Friedrich Engels: Über den Staat

StaatsmachtWer hat nicht neulich in Fernsehen die Hochzeitszeremonie dieses preußischen Brautpaares mit angesehen. Die machen ja einen so einen sympathischen Eindruck… Ach, wie nett! Ein ganz normales Märchen, nicht wahr? Vielleicht sollten wir doch lieber wieder zur Monarchie zurückkehren? Die sind ja gar nicht so…Was ist der Staat denn nun wirklich, und zu welchem Zweck existiert er?

Massenmedien und bürgerliche Ideologen versuchen immer wieder, den Klassencharakter dieses Staates zu verschleiern. Denn Ordnung muß sein! Doch wie verschieden die Formen des bürgerlichen Staates auch immer sein mögen, ihr Wesen ist stets dasselbe: Der bürgerliche Staat ist eine Diktatur der Bourgeoisie. 

Schon 1884 schrieb Friedrich Engels:

Der Staat ist also keineswegs eine der Gesellschaft von außen aufgezwungne Macht; ebensowenig ist er „die Wirklichkeit der sittlichen Idee“, „das Bild und die Wirklichkeit der Vernunft“, wie Hegel behauptet. Er ist vielmehr ein Produkt der Gesellschaft auf bestimmter Entwicklungsstufe; er ist das Eingeständnis, daß diese Gesellschaft sich in einen unlösbaren Widerspruch mit sich selbst verwickelt, sich in unversöhnliche Gegensätze gespalten hat, die zu bannen sie ohnmächtig ist.

Damit aber diese Gegensätze, Klassen mit widerstreitenden ökonomischen Interessen nicht sich und die Gesellschaft in fruchtlosem Kampf verzehren, ist eine scheinbar über der Gesellschaft stehende Macht nötig geworden, die den Konflikt dämpfen, innerhalb der Schranken der „Ordnung“ halten soll; und diese, aus der Gesellschaft hervorgegangne, aber sich über sie stellende, sich ihr mehr und mehr entfremdende Macht ist der Staat. …

Da der Staat entstanden ist aus dem Bedürfnis, Klassengegensätze im Zaum zu halten, da er aber gleichzeitig mitten im Konflikt dieser Klassen entstanden ist, so ist er in der Regel Staat der mächtigsten, ökonomisch herrschenden Klasse, die vermittelst seiner auch politisch herrschende Klasse wird und so neue Mittel erwirbt zur Niederhaltung und Ausbeutung der unterdrückten Klasse. So war der antike Staat vor allem Staat der Sklavenbesitzer zur Niederhaltung der Sklaven, wie der Feudalstaat Organ des Adels zur Niederhaltung der leibeignen und hörigen Bauern und der moderne Repräsentativstaat Werkzeug der Ausbeutung der Lohnarbeit durch das Kapital.

Quelle:
Friedrich Engels, Der Urspung der Familie, des Privateigentums und des Staats, in: Marx/Engels Ausgewählte Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1988, Bd.VI, S.188/190 (bzw. MEW, Bd.21, S.165-167).

Siehe auch:
J.R.Becher: Die DDR – ein Menschen-Staat

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