Wie betreibt das Monopolkapital den Abbau der bürgerlichen Demokratie?

Nicht daß wir es nicht schon gewußt hätten… Dennoch gibt es eine große Mehrzahl von Menschen in diesem Land, die zwar das eine oder andere an der Politik auszusetzen haben, die aber im großen und ganzen recht zufrieden sind. Sie haben, wie Tucholsky sagt „so ein beruhijendet Jefühl“:

„Kieck mal, ick bin in meinem Bezirk zweeter Schriftführer, uff unsere Saalabende is et imma so jemietlich, wir kennen die Kneipe, det Bier is ooch jut, am ersten Mai machen wa imma unsern Ausfluch und aben’s is Fackelzuch, et hat sich allet so scheen einjeschaukelt! Wat brauchste Grundsätze, wenn de een Apparat hast!“ [1]

Die Verschleierung des Klassendiktatur der Bourgeoisie

Die bürgerliche Demokratie ist ihrem Wesen nach ein politisches Regime zur Verwirklichung der Klassenherrschaft der Bourgeoisie. Zugleich stellt sie mit ihren Mechanismen, der Existenz von Parlamenten, Wahlen, verfassungsrechtlichen Proklamationen über bestimmte Grundrechte der Bürger und einer gewissen Teilung der staatlichen Aufgaben zwischen Regierung, Parlament und Gerichten ein notwendiges Element der Verschleierung der Klassendiktatur der Bourgeoisie dar. Sie ist – wie bereits Lenin entlarvte – „die denkbar beste politische Hülle des Kapitalismus“ [2], auf die sich die Bourgeoisie jedoch nur so lange stützt, wie ihre politische Macht nicht bedroht ist.

Der Niedergang der bürgerlichen Demokratie

Entstanden im Kampf gegen den Feudalismus, wurden mit der bürgerlichen Demokratie wichtige Voraussetzungen für die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise und günstige Bedingungen für die Organisation und den politischen Kampf der Arbeiterklasse geschaffen. Ihren einst progressiven Charakter verlor sie jedoch mit der Herausbildung des Imperialismus. Der Drang des Imperialismus nach „’Negation’ der Demokratie überhaupt, der ganzen Demokratie“ [3] führte zu ihrer Krise, die sich in der Gegenwart mit dem voranschreitenden Monopolisierungsprozeß, der Zuspitzung der sozialen und politischen Widersprüche weiter verschärft hat. Es bestätigt sich die Feststellung im Programm der SED: „Die wachsende politische Instabilität der Monopolherrschaft und ihrer Regierungen geht einher mit dem zunehmenden Niedergang der bürgerlichen Demokratie.“ [4]

Wie hat sich die bürgerliche Demokratie verändert?

• Zugenommen haben die Angriffe des Monopolkapitals auf die von der Arbeiterklasse und ihren Gewerkschaften im jahrzehntelangen Kampf errungenen bürgerlich-demokratischen Rechte. Anti-Gewerkschaftsgesetze in Großbritannien, Massenaussperrungen in der BRD, der Einsatz von Gewalt gegen streikende Arbeiter in den USA, die Einschränkung von ohnehin nur geringen Mitbestimmungsrechten wie zum Beispiel der Stahl- und Bergarbeiter in der BRD, die Verordnung von sogenannten Lohnleitlinien und anderes schränken immer mehr die gewerkschaftlichen Rechte ein und zielen vor allem auf eine weitere Untergrabung des Streikrechts der Arbeiter in den kapitalistischen Ländern zu einer Zeit, wo gleichzeitig ihr materielles Lebensniveau rigoros beschnitten wird. In die gleiche Richtung laufen die Bestrebungen der herrschenden Kräfte, insbesondere in der BRD, das Demonstrationsrecht der Werktätigen überhaupt einzugrenzen.

• Ausgebaut wurde in den kapitalistischen Ländern der staatliche Gewalt- und Unterdrückungsapparat sowie seine Methoden weiter perfektioniert. Das zeigen vor allem:

(1) die verstärkte politische Unterdrückung durch Gesinnungsschnüffelei, widerrechtliche Abhörpraktiken, die Aufstellung „schwarzer Listen«, die Erfassung von Daten über soziales und politisches Verhalten demokratischer Kräfte in Computern und Dossiers bei staatlichen und privatkapitalistischen Institutionen in der BRD, den USA und anderen Ländern. Besondere Ausmaße hat die Bespitzelung der Bürger durch den Einsatz und Ausbau eines umfassenden elektronischen Kontroll- und Überwachungssystems in der BRD erreicht, in dem schätzungsweise bereits Daten von 8 bis 9 Millionen Bundesbürgern und Ausländern gespeichert sind;

(2) die verschärften Verfolgungsmaßnahmen gegen fortschrittliche Kräfte in Form der Berufsverbote in der BRD. Von 1972 bis heute wurden 5000 Berufsverbote über Kommunisten, Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Christen, Unterzeichner von Friedensappellen und andere verhängt. „Wie ein Damm stellt sich der Imperialismus demokratischen Rechten des Volkes, Menschenwürde und geistiger Freiheit entgegen. … Mißachtet und unterdrückt werden das grundlegende Recht auf politische Mitbestimmung und Mitgestaltung gesellschaftlicher Belange wie das Selbstbestimmungsrecht der Völker überhaupt. Eingeschränkt und mißachtet werden alle demokratischen Grundrechte. Riesige Ausmaße haben Bespitzelung, Einschüchterung, Repression und Berufsverbote erreicht.“ [5];

(3) der personelle, materielle und finanzielle Ausbau des unmittelbaren Apparates der Unterdrückung und seines Einsatzes gegen demonstrierende Arbeiter und Jugendliche. Allein in der BRD wurden die Ausgaben aus dem Bundeshaushalt für die materielle und personelle Aufstockung des Bereichs „innere Sicherheit“ von 0,38 Milliarden DM 1969 auf 1,5 Milliarden DM 1981 erhöht.

(4) Verstärkt wird auch die imperialistische Klassenjustiz zur „rechtlichen“ Absicherung reaktionärer Praktiken gegen die Arbeiterklasse und andere demokratische Kräfte eingesetzt.
AusgabenBRD

• Ausdruck der Krise der bürgerlichen Demokratie ist auch die zunehmende Konzentration der Macht bei der nicht kontrollierbaren zentralen Exekutive und der wachsende Einfluß der Monopolverbände auf die Politik auf Kosten der Rechte der bürgerlichen Parlamente. Dies stellt zugleich einen günstigen Nährboden für solche Verfallserscheinungen des imperialistischen Systems wie Bestechungsskandale, Abgeordnetenkäufe, Wahlmanipulationen und Verfassungsmißbrauch dar.

• Neue Ausmaße hat auch die umfassende Manipulation der Bürger, die antikommunistische Vergiftung des geistigen Lebens durch die imperialistischen Massenmedien sowie die Duldung und die offene und verdeckte Förderung nazistischen Ungeistes, neonazistischer und faschistischer Organisationen und Aktivitäten erreicht.

All diese Entwicklungen in den kapitalistischen Ländern widersprechen selbst den in ihren eigenen Verfassungen proklamierten Rechten und Freiheiten und stellen eine Verletzung der elementarsten Grund- und Menschenrechte dar. Sie entlarven – vor allem auch angesichts der steigenden Arbeitslosigkeit und des forcierten Wettrüstens – immer deutlicher das Gerede bürgerlicher Ideologen und Politiker vom „freiheitlichen und demokratischen Rechtsstaat“, vom „Wohlfahrts- und Sozialstaat“ als pure Demagogie und Heuchelei.

Der Abbau der bürgerlichen Demokratie vertieft den unversöhnlichen Widerspruch zwischen Monopolbourgeoisie und Volk. Zugleich wächst jedoch der Widerstand der ausgebeuteten Klassen und Schichten, erringen Kommunisten und andere fortschrittliche Kräfte Positionen in bürgerlichen Regierungen beziehungsweise Parlamenten, wie zum Beispiel in Frankreich, formieren sich in allen kapitalistischen Ländern verstärkt außerparlamentarische Bewegungen und gewinnt der Kampf um Frieden und soziale Rechte an Breite und Gewicht. Es verschärft sich, wie bereits Lenin nachwies, der „Antagonismus zwischen dem die Demokratie negierenden Imperialismus und den zur Demokratie strebenden Massen“ [6];

Die heutigen Krisenerscheinungen des politischen Herrschaftssystems führen jedoch nicht zu einem „automatischen“ Zusammenbruch des kapitalistischen Systems. Das Monopolkapital verfügt immer noch über Möglichkeiten, seine Herrschaft aufrechtzuerhalten.

Es wird jedoch immer deutlicher, daß das politische System des Imperialismus, die bürgerliche Demokratie nichts gemein mit einer Herrschaft des Volkes haben, noch Freiheit und soziale Gleichheit bringen können, wie bürgerliche Ideologen immer wieder behaupten. Dies ermöglicht erst der Sozialismus. Denn die auf sozialistischem Eigentum beruhenden Produktionsverhältnisse sind die Grundbedingung für ein gleichberechtigtes Verhältnis aller Mitglieder der Gesellschaft zueinander, für die freie Entfaltung des einzelnen wie der ganzen Gesellschaft und schaffen die Voraussetzungen für die Einbeziehung der Werktätigen in die Leitung des Staates, die Ausübung der Macht durch das Volk und für das Volk, In der massenhaften Ausprägung des Schöpfertums der sozialistischen Eigentümer – der Arbeiterklasse und aller anderen Werktätigen –, ihrer realen Mitwirkung an der Leitung und Planung sowie ihren vielfältigen Initiativen bei der Lösung der staatlichen und gesellschaftlichen Aufgaben kommt die Überlegenheit der sozialistischen Demokratie zum Ausdruck. Es bestätigt sich in den sozialistischen Ländern tagtäglich, daß nur der sozialistische Staat mit seiner auf das Wohl der arbeitenden Menschen gerichteten Tätigkeit „die Verwirklichung der grundlegenden Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen gewährleisten, sozialistische Demokratie, Freiheit und Menschenwürde sichern“ [7] kann.

Quelle:
Studienhinweise für Seminare, Parteilehrjahr der SED 1982/83, S.161-165

Zitate:
[1] Kurt Tucholsky, Ein älterer, aber leicht besoffener Herr, In: Die Weltbühne, 1930, Nr. 37, S.405.
[2] W. I. Lenin: Staat und Revolution. In: Werke, Bd.25, S.405.
[3] W. l. Lenin: Über eine Karikatur auf den Marxismus und »imperialistischen Ökonomismus«. In: Werke, Bd.23, S.34.
[4] Programm der SED, Berlin 1982, S.16.
[5] X.Parteitag der SED. Bericht des ZK der SED, S.17
[6] W. I. Lenin: Antwort an P. Kijewski (J. Pjatakow). In: Werke, Bd.23, S.14.
[7] 3.Tagung des ZK der SED, Berlin 1981, S.49/50.

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Die manipulierende Wirkung der Sprache

Die Welt ist erkennbar. Dieser einfache Grundsatz des dialektischen Materialismus ist oft genug bestritten worden. Vor allem aber von denjenigen, die an einer Veränderung der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse nicht interessiert waren. Um so wichtiger erscheint es heute, zu erkunden, wodurch sich unsere Auffassung und unser Verständnis für die uns umgebende Wirklichkeit herausbildet. Die Gedanken sind das wichtigste Werkzeug des Menschen, um die Wirklichkeit adäquat, also ihr entsprechend abzubilden. Doch die Gedanken sind beeinflußbar, und dabei spielen die Massenmedien eine nicht zu unterschätzende Rolle. Darauf weist auch Georg Klaus in seinem Buch „Die Macht des Wortes“ hin. Er schreibt:

Mit Hilfe der neuen Massenkommunikationsmittel wie Zeitung und Rundfunk, Fernsehen und Film können Millionen von Menschen ohne zeitlichen Verzug und nahezu an beliebigen Orten die gleiche Nachricht empfangen; auf Grund der technischen Möglichkeiten ist den Menschen eine Fülle verschiedenartiger Nachrichten zugänglich. Diesem Umstand muß sowohl bei einer erkenntnistheoretischen Untersuchung der Faktoren, die auf den Menschen einwirken, als auch bei einer historisch-materialistischen und soziologischen Analyse des gesellschaftlichen Bewußtseins Rechnung getragen werden.

Die versteckten Wirkungen einer Nachricht

Dabei ist z.B. zu beachten, daß der durch die Massenkommunikationsmittel realisierte Kommunikationsakt bestimmte Besonderheiten von soziologischer Bedeutung aufweist: so ist etwa die Rückkopplung zwischen Sender und Empfänger sehr viel komplizierter als beim natürlichen Kommunikationsakt. Daraus ergeben sich einerseits besondere Anforderungen an die Gestaltung der Nachricht. Andererseits erhöhen sich aber auch die Gefahren des Mißbrauchs, der Manipulierung; wenn der unmittelbare Kontakt zum Sender einer Nachricht erschwert ist, dann verhält sich der Empfänger dieser Nachricht gegenüber unbeteiligter und damit auch unkritischer, zumindest nimmt die Kritik andere Formen an und wird auch in ihrer Motivierung komplizierter. Zeitungs- und Rundfunkwesen, Fernsehen und Film haben sich in der jüngsten Vergangenheit stürmisch entwickelt und besitzen heute außerordentlich große Bedeutung für die ideologische und politische Beeinflussung der Massen. Deshalb, muß den angedeuteten Möglichkeiten und Besonderheiten dieser Kommunikationsarten vor allem Rechnung getragen werden bei einer richtig betriebenen Propaganda und Agitation, aber auch bei einem wirksamen. Kampf gegen den Mißbrauch der Massen-kommunikationsmittel.

Warum haben Nachrichten oft eine so große Wirkung?

Der pragmatische Aspekt der semiotischen Analyse wird in den kapitalistischen Ländern systematisch sowohl als Mittel als auch als theoretische Grundlage für eine politische und soziologische Propaganda ausgebaut, die vom Antikommunismus und seinen Schlagworten bis zur Lehre vom Verschwinden der Klassengegensätze, von der Betriebsharmonie und Betriebsdemokratie bis zur Reklame für die angeblich beste Zahnpasta reicht. Es ist in marxistischen Kreisen vielfach üblich geworden, über diese Form der geistigen Aktivität der imperialistischen Ideologen entweder zu lächeln oder sie empört als Massenbetrug und Massenverdummung abzutun. Es geht aber nicht schlechthin darum!

Gehen wir den Dingen auf den Grund!

Wissenschaftlich interessant ist in erster Linie doch die Frage, weshalb diese Methoden mindestens teilweise Erfolg haben und sich manchmal tatsächlich als außerordentlich wirkungsvoll erweisen. Will man die ideologische Auseinandersetzung allseitig und für den Sozialismus maximal erfolgreich führen, so muß man den Gegner und seine Waffen kennen. Die Semiotik, insbesondere ihr pragmatischer Aspekt, ist eine dieser Waffen. [1]

Die Sprache verrät die Ideologie

Die Geschichte lehrt uns, daß jede Ablösung einer alten Gesellschaftsordnung durch eine neue im Zeichen erbitterter Klassenkämpfe vor sich geht. Diese Klassenkämpfe spiegeln sich im gesellschaftlichen Bewußtsein wider und nehmen dort den Charakter eines Kampfes der Ideen und der Ideologien an, und sie spiegeln sich auch in der Terminologie wider, in der die verschiedenen Klassen ihre Auffassungen formulieren, sowie überhaupt in der Art und Weise, in der die verschiedenen Klassen sprachliche Mittel einsetzen, um ihre Auffassungen zu verbreiten.

Beispiel 1: Der Einfluß der USA

Mit dem zweiten Weltkrieg verlor der deutsche Imperialismus seine Eigenständigkeit weitgehend, und er hat sie bis heute nicht völlig wiedererlangt. Er mußte sich in den Juniorpartner des amerikanischen Imperialismus verwandeln. Dieser politischen Entwicklung entsprach ein breites Einströmen der spezifisch amerikanischen Ideologie des Imperialismus und zusammen damit eine Veränderung der gesellschaftlichen, insbesondere der wirtschaftlichen Leitbilder. Eine ganze Reihe neuer Wörter, die für den amerikanischen Imperialismus und seine Ideologie typisch sind, wurden in Westdeutschland gang und gäbe. In breiten Kreisen der Bevölkerung nennt man den Führer eines Unternehmens, einer größeren Gruppe von Menschen oder einer Bande nicht mehr Führer, wie zu Hitlers Zeiten, sondern boss, man sucht sich keine Arbeit mehr, sondern einen Job. Erscheinungen dieser Art sind in der Geschichte einer Sprache durchaus keine Seltenheit; häufig bleiben es Randerscheinungen, die nach wenigen Jahren wieder verschwinden, gelegentlich können sie aber auch als feste Bestandteile in eine Sprache eingehen. Ein beachtlicher Teil der Fremdwörter in einer Sprache geht gewöhnlich auf das Einströmen bestimmter Ideologien und Lebensweisen zurück. Je nach den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen dies geschieht, können diese Erscheinungen einen progressiven oder reaktionären Klasseninhalt haben. Wir müssen solchen Prozessen besondere Aufmerksamkeit schenken, weil sie heute, gerade durch die Massen-kommunikationsmittel, also über die Sprache, in stärkerem Maße beeinflußbar sind und weil so auf eine indirekte Art Ideologien verbreitet werden.

Beispiel 2: Mißbräuchliche Begriffe

Nachdem Hitlers „Neuordnung Europas“ gescheitert war, versuchte der westdeutsche Imperialismus, die Europaidee neu zu konzipieren. Zu diesem Zweck griff man auf ältere Abendlandkonzeptionen zurück, prägte aber auch neue Wörter wie Pan-Europa, europäische Integration, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft usw. Auch diese Wörter, einmal entstanden, entwickeln eine bestimmte Eigengesetzlichkeit und werden wirksam. Sie haben die Aufgabe (und erfüllen sie bis zu einem gewissen Grade auch), die tatsächlichen Ziele des westdeutschen Imperialismus zu verschleiern. Sie versuchen, das als einen übernationalen Zusammenschluß auszugeben, was in Wirklichkeit nur eine neue Form des Hegemoniestrebens des westdeutschen Imperialismus ist. Natürlich ist der Kampf, um den es hier geht, in erster Linie ein ökonomischer und politischer. Aber nichts wäre verkehrter, als die Rolle des pragmatischen Aspektes der Sprache in diesem Kampfe zu unterschätzen. Es handelt sich hier im Grunde um eine besondere Form der Sprachregelung, die letzten Endes der Irreführung dient. Zur gleichen Gruppe von Tatsachen gehört z.B., daß kein Aggressor sein Vorgehen als Aggression bezeichnen wird, sondern nur als Verteidigung, Befreiung oder Vergeltung, oder daß in den Berichten der faschistischen deutschen Wehrmacht ein Rückzug immer als planmäßig, besser noch als Frontbegradigung ausgegeben wurde. Der Extremfall dieser Art von Sprachregelung ist das gesellschaftliche Verbot, bestimmte Wörter zu verwenden, die Tabuierung; eine Erscheinung, die durchaus auch im politischen Bereich üblich ist, wenn wir etwa an die Tabuierung der korrekten Bezeichnung unseres Staates durch die westdeutsche Regierung denken.

Beispiel 3: Konnotationen – oder „Der Kampfbegriff“

Einer dritten Gruppe von Tatsachen liegen die Konnotationen und Bewertungen zugrunde, die mit Wörtern und Sätzen verbunden sein können, so daß sie imstande sind, bestimmte Einstellungen hervorzurufen, die das Verständnis in bestimmter Weise beeinflussen können und natürlich auch im Sinne bestimmter Klasseninteressen Einfluß ausüben können. Daß es solche Konnotationen und Bewertungen gibt, ist in der Linguistik lange bekannt, bisher ist es allerdings kaum gelungen, exakte Aussagen über diese Komponente zu machen. In jüngerer Zeit gibt es auch Versuche von psychologischer Seite, zumindest einer exakten Beschreibung näherzukommen. Besser bekannt – und auch, im Klassenkampf ausgenutzt – sind die Wirkungen, die von solchen Konnotationen und Bewertungen ausgehen. Wörter wie „Kommunist“ oder „rot“ sind für manche Klassen negative Wörter, für andere positive. Es ist deutlich, daß es sich hier nicht um Komponenten der Bedeutung dieser Wörter handelt, sondern um einen Reflex der Einstellung der betreffenden Klassen zum Kommunismus und zu „rot“ als Symbol für den Kommunismus. Solche Bewertungen und Einstellungen können durch eigene Erfahrungen gestützt, sie können aber auch einfach ein in der betreffenden Gemeinschaft häufiges Stereotyp sein. Dies wird besonders dann der Fäll sein, wenn es keine Möglichkeit zur selbständigen Überprüfung der Bewertungen gibt; wenn der Sprecher z.B. in einem Staat lebt, in dem die Kommunisten eine unterdrückte illegale Minderheit sind. Unter diesen Bedingungen kann es dem Propagandaapparat der herrschenden Klasse bis zu einem gewissen – allerdings nur bis zu einem gewissen! – Grade gelingen, Wörter wie „Kommunist“ öder „rot“ zu Symbolen für Verdammenswürdiges schlechthin zu machen. Dann kann jede mißliebige Person als Kommunist, jede oppositionelle Bewegung als kommunistisch oder rot bezeichnet werden. Beispiele dafür sind aus dem politischen Leben der USA und Westdeutschlands hinreichend bekannt. Eine Aufgabe systematisch betriebener Pragmatik besteht deshalb darin, auch diesen Aspekt zu analysieren. Die Geschichte ist überaus reich an derartiger Problematik. [2]

Die Klarheit der Gedanken

Normalerweise schreitet das Denken fort vom Konkreten zum Abstrakten und es bildet sich begriffliche Klarheit heraus. Nicht selten entsteht aber auch Verwirrung. Erst die Erkenntnis der Gesetzmäßigkeiten läßt es zu, richtige Entscheidungen für die Gegenwart und klare Schlußfolgerungen für die Zukunft zu ziehen. Sobald wir aber den Bereich der bisher erkannten Gesetze, sobald wir den Boden des Marxismus-Leninismus verlassen, fängt das Denken an, willkürlich zu werden. Und das eben führt zu Verwirrung: Begriffe werden mißbräuchlich verwendet, Ursachen werden mit Wirkungen vertauscht, Wesentliches mit Unwesentlichem, und im Kopf herrscht ein heilloses Durcheinander. Daher ist es zunächst wichtig, die sprachliche Klarheit wiederherzustellen. Oder wie Karl Marx und Friedrich Engels schon 1846 in einem Kommentar zur „Deutschen Ideologie“ feststellten:

„Für die Philosophen ist es eine der schwierigsten Aufgaben, aus der Welt des Gedankens in die wirkliche Welt herabzusteigen. Die unmittelbare Wirklichkeit des Gedankens ist die S p r a c h e. “ [3]

Quellenangabe:
[1] Georg Klaus, Die Macht des Wortes – Ein erkenntnistheoretisches Traktat,
VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften, Berlin, 1969, S.29.
[2] Georg Klaus, ebd., S.39-41.
[3] Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie, In: Marx-Engels-Werke, Berlin 1978, Bd.3, S.432.

(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Prof.Dr.Georg Klaus(1912-1974)
DDR-Philosoph, Mit-Herausgeber
des Philosophischen Wörterbuchs

So werden Kriege gemacht

In seinem Buch über die Hintergründe und Technik der Aggression schrieb Albert Norden 1952 das folgende:

Die amerikanische Propaganda vom Kampf gegen den Totalitarismus und für die Demokratie dient nur als Nebelwand für die Vorstöße des amerikanischen Imperialismus. Jeder Hinauswurf von Kommunisten aus den Regierungen Frankreichs, Italiens, Belgiens, Westdeutschlands war nur der Prolog für die Überfremdung großer Industrien durch das amerikanische Kapital. Der militärische Triumph des griechischen Monarchofaschismus unter dem Kommando von 500 amerikanischen Offizieren diente der Schaffung einer amerikanischen Militärbasis im östlichen Mittelmeer und der Sicherung der nun hereinströmenden amerikanischen Kapitalien. Die militärische Hilfe für den Puppenkaiser Bao Dai und seine französischen Protektoren erfolgt nur um den Preis großer Konzessionen an das amerikanische Finanzkapital sowohl im französischen Mutterlande wie in seinen Kolonien, die sich so immer mehr in Kolonien der USA verwandeln.
USA StützpunkteMilitärstützpunkte der USA (1988) – allein um die Sowjetunion hatten die USA nahezu 400 Militärstützpunkte errichtet, mittlerweile haben die USA ihre Militärpräsenz erweitert [1]

Vom Wesen des Imperialismus

Hier sind wir bei den Wesenszügen des amerikanischen Imperialismus angelangt. Denjenigen, die seine Existenz leugnen, weil Imperialismus mit offener Gebietsannektierung gleichzusetzen sei, muß geantwortet werden, daß die Annexion nur ein, aber keineswegs das einzige Kennzeichen des Imperialismus ist. Worin besteht denn sein Wesen?

Seine Hauptmerkmale sind:
1. die Konzentration der Warenerzeugung in Monopolen,
2. die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital,
3. die besonders hervorragende Rolle der Kapitalausfuhr im Unterschied zum früheren Überwiegen der Warenausfuhr,
4. die Aufteilung der Welt unter internationale monopolistische Kapitalsverbände,
5. die Vollendung der Aufteilung der Erde unter die kapitalistischen Großmächte.

1) Große Monopole beherrschen den Weltmarkt

Wo gibt es in der kapitalistischen Welt eine stärkere Konzentration der Produktion in einer kleinen Zahl gewaltiger, kapitalistischer Gebilde als in Amerika, wo zum Beispiel der von uns schon erwähnte Telephone and Telegraph Trust über mehr Reichtum verfügt, als 21 Staaten der USA zusammen? Die enorme Eisen- und Stahlproduktion der USA wird zu 80. Prozent von vier Trusten beherrscht (Morgan, Bethlehem Steel, Mellon und die Cleveland-Gruppe). Neun Zehntel der Automobilerzeugung sind bei drei Trusten konzentriert, nämlich General Motors, Ford und Chrysler. Vier Truste teilen unter sich mehr als vier Fünftel der Gummiproduktion. Drei Truste erzeugen 80 Prozent der Munitions- und Explosivstoffe, drei andere haben sich die gesamte Seifenfabrikation untertan gemacht.

2) Die Rolle des Finanzkpitals

Was das zweite Merkmal des Imperialismus betrifft, die Verschmelzung des Bankkapitals mit dem Industriekapital, so ist auch sie nirgendwo soweit fortgeschritten wie in den USA, wo Rockefeller und das Haus Morgan zu Symbolen geworden sind, die von der ganzen Welt begriffen werden als tyrannische Beherrschung von Bankwesen, Industrie und Handel durch ein kleines Häuflein Finanzkapitalisten.

3) Überwiegende Rolle des Kapitalexports

Die Kapitalausfuhr schließlich, die Lenin als das dritte Merkmal des Imperialismus kennzeichnete, erlangte besonders nach dem ersten Weltkrieg ein immer stärkeres Übergewicht gegenüber dem Warenexport. Man denke an die Anleihen des Hauses Morgan und anderer Bankinstitute in der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre an Deutschland! Man denke an das ungeheure Tempo und Ausmaß, in dem auf allen fünf Erdteilen während der letzten Jahrzehnte und Jahre das amerikanische Finanzkapital sich in ausländischen Unternehmen aller Art festsetzte und diese Einnistung bis zur Unterwerfung ganzer Wirtschaftszweige ausdehnte! Man denke vor allem an die vielen Milliarden Dollar, die seit dem Ende des zweiten Weltkrieges an das China Tschiang Kai Scheks, an Griechenland, an die Türkei, an England und mittels des Marshallplans an viele andere Länder gegeben wurden!

http://www.juramagazin.de/kapitalexport

Angesichts der Tatsachen, daß über die Hälfte der Goldreserven der Welt in Fort Knox liegt und daß seit Ende des zweiten Weltkrieges bis einschließlich 1948 die Reingewinne des amerikanischen Finanzkapitals jährlich 20 Milliarden Dollar weit überschritten, wird es klar, daß die herrschende Schicht Amerikas, wenn sie diese Summen nicht nutzlos liegenlassen will, dem Kapitalexport immer größere Aufmerksamkeit widmen muß. Die schon vor dem zweiten Weltkrieg gewaltige amerikanische Industrie hat sich seit 1939 um Fabrikanlagen vermehrt, deren Umfang das Anderthalbfache der gesamten deutschen Industrie vor dem zweiten Weltkrieg beträgt. Da dem kein entsprechend gestiegener Innenverbrauch in Amerika gegenübersteht, können die formidablen Gewinne der Kriegs- und Nachkriegsjahre nicht, in größeren inländischen Neuanlagen profittragend untergebracht werden. Sie müssen auf ausländische Märkte geworfen werden. So sind die Anleihen der Regierung und der privaten Bankhäuser der USA keine Sache der Hochherzigkeit, als welche sie von einer beflissenen Propaganda ausgegeben werden, sondern ein ehernes Muß des amerikanischen Finanzkapitals.

4) Der Streit um die Rohstoffquellen

Wenden wir uns dem vierten Merkmal des Imperialismus zu, der Aufteilung der Welt unter die internationalen Monopole! Dafür war vor dem zweiten Weltkrieg die Aufteilung der Chemiemärkte der Erde unter die drei großen Truste in Amerika, Deutschland und England charakteristisch. Heute erleben wir ähnliches bei der Aufteilung der Ölquellen der kapitalistischen Welt unter die beiden Riesentruste Standard Oil und den englischen Royal Dutch Shell. Daß dabei nicht immer eitel Harmonie herrscht, daß die Gegensätze zwischen den einzelnen kapitalistischen Trusten auf höherer Ebene immer von neuem auf- und ausbrechen, das steht auf einem anderen Blatt.

5) Die Welt ist aufgeteilt…

Denn die Konkurrenz ist ja mit der Aufteilung der Welt nicht beendet, sondern verschärft sich dadurch, weil – und das führt uns zum fünften Merkmal des Imperialismus – es keine Ausweichmöglichkeit für die einzelnen kapitalistischen Gruppierungen in bisher noch unerschlossene Gebiete mehr gibt. Die Welt ist vergeben (…)
Globalisierung
Aus dem eben Gesagten geht nun zweifelsfrei hervor, daß die Durchdringung und Kolonialisierung eines Landes durchaus nicht nur in seiner Besetzung bestehen muß. Lenin schrieb:
„Spricht man von der Kolonialpolitik der Epoche des kapitalistischen Imperialismus, dann muß bemerkt werden, daß das Finanzkapital und die ihm entsprechende internationale Politik, die auf einen Kampf der Großmächte und die ökonomische und politische Teilung der Welt hinausläuft, eine ganze Reihe von Übergangsformen der staatlichen Abhängigkeit schaffen. Typisch für diese Epoche sind nicht nur die beiden Hauptgruppen von Ländern – Kolonien besitzende und die Kolonien selber –, sondern auch die verschiedenartigsten Formen der abhängigen Länder, die politisch formell selbständig sind, in Wirklichkeit aber in ein Netz finanzieller und diplomatischer Abhängigkeit verstrickt sind.“ [2]

Gerade in dem letzten Satz findet man die Form, die der amerikanische Imperialismus mit Vorliebe bei seiner Vasallisierung anderer Länder benutzt, indem er ihnen zwar der Form nach ihre Selbständigkeit beläßt, sie aber in Wirklichkeit ökonomisch, militärisch und diplomatisch von sich abhängig macht. Ihm ist es dabei – und die amerikanischen Staatsmänner geben das offen zu – gleichzeitig darum zu tun, diese Länder als Ausfallstellungen und Kriegsbasen gegen die Sowjetunion zu benutzen. Der Fall Westdeutschland bietet das überzeugendste Beispiel dafür, wie der amerikanische Imperialismus unter Bruch internationaler Verpflichtungen ein Land um seine Unabhängigkeit bringt, um es als ein militärpolitisches Werkzeug für die Verwirklichung der Absichten der 60 herrschenden Familien der USA zu mißbrauchen.

Quelle:
Albert Norden, So werden Kriege gemacht, Dietz Verlag, Berlin, 1952, S.97-100.

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Wie schon gesagt, dies wurde bereits 1952 festgestellt. Dazwischen folgte eine Periode, in der sich das internationale Kräfteverhältnis deutlich zugunsten der sozialistischen Länder veränderte. Doch inzwischen gelang es dem Kapitalismus, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Sicherlich könnte man dem Gesagten noch einiges hinzufügen (z.B. über die aktuelle Verschärfung der Situation in Libyen, Rußland und Afghanistan, über die besondere Rolle Chinas, über die weltweite Finanzkrise, über die aufkeimende Protestbewegung in Griechenland und in anderen Ländern, über die Folgen der atomaren Bedrohung, über die unterschiedliche Rolle der Kommunistischen Parteien usw.). Die Gegensätze haben sich weiter verschärft. Und nach wie vor trifft zu, was schon Lenin sagte:
„Diese Verschärfung der Gegensätze ist die mächtigste Triebkraft der geschichtlichen Übergangsperiode, die mit dem endgültigen Sieg des internationalen Finanzkapitals ihren Anfang genommen hat.“ [3]

Und noch ein Hinweis aus dem Vorwort Lenins zu der vorliegenden Schrift:
„Ohne die ökonomischen Wurzeln dieser Erscheinung begriffen zu haben, ist es unmöglich, auch nur einen Schritt zur Lösung der praktischen Aufgaben der kommunistischen Bewegung und der kommenden sozialen Revolution zu machen.“ [4]

[1] Grafik: Taschenlexikon für Zeitungsleser, Dietz Verlag, Berlin, 1988, S.145.
(siehe dazu auch: USA-Militärstützpunkte)
[2] W.I.Lenin, „Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus“ , Dietz Verlag, Berlin, 1975, Werke in 6 Bd., Bd.II, S.725f.
[3] W.I.Lenin, ebd., S.766.
[4] W.I.Lenin, ebd., S.653.

Über die Radioaktivität

Aus aktuellem Anlaß hier nun ein kleiner Ausflug in die Physik. In seinem Interview am 25.3.2011 (junge Welt) sprach der Physiker und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e. V., Sebastian Pflugbeil, davon, daß in dem Gebiet, das 15 bis 58 Kilometer von den Reaktoren des AKW Fukushima entfernt ist, am Boden „zwischen 200.000 und 900.000 Becquerel (Bq) Beta-Gamma-Kontamination gemessen wurden – das sind Werte, die für die Sperrzone um das vor 25 Jahren havarierte AKW Tschernobyl typisch sind.“ Die Maßeinheit Becquerel beschreibt den Zerfall von Atomen in einer Sekunde. Es ist ein Maß für die Aktivität. Im Jahr 1986, nach dem Reaktorunfallunfall in Tschernobyl stieg die Radioaktivität auch bei uns an. Milch, zum Beispiel, hat normalerweise eine Aktivität von 1 Bq pro Liter. Doch zu der Zeit stieg die Aktivität auf 800 Bq pro Liter. Das bedeutet, daß mehr als 800 Atome in Sekunde zerfielen.

Die physikalische Wirkung der radioaktiven Strahlung

Wenn nun die radioaktive Strahlung in Materie eindringt, so hat sie häufig ionisierende Wirkung, d.h. die Atome dieser Materie verlieren Elektronen. Und diese Materie nimmt unter Einwirkung von radioaktiver Strahlung Energie auf. Diese Energie, die ein Kilo Materie aufgenommen hat, ist ein Maß für die physikalische Wirkung der Strahlung. Sie wird gemessen in Gray: 1Gy = 1J/kg. Es gibt nun aber auch unterschiedliche Strahlungsarten: Alpha- Beta- und Gammastrahlung. Diese haben unterschiedliche Wirkung auf Lebenwesen.

Die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung

Wird zum Beispiel eine Energiedosis von 1 Gy zugeführt, so ist die Wirkung auf Lebenwesen, d.h. biologische Wirkung von Alpha-Strahlung 20mal so hoch ist wie bei Beta- und Gamma-Strahlung. Das Maß für diese biologische Wirkung ist die sogenannte Äquivalentdosis, die berechnet wird in Milli-Sievert (mSv). Man mulitipliziert also die Energiedosis mit einem bestimmten Bewertungsfaktor. Dieser Bewertungsfaktor wurde durch biologische Experimente ermittelt.

Ein Berechnungsbeispiel

Bei der Aufnahme von 1.000 Bq Plutonium-239 über die Atmung ergibt sich beispielweise eine Strahlenbelastung von 50 mSv. Bei der Aufnahme derselben Menge über den Magen-Darmtrakt, also über Essen und Trinken, beträgt die Strahlenbelastung nur 250 μSv. Es ist also zunächst wesentlich gefährlicher, das Zeug einzuatmen.

Ist Radioaktivität etwas Natürliches?

Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland wird vom Amt für Strahlenschutz (BfS) mit etwa 2 mSv im Jahr angegeben. Man unterscheidet zwischen externer und innerer Strahlenbelastung. Die externe Belastung ist auf die kosmische Strahlung und auf andere terrestrische Quellen (z.B. Mauerwerk, Farbe, Nachwirkungen von Kernexplosionen, Nähe von Kernkraftwerken usw.) zurückzuführen. Die innere Strahlenbelastung entsteht durch die Inkorporierung (Aufnahme) radioaktiver Substanzen vor allem in den Muskeln. Dabei können über die Nahrungskette, in denen eine starke Anreicherung erfolgt, schon geringste Spuren von Radionukleiden gefährliche Größenordnungen erreichen.

Sehr anschaulich wird das durch die folgende Übersicht:

Grafik Teil 1Grafik Teil 2Grafik Teil 3

Wenn nun davon berichtet wird, daß kürzlich drei Arbeiter in Fukushima einer Strahlung von 180 Millisievert ausgesetzt gewesen seien, so wäre hier schlimmstenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen. Ist Fukushima also doch harmlos?? Ganz sicher nicht. Gehen wir also weiterhin davon aus, daß auch künftig alles dafür getan wird, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen! Mit anderen Worten: Es werden auch dort (wie 1986 in Tschernobyl) vom AKW-Betreiber TEPCO und von der japanischen Regierung Lügen verbreitet. Und auch das folgende sei dem Leser hier nicht erspart: Es kann also (wie das Beispiel von Tschernobyl zeigt) unter Umständen auch „nur“ ein paar genetische Veränderungen geben…
0_big1_big2_bigTschernobyl-Opfer

Siehe:
junge Welt (25.3.2011 (http://www.jungewelt.de/2011/03-25/052.php)

Der schwere Weg der Erkenntnis

liberteDie französische bürgerliche Revolution (1789-1794)

Nicht immer gelingt es, historische Tatsachen richtig einzuordnen, und nicht immer ist es so einfach, die Zusamenhänge der gesellschaftlichen Entwicklung zu begreifen. Die Gesetzmäßigkeiten halten sich versteckt. Und das führt nicht selten zu Verwirrung. Das gilt vor allem da, wo elementare Grundkenntnisse nicht vorausgesetzt werden können. Da reimt sich einer zusammen, was er nicht versteht. Und die Argumente kommen nicht selten aus den Medien (s.Meinungsmanipulation). Das führt zu widerstreitenden Auffassungen, Meinung steht gegen Meinung, und die Befürworter und Gegner liefern sich heftige Gefechte. Und das wiederum führt zu Kompromissen, die eigentlich keine sind, denn die herrschende Klasse diktiert am Ende das Ergebnis. Schon 1908 schrieb Lenin:

„Ein bekannter Ausspruch lautet: Würden geometrische Axiome an menschliche Interessen rühren, so würde man sicherlich versuchen, sie zu widerlegen.“ (1)

Natürlich lassen sich mathematische Axiome nicht widerlegen. Doch ganz so einfach ist es mit den Gesellschaftswissenschaften nicht. Der dialektische und historische Materialismus zeichnet sich dadurch aus, daß er auf strengen wissenschaftlichen Grundsätzen beruht. Er läßt keinerlei Raum für Spekulationen, den Glauben an Gott oder ein höheres Wesen. Er verbindet den Marxismus-Leninismus mit der politischen Ökonomie und legt damit den Grundstein für eine wissenschaftliche Auffassung vom Kommunismus. Eine „Freiheit“, unabhängig von diesen Gesetzmäßigkeiten, kann es nicht geben.

Marx zeigte: nur bewußtes und organisiertes Handeln verändert die Welt

Lenin schreibt weiter: „Naturgeschichtliche Theorien, die an alte theologische Vorurteile rührten, wurden und werden bis zum heutigen Tage aufs schärfste bekämpft. Kein Wunder, daß die Lehre von Marx, die unmittelbar der Aufklärung und Organisierung der fortgeschrittensten Klasse der modernen Gesellschaft dient, die die Aufgaben dieser Klasse zeigt und die infolge der ökonomischen Entwicklung unausbleibliche Ablösung der heutigen Ordnung durch eine neue nachweist, kein Wunder, daß diese Lehre sich jeden Schritt auf ihrem Lebensweg erst erkämpfen mußte.“ (2)

Woher kommt dieses Bewußtsein?

Ganz allgemein gesagt, kommt bewußtes und organisertes Handeln daher, daß Menschen sich über die Ziele ihres Handeln im klaren sind, die herrschenden Gesetzmäßigkeiten erkannt haben und sie gemeinsam eine Veränderung anstreben, wenn also die objektiven gesellschaftlichen Gesetze erkannt und so beherrscht werden, daß die Ziele, die sich die Gesellschaft stellt, mit den Ergebnissen ihres Handelns übereinstimmen. Das ist jedoch unter kapitalistischen Verhältnissen nicht möglich. Hier herrscht immer die Anarchie der Produktion und die Ungerechtigkeit in der Verteilung der Ergebnise der produktiven Arbeit. Voraussetzung für einen Übergang zu einer neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung ist daher immer das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln sowie ein hoher Vergesellschaftungsgrad der Arbeit und der Sieg der sozialistischen Revolution.
Friedrich Engels sagte: „Die objektiven fremden Mächte, die bisher die Geschichte beherrschten, treten unter die Kontrolle der Menschen selbst. Erst von da an werden die Menschen ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst machen, erst von da an werden die von ihnen in Bewegung gesetzten gesellschaftlichen Ursachen vorwiegend und in stets steigendem Maße auch die von ihnen gewollten Wirkungen haben.“

Quellen:
1) W.I. Lenin, Marxismus und Revisionismus, In: Werke, Berlin 1962, Bd. 15, S.17
(2) W.I. Lenin, ebd. S.17.
(3) Friedrich Engels, Herr Eugen Dühring’s…, In: AW 6 Bd., Bd.V, S.311

Marschall Shukow über Stalin

StalinStalin in seinem Arbeitszimmer

In einem Auszug aus einem Buch schreibt Klaus Wallmann sen. folgendes:

Es gehört zum guten Ton in den Kreisen der Revisionisten und Antikommunisten, Stalin bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit in Bausch und Bogen zu verdammen.

So konnte man auch während der Berichterstattung der bürgerlichen Medien anläßlich des 60. Jahrestages des Sieges über den Hitler-Faschismus immer wieder die alten Legenden hören, die teilweise sogar von sogenannten „Kommunisten“ in die Welt gesetzt wurden, die sich einst selbst zu „engen Freunden“ Stalins ernannten und sogar seinen Sarg trugen. Allen voran der Erste Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion Nikita Chruschtschow, der mit der berühmt-berüchtigten „Geheimrede“ vor dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 unter dem Deckmantel des „Kampfes gegen den Personenkult“ die schmutzige Kampagne gegen Stalin eröffnete. Allein die Tatsache, daß die „Geheimrede“ nur vor dem sowjetischen Volk geheim gehalten wurde, nicht aber gegenüber den westlichen Imperialisten, ist bezeichnend für den Wahrheitsgehalt der darin geäußerten Beschuldigungen. Eine davon, in den letzten Tagen in den bürgerlichen Medien immer wieder kolportiert, ist die Behauptung, daß Stalin nach dem Angriff Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion im Juni 1941 für lange Zeit untätig blieb, weil er demoralisiert war.

Chruschtschow log

“Man sollte nicht vergessen, zu erwähnen, daß nach den ersten schweren Mißerfolgen und den an den Fronten erlittenen Niederlagen Stalin der Ansicht war, daß das Ende gekommen sei. In einem Gespräch jener Tage sagte er: ‚Alles, was Lenin geschaffen hat, haben wir unwiederbringlich verloren.‘ Danach leitete Stalin über lange Zeit faktisch keine Militäroperationen und befaßte sich überhaupt nicht mit irgendwelchen Angelegenheiten …“ (1) So Chruschtschow in seiner Geheimrede.

Aus Shukows Memoiren

Völlig entgegengesetzt schreibt Marschall G.K. Sukow in seinen Memoiren: „Stalin war ein willensstarker Mann und kein Feigling. Ich sah ihn nur einmal niedergeschlagen; im Morgengrauen des 22. Juni 1941. Seine Zuversicht, daß ein Krieg vermieden werden könnte, hatte ihn getrogen. Nach dem 22. Juni 1941 hat Stalin während des ganzen Krieges mit dem Zentralkomitee der Partei und der Sowjetregierung fest und sicher das Land, die militärischen Operationen und die internationalen Angelegenheiten geleitet.“
Zwei ganz unterschiedliche Beschreibungen des Verhaltens Stalins nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion liegen uns hier vor. Welche entspricht der Wahrheit?

Steve Main befaßte sich mit Stalins Terminkalender

Steve Main von der Universität Edinburgh befaßte sich mit Stalins Terminkalendern der betreffenden Zeit und kommt zu dem Schluß, daß Stalin „weit entfernt davon [war] zu verschwinden und sich in seiner Privatwohnung im Kreml oder in seiner Datscha in Kuntsewo zu verbergen“, und daß „Stalin ganz sicher in der ersten Woche des deutsch-sowjetischen Krieges ein sehr anstrengendes Arbeitspensum erfüllte und dabei wenig von der Panik und der Angst an den Tag legte, die ihm gewöhnlich sowohl von westlichen als auch von russischen Historikern nachgesagt werden.“ (2)

Diese Tagebücher zeigen, so Main, daß am „…allerersten Tag des Krieges, dem 22. Juni, Stalins offizieller Arbeitstag um 05:45 Uhr begann und um 16:45 Uhr zuende war. … Stalin traf sich mit verschiedenen hochrangigen Persönlichkeiten der sowjetischen Regierung und des sowjetischen Militärs wie Molotow (Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten), Timoschenko (Volkskommissar für Verteidigung), Shukow (Generalstabschef der Roten Armee), Kusnezow (Kommandeur des nordkaukasischen und des baltischen Militärdistrikts) sowie mit Schaposchnikow (Stellvertretender Volkskommissar für Verteidigung). Alles in allem hatte Stalin schon am ersten Tag des Angriffs Treffen mit über 15 Mitgliedern der Sowjetregierung und des Militärapparats.“ (3)

Shukow schreibt in seinen Erinnerungen…

Nach Marschall Georgi Shukows Erinnerung war Stalins Arbeitstag am ersten Kriegstag sogar noch ausgedehnter als dies sein Terminkalender beweist. So erwähnt Shukow, daß er mit Stalin noch dreißig Minuten nach Mitternacht telefonierte: „Alles wies jetzt darauf hin, daß deutsche Truppen an die Grenze verlegt wurden. Um dreißig Minuten nach Mitternacht informierten wir Stalin. Stalin erkundigte sich, ob die Anweisung an sämtliche Distrikte ergangen sei. Ich bejahte dies.“

Um 03:30 Uhr wurde Shukow angewiesen, Stalin zu wecken: „Um 03:30 … wies mich der Verteidigungskommissar an, Stalin anzurufen. Ich fing an zu telefonieren. … Schließlich hörte ich die verschlafene Stimme des diensthabenden Generals der Sicherheitsabteilung. Ich bat ihn, Stalin anzurufen. Etwa fünf Minuten später nahm Stalin den Hörer ab.“ (4)

Aus dem Terminkalender geht weiter hervor, daß während der ersten Kriegswoche „Stalins offiziell registrierter kürzester Arbeitstag der des 24. Juni war, der etwas mehr als fünf Stunden dauerte; aber das war nach einem Arbeitstag (dem 23. Juni), der offensichtlich fast 24 Stunden lang war, 22 Stunden und 35 Minuten !“ (5)

Auch am 25./26. Juni „hat Stalin den Dokumenten zufolge 24 Stunden lang Besprechungen geführt.“ (6) Sowohl am 26. als auch am 27. Juni „belief sich, den Aufzeichnungen zufolge, die Dauer seines Arbeitstages auf jeweils über 10 Stunden und womöglich in Folge dieses physisch und psychisch aufreibenden Pensums dauerte dann sein Arbeitstag am 28. Juni wieder etwas mehr als 5 Stunden.“ (6)

Daraus ergibt sich, daß von den 168 Stunden der gesamten Woche vom 22.-28. Juni „Stalin den Aufzeichnungen zufolge Unterredungen geführt hat, die insgesamt 88 Stunden und 40 Minuten dauerten.“ (7) Alles in allem „…hatte Stalin in diesem Zeitraum 158 Zusammenkünfte mit, unter anderem, 45 hochrangigen Regierungsvertretern und hochgestellten militärischen Persönlichkeiten.“ (7)

Chruschtschows Lügen sind widerlegt

All das widerlegt den Lügner Chruschtschow und die, die dessen Lüge bewußt oder unbewußt weitertragen. Auch Molotow bestätigt, es sei „falsch zu behaupten, daß er (Stalin – K.W.) verwirrt war. Er war besorgt, aber er ließ es sich nicht anmerken. Zu sagen, daß er nicht besorgt gewesen war, wäre lächerlich. Es gibt aber Autoren, die ihn darstellen wie er nicht war: wie einen reuigen Sünder! Dies ist natürlich absurd. Während dieser ganzen Zeit arbeitete er wie immer. Er verlor nicht die Selbstkontrolle und ganz gewiß verlor er auch nicht die Sprache.“ (8)

Auch Main kommt zu dieser Schlußfolgerung: „Nach seinem Terminkalender, den Äußerungen seiner Zeitgenossen und den bedeutsamen Maßnahmen, die sowohl von der Partei als auch vom Staat usw. getroffen wurden, zu urteilen, ist die Ansicht, daß Stalin sich während der kritischen ersten Tage des deutsch-sowjetischen Krieges über irgendeinen bestimmten Zeitraum hinweg zurückgezogen habe, nicht mehr vertretbar.“ (8)

Chruschtschows Darstellung eines passiven und demoralisierten Stalin in der ersten Phase des deutsch-sowjetischen ist mit den inzwischen bekannt geworden Tatsachen nicht vereinbar. Sie ist ein Bestandteil der politische Propaganda sowohl der sowjetischen Revisionisten, die darauf abzielte, Stalin zu diskreditieren um so den Boden für eine Abkehr vom marxistisch-leninstischen Weg zu ebnen, als auch aller Antikommunisten dieser Welt, die solche Lügen – gerade wenn sie aus dem Mund von „Kommunisten“ kommen, nur allzu begierig aufgreifen, um die Menschen von der einzig vernünftigen Alternative zum Kapitalismus abzuhalten.

Klaus Wallmann sen.

Aus: Stalin – Lüge und Wahrheit (Teil 1: Stalins Demoralisierung nach dem Überfall Deutschlands)

(1) Erstmals veröffentlicht in Iswestija ZK KPSS, 1989, Nr. 3, S. 128-170
(2) Steven J. Main, ‚Stalin im Juni 1941. Ein Kommentar zu Cynthia Roberts’, in: ‚Europäisch-asiatische Studien’, Band 48, Nr. 5, Juli 1996, S. 837
(3) Steven J. Main, ebenda, S. 837, die ‚Iswestija’ zitierend, ‚ZK KPSS’, Band 6, 1990, SS. 216-222
(4) Georgi Shukow, ‚Die Erinnerungen des Marschall Shukow’, London, 1971, S. 234-235
(5) Steven J. Main, ebenda, S. 837, ‚Iswestija ZK KPSS’ zitierend, Band 6, 1990, S. 217
(6) Steven J. Main, ebenda, S. 837, ‚Iswestija ZK KPSS’ zitierend, Band 6, 1990, S. 218 f.
(7) Steven J. Main, ebenda, S. 837-838, nach: Generaloberst J. Gorkow, in: ‚Krasnaja swesda’, 21. Oktober 1995
(8) Steven J. Main, ebenda, S. 838, Felix Tschujew zitierend, ‚Sto sorok besed s Molotowym’ 140 Gespräche mit Molotow , in: ‚Kommunist vooruzhenuykh sil’, Bd. 9, 1991, S. 62 f.

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Siehe http://de.dir.groups.yahoo.com/group/karovier/message/7759
(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

P.S. Noch ist das letzte Wort über den Marschall Shukow nicht gesprochen. Bei allen Verdiensten, die sich der Marschall während des Großen Vaterländischen Krieges erwarb, ist aber auch seine zwiespältige Rolle und seine Beteiligung an der heimtückischen Ermordung J.W. Stalins zu beachten. (Dazu an anderer Stelle mehr!)

Siehe auch:
Eine widersprüchliche Persönlichkeit: Der Marschall der Sowjetunion G.K.Shukow

Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie

1. Beispiele aus der Sowjetunion der 30er Jahre
In dem Dokumentarbericht „Die Große Verschwörung“ von M.Sayers und A.Kahn finden wir zahlreiche Beispiel antikommunstischer Attentate:
Während die russischen Verschwörer noch mit dem Ausbau ihrer verräterischen Beziehungen zu den Vertretern Deutschlands und Japans beschäftigt waren, begann bereits eine neue Phase der Geheimoffensive gegen die Sowjetunion: man ging vom Verrat zum Terror über.

Der Bauleiter war ein deutscher Spion

Im April 1934 meldete sich ein Ingenieur namens Bojarschinow im Büro des Bauleiters des außerordentlich wichtigen Kusnezk-Kohlenbeckens in Sibirien. Er fühlte sich durch seltsame Vorgänge in seiner Abteilung beunruhigt. In der letzten Zeit waren auffallend viel Unfälle, Wetterbrände und Maschinenschäden vorgekommen. Bojarschinow befürchtete Sabotage. Der Bauleiter dankte dem Ingenieur für seine Mitteilungen. »Ich werde diese Angaben an die richtige Stelle weiterleiten«, sagte er. »Inzwischen bewahren Sie strengstes Stillschweigen.« Der Bauleiter war der deutsche Spion und Chef der trotzkistischen Sabotageorganisation in Sibirien, Alexei Schestow. Einige Tage später wurde Bojarschinows Leiche in einem Graben gefunden. Er war auf dem Heimweg an einer einsamen Stelle der Landstraße unter die Räder eines in raschem Tempo fahrenden Lastwagens geraten. Der Chauffeur des Lastwagens war ein berufsmäßiger Terrorist namens Tscherepuchin. Schestow hatte ihm den Auftrag erteilt, Bojarschinow zu ermorden, und ihm 15.000 Rubel dafür bezahlt*.

Molotow sollte ermordet werden

Im September 1934 unternahm W.M. Molotow, der Vorsitzende des Rates der Volkskommissare der UdSSR, eine Inspektionsreise durch die sibirischen Bergwerks- und Industriegebiete. Auf der Rückfahrt von einem Bergwerk im Kusnezkbecken drehte der Wagen plötzlich von der Straße ab und rollte einen steilen Abhang hinunter. Knapp vor dem Rand einer Schlucht kippte das Auto um. Molotow und seine Begleiter kamen mit dem Schrecken und leichten Quetschungen davon. Sie waren mit knapper Not dem Tod entgangen. Der Garagenleiter des Ortes, Valentin Arnold, hatte den Wagen gelenkt. Arnold war Mitglied der trotzkistischen Terrororganisation. Schestow hatte ihn mit der Ermordung Molotows beauftragt; es war Arnolds Absicht gewesen, einen Autounfall herbeizuführen und sein eigenes Leben bei dem Attentat zu opfern. Aber im letzten Moment verlor er die Nerven und brachte das Auto kurz vor der Stelle, wo der Unfall sich ereignen sollte, zum Stehen.

Sie standen auf Trotzkis Todesliste

Im Herbst 1934 waren die Terrorgruppen der Rechten und Trotzkisten in allen Teilen der Sowjetunion am Werk. Diesen Terrorgruppen gehörten ehemalige Sozialrevolutionäre und Menschewiki, Berufsmörder und frühere Agenten der zaristischen Ochrana an. In der Ukraine und in Bjelorußland, in Georgien und Armenien, in Usbekistan, Aserbeidshan und den Küstenländern des Fernen Ostens wurden sowjetfeindliche Nationalisten und Faschisten für den terroristischen Apparat angeworben. In vielen Orten stand die Tätigkeit dieser Gruppen unter der direkten Aufsicht nazistischer und japanischer Agenten. Die Namen der Sowjetführer, deren Ermordung beschlossene Sache war, wurden in einer Liste zusammengefaßt. An der Spitze dieser Liste stand Josef Stalin. Es folgten Klementi Woroschilow, W.M. Molotow, Sergej Kirow, Lasar Kaganowitsch, Andrej Shdanow, Wjatscheslaw Menschinski, Maxim Gorki und Valerian Kuibyschew. Leo Trotzki wies in regelmäßigen Schreiben an die Terroristen immer wieder auf die dringende Notwendigkeit hin, die sowjetischen Führer zu beseitigen.

* Das Geld, das der Mörder Bojarschinows von Schestow erhielt, stammte aus einem Geheimfonds von 164.600 Rubel, die trotzkistische Terroristen unter Schestows Anleitung aus der Staatsbank von Ansherka entwendet hatten. Der Fonds war für die Finanzierung von Sabotage- und Terrorakten in Sibirien bestimmt.

Quelle:
Michael Sayers, Albert Kahn, Die Große Verschwörung, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1953, S.260ff.

2. Weitere Beispiele aus der Zeit der Entartung der Sowjetunion, insbesondere nach dem Tode Stalins und mit der Machtübernahme durch den Antikommunisten Chruschtschow
Der Historiker Dr.Kurt Gossweiler dokumentiert in seinem Buch „Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtaschowiade 1953 bis 1964“ eine Reihe politischer Morde, deren Auftraggeber nie gefunden wurden, und bei denen die Umstände des Todes mysteriös waren. Nicht nur im Umfeld Chruschtschows, sondern seit langem auch bei den Nazis und in der CIA gab es bekanntlich Spezialisten der Verschleierung. Auch heute bedient sich die Bourgeoisie solcher Methoden, um Kommunisten möglichst spurlos zu beseitigen. Warum gerade die? Weil gerade die Kommunisten nicht erst seit Lenin mutig dafür kämpfen, daß die Machenschaften, Intrigen und Verbrechen der Bourgeoisie und ihrer Handlanger rückhaltlos aufgedeckt werden. Kurt Gossweiler schreibt:

Das „Neue Deutschland“ vom 4.4.1979 berichtet: „Die CIA experimentierte mit ‚unverdächtigen Todesarten‘. Der USA-Geheimdienst CIA hat in den 50er Jahren mit ‚unverdächtigen Todesarten‘ zur Beseitigung unliebsamer Politiker experimentiert. Es war beabsichtigt, die CIA-Morde wie ’natürliche Todesfälle‘ mit den Symptomen von Krebs oder Herzattacken erscheinen zu lassen. Das geht aus den CIA-Akten hervor, deren Herausgabe vom Washingtoner Büro für Attentatsinformationen gerichtlich erzwungen worden war.“

Die „plötzlichen und unerwarteten“ Todesfälle

Als ich auf der Antifa-Schule in der Sowjetunion (1943-1947) in den Materialien der heute nur noch als „Schauprozesse“ bezeichneten Gerichtsverhandlungen las, daß Gorki und andere von Ärzten durch falsche Behandlung todkuriert worden seien, hielt ich das in der Tat für eine unglaubwürdige Konstruktion der Anklage. Aber damals wußte ich noch nichts von der Tatsache, daß auch die Medizin und die Mediziner ihre Rolle spielten, nicht nur bei Hofintrigen an feudalen Fürstenhäusern, sondern auch im Klassenkampf, wie die obigen Beispiele belegen. Damals konnte ich auch nicht voraussehen, was mich nachträglich davon überzeugen würde, daß die damaligen Prozeß-Feststellungen über die medizinische Ermordung unbequemer Persönlichkeiten verdienen, nicht einfach als stalinistische Erfindungen vom Tisch gewischt zu werden, nämlich die Serie von „plötzlichen und unerwarteten“ Todesfällen, durch die merkwürdigerweise gerade jene kommunistischen Führer „ausgeschaltet“ wurden, die den Imperialisten, aber auch der neuen Moskauer Führung besonders im Wege standen: Gottwald 1953, Bierut 1956, Thorez 1964 und kurz danach, ebenfalls 1964, Togliatti. Die Umstände ihres Todes sind mysteriös und bis heute ungeklärt. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß der Tod die Genannten ereilte, als sie die Sowjetunion besuchten oder gerade von einem solchen Besuch zurückgekehrt waren.

Quelle:
Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtaschowiade 1953 bis 1964, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung ? Stefan Eggerdinger Verlag, München, 2002, Bd.1, S. 381ff.

(Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Siehe auch:
Wurden Stalin, Gottwald, Bierut, Thorez und Togliatti von Chruschtschows Killern ermordet?

* * *

Ein seltsamer Tod
89239-kProf.Dr.jur. W.I.Iljuchin

In der Nacht vom 19. zum 20.März 2011 verstarb plötzlich und unerwartet der Chefankläger des Militärtribunals ehemaliger sowjetischer Offiziere gegen W.Putin, der Abgeordnete der Staatsduma, das Mitglied des ZK der KPRF, der verdiente Jurist Prof. Dr.jur. W.I. Iljuchin, nach der offiziellen Version an akutem Herzversagen. Die Schnelle Medizinische Hilfe war nicht rechtzeitig erschienen. Ein seltsamer Tod, wenn man den guten physischen Zustand W.I. Iljuchins berücksichtigt und die von ihm veröffentlichten Pläne, die Tätigkeit des öffentlichen Tribunals ehemaliger Sowjetischer Offiziere über die Machenschaften Putins, die Aufdeckung der Fälschungen in der Katyner Sache und über den Molotow-Ribbentrop-Pakt fortzusetzen…

Quelle:
http://kprf.ru/ (22.3.2011)

Siehe auch:
Prof. Iljuchin: Fälscher im russischen Staatsarchiv
Vor einem Jahr wurde Prof.Iljuchin ermordet
Auftragsmord (Made by CIA)

Die Drahtzieher

Im Jahre 1953 erschien im Verlag Volk und Welt, Berlin (DDR), das aufschlußreiche Buch von G.Baumann „Eine Handvoll Konzernherren“, in dem sehr deutlich die Rolle des deutschen Monopolkapitals beschrieben wird. Namentlich sind dort u.a. genannt die Konzernherren Abs, Berg, Brinkmann, Kost, Pferdmenges, Schacht, Werhan …

Im Vorwort dazu schreibt der Arbeiter Johann Blender: „Wir werktätigen Menschen sind heute klüger geworden. Wir wollen nicht noch einmal all das, was wir geschaffen haben, durch die Machenschaften dieser Konzernherren wie Thyssen, Krupp, Pferdmenges, Stinnes usw. verlieren und erneut die Opfer eines räuberischen Eroberungskrieges werden.“

Hier ein Auszug aus dem Buch:

Das Komplott des amerikanischen Imperialismus mit den aggressiven Kräften des deutschen Monopolkapitals bedeutet eine gefährliche Bedrohung des Weltfriedens. Die Versuche, auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens durch die Entmachtung der Monopolherren und Großgrundbesitzer eine demokratische Entwicklung Gesamtdeutschlands einzuleiten, scheiterten am Widerstand der imperialistischen Besatzungsmächte.

Die Gründung des Bonner Separatstaates und seine Verstrickung in den Marshallplan, das Ruhr- und Besatzungsstatut, die Schaffung der europäischen Montan-Union und die dem deutschen Volk aufgezwungenen Bonner Kriegsverträge sind die wichtigsten Etappen auf dem Wege der Beherrschung Westdeutschlands durch den amerikanischen Imperialismus.
Ernst
Die internationalen Verflechtungen des Großaktionärs und Bankiers Dr. Friedrich Ernst

Die Verwandlung Westdeutschlands in eine Basis und in ein Aufmarschgebiet für den geplanten Krieg der USA-Imperialisten gegen die Sowjetunion erfolgt auf Betreiben mächtiger internationaler Banken, Konzerne und Kartelle, an deren Spitze amerikanische Monopole stehen. Ihre Macht reichte aus, um alle Vereinbarungen über die Zerstörung der monopolistischen Wirtschaftskraft in Westdeutschland außer Kraft zu setzen.

Wer sind die Kräfte, auf die sich Adenauer bei seiner Politik des nationalen Verrates stützt? Es ist eine zwar dünne, aber durch ihre vielseitige Verfilzung mit dem internationalen Finanzkapital einflußreiche Schicht von Bank- und Konzernherren, in deren Gefolge geschlagene Hitlergenerale, vaterlandslose Politiker und korrumpierte „Arbeiterführer“ anzutreffen sind. Es sind dieselben reaktionären Kräfte, die mit der Hypothek von zwei angezettelten Weltkriegen belastet sind.
Adenauer

Die Schrittmacher der Versklavung des deutschen Volkes, die Initiatoren zur Unterdrückung der patriotischen deutschen Volksbewegung für nationale Einheit und Abschluß eines Friedensvertrages, die Befürworter eines antisowjetischen Kreuzzuges sind eine Handvoll Monopolkapitalisten, die ihre Profitinteressen über die Interessen ihres Volkes stellen.

Quelle:
G.Baumann, Eine Handvoll Konzernherren, Verlag Volk und Welt, Berlin, 1953.

Libyen – was ist bekannt?

Was ist Libyen?

Nichts genaues weiß man nicht…oder doch? Nachdem in den Rundfunksendern Kommentare verbreitet wurden über den „Diktator“ Ghadaffi, der in Libyen sein „Unwesen treibt“, und der „sein Volk abschlachtet“, begann das verlogene Gerede über eine „Flugverbotszone“, angeblich um das Volk zu schützen und die „Opposition“ zu unterstützen (was erst mit einem UN-Beschluß möglich sei), das gipfelte dann in einer „Allianz der Willigen“ zur „internationalen Hilfe“ für das libysche Volk – was nichts anderes bedeutet als das direkte militärische Eingreifen der imperialistischen Länder unter Führung der USA, Bombardement und Raketenbeschuß von Tripoli und anderen Städten dieses Landes, eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten, bis hin zu der irrsinnigen Erklärung, es habe Kritik an der „Zurückhaltung“ der BRD gegeben.

a) Wirtschaft, Allgemeines: Libyen ist ein Industrie-Agrar-Land mit entwickelter Erdölindustrie. Die Erdölgewinnung hat einen Anteil von 53% am Bruttosozialprodukt (1982). Es gehört zu den bedeutendsten erdölfördernden Ländern der Welt. Die hohen Einnahmen aus dem Erdölexport (1983: 10 Mrd. US-$) gestatten umfangreiche Investitionen in Industrie, Landwirtschaft und Infrastruktur sowie weitgehende Leistungen im sozialen Bereich. Einen noch geringen Anteil an der Bildung des Bruttosozialproduktes haben die Landwirtschaft (1982: 1,9%), die verarbeitende Industrie (2,8 %) und das Transportwesen (4,7 %).
Libyenbildb) Nationalisierungsmaßnahmen: Nach dem Sturz der Monarchie am 1. Sept. 1969 durch junge patriotische Offiziere erwies sich die Auseinandersetzung mit dem Auslandskapital als Schlüsselproblem für die wirtschaftliche Entwicklung Libyens. Ausländisches Kapital im Finanz-, Handels- und Dienstleistungssektor sowie in der Landwirtschaft wurde verstaatlicht. Durch schrittweise Nationalisierungsmaßnahmen seit 1971 wurde die Dominanz des Auslandskapitals in der Erdölwirtschaft beseitigt. Diese Veränderungen der sozialökonomischen Verhältnisse führten zur Herausbildung eines relativ starken staatlichen Sektors, der gegenwärtig über 90% aller Produktionsmittel der verarbeitenden Industrie verfügt sowie 70% der Erdölförderung erbringt. Die seit 1969 eingeleitete Entwicklungsstrategie zielt darauf ab, die Rohölproduktion auf ein ökonomisch und technisch vernünftiges Niveau zu begrenzen, höhere Gewinne aus der Erdölproduktion zu realisieren, den Erdölsektor in die Volkswirtschaft zu integrieren sowie die Wirtschaft vielseitiger zu gestalten.
Ghadaffi_SarkozyGhadaffi kauft Waffen in Frankreich

c) Lage der Werktätigen: Ein besonderes Problem der libyschen Wirtschaft stellt die Arbeitskräftesituation dar. 1982 waren 45,7% der 1.083.700 Gesamtbeschäftigten Ausländer. Die stetige Steigerung des Nationaleinkommens, zurückzuführen auf auf die hohen Einnahmen aus dem Erdölexport, gestatten der libyschen Führung großzügige soziale Maßnahmen zum Wohle der libyschen Bürger. Das Pro-Kopf-Einkommenstieg von 6.450 US-$ 1978 auf 9.000 US-$ 1983. Die Mieten und Preise für bestimmte Nahrungsmittel werden subventioniert. Der 8-Stunden-Tag wurde realisiert, der Mindestverdienst und die Renten wurden kontinuierlich erhöht. Fortschritte wurden bei der Gleichberechtigung der Frau in der libyschen Gesellschaft – inbesondere im Bildungswesen – erzielt.
Tripolid) Ressourcen: Die Bodenschätze sind nur zum Teil erkundet. Außer Erdöl und Erdgas werden Gips, Kalkstein, Ton, Kalisalz, Marmor und Pottasche abgebaut. Der Abbau von Eisenerz, Phosphaten, Uran, Bauxit, Kupfer und Zinn ist vorgesehen. Libyen verfügt über rd. 3,4 Mrd. t Erdölvorräte und Erdgasvorkommen, die auf 695 Mrd. m3 veranschlagt werden.

e) Industrie: Die Entwicklung der Wirtschaft wird in hohem Maße von der Erdöl- und Erdgasförderindustrie bestimmt. Vor 1969 waren 42 ausländische Erdölgesellschaften in Libyen tätig. Seit Sept. 1973 müssen sämtliche ausländischen Erdölkonzerne dem Staat eine Mindestbeteiligung von 51% einräumen. Über die 1973 geschaffene libysche Erdölgesellschaft Libyan National Oil Co. (LNOC) kontrolliert der Staat mehr als zwei Drittel der Erdölproduktion des Landes. Libyen kann seinen Bedarf an verarbeiteten Erdölprodukten vollständig decken und große Mengen exportieren.
Erdöl(Quelle: Länder der Erde, Politisch-ökonomisches Handbuch, Verlag Die Wirtschaft, Berlin (DDR), 1985)

Anmerkung:
Natürlich sind diese Angaben längst überholt, doch daraus ergibt sich, daß Libyen auch in der Vergangenheit nicht bereit war, sich dem Diktat der imperialistischen Mächte beugen.

Siehe auch:
So grausam war Ghadaffi…

Die Lüge vom Verschwinden der arbeitenden Klasse

Um das Proletariat* von Klassenauseinandersetzungen abzuhalten, werden von der Bourgeoisie immer wieder aufs Neue Lügen in Umlauf gesetzt, in denen von der „Ohnmacht der Lohnarbeiter“, von „Strukturwandel“, von „Rückgang der Arbeitslosenzahlen“ und vom „Schrumpfen der Industriearbeiterklasse“ die Rede ist. Schon in den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es Theorien über die angebliche Interessensgleichheit der Klassen, über „Klassenharmonie“ und eine „Konvergenz“ zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Unter sogenannten „Sachzwängen“ der wissenschaftlich-technischen Revolution vollziehe sich die „politische Liberalisierung“ und eine „Entideologisierung“ der Gesellschaft, was schließlich zur Herausbildung eines „neuen“ Gesellschaftssystems führe. All diese antikommunistischen Theorien zielten und zielen letzenendes darauf ab, den Marxismus-Leninismus zu entstellen und ihn für überflüssig zu erklären.

Auch wenn es gegen Ende der 80er Jahre gelang, die Partei der Arbeiterklasse von innen her aufzuweichen und damit den Sozialismus zu besiegen, so ist das noch lange kein Beleg für die Richtigkeit dieser Theorien.

Was ist das für eine Klasse und welche Eigenschaften hat sie?

Lenin schreibt 1919 in seinem Brief an die ungarischen Arbeiter:
Nur diejenige unterdrückte Klasse ist fähig, durch ihre Diktatur die Klassen aufzuheben, die durch den jahrzehntelangen Streikkampf und den politischen Kampf gegen das Kapital geschult, vereinigt, erzogen und gestählt ist;

– nur die Klasse, die sich die gesamte städtische, industrielle, großkapitalistische Kultur zu eigen gemacht hat, besitzt die Entschlossenheit und Fähigkeit, sie zu behaupten, zu bewahren und alle ihre Errungenschaften fortzuentwickeln, sie dem ganzen Volke, allen Werktätigen zugänglich zu machen;

– nur die Klasse, die all die Lasten, Prüfungen, Unbilden und großen Opfer zu ertragen vermag, die die Geschichte unvermeidlich dem auferlegt, der mit dem Vergangenen bricht und sich kühn den Weg zu einer neuen Zukunft bahnt

– nur die Klasse, in der die Besten voller Haß und Verachtung gegen alles Spießbürgerliche und Philisterhafte sind, gegen diese Eigenschaften, die im Kleinbürgertum, bei den kleinen Angestellten, bei der „Intelligenz“ so sehr in Blüte stehen

– nur die Klasse, die die „stählende Schule der Arbeit“ durchgemacht hat und jedem Werktätigen, jedem ehrlichen Menschen Achtung vor ihrer Leistungsfähigkeit einzuflößen vermag.

Quelle:
W.I. Lenin, Werke, Bd.29, S.376-380

*Anmerkung:
Zum Proletariat gehören alle diejenigen Lohnarbeiter, die – weil sie kein Eigentum an Produktionsmitteln besitzen – gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt dadurch zu bestreiten, indem sie ihre Arbeitskraft an die Kapitalistenklasse verkaufen, wobei sie für diese Klasse die Existenzmittel und den Reichtum schaffen, und so – unabhängig von der Höhe ihres Lohnes – ausgebeutet werden. Die überwältigende Mehrheit der Bevölkerung besteht aus Lohnempfängern. Kleine und mittlere Unternehmer, sowie deren mithelfende Ehefrauen, arbeiten indessen für den Profit und den Erhalt der eigenen Firma. Sie zählen nicht zu den Lohnempfängern. Der unversöhnliche Interessengegensatz zwischen dem Proletariat und der Kapitalistenklasse ist die Grundlage des Klassenkampfes. Darin besteht der unlösbare Hauptwiderspruch des Kapitalismus, es ist der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneigung.

Siehe auch:

Das Märchen vom „Strukturwandel“
Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?