„Was tun?“ — sprach Zeus…

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„die Götter sind besoffen, und
vollgekotzt ist der Olymp!“

(Autor unbekannt)

Es gibt in unserer Gesellschaft immerhin eine beträchtliche Anzahl unpolitischer Menschen. Sie sind im großen und ganzen zufrieden, halten sich aus allem heraus, und sie finden, daß man nirgendwo auf der Welt mehr Freiheit hat, als in diesem Land. Und sie wollen (um Gottes Willen!) keine amerikanischen Verhältnisse. Sie loben den Rechtsstaat und schauen mit schrägen Blick auf alle, die sich auf Demonstrationen naßspritzen lassen, an Gleise ketten, die sonst irgendwie Ärger mit der Polizei kriegen, weil man ihnen (horrible dictu!) vielleicht sogar Landfriedensbruch oder andere schlimme Dinge vorwirft. „Na, irgendwas muß ja dran sein, sonst würden die ja keine Haussuchung machen!“ sagen sie sich und gehen zur Tagesordnung über … was ist’n am Wochenende los? — Für sie schreiben wir das alles nicht.

Eine andere Kategorie sind diejenigen, die nichts Gescheiteres zu tun haben, als sich über den richtigen „Weg zum Kommunismus“ zu streiten. Wir haben weder Zeit noch Lust, uns an diesem Intrigantenstadl zu beteiligen. Man sollte sich davon nicht irritieren lassen. Wer sich in dieser Manier um die Einheit und Reinheit nach hausgestrickten Maßstäben richtet, hat gar keine Zeit, sich um die eigentlich wichtigen Probleme zu kümmern. Das ganze ist ein Lehrstück dafür, was bleibt, wenn man den Klassengegner aus dem Auge verliert. Sie werden wir nicht bekehren. Und es gibt eine dritte Kategorie: Das ist die Bourgeoisie, es sind die Oligarchen, die Blutsauger des Volkes und ihre Lakaien, Beamten und Söldner. Gegen sie werden wir auch weiterhin energisch kämpfen. Und dann gibt es schließlich die, die ohnehin am Boden liegen…

Für alle anderen, und für diejenigen, die sich ernsthaft die Frage stellen, wie es denn weitergehen soll, schrieb A.G.Grigorenko:

In dem großen historischen Erbe, das Wladimir Iljitsch Lenin uns hinterlassen hat, nimmt die Arbeit „Was tun?“ einen hervorragenden Platz ein. Dieses Werk hat die Aufgabe und das Aktionsprogramm des Proletariats und seiner politischen Partei für eine ganze historische Epoche mit dem klarem Licht des wissenschaftlichen Sozialismus erleuchtet. Die in diesem Buch entwickelten theoretischen Leitsätze wurden zur Grundlage der Ideologie der bolschewistischen Partei.

Die sozialistische Ideologie entsteht nicht aus der spontanen Bewegung, sondern aus der Wissenschaft, und wenn die „Ökonomisten“ die Notwendigkeit des Hineintragens des sozialistischen Bewußtseins in die Arbeiterklasse leugnen, so erleichtern sie damit das Eindringen der bürgerlichen Ideologie in die Arbeiterklasse.

Lenin erinnert daran, daß die Lehre des Sozialismus aus philosophischen, historischen und ökonomischen Theorien entstand, die von gebildeten Vertretern der besitzenden Klassen, der Intelligenz, herausgearbeitet wurden, und daß die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus, Marx und Engels selbst, ihrer sozialen Stellung nach der bürgerlichen Intelligenz angehörten. Ebenso entstand auch in Rußland die theoretische Lehre der Sozialdemokratie als natürliches und unvermeidliches Ergebnis der Ideenentwicklung der revolutionär-sozialistischen Intelligenz. Das sozialistische Bewußtsein konnte nur von außen in die Arbeiterklasse hineingetragen werden, denn unter den Bedingungen der kapitalistischen Ausbeutung ist das Proletariat der Möglichkeit beraubt, sich an die Spitze der Wissenschaft zu stellen und sie vorwärtszutreiben.

Sozialistisches Bewußtsein entsteht nicht von allein…

„Man sagt“, schrieb Genosse Stalin, als er die Leninschen Ideen entwickelte, „daß die Arbeiterklasse in einigen Ländern selbst eine sozialistische Ideologie (den wissenschaftlichen Sozialismus) herausgearbeitet habe und sie auch in den übrigen Ländern herausarbeiten werde, weshalb es ganz überflüssig sei, sozialistisches Bewußtsein in die Arbeiterbewegung von außen hineinzutragen. Das ist jedoch ein schwerer Irrtum. Um den wissenschaftlichen Sozialismus herauszuarbeiten, muß man an der Spitze der Wissenschaft stehen, muß man mit wissenschaftlichen Kenntnissen gewappnet sein und es verstehen, die Gesetze der historischen Entwicklung eingehend zu erforschen. Die Arbeiterklasse aber, solange sie Arbeiterklasse bleibt, ist außerstande, an die Spitze der Wissenschaft zu treten, sie vorwärtszubringen und die historischen Gesetze wissenschaftlich zu erforschen: sie hat hierfür weder Zeit noch Mittel.“ [1]

Das bedeutet natürlich nicht, daß die Arbeiter an der Herausarbeitung des sozialistischen Bewußtseins nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, sie nehmen nur dann und soweit daran teil, sagte Lenin, als es ihnen gelingt, sich das Wissen ihrer Zeit anzueignen und dieses Wissen zu bereichern.

Der Sozialismus in den Händen der Arbeiterklasse ist eine scharfe Waffe

Die Arbeiterklasse, sagte Lenin, fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen, denn die sozialistische Theorie zeigt tiefgehend und richtig die Ursachen des Elends der Arbeiterklasse auf und weist den Weg zu ihrer Befreiung von der kapitalistischen Sklaverei. Deswegen erfassen die Arbeiter die Theorie so leicht. Aber „die am weitesten verbreitete (und in den mannigfaltigsten Formen ständig wiederauferstehende) bürgerliche Ideologie drängt sich“ — in der kapitalistischen Gesellschaft — „trotzdem spontan dem Arbeiter am meisten auf“. [2]

Und Lenin zieht die Schlußfolgerung, daß der Sozialismus nur dann zu einer scharfen Waffe werden kann, wenn er mit der Arbeiterbewegung vereinigt wird. Dieser Leninsche Grundsatz wurde von Genossen Stalin mit außerordentlicher Kraft vertreten und entwickelt.

„Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung?“, schrieb Genosse Stalin. „Ein Kompaß, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müßte er über Bord geworfen werden. Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompaß, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompaß hat, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde. Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht. Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ‚gelobten Land‘ entgegenstreben wird.“ [3]

Deswegen, fährt Genosse Stalin fort, ist es die Pflicht der Sozialdemokratie*, in die spontane Bewegung der Arbeiter das sozialistische Bewußtsein hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte des Proletariats zu einer zentralisierten Partei zu vereinigen, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen, die der Verwirklichung dieser Aufgaben hindernd im Wege stehen.

Quelle:
GrigorenkoZitate:
[1] J.Stalin, „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in: Werke, Bd.1, S.86; Einzelausgabe S. 12.
[2] W.I.Lenin, „Was tun?“, in: Ausgewählte Werke, Bd.I, S.209; Einzelausgabe S.75.
[3] J.Stalin, „Kurze Darlegung…“, in: Werke, Bd.1, S.88/89; Einzelausgabe S.15.

*die Sozialdemokratische Partei Rußlands SDAPR( B ) war die Partei Lenins. Sie wurde auf Vorschlag Lenins auf Beschluß des VII.Parteitages (6.-8. Mai 1918) in „Kommunistische Partei Rußlands (Bolschewiki) – KPR( B )“ umbenannt.

(Und deswegen lohnt es sich heute, Lenins Werk „Was tun?“ erneut zu studieren. Das ist auch der Grund, warum wir dies hier alles schreiben… die Besoffenen werden wir nicht wecken!)

Siehe: Lenin – Womit beginnen?

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