Quo vadis SPD? Was wollt ihr erreichen?

Politik sei gar nicht mal so uncool, behauptet sie SPD. Man könne reicher werden und sexy bleiben, tönt es da. Und die so angesprochenen Jugendlichen würden nun mehr Zeitung lesen als bisher, mehr Nachrichten im Fernsehen ansehen und sich stärker als zuvor für ihr gesellschaftliches Umfeld interessieren. Na, prima! Da haben wir ja eine ganz großartige Entwicklung zu verzeichnen. Im Jahre 1939 schrieb der Arbeiterdichter Willi Bredel während seiner Inhaftierung im Gerichtgefängnis Bergedorf bei Hamburg den Roman „Maschinenfabrik N & K“. Darin nimmt er auch Stellung zur Rolle der SPD. Zwischen dem kommunistischen Arbeiter M. und dem Sozialdemokraten G. entspann sich die folgende Diskussion:

G.: „Nun, Kollege M. was ist deine Meinung?“
M.: „Wenn ich das sagen soll, muß ich erst eins wissen!“
G.: „Na, und?“
M.: „Was glaubt ihr zu erreichen, und was ist der Zweck des Ganzen?“
G.: „Ich denke mir das eventuell so“, erklärte G., „wir bleiben eine lose Gemeinschaft, unterhalten uns über alle Mißstände im Betrieb und suchen sie zu beseitigen und besprechen alle sonstigen Vorkommnisse und wirken revolutionierend und reinigend – jeder in seiner Partei. Wir sind so gewissermaßen in den kleinsten Anfängen das Verbindungs- und Einigungsglied zwischen den beiden sozialistischen Parteien!“

Alles blickte auf M.
M.: „Nun, dann will ich darauf auch einmal ein offenes Wort sagen“, begann er lächelnd. „Ich brauche keine lange Einleitung zu machen. Mein Leben hat nur durch meine politische Tätigkeit in den Organisationen des Proletariats und im revolutionären Kampfe um seine Befreiung Sinn und Inhalt. Daß eine starke, millionenstarke, im Ziel klare und im Wollen einige Partei die Voraussetzung des Sieges der Arbeiterklasse sein muß, weiß ich. All das brauche ich wohl nicht zu betonen. Aber nun eins. Eure ganze Einstellung, eure ganze Absicht, ich will gerne zugute halten, unbewußt, unbeabsichtigt, steht auf antisozialistischer Grundlage. Die entscheidende Frage für euch ist doch, die Sozialdemokratie zu reformieren. Ich vermeide bewußt das Wort revolutionieren. Und da seid ihr in einem Generalirrtum befangen.

Die SPD-Führung betreibt keine revolutionäre, keine marxistische, sozialistische Politik mehr. Sie war in den Jahren der Revolution der Retter der kapitalistischen Wirtschaft auf bürgerlich-demokratischer Grundlage, sie ist im Laufe der Jahre ein Bestandteil dieser Wirtschaft und dieses Staates geworden. Ihre ganze Politik richtet sich vornehmlich gegen alle revolutionären Strömungen in der Arbeiterklasse.

Sie hat nicht nur die proletarische Revolution blutig unterdrückt, sie hat sich von damals bis heute zum ausgesprochenen Schützer des kapitalistischen Staates entwickelt, der mit allen Mitteln der bewaffneten Klassenmacht der Bourgeoisie jeden revolutionären Willen der Arbeiterklasse blutig unterdrückt. Die Rolle des Faschismus im Todesalter des Kapitalismus ist bekanntlich, dem Kapitalismus durch barbarischste Unterdrückung aller revolutionären Kräfte des Proletariats eine Galgenfrist zu verschaffen. Die heutige SPD-Führung arbeitet unter einer dünnen Maske sozialer Phrasen dem Faschismus in die Hand.

Sie hat den Marxismus endgültig über Bord geworfen und steht in krassem Gegensatz zu den Lebensinteressen der Arbeiterklasse. Die klügeren und prominenteren Gegner der offiziellen Parteipolitik opponieren auch nur gegen die plumpe Taktik eines verlumpten Nosketums, gegen die grundlegende antisozialistische, staatserhaltende Politik opponieren sie nicht. Aber darin liegt das Entscheidende. Eure Versuche werden, wie man so sagt, am untauglichen Objekt scheitern, oder ihr werdet euch anpassen und in die Front der Klassengegner schwenken. Ich kann euch in meinem und meiner Genossen Namen nur sagen: solange ihr einer solchen Führung folgt, solange ihr die politischen Grundfragen dieser Partei bejaht und die KPD bekämpft, solange ihr nicht beweist, durch Wort und Tat, daß ihr proletarische Revolutionäre seid, solange gibt es zwischen uns keine Annäherung.

Die Tatsache, daß wir eine Generation und sämtlich aus der Jugendbewegung sind, hat gar nichts auf sich und ist als einzige Grundlage irgendeiner Gemeinschaft völlig ungenügend. Einmal sind aus der proletarischen Jugendbewegung genügend Korruptionisten hervorgegangen, so daß die ehemalige Mitgliedschaft einfach kein absoluter Beweis politischer Anständigkeit mehr ist. Und zweitens ist, wie gesagt, die entscheidende Frage die des politischen Bekenntnisses. Wer wirklich bereit ist, für die proletarische Revolution, für den Sozialismus zu leben und zu kämpfen, der kann nur einen Weg, nur einen einzigen Weg gehen: mit allen revolutionären Arbeitern in der geschlossenen proletarischen Klassenfront, unter Führung der Partei Lenins und Liebknechts.
– Das ist, was ich hier zu sagen hätte!“

Quelle:
Willi Bredel, Maschinenfabrik N & K, Aufbau Verlag, Berlin und Leipzig, 1970. S.92f.

Anmerkung: Damit war die Diskussion natürlich nicht beendet. Im Gegenteil – sie begann erneut. Damals wie heute. Eine wichtige Frage an die SPD (wie auch an die DKP und die Linke) lautet: Was glaubt ihr zu erreichen, und was ist der Zweck des Ganzen? Daß viele Arbeiter schließlich doch den Sinn dieser Worte begriffen, zeigte sich in der Vereinigung beider Parteien, der KPD und der SPD, und in dem historischen Händedruck von Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl am 21. April 1946. Es zeigte sich: Marx hatte doch recht…
Marx-SPD

Ein Gedanke zu “Quo vadis SPD? Was wollt ihr erreichen?

  1. Ja genau, nur eine starke einheitliche Partei der Arbeiterklasse ist in der Lage die Interessen der Arbeiterklasse wirkungsvoll zu erkämpfen. Und dies kann nur eine revolutionäre Kampfpartei sein, die KPD, die fest auf den Füßen des Marxismus-Leninismus steht.
    MfG

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