Sag mir wo du stehst…

JudasFür wen arbeitest Du, Judas Ischariot?

Viele Menschen in den entwickelten kapitalistischen Ländern glauben an gar nichts mehr. Sie verrichten ihre Arbeit (sofern sie eine haben!), sie wollen sich aus allem heraushalten und – wenn es irgendwie geht – am liebsten „neutral“ bleiben. Bis auf einige vielleicht, die sich empören. Wie in Griechenland, Portugal, Rußland, Spanien oder kurzzeitig mal auch in Stuttgart. Doch diese werden dann als „Wutbürger“ beschimpft, und man droht damit (wie in eben Stuttgart), sie „zur Kasse zu bitten“. Als ob man das nicht ohnehin schon tut…

Doch kann sich „neutral“ verhalten? Nein, das kann man nicht. Auf irgendeiner Seite steht man immer. Was bedeutet es nun, Partei zu ergreifen und für seine Überzeugungen einzustehen? Es ist das Verdienst von Marx, Engels und Lenin, den Begriff der Parteilichkeit in die Philosophie eingeführt zu haben. Die Gesellschaftswissenschaft hat gezeigt, daß alles was der Arbeiterklasse nützt, auch im Interesse der Menschlichkeit ist. Was also dem Proletariat nützt, das ist prinzipiell im Interesse der gesamten Menschheit.

Was versteht man unter Parteilichkeit?

Parteilichkeit ist in der heutigen Klassengesellschaft ein Wesenszug aller Formen des gesellschaftlichen Bewußtseins. Da aber das gesellschaftliche Bewußtsein vom gesellschaftlichen Sein bestimmt wird, kann es in unserer Gesellschaft kein einheitliches Bewußtsein geben. Unter diesen Bedingungen wird es immer unterschiedliche Ansichten und antagonistische Widersprüche geben. Denn die Gesellschaft ist gespalten, und die Menschen werden von der Bourgeoisie beeinflußt, und sie sind manipuliert. Das betrifft den einfachen Arbeiter ebenso wie den Wissenschaftler.
LeninKann man sich heute aus allem heraushalten?

In der ganzen Geschichte der menschlichen Gesellschaft ergreifen die Menschen – bewußt oder unbewußt – praktisch Partei. Auch scheinbare Neutralität, Gleichgültigkeit gegenüber dem Kampf der Parteien, ist parteilich; sie erweist sich als stillschweigende Unterstützung der herrschenden Klassen. Neutralität ist in einer in Klassen gespaltenen Gesellschaft unmöglich. Das parteiliche Handeln der Menschen wird in der Ideologie – wenn auch oft ungenau – widergespiegelt. Das parteiliche Denken der Menschen jedoch ist eine kompliziertere gesellschaftliche Erscheinung als das parteiliche Handeln, denn die Ideologie ist keine direkte, unmittelbare Widerspiegelung der gesellschaftlichen Verhältnisse.

Nur wer die Spielregeln durchschaut, kann sich richtig entscheiden

Solange den Menschen die Einsicht in die Entwicklungsgesetze der Gesellschaft fehlt, ist das Abbild der realen gesellschaftlichen Vorgänge im gesellschaftlichen Bewußtsein mehr oder weniger verzerrt. Jede Gesellschaftsklasse hat ihre besondere Weltanschauung. In allen antagonistischen Klassengesellschaften ist es das Anliegen der Ideologen der herrschenden Klassen, das Privateigentum zu rechtfertigen. Dadurch wird der Anschein erweckt, als gebe es zeitlose philosophische Ideen, die nicht vom Wandel der Gesellschaft berührt werden. Diese Tatsache kommt den bürgerlichen Ideologen bei ihrer Eigentums und Staatsapologetik entgegen: Staat und Eigentum sind scheinbar in der menschlichen Natur begründet und entsprechen ihr. (…) Die Ideologen vertreten stets die Interessen einer bestimmten Gesellschaftsklasse, ob sie sich dessen bewußt sind oder nicht.

Was ist denn nun die reine Wahrheit?

Es ist bürgerlicher Klassensubjektivismus, wenn die bürgerlichen Ideologen vorgeben, unparteiisch nur der objektiven Erforschung der reinen Wahrheit zu dienen. Diese Pseudo-Objektivität wird Objektivismus genannt. Er ist das Gegenteil von echter Objektivität. Objektiv an die Dinge herangehen heißt sie so erfassen, wie sie wirklich sind, ohne Rücksicht auf besondere Interessen, ohne sie durch Klassensubjektivismus zu verzerren. (…)

Wer vertritt eigentlich die Interessen der arbeitenden Menschen?

Die Aufdeckung der Wahrheit über die Gesellschaft entspricht den objektiven Interessen der Arbeiterklasse, da sie historisch als die Interessenvertreterin der Menschheit und die Vollstreckerin der geschichtlichen Notwendigkeit auftritt. Daher fällt die proletarische Parteilichkeit nicht nur mit echter Objektivität zusammen, sondern bildet geradezu eine Voraussetzung für die wahre Erkenntnis der gesellschaftlichen Zusammenhänge. Es ist das wissenschaftliche Verdienst von Karl Marx und Friedrich Engels, die historische Rolle der Arbeiterklasse erkannt und die neue Philosophie auf den Boden dieser Klasse gestellt zu haben.

Die Kommunisten sprechen die Wahrheit offen aus

Die Entwicklung der Gesellschaftswissenschaften hat bewiesen, daß nur vom Klassenstandpunkt der Arbeiterklasse aus die gesellschaftlichen Tatsachen wissenschaftlich erfaßt werden können. Die marxistische Philosophie unterscheidet sich bezüglich ihrer Parteilichkeit von den bürgerlichen Philosophien dadurch, daß sie ihre Parteilichkeit offen ausspricht…

Quelle:
Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1965, S.482-484 (Zwischenüberschriften von mir – N.G.)

Nachtrag:
Kürzlich war irgendwo zu lesen, daß ein bürgerlicher Wissenschaftler eine neue Theorie aufgestellt habe, in der er behauptet, daß die politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in der Struktur der Gesellschaft auf deren ethnische Zusammensetzung zurückführen seien. Das ist natürlich Unsinn! Und es lohnt sich nicht, darüber nachzudenken. Man muß nur einfach zwei Dinge auseinanderhalten: Die Wissenschaft (die Theorie) und den Intellekt des Gelehrten (know how) einerseits und die Gesellschaft bzw. den Nutzen der Wissenschaft für die Gesellschaft (cui bono?) andererseits. Denn auch die Wissenschaft ist eine parteiliche Angelegenheit!

M.W.Lomonossow (1711-1765), zum Beispiel, war ein russischer Gelehrter. Er arbeitete in seinem Land und für sein Land. Er studierte in Freiberg und in Marburg, aber er kehrte nach Hause zurück und gründete in Moskau eine Universität. Das war vor knapp 300 Jahren so. Heute werden die Wissenschaftler eingekauft (braindrain). Sie kosten für denjenigen, der ihr Wissen nutzen will, nicht mehr als ein Werkzeug. Und so ist es auch nicht verwunderlich, daß diese Wissenschaftler, diese Fachkräfte – wie viele andere Menschen auch – heute keine Heimat mehr haben. Müssen wir nicht die Schuld für einen solchen Verrat zuerst bei denen suchen, die ihre Arbeitskraft und ihre Heimat für ein paar Silberlinge an die Imperialisten verkauft haben???

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