Theorien“ in den Vordergrund (davon kann auch gar keine Rede sein – vor dieser Illusion hat Marx die Sozialisten immer gewarnt), sondern er erzwingt die Durchführung äußerster, praktisch möglicher Maßnahmen, weil ohne durchgreifende Maßnahmen Millionen Menschen rasch und bedingungslos am Hunger zugrunde gehen würden.

Daß der revolutionäre Enthusiasmus der führenden Klasse unter Bedingungen, bei denen die objektive Lage durchgreifende Maßnahmen vom ganzen Volk verlangt, vieles ermöglicht, muß nicht erst bewiesen werden. Diese Seite der Angelegenheit kann man mit eigenen Augen beobachten, und sie wird von allen in Russland so empfunden.

Es ist wichtig, zu verstehen, daß sich in revolutionären Zeiten die objektive Situation ebenso schnell und krass verändert, wie das Leben selbst. Und wir müssen unsere Taktik und unsere nächsten Aufgaben den Besonderheiten jeder gegebenen Situation anpassen…

Zürich, am 11.(24.) März 1917

siehe auch:
Die Oktoberrevolution in Rußland
Gegen die religiöse Verblödung der Menschheit
Im Kampf gegen die Unbildung

Unsere DDR

Mit dieser Titelseite der DDR-Zeitschrift „Das Magazin“ nahm W.Klemke Bezug auf den 30. Jahrestag der DDR:
1979
…tja, das waren noch Zeiten 🙂

Vor der Gründung der DDR (1)

Sehr interessant ist dieser Ausschnitt aus einem Buch, das geschrieben wurde für staatliche Leiter in der DDR. Wer von denen hat es jemals so genau gelesen? Dort steht:

1945 — 1949

Die grausame Hinterlassenschaft der Nazis
Als am 8. Mai 1945 das faschistische Deutschland militärisch zerschlagen war, hatte der deutsche Imperialismus nach zwölf Jahren des Terrors und des Raubkrieges neben ungeheuren Verwüstungen und Menschenopfern in der Sowjetunion und anderen Ländern, dem deutschen Volk Millionen Tote, wirtschaftlichen Ruin, schwere materielle und moralische Schäden, Not und Chaos hinterlassen.
Dresden 1945
Uneigennützige Hilfe der Sowjetunion
Die Sowjetunion, die den entscheidenden Anteil an der militärischen Vernichtung des imperialistischen Deutschen Reiches geleistet hatte, legte den Weg für das deutsche Volk frei, eine demokratische gesellschaftliche Entwicklung einzuschlagen, die zugleich eine spätere sozialistische Perspektive eröffnete. Dabei leistete die Sowjetunion mit ihrem Erfahrungsschatz dem werktätigen Volk für den gesellschaftlichen Neuaufbau in ihrer Besatzungszone eine unschätzbare Hilfe. Die Sowjetunion gewährte vom ersten Tage an nicht nur materielle, sondern vor allem geistig-ideologische Unterstützung für den demokratischen Neuaufbau.
Bergmann_Borsig_1945
Bergmann-Borsig 1945

Das zerstörte Deutschland wird wieder aufgebaut
Die Hauptaufgabe der antifaschistischen Kräfte — insbesondere der demokratischen Parteien und Massenorganisationen — bestand darin, alle demokratischen und friedliebenden Menschen an die Aufgaben des gesellschaftlichen Aufbaus heranzuführen und die Wurzeln des Krieges und des Elends zu beseitigen. Die Entmachtung der Monopolisten und Kriegsverbrecher war dafür die erste Bedingung. Die Werktätigen lernten, den Staat und die Wirtschaft zu leiten, die gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze zu begreifen und zu meistern. Die entscheidende Voraussetzung dafür war die Schaffung der Einheit der Arbeiterklasse durch die Vereinigung der KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Unter Führung der Partei der Arbeiterklasse begann der Neuaufbau der staatlichen Leitung mit der Mobilisierung der Werktätigen, vor allem der Arbeiter, zur aktiven Mitwirkung am politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des gesellschaftlichen Lebens.

Eine kommunistische Initiative
In ihrem historischen Aktionsprogramm vom 11. Juni 1945 (*) gab die Kommunistische Partei Deutschlands in diesen schweren Tagen des Neubeginns dem deutschen Volk die einzig richtige Perspektive: ein Deutschland ohne Konzernherren und Junker, das in Freundschaft mit der Sowjetunion und allen friedliebenden Völkern verbunden ist. Für die Wirtschaft war zunächst die Ingangsetzung der Produktion das dringendste Erfordernis, um die Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu versorgen. Zugleich mußte die Kriegswirtschaft auf eine Friedenswirtschaft umgestellt werden. Eine entscheidende Aufgabe bestand in der Schaffung der Grundlagen für den systematischen, planmäßigen Aufbau der Wirtschaft.
Aufruf KPDAufruf SPD
Aufruf der KPD vom 11.Juni 1945 (links) und Aufruf der SPD vom 15. Juni 1945

Der Osten Deutschlands war benachteiligt
Die ökonomischen Ausgangsbedingungen waren außerordentlich schwer und kompliziert. Das Gebiet der späteren DDR war Bestandteil des geschlossenen Wirtschaftsgebietes, das sich in der historischen Entwicklung Deutschlands unter kapitalistischen Bedingungen herausgebildet hatte. Die Industrie war äußerst ungleichmäßig über Deutschland verteilt. Die westlichen Besatzungszonen besaßen nicht nur den höheren Anteil an der Industrieproduktion überhaupt, sondern sie verfügten auch über die Hauptstandorte des Steinkohlenbergbaus, der Eisen- und Stahlindustrie, des Stahlbaus und des Schwermaschinenbaus. Die direkten Kriegszerstörungen waren im Osten Deutschlands bedeutend größer als im Westen. Allein die Industrie war im östlichen Teil Deutschlands zu 45 Prozent und im westlichen nur zu 20 Prozent zerstört. Hinzu kamen die gewaltigen Zerstörungen der Städte, des Verkehrswesens und der Landwirtschaft durch die letzten verzweifelten Kriegshandlungen der Faschisten.
KriegsfolgenSchwierige Ausgangsbedingungen
Die historische Entwicklung der Wirtschaft im kapitalistischen Deutschland, die Folgen des verbrecherischen imperialistischen Krieges und die Spaltungspolitik der Westmächte führten in der Wirtschaft der damaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zu großen Disproportionen zwischen den einzelnen Zweigen und innerhalb der Zweige der Industrie sowie zwischen Industrie und Landwirtschaft. Besonders schwerwiegend war, daß die verarbeitende Industrie weitgehend von ihrer Rohstoffbasis abgeschnitten wurde. Deshalb mußte die Grundstoffindustrie durch neu zu schaffende Kapazitäten entwickelt werden, um so Voraussetzungen für die Erhöhung der Produktion in der metallverarbeitenden und später auch in der Leicht- und Lebensmittelindustrie zu schaffen.

(*) Vgl. Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Reihe III, Bd. 1. Berlin: Dietz Verlag 1959, S. 19.

aus: Leitung der sozialistischen Wirtschaft, Verlag Die Wirtschaft Berlin,1976,S.73-75

Vor der Gründung der DDR (2)

Auch im weiteren wird die Situation jener Zeit sehr detailliert beschrieben. Es war doch klar, daß die unterlegene Klasse, die Bourgeoisie, diese Situation nicht hinnehmen würde…

1945 — 1949

Die ersten Maßnahmen zur Ingangsetzung und Leitung der Wirtschaft
Mit der Bildung der sowjetischen Militärverwaltung (sowjetische Militäradministration Deutschlands, Abk.: SMAD) am 9. Juni 1945 wurden erste Maßnahmen zum Wiederaufbau einer Friedenswirtschaft getroffen. Die Tätigkeit der sowjetischen Militäradministration war von Anbeginn von den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, vom Geist des sozialistischen Humanismus getragen.
Hennigsdorf
Stahlwerk Hennigsdorf wird Volkseigentum

Nazis und Kriegsverbrecher werden enteignet
Auf der Grundlage der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens und der Direktive des Alliierten Kontrollrates Nr. 38 (über die Bestrafung von Nazi- und Kriegsverbrechern) und
Nr. 39 (über die Liquidierung des deutschen Kriegspotentials) wurde durch die Befehle der SMAD Nr. 124 und Nr. 126 die Sequestrierung (1) auf dem Gebiet der heutigen DDR eingeleitet. Dadurch wurde das Eigentum der Monopolisten und Naziaktivisten sowie der Kriegsverbrecher beschlagnahmt und zunächst in den Ländern unter Verwaltung der SMAD genommen. Im Mai 1946 wurden die sequestrierten Betriebe den Verwaltungsorganen der Länder in Treuhandschaft übergeben. Diese Betriebe wurden die Basis des volkseigenen Sektors der Wirtschaft. Die Bevölkerung Sachsens, des größten Landes mit starker industrieller Konzentration in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, sprach sich in einem Volksentscheid für die entschädigungslose Enteignung der Betriebe der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten und ihre Übergabe in das Eigentum des Volkes aus. Bei einer Beteiligung von 93,71 Prozent der Stimmbeteiligten sprachen sich 77,62 Prozent für die Annahme des vorgelegten Gesetzentwurfes aus, Das war die historische Geburtsstunde der revolutionären Schaffung sozialistischen Eigentums auf dem Territorium der heutigen DDR. Unter Berufung auf diese Willenserklärung und die Forderungen der Werktätigen nach einer generellen Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher erließen auch die übrigen Landesverwaltungen Gesetze, die mit dem Volksentscheid übereinstimmten.

Reaktionäre Kräfte sabotieren den Aufbau
Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens wurden mit dem Befehl Nr.l vom 23. Juli 1945 die kapitalistischen Banken in der SBZ, die als Teil der deutschen Finanzoligarchie den Faschismus aktiv unterstützt hatten, geschlossen. Der Prozeß der politischen und ökonomischen Entmachtung, der mit der entschädigungslosen Enteignung der Faschisten, Naziaktivisten und Großgrundbesitzer verbunden war, stieß auf hartnäckigen Widerstand der reaktionären Kräfte, die zum Teil vorübergehend auch in den Führungen der neu gegründeten bürgerlichen Parteien (CDU, LDPD) Einfluß hatten. So sollte die Aufteilung der Güter — das war ein entscheidender Bestandteil der Bodenreform — verhindert werden, um später die früheren Verhältnisse leichter wieder herstellen zu können. Vieh und Maschinen wurden verschoben, getötet bzw. zerstört, Saatgut unbrauchbar gemacht, Arbeiterfunktionäre überfallen. Die Klassenfeinde sabotierten, wo immer sie eine Möglichkeit fanden. Die Partei der Arbeiterklasse und die anderen fortschrittlichen Kräfte mußten einen harten Klassenkampf gegen einen raffiniert und hartnäckig operierenden Feind führen.
Einheitsfront
Das Land denen die es bebauen

Die Arbeiterklasse übernimmt die Macht
In diesem zutiefst revolutionären Prozeß wurden die volkseigenen Betriebe geschaffen, die demokratische Bodenreform verwirklicht und ein neues Bankwesen aufgebaut. Mit dem so entstandenen Volkseigentum nahm die Arbeiterklasse wichtige Kommandohöhen der Wirtschaft in Besitz. Am 11. Januar 1947 verfügte die SMAD die Einstellung der als Bestandteil der Wiedergutmachung eingeleiteten Betriebsdemontage und die Umbildung der 200 noch hierfür vorgesehenen Großbetriebe in sowjetische Aktiengesellschaften (SAG). Darüber hinaus wurden zunächst 74 und in den späteren Jahren auch die übrigen SAG-Betriebe in Volkseigentum überführt. In den SAG und in der Zusammenarbeit mit ihnen lernten Tausende künftiger Wirtschaftskader von den sowjetischen Ingenieuren, Wirtschaftsleitern und Wissenschaftlern, wie man einen volkseigenen Betrieb leitet und plant. Diesen neuen Wirtschaftskadern wurden die bewährten Erfahrungen der sowjetischen Wirtschaftsleitung unmittelbar vermittelt — als theoretische und praktische Grundlage erfolgreicher ökonomischer Tätigkeit.

Vergesellschaftung der Produktion
Die Enteignung und Inbesitznahme der wichtigsten Produktionsmittel durch das werktätige Volk war der Ausgangspunkt für die Entwicklung sozialistischer Produktions- und Eigentumsverhältnisse. Aber die tatsächliche Vergesellschaftung der Produktion mußte erst noch herbeigeführt werden. Die Eroberung der politischen Macht und die Schaffung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln sind die beiden entscheidenden Maßnahmen zur Schaffung des Fundamentes der sozialistischen Vergesellschaftung. Doch das ist erst ein Teil der Lösung. „Die Vergesellschaftung… unterscheidet sich gerade dadurch von einfacher Konfiskation, daß zum Konfiszieren bloße Entschlossenheit‘, ohne die Fähigkeit, richtig zu registrieren und richtig zu verteilen, genügt, während man ohne eine solche Fähigkeit nicht vergesellschaften kann.“(2)
Warnowerft
Die volkseigene Warnowerft

Die sozialistische Planwirtschaft
Mit den Produktionsbefehlen der SMAD wurden erstmalig Elemente der planmäßigen Lenkung der Wirtschaft wirksam. So erfolgte die Wiederherstellung und Entwicklung der Wirtschaft von Anfang an auf bewußt organisierter, planmäßiger Grundlage. Nachdem die Produktion in Gang gebracht worden war, folgten auf Monate und Quartale begrenzte Produktionsauflagen. Bereits im zweiten Halbjahr 1948 wurde nach einem zusammengefaßten Plan an der Wiederherstellung Und Entwicklung der Friedenswirtschaft gearbeitet. Die Planmäßigkeit der gesellschaftlichen, insbesondere wirtschaftlichen Entwicklung — als Wesenszug der neuen Gesellschaftsordnung — wurde maßgeblich durch die Tätigkeit der SMAD gefördert.

Anmerkungen:
Am 7.Oktober 1949 trat in Berlin der Deutsche Volksrat zu seiner historischen 9.Tagung zusammen. Er proklamierte die Deutsche Demokratische Republik, konstuituierte sich als Volkskammer der DDR und setzte die vom 3.Deutschen Volkskongreß angenommene Verfassung in Kraft. Einstimmig wurden Johannes Dieckmann (LDPD) zum Präsidenten der Volkskammer gewählt und Otto Grotewohl (SED) mit der Bildung einer Regierung der DDR beauftragt. Am 11.Oktober 1949 wurde Wilhelm Pieck (SED) einstimmig zum ersten Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik gewählt.

(1) Dieser Terminus war damals gebräuchlich. Er bedeutet Beschlagnahme und Zwangsverwaltung.
(2) Lenin, W. L: Über „linke“ Kinderei und über Kleinbürgerlichkeit. In: Lenin: Werke, Bd. 27. Berlin: Dietz Verlag 1960, S. 326.

aus: Leitung der sozialistischen Wirtschaft, Verlag Die Wirtschaft Berlin,1976,S.75-77.

20 Jahre „blühende Landschaften“…?

…eigentlich sollte es heißen: Vierzig Jahre lang „blühende Landschaften“, oder wenigstens dreißig. Und gemeint ist damit nicht das Wahlversprechen eines damaligen Bundeskanzlers, sondern die Zeit in der DDR! Denn die DDR war ein blühendes Land (wenngleich: ein zusehends in den Verfall gekommenes). Infolge des revisionistischen Kurses der Parteiführung der KPdSU nach dem XX.Parteitag, nach den Verleumdungen Stalins durch Chruschtschow und dessen Clique, und erst recht nach der sogenannten „Perestrojka“ des Arbeiterverräters Gorbatschow, war es mit der Blütezeit in der DDR vorbei. Und kurz darauf verschwand auch dieses Land. Doch noch 1989 erschien – gewissermaßen als ein Abgesang – im Dietz Verlag ein Buch über die DDR, in dem sehr anschaulich einige der Errungenschaften dieses Landes dargestellt wurden. Hier ein Beispiel aus dem Bezirk Leipzig:

Die Industriebetriebe der DDR und was daraus wurde

Die 285.000 Arbeiter und Angestellten in der Industrie, die drei Viertel der Gesamtproduktion des Bezirkes erzeugen, sind durch eine Vielzahl von Kooperations- und Zulieferverbindungen unlöslich mit der Volkswirtschaft der DDR verknüpft und tragen somit eine hohe Verantwortung für deren dynamisches Wachstum.

Die in den Kombinaten und Betrieben erbrachten Leistungen und produzierten Erzeugnisse bestimmen zum Teil bedeutend die Struktur der DDR-Volkswirtschaft. 96 Prozent des Aufkommens an Glasseidenerzeugnissen, 70 Prozent des Tafel- und Spiegelglases sowie 55 Prozent der elektrischen Kleinstmotoren der DDR werden hier produziert. Auf den Bezirk entfallen außerdem 35 Prozent der Gußerzeugnisse, 26 Prozent der Ausrüstungen für die polygraphische und papierverarbeitende Industrie, 23 Prozent an Verdichtern und derselbe Anteil an spanabhebenden Werkzeugmaschinen. Nicht zu vergessen: komplette Chemieanlagen und Anlagen für die Biotechnologie, Kohlegroßgeräte und Gießereiausrüstungen, Druckmaschinen, Drehautomaten, Walzenbearbeitungsmaschinen, Geräte der Medizintechnik – die Palette reicht vom gigantischen Eisenbahndrehkran aus dem Kirow-Werk in Leipzig bis zum Kleinstmotor auf Mikroelektronikbasis aus dem Elektromotorenwerk Hartha.
Hartha
Eine grundlegende Voraussetzung für hohe Leistungen ist die Ausstattung mit Grundfonds. Je Arbeiter und Angestellter stieg dieser Wert von 1955 bis 1986 in der Industrie von 27 000 auf 126 000 Mark, im Bereich des Bauwesens von 11000 auf 59000 Mark. Durch die effektive Auslastung der Grundfonds konnte die Arbeitsproduktivität 1986 im Vergleich zu 1955 in der Industrie auf 446 Prozent gesteigert werden. So wurde es möglich, die Produktion je Beschäftigten in der Industrie wertmäßig nahezu auf das Viereinhalbfache zu steigern. Bezogen auf die arbeitstägliche Leistung in der Industrie, konnte in diesem Zeitraum eine Steigerung von 32 Millionen Mark auf 155 Millionen Mark erreicht werden.
oschatz
Das ökonomische Gesicht des Bezirkes wird bestimmt durch eine immer engere Verflechtung von Produktion und Wissenschaft. Vor allem in den 22 zentral- und 23 bezirksgeleiteten Kombinaten der Industrie und des Bauwesens finden in wachsendem Maße neue Wirkprinzipien, neue wissenschaftlich-technische und technologische Erkenntnisse und Verfahren Eingang. Beispielgebende Automatisierungslösungen, eingeschlossen die von Computern gesteuerte Produktion ganzer Produktionsabschnitte, wurden auch in der Maschinenfabrik »John Schehr« Meuselwitz, im Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig und im Drehmaschinenwerk Leipzig geschaffen.
Leipzig
Weitere Beispiele sind der Einsatz von Lasertechnik im Kombinat Verpackung, der Wirbelschichttrockner in der Brikettfabrik Borna oder die CAD/CAM-Lösungen für scheibenförmige Teile und Kurven im Stammbetrieb des Kombinates Polygraph »Werner Lamberz« Leipzig. Hochleistungsfähige Mehrfarbendruckmaschinen und automatisierte Fertigungsstrecken der buchbinderischen Weiterverarbeitung aus dem letztgenannten Kombinat kennzeichnen heute das hohe Niveau der graphischen Technik. All dies basiert auf einer hohen ökonomischen Verwertung moderner wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse, was sich in den hochwertigen Exportgütern widerspiegelt, die einen guten Ruf auf internationalen Märkten genießen. 20 Prozent der wertmäßigen Produktion aus dem Bezirk werden für den Export bereitgestellt.

Quelle:
Die DDR im Spiegel ihrer Bezirke, Dietz Verlag, 1989

DDR-Bezirke. Siehe auch:
Der Bezirk Karl-Marx-Stadt
Der Bezirk Frankrfurt/Oder

Und was wurde nun daraus?
In den Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt gab es wie überall in der DDR viele leistungsstarke sozialistische Industriebetriebe. Alle diese Betriebe gibt es heute nicht mehr. Und es gab Vollbeschäftigung, d.h. wir hatten in der DDR bis 1989 keinen einzigen Arbeitslosen. Dann kam die „Treuhand“, und die Fabriken wurden regelrecht geplündert. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde geklaut, verhökert und verschrottet. Das Volkseigentum wurde enteignet, die Arbeiter wurden auf die Straße gesetzt und das Volk um die Früchte seiner Arbeit betrogen. Heute – 20 Jahre danach – liegt die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland bei ca. 20%, Tendenz steigend. Die Bevölkerungsstruktur hat sich verändert, der Altersdurchschnitt hat sich erhöht. Abgewandert ist der größte Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung, geblieben sind die Rentner. Zwar wurden die Bundesstraßen, die Altstädte, Häuser und Baudenkmale restauriert und erneuert, Ruinen wurden abgerissen, auch einige neue Firmen entstanden. Zwar hat sich das Antlitz der Städte und Dörfer sehr zum Positiven verändert, doch von „blühenden Landschaften“ kann hier nicht die Rede sein. Denn bereichert daran hat sich im wesentlichen die westdeutsche Großbourgeoisie…

Der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Henning Voscherau, sagte 1996: „In Wahrheit waren fünf Jahre Aufbau Ost das größte Bereicherungsprogramm für Westdeutschland, das es je gegeben hat.“

Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass erklärte: „Es ist zu einer entsetzlichen Kolonialisierung gekommen. Mit großer Arroganz. Die Besitzenden werden die Westdeutschen sein. Und die führen in der DDR einen Morgenthau-Plan durch, der Gebiete verarmen läßt, die von der Geschichte her Industriegebiete waren.“ Aus Anlaß des Gedenkjahres 2009 bezeichnete Grass die Westdeutschen noch immer als „Kolonialherren“, die „von ihrem hohen Siegerroß herunterkommen“ müßten.

Weitere Kommentare dazu siehe: Neue Rheinische Zeitung vom 16.11.2011
DSCI0285DSCI0289In diesem DDR-Betrieb bei Dippoldiswalde waren bis 1990 über 300 Werktätige beschäftigt, seitdem steht er leer. Im gesamten Annexionsgebiet, welches einmal die DDR war, gibt es Tausende (!) solcher Betriebe. Nicht ein einziger hat die Konterrevolution 1989 überlebt. Die meisten Betriebe wurden mittlerweile dem Erdboden gleichgemacht. Die Maschinen und Anlagen wurden gestohlen, das gesamte Volkseigentum floß zumeist in die privaten Taschen gerissener westdeutscher Banditen, und das darüber teils sogar erstaunte Arbeitsvolk ging in die Frondienste westdeutscher „Unternehmer“, in den „Vorruhestand“ oder schließlich zum Arbeitsamt…