Vor der Gründung der DDR (1)

Sehr interessant ist dieser Ausschnitt aus einem Buch, das geschrieben wurde für staatliche Leiter in der DDR. Wer von denen hat es jemals so genau gelesen? Dort steht:

1945 — 1949

Die grausame Hinterlassenschaft der Nazis
Als am 8. Mai 1945 das faschistische Deutschland militärisch zerschlagen war, hatte der deutsche Imperialismus nach zwölf Jahren des Terrors und des Raubkrieges neben ungeheuren Verwüstungen und Menschenopfern in der Sowjetunion und anderen Ländern, dem deutschen Volk Millionen Tote, wirtschaftlichen Ruin, schwere materielle und moralische Schäden, Not und Chaos hinterlassen.
Dresden 1945
Uneigennützige Hilfe der Sowjetunion
Die Sowjetunion, die den entscheidenden Anteil an der militärischen Vernichtung des imperialistischen Deutschen Reiches geleistet hatte, legte den Weg für das deutsche Volk frei, eine demokratische gesellschaftliche Entwicklung einzuschlagen, die zugleich eine spätere sozialistische Perspektive eröffnete. Dabei leistete die Sowjetunion mit ihrem Erfahrungsschatz dem werktätigen Volk für den gesellschaftlichen Neuaufbau in ihrer Besatzungszone eine unschätzbare Hilfe. Die Sowjetunion gewährte vom ersten Tage an nicht nur materielle, sondern vor allem geistig-ideologische Unterstützung für den demokratischen Neuaufbau.
Bergmann_Borsig_1945
Bergmann-Borsig 1945

Das zerstörte Deutschland wird wieder aufgebaut
Die Hauptaufgabe der antifaschistischen Kräfte — insbesondere der demokratischen Parteien und Massenorganisationen — bestand darin, alle demokratischen und friedliebenden Menschen an die Aufgaben des gesellschaftlichen Aufbaus heranzuführen und die Wurzeln des Krieges und des Elends zu beseitigen. Die Entmachtung der Monopolisten und Kriegsverbrecher war dafür die erste Bedingung. Die Werktätigen lernten, den Staat und die Wirtschaft zu leiten, die gesellschaftlichen Entwicklungsgesetze zu begreifen und zu meistern. Die entscheidende Voraussetzung dafür war die Schaffung der Einheit der Arbeiterklasse durch die Vereinigung der KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Unter Führung der Partei der Arbeiterklasse begann der Neuaufbau der staatlichen Leitung mit der Mobilisierung der Werktätigen, vor allem der Arbeiter, zur aktiven Mitwirkung am politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aufbau des gesellschaftlichen Lebens.

Eine kommunistische Initiative
In ihrem historischen Aktionsprogramm vom 11. Juni 1945 (*) gab die Kommunistische Partei Deutschlands in diesen schweren Tagen des Neubeginns dem deutschen Volk die einzig richtige Perspektive: ein Deutschland ohne Konzernherren und Junker, das in Freundschaft mit der Sowjetunion und allen friedliebenden Völkern verbunden ist. Für die Wirtschaft war zunächst die Ingangsetzung der Produktion das dringendste Erfordernis, um die Bevölkerung mit dem Notwendigsten zu versorgen. Zugleich mußte die Kriegswirtschaft auf eine Friedenswirtschaft umgestellt werden. Eine entscheidende Aufgabe bestand in der Schaffung der Grundlagen für den systematischen, planmäßigen Aufbau der Wirtschaft.
Aufruf KPDAufruf SPD
Aufruf der KPD vom 11.Juni 1945 (links) und Aufruf der SPD vom 15. Juni 1945

Der Osten Deutschlands war benachteiligt
Die ökonomischen Ausgangsbedingungen waren außerordentlich schwer und kompliziert. Das Gebiet der späteren DDR war Bestandteil des geschlossenen Wirtschaftsgebietes, das sich in der historischen Entwicklung Deutschlands unter kapitalistischen Bedingungen herausgebildet hatte. Die Industrie war äußerst ungleichmäßig über Deutschland verteilt. Die westlichen Besatzungszonen besaßen nicht nur den höheren Anteil an der Industrieproduktion überhaupt, sondern sie verfügten auch über die Hauptstandorte des Steinkohlenbergbaus, der Eisen- und Stahlindustrie, des Stahlbaus und des Schwermaschinenbaus. Die direkten Kriegszerstörungen waren im Osten Deutschlands bedeutend größer als im Westen. Allein die Industrie war im östlichen Teil Deutschlands zu 45 Prozent und im westlichen nur zu 20 Prozent zerstört. Hinzu kamen die gewaltigen Zerstörungen der Städte, des Verkehrswesens und der Landwirtschaft durch die letzten verzweifelten Kriegshandlungen der Faschisten.
KriegsfolgenSchwierige Ausgangsbedingungen
Die historische Entwicklung der Wirtschaft im kapitalistischen Deutschland, die Folgen des verbrecherischen imperialistischen Krieges und die Spaltungspolitik der Westmächte führten in der Wirtschaft der damaligen sowjetischen Besatzungszone (SBZ) zu großen Disproportionen zwischen den einzelnen Zweigen und innerhalb der Zweige der Industrie sowie zwischen Industrie und Landwirtschaft. Besonders schwerwiegend war, daß die verarbeitende Industrie weitgehend von ihrer Rohstoffbasis abgeschnitten wurde. Deshalb mußte die Grundstoffindustrie durch neu zu schaffende Kapazitäten entwickelt werden, um so Voraussetzungen für die Erhöhung der Produktion in der metallverarbeitenden und später auch in der Leicht- und Lebensmittelindustrie zu schaffen.

(*) Vgl. Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Reihe III, Bd. 1. Berlin: Dietz Verlag 1959, S. 19.

aus: Leitung der sozialistischen Wirtschaft, Verlag Die Wirtschaft Berlin,1976,S.73-75

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