20 Jahre „blühende Landschaften“…?

…eigentlich sollte es heißen: Vierzig Jahre lang „blühende Landschaften“, oder wenigstens dreißig. Und gemeint ist damit nicht das Wahlversprechen eines damaligen Bundeskanzlers, sondern die Zeit in der DDR! Denn die DDR war ein blühendes Land (wenngleich: ein zusehends in den Verfall gekommenes). Infolge des revisionistischen Kurses der Parteiführung der KPdSU nach dem XX.Parteitag, nach den Verleumdungen Stalins durch Chruschtschow und dessen Clique, und erst recht nach der sogenannten „Perestrojka“ des Arbeiterverräters Gorbatschow, war es mit der Blütezeit in der DDR vorbei. Und kurz darauf verschwand auch dieses Land. Doch noch 1989 erschien – gewissermaßen als ein Abgesang – im Dietz Verlag ein Buch über die DDR, in dem sehr anschaulich einige der Errungenschaften dieses Landes dargestellt wurden. Hier ein Beispiel aus dem Bezirk Leipzig:

Die Industriebetriebe der DDR und was daraus wurde

Die 285.000 Arbeiter und Angestellten in der Industrie, die drei Viertel der Gesamtproduktion des Bezirkes erzeugen, sind durch eine Vielzahl von Kooperations- und Zulieferverbindungen unlöslich mit der Volkswirtschaft der DDR verknüpft und tragen somit eine hohe Verantwortung für deren dynamisches Wachstum.

Die in den Kombinaten und Betrieben erbrachten Leistungen und produzierten Erzeugnisse bestimmen zum Teil bedeutend die Struktur der DDR-Volkswirtschaft. 96 Prozent des Aufkommens an Glasseidenerzeugnissen, 70 Prozent des Tafel- und Spiegelglases sowie 55 Prozent der elektrischen Kleinstmotoren der DDR werden hier produziert. Auf den Bezirk entfallen außerdem 35 Prozent der Gußerzeugnisse, 26 Prozent der Ausrüstungen für die polygraphische und papierverarbeitende Industrie, 23 Prozent an Verdichtern und derselbe Anteil an spanabhebenden Werkzeugmaschinen. Nicht zu vergessen: komplette Chemieanlagen und Anlagen für die Biotechnologie, Kohlegroßgeräte und Gießereiausrüstungen, Druckmaschinen, Drehautomaten, Walzenbearbeitungsmaschinen, Geräte der Medizintechnik – die Palette reicht vom gigantischen Eisenbahndrehkran aus dem Kirow-Werk in Leipzig bis zum Kleinstmotor auf Mikroelektronikbasis aus dem Elektromotorenwerk Hartha.
Hartha
Eine grundlegende Voraussetzung für hohe Leistungen ist die Ausstattung mit Grundfonds. Je Arbeiter und Angestellter stieg dieser Wert von 1955 bis 1986 in der Industrie von 27 000 auf 126 000 Mark, im Bereich des Bauwesens von 11000 auf 59000 Mark. Durch die effektive Auslastung der Grundfonds konnte die Arbeitsproduktivität 1986 im Vergleich zu 1955 in der Industrie auf 446 Prozent gesteigert werden. So wurde es möglich, die Produktion je Beschäftigten in der Industrie wertmäßig nahezu auf das Viereinhalbfache zu steigern. Bezogen auf die arbeitstägliche Leistung in der Industrie, konnte in diesem Zeitraum eine Steigerung von 32 Millionen Mark auf 155 Millionen Mark erreicht werden.
oschatz
Das ökonomische Gesicht des Bezirkes wird bestimmt durch eine immer engere Verflechtung von Produktion und Wissenschaft. Vor allem in den 22 zentral- und 23 bezirksgeleiteten Kombinaten der Industrie und des Bauwesens finden in wachsendem Maße neue Wirkprinzipien, neue wissenschaftlich-technische und technologische Erkenntnisse und Verfahren Eingang. Beispielgebende Automatisierungslösungen, eingeschlossen die von Computern gesteuerte Produktion ganzer Produktionsabschnitte, wurden auch in der Maschinenfabrik »John Schehr« Meuselwitz, im Kombinat ORSTA-Hydraulik Leipzig und im Drehmaschinenwerk Leipzig geschaffen.
Leipzig
Weitere Beispiele sind der Einsatz von Lasertechnik im Kombinat Verpackung, der Wirbelschichttrockner in der Brikettfabrik Borna oder die CAD/CAM-Lösungen für scheibenförmige Teile und Kurven im Stammbetrieb des Kombinates Polygraph »Werner Lamberz« Leipzig. Hochleistungsfähige Mehrfarbendruckmaschinen und automatisierte Fertigungsstrecken der buchbinderischen Weiterverarbeitung aus dem letztgenannten Kombinat kennzeichnen heute das hohe Niveau der graphischen Technik. All dies basiert auf einer hohen ökonomischen Verwertung moderner wissenschaftlich-technischer Erkenntnisse, was sich in den hochwertigen Exportgütern widerspiegelt, die einen guten Ruf auf internationalen Märkten genießen. 20 Prozent der wertmäßigen Produktion aus dem Bezirk werden für den Export bereitgestellt.

Quelle:
Die DDR im Spiegel ihrer Bezirke, Dietz Verlag, 1989

DDR-Bezirke. Siehe auch:
Der Bezirk Karl-Marx-Stadt
Der Bezirk Frankrfurt/Oder

Und was wurde nun daraus?
In den Bezirken Leipzig und Karl-Marx-Stadt gab es wie überall in der DDR viele leistungsstarke sozialistische Industriebetriebe. Alle diese Betriebe gibt es heute nicht mehr. Und es gab Vollbeschäftigung, d.h. wir hatten in der DDR bis 1989 keinen einzigen Arbeitslosen. Dann kam die „Treuhand“, und die Fabriken wurden regelrecht geplündert. Alles was nicht niet- und nagelfest war, wurde geklaut, verhökert und verschrottet. Das Volkseigentum wurde enteignet, die Arbeiter wurden auf die Straße gesetzt und das Volk um die Früchte seiner Arbeit betrogen. Heute – 20 Jahre danach – liegt die durchschnittliche Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland bei ca. 20%, Tendenz steigend. Die Bevölkerungsstruktur hat sich verändert, der Altersdurchschnitt hat sich erhöht. Abgewandert ist der größte Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung, geblieben sind die Rentner. Zwar wurden die Bundesstraßen, die Altstädte, Häuser und Baudenkmale restauriert und erneuert, Ruinen wurden abgerissen, auch einige neue Firmen entstanden. Zwar hat sich das Antlitz der Städte und Dörfer sehr zum Positiven verändert, doch von „blühenden Landschaften“ kann hier nicht die Rede sein. Denn bereichert daran hat sich im wesentlichen die westdeutsche Großbourgeoisie…

Der frühere Erste Bürgermeister Hamburgs, Henning Voscherau, sagte 1996: „In Wahrheit waren fünf Jahre Aufbau Ost das größte Bereicherungsprogramm für Westdeutschland, das es je gegeben hat.“

Der Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass erklärte: „Es ist zu einer entsetzlichen Kolonialisierung gekommen. Mit großer Arroganz. Die Besitzenden werden die Westdeutschen sein. Und die führen in der DDR einen Morgenthau-Plan durch, der Gebiete verarmen läßt, die von der Geschichte her Industriegebiete waren.“ Aus Anlaß des Gedenkjahres 2009 bezeichnete Grass die Westdeutschen noch immer als „Kolonialherren“, die „von ihrem hohen Siegerroß herunterkommen“ müßten.

Weitere Kommentare dazu siehe: Neue Rheinische Zeitung vom 16.11.2011
DSCI0285DSCI0289In diesem DDR-Betrieb bei Dippoldiswalde waren bis 1990 über 300 Werktätige beschäftigt, seitdem steht er leer. Im gesamten Annexionsgebiet, welches einmal die DDR war, gibt es Tausende (!) solcher Betriebe. Nicht ein einziger hat die Konterrevolution 1989 überlebt. Die meisten Betriebe wurden mittlerweile dem Erdboden gleichgemacht. Die Maschinen und Anlagen wurden gestohlen, das gesamte Volkseigentum floß zumeist in die privaten Taschen gerissener westdeutscher Banditen, und das darüber teils sogar erstaunte Arbeitsvolk ging in die Frondienste westdeutscher „Unternehmer“, in den „Vorruhestand“ oder schließlich zum Arbeitsamt…

5 Gedanken zu “20 Jahre „blühende Landschaften“…?

  1. Wenn das alles so toll war, dann frage ich mich nur, warum die DDR dann pleite war! Warum die Gebäudesubstanz völlig herunter gewirtschaftet war usw. usf. Die zehntstärkste Industrienation – da war der Wunsch Vater des Mittagschen Gedankens!

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  2. War die DDR pleite? Gute Frage!
    Nein! Sie war nicht pleite. Siegfried Wenzel schreibt: „Die DDR konnte bis zum letzten Tag ihre ökonomische Existenz, bis zur Währungsunion und der Umstellung auf die DM am 1.7.1990, selbst unter den seit einem dreiviertel Jahr andauernden turbulenten Umbruchsbedingungen sowohl im Handel mit den ausländischen Partnern in Ost und West jede fällige Rechnung bezahlen als auch die Versorgung der Bevölkerung stabil gewährleisten; und das bei einem ständig anschwellenden Touristenstrom und dem unter Bedingungen der offenen Grenze irrelevanten Umtauschkurs von Mark der DDR in DM auf dem freien Markt.“ (S.Wenzel, Was war die DDR wert? Das neue Berlin, 2000, S.12) – eine Pleite sieht anders aus! Gegenfrage wie hoch ist derzeit die Staatsverschuldung der BRD? – Antwort: BRD 126 Mrd.Euro (2009); DDR damals 24,7 Mrd.VM oder 14,8 Mrd.$ (Quelle: Deutsche Bank). Die Gebäudebausubstanz: Ja, ein schlimmes Kapitel. In der DDR war die dringliche Erneuerung der Infrastruktur und des z.T. überalterten Maschinenparks zugunsten der Sozialleistungen von Jahr zu Jahr hinausgeschoben worden. Die Aufrechterhaltung niedriger Mieten, Tarife und Preise für den sog. Grundbedarf erforderte ständig höhere Subventionen aus dem Staatshaushalt…

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  3. h kann die Optik oder Infrastruktur der DDR nicht loben, da ich zu selten dort war. Ich hatte dort verfallene Häuser gesehen, wo niemand wohnte und graue aber guterhaltene Gebäude. Viele Häuser in der DDR waren sehr schön, wie das meiner Verwandten (einfache Arbeiter) im Raum Karl Marx Stadt. Paradoxerweise waren die Wohnungen höherer Staatsfunktionäre im Grenzgebiet nähe Lübeck – zuletzt 2007 gesehen – viel bescheidener, also NIX mit Scheisshausparolen von angeblichen DDRBonzen. Verfallene Häuser gibt es noch heute im reichen Belgien, Dänemark, Frankreich u.a. ja selbst in der Schweiz oder der BRD, nur dass dort tatsächlich Menschen hausen müssen. Von den Slums im Suppenküchenstaat USA/United Soupkitchen Association ganz zu schweigen. Ich kenne noch heute in der BRD hübsch angestrichene Altbauten, die aber weder über BAD noch Toilette verfügen, in den 80gern war das Standard. Das Klo befindet sich im Treppenhaus und zum Baden geht man für 3,5 Euro alle 10 Tage ins Hallenbad. Die Strassen in BRD sehen oft sauberer aus als manche Küche. Komischerweise sind im Los Angeles Filmstarviertel Beverly Hills die Strassen auch nicht besser als in der ehemaligen DDR. Vielleicht braucht man bei Tempolimit und Taxen auch keine tollen Strassen ? Seltsamerweise sahen die kubanischen Strassen in den krisenhaften 90gern (Weltwirtschaftskrise) noch besser als im Wessiland aus. HEUTE: In Schleswigholstein habe ich viele Häuser gesehen die nur über unasphaltierte Wege erreichbar sind. Sehr viele auch in EXDDR Ortschaften Nähe Güstrow, obwohl der Westen dort seit über 20 Jahren waltet. Die Ausrüstung der DDR Metallwerke kannte ich nicht. Aber die BRD Weltfirma in der ich Schlosser gelernt hatte, benutzte Maschinen auf denen das Jahr 1914 draufstand. Wir hatten bei 1000 Mitarbeiter im Werk über 300 schwerere (bis hin zum Augenlichtverlust, Fingeramputation, Tod usw.) Arbeitsunfälle pro Jahr. Keiner unter 40 der nach 5 jähriger Tätigkeit noch gesund war. Aber NICHT durch die alten Maschinen, sondern Akkord, der – im Gegensatz zu Niederlande – oft dreimal so hoch war. Schönheit ist zwar Geschmackssache. Aber viele gute (ja die gibts auch) Wessis verstehen nicht, warum die Ossis nicht selber ihre Umgebung schöner gemacht haben.

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  4. Ich habe dieses Land erlebt. Man sieht sich ja, wenn man als Tourist irgendwohin kommt, immer auch mal die „vergessenen Stadtviertel“ an, schlendert sozusagen durch die Slums. Naja, „Slums“ gab es in der DDR nicht. Es gab Vorzeige-Wohngegenden – und in den Innenstädten und Nebenstraßen so manche graue Ruine. Von den Geisterstädten wie Detroit und den verlassenen Dörfern, Wohnsiedlungen und Betrieben in Rußland will ich gar nicht erst reden – sowas gab es bei uns nicht, und auch nicht in der Sowjetunion. Man hatte sich da irgendwie dran gewöhnt.

    Was aber gravierend anders war, war das menschliche Zusammenleben (die Wärme und Herzlichkeit der Menschen, die guten Nachbarschaftsverhältnisse und Hausgemeinschaften, die Kollegialität in den Betrieben usw., wo nicht selten zusammen gearbeitet und auch gefwiert wurde. Das alles ist heute einer Kälte gewichen, einem Neid, einer Rücksichtslosigkeit, einer Arroganz, worüber auch die teilweise aufgesetzte Freundlichkeit nicht hinwegtäuschen kann. Wenn man heute die Ergebnisse der DDR-Industrie sieht, so waren nicht nur die Maschinen, sondern auch die Produkte zehnmal solider hergestellt als die westliche Wundertechnik heute. Viele DDR-Produkte wurden damals im Westen ja unter falschem Namen und mit Westetikett verscherbelt, um Kredite abzulösen. Eine DDR-Waschmaschine hat eben 15 Jahre lang gehalten und gut funktioniert…

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  5. Hallo Norbert und Rheinländer, ich mag mich eurer wohligen Plauscherei über längst vergangene Zeiten nur ungern anschließen, da es mir in der Frage des Sozialismus – damals und heute – weniger um seine konkreten, oft sehr unterschiedlichen Ausgestaltungen in den einstigen sozialistischen Ländern geht als viel mehr um seine Möglichkeit, seine Machbarkeit, selbst unter schwersten inneren und äußeren Bedingungen.
    Die Errichtung des Sozialismus ist eben keinesfalls nur eine Utopie, ein schöner Tarum, frommer Wunsch.
    Das 20.Jahrhundert, seine Geschichte hat einfach bewiesen, dass Sozialismus möglich, machbar ist, aber auch, dass er bei unsachgemäßer, falscher Anwendung, bei mangelnder revolutionärer Wachsamkeit scheitern, einer Konterrevolution weichen kann.
    Zu DDR- Gebrauchsgütern nur soviel: 1988 kauften wir bei Quelle eine Waschmaschine mit eingebauten Trockner auf Abzahlung, damals 1500 DM.
    Bei einer unserer Umzüge endeckte ich einmal zufällig ein kleines Schildchen mit Made in GDR.
    Diese Maschine diente uns über 16 Jahre ohne jegliche Reparatur, schließlich versagte die Wasserpumpe, denn vergaßen sehr häufig, das Flusensieb zu reinigen, so dass diese Maschine sonst uns möglicherweise wohl noch länger gedient hätte!
    Und es kommt noch besser!
    Eine in der DDR lebende Verwandte hatte einen Kühlschrank, der diente sage und schreibe fast — 33 Jahre!, nur einmal war eine kleine Sache auszutauschen.
    Ich kenne noch einen anderen Fall, wo ein DDR-Fernseher(Schwarz-Weiß) immerhin 22 Jahre seinen Dienst versah.
    Als die Briten 2003 die irakische Hafenstadt Basra besetzten und davon Bilder auftauchten, tauchten auch Bilder des Hafens von Basra auf, seiner großen Kräne, alles Made in GDR…, es wurden z.B. auch elektronische Schreibbmaschinen(Robotron), Spiegelreflexkameras(Pentagon) aus Dresden massenhaft in kapitalistische Länder exportiert, ebenso Werkzeugmaschinen, Druckmaschinen und und und…
    Wenn das alles „Schrott“ gewesen sein soll, nun, warum fanden diese Produkte dann doch ihre Käufer, hatten nicht wenige DDR-Produkte extrem lange Haltbarkeitszeiten?
    Das ist nun alles vorerst leider Geschichte, beweist aber noch immer die Lebensfähigkeit des Sozialismus.
    Es gibt zu diesem kapitalistischen Ausbeutersystem eine realistische Alternative, nämlich die Errichtung des Sozialismus!

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