Der Fußbodenbelag ist echt!

Dazu muß man, glaube ich, nicht viel sagen. Diese ganze Einrichtung in Hohenschönhausen hat nichts mit der Realität in der DDR zu tun. Sie verfolgt keinen anderen Zweck, als Hunderten von unwissenden Schülern mit erfundenen Horrorgeschichten ein verzerrtes Geschichtsbild einzuhämmern. Diejenigen, die da den jugendlichen Besuchern den Kopf verdrehen, haben die DDR zumeist nicht erlebt. Sie müssen eben erzählen, wie furchtbar dort alles war. In dem Beitrag von Ralph Hartmann lesen wir:

Viel Geld für Erinnerungskultur
von Ralph Hartmann

Da kommt Freude auf. Endlich einmal wird an einer wichtigen Bildungseinrichtung in der Bundeshauptstadt nicht gespart. Im Gegenteil, die Stasi-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, hauptsächlich von Schulklassen besucht, wird 2011 für 16,26 Millionen Euro saniert und ausgebaut. Neue Seminar- und Veranstaltungs-
räume sollen entstehen, ein Kino, ein Café, ein Foyer und ein Museumsladen.
Hohenschonhausen_GedenkstatteStasi-Gedenkstatte Hobenschönhausen

Die „historische Aura“
Gedenkstättendirektor Hubertus Knabe versprach bei der Vorstellung des Projektes, daß die baulichen Eingriffe „sehr zurückhaltend“ vorgenommen würden, um die „historische Aura“ nicht zu gefährden. So sollen zum Beispiel „historische Zonen“ wie der Befehlsbereich der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit künftig über einen Steg erschlossen werden, um die authentischen Fußbodenbeläge zu schützen. Die sind sogar wirklich echt – im Gegensatz zu den angeblichen ehemaligen Wasserfolterzellen. Wertvolles Kulturgut muß geschützt werden, koste es, was es wolle!

Anderswo sieht es dagegen trübe aus
Bei Kultur- und Bildungseinrichtungen, Jugendclubs und Bibliotheken wird auf Teufel komm raus gespart. Sogar im Berliner Bezirk Mitte, dem Regierungsbezirk, nur einige Kilometer vom musealen Kleinod in Hohenschönhausen entfernt, wird angesichts eines Haushaltslochs von 23,8 Millionen Euro der Rotstift zum wichtigsten Arbeitsgerät. Zahlreiche Jugendfreizeitstätten sollen geschlossen werden. Selbst in sozialen Brennpunkten werden Therapeuten für sogenannte Risikokinder entlassen, Erziehungs- und Familienberatung wird an einen privaten Träger übergeben. In drei Betreuungszentren für Senioren geht das Licht aus. Bildungs- und Kultureinrichtungen werden weggespart, selbst die Bertolt-Brecht-Bibliothek im Rathaus Mitte schließt. In anderen Berliner Bezirken sieht es nicht besser aus. Ulrike Baumgartner, Gewerkschaftsbeauftragte für Kindertagesstätten und Jugend-
einrichtungen, sieht die gesamte Jugendarbeit der Hauptstadt gefährdet. Sie befürchtet, daß Jugendliche aufgrund mangelnder Betreuung „auf die schiefe Bahn“ geraten, und Krischan Friesecke, Sprecher eines Aktionsbündnisses für Kinder und Jugendliche, macht darauf aufmerksam, daß eigentlich genug Geld vorhanden ist, Jugendclubs zu erhalten, aber verbraucht werde es an anderer Stelle. Darunter eben auch für Knabes Gruselkabinett, das Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz als einen der wichtigsten DDR-Erinnerungsorte bezeichnet.

Dafür wird Geld locker gemacht
Der Bundesregierung und dem Berliner rosa-roten Senat sei Dank! Sie finanzieren das Bauvorhaben in Hohenschönhausen, laut Schmitz ein „Signal zur intensiveren Auseinandersetzung mit den Formen und Folgen politischer Verfolgung und Unterdrückung in der DDR“, mit jeweils 8,1 Millionen Euro. Und da er es dick hat, plant der Senat bereits weitere 8,75 Millionen Euro für spätere Bauabschnitte ein. So herrscht denn in Berlin eitel Freude, vor allem bei dem nimmermüden Streiter für Freiheit und Menschenrechte, dem Bundesverdienstordensträger Hubertus Knabe. Wie hat er sich doch abgerackert, und das aus gutem Grund. Bereits 2006 hatte er erkannt: „Mit dem wachsenden zeitlichen Abstand zur Friedlichen Revolution im Herbst 1989 hat sich das Bild der SED-Diktatur zunehmend verklärt (…) Daß die Vereine, Gedenkorte und Institutionen der nostalgischen Verklärung der DDR nicht ausreichend entgegenwirken können, findet seine Ursache vor allem in deren unzureichender finanzieller Unterstützung.“

Eine Stätte der Lüge
Nun erhält er die geforderte Nothilfe, und da es in der Kasse klingelt, müßte er eigentlich in seiner Erinnerungsstätte auch noch andere Verschönerungen vornehmen. So könnte an der Eingangspforte eine bronzene Tafel mit den Worten angebracht werden, die er im Ausschuß für Kultur und Medien des Bundestages über die „beiden Diktaturen“ in Deutschland prägte: „Man kann die Opfer nicht gegeneinander aufrechnen, sondern man muß sie selbstverständlich addieren. Daraus ergibt sich das ganze Grauen dieser Zeit.“
So würde jeder Besucher in Hohenschönhausen sogleich wissen, welche Stätte des Grauens er betritt und wes Geistes Kind ihr Leiter ist. Auch könnte dieser die Rampe, die nach der „friedlichen Revolution“ installierte kurze Schiene mit einem Eisenbahnwaggon zum Transport von Häftlingen, der zu DDR-Zeiten nie in der Haftanstalt ankam, an das Netz der Deutschen Bundesbahn anschließen lassen. Dann könnte uns die gewollte Assoziation – Auschwitz als Symbol der faschistischen, Hohenschönhausen als das der „zweiten deutschen Diktatur“ – noch stärker beeindrucken.

Und noch eine bescheidene Anregung:
Da Knabe beim Berliner Senat offensichtlich hohes Ansehen genießt, müßte es ihm doch jetzt gelingen, seine wiederholte Forderung durchzusetzen, gegenüber den immer noch mehr als 600 Ernst-Thälmann-Straßen im Osten Deutschlands endlich eine Straße nach dem Ereignis zu benennen, das ihn von Unna nach Berlin und letztlich in das Amt des Leiters „eines der wichtigsten DDR-Erinnerungsorte“ gebracht hat. Wäre es nicht wunderbar, wenn dessen Adresse „Straße der Friedlichen Revolution“ wäre? Die Hausnummer 66 könnte bleiben, irgendwo muß ja gespart werden.

nachzulesen in: Ossietzky 8/2010

Nachtrag:
Scharenweise werden Schulklassen und Studenten durch das Hohenschönhausener Gruselkabinett geschleust, in der trüben Hoffnung, die Besucher würden nun endlich auch in den bestellten und bezahlten Chor der Schauderer miteinstimmen und die DDR in Bausch und Bogen als ein „Unrechtsregime“ verdammen. Doch zum Leidwesen der Erfinder dieser Schreckensszenerie ist das nicht der Fall. Im Exkursionsbericht einer solchen Besuchergruppe bleibt von den angeblichen „Stasi-Verbrechen“ gerade noch die Überschrift übrig. Und im folgenden Text findet sich nicht ein einziges Beispiel für die großmäulig angekündigten „Verbrechen der Stasi“, sondern nur noch die wahrlich erschütternde Aussage: „Es arbeiteten etwa 5,5 Mitarbeiter pro 1000 DDR-BewohnerInnen für das MfS.“ So, so! Da kann man ja nachträglich noch richtig das Gruseln kriegen!

4 Gedanken zu “Der Fußbodenbelag ist echt!

  1. Hatte mir von Ralph Hartmann Die DDR unterm Lügenberg gekauft und von Klaus Blessing Die Schulden des Westen.
    Als DDR Fan kannte ich die meisten Fakten schon Anfang 1980. ABER Ralph Hartmann hat sehr verständlich und einfach aufgeklärt. Egal wo er steht, aber so Leute/Rhetorik braucht man, um die DDR attraktiv/anziehend darzustellen. In der BRD wurde/wird FAST ausschliesslich GEGEN etwas demonstriert, NIE FÜR etwas und die Herrschenden finden es oft gut, besonders wenn es intellektuelle aber dumme Kinder von wohlhabenden Eltern sind. Da gibts Feminismus, Ausländer über alles, Homos, AKW Gegner, Beamtendemos, Ökofreaks, betuchte Fluglärmgegner, Bahnhofsgegner. Aber der Leiharbeitssklave oder die Netto/LIDLkassiererin kommen nirgends vor. Bei Bankendemos will man nur Ackermann gegen Schlackermann austauschen, den Nord- oder Südeuro einführen oder die Wände der Bundesbank in soften Pastelltönen streichen. Breiter Protest – besonders in Deutschland – verlangt aber PERSPEKTIVE.
    Wir haben 10 nach 12 und das Haupthindernis für einen gemeinsamen Kampf, ist der Antikommunismus. Real haben wir nur die ehemals sozialistischen Staaten und Kuba evtl. Nordkorea, aber die reformistischen Träumer (sicher prima Menschen) in Venezuela bekommen tagtäglich die Quittung der Imperialisten.
    Es muss doch möglich sein, sich (mit anderen Gruppen) auf die zwei (nur 2) Standpunkte zu einigen. a) Vergesellschaftung der Produktionsmittel. Natürlich kann man MITARBEITENDE Unternehmer/Kollektive DULDEN die genial sind. b) NEIN zu imperialistischen Kriegen. Aber Kuba hat in Angola Mitte 70ger doch ne gute Sache gemacht.
    Das Kapital von Marx kann man einfach erklären, aber Wessilinke (oft dumme Sozialarbeiter)interessierten sich NIE wirklich für Ökonomie.
    Nicht endlose Bandwurmsätze und Erklärungen, die ein zigjähriges Geschichtsstudium voraussetzen und mehr Fragen als Antworten liefern. Auch nicht ellenlange Zeitvergeudung die Geschichte der Menschheit zu erklären oder jeden Briefwechsel zwischen Lenin/Stalin/Trotzki 100fach zu interpretieren. Solche Verwirrung streuende Kommunisten würde sicher jeder Verfassungsschutz gern mit Millionen Euro subventionieren.
    Geschichte ist KEINE Wissenschaft, sondern BLABLA oder das was die Sieger schreiben.
    Mit Sorge betrachte ich in Köln/Düsseldorf/Bochum, dass sich prima (ja ich kenn die persönlich), aber arme/arbeitslose Menschen mit proletarischer Herkunft eher dem rechten Spektrum anschliessen. Die rechte Wahrheitsbewegung nennt den Imperialismus beim konkreten Namen (Bilderberger, zionistische Medienbesitzer, jüdische Wallstreetbanker, und USAPolitiker /Geheimdienstler) anstatt abstrakt von Reproduktion, Überakkumulation, antagonistischen Widersprüchen, anonymen Monopolkapital zu faseln. Wenn man die Eigentumsfrage stellt, entblössen diese Braunen oft Ihren Charakter oder umgehen die Frage. Aber die von mir genannten ziehen das greifbare den Abstraktionen vor.

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  2. Hallo rheinlaender, das Buch von Ralph Hartmann über die DDR habe ich auch gelesen, kurz und bündig, sehr informativ.
    Was nun diese „Linken“ betrifft, wogegen sie demonstrieren, aber nie wofür, meine volle Zustimmung.
    Ebenso deine scharfsinnige Beobachtung, dass die Rechten zwar häufig die Dinge klarer benennen, aber spästens bei der Eigentumsfrage schäbig einknicken!
    Siehe dazu nur die beinahe herrlichen demagogischen Hitler-Reden, meistens gehalten vor Proleten oder NSDAP-Parteigenossen, wo der Führer gegen „Kapitalisten“, „Kriegsgewinnler“, „Plutokratie“, oft ganz allgemein das vaterlandslose „Kapital“ wetterte.
    Dass das hiesige und ausländische Proletariat sich in einem solch gesellschaftlich-politischen Koma befindert, bewusstlos dahindämmert, ist leider nicht allein der bürgerlichen Propaganda zu verdanken, sondern – neben diesen widerwärtigen Pseudo-Gewerkschaften- ebenso mit diesen zahlreichen „linken“ Spinnern und Schwätzern, bezahlten Agenten und Provokateuren unter dem Mäntelchen als „Kommunisten“, „Linke“ und was auch immer, welche immer und immer wieder Unsinn, Verwirrung stiften, so den Aufbau einer wahren revolutionären Widerstandsbewegung hintertreiben, verhindern.
    Ein Teil dieses ganzen „linken“ Gesindels mag gekauft sein, ein anderer tut´s häufig allein aus kleibürgerlichen Erfolgsstreben, aufgeblasener Eitelkeit heraus, zumeist kleinbürgerliches akademisches Lumpemproletariat, welches bisher noch nicht die Füße auf „ehrbaren“ bürgerlichen Erwerbsboden gekriegt hat, daher aus Frust oder Pöstchengeilheit überall wo sich Chancen ergeben könnten die Bäckchen dick und „rot“ aufblasend…
    Man schaue sich diese abgehalterten Typen und Vortänzer einschlägiger „linker“ Parteien, Sekten und Grüppchen an, und man begreift auf Anhieb, was für abgefahrene Gestalten da ihr politisches Unwesen treiben.
    Doch leider finden sie in diesen obskuren Vereinen immer wieder verführte, verwirrte Gefolgschaften, die sich verführen, verwirren, letztlich politisch mißbrauchen lassen, und das ist leider nicht mehr zum Lachen.
    Diese ehrlichen aufrechten Menschen, die es zweifellos in gar nicht so geringer Anzahl dort überall gibt, hätten im Grunde eine bessere, ehrlichere Organisation verdient als diese kleinen billigen schäbigen bürgerlichen Spießervereine in „linken“ Gewande.
    Du stellst die Frage im Grunde schon richtig, kann es denn wirklich so schwer sein, eine Organisation aufzubauen, die sich auf einige wenige, aber doch fundamentale Einsichten und Ziele einigt?
    Man sollte doch meinen!

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  3. Müssen wir uns denn wirklich gerade auch bei diesem dümmlichen „Stasi“-Zirkus wundern, dass die imperialistische deutsche Großbourgeoisie via ihrer gekauften angestellten Lumpen den ersten deutschen Staat der Arbeiter und Bauern – bei allen natürlichen Fehlern und Mängeln, Unzulänglichkeiten, die es natürlich gab und auch unter den damaligen inneren und äußeren Umständen geben musste – noch immer voller KLASSENHAß verteufeln lässt?
    Wie denn sonst sollen die mehr und mehr Millionen absolut perspektivloser Menschen dieses Systems bei der Stange, ruhig und zahm gehalten werden?
    Es geht doch in Wahrheit weniger um die DDR, ihre Geschichte, als vielmehr um´s Heute, diesen heutigen barbarischen Imperialismus, seine Rechtfertigung und Beschönigung.

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  4. … und leider fahren recht viele Schulklassen dorthin, weil man ihnen den Tag Berlin-Aufenthalt vollständig bezahlt. Nun ist es ja doch so, daß da immer ein bißchen was „hängenbleibt“, wenngleich die Kinder ja auch nicht ganz doof sind!

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