Die „Schwarze Internationale”.

Als vor 65 Jahren der Zweite Weltkrieg beendet war, nahmen die Völker Europas und der ganzen Welt die Nachricht vom Ende dieses Krieges mit Jubel auf. Und die Menschen hatten das Gefühl, für immer von der braunen Pest des Faschismus befreit zu sein. Aber das war ein Irrtum. Heute weiß man, daß der Faschismus nicht einfach eine historische Zufallserscheinung war. Man erkennt deutlich die Verbindung zu der dem Imperialismus als sozial-politischem System eigenen gefährlichen Tendenz zur Aufhebung demokratischer Freiheiten, zur „Reaktion auf der ganzen Linie”. (Lenin, Werke, Bd.22, S.302).

Die Verbrechen der deutschen Faschisten
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Der Ausdruck „Schwarze Internationale”. gehört übrigens heute zum politischen Vokabular des modernen Faschismus. Hier sei bemerkt, daß die große internatinale Dachorganisation der Neofaschisten erst Anfang der siebziger Jahre entstand. Das folgende Beispiel zeigt warum die Nazis heute immer noch aktiv sind:

Die Nazis tauchten unter

Während die faschistischen Truppen unter den wuchtigen Schlägen der Sowjetarmee bis an die Grenzen Deutschlands zurückwichen, die Alliierten unter dem Kommando Marschall Montgomerys endlich in der Normandie landeten und die zweite Front eröffneten, fand am 10. August 1944 im Strasbourger Hotel „Maison Rouge”. ein Geheimtreffen zwischen deutschen Großindustriellen, maßgeblichen Herren des Außenministeriums und hohen Militärs des Dritten Reiches statt. Es ging nur um eine Frage: das Überleben des Nazismus und der Nazis nach der Niederlage Deutschlands. Nach langen Debatten wurde ein Plan zur Rettung der Währungsreserven des Dritten Reiches ausgearbeitet, der das Transferieren eines großen Teils der Devisen ins Ausland vorsah. Die NSDAP selbst sollte in die Illegalität gehen und dort auf den Tag „X”. warten. Sobald sich das Blatt wendete, sollte sie aus dem Untergrund auftauchen und die geheimen Mittel für den allmählichen, kontinuierlichen Wiederaufbau der Partei verwenden. Man ging sofort an die Realisierung dieses Geheimplans. Auf Bankkonten in der Schweiz, Liechtenstein, Österreich, Portugal, Spanien, Argentinien und einigen anderen Ländern, die gegen Deutschland keinen Krieg führten, wurden etwa 500 Millionen Dollar eingezahlt.

Die geheimen Umtriebe in Argentinien

Sofort nach Kriegsende wurde ein Teil dieser Mittel flüssig gemacht, um die Aktienmehrheit in einigen hundert Aktiengesellschaften verschiedener Länder, z. B. der Schweiz, Portugals, Spaniens, Argentiniens und der Türkei, zu erwerben. Dieses Geschäft sicherte den Altnazis, die in den genannten Ländern Unterschlupf fanden, Arbeit und Geld und bot ihnen schließlich die Möglichkeit, an die Verwirklichung der Hauptaufgabe, die Wiedergeburt des Nationalsozialismus, zu gehen. Das ganze Unternehmen lief streng geheim. Aber nach dem Sturz des Perón-Regimes in Argentinien wurden die Umtriebe dieser Herren bekannt. Die von der neuen Regierung eingeleitete Untersuchung ergab, daß die Gewährung des Asylrechts an Tausende deutsche, österreichische, italienische, kroatische und slowakische Faschisten nicht einfach eine „freundschaftliche Geste”. des Diktators gegenüber dem internationalen Faschismus, sondern auch ein einträgliches Geschäft war. Die durch Dokumente belegten Zeugenaussagen brachten äußerst wichtige Fakten ans Licht. So haben die argentinischen Behörden die Ausstellung von mehr als 7.000 falschen Personalausweisen für die aus Europa geflüchteten „Freunde”. Peróns genehmigt. Für jeden Ausweis zahlten diese ein erkleckliches Sümmchen.

Hilfen für Nazi-Kriegsverbrecher

Entsprechend dem Plan, der in Strasbourg ein Jahr vor dem Zusammenbruch des Faschismus ausgearbeitet wurde, sollte das außer Lande gebrachte Kapital für folgende Ziele verwendet werden:
1) Evakuierung jener Nazis aus Deutschland, Österreich und anderen westeuropäischen Ländern, die wegen der im zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen vor Gericht gestellt werden konnten;
2) Schaffung von „Flüchtlingssiedlungen”. in Ländern, deren Regierungen dies billigten;
3) Rechtshilfe für Nazis, die vor Gericht gestellt wurden (das Stellen von Bürgen, die Ernennung von Verteidigern usw.);
4) Gründung von Vereinigungen und Verbänden ehemaliger Kriegsgefangener; 5) Durchführung von Propagandakampagnen zur Rehabilitierung faschistischer Kriegsverbrecher, insbesondere der SS-Angehörigen;
6) das Einholen von Garantien der Regierungen der Länder Westeuropas zur Haftentlassung der Kriegsverbrecher;
7) Widerlegung der Schuld Hitlerdeutschlands an der Entfesselung und Führung des Krieges;
8) Finanzierung neuer faschistischer Gruppen und Organisationen.

Sie überlebten und entzogen sich der gerechten Strafe

Heute kann mit Bestimmtheit gesagt werden, daß alle diese Aufgaben praktisch erfüllt wurden. Wie bereits erwähnt, wirken die neugegründeten neofaschistischen Parteien, Gruppierungen und Organisationen in fast 60 Ländern der kapitalistischen Welt. Zehntausende Kriegsverbrecher entgingen ihrer Strafe. Trotz umfangreichen Beweismaterials, das die über den Nürnberger Prozeß herausgegebenen 42 Bände enthalten, wird in der BRD eine breite Kampagne zur Rehabilitierung der Wehrmacht und der Waffen-SS durchgeführt. Jungen Deutschen wird der Gedanke suggeriert, daß die SS-Banditen echte Verteidiger der westlichen Zivilisation waren, obwohl erwiesen ist, daß in der Zeit der Nazibarbarei rund 100.000 Polizeibeamte, Angehörige der Waffen-SS, der SD, der Abwehr und der Wehrmacht persönlich an Massenmorden von Zivilisten teilnahmen. Etwa die Hälfte dieser Verbrecher haben die Alliierten im ersten Nachkriegsjahrzehnt dingfest gemacht. Abgeurteilt wurden jedoch lediglich 5.025. Seit 1954 fallen die Ermittlungen von Naziverbrechen in die Kompetenz bundesdeutscher Gerichte. Laut einem UNO-Sonderbericht wurden nach dem Stand vom 7. Juli 1970 insgesamt 6.215 faschistische Kriegsverbrecher zu unterschiedlichen Gefängnisstrafen verurteilt. In den siebziger Jahren wurde diese Liste lediglich um einige Dutzend Namen erweitert. Somit sind nach annähernden Schätzungen der Stockholmer Zeitung „Aftonbladet”. (22. Februar 1977) rund 90.000 Kriegsverbrecher von den Gerichten überhaupt nicht behelligt worden.

Quelle:
Alexander Rjabow, Schatten der Vergangenheit, APN-Verlag Moskau, 1980, S.45ff.

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