Das verzerrte DDR-Bild

VergangenheitSchon in der Nachkriegszeit nach 1945 bediente man sich in der BRD verschiedener Methoden der ideologischen Beeinflussung. Das betraf vor allem auch das Bild der DDR. Wurde noch in den Machwerken der 50er und 60er Jahre ein haßerfülltes, primitives Zerrbild der DDR gezeichnet, so ging man später dazu über, die Realitäten dieses ersten sozialistischen deutschen Staates auf subtilere Weise zu verleumden, um dann nach 1990 die DDR als ersten deutschen Staat der Arbeiter und Bauern vollends „delegitimieren“ zu können. Legionen von „Ostforschern“ waren damit befaßt, den Büchermarkt der BRD und die westdeutschen Medien mit allen möglichen Verfälschungen, Unterstellungen und Halbwahrheiten zu beliefern, so daß am Ende kaum noch zu erkennen war, was gefälscht war und was nicht. Die Zielrichtung war klar; und der Historiker Prof.Heinz Heitzer schrieb darüber:

Mit der Deutschen Demokratischen Republik, ihrer Geschichte, Gegenwart und Zukunft, beschäftigen sich in der Bundesrepublik ausschließlich, vorrangig oder teilweise Dutzende von Institutionen des staatsmonopolistischen Herrschaftssystems mit Hunderten von ausgebildeten Kadern. Diese starke Konzentration von Kräften und Mitteln ist eindeutig auf politische Interessen und Bedürfnisse zurückzuführen. Das gilt auch für die im akademischen Bereich betriebene bürgerliche DDR-Forschung, die – bildlich ausgedrückt – nur die Spitze des Eisbergs darstellt. Ihre Genesis widerspiegelt den engen Zusammenhang mit der jeweiligen Politik der Herrschenden. Die Geschichte des Faches ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund der gegen die sozialistischen Staaten, besonders die DDR, gerichteten Strategie und Taktik. Den Zusammenhang und die Wechselwirkung von bürgerlicher Wissenschaft und bürgerlicher Politik hat die marxistisch-leninistische Geschichtsschreibung von jeher betont und sich in der Auseinandersetzung mit der Anti-DDR-Literatur in der BRD darauf konzentriert. Lange Zeit strikt geleugnet, wird diese Verbindung heute auch von bürgerlichen DDR-Forschern direkt oder indirekt eingestanden. Die Information über die DDR, so wird erklärt, „war und ist … stets ein Politikum“.[1] „Das Bild der Bundesrepublik von der DDR war und ist weitgehend zugleich Ergebnis und Funktion dessen, was früher Deutschlandpolitik hieß und heute Ostpolitik genannt wird.“ [2]

Die bürgerliche DDR-Forschung hat im wesentlichen drei politisch-ideologische Funktionen:

1. Strategiebildung: Sie soll die „Elite“ in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft mit Herrschaftswissen ausrüsten helfen, ihr Modelle, Diskussionsgrundlagen und Varianten zur Meinungsbildung, Selbstverständigung und Entscheidungsfindung unterbreiten. Diese strategiebildende Funktion bringt es mit sich, daß in der Genesis der bürgerlichen DDR-Forschung die Entwicklung der antisozialistischen Strategie wie in einem Brennspiegel erscheint.

2. Eine nach innen gerichtete ideologiebildende Funktion: Ihre Ergebnisse sollen helfen, die Bevölkerung der BRD vor dem Einfluß des Sozialismus abzuschirmen, sie mit einem Feindbild auszurüsten, das sich in aktives Handeln zur Unterstützung des bürgerlichen Staates und seiner Politik umsetzen soll. Diese Funktion wird aber vorwiegend indirekt, vermittels der sogenannten Multiplikatoren (Journalisten, Lehrer usw.), ausgeübt. Die bürgerliche DDR-Forschung wendet sich im allgemeinen nicht unmittelbar an die Massen, sondern liefert hauptsächlich Rohstoff für ihre Manipulierung. Das von ihr produzierte DDR-Bild entspricht daher zwar in seinem Wesen, aber keineswegs im Einzelnen und Besonderen dem von der Massenpresse, in der Schule und auf anderen Wegen dem Bundesbürger suggerierten Zerrbild über die DDR.

3. Eine nach außen gerichtete ideologische Funktion: Sie dient dem ideologischen Klassenkampf gegen den Sozialismus und insbesondere der ideologischen Beeinflussung der Bevölkerung der DDR – aber auch der Bevölkerung anderer sozialistischer und kapitalistischer Länder – im Sinne der BRD-Politik. Diese Funktion wird ebenfalls vorwiegend indirekt ausgeübt, vermittels der Politiker, Massenmedien usw. Es werden aber auch direkte Wege eines Eindringesn in die DDR gesucht.

[1] Bress, L., Hat die „DDR-Forschung“ eine Zukunft? In: Dtschl.-Archiv, Köln, 7/1973, S. 718.
[2] Regensburger, M., 25 Jahre DDR. Sendung des WDR am 2.10.1974.

Quelle:
Heinz Heitzer, Das Bild von der Deutschen demokratischen Republik, in: Unbewältigte Vergangenheit, Kritik der bürgerlichen Geschichtsschreibung in der BRD, Akademie Verlag, Berlin, 1977, S. 375f.

Siehe auch:
Gab es einen Sozialismus in der DDR?

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