Ausbeutung?!

„Ausbeutung…?!“ sagte ein Kollege, als er 1985 vom Verwandtenbesuch in die DDR zurückkam, „also – wenn das Ausbeutung ist, dann lasse ich mich gerne ausbeuten!
10 Jahre später: „Ausbeutung? Nee, aber doch nich bei uns! Das gibt’s doch nur in Brasilien oder vielleicht in China!“ Und 25 Jahre später…
Firma
…fand ich das folgende in Tschuikows Blog:

Ich habe gestern was UNGLAUBLICHES erlebt. Ich habe es noch nie erlebt, daß – sowas von offen – der Erwerb als Ziel, ausgesprochen wurde. Ich war bei einem Bewerbungs-gespräch in der Softwareabteilung eines Pharmaunternehmens. Der eine erklärte gleich mal: „Wir wollen Marktführer werden, auf eine stressige Arbeitszeit von 60 Stunden die Woche müssen Sie vorbereitet sein. Es gibt auch ruhigere Wochen, aber bei Termindruck muß man schon mal 12 Stunden durcharbeiten.“ Da sagte ich: „…also muß mit Feuer und Flamme bei der Arbeit sein!“ Da sagte er: „Ganz genauso ist es!“

Der andere erzählte von seinen Führungsmethoden, die alle auf den „Herr-im-Hause“ -Standpunkt hinausliefen. Das steigerte sich in seine Devise: „Es gibt keine Probleme, ansonsten haben wir beide eins.“ Er ließ durchblicken, daß er nur arbeitet, um viel Kohle zu scheffeln: „Ärzte machen Studien nur für Geld.“ Auf meinen Einwand, Karrieregründe könnten es auch sein, sagte er: „Nein, die machen das nur für Geld!“ Als ich sagte, die Arbeit würde mich auch aus idealistischen Motiven interessieren, weil ja die Gesundheit das wichtigste Gut des Menschen ist, entglitten denen fast die Gesichtszüge, und sie konnten kaum ein mitleidiges Lächeln verbergen.

Zum Schluß zeigte mir einer noch die Firma. Er lief wie so einer kleiner Pascha rum, und kontrollierte die Mitarbeiter, was sie gerade machen. Die Mitarbeiter (oder besser Sklaven!) antworteten immer mit völlig unterwürfigem Lächeln. Er erklärte: „Wir sind hier alle ein Team, wir duzen uns.“ Und verächtlich setzte er hinzu: „Privat möchte ich mit denen aber nichts zu tun haben!“

Das ganze war so skurril, so widerwärtig und ekelhaft.
Wir leben in einem widerwärtigen Dreckssystem.
In der DDR wollte man uns zu bewußten Menschen erziehen, hier sind wir nur der Dreck, der für den Kapitalisten anschaffen muß!

Quelle:
http://tschuikow.blog.de/2010/06/02/unglaubliches-8718645/
(Leicht redigiert, Hervorhebungen von mir – N.G.)

Diese 25 Jahre sind historisch gesehen eine recht lange Zeit. Doch vergleicht man die 70er Jahre in der Bundesrepublik mit der jetzigen Zeit, so wird man kaum Unterschiede feststellen – außer vielleicht, daß die Produktivkräfte sich enorm entwickelt haben.
Und – Ausbeutung? Ja, gibt es noch immer!

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