Was ist Chauvinismus?

Nicht selten findet man in der BRD auch heute noch chauvinistische Ansichten, und nicht nur an den Stammtischen. Das hat eine gewisse Tradition. Oft werden Vorurteile von einer Generation auf die andere übertragen. Dies zu ändern ist eben eine Frage der Erziehung. Allein schon deshalb durchzog der proletarische Internationalismus, wie er durch K.Marx und F.Engels im Kommunistischen Manifest begründet wurde, in der DDR praktisch die gesamte sozialistische Pädagogik.

Ein typisches Beispiel von Chauvinismus

Der Arzt Dr.Ludwig Külz (1875-1938) war Chauvinist. In Borna rühmt man sich seiner, in dem man schreibt, Külz setzte sich „…verstärkt für die Belange der ‚Neger‘ ein, letztendlich waren sie für ihn auch Menschen. Das war für diese Zeiten nicht selbstverständlich.“ Doch lassen wir ihn selbst zu Wort kommen. Er schreibt: „Werfen wir einen Blick auf das schwarze Material der Schutz- und Polizeitruppe. Das Wort ‚Soldat‘ ist für diese Gesellschaft nach meinem Geschmack viel zu schön. … Man wird einem Schwarzen wohl Gewehrgriffe und das Exerzierreglement beibringen können, aber alles das, was wir unter dem Begriffe des soldatischen Geistes zusammenfassen, nicht. Wir können ihn in den Tropen zwar nicht entbehren, aber allzu stolz dürfen wir auf ihn nicht sein. Wenn er auch rücksichtslos auf den Feind losgeht, so tut der dies natürlich nicht im Dienste für das Vaterland oder aus irgendwelchen edleren Regungen, sondern lediglich, weil die seit Jahrhunderten ihm in den Gliedern sitzende Freude am Kampfe wieder einmal zum Durchbruch kommt, weil er wieder Gelegenheit findet, sich als den Überlegenen zu finden und mit der Erlaubnis des Weißen seinen Gegner niederzuschießen. … Ich glaube, daß bisher viel zu viel Nachsicht gegen diese Gesellschaft geübt wird, weil der heimische Soldatenbegriff ungerechtfertigterweise auf sie übertragen wird. … Wir müssen uns der schwarzen Soldaten wohl in Ermangelung eines Bessern als Werkzeug bedienen, aber unsere Autorität kann er ebensowenig repräsentieren, wie der Henker die Gerechtigkeit verkörpert.“ [1] Und daß Külz die ‚Neger‘ bei ‚Insubordination‘ und kleineren Vergehen mit Prügelstrafen züchtigen ließ, gehörte zu jener Zeit wohl eher zu den Selbstverständlichkeiten des kolonialen Regimes. (S.136)

Was verstehen wir nun unter Chauvinismus?

„Der Chauvinismus [schowinismus; (franz.)] ist eine Form der imperialistischen Ideologie und Politik, die besonders die Aggressivität des staatsmonopolistischen Systems zum Ausdruck bringt. Die Quelle des Chauvinismus ist der Nationalismus. Wesentlicher Inhalt des Chauvinismus ist die Verachtung anderer Nationen und Völker, die bis zur Rassenhetze (z.B. im Faschismus), zur Propagierung offener Feindschaft zwischen den Nationen und Staaten und zur direkten Kriegshetze getrieben wird. Zweck chauvinistischer Agitation und Propaganda ist es, alle Schichten des Volkes geistig auf einen Krieg vorzubereiten, der den revanchistischen Zielen und Eroberungsplänen der Bourgeoisie dient. Die internationale Solidarität der Arbeiter soll verhindert werden.

Der Chauvinismus ist auch auf die Unterdrückung der eigenen Nation gerichtet. Der Klassencharakter des Chauvinismus und seine enge Verbindung mit dem Antikommunismus zeigt sich deutlich in den politischen Konsequenzen. Die gegen die sozialistischen Länder gerichtete Politik der reaktionären imperialistischen Kräfte hat chauvinistische, revanchistische und antikommunistische Ideen zur Grundlage. Die Hauptwaffen der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten im Kampf gegen den Chauvinismus sind sozialistischer Internationalismus und Patriotismus.“ [2]

Quellen:
[1] Dr.Ludwig Külz, Blätter und Briefe eines Arztes aus dem tropischen Deutschafrika, Verlagsbuchhandlung von Wilhelm Süsserott, Berlin, 1910, S.304-306.
[2] Meyers Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1976, S.120f.

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