So werden Kanzler gemacht…

Um die Jahrhundertwende hatte Deutschland seinen Rückstand auf wirtschaftlichem Gebiet gegenüber den am weitesten entwickelten kapitalistischen Ländern aufgeholt. Es war zur zweitstärksten ökonomischen Macht in der Welt geworden. Doch den Herren von Rhein und Ruhr genügte das nicht. Sie erstrebten eine Beteiligung an der ökonomischen und territorialen Aufteilung der Welt, die der ökonomischen und politischen Macht des deutschen Imperialismus entsprach. (S.5)
Herren
Um das zu erreichen und dabei die Weltherrschaft zu erobern, ließen sie Kaiser Wilhelm II. den Krieg vorbereiten. Für die Rohstoffquellen und Absatzgebiete der deutschen Industriellen sollten die deutschen Soldaten in den Krieg ziehen – nicht für das Vaterland, wie man ihnen sagte.

Am 1. August 1914 war es dann soweit. Der erste Weltkrieg begann. Zu denen, die in München den Krieg begrüßten, gehörte ein gewisser Adolf Hitler.
Krieg
In seinem Buch „Mein Kampf“ schildert er seine Begeisterung über den Kriegsausbruch 1914: „Ich schäme mich auch heute nicht, es zu sagen, daß ich, überwältigt von stürmischer Begeisterung, in die Knie gesunken war und dem Himmel aus übervollem Herzen dankte, daß er mir das Glück geschenkt, in dieser Zeit leben zu dürfen.“

Die deutschen Monopolherren verloren diesen Krieg. Arbeiter und Soldaten erhoben sich und drohten, das System der Monopole zu erschüttern.
Soldaten
Der Kaiser mußte gehen. Doch die Monopole blieben – und mit ihnen die Generale. Sie taten alles, um dieses System zu erhalten. (S.6-8)

Auf Betreiben des Geheimrats Kirdorf, der die politischen Fonds des „Vereins für bergbauliche Interessen“, den sogenannten Ruhrschatz, verwaltete, faßte der geschäftsführende Ausschuß dieses Vereins einen Beschluß, nach dem jeder Unternehmer, der dem Kohlesyndikat angehörte, verpflichtet war, „Kohlepfennige“ an die Hitlerpartei zu zahlen. Allein im Jahre 1929 ergaben diese „Kohlepfennige“ einen Betrag von 6.150.000 Reichsmark. (S.46)

Jetzt konnte die Propagandawalze der Nazis wieder auf Touren gebracht werden, konnten Plakate gedruckt, Broschüren vertrieben und Versammlungen mit riesigem Aufwand in Szene gesetzt werden. Für die bevorstehenden Reichstagswahlen wurde eine Maschine der Deutschen Lufthansa für Hitler gechartert. Mit ihr flog Hitler sieben Tage lang von einer Stadt zur anderen und sprach in 21 Versammlungen. (S.68)
Flugzeug
(…) So kann Goebbels am Abend dieses 20. Februar 1933 notieren:
„Wir treiben für die Wahl eine ganz große Summe auf, die uns mit einem Schlag aller Geldsorgen enthebt.“ (S.110)

* * *

Kommentar:
Das Ende dieser Geschichte ist bekannt: Die Nazis hatten ganz Europa mit Krieg überzogen und 50 Millionen Tote und bis zur Unkenntlichkeit verwüstete Städte und Landschaften hinterlassen. Am 8. Mai 1945 wurde Deutschland von der Sowjetunion und den Alliierten der Antihitlerkoalition vom Faschismus befreit. Vom Nürnberger Gericht wurden die Hauptkriegsverbrecher verurteilt. Nicht alle. Gegen den Protest der UdSSR entgingen Fritzsche, Schacht, Papen und andere Großindustrielle ihrer gerechten Strafe. Doch damit nicht genug. Die vormals Mächtigen gelangten in Westdeutschland auch nach 1945 mit Hilfe der westlichen Besatzungsmächte wieder an die Macht. Und wie einst Hitler mit Hilfe des Kapitals zum Reichskanzler gemacht wurde, folgten später Adenauer, Erhard, Kiesinger, Kohl und Merkel. Die Geschichte wiederholte sich mit fast den gleichen Hintermännern und ähnlichen Statisten. Im Westen Deutschlands blieb die Bourgeoisie an der Macht. Die BRD wurde zum Juniorpartner der USA gemacht. Das war vor allem gegen die Sowjetunion gerichtet. Damit begann der „Kalte Krieg“.
Herren_1herren_3Herren_2

Darüber schrieb man damals in der DDR:
„Dreimal wurde die deutsche Bourgeoisie von der Geschichte gewogen und zur Führung des deutschen Volkes zu leicht und als untauglich befunden. In allen entscheidenden Situationen der deutschen Geschichte hat die deutsche Großbourgeoisie unserem Volk unendlichen Schaden zugefügt. Sie hat damit jeden Anspruch auf Führung unseres großen und begabten Volkes verloren. Allein in den sechs Jahrzehnten seit der Jahrhundertwende waren mehr als zehn Jahre seines Lebens durch zwei Weltkriege, weitere zwanzig Jahre durch Inflation und Überwindung wenigstens der schwersten Kriegsfolgen, weitere lange Jahre mit Aufrüstung und neuen Kriegsvorbereitungen angefüllt. Hinzu kamen Not und Elend der Wirtschaftskrisen. Wem allein zu Nutzen? Nur den Herren der Konzerne und Banken, den Junkern und Großgrundbesitzern. Sie bereicherten sich auf Kosten aller anderen Schichten des Volkes an Krieg und Inflation. Solange die Konzerne, Großbanken und ihre Militaristen auch nur in einem Teil Deutschlands die Herrschaft ausüben, ist die physische Existenz des ganzen deutschen Volkes bedroht.

In der Deutschen Demokratischen Republik, in der Imperialismus und Militarismus ein für allemal überwunden sind, in der die Ausbeutung der arbeitenden Menschen für immer beseitigt ist, verkörpern sich die demokratischen, humanistischen, friedlichen und sozialistischen Traditionen des deutschen Volkes. Die Deutsche Demokratische Republik wird geführt von denjenigen Kräften…, die unter ungeheuren Opfern ihre Pflicht gegenüber dem deutschen Volk erfüllten, die den Kampf gegen die verhängnisvolle Politik der Großbourgeoisie in den verschiedenen Zeiträumen führten, die niemals kapitulierten, die niemals das Volk verrieten und sich damit das geschichtliche Recht auf Führung des deutschen Volkes erworben haben.“

(Aus dem Dokument des Nationalrates „Die geschichtliche Aufgabe der Deutschen Demokratischen Republik und die Zukunft Deutschlands“)

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Das ist nachzulesen im Buch von Joachim Hellwig u. Wolfgang Weiß, So macht man Kanzler, Verlag der Nation, Berlin (DDR), 1962. (Seitenangaben)

Kanzler

Die Lehren aus dem Hamburger Aufstand

von Ernst Thälmann
lehren
Vor über 90 Jahren schrieb Genosse Ernst Thälmann einen interessanten Artikel über die Lehren des Hamburger Aufstandes. Dieser Beitrag wurde am 23. Oktober 1925 in der Zeitung der KPD „Die Rote Fahne“ veröffentlicht. Ernst Thälmann schrieb damals:

Heute vor zwei Jahren, am 23. Oktober 1923, stieg Hamburg auf die Barrikaden.
Getrieben vom Elend der Inflationszeit, gedrängt von der unerhörten Not der werktätigen Massen, getragen vom Geiste des Bolschewismus griff der beste, revolutionärste Teil der Hamburger Arbeiterschaft zum Gewehr und nahm den Kampf gegen die kapitalistischen Unterdrücker auf.

Zwei Jahre sind seit dem 23. Oktober 1923 vergangen. Vieles hat sich inzwischen in Deutschland und in der ganzen Welt geändert. Wir, die Kommunisten, sind zwar geschlagen worden und mit uns die ganze deutsche Arbeiterklasse. Die Stabilisierung des bürgerlichen Deutschlands ist in gewissem, begrenztem Umfang gelungen. Die Bourgeoisie schöpft neue Hoffnung. Das Proletariat durchlebte ein Jahr der Entmutigung und des Rückzuges. Wenn wir heute der zweijährigen Wiederkehr des Hamburger Straßenkampfes gedenken, so geschieht das nicht aus dem bloßen Anlaß, daß der Kalendertag des 23. Oktobers wiederkehrt. Jubiläen sind für die Kommunisten und den klassenbewußten Teil des Proletariats nicht leere Gedenktage, sondern Richtlinien für den Klassenkampf, Leitfäden für die Aktion. Gerade die politische Situation, in der wir heute stehen, fordert mit gebieterischem Zwang von uns, daß wir die geschichtliche Bedeutung und die Lehren des Hamburger Aufstandes vollkommen klar erkennen.

Was waren die Ursachen des Hamburger Kampfes?

War es nur die Agitation der Kommunisten, waren es die Beschlüsse illegaler Geheimorgane, wie die bürgerlichen Gerichte behaupten? Nein! Die Ursachen liegen tiefer. Der Aufstand entsprang weder dem blinden Zufall noch dem freien Willen von ein paar Verschwörern. Der Hamburger Aufstand entsprang der revolutionären Situation vom Herbst 1923.

Der Herbst 1923 brachte die tiefste, ganz Deutschland umfassende, alle Schichten und Klassen der Bevölkerung ergreifende Krise der Bourgeoisie. Der Ententeimperialismus hatte seine Zerstörungsarbeit vollendet. Der zehn Monate lange Ruhrkrieg war für die deutsche Bourgeoisie verloren. Die Markwährung, die beim Regierungsantritt des Reichskanzlers Cuno auf 8000 stand, stieg auf 4,5 und 6 Billionen. Die Arbeiter konnten für ihre Löhne nichts mehr kaufen. Sogar „die treuesten Diener des Staates“, die Beamten, begannen zu rebellieren. Die Mittelschichten waren ruiniert. Das Gespenst des Hungers schritt durch Deutschland. Machtlos standen die Regierungen der Bourgeoisie dem Zerfall gegenüber. (…)

Bereits im Frühjahr 1923 begannen riesenhafte Streikbewegungen im Ruhrgebiet und in Oberschlesien. Neue Wellen des Klassenkampfes rollten in ganz Deutschland heran. Die Arbeiter kämpften noch nicht um die Macht, sondern nur um die dringendsten Tagesforderungen, um die Beseitigung der brennendsten Not. Der Kampf vollzog sich noch vorwiegend in „friedlichen“ Formen. Während die rechten Sozialdemokraten, die Sollmann und Severing, bereits im Bunde mit den Reichswehrgeneralen und den Polizeipräsidenten zur blutigen Niederschlagung des Proletariats rüsteten, setzten die „linken“ Sozialdemokraten alles daran, die Arbeiterschaft wehrlos zu machen, sie am Machtkampf zu hindern, sie mit Phrasen abzuspeisen, sie auf die „friedlichen“, parlamentarischen Kampfformen der Vorkriegszeit zurückzudrängen. Aber die Logik von fünf Revolutionsjahren war stärker als die Schurkerei der rechten und die Feigheit der linken sozialdemokratischen Führer.

Vom Moment des Sturzes der Cuno-Regierung an sprang der Funke des Bürgerkrieges durch Deutschland. Schon vorher war an der Ruhr, in Hannover, in Oberschlesien, in Bayern und anderen Teilen Deutschlands geschossen worden. Jetzt wurde es mit jedem Augenblick klarer, daß eine friedliche Entscheidung nicht mehr möglich war. Der erbarmungslose gewaltsame Kampf zwischen Klasse und Klasse wurde unvermeidlich. Aus den Streiks wurden Zusammenstöße, aus den Kundgebungen wurden blutige Kleinkämpfe zwischen Arbeitern und Polizei in Dutzenden deutscher Städte. Es kam der Augenblick, von dem Lenin in seinen „Lehren des Moskauer Aufstands“ im Jahre 1906 sprach: Es zeigte sich, „daß sich der Generalstreik als selbständige und hauptsächliche Kampfform überlebt hat, daß die Bewegung mit elementarer, unwiderstehlicher Gewalt diesen engen Rahmen durchbricht und eine höhere Kampfform, den Aufstand, gebiert“.

Diesem Augenblick näherten wir uns im Oktober 1923 mit unheimlicher Schnelligkeit.
Eine unmittelbar revolutionäre Situation war vorhanden. Alle Bedingungen für den Sieg der Arbeiterklasse waren da, außer einer einzigen: dem Bestehen einer klaren, eisern zusammengeschlossenen, unauflöslich mit den breitesten Massen verbundenen kommunistischen Partei, die entschlossen und fähig war, den spontanen Kampf der Arbeitermassen zu organisieren, ihn zu leiten.

Die Führung unserer Partei versagte in der entscheidenden Stunde. Der Eintritt führender Kommunisten gemeinsam mit den linken Sozialdemokraten in die sächsische Regierung war nur dann richtig, wenn dieser Schritt einem einzigen Ziel diente: der Organisierung der Revolution, der Bewegung der Massen, der Aufnahme des Kampfes in ganz Deutschland. Gerade dieses Ziel verlor die damalige Leitung unserer Partei aus den Augen. Unsere Führer benutzten ihre Stellung in der sächsischen Regierung nicht zur Entfesselung, sondern zur Vermeidung des Kampfes. Koalitionspolitik war es nicht, daß sie in die sächsische Regierung eintraten, sondern daß sie sich in dieser Regierung übertölpeln und führen ließen, anstatt die Arbeitermassen in den Kampf gegen die Reichsregierung zu führen. Sie vergaßen, daß die Bewegung „in eine höhere Kampfform“ übergehen mußte. Sie beschränkten sie auf den „engen Rahmen“, ja sie versuchten sogar, den engen Rahmen der wirtschaftlichen und politischen Teilkämpfe noch „enger“ zu spannen. Sie gaben den Auftrag, bestehende Streikbewegungen abzubrechen, da „der entscheidende Kampf bevorstehe“. Unsere Partei als Ganzes war noch viel zu unreif, um diese Fehler der Führung zu verhindern. So scheiterte im Herbst 1923 die Revolution am Fehlen einer ihrer wichtigsten Voraussetzungen: dem Bestehen einer bolschewistischen Partei.

StimmeWas sind die wichtigsten Lehren des Hamburger Aufstandes?

1.) Eine zahlenmäßig geringe Schar von Proletariern, die mit größtem Heldenmut unter dem Banner der Diktatur [des Proletariats] gekämpft haben, konnte sich mit Erfolg gegen die zwanzigfache Übermacht der glänzend organisierten und bewaffneten Truppen der Bourgeoisie militärisch halten.

2.) Der unvergängliche Ruhm der Hamburger Oktoberkämpfer besteht darin, daß sie in einer revolutionären Situation zu den Waffen griffen, obwohl sie den Sieg nicht zu 99 Prozent in der Tasche hatten. Der Leninismus lehrt, daß man den Kampf aufnehmen muß, wenn ernste Chancen für den Sieg vorliegen. Eine Garantie für den Sieg gibt es niemals im voraus. Die Niederlage in einem solchen Kampf ist tausendmal fruchtbarer und wertvoller für die Zukunft des Klassenkampfes als ein Rückzug ohne Schwertstreich.

3.) Der Aufstand führte zur Niederlage, weil er isoliert blieb, weil er nicht in Sachsen und im ganzen Reiche sofort unterstützt wurde. Mögen die Arbeiter in einem einzelnen Ort mit dem größten Heldenmut, getragen von der stärksten Massenbewegung, den Kampf aufnehmen: Sie werden geschlagen, wenn nicht das Proletariat im ganzen Lande mit ihnen geht. Gerade darin, in der Organisierung und Zusammenfassung der gesamten Arbeiterklasse in allen Industriezentren und Großstädten im ganzen Lande, besteht die Rolle der Kommunistischen Partei als Vortrupp des Proletariats. Gerade darum brauchen wir eine eiserne, völlig geschlossene, restlos verschmolzene, unbedingt disziplinierte Partei.

4.) Es ist nicht wahr, daß der Hamburger Aufstand ein Putsch war, sondern er wurde von der Sympathie der breitesten Massen getragen. Sogar der Polizeisenator Hense mußte wütend zugeben, daß die sozialdemokratischen Arbeiter in Hamburg, dieser rechtesten Organisation der SPD, und mit ihnen „die weitesten Kreise der Bevölkerung zu den Kommunisten hielten“. Unsere Schwäche bestand nur darin, daß wir nicht verstanden, diese Massen fest um uns zu scharen, sie rechtzeitig in allen Teilkämpfen zu uns herüberzuziehen, mit ihnen die Einheitsfront gegen die sozialdemokratischen Führer zu schließen.

5.) Um bei der unvermeidlich kommenden Wiederkehr des Hamburger Kampfes in viel größerem Maßstabe siegen zu können, müssen wir wie ein Keil in die Massen eindringen, sie durch tausend Klammern mit uns vereinigen, eine wirkliche proletarische Einheitsfront mit Millionen Arbeitern bilden. In den Gewerkschaften, in allen parteilosen Organisationen der Arbeiterklasse muß ein großer revolutionärer Flügel heranwachsen, der gemeinsam mit den Kommunisten zum Träger der kommenden Kämpfe wird.

6.) Als besonderer Mangel wurde in den Hamburger Oktobertagen das Fehlen einer starken Rätebewegung empfunden. Diese Tatsache ist noch nicht genügend in der Partei verstanden worden. Die Räte sind die Organe, die in einer revolutionären Situation die Millionenmassen des Proletariats zusammenfassen, die das Rückgrat des Kampfes bilden. Diese Lehre dürfen wir auch in der jetzigen Periode zwischen zwei Revolutionen nicht vergessen.

7.) Die Machtergreifung des Proletariats ist kein einmaliger Akt. Sie besteht nicht nur in dem militärischen Kampf gegen die Truppen der Bourgeoisie, sondern sie muß durch jahrelange, ausdauernde Arbeit der Kommunistischen Partei und des ganzen Proletariats vorbereitet werden. Die kommenden Sieger über die Bourgeoisie müssen durch unzählige Teilkämpfe erzogen, vorbereitet, organisiert werden. Dies ist unsere Hauptaufgabe in der jetzigen Periode.

8.) Es ist falsch, daß durch die Oktoberniederlage von 1923 eine einzigartige revolutionäre Situation ein für allemal „verpaßt“ wurde. Die Niederlage von 1923 war keine dauernde, ebensowenig wie die Niederlage des Spartakusbundes in den Nosketagen von 1919 eine dauernde war. Die Stabilisierung des bürgerlichen Deutschlands hat keinen langen Atem: trotz Dawesplan und Garantiepakt. Besser: wegen Dawesplan und Garantiepakt. Die kapitalistische Stabilisierung in Deutschland erlebt jetzt ihre erste „Atemnot“. Das große Resultat des Hamburger Aufstandes ist, daß die Arbeiter den scheinbar unbesieglichen Klassenfeind dreimal vierundzwanzig Stunden lang in seiner ganzen Schwäche gesehen haben. Zu den Hamburger Tagen haben die Arbeiter die Bourgeoisie am Rande des Abgrundes gesehen. Und sie werden diesen Augenblick niemals vergessen! Wir gehen nicht einer Versumpfung, sondern neuen Kämpfen, wir gehen mit eherner Notwendigkeit in Deutschland der zweiten Revolution entgegen. Darum gehört der Hamburger Aufstand nicht „der Geschichte“ an, sondern er ist eine Probe für die Zukunft.

9.) Der Aufstand war ein Musterbeispiel für die glänzende, reibungslos arbeitende Organisation des revolutionären Kampfes. Aber er offenbarte zugleich den größten organisatorischen Fehler unserer Partei. Die Hamburger Kämpfer besaßen die volle Sympathie der Arbeiter in den Betrieben, aber sie hatten organisatorisch keine Verbindung mit ihnen. Es zeigte sich die ganze Unbrauchbarkeit, die verhängnisvolle Rückständigkeit unserer alten sozialdemokratischen Wohnorganisation. Die Wahlmaschine taugt nicht für die Barrikaden! Die schwerste Lücke in der Hamburger Kampffront war das Fehlen kommunistischer Betriebszellen. Eine Kämpferschar wie die Hamburger, die sich auf fest verwurzelte Zellen in allen Betrieben und auf die Vereinigung der breitesten Arbeitermassen stützt, wird künftig in einer ähnlichen Situation unbesiegbar sein.

10.) Die größte, wertvollste Lehre des Hamburger Aufstandes ist die großartige Erfüllung der Rolle der Kommunistischen Partei in der proletarischen Revolution. Die Kommunisten waren nicht in Worten, sondern in der Tat der Vortrupp, die Führung, der Wegweiser der Arbeiterklasse. Sie gaben der Bewegung ein klar umrissenes Ziel, ein genau formuliertes Programm: die Diktatur des Proletariats. In dieser Beziehung steht der Hamburger Kampf auf einer weit höheren Stufe als alle früheren Bewegungen. Die Märzaktion von 1921 z.B. hält keinen Vergleich mit dem Hamburger Aufstand aus. Nur weil die Partei die Führung des Kampfes fest in den Händen hatte, wurde von den Hamburger Revolutionären zum ersten Male in Westeuropa die Marx-Engelssche Lehre begriffen und verwirklicht, daß „der Aufstand eine Kunst und daß die größte Hauptregel dieser Kunst die mit verwegener Kühnheit und größter Entschlossenheit geführte Offensive ist.“

Das sind die wichtigsten Lehren des Hamburger Aufstandes. Das grausame Lehrgeld, das wir für sie zahlten, waren der Tod und die Einkerkerung unserer Besten. Und dennoch: Diese Opfer werden sich hundertfach lohnen.
PolizeiPolizei verhaftet am 1. Mai 1929 einen jungen Arbeiter

(…) Analysiert man die Weltlage und die konkrete Situation in Deutschland, so ist es für jeden ernsthaften Menschen klar, daß die gegenwärtige „Atempause“ nicht lange dauern wird. Wir müssen sie gut ausnutzen, um zu lernen, unsere Kräfte zu erweitern, uns und die Arbeiterklasse zu schulen, uns und die Arbeiterklasse politisch und organisatorisch vorzubereiten auf die neuen Hamburger Tage, die in allen Städten Deutschlands eine gewaltige Wiederkehr erleben werden. Gerade in der jetzigen Periode des geduldigen Kleinkampfes, der zähen, langsam wachsenden Teilbewegungen dürfen wir keine Minute die Bedeutung und die Lehren des Hamburger Aufstandes vergessen.

Unsere Partei vollzieht eine entscheidende Umstellung von der Spitze bis in die unterste Tiefe. Sie merzt den scheinrevolutionären, wortradikalen Geist aus. Sie beseitigt die Reste des Sektierertums, der Massenverachtung in ihren eigenen Reihen. Sie ändert ihre Taktik, um sich noch fester, noch enger mit den sozialdemokratischen Arbeitern, mit den Massen in den Gewerkschaften und in den Betrieben zu verbinden. Sie geht an die völlige Umgestaltung ihrer organisatorischen Grundlagen heran. Sie arbeitet an der Schaffung eines großen linken Flügels in der Arbeiterbewegung.

Zur Erfüllung dieser Aufgaben brauchen wir vor allem die geduldige, mühselige, hartnäckige Tagesarbeit. Bedeutet das, die Politik des Hamburger Aufstandes zu verlassen? Nein! Wenn wir sie verlieren, sind wir verloren. Durch den Übergang zur Politik der Massengewinnung und der Massenführung schmieden wir die Klassenbasis für einen anderen Hamburger Aufstand von ungleich größerem Ausmaß, von viel weiterer Tragweite, von noch tieferer historischer Bedeutung, als es der erste war.

Mehr denn je muß in dieser Periode jeder deutsche Kommunist, jedes Parteimitglied, jedes Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes, jeder revolutionäre Arbeiter stets und unverrückbar das Bild des Hamburger Oktoberkämpfers vor Augen haben: kaltblütig, todesverachtend, der Sache der Arbeiterklasse grenzenlos ergeben, das Gewehr in der Hand, vor sich die Barrikade, zum Empfang des Feindes bereit und den Blick auf ein einziges Ziel gerichtet, auf das größte, stolzeste Ziel, das es für einen Kommunisten gibt: die Diktatur des Proletariats.

Nachbemerkung:
Am 10. Oktober 1923 war es in Sachsen und am 16.Oktober 1923 in Thüringen gelungen, auf verfassungsmäßiger Grundlage Arbeiterregierungen aus linken Sozialdemokraten und Kommunisten zu bilden. Arbeiter in ganz Deutschland begrüßten diesen Schritt. Diese Ereignisse verunsicherten die Monopolherren, Bankiers, Großgrundbesitzer, Militärs und reaktionären Politiker. Der Reichspräsident erließ daraufhin Notverordnungen und stimmte mit der Reichswehr Maßnahmen ab, um die sächsischen und thüringischen Landesregierungen schnellstmöglich abzusetzen. Angesichts des unmittelbar bevorstehenden bewaffneten Angriffs gegen die Arbeiterregierungen beschloß die KPD, Forderungen verschiedener Arbeiterversammlungen nach dem Generalstreik aufzugreifen und in ganz Deutschland den bewaffneten Aufstand auszulösen, um so die Regierungen in Thüringen und Sachsen zu verteidigen. Auf einer Konferenz der sächsischen Regierung lehnten die Sozialdemokraten diesen Vorschlag ab. Daraufhin ließ auch die KPD dieses Vorhaben fallen. In Unkennntis dieser Sachlage begannen Kommunisten entsprechend dem zuvor gefaßten Parteibeschluß am 23. Oktober 1923 in Hamburg den bewaffneten Aufstand. Die politische Leitung lag damals in den Händen von Ernst Thälmann. (vgl. Lehrbuch für die Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1988, S.46f.)

Siehe auch: Fiete Schulze – ein Held unserer Zeit

Wohin mit der Informationsflut?

Der geistige Müllberg wächst an

In den Bücherregalen der großen Buchhandlungen stehen heute reihenweise Bücher, deren unwissenschaftlicher und phantastischer Inhalt zu nichts anderem nütze ist, als dem Leser die Zeit zu vertreiben und das Gehirn zu vernebeln. Es herrscht Verwirrung in den Köpfen, und das ist so gewollt. Der gedruckte geistige Unrat nimmt zu. Allein vom Bertelsmann-Konzern werden täglich (!) über 300.000 Bücher gedruckt. Hinzu kommt noch die nicht gedruckte Literatur und alles, was in Form von Filmen, Fernsehaufzeichnungen, Internetangeboten und anderen Medien verfügbar ist. In seinem 1996 erschienenen Buch „New Positioning“ [1] macht der Autor Jack Trout auf folgendes aufmerksam. Er schreibt:

Die explosionsartige Vermehrung der verschiedenen Medienarten und der daraus resultierende Anstieg des Kommunikationsvolumens hat die Art und Weise radikal beeinflußt, wie Menschen die ihnen angebotenen Informationen aufnehmen – oder ignorieren. Es gelten neue Spielregeln dafür, wie man mit Menschen kommunizieren und sie beeinflussen kann. Heute, in den neunziger Jahren, stellt sich heraus, daß das, was ich in den siebziger Jahren für eine »Flut« hielt, nur der Auftakt war. Zur Illustration will ich hier einige Zahlen anführen:
Trout
Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist, daß sich die einmal geprägten Ansichten, Meinungen und Vorurteile im Laufe der Jahre sehr stark verfestigen. J.Trout zitiert hier den folgenden Text [2]:
ZitatWie funktioniert die Meinungsbildung?

Wie man an Hand konkreter Beispiele leicht feststellen kann, werden schon im Kindergarten und in der Schule bestimmte Leitbilder, religiöse Einstellungen, eine Weltanschauung und ein sogenannter „Wissenskanon“ vermittelt. Das dient in erster Linie der Stabilisierung der bestehenden Verhältnisse und soll jegliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit der herrschenden (kapitalistischen) (Un-)Ordnung beseitigen. Ohne eine klare Orientierung ist es schwer, aus diesem Mainstream auszubrechen. Die folgenden beiden Texte sind Beispiele für eine „wissenschaftliche“ und für eine „unterhaltsame“ Verblödung:
Texttext1Können wir unsere komplizierte Welt verstehen?

Um die Zusammenhänge in der Gesellschaft „als Ganzes“ zu verstehen, braucht man eine wissenschaftliche Weltanschauung. Darunter verstehen wir die aus der Praxis, also aus der Arbeit und aus dem täglichen Leben, erwachsenden Erkenntnisse über wesentliche Eigenschaften und Gesetzmäßigkeiten der Natur, der Gesellschaft und des Denkens. Dazu gehören bestimmte Begriffe, Gesetze, Theorien und Hypothesen, die für die Beherrschung der natürlichen und – nach der Beseitigung der antagonistischen Klassengesellschaft – auch der sozialen Umwelt erforderlich sind. Das ist gar nicht so schwierig, denn trotz aller Differenziertheit und vieler neu entstandener Wissenschaftsdisziplinen besteht zwischen allen Wissenschaften ein innerer Zusammenhang, eine Ordnung, die objektive Grundlagen hat. Die objektive Grundlage für die Einheit aller Wissenschaft ist in der Einheit ihres Gegenstandes,der materiellen Welt, sowie in der gesellschaftlichen Praxis der Menschen zu sehen. [3] Man muß also die unwesentlichen Informationen, mit denen wir heute überschüttet werden, außer acht lassen und sich auf das wesentliche konzentrieren.

Wozu braucht man eine Lebensphilosophie?

In der Urgesellschaft gab es noch keine Philosophie und keine Wissenschaft. Die unerklärlichen Naturvorgänge wurden dem Wirken höherer Mächte (Götter, Dämonen, Geister usw.) zugeschrieben. Auch die feste Ordnung des gesellschaftlichen Lebens und das Schicksal des einzelnen Menschen wurde auf diese überirdischen Kräfte zurückgeführt. Das Denken der Menschen war noch sehr stark von mythologischen Vorstellungen beherrscht. [4] Das ist heute auf höherem Niveau nicht viel anders. Um unter diesen neuen Umständen die immer komplizierter werdenden Vorgänge in Natur und Gesellschaft verstehen zu können, wurde es notwendig, diese aus sich selbst heraus zu erklären und gegen überholte Vorstellungen vorzugehen. Mit der durch Marx, Engels und Lenin begründeten wissenschaftlichen Weltanschauung gelang es erstmals in der Geschichte der Menscheit nachzuweisen, daß die Menschen durchaus imstande sind, die Welt zu erkennen, zu begreifen und zu beherrschen, insbesondere die gesellschaftlichen Verhältnisse. Der real existierende Sozialismus hat (trotz aller Mängel und Schwächen) bis zur Zerstörung der bis dahin existierenden sozialistischen Staaten (Sowjetunion, DDR, VR Polen, CSSR u.a.) im Jahre 1989 eindrucksvoll bewiesen, daß eine sozialistische Gesellschaft durchaus lebensfähig ist, und imstande, sich gegen innere und äußere Feinde durchzusetzen. Die einstweilige Niederlage des Sozialismus beweist nichts anderes, als daß die revolutionäre Wachsamkeit der Arbeiterklasse, als der herrschenden Klasse, nicht ausreichend war.
Eine Lebensphilosophie ist also ein Kompaß, um in den Stürmen des Lebens und bei Seegang nicht die Orientierung zu verlieren. Der Marxismus-Leninismus ist so ein Kompaß! Er bietet eine Orientierung an, wo bürgerliche Philosophen schon längst den Kopf verloren haben und ratlos umherirren, wo die Pfaffen nichts weiter anzubieten haben als „göttliche Hilfe“ und „Zuversicht“, und wo Volksverführer ihre Durchhalteparolen verbreiten …

Es kommt darauf an die Welt zu verändern!

In dieser These von Karl Marx ist der revolutionäre Charakter und die aktive Rolle der neuen Philosophie präzise ausgedrückt. Man muß heute wieder das Kommunistische Manifest lesen, um zu verstehen, wie diese Änderung verläuft und welche Gesetzmäßigkeiten hier wirken. [5] Das ist das Wesentliche!
MarxQuellen:
[1] Jack Trout/Steve Rivkin, New Positioning, Econ Verlag, 1996, S.12.
[2] J.Trout, a.a.O., S.45.
[3] s. Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), Stichwort: Wissenschaft, S.735f.
[4] s. E.Hahn/A.Kosing, Marxistisch-leninistische Philosophie geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag, Berlin, 1978, S.8.
[5] Karl Marx, Thesen über Feuerbach, Marx/Engels, Ausgewählte Werke, Bd.I, S.196ff.

Was geschah in Bitterholm?

Kneipengespräche

Die Kantine hatte sich inzwischen gefüllt. An einem Nebentisch saß ein Mann, nach seiner Kleidung zu schließen ein Hafenarbeiter. Es war ein langer, sehniger Mensch mit brauner Haut und scharfen blauen Augen. Er hatte eine Zeitung vor sich, in der er eifrig las. Die legte er jetzt weg und mischte sich in das Gespräch. „Jaja“, sagte er, „die Prozesse reißen nicht ab. Ich bin auch als Zeuge geladen in einem politischen Prozeß. Da hat so ein Kerl ein paar unverschämte Bemerkungen über unsere Regierung gemacht. Und ich war dabei, und jetzt werde ich als Zeuge gegen ihn vernommen werden.“
„Hier in Magdeburg?“ erkundigte sich der Wirt. „Nein, leider nicht“, antwortete der Arbeiter. „Es war in Havelberg, und ich werde einen Arbeitstag hier versäumen, um hinzufahren.“
„Was hat der Mann denn gesagt?“ fragte neugierig der Wirt.
„Was diese ewigen Meckerer eben so sagen.“ Der Arbeiter blätterte, während er sprach, in seiner Zeitung herum. „Daß dieses Aufblühen unseres lieben Deutschlands eine zweischneidige Sache ist, hat er gesagt, weil es nichts als Kriegsrüstungen sind, nichts als Kanonen und Flugzeuge und Kasernen.“
„Er meinte wohl, wir sollen uns von unseren Feinden auffressen lassen?“ fragte der Makler erbost.
„Ach, so ein Kerl meint in Wirklichkeit gar nichts. Alles Geld fließt in einem riesigen Strom in die Taschen von ein paar Millionären, hat er gesagt. Und das sei kein Sozialismus, und Hitler hat doch den Sozialismus versprochen. Und vom Ausland kaufen wir nichts als Eisenerze und solches Zeug. Aber was die Menschen brauchen, Kleidung und Essen, dafür wird nicht gesorgt.“
„Na, in der Haut dieses Menschen möchte ich nicht stecken“, sagte der Makler. „Das ist ja der reine Hochverrat.“
„Das ist noch lange nicht alles“, erzählte, der Arbeiter weiter. „Er hat noch gesagt, daß die Regierung durchaus einen Krieg braucht. Denn wenn wir eines Tages alle nichts mehr zu fressen haben, können sich die Herren nicht länger halten, und deshalb lügen sie uns jetzt schon vor, daß die ändern uns angreifen wollen. Kurz und gut, der Bursche kann sich auf ein paar Jahre Zuchthaus gefaßt machen.“ „Die hat er auch verdient“, meinte der Wirt. „Vollauf verdient“, bekräftigte der Arbeiter.

Der Bootsmann verläßt das Lokal

Herrn Salzwedel war dieses Gespräch offenbar nicht recht. „Zahlen!“ rief er ungeduldig. Der Makler stand auf: „Schön, Herr Salzwedel, wir treffen uns heute noch einmal in der Stadt, und dann schließen wir das Geschäft für Bitterholm endgültig ab.“ „Bitterholm“, sagte der Arbeiter am Nebentisch, „da steht gerade etwas von Bitterholm in der Zeitung. Wo war’s nur? Aha, hier hab ich’s schon.“ Und er hob das Blatt vor die Augen und begann laut vorzulesen:
notiz bitterholm
Der Arbeiter faltete die Zeitung bedächtig zusammen. Der Wirt sagte, und seine Stimme klang ordentlich gerührt: „Das ist ein schöner Beweis dafür, wie die Regierung für die Rechte der Arbeiter eintritt.“ (S.148ff.)

…und einige Seiten weiter und ein paar Tage später lesen wir:

Bitterholm war immer ein stilles Städtchen. Aber heute ist es beinahe wie ausgestorben. Alle Fenster sind geschlossen, überall Gardinen vorgezogen. Keine Tür steht offen. Nicht einmal in die Geschäfte kann man hineinsehen. Hie und da nur huscht jemand über die Straßen, verschwindet in einem Haustor oder in einem Laden. Die Leute bewegen sich hastig, mit hochgezogenen Schultern. Sie sehen Sich scheu um und wenden die Köpfe ab, wenn sie einen Fremden sehn. Sie scheinen alle Angst zu haben. Wovor? (S.202)

Was geschah in Bitterholm?

… Der Schuster hat sich auf seinen Schemel gesetzt und seine Arbeit wiederaufgenommen. Er schlägt kleine Nägel, einen nach dem anderen, in einen Stiefelabsatz.
„Was geschehen ist in Bitterholm? Vor ein paar Tagen sind fast dreihundert Menschen geholt worden. War gut organisiert, die Sache. Immer nur ein paar Mann in die einzelnen Wohnungen, die Adressen haben sie gehabt. Bei mir waren sie auch. Meine Schwiegertochter, die Mutter von dem kleinen Kerl, haben sie mitgenommen. Das Kind hat einen furchtbaren Schreck gehabt. Er ist ja noch so klein, erst vier. Wenn er spielt, denkt er nicht daran.“ … „Es hat doch in der Zeitung gestanden, daß in Bitterholm nach dem Rechten gesehen werden soll.“ … Der Schulmeister putzt seinen Klemmer und blickt trübe drein.
„Wie war das mit der Untersuchungskommission von der Arbeitsfront?“ fragt er. „Ist da überhaupt wer gekommen?“
„O ja, gekommen sind sie schon, um die Arbeiter vor direkten Übergriffen zu schützen, haben sie gesagt. Sie haben die Arbeiter aufgefordert, sich nur ja offen auszusprechen, und haben alles hübsch aufgeschrieben, die Namen vor allem und die Adressen von denen, die eben wirklich offen gesprochen haben. Die waren auch die ersten, die sie in der Nacht geholt haben.“ (S.208)

Quelle:
A.Lazar, Jan auf der Zille, Der Kinderbuchverlag Berlin (DDR), 1964.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Das ist eben nur eine Geschichte. Ereignet hat sie sich so oder ähnlich im Jahre 1933. Und der Ort Bitterholm ist natürlich erfunden. Aber daß Auguste Lazar uns diese Geschichte so erzählt, sollte vor allem den Jüngeren zur Erkenntnis und zur Lehre dienen, denen, die diese Zeit nicht erlebt haben, die nicht ahnen, wozu der Faschismus fähig ist…
(s.a. DDR-Kinderbuch: Jan auf der Zille.)

Fernsehen macht dumm!

Hätten Sie’s gewußt?

In der BRD gibt es über 140 Fernsehsender. Die durchschnittliche Verweildauer vor der Glotze liegt bei etwa 4 Stunden. Dabei ist die Einschlafzeit im Fernsehsessel nicht mitgerechnet. Nicht gezählt ist auch die Zeit, wo Bier und Chips geholt werden, und die Zeit für’s Klogehen…

Und das sagt die Statistik:
3-13Jährige gucken zwischen 93 Minuten,
bis 65Jährige glotzen durchschnittlich 289 Minuten in die Röhre.
Wer Abitur hat, der hängt etwa 162 Minuten vor dem Kasten rum
und wer nur Volksschulabschluß hat, deutlich länger: 257 Minuten.
Da ist der „Bildungsbedarf“ eben größer!
Die Besserbezahlten machen den Fernsehkasten seltener an,
nämlich „nur“ etwa 149 Minuten.
Doch am meisten glotzt der doofe Arbeitslose in die Flimmerkiste,
laut Statistik nämlich 319 Minuten. Da geht der Tag schnell rum!!!
(Quelle: wikipedia)

(Doch mittlerweile scheint sich das „Gewicht“ auf den Computer verlagert zu haben,
denn bei Computerspielen ist die Quote noch bedeutend höher.)
GehirnUnd die Moral?
WER IM SESSEL SITZT, DER KOMMT AUCH NICHT
AUF ANDERE GEDANKEN, DER KOMMT NÄMLICH AUF GAR KEINE,
UND DER RENNT AUCH NICHT DEN GANZEN TAG AUF DER STRASSE RUM !

So wie die da:
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KPD – die kommunistische Partei

Die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) wurde im Ergebnis der Novemberrevolution Ende Dezember 1918 gegründet. In ihr vereinten sich die fortschrittlichsten Kräfte der deutschen Arbeiterbewegung. Dem vormaligen Spartakusbund hatten sich aber auch linksradikale Gruppen angeschlossen. Doch die KPD entwickelte sich zu einer marxistisch-leninistischen Partei, die getreu den Lehren von MARX, ENGELS und LENIN die nationalen Interessen der Werktätigen vertrat, gegen Imperialismus und Militarismus und für Frieden und Sozialismus kämpfte und an der Spitze bedeutender Massenkämpfe der Arbeiterbewegung zur Verteidigung und Erweiterung der demokratischen Rechte und Freiheiten stand.

Die Gründung der KPD war ein Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Damit wurden die Grundlagen für eine marxistisch-leninistische Partei in Deutschland gelegt, einer Partei, die fähig und imstande war, die deutsche Arbeiterklasse und das ganze deutsche Volk aus der kapitalistischen Knechtschaft zu führen. Unter Führung ihres Vorsitzenden Ernst THÄLMANN gewann die KPD zunehmend an Masseneinfluß. In der Zeit der faschistischen Hitlerdiktatur wurden ihre Mitglieder und Funktionäre mit brutaler Grausamkeit verfolgt. „Wer Hitler wählt, wählt den Krieg!“ – war einer der Aufrufe der KPD in den 30er Jahren. Die Kommunisten waren unter den ersten, welche von der Gestapo „abgeholt“, in Gefängnisse und KZ’s gesperrt, gefoltert und ermordet wurden…
Wahlplakate 1932Überall klebten die Wahlplakate (1932)

Nach dem Sieg der Sowjetunion und der mit ihr verbündeten Staaten über den deutschen Faschismus ging es in Deutschland vorrangig darum, die Aktionseinheit der Arbeiterklasse herzustellen. Es war folgende Siuation entstanden:

Im Ringen um die Vereinigung von KPD und SPD

Der Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse zählte zu den hervorstechendsten Merkmalen der Klassenkampfsituation nach dem zweiten Weltkrieg. Eben deshalb konzentrierte die internationale imperialistische Reaktion ihre ganze Kraft darauf, diese Einheitsbewegung mit Hilfe rechter sozialdemokratischer Führer zu sprengen. Die reaktionären Kreise in den USA und anderen imperialistischen Staaten übten starken Druck auf ihre Regierungen aus, damit sie so rasch wie möglich von der gemeinsamen Politik mit der UdSSR in der Antihitlerkoalition wieder abrückten. Als erklärtes Ziel strebten sie an, das Übergreifen des revolutionären Weltprozesses auf weitere Länder zu verhindern und die revolutionären Errungenschaften wieder rückgängig zu machen. Dafür versuchten sie auch das zeitweilige Atomwaffenmonopol der USA auszunutzen. Am 6. und 9. August 1945 hatten die USA auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki Atombomben abgeworfen. Diese militärisch durch nichts gerechtfertigte brutale Demonstration imperialistischer Gewaltpolitik war mit der illusionären Vorstellung der reaktionärsten Kreise verbunden, die USA könnten mittels atomarer Erpressung ihre Weltherrschaft errichten.

Verschärfter Klassenkampf

Im Herbst 1945 verschärfte sich der Klassenkampf auf deutschem Boden. Die Politik der Aktionseinheit hatte sich bewährt. Im gemeinsamen Kampf für antifaschistisch-demokratische Verhältnisse, durch die Beantwortung politisch-ideologischer Grundfragen festigte sich die Aktionsgemeinschaft von KPD und SPD. Immer stärker wurde sie zum Anziehungspunkt und Motor für alle antifaschistisch-demokratischen Kräfte. Bei den Arbeitern wuchs das Drängen nach Einheit ihrer Klasse, nach Vereinigung der Kommunisten und Sozialdemokraten in einer einheitlichen revolutionären Partei. Die Schaffung einer sozialistischen Einheitspartei war die Grundbedingung, um die bereits erzielten revolutionären Errungenschaften zu sichern und die antifaschistisch-demokratische Umwälzung voranzubringen.
Einheit
Wahlplakat (1946)

Reaktionäre Kreise fordern die Spaltung Deutschlands

Zugleich wurde auch die Reaktion aktiv, besonders in den westlichen Besatzungszonen. Den Erfolgen der demokratischen Kräfte wollte sie mit der separatistischen und föderalistischen Aufsplitterung des Landes begegnen. Der CDU-Politiker Konrad Adenauer, hinter dem einflußreiche Kreise des rheinisch-westfälischen Großkapitals standen, forderte bereits im Oktober 1945 die staatliche Abspaltung der Westzonen und ihre Zusammenfassung in einem Separatstaat. In den von ihnen besetzten Gebieten hatten die imperialistischen Mächte tiefgreifende demokratische Veränderungen unterbunden. Mit ihrer Unterstützung wuchs der Einfluß der opportunistischen Kräfte in der Sozialdemokratie und in den Gewerkschaften. Besonders der Wahlsieg der britischen Labour Party Im Juli 1945 und Stimmerfolge der unter antikommunistischen Losungen auftretenden bürgerlichen und sozialdemokratischen Parteien bei den Parlamentswahlen in Ungarn und Österreich im November 1945 ermunterten die rechtssozialistischen Führer. Sie versuchten, mit den Mitteln des bürgerlichen Parlamentarismus die Aktionseinheit der Arbeiterparteien zu sprengen. Der Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse erlitt in den Westzonen erste Rückschläge. [1]

Aufruf
Der historische Aufruf des ZK der KPD vom 11.Juni 1945

Die KPD eine Partei mit revolutionären Traditionen

Die KPD brachte die größten Opfer im antifaschistischen Kampf; von rd. 300.000 Mitgliedern wurden 150.000 verfolgt, eingekerkert oder in KZ verschleppt. Zehntausende Kommunisten wurden ermordet. Die entscheidende Leistung der KPD und ihres ZK, dessen hervorragendste Vertreter Wilhelm Pieck und Walter Ulbricht waren, bestand darin, daß sie als einzige deutsche Partei ein reales antifaschistisches und demokratisches Kampfprogramm ausarbeitete und es mit anderen antifaschistisch-demokratischen Kräften zu verwirklichen begann. Damit schuf sie die wichtigste Voraussetzung für die grundlegende Wende, die nach 1945 in Deutschland vollzogen werden konnte.

Nach dem Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus

Auf der Grundlage des bedeutsamen Aufrufs des Zentralkomitees der KPD vom 11.Juni 1945 begann sie in allen vier Besatzungszonen ihre Tätigkeit. Als ihre wichtigste Aufgabe betrachtete die KPD die Gewährleistung gemeinsamen Handelns von Kommunisten und Sozialdemokraten. Erstmals in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung wurde am 19.6.1945 ein beständiges Aktionsabkommen zwischen den zentralen Leitungen von KPD und SPD abgeschlossen und danach die Aktionseinheit von Kommunisten und Sozialdemokraten auf breiter Grundlage verwirklicht. In der damaligen sowjetischen Besatzungszone wurden mit diesem Abkommen die Voraussetzungen für die Überwindung der Spaltung und die Bildung einer einheitlichen marxistischen Partei der Arbeiterklasse geschaffen. Am 21./22.4.1946 fand in der Deutschen Staatsoper (Admiralspalast) in Berlin der Vereinigungsparteitag der KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands statt. In den westlichen Besatzungszonen war ebenfalls eine starke Bewegung für die Aktionseinheit vorhanden.

Der Kampf der KPD in den Westzonen für die Aktionseinheit

Trotz der Bemühungen der KPD und der einheitswilligen Kräfte in der Sozialdemokratie gelang es der westdeutschen Großbourgeoisie, den westlichen Besatzungsmächten und den Gegnern der Aktionseinheit in der Sozialdemokratischen Partei jedoch, die Ansätze zur Aktionseinheit zu zerstören und die Spaltung der Arbeiterklasse aufrechtzuerhalten. Die KPD setzte sich in Westdeutschland entsprechend dem Aufruf vom 11.6.1945 für die Schaffung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung und die konsequente Verwirklichung des Potsdamer Abkommens ein. Sie kämpfte gegen die von den westdeutschen Imperialisten im Bündnis mit den westlichen Besatzungsmächten herbeigeführte Spaltung Deutschlands. Ihre Presseorgane wurden zeitweilig verboten, ihre Funktionäre verfolgt und eingekerkert. Die Vertreter der KPD im Parlamentarischen Rat verweigerten ihre Unterschrift unter das westdeutsche Grundgesetz, weil sie nicht die Spaltung Deutschlands unterschreiben wollten. Der Vorsitzende der KPD, Max Reimann, erklärte: „Wir Kommunisten aber werden die im Grundgesetz verankerten wenigen demokratischen Rechte gegen die Verfasser des Grundgesetzes verteidigen.“
Max ReimannMax Reimann (1898-1977)

Die Solinger Parteikonferenz der KPD vom 5.– 7.3.1949, die erste vereinigte Delegiertenkonferenz der KPD in Westdeutschland, rief zum Kampf gegen die Schaffung des westdeutschen Separatstaates auf. In den folgenden Jahren führte die KPD unter der Leitung ihres Parteivorstandes einen konsequenten Kampf gegen die Remilitarisierung Westdeutschlands, für den Abschluß eines Friedensvertrags und die Wiedervereinigung Deutschlands auf friedlicher und demokratischer Grundlage. Im ersten Bundestag war sie mit 15 Abgeordneten vertreten, obwohl sie durch das undemokratische Wahlgesetz benachteiligt wurde. Der Münchener Parteitag der KPD (3.– 5.3.1951), der erste Parteitag der westdeutschen KPD nach 1945, nahm eine Entschließung an, in der die Aufgaben der KPD im Kampf um ein geeintes, unabhängiges, demokratisches Deutschland festgelegt wurden. Die 7.Tagung des Parteivorstandes (1./2.11.1952) beschloß das bedeutsame „Programm der nationalen Wiedervereinigung Deutschlands“.

Das KPD-Verbot im Westen

Am 24.11.1954 begann vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe der Verbotsprozeß gegen die KPD. Auf der Grundlage der Beschlüsse ihres letzten legalen Parteitags in Hamburg (28.– 30.12.1954) führte die KPD den Kampf gegen den Eintritt Westdeutschlands in die NATO (Nordatlantikpakt). Am 17.8.1956 wurde die KPD verboten. Mit diesem Verbot wollten die reaktionären Kräfte die politische Kraft ausschalten, die in Westdeutschland am konsequentesten für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt eintrat. Die KPD begann sofort mit der Organisierung des illegalen Kampfes. Am 30.9.1956 konstituierte sie ihr ZK, das Max Reimann zum Ersten Sekretär wählte. Der erste illegale Parteitag der KPD (Juni 1957) bezeichnete die Herstellung der Aktionseinheit mit den Sozialdemokraten als Herzstück der Politik der KPD. In diesen Jahren kämpfte die KPD gegen Atomrüstung und Revanchepolitik des westdeutschen Imperialismus und Militarismus, für Frieden und Verständigung zwischen den beiden deutschen Staaten, für Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt in Westdeutschland. Der illegale Parteitag im Juni 1963 beschloß die Programmatische Erklärung „Der Weg zur Rettung des Friedens, zum Schutz der demokratischen Rechte, zu sozialer Sicherheit“. Seit dem Verbot führte die KPD einen hartnäckigen Kampf für ihre Legalisierung. Auch in der Illegalität erstarkte sie im Ringen für Frieden, Demokratie und gesellschaftlichen Fortschritt in Westdeutschland. Sie kämpfte in enger Gemeinschaft mit der SED und den kommunistischen und Arbeiterparteien der ganzen Welt. Sie stand in der ersten Reihe der fortschrittlichen Kräfte, die gegen die Macht der Monopole, für eine friedliche und demokratische Neugestaltung der Verhältnisse in Westdeutschland kämpfen. Sie war die einzige Partei in Westdeutschland, die für den Sozialismus eintrat.[2]

Quellen:
[1] Autorenkollektiv, Geschichte der SED, Abriß, Dietz Verlag, Berlin, 1978, S.107f.
[2] Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1967, S.346ff.

Anmerkung:
War die Gründung der SED eine „Zwangsvereinigung“?
Hier ist noch ein interessantes Detail aus dem Schulbuch der DDR (Klasse 9, S.243) – das sagt etwas darüber aus, mit welchen demagogischen Tricks die Gegner die Aktionseinheit zu verhindern suchten. (bitte anklicken zum Vergrößern!):

Gegenangriff Seite243
P.S. Die o.g. Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) ist nicht identisch mit der im Internet zu findenden gleichnamigen Partei „KPD“. Letztere ist eine unbestimmbare Neugründung, wobei nicht auszuschließen ist, daß es sich hierbei um einen Namensmißbrauch handelt.

Siehe auch:
Bedingungen für eine neue KPD
Erfahrungen der KPD (Stabilisierungen)
Die ideologische Offensive der KPD

Friedrich Wolf: Es gibt kein größeres Verbrechen als nicht kämpfen wollen, wo man kämpfen muß!

Der jüdische Arzt und Schriftsteller, der Kommunist Dr. Friedrich Wolf, verfaßte 1933 kurz nach der Machtübertragung an die Nazis das Stück „Professor Mamlock“. In diesem 1938 in der Sowjetunion erstmals verfilmten Theaterstück setzt sich Wolf mit der Psychologie seiner deutschen Landsleute auseinander. In den Schulen der DDR (auch Fachschulen!) gehörte dieser Text zum Unterrichtsprogramm. Wie war es möglich, daß 17 Millionen Deutsche Wähler den Nazis ihre Stimme gaben? Wie war es möglich, ein Volk derart zu beeinflussen, daß es nur 8 Jahre später mit fast 5 Millionen Soldaten – 190 Divisionen mit 47.000 Geschützen, 4.300 Panzern und etwa 5.000 Kampfflugzeugen über die Sowjetunion herfiel und mit diesem Krieg eine Blutspur von über 50 Millionen Toten hinterließ?
Friedrich Wolf schrieb dazu:

EIN „MAMLOCK“? – ZWÖLF MILLIONEN MAMLOCKS!

Am 28. 2. 1933 früh 6.30 Uhr – es war noch dunkel – rief mich ein befreundeter Arzt sehr erregt an: „Wissen Sie, Herr Kollege Wolf, das hätte ich Ihnen nun doch nicht zugetraut!“ – „Was ist denn los, Kollege?“ – „Was, Sie wissen nicht? Die Kommunisten haben diese Nacht den Reichstag angezündet, den deutschen Reichstag, Ihre Partei, bitte, ich habe dem nichts mehr hinzuzufügen! Vergessen Sie meine Adresse!“ Bevor ich ein Wort erwidern konnte, hatte er den Hörer aufgelegt. Und nun blieb das Telefon nicht mehr stehen. Ärzte, Juristen, Buchhändler, Verleger, viele meiner Patienten, die mir in der Sprechstunde nicht oft genug ihre Dankbarkeit „fürs ganze Leben“ versichern konnten – jede Minute rief ein anderer meiner Bekannten an und drückte mir seine Entrüstung über diesen „kommunistischen Terrorakt“ aus.
ReichstagsbrandReichstagsbrand

Zuletzt sprach ich mit einer Schauspielerin, die viele meiner Rollen gespielt hatte und künstlerisch mit mir durch dick und dünn gegangen war. Ich sagte dieser intelligenten Frau: „Aber Menschenskind, das ist doch die lange erwartete Wahlbombe der Nazis, die wir seit Wochen in all unseren Versammlungen ankündigten! Glaubst du wirklich diesen Unsinn, daß Kommunisten ausgerechnet den Reichstag anzünden?“ – „Ich glaube nicht“, sagte sie scharf, „sondern es ist so, laut dem amtlichen Pressedienst!“ Sie hatte den Hörer aufgelegt. Zweifellos: der Reichstagsbrand, der sofort einsetzende Terror und der faschistische amtliche Pressedienst verschafften Hitler im März 1933 jene 2 bis 3 Millionen Stimmenzuwachs, die er auf keine andere Weise erlangen konnte. Aber nicht bloß der Reichstagsbrand und der staatliche Nazipressedienst verhalfen ihm zu diesem Erfolg, sondern auch die Psychologie der Millionenmasse der deutschen Zwischenschichten: der Kleinbürger, der Kleinbauern, Beamten, Angestellten und der Gruppe der Intelligenz. Wir sind uns darüber klar, daß der Klassencharakter des Faschismus keine „Rebellion des Kleinbürgertums“ war. Auch der deutsche Faschismus bildete – gerade im „3.Reich“ – keinen „Systemwechsel“; er bildete nach der verkappten Hindenburgdemokratie die „offene terroristische Diktatur der am meisten reaktionären und imperialistischen Elemente des Finanzkapitals“. Das haben auch die deutschen SA-Proleten seit dem 30. Juni 1934 sehr deutlich zu fühlen bekommen. Die eine Frage bekamen wir in den ersten Monaten der Emigration im Jahre 1933 immer wieder zu hören: „Wie war es möglich, daß im Lande Schillers und Goethes, im Lande eines Kant, Hegel, Karl Marx und Friedrich Engels, daß in diesem hochkultivierten Land der ,Dichter und Denker’ so ein einziger plumper Wahlschwindel wie dieser Reichstagsbrand zusammen mit einem Trommelfeuer der Propaganda und mit dem braunen Terror die Psychologie von Millionen intelligenter Leute, die vorher keine Faschisten waren, nun zu Anhängern oder mindestens zu Wählern der Nazis umstimmen konnte?“
Nazis
Von einer antisemitischen Aktion am 1. April 1933 (DDR-Lehrbuch, Geschichte Klasse 9)

Das Stück „Professor Mamlock“ und die kämpferische Haltung dieses mutigen jüdischen Arztes, dieses deutschen Humanisten und Patrioten, sollte nicht nur eine Antwort auf diese Frage geben, sondern auch mit dazu helfen, die braune Schande vom Angesicht unseres Volkes wieder abzuwaschen. Mamlock hat sich anfangs als typischer Deutscher den idealistischen Selbsttäuschungen hingegeben, die bedingt waren durch seine Erziehung und durch die allseitige konventionelle Einstellung der „reinen“ Wissenschaft. Aber er müßte außerdem nicht der Arzt sein, dem das Schicksal des kranken Menschen über alles geht; er müßte nicht der tapfere Soldat seiner Überzeugung sein, dem sein Eisernes Kreuz 1. Klasse, das er vor Verdun erwarb, nicht die Hauptsache ist, sondern dem vielmehr das Schicksal des jüdischen Krankenwärters Simon höher steht als seine Auszeichnung und seine persönliche Sicherheit. Er müßte nicht der Mensch sein mit einem heißen Gerechtigkeitsgefühl, der am Schluß des Schauspiels, den Rücken gegen die Wand, den offenen Kampf aufnimmt gegen die ganze Nazimeute und das Heer der Feiglinge vor ihm. Wie ein Warnruf weit in die Zeit hinein klingen die Worte, die er kurz vor seinem! Tode den „Niedabeigewesenen“ entgegenschleudert:

„Aus eurer Feigheit wird der Gegner sich neue Waffen schmieden. Denn kein größeres Verbrechen gibt es als nicht kämpfen wollen, wo man kämpfen muß!“

Kämpferische Humanität gegen die Hitlerbarbarei, den Nationaldünkel und Rassenwahn, das ist die Haltung des Professor Mamlock. Und hier sind wir mitten im „Mamlock“ und bei einer Hauptursache, weshalb ich dieses Stück schrieb. Denn dieser Mamlock ist nicht irgendeiner, er ist einer von Millionen Mamlocks, er ist ein Typus der Millionen deutscher bürgerlicher „Demokraten“ um 1932/1933, die gestern Hindenburg wählten als „Garanten der Freiheit“, die dann Hitler als „Wall gegen den Bolschewismus“ auf den Schild erhoben.
mamlockDEFA-Film „Professor Mamlock“ (Regie: Konrad Wolf)

Das ist der Mamlock vor seiner Wandlung, die sich im Verlauf des Stückes vollzieht. Er ist da ein Typus jener westlichen „Demokratie“, jener riesigen Fassade auf tönernen Füßen, die heute in ihrer anglo-amerikanischen Fratze – völlig unterhöhlt – nur noch Fassade ist. Er ist ein Typus des deutschen Intelligenzlers, für den „der Staat“ etwas Absolutes, Unwandelbares, Heiliges ist. Aber nicht bloß der „Staat“, auch „die Familie“, die „Wissenschaft“, „die Gerechtigkeit“ sind für ihn unwandelbare, ewige Werte, sind abstrakte Kategorien im Sinne Kants. … Er, Mamlock – der deutsche Jude –, findet keinen Ausweg mehr als den Revolverschuß in die eigene Brust…

Quelle:
Erbe und Gegenwart, Lehrbuch für Ingenieur- und Fachschulen der DDR, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1962, S.267ff.

Über die Schwierigkeiten der Perspektive…

10 Fragen – und 10 Antworten

Nun ist es offenbar so, daß hierzulande einige der tollen „linken“ Sozialreformer kalte Füße bekommen angesichts der bevorstehenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten (mit denen ja offenbar nicht mal die bürgerlichen Ökonomen zurechtkommen – warum wohl?). Die in der Liquidierung eines Staatswesens erfahrenen BRD-Manager fordern für Griechenland bessere „Investitionsbedingungen“ und schlagen gleichzeitig vor, eine Institution nach dem Vorbild der „Treuhand“ in diesem Land zu errichten. Die Folgen eines solchen Ansinnens sind bekannt. Und das ist bei weitem nicht das einzige. Wo soll das alles noch hinführen? Es ist doch schon chaotisch genug! Gibt es denn keinen gewaltfreien Weg zum Übergang in eine vernünftigere Gesellschaftsordnung? Nein, gibt es nicht!

Worin besteht also die Schwierigkeit? Die eigentliche Schwierigkeit besteht darin, die Lage und die Kräfteverhältnisse richtig einzuschätzen, die richtige Strategie und Taktik für die gegebene Etappe zu finden und den Zeitpunkt des Handelns nicht zu verpassen. Vieles spielt sich heute in virtuellen Räumen ab, und da ist es nicht immer leicht, „Erfindungen“ oder Fälschungen von der objektiven Realität zu unterscheiden. Man muß die Klassenpositionen des Proletariats festigen, und dazu bedarf es einer marxistisch-leninistischen Partei. Spontane Einzelaktionen sind da wenig hilfreich, ja sie schaden eher der kommunistischen Bewegung, als daß sie ihr nützen. Und Vertrauen gewinnt am Ende nur der, der eine klare Perspektive hat. Da gibt es eine ganze Reihe von Fragen, zu denen auch Stalin sich schon kritisch äußerte (hier in gekürzter Form zusammengestellt):

1. Ist ein politischer Generalstreik eigentlich sinnvoll?

Die Methode des politischen Generalstreiks sei für das Proletariat unannehmbar, denn sie sei theoretisch unhaltbar (siehe die Kritik von Engels), praktisch gefährlich (sie könne den normalen Gang des Wirtschaftslebens des Landes zerrütten und auf die Gewerkschaftskassen verheerend wirken), und könne nicht die parlamentarischen Kampfformen ersetzen, die die Hauptform des Klassenkampfs des Proletariats seien. Schön, antworten die Leninisten, aber erstens kritisierte Engels nicht jeden Generalstreik, sondern nur eine bestimmte Art des Generalstreiks, und zwar den ökonomischen Generalstreik der Anarchisten, den die Anarchisten als Ersatz für den politischen Kampf des Proletariats vorschlugen – was hat das mit der Methode des politischen Generalstreiks zu tun? Zweitens, wo und von wem wurde bewiesen, daß die parlamentarische Form des Kampfes die Hauptform des Kampfes des Proletariats ist? Zeigt nicht die Geschichte der revolutionären Bewegung, daß der parlamentarische Kampf nur Schule und Hilfsmittel für die Organisierung des außerparlamentarischen Kampfes des Proletariats ist, daß die Grundfragen der Arbeiterbewegung unter dem Kapitalismus durch die Gewalt, durch den unmittelbaren Kampf der proletarischen Massen, durch ihren Generalstreik, ihren Aufstand entschieden werden? Drittens, wie kommt man auf die Frage einer Ersetzung des parlamentarischen Kampfes durch die Methode des politischen Generalstreiks? Wo und wann haben die Anhänger des politischen Generalstreiks versucht, die parlamentarischen Kampfformen durch außerparlamentarische Kampfformen zu ersetzen? Viertens, hat etwa die Revolution in Rußland nicht gezeigt, daß der politische Generalstreik eine gewaltige Schule der proletarischen Revolution und ein unersetzliches Mittel zur Mobilisierung und Organisierung der breitesten Massen des Proletariats am Vorabend des Sturmes auf die Festen des Kapitalismus ist – wozu hier also die philisterhaften Klagen über die Zerrüttung des normalen Ganges des Wirtschaftslebens und über die Gewerkschaftskassen? Ist es nicht klar, daß die Praxis des revolutionären Kampf es auch dieses Dogma der Opportunisten zerschlägt? (S.75f.)

2. Wozu brauchen wir Theorien, kommt es denn nicht auf das richtige Handeln an?

Manche glauben, der Leninismus sei das Primat der Praxis über die Theorie in dem Sinne, daß das Wesentliche in ihm die Umsetzung der marxistischen Grundsätze in die Tat, die „Ausführung“ dieser Grundsätze sei, was dagegen die Theorie anbelangt, so sei der Leninismus in dieser Hinsicht ziemlich unbekümmert. Es ist bekannt, daß Plechanow sich mehr als einmal über die „Unbekümmertheit“ Lenins bezüglich der Theorie und besonders der Philosophie lustig machte. Es ist auch bekannt, daß viele unter den heutigen praktisch tätigen Leninisten der Theorie nicht sehr gewogen sind, besonders angesichts der Unmasse praktischer Arbeit, die die Umstände ihnen aufzwingen. Ich muß erklären, daß diese mehr als sonderbare Meinung über Lenin und den Leninismus ganz falsch ist und in keiner Weise der Wirklichkeit entspricht, daß das Bestreben der Praktiker, sich über die Theorie hinwegzusetzen, dem ganzen Geiste des Leninismus widerspricht und große Gefahren für unsere Sache in sich birgt.

3. Können wir denn heute irgendwelche Erfahrungen überhaupt noch verwenden?

Die Theorie ist die Erfahrung der Arbeiterbewegung aller Länder, in ihrer allgemeinen Form genommen. Natürlich wird die Theorie gegenstandslos, wenn sie nicht mit der revolutionären Praxis verknüpft wird, genauso wie die Praxis blind wird, wenn sie ihren Weg nicht durch die revolutionäre Theorie beleuchtet. Aber die Theorie kann zu einer gewaltigen Kraft der Arbeiterbewegung werden, wenn sie sich in untrennbarer Verbindung mit der revolutionären Praxis herausbildet, denn sie, und nur sie, kann der Bewegung Sicherheit, Orientierungsvermögen und Verständnis für den inneren Zusammenhang der sich rings um sie abspielenden Ereignisse verleihen, denn sie, und nur sie, kann der Praxis helfen zu erkennen, nicht nur wie und wohin sich die Klassen in der Gegenwart bewegen, sondern auch, wie und wohin sie sich in der nächsten Zukunft werden bewegen müssen. Kein anderer als Lenin prägte und wiederholte Dutzende Male den bekannten Leitsatz: „Ohne revolutionäre Theorie kann es auch keine revolutionäre Bewegung geben.“

4. Warum hatte Lenin damals recht?

Lenin verstand besser als jeder andere die große Bedeutung der Theorie, besonders für eine Partei wie die unsrige, angesichts der ihr zugefallenen Rolle, Vorkämpfer des internationalen Proletariats zu sein, und angesichts der komplizierten inneren und internationalen Lage, in der sie sich befindet. Lenin sah diese besondere Rolle unserer Partei bereits im Jahre 1902 voraus und hielt es schon damals für notwendig, darauf hinzuweisen, daß „die Rolle des Vorkämpfers nur eine Partei erfüllen kann, die von einer fortgeschrittenen Theorie geleitet wird“. Als den prägnantesten Ausdruck der hohen Bedeutung, die Lenin der Theorie beimaß, sollte man vielleicht die Tatsache betrachten, daß kein anderer als Lenin die Lösung der überaus ernsten Aufgabe in Angriff nahm, das Wichtigste von dem, was die Wissenschaft in der Periode von Engels bis Lenin gezeitigt hatte, auf dem Gebiet der materialistischen Philosophie zu verallgemeinern und die antimaterialistischen Strömungen unter den Marxisten einer allseitigen Kritik zu unterziehen. Engels sagte vom Materialismus: „Mit jeder epochemachenden Entdeckung… muß er seine Form ändern“. Es ist bekannt, daß diese Aufgabe für seine Zeit kein anderer als Lenin in seinem vortrefflichen Buch „Materialismus und Empiriokritizismus“ gelöst hat. (S.78-80)

5. Sind spontane Aktionen gegenwärtig eigentlich sinnvoll?

Die „Theorie“ der Spontaneität ist die Theorie des Opportunismus, die Theorie der Anbetung der Spontaneität der Arbeiterbewegung, die Theorie der tatsächlichen Leugnung der führenden Rolle der Avantgarde der Arbeiterklasse, der Partei der Arbeiterklasse. Die Theorie der Anbetung der Spontaneität richtet sich entschieden gegen den revolutionären Charakter der Arbeiterbewegung, sie ist dagegen, daß die Bewegung in die Bahnen des Kampfes gegen die Grundlagen des Kapitalismus gelenkt werde, sie ist dafür, daß die Bewegung ausschließlich auf der Linie „erfüllbarer“, für den Kapitalismus „annehmbarer“ Forderungen verlaufe, sie ist ganz und gar für „die Linie des geringsten Widerstandes“. Die Theorie der Spontaneität ist die Ideologie des Trade-Unionismus.

6. Warum wird dann die Spontaneität heute oft so groß geschrieben?

Die Theorie der Anbetung der Spontaneität wendet sich entschieden dagegen, daß der spontanen Bewegung ein bewußter, planmäßiger Charakter verliehen werde, sie ist dagegen, daß die Partei der Arbeiterklasse vorangehe, daß die Partei die Massen auf das Niveau der Bewußtheit erhebe, daß die Partei die Bewegung führe, sie ist dafür, daß die bewußten Elemente der Bewegung diese nicht hindern sollen, ihren eigenen Weg zu gehen, sie ist dafür, daß die Partei lediglich auf die spontane Bewegung höre und hinter ihr einhertrotte. Die Theorie der Spontaneität ist die Theorie der Herabminderung der Rolle des bewußten Elements in der Bewegung, die Ideologie der „Nachtrabpolitik“, die logische Grundlage jeder Art von Opportunismus. (…) Durch den Kampf der alten „Iskra“ und die glänzende Kritik der Theorie der „Nachtrabpolitik“ in Lenins Schrift „Was tun?“ wurde nicht nur der sogenannte „Ökonomismus“ geschlagen, sondern es wurden auch die theoretischen Grundlagen für eine wirklich revolutionäre Bewegung der russischen Arbeiterklasse geschaffen. Ohne diesen Kampf wäre an die Schaffung einer selbständigen Arbeiterpartei in Rußland und an ihre führende Rolle in der Revolution nicht zu denken gewesen. (S.80-82)

7. Was ist denn nun die richtige Organisationsform? Sind Parteien heute überhaupt noch glaubwürdig?

Die Partei ist der organisierte Trupp der Arbeiterklasse. Aber die Partei ist nicht die einzige Organisation der Arbeiterklasse. Das Proletariat hat noch eine ganze Reihe anderer Organisationen, ohne die es keinen erfolgreichen Kampf gegen das Kapital führen kann: Gewerkschaften, Genossenschaften, Betriebsorganisationen, Parlamentsfraktionen, parteilose Frauenvereinigungen, die Presse, Kultur- und Aufklärungsorganisationen, Jugendverbände, revolutionäre Kampforganisationen (zur Zeit offener revolutionärer Aktionen), Deputiertensowjets als staatliche Organisationsform (wenn sich das Proletariat an der Macht befindet) usw. In ihrer übergroßen Mehrheit sind es parteilose Organisationen, und nur ein gewisser Teil von ihnen lehnt sich direkt an die Partei an oder bildet eine Abzweigung von der Partei. Alle diese Organisationen sind unter bestimmten Verhältnissen für die Arbeiterklasse absolut notwendig, denn ohne sie ist es unmöglich, die Klassenpositionen des Proletariats in den mannigfaltigen Sphären des Kampfes zu festigen, denn ohne sie ist es unmöglich, das Proletariat zu stählen als die Kraft, die berufen ist, an die Stelle der bürgerlichen Gesellschaftsordnung die sozialistische zu setzen.

8. Wie kann aber bei dieser Fülle an Organisationen eine einheitliche Leitung verwirklicht werden?

Wo ist die Garantie, daß das Vorhandensein so zahlreicher Organisationen nicht zu einem Durcheinander in der Leitung führen wird? Man könnte sagen, daß jede dieser Organisationen innerhalb ihrer abgesonderten Sphäre tätig ist und daß sie deshalb einander nicht behindern können. Das ist natürlich richtig. Aber richtig ist auch, daß alle diese Organisationen in einer Richtung tätig sein müssen, denn sie dienen einer Klasse, der Klasse der Proletarier. Es fragt sich nun: Wer bestimmt die Linie, die allgemeine Richtung, in der alle diese Organisationen ihre Arbeit ausführen sollen? Wo ist jene zentrale Organisation, die dank der notwendigen Erfahrungen nicht nur fähig ist, diese allgemeine Linie auszuarbeiten, sondern dank der hierzu ausreichenden Autorität auch die Möglichkeit hat, alle diese Organisationen zu veranlassen, diese Linie zu verwirklichen, um eine Einheitlichkeit in der Führung zu erzielen und Stockungen unmöglich zu machen? Eine solche Organisation ist die Partei des Proletariats. (S.156f.)

9. Woher nimmt man die führenden Kader der Partei?

Das zweite Dogma: Das Proletariat könne die Macht nicht behaupten, wenn es nicht über eine genügende Menge fertiger, kulturell hochstehender und in der Administration bewanderter Kader verfüge, die imstande sind, die Verwaltung des Landes zu organisieren; zuerst müsse man diese Kader unter den Verhältnissen des Kapitalismus heranbilden, und dann erst könne man die Macht übernehmen. Nehmen wir an, dem wäre so, erwidert Lenin. Aber warum sollte man die Sache nicht so bewerkstelligen können, daß zuerst die Macht übernommen wird, günstige Bedingungen für die Entwicklung des Proletariats geschaffen werden, und daß man dann mit Siebenmeilenschritten vorwärtsschreitet zur Hebung des Kulturniveaus der werktätigen Massen, zur Heranbildung zahlreicher Kader von Leitern und Administratoren aus den Reihen der Arbeiter? Hat nicht die russische Praxis gezeigt, daß die Führerkader aus den Reihen der Arbeiter unter der proletarischen Macht hundertmal schneller und gründlicher wachsen als unter der Macht des Kapitals? Ist es nicht klar, daß die Praxis des revolutionären Kampfes der Massen auch dieses theoretische Dogma der Opportunisten schonungslos zunichte macht? (S.74f.)

10. Wo wird die Kette der imperialistischen Front zuerst reißen?

Im Jahre 1917 erwies sich die Kette der imperialistischen Weltfront in Rußland als schwächer denn in anderen Ländern. Dort riß sie auch und gab der proletarischen Revolution den Weg frei. Warum? Weil sich in Rußland eine gewaltige Volksrevolution entfaltete, an deren Spitze ein revolutionäres Proletariat marschierte, das einen so ernst zu nehmenden Verbündeten hatte wie die Millionenmassen der von Gutsbesitzern unterdrückten und ausgebeuteten Bauernschaft. Weil dort der Revolution ein so widerlicher Vertreter des Imperialismus gegenüberstand wie der Zarismus, der jedes moralischen Gewichts entbehrte und sich den allgemeinen Haß der Bevölkerung zugezogen hatte. In Rußland erwies sich die Kette als schwächer, obgleich Rußland kapitalistisch weniger entwickelt war als, sagen wir, Frankreich oder Deutschland, England oder Amerika. (…) Kurzum: Die Kette der imperialistischen Front muß, als Regel, dort reißen, wo die Glieder der Kette am schwächsten sind, und keinesfalls unbedingt dort, wo der Kapitalismus am entwickeltsten ist und wo es soundso viel Prozent Proletarier, soundso viel Prozent Bauern gibt usw. (S.86-88)

Quelle:
J.W.Stalin, Über die Grundlagen des Leninismus, in: Werke Bd.6, S.62-166 (gekürzt).

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Und schließlich: Wie unterscheidet man Scharlatane, die sich mit „führenden Ideen“ hervortun, von tatsächlichen kommunistischen Führern? Die Scharlatane treten immer dort in Erscheinung, wo die Lösung der Probleme am dringendsten ist, sie operieren mit ultrarevolutionären Phrasen, versprechen schnelle gesellschaftliche Veränderungen und verkünden neue Konzepte, die angeblich alles bisherige in den Schatten stellen. Scharlatane versuchen, die Geschichte neu zu interpretieren, sie zitieren seitenweise die unterschiedlichsten Theorien, und sie zeichnen sich durch eine fundamentale Unkenntnis des Marxismus-Leninismus aus. Das schließt nicht aus, daß es unter den neu in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einbezogenen Kräften immer einige gibt, die diesen (meist) linksradikalen Ideen zeitweilig Glauben schenken.
(siehe auch: Linksradikalismus, Dietz Verlag Berlin, 1989, S.10)

Siehe auch:
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie
Gab es einen Sozialismus in der DDR?
Der Sozialismus war und ist lebensfähig!

Und immer wieder über Stalin…

Stalin

Der Text an der Marmortafel lautet:

Ich weiß, daß man nach meinem Tod über mein Grab einen ganzen Haufen Schmutz ausschütten wird. Doch der Wind der Geschichte wird ihn erbarmungslos beiseite fegen.

J.W.Stalin

Wenn gerade wieder einmal so ein illustriertes Schmutzblatt der BRD seinen unhistorischen, stalinfeindlichen Dreck über das sensationsgeile und verblödete Leserpublikum ausschüttet, so ist eigentlich jeder Kommentar dazu überflüssig. Oder wie Inson sagt: „Über den Inhalt gibt es eigentlich kein Wort mehr zu verlieren, jedes wäre eins zuviel, aber eines sollten sich diese pseudointellektuellen Flachwichser jeglicher Couleur hinter die Ohren schreiben: Die Sowjetunion unter der Führung Stalins hat mehr für ihre ‚Freiheit‘ getan, als jedes andere Land dieser Welt.“ (mehr…) Um aber zu verstehen, warum der Revisonismus auf einige (wohl auch naive) Kommunisten nicht ohne Wirkung blieb, wäre dem noch hinzufügen, was Peter Hacks einmal an Kurt Gossweiler schrieb:

„Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen.“ (Hacks, Am Ende verstehen sie es, Eulenspiegel Verlag, Berlin, 2005, S.112)

Siehe auch:
Stalin und Kirow – eine revolutionäre Freundschaft.
L.Pribytkowa: …und wieder mal über Stalin

Helvétius und die Moral der Banditen

Nicht selten haben selbst Banditen ihre eigene Moral, wie wir das aus dem 1974 gezeigten DEFA-Film „Die Moral der Banditen“ kennen (Buch: Horst Bastian). Ganoven aller Art bestimmen heute, was gut und was böse ist, sie bestimmen, wer zum „Reich des Bösen“ gehört und wer nicht. Und sie bestimmen, wer dereinst in dem Himmel kommt, und wer gefälligst in der Hölle zu schmoren hat, wenn – ja, …wenn sich die Verhältnisse nicht wieder ändern sollten. Denn die Moral ist abhängig von der jeweiligen Gesellschaft, von der Klasse, welche sie hervorbringt. Und es sind die Mächtigen dieser Gesellschaft, die darüber befinden, was moralisch ist und was nicht. Diese Einsicht ist nicht neu. Schon vor über 250 Jahren gelangte der französische Philosoph Helvétius zu der sarkastischen Feststellung: „Die unmäßige Liebe des Mönchs zur Macht bringt seine unmäßige Barbarei hervor.“
Und das gilt ja nicht nur für den Klerus…

Die Macht und die Moral

Historisch überlebte Klassen manipulieren die Menschen auch mittels ihrer Moral. Sie soll das Bestehende erhalten helfen. Sie lenken deshalb häufig von den grundlegenden Menschheitsfragen ab und versuchen, das moralische Fühlen, Denken und Handeln der Unterdrückten zu beschneiden, es ausschließlich auf die persönliche und intime Sphäre zu begrenzen. Auf alle Fälle soll die Gesellschaft aus der moralisch-kritischen Betrachtung ausgespart bleiben. So, wie sie ist, sei sie die beste aller denkbaren Welten. An ihr sei nichts zu verändern. Das auch durch moralische Ge- und Verbote zu unterstreichen, werden die Ideologen ausbeutender Klassen nicht müde.

Auch die Form moralischer Orientierungen wird von ihnen darüber hinaus häufig so gewählt, daß moralisch selbständiges Denken weitgehend unterdrückt, die moralische Aktivität der Menschen auf die Anpassung an die Ordnung der Ausbeuter hinausläuft und zur Einpassung in das System der Erhaltung ihrer Herrschaft führt.

Die historische Veränderung des »moralischen Universums«

Helvétius griff die Feudalordnung und ihre Verteidiger scharf an. Als geistiger Vertreter einer aufstrebenden gesellschaftlichen Bewegung verfocht er den Gedanken von der moralischen Beurteilung der bestehenden Ordnung und, als Folge davon, den von der historischen Veränderung der Moral. »Das moralische Universum ist in den Augen des Dummen in einem stetigen Zustand der Ruhe und Unbeweglichkeit. Er glaubt, daß alles war, ist und sein wird, wie es ist. In der Vergangenheit und in der Zukunft sieht er immer nur die Gegenwart. Beim aufgeklärten Menschen ist es anders. Die moralische Welt bietet ihm das immer veränderte Schauspiel einer fortwährenden Revolution.« (1, S.505)
helvetiusClaude Adrien Helvétius (1751-1771)

Der Gedanke von der historischen Veränderung des »moralischen Universums« ist hochexplosiv. Anerkennt man die Veränderung der Moral erst einmal generell, dann sind alle Vorstellungen von »gut« und »böse« gleichfalls nicht von Ewigkeit, dann waren sie nicht immer so wie jetzt, und dann bleiben sie es auch nicht, dann sind die Zustände, die jetzt offiziell »gut« geheißen werden, nur in beschränktem Maße »gut«, dann ist es zulässig, ja sogar erforderlich, die moralische Sanktionierung der alten Ordnung kritisch zu überprüfen und sie zu überwinden. Das heißt, die feudal-religiöse Moral zu attackieren, ihre Rolle in der Auseinandersetzung zwischen Fortschritt und Reaktion aufzudecken und an ihre Stelle die eigene Moral zu setzen. »Das Universum, das immer in Bewegung ist, erscheint ihm (dem aufgeklärten Menschen; W.B.) unter dem Zwang, sich unaufhörlich in neuen Formen zu reproduzieren, bis zur völligen Erschöpfung aller Kombinationen, bis alles, was sein kann, gewesen ist und alles Vorstellbare existiert hat.« (1, S.505)

Eckpfeiler jeder revolutionären Moral

Es ist in der Tat so, daß die Volksmassen, deren historische Aufgabe die Überwindung der jeweils überholten und die Gestaltung der neuen Gesellschaftsordnung ist, in ihrem Kampf für sich selbst neue moralische Wertungen schaffen und die Moral insgesamt zu einer neuen Qualität führen. Wer gemeinsam mit anderen eine neue Gesellschaft erkämpfen und gestalten will, von denen wird zu jeder Zeit persönlich viel erwartet. Es wird ihnen mehr abverlangt als anderen. Sie müssen vor allem selbst aktiv sein, sich für Belange des eigenen Volkes und anderer, ihnen Fernstehender, interessieren, erwärmen und für sie einsetzen können. Sie müssen, ungeachtet unvorherzusehender Risiken für die eigene Person, konsequent tun, was im Augenblick für deren Schicksal unerläßlich ist, und sie müssen für ihre Entscheidungen »geradestehen«, also die persönliche Verantwortung tragen wollen.

Eine fortschrittliche Moral braucht »ganze Kerle«

Nicht selten wird es erforderlich sein, das bislang Übliche kritisch zu sehen, es in Frage zu stellen, öffentlich und für alle sichtbar persönlich damit zu brechen, Neues aufzufinden oder selbst hervorzubringen und es an die Stelle des Alten zu setzen. Sie werden den Mut aufbringen müssen, selbst auf neue Art zu leben. Es wird für sie auch darauf ankommen, einmal Errungenes standhaft zu verteidigen und über eine bestimmte Zeit hinweg die schwierige Lage des Schrittmachers, des Vorangehenden, durchstehen zu können. Das ist nicht jedermanns Sache. Dazu bedarf es »ganzer Kerle«. Es gibt jedoch kein Jahrhundert in der Menschheitsgeschichte und keinen Bereich des gesellschaftlichen Lebens, in denen für die Menschheit Bedeutsames entstanden wäre ohne Persönlichkeiten, die anderen vorangingen.
de_lespritDe L’Esprit (ein Buch mit dem sich Rousseau auseinandersetzte)

In der Geschichte der Menschheit geschieht nichts von selbst. Alles entspringt aus der Tätigkeit von Menschen. Nur wer persönlich eine aktive Lebensposition einnimmt, ist fähig, an historisch Bedeutsamem persönlich mitzuwirken. Deshalb schälte sich in der Moral der progressiven Kräfte, als die Menschheit aus der Finsternis des Mittelalters hervortrat und der Kampf gegen das Dunkelmännertum von ihren besten Männern und Frauen aufgenommen wurde, die Forderung nach einer aktiven Lebensposition zunehmend stärker heraus. »Überall, wo das Volk nicht die Macht hat (und in welchem Land hat es die Macht?), ist der Anwalt des öffentlichen Wohls ein Märtyrer der Wahrheiten, die er entdeckt.« (1, S.424) Mit diesen Worten begründet Helvétius jenen Eckpfeiler jeder revolutionären Moral, über den wir eben sprachen. Diese Forderung ergibt sich aus seiner Sicht eben deshalb als Auftrag an die Moral einer aufstrebenden sozialen Gruppe, weil die Geschichte der Menschheit nichts anderes ist als das Resultat menschlicher Tätigkeiten. Was die Menschen auch immer tun, stets zielen sie auf die Verwirklichung von Interessen ab. »Der Mensch gehorcht immer seinem wohl- oder schlechtverstandenen Interesse. Das ist eine Wahrheit, die auf Tatsachen beruht; man verschweige sie oder spreche sie aus, das Verhalten der Menschen wird immer dasselbe sein.« (1, S.424)

Moral und Interessen

Die grundlegenden Interessen sind, auch darauf stößt Helvétius bei seinen Forschungen, von Klasse zu Klasse ebenso verschieden, wie ihr Verhältnis zu den Erfordernissen des historischen Fortschritts konträr ist. Darum wird von der Position der einen dasjenige moralisch höchstes Lob finden, was von der anderen »verteufelt« wird. Auch das sprach Helvétius bereits aus, als er Bürger- und Adelsstand aus diesem Blickwinkel miteinander verglich. Unter dem Eindruck der historischen Situation seiner Zeit schrieb er: »Es gibt kein Land, in dem nicht der gewöhnliche Bürgerstand, der immer unterdrückt wird und selten Unterdrücker ist, die Tugend liebt und achtet. Sein Interesse treibt ihn dazu. Anders ist es mit dem Adelsstand. In dessen Interesse liegt es, ungestraft ungerecht zu sein und in den Herzen jedes Gefühl von Rechtlichkeit zu ersticken.« (1, S.297) Der Gedanke von der Bindung der Moral an die Position einer Klasse und vom Gegensatz der Klassenmoral wurde von ihm unmißverständlich hervorgehoben.

Eine Moral im Interesse der Mehrheit des Volkes

Auch dafür sah er den entscheidenden Grund im Gegensatz der Interessen der Klassen. »Der Tugendhafte sieht im Interesse … die mächtige und allgemeine Triebfeder, die bewegende Kraft aller Menschen, die sie bald zum Laster, bald zur Tugend führt.« (1, S.116) Den historischen Zeitpunkt, zu welchem der Gegensatz der Klassen in ihrer Moral offen zutage tritt und ausgefochten wird, kennzeichnete er treffend als den Augenblick, zu dem sich alle Reichtümer und die Staatsgewalt in den Händen weniger vereinigen, zwischen den verschiedenen Klassen und Bürgern keine Bindung mehr besteht, weil eine Trennung von öffentlichem und privatem Interesse eingetreten sei.

Das Verdienst von Helvétius

Es ist das große Verdienst von Helvétius, einige Aussagen moraltheoretischen Charakters schon aus materialistischer Sicht zu treffen oder ihre spätere materialistische Behandlung vorzubereiten. Dies betrifft vor allem die Hervorhebung der Rolle der Interessen in bezug auf die Formulierung moralischer Standpunkte, des historisch konkreten Charakters der Moral, der Beziehungen zwischen Klasseninteressen und moralischen Standpunkten und des Gedankens von der Veränderung moralischer Forderungen.


Quelle:
Wolfgang Bradter, Nur zur Hälfte lebt der Mensch moralisch, Urania Verlag, Leipzig – Berlin – Jena, 1979, S.34-39.

Nachtrag:
Was ist nun eigentlich Moral? „Unter Moral verstehen wir die Gesamtheit der Normen, Werte und sittlichen Prinzipien, von denen sich die Menschen in ihrem Verhalten zueinander und zu den gesellschaftlichen Erscheinungen leiten lassen. Nach allem, was wir bisher über die Zusammenhänge der Gesellschaftsentwicklung kennengelernt haben, ist es klar, daß die Moral immer die Moral einer bestimmten Klasse ist. Ebenso wie die Auffassung von der Freiheit, tragen die Auffassungen vom moralischen Verhalten Klassencharakter.“ (2)

Im Jahre 1920 stellte Lenin fest (3):
Lenin

Später wurden die grundlegenden Werte und Normen des Sozialismus im Programm der SED festgelegt. Da heißt es u.a.: „Du sollst helfen, die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen.“ Allein schon darin liegt eine gewaltige, revolutionäre Herausforderung für die kommenden Generationen…

Zitate:
(1) Claude-Adrien Helvétius, Vom Menschen, von seinen geistigen Fähigkeiten und von seiner Erziehung, Berlin und Weimar, 1976.
(2) E.Hahn/A.Kosing, Marxistisch-leninistsche Philosophie geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag, Berlin, 1978, S.209.
(3) W.I.Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: Werke, Bd.31, S.283.