Was ist eigentlich Ausbeutung?

Wie die Ausbeutung entstand

Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen begann mit der Entstehung des Privateigentums an Produktionsmitteln. In dem Maße, wie es gelang, mehr Produkte herzustellen, als für die Sicherung der Existenz des Produzenten unmittelbar erforderlich waren (also ein Mehrprodukt), konnten sich einige Mitglieder der Gesellschaft dieses Mehr an Produktion – zum Beispiel kraft ihrer weltlichen oder religiösen Führungsstellung – aneignen. So konzentrierten sich allmählich die materiellen Bedingungen der Produktion, die Produktionsmittel, in den Händen einer Klasse, der Ausbeuter. Ausbeuter können sich folglich die Resultate der Arbeit der Ausgebeuteten aneignen, weil sie allein die sachlichen Bedingungen der Produktion – den Boden, die Rohstoffe, die Werkzeuge und Maschinen, die Fabriken und Gruben besitzen.

Im Verlauf der menschlichen Geschichte standen sich so Sklaven und Sklavenhalter, leibeigene Bauern und Feudalherren gegenüber, und mit der Herausbildung des Kapitalismus sind Lohnarbeiter und Kapitalisten die sich unversöhnlich gegenüberstehenden Klassen. Sie müssen in ökonomische Beziehungen zueinander treten, sie sind aufeinander angewiesen, solange diese Gesellschaft besteht.

Und wie entsteht nun Kapital?

Wenn ein Kapitalist Geld in Kapital [1] verwandelt und im Produktionsprozeß anwendet, so verfolgt er ein einziges Ziel: sein Kapital ständig zu vermehren, zu verwerten – und zwar schneller und in größerem Umfang als seine Konkurrenten. Verwerten kann sich das Kapital allerdings nur, wenn im Arbeitsprozeß menschliche Arbeit geleistet wird, wenn die Arbeitskraft des Menschen Werkzeuge und Maschinen in Bewegung setzt, Rohmaterial bearbeitet.
GeldFabrik
Ohne Lohnarbeit ist keine Kapitalverwertung, kein Profit für den Kapitalisten möglich. Der Lohnarbeiter wiederum ist auf den Kauf seiner Arbeitskraft durch den Kapitalisten angewiesen. Als Lohnarbeiter ist er zwar frei von den feudalen Fesseln, die seine leibeigenen Vorfahren banden, aber auch „frei“ jeglicher Produktionsmittel. Will er produzieren, seinen Lebensunterhalt erwerben, so muß er das bei demjenigen tun, der diese Produktionsmittel besitzt, beim Kapitalisten. »Zur Verwandlung von Geld in Kapital muß der Geldbesitzer also den freien Arbeiter auf dem Warenmarkt vorfinden, frei in dem Doppelsinn, daß er als freie Person über seine Arbeitskraft als seine Ware verfügt, daß er andrerseits andre Waren nicht zu verkaufen hat, los und ledig, frei ist von allen zur Verwirklichung seiner Arbeitskraft nötigen Sachen.« [2]

Die verlogene These von der „Sozialpartnerschaft“

Kapitalisten und Lohnarbeiter sind formell gleichgestellt. Daran knüpfen alle jene bürgerlichen Theorien von der angeblichen »Sozialpartnerschaft« beider an. Weil sie »gemeinsame Interessen« hätten, müßten sie in komplizierten Situationen »zusammenstehen« und zum Beispiel in der gegenwärtigen Krise »Opfer bringen«. Das Opfer der Arbeiter müsse darin bestehen, keine oder geringe Lohnforderungen zu stellen, zumindest geringere als es die inflationsbedingten Preissteigerungen erfordern würden. Die reale Kaufkraft, der Reallohn des Lohnarbeiters soll sich also vermindern. Das »Opfer« der Kapitalisten bestünde darin, den so zusätzlich erhaltenen Profit nach eigenem Gutdünken zu verwenden. Aber die Kapitalisten haben das Monopol über die Produktionsmittel und Existenzmittel der Arbeiter, während die Arbeiter im Verkauf ihrer Arbeitskraft ihre einzige Erwerbsquelle haben.
ProfitSozialpartner

Schon Marx hat sich mit den verlogenen Behauptungen bürgerlicher Ideologen von einer angeblichen Interessengleichheit auseinandergesetzt: »Solange der Lohnarbeiter Lohnarbeiter ist, hängt sein Los vom Kapital ab. Das ist die vielgerühmte Gemeinsamkeit des Interesses von Arbeiter und Kapitalist.« [3] Marx wies auch nach, daß der Arbeiter nicht, wie das Kapital behauptet, seine Arbeit verkauft und in Form des Lohnes bezahlt erhält, sondern seine Arbeitskraft [4]. Dieser Unterschied ist sehr wesentlich. Denn nur die Anwendung dieser besonderen Ware, der Ware Arbeitskraft, im Produktionsprozeß sichert die Aneignung des Mehrproduktes durch den Kapitalisten.

Die Arbeitskraft ist eine Ware

Im Kapitalismus hat auch die Arbeitskraft des Menschen – wie jede andere Ware – einen Gebrauchswert und einen Wert. Ihr Wert ist durch den Wert jener Existenzmittel, im weitesten Sinne des Wortes (Nahrung, Kleidung, Wohnung, Bildung, Dienstleistungen usw.) bestimmt, die notwendig sind, um die verausgabte Arbeitskraft zu produzieren und immer wieder zu reproduzieren.
Arbeitskraft
Zu berücksichtigen ist außerdem: »Im Gegensatz zu den andren Waren enthält… die Wertbestimmung der Arbeitskraft ein historisches und moralisches Element.« [5] Das historische Element ergibt sich aus den konkreten Bedingungen, unter denen sich die Arbeiterklasse eines Landes herausgebildet hat und sich ständig weiter entwickelt. Unter dem moralischen Element ist die Kampfkraft der Arbeiterklasse zu verstehen – insbesondere ihr entschlossenes, bewußtes Handeln in der Klassenauseinandersetzung mit der Bourgeoisie, vor allem auch angesichts des Einflusses des Sozialismus, seiner Vorbildwirkung. Welcher große Vorzug ist zum Beispiel die Garantie eines Arbeitsplatzes für jeden arbeitenden Menschen im Sozialismus. Bei uns in der DDR war die Vollbeschäftigung eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Revolution.

Was den Kapitalisten an der Ware Arbeitskraft interessiert, ist ihr Gebrauchswert. Er kauft sie und wendet sie an, weil sie eine ganz spezielle, für das Kapital verlockende Eigenschaft besitzt: Sie kann im Produktionsprozeß mehr Wert erzeugen, als sie selbst hat. »Der Arbeiter erhält im Austausch gegen seine Arbeitskraft Lebensmittel, aber der Kapitalist erhält im Austausch gegen seine Lebensmittel Arbeit, die produktive Tätigkeit des Arbeiters, die schöpferische Kraft, wodurch der Arbeiter nicht nur ersetzt, was er verzehrt, sondern der angehäuften Arbeit einen größern Wert gibt, als sie vorher besaß.« [6]

Die Differenz zwischen dem Wert der Arbeitskraft und dem in der Produktion geschaffenen Neuwert [7] ist der Mehrwert [8], er allein veranlaßt den Kapitalisten, Lohnarbeiter zu beschäftigen, auszubeuten. Je geringer der Teil des produzierten Wertes ist, den der Arbeiter zur Wiederherstellung seiner Arbeitskraft erhält, desto größer ist jener Teil, den der Kapitalist als Mehrwert einstreicht. Zwangsläufig ist deshalb das Kapital stets bestrebt, den Arbeitslohn [9] möglichst niedrig zu halten. Ohne die Mittel des Arbeitskampfes, des gewerkschaftlichen Widerstandes »erhält der Arbeiter nicht einmal das, was ihm nach den Regeln des Lohnsystems zusteht« [10], schrieb Friedrich Engels.

Kapitalistische Ausbeutung heißt also: Die Kapitalisten eignen sich einen Teil der Arbeitsergebnisse der Lohnarbeiter unentgeltlich an.

Niemals steht für den kapitalisten im Vordergrund seiner Überlegungen, mit seiner Produktion bestimmte Bedürfnisse der Gesellschaft nach gebrauchswerten zu befriedigen. Die Bedürfnisse sind wie die Produktion nur Mittel zum Zweck, und dieser Zweck ist der höchstmögliche Mehrwert. Bedürfnisse können für den Zweck manipuliert werden.

Anmerkungen und Zitate:
[1] a) »Auch das Kapital ist ein gesellschaftliches Produktionsverhältnis. Es ist ein bürgerliches Produktionsverhältnis…« (Karl Marx: Lohnarbeit und Kapital. In: MEW, Bd.6, S.408.)
b) »Produktions- und Lebensmittel, als Eigentum des unmittelbaren Produzenten, sind kein Kapital. Sie werden Kapital nur unter Bedingungen, worin sie zugleich als Exploitations- und Beherrschungsmittel des Arbeiters dienen.« (Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.794.)
c) »…der Lebensprozeß des Kapitals besteht nur in seiner Bewegung als sich selbst verwertender Wert.« (Ebenda, S.329.)
[2] Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.183.
[3] Karl Marx: Lohnarbeit und Kapital. In: MEW, Bd.6, S.411.
[4] Siehe ebenda, S.399.
[5] Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. In: MEW, Bd.23, S.185.
[6] Karl Marx: Lohnarbeit und Kapital. In: MEW, Bd.6, S.409.
[7] Neuwert ist der im Produktionsprozeß neu geschaffene Wert. Er setzt sich zusammen aus dem Lohn und dem Mehrwert. Auf die Volkswirtschaft bezogen ist der in einem Jahr geschaffene Neuwert das Nationaleinkommen.
[8] Mehrwert ist der Wertteil, der aus der von Kapitalisten unentgeltlichen angeeigneten Mehrarbeit der Proletarier entspringt. Sie wird in der Mehrarbeitszeit geleistet, die über die zur Reproduktion der Ware Arbeitskraft notwendige Arbeitszeit hinausgeht.
[9] Arbeitslohn »Der Arbeitslohn ist… der Preis einer bestimmten Ware, der Arbeitskraft.« (Ebenda, S.402.) Der Arbeiter erhält in der Regel die notwendige Arbeitszeit, in der er den Wert seiner Arbeitskraft produziert, in Form des Arbeitslohnes bezahlt.
[10] Friedrich Engels: Das Lohnsystem. In: MEW, Bd.19, S.253.
index
Nachzulesen im „Kapital“ von Karl Marx.
Weiterlesen –> Der tendenzielle Fall der Profitrate

Zitiert nach: Studienhinweise zum Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.39-46.

Der deutsche Depp

In einem Kommentar zur sozialen Lage in der BRD schreibt der mainstream-medien-unabhängige Kölner Verein KEA e.V.:

„Ist es in einem kapitalistischen System, in dem die Macht des Stärkeren regiert, verwerflich, pleite und somit schlichtweg arm zu sein? Dieses System ist darauf aufgebaut, daß irgendjemand den Kürzeren ziehen muß. Das einzige Ziel des Kapitalismus ist der Gewinn. Doch wo es Gewinner gibt, da muß es auch Verlierer geben und wer wachsen möchte, der muß sich etwas einverleiben. Nun hat Griechenland quasi nichts mehr zu fressen und will vom deutschen Kuchen etwas abhaben. Der Deutsche teilt aber offensichtlich nicht gerne, jammert und schimpft den ganzen Tag, säuft Bier, guckt Fußball und schlägt Frau und Kinder.

Merkt ihr was?

Richtig – Die Nation/die Randgruppe über die man hetzen möchte, ist beliebig austauschbar. Es ist viel einfacher, die Schwachstellen eines Klischeebildes anzugreifen, anstatt in der Halbzeitpinkelpause, auf dem Weg zum Kühlschrank, oder dem Fußweg zum nächsten roten Zeitungskasten auch mal ein paar Sekunden nachzudenken und sich auch einmal dafür Zeit zu nehmen und zu reflektieren, woraus Probleme tatsächlich entstehen. Dann müßte einem eigentlich die Zornesröte und das blanke Entsetzen ins Gesicht steigen – so wie den streikenden „Gammel-Griechen“ jetzt eben. Während sich die griechische Regierung schon darauf freut, die Almosen aus fremden Ländern zu verheizen, ist das untertänige „Fußvolk“ gerade dabei die so genannten „sozialen Brennpunkte“ anzuheizen.
arbeitslos-arbeitsamt
Angesichts ähnlicher Probleme in Deutschland (Arbeitslosigkeit oder moderne Zwangs- und Sklavenarbeit, miese Arbeitsbedingungen, Dumping-Löhne, leere Kassen, steigende Preise, die Abschaffung der Sozial-, Gesundheits- und Rentensysteme, steigende Totalüberwachungs- und Repressionstendenzen durch den Staat usw. usf.) stellt sich die Frage, weshalb hier der Ofen noch nicht brennt?!

Warum protestiert da keiner???

Vermutlich weil der Deutsche zu faul und zu dumm ist für den Widerstand und die soziale Revolte. Oder aber er wird manipuliert, radikalisiert, abgestumpft, verroht und dressiert. Was mit den „Pleite-Griechen“ als Nation passiert, das passiert in Deutschland den „Sozialschmarotzern“, dem gemeinen Pöbel, der sogenannten „Unterschicht“ – den Armen. Wenn du arm bist, dann sollst du fleißig arbeiten, konsumieren und beten. Wenn das ausgebeutete Würstchen darauf aber keine Lust mehr hat oder auf Grund von existenzbedrohender Armut nicht mehr in der Lage dazu ist, dann ist es unnütz, überflüssig und eine Belastung für den braven, gehorsamen Steuerzahler der insgeheim wahrscheinlich auch Angst um seine Existenz hat. Dies ist das Ausmaß eines neu-entstehenden, viel diskutierten Sozialrassismus in sehr gefährlichem Ausmaß, da Angst und Haß als zentrale Machtinstrumente geschürt werden.

Laßt euch spalten und beherrschen oder macht die Glotze endlich aus, schmeißt die Käseblätter weg und schaltet eure Gehirne, den gesunden Menschenverstand und eure Harmoniebedürftigkeit an…“

Quelle:
KEA-Nachrichten

Und das Presseportal pr-sozial fügt hinzu:

Das Erwerbslosen Forum Deutschland richtet schwere Vorwürfe an Unternehmen und die Bundesregierungen. Hartz IV habe es möglich gemacht, daß Unternehmen in einer Selbstbedienungsmentalität ihre Gewinne auf Kosten der Allgemeinheit subventionieren lassen, indem sie „Hungerlöhne“ bezahlen und die Betroffenen auf Hartz IV verweisen. Für die Initiative ist es gerade zu ein Hohn, wenn gleichzeitig auf das Lohnabstandgebot gepocht wird. Neben den Konjunkturpaketen hätte somit die Wirtschaft nochmal zusätzlich 50 Milliarden erhalten, ohne daß sie sich an den Folgen dieser immensen Verschuldung beteiligen muß.

„Es stellt sich die Frage, wer hier die Sozialschmarotzer sind und sich auf Kosten der Allgemeinheit in einer staatlich subventionierten Hängematte einrichtet? Für uns hat die Wirtschaft im Moment jede Glaubwürdigkeit verloren und wir sollten uns vor ihren Funktionären schützen, denn sie nehmen den Staat und Beschäftigte aus. Für uns gibt es jetzt erst recht kein Argument, was gegen einen Mindestlohn von 10 Euro spricht und einer Hartz IV-Eckregelsatzerhöhung von 500 Euro spricht. Es sind unsere Unternehmen, die die Menschen in solche mißliche Lage gebracht haben und bei derartigen Gewinnsubventionen sich gleichzeitig gegen Lohnerhöhungen sperren und gar noch eine Arbeitspflicht fordern. Und dies haben die letzten drei Regierungen möglich gemacht…“

Quelle:
Wer sind hier die Sozialschmarotzer?

Kommentar:
..nein nicht nur „die letzten drei Regierungen“ haben das möglich gemacht, denn die in diesem Bundestag vertretenen Parteien sind austauschbar. Möglich gemacht hat dies die kapitalistische Produktionsweise mit dem ihr immanenten Privateigentum an Produktionsmitteln! Es sind also nicht „unsere“ Unternehmen! Und… „glaubwürdig“ war die (kapitalistische) Wirtschaft noch nie. Was habt Ihr denn erwartet Ihr Träumer? Den Sozialstaat???

Die Frage der Macht

Warum ist die Machtfrage die entscheidende Frage der sozialistischen Revolution?

Aus den Höhepunkten des Klassenkampfes im 19. Jahrhundert, den Revolutionen 1848/49 und der Pariser Kommune 1871 zog Karl Marx die Schlußfolgerung, daß das Proletariat zur Erfüllung seine historischen Mission die politische Macht der Bourgeoisie beseitigen und seine eigene Macht errichten muß. Diesen Kerngedanken der Marxschen Revolutionstheorie unterstrich W. I. Lenin mit den Worten: »Ein Marxist ist nur, wer die Anerkennung des Klassenkampfes auf die Anerkennung der Diktatur des Proletariats erstreckt.« [1] Die politischen Machtorgane sind immer Instrument der herrschenden Klasse zur Durchsetzung ihrer Klasseninteressen. Das historische Ziel der Arbeiterklasse ist folglich nur mit proletarischen Machtorganen zu erreichen. Das bestätigt die Praxis von über sechs Jahrzehnten realem Sozialismus einhellig. Niemals werden Machtorgane, die die Interessen der Ausbeuterklassen wahrnehmen, im Interesse der Arbeiterklasse handeln. Auch dafür ist die Geschichte des Klassenkampfes der lebendige Beweis.
30ddrEs gibt kein „friedliches Hineinwachsen“ in den Sozialismus

Nirgends in der Welt gibt es ein Beispiel dafür, daß die These der Opportunisten vom Staat im Kapitalismus als klassenneutralem Vollstrecker des Willens der Mehrheit des Volkes, vom friedlichen Hineinwachsen des Kapitalismus in den Sozialismus oder die These von einem »dritten Weg« zwischen Kapitalismus und Sozialismus die kapitalistische Gesellschaftsordnung auch nur angetastet hätte. Im Gegenteil, die opportunistischen Ideen haben große Teile der Arbeiterklasse vom Kampf um den Sozialismus abgehalten.

Auch der in der Gegenwart propagierte »neue« dritte Weg zwischen dem realen Sozialismus und der Sozialdemokratie ist im Grunde nichts anderes als ein Zurückweichen vor der Lösung der Machtfrage im Interesse der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten. Es ist ein erneuter Versuch, sich zwischen die revolutionäre und die reformistische Richtung der internationalen Arbeiterbewegung zu stellen. Solche Zugeständnisse an den Opportunismus haben stets der Arbeiterklasse geschadet und die revolutionäre Entwicklung zurückgeworfen.

Die SED und der Kommunismus

Auch die SED hat sich in der Staatsfrage konsequent vom Marxismus-Leninismus leiten lassen. Das war in dem vom IX. Parteitag beschlossenen Programm fest verankert. »Die Politik der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands ist auf die weitere allseitige Stärkung des sozialistischen Staates der Arbeiter und Bauern als einer Form der Diktatur des Proletariats gerichtet, die die Interessen des ganzen Volkes der Deutschen Demokratischen Republik vertritt. Er ist das Hauptinstrument der von der Arbeiterklasse geführten Werktätigen bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft und auf dem Wege zum Kommunismus.« [2]

Zitate:
[1] W.I.Lenin: Staat und Revolution. In: Werke, Bd.25, S.424.
[2] Programm der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, Berlin 1982, S.55.

Zitiert nach:
Studienhinweise für Seminare, Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.17/18.

Nachbemerkung:
Offenbar hat die SED 1989 die Machtfrage nicht zugunsten des Sozialismus in der DDR entscheiden können. Das lag aber auch am revisionistischen Kurs der KPdSU seit dem folgenreichen XX.Parteitag im Jahre 1956 und an der verräterischen Rolle ihrer Vorsitzenden von Chruschtschow bis Gorbatschow. Ohne die Sowjetunion und die sozialistische Staatengemeinschaft wäre die DDR nicht überlebensfähig gewesen.
Es trifft zu, was Genosse Erich Honecker im Mai 1992 in seinen Schlußgedanken „zu den dramatischen Ereignissen“ (W.Runge Verlag, Hamburg, 1992, S.77f.) feststellte:

„Was aber sind 40 Jahre Geschichte? Der Kapitalismus hatte Hunderte Jahre, um sich zu entwickeln. Der Sozialismus gab den Menschen, was sie bisher nicht hatten: Arbeit für jeden, bisher nicht gekannte Bildungsmöglichkeiten, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, ohne Unterschied des Alters und des Geschlechts. Und – was so wichtig ist im Leben des alten wie eines jungen Menschen – der Sozialismus gab Geborgenheit. Nicht das Geld regierte, nicht die Angst vor dem morgigen Tag. Es war eine humane Gesellschaftsordnung auf deutschem Boden entstanden, die danach strebte, vollkommener zu werden. Sie wollte den Menschen das Bestmögliche für den Tag und für eine glückliche Zukunft sichern. Die Kinder waren die wirklich Privilegierten in dieser sozialistischen DDR. Das und mehr gehörte zu dem großen Versuch, auf deutschem Boden, in einem hochentwickelten Industrieland, in einem geteilten Land, in einem von Bomben und Granaten zerpflügten Land, in einem Land mit Menschen unterschiedlichster Erfahrungen und Anschauungen, mit Menschen, die für den Sozialismus glühten und mit solchen, die ihn ablehnten oder bekämpften, eine neue Gesellschaft zu errichten…
Honecker
Die deutsche Arbeiterklasse hat unter der Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED, der ersten vereinigten Arbeiterpartei, das Wagnis unternommen, den Vorstoß in Neuland der Geschichte der Menschheit zu unternehmen. Sie wird es wieder wagen. Auch wenn es lange dauern sollte: ES WIRD SEIN.“

Eine historische Mission…

Im »Manifest der Kommunistischen Partei« haben Marx und Engels vor nahezu 165 Jahren begründet, daß die Bourgeoisie mit der Entwicklung der Produktivkräfte nicht nur die Waffen geschmiedet hat, die ihr den Tod bringen, sondern mit den Proletariern auch die Männer gezeugt hat, die diese Waffen führen. Der Untergang der Bourgeoisie »und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich« [1]. Mit seiner ökonomischen Theorie hat Marx die Stellung des Proletariats im Gesamtsystem des Kapitalismus wissenschaftlich begründet. Die Arbeiterklasse ist mit der modernsten Form der Produktion verbunden. Ihr Klasseninteresse nach Überführung des von ihr produzierten gesellschaftlichen Reichtums in die Hände der Produzenten stimmt mit der Grundrichtung der Entwicklung der Produktivkräfte überein. Sie bringt auch die revolutionäre Klassenpartei hervor und ist Trägerin der wissenschaftlichen Weltanschauung. Sie besitzt die Eigenschaften, die sie zum revolutionären Kampf befähigen: Konzentration, Organisiertheit und Disziplin.

Was ist das Wichtigste an der Marxschen Lehre?

Das Proletariat als letzte ausgebeutete Klasse in der Geschichte der Menschheit wird mit seiner Befreiung vom Kapitalismus zugleich alle Werktätigen von Ausbeutung und Unterdrückung befreien; es ist Schöpfer der neuen, der kommunistischen Gesellschaft. Diese historische Mission der Arbeiterklasse – Formierung des Proletariats als Klasse, Verbindung des wissenschaftlichen Sozialismus mit der Arbeiterbewegung, Führung der Arbeiterklasse durch die Partei zum Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und zur Eroberung der politischen Macht, Gebrauch dieser Macht zur revolutionären Umgestaltung zum Sozialismus und Kommunismus – ist von weltgeschichtlicher Dimension. W. I. Lenin betonte: »Das Wichtigste in der Marxschen Lehre ist die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft.« [2]

Marx war vor allem ein Revolutionär

Durch die Vereinigung von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterbewegung verhalfen Marx und Engels der Arbeiterbewegung zur Erkenntnis ihrer welthistorischen Rolle, zur Einsicht in die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung. Die theoretische Begründung der historischen Mission der Arbeiterklasse verbanden Marx und Engels von Anfang an mit dem Kampf um ihre Durchsetzung. Am Grabe von Karl Marx sagte Friedrich Engels: »… Marx war vor allem Revolutionär. Mitzuwirken, in dieser oder jener Weise, am Sturz der kapitalistischen Gesellschaft und der durch sie geschaffenen Staatseinrichtungen, mitzuwirken an der Befreiung des modernen Proletariats, … das war sein wirklicher Lebensberuf.« [3]

Die historische Mission des Proletariats

Die welthistorische Rolle der Arbeiterklasse ist in allen Klassenkämpfen, vor allem in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution und bei der Herausbildung und erfolgreichen Entwicklung des sozialistischen Weltsystems zum Ausdruck gekommen. Die Erfahrungen haben gezeigt, daß die Rolle der Arbeiterklasse anwächst. Die moderne Arbeiterklasse war und bleibt, wie Karl Marx sagte, »der soziale Kopf und das soziale Herz« [4] dieses Entwicklungsprozesses. Die historische Mission der Arbeiterklasse und ihre Rolle in den Kämpfen der Gegenwart steht nicht von ungefähr mit im Mittelpunkt der ideologischen Auseinandersetzungen.
1230913443_shturm_zimnegoGibt es denn heute noch Klassenkampf?

Die Antikommunisten möchten uns einreden, daß die Arbeiterklasse in den industriell entwickelten kapitalistischen Ländern ihre von Marx festgestellten Hauptmerkmale nicht mehr besitze, daß der Klassenkampf nicht mehr die Haupttriebkraft der gesellschaftlichen Entwicklung in den Ländern des staatsmonopolistischen Kapitalismus sei, daß im Gefolge der wissenschaftlichtechnischen Revolution eine Entproletarisierung in diesen Ländern stattfände und daß daher die Arbeiterklasse ihre Kraft für die Durchsetzung, des gesellschaftlichen Fortschritts eingebüßt habe. Doch die Fakten der gesellschaftlichen Realität widerlegen diese und ähnliche Auffassungen. Nach wie vor gilt, was Marx im »Kapital« schrieb: »Unter ‚Proletarier‘ ist ökonomisch nichts zu verstehen als der Lohnarbeiter, der ‚Kapital‘ produziert und verwertet und aufs Pflaster geworfen wird, sobald er für die Verwertungsbedürfnisse des ‚Monsieur Kapital‘ … überflüssig ist.« [5]

Und wer gehört nun eigentlich zum Proletariat?

Nicht die Unterschiede im Charakter der Arbeit und die Qualifikation des Arbeiters bestimmen die proletarische Existenz in den kapitalistischen Ländern, sondern die von Marx aufgedeckten grundlegenden ökonomischen und sozialen Faktoren. Die durch die kapitalistische Rationalisierung und die tiefe Krise dieses Systems auf die Straße geworfenen, nach Millionen zählenden arbeitslosen Arbeiter, Angestellten und Geistesschaffenden sind durch keinerlei ideologische Spitzfindigkeiten hinwegzudiskutieren. Lohn- und Streikkämpfe zeugen davon, daß die Werktätigen nicht gewillt sind, die Lasten des krisengeschüttelten Kapitalismus widerspruchslos zu ertragen.

Zitate:
[1] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW, Bd.4, S.474.
[2] W. I. Lenin: Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx. In: Werke, Bd.18, S.576.
[3] Friedrich Engels: Das Begräbnis von Karl Marx. In: MEW, Bd.19, S.336.
[4] Karl Marx: Zur Kritik der Hegeischen Rechtsphilosophie. Einleitung. In: MEW, Bd.1, S.388.
[5] Karl Marx: Das Kapital. Erster Band. In MEW, Bd.23, S.632

Quelle:
Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.14-17.

Siehe auch:
Die historische Mission der Arbeiterklasse

Karl Marx und das Proletariat

Die weltgeschichtliche Bedeutung des Werkes von Karl Marx

Gestützt auf das Beste, was die Menschheit im 18. und im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts in Gestalt der klassischen deutschen Philosophie, der englischen politischen Ökonomie und des französischen utopischen Sozialismus an Gesellschaftstheorien hervorgebracht hat, sowie anknüpfend an das ganze progressive, humanistische Erbe schuf Karl Marx gemeinsam mit Friedrich Engels den dialektischen und historischen Materialismus, die politische Ökonomie und den wissenschaftlichen Sozialismus und Kommunismus.
karl-marxIn ihrer Gesamtheit bilden diese drei Bestandteile die einheitliche, in sich logisch und harmonisch geschlossene Weltanschauung der Arbeiterklasse, die sich mit keinerlei Reaktion, Knechtschaft und Aberglaube vereinbaren läßt.

Marx und Engels gaben damit auf jene Fragen Antwort die das fortschrittliche Denken der Menschheit bereits gestellt hatte. Sie leiteten eine Revolution im menschlichen Denken ein und stellten die jahrhundertealten Bestrebungen der besten Vertreter der Menschheit und eine neue, gerechte Weltordnung auf eine wissenschaftliche Grundlage. Die Feststellung von W. I. Lenin hat sich bestätigt: »Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist.« [1]

Welche Aufgabe kommt dem Proletariat zu?

Karl Marx hat als erster durch die Entdeckung der materialistischen Geschichtsauffassung und der Mehrwerttheorie den historisch vorübergehenden Charakter der kapitalistischen Produktionsweise aufgedeckt und die Gesetzmäßigkeit des Übergangs von der kapitalistischen zur kommunistischen Gesellschaftsformation begründet. Er hat nachgewiesen, daß das Proletariat berufen ist, durch den Sturz des Kapitalismus jegliche Ausbeutung und Unterdrückung zu liquidieren und eine Welt des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus zu schaffen.

Wozu braucht die Arbeiterklasse eine Partei?

Alle Erfahrungen bestätigen, daß nur eine revolutionäre Kampfpartei an der Spitze der Arbeiterklasse und im Bunde mit allen Werktätigen auf der Grundlage der allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus erfolgreich den Kampf für die grundlegenden Klasseninteressen und den gesellschaftlichen Fortschritt führen kann. Einen anderen Weg zur Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft gibt es nicht.
Rom

Zu den wesentlichsten
allgemeingültigen Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus gehören:

• die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei;
• die Diktatur des Proletariats in dieser oder jener Form;
• das feste Bündnis der Arbeiterklasse mit der Hauptmasse der Bauernschaft und anderen Schichten der Werktätigen;
• die Herstellung gesellschaftlichen Eigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln;
• die allmähliche sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft;
• die planmäßige proportionale, auf die Hebung des Lebensstandards der Werktätigen gerichtete Entwicklung der Volkswirtschaft; die sozialistische Planwirtschaft, die nach den Prinzipien des demokratischen Zentralismus die Vorzüge der sozialistischen Gesellschaftsordnung im Interesse der arbeitenden Menschen entfaltet;
• die sozialistische Revolution auf dem Gebiet der Ideologie und Kultur sowie die Entwicklung des sozialistischen Bewußtseins der Werktätigen;
• der Schutz der Errungenschaften des Sozialismus gegen die Anschläge äußerer und innerer Feinde, solange der Imperialismus existiert;
• die Solidarität der Arbeiterklasse eines gegebenen Landes mit der Arbeiterklasse der anderen Länder, das heißt der proletarische Internationalismus.

Die Geschichte des realen Sozialismus hat die allgemeine Gültigkeit der Gesetzmäßigkeiten der sozialistischen Revolution und des sozialistischen Aufbaus bewiesen.

Und was unternimmt die Bourgeoisie dagegen?

Für die Bourgeoisie und ihre Ideologen steht die Bekämpfung des Marxismus-Leninismus im Zentrum des von ihnen geführten ideologischen Kampfes. Mit allen Mitteln der Desinformation durch Zweck- und Falschmeldungen, durch Lügen, Fälschungen und Betrug versuchen sie, den Sieg des Sozialismus und des Marxismus-Leninismus zu verhindern. Das ist der Beweis dafür, daß die Feinde des Sozialismus nie die Versuche aufgeben, die Macht des Sozialismus zu stürzen und den Kapitalismus zu restaurieren.

Quelle:
[1] W. l. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: Werke, Bd. 19, S.S.

Zitiert nach: Parteilehrjahr der SED (1982/83), Studienhinweise, S.11-14.

ein bißchen nett lächeln…

Zitat des Tages

„Ich kann mir den Kommunismus jetzt nicht vorstellen.“

(Kommentar von Linke-Chefin Gesine Lötzsch über ihren Beitrag »Wege zum Kommunismus« in „Welt Online“) – hahaha! So sehr intelligent braucht man nicht zu sein, man muß nur ein bißchen nett lächeln, schnell zurückrudern und schon hat man sie alle wieder auf seiner Seite…

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Unbedingt lesen:
Der Pawlowsche Reflex: http://www.jungewelt.de/2011/01-08/004.php
Die Alternative muß erkämpft werden: http://www.jungewelt.de/2011/01-08/023.php

Der neue Mensch

Das gab es nur in der DDR. Oder besser gesagt: in einem sozialistischen Land. Die Arbeiter gingen anders miteinander um als im Kapitalismus. Und man ging anders mit ihnen um, denn die Arbeiterklasse hatte die Macht. Erik Neutsch, selber Arbeiter und nun Schriftsteller, schreibt Geschichten auf, die er selbst erlebte. Diese hier ist die Geschichte von einem ertappten Dieb, der in seinem Betrieb Kupferrohre stahl…

Einer aus Mohrings Kolonne stand auf, ein Alter mit Höckerrücken und hohlen Wangen. Er war Reparaturschlosser wie der Angeklagte. Er hustete und umklammerte mit beiden Händen die Stuhllehne vor sich. Wir alle fühlten, daß jetzt die Entscheidung heranreifte. Auch Ulli mochte es ahnen. Als er die heisere Stimme des Schlossers vernahm, schaute er ihm voll ins Gesicht, nach Trost in jedem Worte hungernd. „Weg mit ihm! ‚raus aus dem Betrieb mit ihm. Diebe können wir nicht gebrauchen. Ich bin vierzig Jahre im Chlor. Wenn einer geklaut hat, wurde er immer ‚rausgeschmissen.“ Mehr sagte der Alte nicht. Alles wartete, daß er sein Urteil begründete. Aber er ließ sich wieder auf seinen Platz fallen. Er hatte genügend begründet: Er kannte es nicht anders, als daß ein Dieb verdammt wurde. Damit basta. Mohring stöhnte gequält. Er hatte umsonst gehofft.

Walter Wildgrube nahm die Pfeife aus dem Mund und steckte sie in die Hosentasche. „Ich will mal was sagen“, erklärte er und rekelte sich hoch. „Ich habe Mohring erwischt, wie er das Kupfer gestohlen hat. Glaubt mir, ich wollte ihn niederschlagen. Ich bin keiner, der den …“, er stockte, er besann sich, „… na ja, der die Sache beschönigen will.“ Der Anlagefahrer drehte sich um. Er durchmaß die Gesichter der Versammelten. Er wartete, ob ihm jemand widerspräche. Niemand bezweifelte seine Unvoreingenommenheit. Wir alle lauschten ihm. Wir waren gespannt, wie er entscheiden würde. Er hatte den Diebstahl entdeckt, er hatte den Dieb angezeigt. Er verfügte aber auch über die Erfahrung eines harten Lebens. Manch einem von den Arbeitern hatte er bereits kluge Ratschläge erteilt. Sie stimmten ihm kopfnickend zu.
Arbeiter
Walter Wildgrube wandte sich wieder an das Präsidium und fuhr fort:
„’rausschmeißen, aus dem Betrieb verbannen, das ist leicht gesagt. Noch leichter getan, vielleicht. Dann sind wir alle Sorgen los. Sperrt ihn gar noch ins Gefängnis. Für Diebe ist die Polizei zuständig, was?“ Durch die Reihen wogte ein Gemurmel. Wildgrube scheute nicht, brutal zu schlußfolgern. Er faßte den höckerrückigen Alten aus Mohrings Kolonne ins Auge. „Vierzig Jahre bist du im Chlor. Du hast es nicht anders gekannt, sagst du. Mein Lieber, mehr als die Hälfte dieser Zeit zählt nicht. Nicht, wenn du über einen Arbeiter richten willst. Denn das war eine Zeit, in der ein Arbeiter nichts galt. Wer da fiel, wurde gestoßen und getreten, damit er noch tiefer fiel.“

Der Anlagefahrer hielt inne. Er sprach gedehnt, bedächtig. Jeden Satz legte er erst auf der Zunge zurecht. „Wenn du ein Kind hast, das Dummheiten macht. Das geklaut hat, sagen wir. Wirfst du es gleich auf die Straße? Wenn du es tust, bist du ein schlechterer Vater, als dein Kind schlecht ist. Denke doch wenigstens daran, daß dein Kind auch gut sein kann. Daß es dir immer die Haussocken gewärmt hat…“ Einige lachten. Der Alte rief: „Das ist was anderes.“ „Nichts ist anders“, sagte Wildgrube, „Mohring gehört zu unserer Familie. Er gehört zur Brigade im Chlorbetrieb. Also sind wir alle für ihn verantwortlich. Du und ich, wir alle. Vielleicht haben auch wir ein bißchen schuld. Daß es mit ihm so weit gekommen ist, meine ich…“ „Oho!“ wurde geschrieen. „Er ist wohl ein Engel?“ – „Wir haben nicht gemaust.“

Wildgrube hob seine Stimme. „Legt endlich eure kleinbürgerliche Seele ab! Immer zu den Leuten hübsch verlogen sein! Bloß keine eigenen Fehler zugeben! Immer die Wohl-
anständigkeit wahren! Wie klein ist das, wie verächtlich. Nicht der ist anständig, der keinen Makel hat. Fehler hat jeder Mensch. Wenn er sie beseitigt, dann ist er anständig.“ Walter Wildgrube war ärgerlich geworden. Wütend hatte er seine Moral verkündet. Niemand wagte, ihn zu unterbrechen. Wegen seines heiligen Zorns nicht? Deshalb auch, möglicherweise. Vor allem aber wegen seiner Moral nicht. Sie war schlicht, ehrlich, einleuchtend. Sie war wahr. „Ein jeder von uns kennt Mohring. Der Fußball hat ihn behext. Seine Frau kriegt ein Kind. Er war besessen auf einen Fernsehkasten. Nirgends erhielt er Antennen. Das alles wußten wir. Ulli hat es uns erzählt. Er hat es uns vorgejammert. Nehmt mich zum Beispiel. Mich hat er nach dem Kupfer im Keller gefragt. Aber ich wurde deswegen nicht hellhörig. Wie eine Brotmaschine war ich zu meinem Ei, aber nicht wie eine Glucke. Und dann wollte ich ihn in die Fresse schlagen, an der Planke, als ich ihn schnappte. Wißt ihr, warum? Weniger aus Wut über ihn. Aus Wut über mich. Weil ich ihn nicht gehindert habe …“

Wieder sann Wildgrube nach. Die Menschen im Saal harrten geduldig. Wir verstanden Mohring plötzlich besser. „Und was die Haussocken betrifft… Mohring hat geklaut. Das ist die eine Seite. Mohring hat die Seifert-Methode eingeführt. Das ist die andere Seite. Er hat die Rohre genommen, also den Betrieb bestohlen. Er hat die Verlustzeiten aufgedeckt, also den Betrieb beschenkt. Er ist ein Arbeiter, der hier genommen, was er dort gegeben. Das sind die beiden Seiten in einem. Und das wollte ich sagen.“ Walter Wildgrube setzte sich. Seine Rede hatte ihn erschöpft. Er zog die Pfeife aus der Hosentasche und klopfte die Asche in die hohle Hand. Aus einem schmutzigen Lederbeutel fingerte er Tabak und stopfte den Pfeifenkopf. Doch noch ehe er ein Streichholz anzünden konnte, fragte ihn der Vorsitzende: „Was schlägst du denn nun vor?“ Wildgrube erhob sich noch einmal. „Das Wichtigste vergißt man oft. Wir schmeißen ihn nicht ‚raus. Meinetwegen gebt ihm einen Verweis. Aber er bleibt in unserer Brigade. Er soll uns zeigen, daß er kein Dieb ist. Wir werden ihm dabei helfen.“

Ulli Mohring war nicht wiederzuerkennen. Die aufgespeicherte Erregung der letzten Tage in ihm machte sich Luft. In die Stille brach sein Schluchzen. Er heulte und lachte. Er biß sich auf die Lippen. Er rang mit seinen Gefühlen. Seine Scham balgte sich mit seiner Freude. Aber weder die eine noch die andere vermochte er zurückzudrängen. „Ich werd’s beweisen …“, stammelte er, „ich beweis es euch… Ihr sollt sehen … Ich bin kein Dieb… Beschimpft mich, ja … Aber vertraut mir doch…“ Über sein rotes Gesicht rollten die Tränen wie Regentropfen über eine reife Glaskirsche.

Die Konfliktkommission zog sich zur Beratung zurück. Als sie wiederkam, verkündete der Vorsitzende das Urteil. Es entsprach Wildgrubes Vorschlag.

Quelle:
Erik Neutsch: Bitterfelder Geschichten, „Der Dieb“, Mitteldeutscher Verlag Halle (Saale), 1961, S.34-38. Illustration: Dr.Hanns Georgi.

Bertolt Brecht – Das Vernünftige…

Der Kommunismus ist das Mittlere

Zum Umsturz aller bestehenden Ordnung aufzurufen
Scheint furchtbar.
Aber das Bestehende ist keine Ordnung.

Zur Gewalt seine Zuflucht zu nehmen
Scheint böse.
Aber da, was ständig geübt wird, Gewalt ist
Ist es nichts Besonderes.

Der Kommunismus ist nicht das Äußerste
Was nur zu einem kleinen Teil verwirklicht werden kann, sondern
Vor er nicht ganz und gar verwirklicht ist
Gibt es keinen Zustand, der
Selbst von einem Unempfindlichen ertragbar wäre.

Der Kommunismus ist wirklich die geringste Forderung
Das Allernächstliegende, Mittlere, Vernünftige.
Wer sich gegen ihn stellt, ist nicht ein Andersdenkender
Sondern ein Nichtdenkender oder ein nur Ansichdenkender
Ein Feind des Menschengeschlechtes

Furchtbar
Böse
Unempfindlich

Besonders
Das Äußerste wollend, was selbst zum kleinsten Teil verwirklicht
Die ganze Menschheit ins Verderben stürzte.

Zeitbombe Atomenergie – 25 Jahre nach Tschernobyl

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K O N G R E S S A N K Ü N D I G U N G

Auch ein Vierteljahrhundert nach dem Tschernobyl-GAU werden die Folgen dieser Katastrophe verdrängt, vertuscht, verharmlost und bagatellisiert. Atomlobby und Politiker reden die Gefährdung durch Niedrigstrahlung durch gezielte Propaganda und beharrliches Verschweigen der Risiken klein. 25 Jahre nach Tschernobyl werden in unserem Land gegen den erklärten Willen der Bevölkerung die Laufzeiten für Atomkraftwerke verlängert.

Auf dem internationalen Kongress „25 Jahre Tschernobyl, Zeitbombe Atomenergie – Atomausstieg jetzt!“ vom 8.-10. April 2011 in der Urania in Berlin wollen wir zeigen, daß Atomenergie tötet. Nicht nur bei einem GAU, sondern an jedem einzelnen Glied der atomaren Kette. Noch bevor ein Kilowatt Strom erzeugt wird, sterben Menschen, denn der Uranbergbau zerstört die Gesundheit und die Lebensgrundlagen ganzer Völker. Auch im „Normalbetrieb“ bestehen gesundheitliche Risiken: Kinder erkranken in der Umgebung von Atomkraftwerken deutlich häufiger an Leukämie und Krebs. Sicherheitsdefizite von Atomkraftwerken werden ignoriert oder billigend in Kauf genommen. Der Atommüll verseucht unser Grundwasser. Wir überlassen künftigen Generationen eine hoch radioaktive Hinterlassenschaft für Millionen von Jahren.

Der internationale Kongreß der IPPNW in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für Strahlenschutz, den Physicians of Chernobyl, der Naturwissenschaftler Initiative für Frieden und Zukunftsfähigkeit und dem Nuclear Free Future Award informiert über die Folgen von Tschernobyl, analysiert das Gefahrenpotential der nuklearen Kette und bietet Lösungen für eine Welt frei von atomarer Bedrohung.

Wir würden uns freuen, wenn Sie in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis für den Kongreß werben könnten. Geben Sie diese Information weiter oder laden Sie sich das Ankündigungs-Faltblatt herunter und verteilen Sie es.

Weitere Informationen zu Themen, Referenten und zum Kongreßablauf finden Sie unter www.tschernobylkongress.de

Anmerkung:
Es ist eine Frage des Überlebens der Menschheit geworden, daß denen die immer noch in aller Öffentlichkeit Kriege führen, die die Menschheit mit Atomwaffen bedrohen, die durch Desinformation, Lüge und Erpressung die Atomkraft gegen den Willen von Millionen Menschen durchgesetzt haben, nicht nur die Atomenergie aus den Händen gerissen, sondern (wie Brecht es formulierte) „die Hände zerschlagen werden.“

Siehe auch:
Warnung vor dem Atomkrieg
Die Atomlobby lügt!
Enola Gay, Das amerikanische Verbrechen
Warum sind wir gegen Atomkraft?

Andernfalls…
Atompilz
wird dies das letzte schöne Bild unserer Erde sein!

(P.S. Glauben Sie nicht, dies seien alles nur wilde Verschwörungstheorien!
Diesmal ist es Ernst, bitterer Ernst!)

—> Warnung vor dem Atomkrieg

Julius Fučik – Unter dem Banner des Kommunismus

Anläßlich der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch durch die Konterrevolution im Januar 1919 schrieb der tschechische Kommunist Julius Fučik den folgenden Artikel. Er hat bis heute seine Gültigkeit nicht verloren. Zu jener Zeit, als der Artikel erschien, war es „fast geschafft“ – 1945 besiegte die ruhmreiche Sowjetarmee den Faschismus. Erstmals in der Geschichte wurde in einer Reihe von Ländern Europas damit begonnen, den Sozialismus aufzubauen. Und dann schien es fast 40 Jahre lang so, als sei dieser Sieg unumkehrbar. Doch 1989 zog die Konterrevolution uns – die DDR-Bürger – wieder in den Kapitalismus zurück… Es war genau das eingetreten, wovor J.W. Stalin immer gewarnt hatte: „…man darf also die Partei nicht einlullen, sondern muß in ihr die Wachsamkeit entwickeln, darf sie nicht einschläfern, sondern muß sie im Zustand der Kampfbereitschaft halten, darf sie nicht entwaffnen, sondern muß sie bewaffnen… Daraus ergibt sich die erste Schlußfolgerung: Sich nicht von den erzielten Erfolgen hinreißen lassen und nicht überheblich werden.“ [1] Hier sind nun einige Auszüge, erschienen 1942 in der illegalen Zeitung „Rudé právo“
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UNTER DEM BANNER DES KOMMUNISMUS

Von Julius Fučik

Januar – der Monat Lenins, Liebknechts und Luxemburgs. Dreier großer Toter gedenken wir in diesem Monat: Am 15. Januar 1919 wurden in Berlin die tapferen Kämpfer gegen den Krieg und den deutschen Imperialismus ermordet: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg.
Am 21. Januar 1924 hat in Gorki bei Moskau das erhabene und schöne Herz unseres Lehrers, des ersten Soldaten der siegreichen sozialistischen Revolution, das Herz Lenins, zu schlagen aufgehört.
Dieser drei großen Toten gedenken wir heute – und wir gedenken ihrer auf dem Marsch. Die Erinnerung an ihre teuren Namen hat für uns niemals ein Stehenbleiben bedeutet, war niemals ein Sichzurückwenden. Ihr Banner weht uns voran. Selbst in das Weinen der Sirenen und die unendliche Trauer der Millionen über dem offenen Sarg Lenins erklang das Wort des Lebens, das vorwärts, in die Zukunft, gewendete Stalinwort: „Lenin ist tot – der Leninismus lebt!“
Er lebt!

Tot sind Lenin, Liebknecht, Luxemburg, aber ihr Werk lebt, es lebt der erste sozialistische Teil der Welt, die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, ihre Kommunistische Partei, die Weltarmee für die Befreiung der Menschheit lebt und ist unzerstörbar, es lebt jenes unendliche, unerschrockene, zielbewußte, reale Streben nach Verwirklichung der höchsten menschlichen Ideale, von denen jahrhundertelang die größten Geister der Geschichte träumten und für die Lenin, Liebknecht und Luxemburg alle ihre Kräfte hergaben.

Tot sind Lenin, Liebknecht, Luxemburg, tot sind schon Tausende und Hunderttausende anderer edler Kämpfer um eine neue Welt, vorzeitig erschöpft, zu Tode gemartert, erschlagen – aber es lebt die geschichtliche Kraft, der sie gedient, die sie geführt haben, es lebt das Beispiel, das sie ihren Erben im Kampf gegeben haben, es lebt, was sie vollbracht haben, weil sie es nicht für sich taten, sondern für die Gesamtheit, es erstehen Millionen neuer Kämpfer, die weitergehen, immer vorwärts, immer vorwärts bis zum Endsieg – unter dem Banner Lenins, Liebknechts und Luxemburgs.

Wer sind eigentlich die Kommunisten?

„Wir Kommunisten sind Menschen von besonderem Schlag. Wir sind aus besonderem Material geformt. Wir sind diejenigen, die die Armee des großen proletarischen Strategen bilden, die Armee des Genossen Lenin. Es gibt nichts Höheres als die Ehre, dieser Armee anzugehören. Es gibt nichts Höheres als den Namen eines Mitglieds der Partei, deren Gründer und Führer Genosse Lenin ist.“ [2] So beginnt der Schwur, den Genosse Stalin in den Tagen der Trauer über Lenins Tod im Namen der Partei auf dem Sowjetkongreß der UdSSR geleistet hat. – Wir sind Menschen von besonderem Schlag. Ja! Weil wir Menschen sind.

> Wir Kommunisten lieben das Leben. Und deshalb zögern wir nicht, das eigene Leben jederzeit einzusetzen, um den Weg zu bahnen für ein wahres, freies, volles und fröhliches Leben, das diese Bezeichnung verdient. Auf den Knien zu leben, in Fesseln, in Knechtschaft und Ausbeutung — das ist kein Leben, das ist menschenunwürdiges Dahinvegetieren. Darf sich ein wahrer Mensch, darf sich ein Kommunist damit zufriedengeben, darf er sich den Sklavenhaltern und Ausbeutern schwächlich unterwerfen? Niemals! Deshalb schonen die Kommunisten ihre Kräfte nicht und scheuen keine Opfer im Kampf um ein wirkliches, wahrhaft menschliches Leben.

> Wir Kommunisten lieben den Menschen. Nichts Menschliches ist uns fremd, wir kennen den Wert selbst der allerkleinsten menschlichen Freuden und verstehen, sie zu genießen. Und gerade deshalb zögern wir nicht, unsere eigenen, eng persönlichen Interessen jederzeit zu opfern, um für den wahren, freien, gesunden, freudigen Menschen einen Platz an der Sonne zu erkämpfen; für den Menschen, der nicht den Schrecken der anarchischen Ausbeuter„ordnung“ preisgegeben ist, mögen es die Schrecken des Krieges oder der Arbeitslosigkeit sein. Eine Ordnung, in der das Hauptmotiv der menschlichen Handlungen Profit, Profit und wieder Profit ist, eine Ordnung, welche die Beziehungen zwischen den Menschen durch Geldbeziehungen ersetzt hat und in der das Geld einen größeren Wert hat als der Mensch, ist keine Ordnung. Darf ein Mensch, der den Menschen liebt, darf ein Kommunist tatenlos zusehen, wie Menschen der Menschenwürde beraubt werden, darf er der Not und dem Leiden der Millionen seiner Brüder den Rücken zukehren? Niemals! Deshalb schonen die Kommunisten ihre Kräfte nicht und scheuen keine Opfer im Kampf um den ganzen, freien, wahrhaft humanen Menschen.

> Wir Kommunisten lieben die Freiheit. Und deshalb zögern wir keinen Augenblick, uns der strengsten Disziplin unserer Partei freiwillig zu unterwerfen, der militärischen Disziplin der Armee des Genossen Lenin, damit wir die wirkliche Freiheit erreichen, die breiteste, die einzige dieses Namens würdige: die Freiheit für die ganze Menschheit. Die Freiheit weniger einzelner, die „Freiheit“ des Raubs für die einen und des Hungertods für die anderen – ist keine Freiheit, das ist im Gegenteil die Knechtschaft aller. Darf sich ein Kommunist mit einem solchen Zustand zufriedengeben, darf er sich zufriedengeben mit einer, gleich wie gearteten, persönlichen kleinen Idylle solcher „Freiheit“? Niemals! Deshalb schonen die Kommunisten ihre Kräfte nicht und scheuen keine Opfer im Kampf um wirkliche Freiheit, um immer größere Freiheit, um Freiheit für alle.

> Wir Kommunisten lieben schöpferische Arbeit, Aufbau und Wachstum, die die Zukunft der Menschheit schaffen. Deshalb zögern wir keinen Augenblick, das niederzureißen – und nur das –, was sich den großartigen schöpferischen Kräften des Menschen in den Weg stellt. Tausende, Hunderttausende Talente, durch welche die menschliche Kultur bereichert, die menschliche Organisation vervollkommnet, die menschliche Technik zu ungeahnter Blüte geführt werden könnte, Tausende, Hunderttausende solcher Talente liegen jetzt brach. Millionen und Dutzende Millionen fleißiger und geschickter Hände, die der Menschheit Überfluß an allem, was sie braucht, schaffen könnten, Millionen und Dutzende Millionen solcher Hände werden gezwungen, in immer häufiger wiederkehrenden Krisen müßig zu sein. Darf ein Kommunist gegenüber dem schrecklichen Schaden blind sein, den das der menschlichen Gesellschaft verursacht? Nein, er darf es nicht! Deshalb schonen die Kommunisten ihre Kräfte nicht und scheuen keine Opfer im Kampf um die Verwirklichung einer Ordnung, in der sämtliche schöpferischen Kräfte der Menschheit und jedes einzelnen Menschen zur Geltung kommen und sich voll entfalten.

> Wir Kommunisten lieben den Frieden. Und dafür kämpfen wir. Wir kämpfen gegen alle Kriegsursachen, wir kämpfen um eine Weltordnung, in der es keinen Verbrecher mehr geben kann, der Millionen Menschen zugunsten weniger in den Tod schickt, in das Grauen der Kriegsraserei, die die lebensnotwendigen Werte vernichtet. Dort, wo der Mensch mit dem Menschen um jedes Stück Brot ringen muß, gibt es und kann es keinen Frieden geben. Deshalb schonen die Kommunisten ihre Kräfte nicht und scheuen keine Opfer im Kampf um einen wirklichen Frieden, um den endgültigen Frieden, der durch eine neue Organisation der Gesellschaft gesichert ist.

> Wir Kommunisten lieben unser Volk. Es kann keine freie Menschheit, kein freies Aufblühen aller schöpferischen menschlichen Kräfte, keinen endgültigen, gesicherten Frieden geben, wenn auch nur ein Volk unterdrückt wird, es kann keine wirkliche Freiheit geben, wenn auch nur ein Volk ein anderes unterdrückt. Und keines unserer großen Ideale können oder wollen wir anders verwirklichen als in den Lebensformen unserer eigenen Nation, weil sie sonst gar nicht zur Wirklichkeit werden, gar nicht leben könnten. Wir lieben unser Volk mit aufrichtiger Sohnesliebe. Deshalb sind wir stolz auf alles, womit es zum Blühen und zum Ruhm der Menschheit und damit zu unserem eigenen Blühen und Ruhm beigetragen hat und beiträgt, deshalb auch bekämpfen wir alles, was unser Volk verunstaltet, das sich an ihm mästen will, auf ihm schmarotzt, es schwächt. Wir lieben unser Volk. Deshalb schonen wir unsere Kräfte nicht und scheuen kein Opfer im Kampf um die völlige Befreiung unserer Nation, damit sie als Gleiche unter Gleichen frei unter den freien Völkern der Welt lebe.

Welche Aufgaben stehen uns bevor?

All das stellt uns ungeheure Aufgaben.
Sie auszuführen und zu erfüllen verpflichtet uns die Ehre, zur Weltarmee des großen proletarischen Strategen, zur Armee des Genossen Lenin zu gehören. Sie voll und ganz zu erfüllen bedeutet, die Einheit und Reinheit dieser Armee, die Einheit und Reinheit der Kommunistischen Partei wie unseren Augapfel zu hüten; es bedeutet, mehr und mehr die besten Kräfte der Nation und der ganzen Menschheit zu mobilisieren, immer größere Scharen von Verbündeten zu gewinnen, immer dort zu sein, wo die Massen sind, ihnen stets unermüdlich und geduldig den Weg zu weisen, ihnen ohne Unterlaß ins Bewußtsein zu prägen, wohin die geschichtliche Entwicklung strebt und was sie von ihnen in ihrem ureigenen Interesse fordert; es bedeutet, ihnen stets und überall ein Beispiel klarer, realer Überzeugung zu sein, der Tapferkeit, Ergebenheit, Opferbereitschaft und des Zielbewußtseins.

Für wen gilt das und wen sprechen wir damit an?

> Das gilt dir, Genosse Kommunist, dir, der du Mitglied der Armee Lenins bist. Auf welchem Abschnitt du auch arbeitest, in welchem Schützengraben der Revolution du um die Freiheit der Menschheit kämpfst, wo du auch stehst, und sei es allein auf vorderstem Posten, sei es gefesselt im Kerker der Tyrannen – lege über deine Taten und Gedanken täglich Rechenschaft ab: Bin ich der Ehre, Soldat der Armee des großen Lenin zu sein, wert, bin ich fähig, den Schwur, den Genosse Stalin auch für mich geleistet hat, treu zu erfüllen, wachse ich genug, um auch weiterhin die Aufgaben zu erfüllen, die uns die Geschichte auferlegt?

> Das gilt auch dir, mein Freund, der du mit uns sympathisierst! Ganz gleich, wo du in den Reihen des kämpfenden Volkes stehst, ganz gleich, in welcher seiner Schichten, denke stets daran, auf daß deine Sympathien immer aktiver werden, auf daß du enger und enger mit der Partei zusammenarbeitest, auf daß der Rhythmus deiner Schritte immer mehr mit dem Rhythmus ihres Marsches verschmelze, auf daß du eines Tages selbst in ihre Reihen treten kannst an Stelle derer, die dir ein Beispiel waren und die in diesem erbitterten Kampfe fielen.

> Und das gilt auch euch, die ihr uns noch vor kurzem nicht kanntet, die ihr auf unsere Partei mit schiefem Blick saht, mit denen wir jetzt einen festen Händedruck wechselten, durch den Befreiungskrieg gegen die Mörderbanden Hitlers in einer Front verbunden! Wir wissen, daß ihr aufmerksam auf uns schaut, daß ihr unsere Taten aufmerksam verfolgt. Ja, schaut gut auf uns, beobachtet jeden unserer Schritte, analysiert und kritisiert jede unserer Handlungen – es gibt nichts, was wir vor euch zu verheimlichen, was wir vor dem Volk zu verbergen hätten. Vor euren Augen, vor dem Angesicht des ganzen Volkes gehen wir im Kampf um seine Freiheit durch das Feuer der schwersten Prüfung, und selbst der verbissenste Feind wagt nicht zu behaupten, daß wir irgend zurückgewichen wären, irgend versagt hätten. Beobachtet gut! Ihr werdet erkennen, was heute schon der Großteil der Welt zu begreifen beginnt: daß es zur Freiheit, zum Frieden und zum menschlichen Glück keinen anderen außer den Weg gibt, den wir Kommunisten gehen. Ihr werdet erkennen: Wer nicht mit uns geht – geht gegen sich!

Von allen Parteien (…) durchschritt nur eine einzige dieses Feuer als Ganzes, nur eine einzige hat sich erhalten, nur eine einzige arbeitet und kämpft als Partei in den für die Nation schwersten Stunden: die Kommunistische Partei. (…)

Warum kann die Kommunistische Partei nicht vernichtet werden?

Woher kommt das? Warum kann die Kommunistische Partei selbst durch den grausamsten Terror nicht vernichtet werden, warum wächst und erstarkt sie im Gegenteil ununterbrochen?

> Das kommt daher, daß wir alles tun, was notwendig ist, damit die Menschheit ihrem schönsten Zeitalter entgegengehe. Wir denken uns unsere Aufgaben nicht aus, wir erkennen sie nur klar und werden uns ihrer voll bewußt, der Aufgaben, die dem Menschen von der geschichtlichen Entwicklung gestellt werden und die früher oder später erfüllt werden müssen.

> Das kommt daher, daß wir uns gerade um die baldige Erfüllung dieser Aufgaben bemühen, denn jede Verspätung kostet die Menschheit unendliche Verluste. Jeder wird sich heute bewußt, mit welch furchtbaren Opfern die ganze Welt den faschistischen Versuch, die geschichtliche Entwicklung aufzuhalten, bezahlen muß. Aber wer das Rad der Geschichte zurückdrehen will, wird von ihm schließlich stets zermalmt. Wer der Entwicklung den Weg bahnt, kann niemals vernichtet werden.

> Das kommt daher, daß wir uns auf die größte Macht der Gegenwart stützen, auf die Arbeiterklasse, auf ihr Bewußtsein, ihre Funktion, ihre riesige, in Kämpfen geschmiedete internationale Organisation, ihren siegreichen, in einer Staatsmacht organisierten Teil, auf die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

> Das kommt daher, daß wir recht haben und daß diese Tatsache stets von neuen Millionen Menschen aus eigener – leider größtenteils bitterer – Erfahrung erkannt wird. (…)

Was muß getan werden?

Wir haben uns niemals nur damit begnügt, vorauszusehen, was kommen kann, sondern haben immer auch gesagt, was getan werden muß. Wir wußten, daß die Menschheit Kräfte genug besaß, um den Krieg zu verhindern, den Faschismus zu zermalmen, ehe er die ganze Welt in die Schrecken der Vernichtung und des Mordens hineinzerrte. Deshalb haben wir uns ohne Unterlaß um die Vereinigung all dieser Kräfte bemüht, haben wir ständig auf die Schaffung der breitesten Front der Werktätigen, der breitesten Front der Nation hingearbeitet, deshalb haben wir ohne Zögern jedem die Hand angeboten, der gegen Faschismus und Krieg ehrlich kämpfen wollte. Es kann unter euch niemand geben, der sich daran nicht erinnerte, der nicht wüßte, wie unermüdlich wir diese Einheitsfront durchzusetzen suchten – und wie wir zurückgewiesen wurden. Wir setzten uns jedoch über die größten Hindernisse hinweg, die sich uns in den Weg stellten, über die Ablehnung und die groben Beleidigungen, mit denen uns viele sogenannte sozialistische Führer in unglaublicher Verblendung traktierten; wir haben angesichts unserer Anstrengungen niemals verbittert abgewinkt, denn das Interesse des Volkes und der Nation forderte bedingungslos die Herstellung der Einheit im Kampf. (…)

Und niemand wird uns aufhalten…

… es genügt nicht, eine neue Welt nur zu wollen, es ist notwendig, auf sie hinzuarbeiten, um sie zu kämpfen. Das gilt dir, Genosse Kommunist, das gilt dir, mein Freund, der du mit uns sympathisierst, das gilt auch euch, Mitkämpfer für die Befreiung der Nation, mit denen wir durch den Kampf gegen die Mordbanden Hitlers in einer Front fest verbunden sind. Niemand mehr darf diese feste Einheit des Volkes zerschlagen! Niemand mehr darf das Volk aufhalten auf seinem ruhmreichen Marsch zur Freiheit, zum Frieden und zur Gerechtigkeit! Und niemand mehr wird es aufhalten! Nicht umsonst sind wir durch die grausamen Erfahrungen der letzten Jahre gegangen, nicht umsonst ist das Blut der Märtyrer aller Schichten unseres Volkes geflossen.

Nicht umsonst hat der geniale proletarische Stratege, der Führer der mächtigsten Armee der Welt, Genosse Lenin, auch für uns gelebt und gearbeitet. Unter dem Banner dieser Armee haben wir immer unseren Kampf um die Freiheit der Menschheit gekämpft. Unter ihrem Banner gehen wir auch in die letzte, die entscheidende Schlacht.

Extraausgabe des illegalen „Rudé právo“,
Januar 1942

Zitate:
[1] J.W.Stalin, Werke, Bd.13, S.334
[2] J.W.Stalin, Werke, Bd.6, S.41.

Quelle:
Julius Fučik, Wir lieben unser Volk, Letzte Artikel und Betrachtungen, Dietz Verlag 1956, S.236-248. (Zwischenüberschriften und Hervorhebungen von mir – N.G.)

Siehe auch:
– ein weiterer Artikel von über Julius Fučik
Oscar Niemeyer: „Die Kommunisten sind die einzigen, die immer noch eine bessere Welt schaffen wollen.“