Vor der Gründung der DDR (2)

Auch im weiteren wird die Situation jener Zeit sehr detailliert beschrieben. Es war doch klar, daß die unterlegene Klasse, die Bourgeoisie, diese Situation nicht hinnehmen würde…

1945 — 1949

Die ersten Maßnahmen zur Ingangsetzung und Leitung der Wirtschaft
Mit der Bildung der sowjetischen Militärverwaltung (sowjetische Militäradministration Deutschlands, Abk.: SMAD) am 9. Juni 1945 wurden erste Maßnahmen zum Wiederaufbau einer Friedenswirtschaft getroffen. Die Tätigkeit der sowjetischen Militäradministration war von Anbeginn von den Prinzipien des proletarischen Internationalismus, vom Geist des sozialistischen Humanismus getragen.
Hennigsdorf
Stahlwerk Hennigsdorf wird Volkseigentum

Nazis und Kriegsverbrecher werden enteignet
Auf der Grundlage der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens und der Direktive des Alliierten Kontrollrates Nr. 38 (über die Bestrafung von Nazi- und Kriegsverbrechern) und
Nr. 39 (über die Liquidierung des deutschen Kriegspotentials) wurde durch die Befehle der SMAD Nr. 124 und Nr. 126 die Sequestrierung (1) auf dem Gebiet der heutigen DDR eingeleitet. Dadurch wurde das Eigentum der Monopolisten und Naziaktivisten sowie der Kriegsverbrecher beschlagnahmt und zunächst in den Ländern unter Verwaltung der SMAD genommen. Im Mai 1946 wurden die sequestrierten Betriebe den Verwaltungsorganen der Länder in Treuhandschaft übergeben. Diese Betriebe wurden die Basis des volkseigenen Sektors der Wirtschaft. Die Bevölkerung Sachsens, des größten Landes mit starker industrieller Konzentration in der damaligen sowjetischen Besatzungszone, sprach sich in einem Volksentscheid für die entschädigungslose Enteignung der Betriebe der Kriegsverbrecher und Naziaktivisten und ihre Übergabe in das Eigentum des Volkes aus. Bei einer Beteiligung von 93,71 Prozent der Stimmbeteiligten sprachen sich 77,62 Prozent für die Annahme des vorgelegten Gesetzentwurfes aus, Das war die historische Geburtsstunde der revolutionären Schaffung sozialistischen Eigentums auf dem Territorium der heutigen DDR. Unter Berufung auf diese Willenserklärung und die Forderungen der Werktätigen nach einer generellen Enteignung der Nazi- und Kriegsverbrecher erließen auch die übrigen Landesverwaltungen Gesetze, die mit dem Volksentscheid übereinstimmten.

Reaktionäre Kräfte sabotieren den Aufbau
Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens wurden mit dem Befehl Nr.l vom 23. Juli 1945 die kapitalistischen Banken in der SBZ, die als Teil der deutschen Finanzoligarchie den Faschismus aktiv unterstützt hatten, geschlossen. Der Prozeß der politischen und ökonomischen Entmachtung, der mit der entschädigungslosen Enteignung der Faschisten, Naziaktivisten und Großgrundbesitzer verbunden war, stieß auf hartnäckigen Widerstand der reaktionären Kräfte, die zum Teil vorübergehend auch in den Führungen der neu gegründeten bürgerlichen Parteien (CDU, LDPD) Einfluß hatten. So sollte die Aufteilung der Güter — das war ein entscheidender Bestandteil der Bodenreform — verhindert werden, um später die früheren Verhältnisse leichter wieder herstellen zu können. Vieh und Maschinen wurden verschoben, getötet bzw. zerstört, Saatgut unbrauchbar gemacht, Arbeiterfunktionäre überfallen. Die Klassenfeinde sabotierten, wo immer sie eine Möglichkeit fanden. Die Partei der Arbeiterklasse und die anderen fortschrittlichen Kräfte mußten einen harten Klassenkampf gegen einen raffiniert und hartnäckig operierenden Feind führen.
Einheitsfront
Das Land denen die es bebauen

Die Arbeiterklasse übernimmt die Macht
In diesem zutiefst revolutionären Prozeß wurden die volkseigenen Betriebe geschaffen, die demokratische Bodenreform verwirklicht und ein neues Bankwesen aufgebaut. Mit dem so entstandenen Volkseigentum nahm die Arbeiterklasse wichtige Kommandohöhen der Wirtschaft in Besitz. Am 11. Januar 1947 verfügte die SMAD die Einstellung der als Bestandteil der Wiedergutmachung eingeleiteten Betriebsdemontage und die Umbildung der 200 noch hierfür vorgesehenen Großbetriebe in sowjetische Aktiengesellschaften (SAG). Darüber hinaus wurden zunächst 74 und in den späteren Jahren auch die übrigen SAG-Betriebe in Volkseigentum überführt. In den SAG und in der Zusammenarbeit mit ihnen lernten Tausende künftiger Wirtschaftskader von den sowjetischen Ingenieuren, Wirtschaftsleitern und Wissenschaftlern, wie man einen volkseigenen Betrieb leitet und plant. Diesen neuen Wirtschaftskadern wurden die bewährten Erfahrungen der sowjetischen Wirtschaftsleitung unmittelbar vermittelt — als theoretische und praktische Grundlage erfolgreicher ökonomischer Tätigkeit.

Vergesellschaftung der Produktion
Die Enteignung und Inbesitznahme der wichtigsten Produktionsmittel durch das werktätige Volk war der Ausgangspunkt für die Entwicklung sozialistischer Produktions- und Eigentumsverhältnisse. Aber die tatsächliche Vergesellschaftung der Produktion mußte erst noch herbeigeführt werden. Die Eroberung der politischen Macht und die Schaffung des gesellschaftlichen Eigentums an den Produktionsmitteln sind die beiden entscheidenden Maßnahmen zur Schaffung des Fundamentes der sozialistischen Vergesellschaftung. Doch das ist erst ein Teil der Lösung. „Die Vergesellschaftung… unterscheidet sich gerade dadurch von einfacher Konfiskation, daß zum Konfiszieren bloße Entschlossenheit‘, ohne die Fähigkeit, richtig zu registrieren und richtig zu verteilen, genügt, während man ohne eine solche Fähigkeit nicht vergesellschaften kann.“(2)
Warnowerft
Die volkseigene Warnowerft

Die sozialistische Planwirtschaft
Mit den Produktionsbefehlen der SMAD wurden erstmalig Elemente der planmäßigen Lenkung der Wirtschaft wirksam. So erfolgte die Wiederherstellung und Entwicklung der Wirtschaft von Anfang an auf bewußt organisierter, planmäßiger Grundlage. Nachdem die Produktion in Gang gebracht worden war, folgten auf Monate und Quartale begrenzte Produktionsauflagen. Bereits im zweiten Halbjahr 1948 wurde nach einem zusammengefaßten Plan an der Wiederherstellung Und Entwicklung der Friedenswirtschaft gearbeitet. Die Planmäßigkeit der gesellschaftlichen, insbesondere wirtschaftlichen Entwicklung — als Wesenszug der neuen Gesellschaftsordnung — wurde maßgeblich durch die Tätigkeit der SMAD gefördert.

Anmerkungen:
Am 7.Oktober 1949 trat in Berlin der Deutsche Volksrat zu seiner historischen 9.Tagung zusammen. Er proklamierte die Deutsche Demokratische Republik, konstuituierte sich als Volkskammer der DDR und setzte die vom 3.Deutschen Volkskongreß angenommene Verfassung in Kraft. Einstimmig wurden Johannes Dieckmann (LDPD) zum Präsidenten der Volkskammer gewählt und Otto Grotewohl (SED) mit der Bildung einer Regierung der DDR beauftragt. Am 11.Oktober 1949 wurde Wilhelm Pieck (SED) einstimmig zum ersten Präsidenten der Deutschen Demokratischen Republik gewählt.

(1) Dieser Terminus war damals gebräuchlich. Er bedeutet Beschlagnahme und Zwangsverwaltung.
(2) Lenin, W. L: Über „linke“ Kinderei und über Kleinbürgerlichkeit. In: Lenin: Werke, Bd. 27. Berlin: Dietz Verlag 1960, S. 326.

aus: Leitung der sozialistischen Wirtschaft, Verlag Die Wirtschaft Berlin,1976,S.75-77.

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