Bourgeoisie und Kleinbürgertum

Geschäftsleute mit Berechnung

„Die Bourgeoisie unterscheidet sich vom Kleinbürgertum dadurch, daß sie aus ihrer ökonomischen und politischen Erfahrung gelernt hat, die Bedingungen zu begreifen, die im kapitalistischen System für das Aufrechterhalten der ‚Ordnung‘ (d. h. der Versklavung der Massen) erforderlich sind. Die Bourgeois sind Geschäftsleute, Menschen, die mit großer kaufmännischer Berechnung vorgehen, die gewöhnt sind, auch an die Fragen der Politik streng geschäftlich heranzutreten, die mißtrauisch gegen Worte sind und den Stier bei den Hörnern zu packen wissen.“
connectionsWohin gehört eigentlich der Kleinbürger?

„Der Kleinbürger befindet sich in einer solchen ökonomischen Lage, seine Lebensbedingungen sind derart, daß er nicht umhin kann, sich selbst zu täuschen, es zieht ihn unwillkürlich und unvermeidlich bald zur Bourgeoisie und bald zum Proletariat. Eine selbständige ‚Linie‘ kann er ökonomisch gesehen nicht haben. Seine Vergangenheit zieht ihn zur Bourgeoisie, seine Zukunft zum Proletariat. Sein Urteil zieht ihn zum Proletariat, sein Vorurteil (nach dem bekannten Ausspruch von Marx) zur Bourgeoisie.“

Welche Rolle spielt das Proletariat?

Damit die Mehrheit des Volkes die wirkliche Mehrheit bei der Lenkung des Staates werden, wirklich die Interessen der Mehrheit wahrnehmen, ihre Rechte wirklich schützen kann usw., dazu ist eine bestimmte klassenmäßige Voraussetzung erforderlich. Diese Voraussetzung ist: Anschluß der Mehrheit des Kleinbürgertums, wenigstens im entscheidenden Augenblick und an der entscheidenden Stelle, an das revolutionäre Proletariat. Andernfalls ist die Mehrheit eine Fiktion, die sich eine gewisse Zeit lang halten, glänzen, funkeln, lärmen und Lorbeeren ernten kann, die aber dennoch mit absoluter Unvermeidlichkeit zum Bankrott verurteilt ist.“
proletariatWie wird die Machfrage zugunsten der Mehrheit entschieden?

„Weiter. Die Revolution unterscheidet sich eben dadurch von der ‚üblichen‘ Lage der Dinge im Staat, daß die Streitfragen des Staatslebens unmittelbar durch den Kampf der Klassen und den Kampf der Massen bis zur bewaffneten Auseinandersetzung entschieden werden. Anders kann es nicht sein, sobald die Massen frei und bewaffnet sind. Aus dieser grundlegenden Tatsache ergibt sich, daß es in einer revolutionären Zeit nicht genügt, den ‚Willen der Mehrheit‘ kundzutun – nein, man muß sich auch im entscheidenden Moment an der entscheidenden Stelle als der Stärkere erweisen, man muß siegen.“

Welche historischen Erfahrungen gibt es?

„Seit dem deutschen ‚Bauernkrieg‘ im Mittelalter sehen wir in allen großen revolutionären Bewegungen und Epochen bis 1848 und 1871, bis 1905 zahllose Beispiele dafür, wie eine besser organisierte, zielbewußtere und besser bewaffnete Minderheit der Mehrheit ihren Willen aufzwang und diese besiegte. Friedrich Engels hat die Lehre aus den Erfahrungen, die bis zu einem gewissen Grade den Bauernaufstand des 16. Jahrhunderts mit der Revolution von 1848 in Deutschland verbindet, besonders unterstrichen, nämlich: Zersplitterung der Aktionen, fehlende Zentralisation bei den unterdrückten Massen, hervorgerufen durch ihre kleinbürgerliche Lebenslage.“
bauernkriegWelche Schlußfolgerungen kann man daraus ziehen?

„Wenn wir nun von dieser Seite aus an die Sache herangehen, gelangen wir zu demselben Schluß: Die einfache Mehrheit der kleinbürgerlichen Massen entscheidet noch gar nichts und kann gar nichts entscheiden, denn Organisiertheit, politische Bewußtheit der Aktionen und deren (für den Sieg notwendige) Zentralisierung – all das vermag den Millionen zersplitterter ländlicher Kleinbesitzer nur die Führung entweder durch die Bourgeoisie oder durch das Proletariat zu geben. In letzter Instanz werden bekanntlich die Fragen des gesellschaftlichen Lebens durch Klassenkampf in seiner heftigsten, schärfsten Form, nämlich in der Form des Bürgerkriegs entschieden. In diesem Kriege aber, wie in jedem anderen Krieg, entscheidet aber – auch das ist eine bekannte und von niemandem bestrittene Tatsache – die Ökonomik.“

Quelle:
Lenin, Über Verfassungsillusionen, LW(6), Bd.III, S. 341-348
(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Anmerkung:
Man sollte nicht vergessen, daß das Kleinbürgertum aus den genannten Gründen käuflich ist. Dann mischen sich auch kleinbürgerliche Intellektuelle in die Kämpfe ein. Mitunter sogar unter falschem Namen. Sie geben sich als „Kommunisten“ aus, die sie nicht sind – eben weil es „profitabel“ ist. Sie gründen eine „kommunistische“ Splittergruppe, sie nutzen das Vokabular der Kommunisten und – sind am Ende doch nur Handlanger der Bourgeoisie. Daher darf man sich nicht täuschen lassen. Es wird ihnen nicht gelingen!

Hier ist das Abbild einer solchen Fälschung:
FälschungKI-FälschungDa ist alles gefälscht – sogar der Name!
(N.B. Man könnte auch sagen: Es ist der verzweifelte Versuch von Konterrevolutionären, indem sie sich in die Reihen der Kommunisten einschleichen, diese dennoch zu spalten.)

P.S. A.Kossakowski schrieb in seinem Aufsatz „Ziele, Mittel und Methoden der antikommunistischen Manipulierung der Jugend“ im Jahre 1972:

„Der Hauptweg (der geistigen Manipulierung und der ideologischen Diversion – N.G.)
ist dabei – psychologisch gesehen – zunächst die systematische Behinderung einer wissenschaftlich fundierten Standpunktbildung beziehungsweise die Verunsicherung eines bereits erarbeiteten Standpunkts durch bewußte Desorientierung…“

Quelle:
Die marxistische-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe im Kampf gegen den Antikommunismus, Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR / Akademie der Wissenschaften der UdSSR (Hrsg.), Verlag Volk und Wissen Berlin, 1972, S.331.

siehe auch: „…unterschwellige Beeinflussung“

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