Gesellschaftliche Gesetzmäßigkeiten und wissenschaftliche Voraussicht

Immer wenn man sich über den Zustand der Welt und über die heutige Gesellschaft Gedanken macht, taucht die Frage auf: So kann es nicht weitergehen, nur wie?
Nun ist aber die Gesellschaft, ebenso wie die uns umgebende Natur alles andere als ein Versuchsfeld menschlicher Experimentierfreude. Denn falsche Entscheidungen können hier wie da zu unkalkulierbaren Risiken führen und sogar irreparable Schäden hervorrufen. Die verändernde Einwirkung auf die Natur, wie auf die gesellschaftlichen Verhältnisse kann nur in Kenntnis und unter Berücksichtigung der herrschenden Gesetzmäßigkeiten geschehen, wenn sie denn zum gewünschten Erfolg führen soll. Neben wissenschaftlicher Sachkenntnis ist also unabhängig von den jeweiligen Interessen ein hohes Verantwortungsbewußtsein erforderlich. Eine andere Wahl haben wir nicht.

In seinem Buch „Wissenschaftliche Voraussicht und religiöses Vorurteil“, erschienen im Dietz Verlag Berlin 1958, schreibt der sowjetische Autor G.A.Gurew:
Gurew
Daher ist es völlig klar, daß wir bei gezielter Beobachtung und Erforschung der Zusammenhänge zur Erkenntnis der dahinter steckenden Gesetzmäßigkeiten gelangen, um uns diese zunutze machen zu können. Dazu gibt es die verschiedensten Wissenschaften, die sich mit der Erforschung der Natur, der Gesellschaft und des menschlichen Denkens befassen. Gurew schreibt weiter:
GurewEs wäre folglich unsinnig, wenn nicht sogar riskant, eigene willkürliche Aktionen zu unternehmen, welche im Widerspruch zu bereits erkannten Gesetzmäßigkeiten stehen.
Der Wahrheitsgehalt einer Aussage und die Richtigkeit eines Zusammenhangs läßt sich leicht überprüfen.

Gurew
Die gesellschaftlichen Gesetze unterscheiden sich von den Naturgesetzen insbesondere dadurch, daß sie erst durch menschliches Handeln wirksam werden. Sie unterliegen den spezifischen Interessen der jeweils handelnden Klasse. Daher ist es nicht verwunderlich, daß die Bourgeoisie heute keinerlei Interesse daran hat, daß die Wirkungsweise der gesellschaftlichen Gesetze aufgedeckt wird, da diese ihrem eigentlichen Interesse, der Erhaltung ihrer Machtstrukturen, zuwiderlaufen würden. So behaupten bürgerliche Ideologen aller Schattierungen, der Mensch habe die Gesetzmäßigkeiten erfunden. Gesetze – in der Natur wie in der Gesellschaft – wirken stets außerhalb und unabhängig vom Bewußtsein der Menschen. Sie lassen sich aus den mannigfaltigen Erscheinungen der objektiv existierenden Realität herleiten. Alles andere wäre philosophischer Unsinn!
Gurew
Aus diesem Grunde kann auf eine wissenschaftliche und atheistische Propaganda nicht verzichtet werden, denn dies würde einen Verzicht auf den Kampf zwischen Wissenschaft und Aberglauben, zwischen Fortschritt und Reaktion bedeuten. Dies würde eine wissenschaftliche Voraussicht unmöglich machen.

Aus: G.A.Gurew: Wissenschaftliche Voraussicht – religiöses Vorurteil, Dietz Verlag Berlin, 1958, S.12-15

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