Über die Radioaktivität

Aus aktuellem Anlaß hier nun ein kleiner Ausflug in die Physik. In seinem Interview am 25.3.2011 (junge Welt) sprach der Physiker und Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz e. V., Sebastian Pflugbeil, davon, daß in dem Gebiet, das 15 bis 58 Kilometer von den Reaktoren des AKW Fukushima entfernt ist, am Boden „zwischen 200.000 und 900.000 Becquerel (Bq) Beta-Gamma-Kontamination gemessen wurden – das sind Werte, die für die Sperrzone um das vor 25 Jahren havarierte AKW Tschernobyl typisch sind.“ Die Maßeinheit Becquerel beschreibt den Zerfall von Atomen in einer Sekunde. Es ist ein Maß für die Aktivität. Im Jahr 1986, nach dem Reaktorunfallunfall in Tschernobyl stieg die Radioaktivität auch bei uns an. Milch, zum Beispiel, hat normalerweise eine Aktivität von 1 Bq pro Liter. Doch zu der Zeit stieg die Aktivität auf 800 Bq pro Liter. Das bedeutet, daß mehr als 800 Atome in Sekunde zerfielen.

Die physikalische Wirkung der radioaktiven Strahlung

Wenn nun die radioaktive Strahlung in Materie eindringt, so hat sie häufig ionisierende Wirkung, d.h. die Atome dieser Materie verlieren Elektronen. Und diese Materie nimmt unter Einwirkung von radioaktiver Strahlung Energie auf. Diese Energie, die ein Kilo Materie aufgenommen hat, ist ein Maß für die physikalische Wirkung der Strahlung. Sie wird gemessen in Gray: 1Gy = 1J/kg. Es gibt nun aber auch unterschiedliche Strahlungsarten: Alpha- Beta- und Gammastrahlung. Diese haben unterschiedliche Wirkung auf Lebenwesen.

Die biologische Wirkung radioaktiver Strahlung

Wird zum Beispiel eine Energiedosis von 1 Gy zugeführt, so ist die Wirkung auf Lebenwesen, d.h. biologische Wirkung von Alpha-Strahlung 20mal so hoch ist wie bei Beta- und Gamma-Strahlung. Das Maß für diese biologische Wirkung ist die sogenannte Äquivalentdosis, die berechnet wird in Milli-Sievert (mSv). Man mulitipliziert also die Energiedosis mit einem bestimmten Bewertungsfaktor. Dieser Bewertungsfaktor wurde durch biologische Experimente ermittelt.

Ein Berechnungsbeispiel

Bei der Aufnahme von 1.000 Bq Plutonium-239 über die Atmung ergibt sich beispielweise eine Strahlenbelastung von 50 mSv. Bei der Aufnahme derselben Menge über den Magen-Darmtrakt, also über Essen und Trinken, beträgt die Strahlenbelastung nur 250 μSv. Es ist also zunächst wesentlich gefährlicher, das Zeug einzuatmen.

Ist Radioaktivität etwas Natürliches?

Die natürliche Strahlenbelastung in Deutschland wird vom Amt für Strahlenschutz (BfS) mit etwa 2 mSv im Jahr angegeben. Man unterscheidet zwischen externer und innerer Strahlenbelastung. Die externe Belastung ist auf die kosmische Strahlung und auf andere terrestrische Quellen (z.B. Mauerwerk, Farbe, Nachwirkungen von Kernexplosionen, Nähe von Kernkraftwerken usw.) zurückzuführen. Die innere Strahlenbelastung entsteht durch die Inkorporierung (Aufnahme) radioaktiver Substanzen vor allem in den Muskeln. Dabei können über die Nahrungskette, in denen eine starke Anreicherung erfolgt, schon geringste Spuren von Radionukleiden gefährliche Größenordnungen erreichen.

Sehr anschaulich wird das durch die folgende Übersicht:

Grafik Teil 1Grafik Teil 2Grafik Teil 3

Wenn nun davon berichtet wird, daß kürzlich drei Arbeiter in Fukushima einer Strahlung von 180 Millisievert ausgesetzt gewesen seien, so wäre hier schlimmstenfalls mit einem erhöhten Krebsrisiko zu rechnen. Ist Fukushima also doch harmlos?? Ganz sicher nicht. Gehen wir also weiterhin davon aus, daß auch künftig alles dafür getan wird, um die Bevölkerung nicht zu beunruhigen! Mit anderen Worten: Es werden auch dort (wie 1986 in Tschernobyl) vom AKW-Betreiber TEPCO und von der japanischen Regierung Lügen verbreitet. Und auch das folgende sei dem Leser hier nicht erspart: Es kann also (wie das Beispiel von Tschernobyl zeigt) unter Umständen auch „nur“ ein paar genetische Veränderungen geben…
0_big1_big2_bigTschernobyl-Opfer

Siehe:
junge Welt (25.3.2011 (http://www.jungewelt.de/2011/03-25/052.php)

Ein Gedanke zu “Über die Radioaktivität

  1. Wenn die Katastrophe in Japan, in China, Nordkorea oder Russland geschehen wäre, hätte sich die imp. Welt das Maul zerrissen. So aber alles halb so schlim und unter Kontrolle. Wenn man aber gesehen hat wie mit den Menschen in Japan umgegangen wird und das Obdachlose dazu verurteilt werden ihr Leben für den Profit der Multis einzusetzen, zeugt das von einer beispiellosen menschenverachtenden Politik. Vom ersten Tag an wurde mit der Verharmlosung der Katastrophe das Volk und die Völker der Welt getäuscht. Die stümperhaften Methoden bei der Katastrophenbewältigung zeugen davon, daß diese Staaten nicht im geringsten dazu befähigt sind mit dieser gefährlichen Energiequelle umzugehen, geschweige denn diese zu beherrschen. Das imp. System scheut alle Kosten die den Menschen schützt. Die Hilfe aus der BRD beinhaltet u.a. Taschenlampen, hoffentlich haben sie die Batterien auch gleich mitgeliefert.

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