Quo vadis – wohin geht die Gesellschaft?

Um die heutigen gesellschaftlichen Verhältnisse, die Hintergründe und die Ursachen für die ihr innewohnenden Widersprüche und die derzeit herrschenden Klassenverhältnisse in der BRD zu verstehen, ist es sehr aufschlußreich, bei Karl Marx nachzulesen. In seinem Vorwort zur Kritik der politischen Ökonomie schreibt er:

Was versteht man unter den „Produktionsverhältnissen“?

In der gesellschaftlichen Produktion ihres Lebens gehen die Menschen bestimmte, notwendige, von ihrem Willen unabhängige Verhältnisse ein, Produktionsverhältnisse, die einer bestimmten Entwicklungsstufe ihrer materiellen Produktivkräfte entsprechen. Die Gesamtheit dieser Produktionsverhältnisse bildet die ökonomische Struktur der Gesellschaft, die reale Basis, worauf sich ein juristischer und politischer Überbau erhebt und welcher bestimmte gesellschaftliche Bewußtseinsformen entsprechen. Die Produktionsweise des materiellen Lebens bedingt den sozialen, politischen und geistigen Lebensprozeß überhaupt. Es ist nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt.

Die Widersprüche in der Gesellschaft verschärfen sich

Auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung geraten die materiellen Produktivkräfte der Gesellschaft in Widerspruch mit den vorhandenen Produktionsverhältnissen oder, was nur ein juristischer Ausdruck dafür ist, mit den Eigentumsverhältnissen, innerhalb deren sie sich bisher bewegt hatten. Aus Entwicklungsformen der Produktivkräfte schlagen diese Verhältnisse in Fesseln derselben um.
Gewerkschaften 1945„So kann es nicht weitergehen – es muß sich etwas ändern!“

Es tritt dann eine Epoche sozialer Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um. In der Betrachtung solcher Umwälzungen muß man stets unterscheiden zwischen der materiellen, naturwissenschaftlich treu zu konstatierenden Umwälzung in den ökonomischen Produktionsbedingungen und den juristischen, politischen, religiösen, künstlerischen oder philosophischen, kurz, ideologischen Formen, worin sich die Menschen dieses Konflikts bewußt werden und ihn ausfechten. Sowenig man das, was ein Individuum ist, nach dem beurteilt, was es sich selbst dünkt, ebensowenig kann man eine solche Umwälzungsepoche aus ihrem Bewußtsein beurteilen, sondern muß vielmehr dies Bewußtsein aus den Widersprüchen des materiellen Lebens, aus dem vorhandenen Konflikt zwischen gesellschaftlichen Produktivkräften und Produktionsverhältnissen erklären.

„Die Zeit ist reif!“

Eine Gesellschaftsformation geht nie unter, bevor alle Produktivkräfte entwickelt sind, für die sie weit genug ist, und neue höhere Produktionsverhältnisse treten nie an die Stelle, bevor die materiellen Existenzbedingungen derselben im Schoß der alten Gesellschaft selbst ausgebrütet worden sind. Daher stellt sich die Menschheit immer nur Aufgaben, die sie lösen kann, denn genauer betrachtet wird sich stets finden, daß die Aufgabe selbst nur entspringt, wo die materiellen Bedingungen ihrer Lösung schon vorhanden oder wenigstens im Prozeß ihres Werdens begriffen sind.

Quelle:
Karl Marx/Friedrich Engels: Ausg.Werke (6), Bd.II, S.503f.
(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Bemerkungen:
Die gegenwärtigen Produktionsverhältnisse in der BRD sind gekennzeichnet durch gesellschaftliche Produktion und private Aneignung der Ergebisse der Arbeit. Damit fließt fast der gesamte gesellschaftliche Reichtum in die Taschen der – oder besser gesagt: einiger weniger Eigentümer der Produktionsmittel (d.h. der Betriebe, Banken, Immobilien, Grundstücke, Maschinen usw.) Sie haben die Macht. Von einer gleichberechtigten „Teilhabe“ kann also keine Rede sein. Im Gegenteil: Die Reichen werden immer reicher und die Armen werden immer ärmer! Es zeichnet sich also ab, wohin die Veränderungen gehen werden…

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