Aufklärung – unsere Hauptaufgabe!

Schon 1784 befaßte sich der Philosoph und Naturforscher Immanuel Kant (1724-1804) mit der Frage: „Was ist Aufklärung?“ [1] Er war der erste Hauptvertreter der klassischen deutschen Philosophie. In seinem vorwiegend idealistischen System sind aber auch materialistische Gedanken enthalten. Ungeachtet seiner idealistischen Weltanschauung gelangte Kant dabei zu Erkenntnissen, die man heute manch einem der jubelnden „Benedetto“-fans nur wünschen kann: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ Gerade an diesem Mut scheint es denen ja zu mangeln… sie sind und bleiben mitunter zeitlebens unmündig. Sie sind manipuliert, sie agieren fremdgesteuert. Und man fragt sich: Ist das nun Feigheit oder ist es (Denk-)Faulheit? Denn es ist ja so bequem, unmündig zu sein: „Wie geht es Ihnen?“ – „Mein Arzt (der Herr Pfarrer, mein Chef etc.) ist zufrieden mit mir!“ …Sind wir nun wieder im Mittelalter angekommen???
KantAufklärung
Die Geschichte der Aufklärung ist lang. Man versteht darunter eine bestimmte historische Form der bürgerlichen Emanzipationsideologie und -literatur. Durch die Aufklärung wurde das metaphysisch-theologische Weltbild überwunden, das der Feudalordnung den „Heiligenschein göttlicher Weihe“ [2] verliehen hatte. In diesem Zusammenhang sei an einige Gedanken erinnert, die Klaus Hartmann, der Vorsitzende des Freidenkerverbandes kürzlich aussprach:

Über die Kosten des Papstbesuches
– 25 bis 30 Millionen Euro soll der Spaß laut Deutscher Bischofskonferenz kosten, allein der Altar im Olympiastadion kostete 400.000 Euro, und der bleibt ja für die folgenden Spiele nicht stehen. Die Kirche spricht zwar viel über ihre Beiträge, aber kein Wort erfährt man über die öffentliche Hand, die ja auch von Evangelen, Muslimen und Konfessionsfreien gefüttert wird.

Trennung von Kirche und Staat
– Wenn Staat und Kirche getrennt sind, hat ein Missionar im Parlament nichts verloren, außer auf der Besucherempore. … Entgegen der verfassungsmäßigen Neutralität des Staates in Religions- und Weltanschauungsfragen machten sie den Bundestag zum Gotteshaus. Kritiker an dieser Entscheidung wurden hysterisch niedergemacht. Das zeugt von Besessenheit der christlich-abendländischen Leitkultur-Kämpfer…

Das Geschäft mit der Volksverdummung
– Das hat nichts mit Religion zu tun, das gehört zum Geschäft der Mainstreammedien, zu ihrem Auftrag: Brot und Spiele, Zerstreuung und Ablenkung vom Wesentlichen. Die Menschen sollen permanent in Atem gehalten werden, nicht zu sich selbst kommen, nicht gegen ihre eigene bedrückende Situation aktiv werden, nicht deren Ursachen und Verursacher erkennen. Das ist ein Programm zur Volksverdummung. Permanent werden Events kreiert, Stars geboren, Idole zur Identifikation angeboten, man könnte sagen, jeden Tag wird eine neue Sau durchs Dorf getrieben.

Desinteresse der Menschen an religiösen Events
– Es ist ganz in unserem Sinne, wenn über 80 Prozent der Bevölkerung ihr Desinteresse bekunden, und die Vermarktung zum Megaevent eines Popstars durch die Massenmedien wird der Kirche kaum neue Schafe in die Arme treiben. … Die menschenfeindlichen Positionen der Papstkirche bringen bemerkenswert viele Menschen in Bewegung.

Der Mensch kann die Welt erkennen und verändern!
– Freidenker sind eine Weltanschauungsgemeinschaft, sie vertreten eine nichtreligiöse, also eine philosophische Weltanschauung. Ihre Grundlagen sind philosophischer Materialismus, Dialektik und eine darauf gegründete Geschichtsauffassung. Das bedeutet, der Mensch kann die Welt erkennen und verändern.

Der Gehirnwäsche widerstehen!
– Wir … propagieren eine Gesellschaft ohne Ausbeutung und Kriege. Um dafür Menschen in Bewegung zu bringen, müssen sie der Gehirnwäsche widerstehen, mit dem eigenen Kopf denken, und deshalb betrachten wir Aufklärung als unsere Hauptaufgabe.

Kriege zur Neuaufteilung der Welt
– Die aktuelle Wirtschaftskrise wirft ein grelles Licht auf die Gefahren der heutigen Weltsituation. Krisen wurden bisher immer durch Vernichtung von Überkapazitäten »gelöst«: von Produktionsmitteln und Menschen. Seit der Niederlage des Sozialismus in Europa sind neokolonialistische Kriege wieder an der Tagesordnung, das Völkerrecht wird aus den Angeln gehoben, die Schlacht um die erneute Neuaufteilung der Welt ist in vollem Gange.

Wir klagen an…
– Wir kämpfen nicht gegen die Religion oder die Gläubigen. Wir klagen die kriminellen Machenschaften des Vatikans an, von der Hexenverbrennung bis zur Geldwäsche der Vatikanbank heute. Wir klagen Ratzinger an, wenn er der islamophoben Propaganda der neokolonialistischen Kreuzzügler seinen »theologischen« Segen spendet. Oder seine Militärbischöfe die Moral der Truppe beim Totschießen von Afghanen aufrüsten. Wenn Ratzinger beim Kroatien-Besuch im Juni 2011 am Grab von Erzbischof Stepinac den Schutzheiligen der Ustascha-Faschisten zum »christlichen Humanisten« ausruft. In diesem Sinne bleibt unsere Religionskritik immer Gesellschaftskritik. Wir kämpfen gemeinsam mit Gläubigen gegen den Krieg, aber uns verbindet nichts mit den »atheistischen« Kriegstreibern des »Menschenrechts«-Imperialismus gegen Jugoslawien bis Libyen. [3]

Quellen:
[1] Immanuel Kant, Ausgew. Kleine Schriften, Verlag von Felix Meiner in Leipzig, 1949, S.1,
oder: Texte – Uni Potsdam
[2] Marx/Engels, Dietz Verlag Berlin, Werke Bd.19, S.533
[3] „junge Welt“, 23.09.2011 / Schwerpunkt / Seite 3, »Permanent werden Events kreiert«

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Die Tagebücher des Walter Tausk 1933-40

Ein trauriges Zeugnis aus der Zeit des deutschen Faschismus sind die Breslauer Tagebücher des jüdischen Kaufmanns Walter Tausk. Seine im Magazin der Universitätsbibliothek Wrocław teilweise aufgefundenen Tagebücher stammen aus der Zeit des ersten Weltkrieges bis zu seiner Deportation in ein Nazi-Konzentrationslager.
Heine
Walter Tausks Tagebücher widerlegen eindeutig die in westdeutschen Kreisen verbreitete Behauptung, die deutschen Durchschnittsbürger hätten nichts über die Greueltaten der Nazis gewußt, die in ihrem eigenen Land, später auch in den besetzten Ländern, begangen wurden. Am 13. Feburar 1933 schrieb Walter Tausk:

tauskIm Vorwort zu den Tagebüchern vermerkt der Herausgeber Ryszard Kincel:

Walter Tausk war ein geradezu krankhafter Optimist, was ihn nicht daran hinderte, bereits im April 1929 sein Testament aufzusetzen. Er glaubte, trotz einiger zeitweiliger Verzweiflungsanfälle, bis zum Schluß, ihm könne nichts Böses zustoßen. Seine Hoffnung gründete er darauf, daß er an den Fronten des ersten Weltkrieges für Deutschland gekämpft hatte. Auch gab er sich der trügerischen Vorstellung hin, der Hitlerfaschismus werde sehr bald zerschlagen – in einer Woche, einem Monat, einem Jahr. Deshalb schob er auf geradezu enervierende Weise seine Abreise aus Deutschland immer wieder auf. Die Schwierigkeiten einer Ausreise, zahlreiche diplomatische, bürokratische und finanzielle Belastungen berücksichtigend, hatte er die Sache mehrmals in Angriff genommen, jedoch stets ungeschickt, ja inkonsequent. Jedesmal verband er seine Emigrationspläne mit einem anderen Land, einmal war es Frankreich, ein andermal Palästina, dann wieder China, Indien, Ceylon, Venezuela, dann Afrika.
Hitlerjugend
Hitlerjugend beim Absperrdienst

Nicht nur, was die Entwicklung der politischen Situation anbelangte, war Tausk Optimist, sondern auch in seinen persönlichen materiellen Angelegenheiten. Selbst als er infolge der Verordnungen der faschistischen Behörden schon alle Handelsvertretungen verloren hatte, gab er die Hoffnung nicht auf, einmal zu einem großen Vermögen zu kommen. Diese Hoffnung war an seine Erfindungen geknüpft, um deren Patentierung er bis zum letzten Augenblick kämpfte. Zu seinen Ideen gehörten Firmenschilder mit einer Schrift, die nachts leuchtete, Abschleppseile mit einer neuartigen Haltevorrichtung, ja sogar verbesserte Gürtelschnallen. Stets glaubte er, das Schicksal müsse ihm bald hold sein, und als das Glück ausblieb, schob er alles auf die verschiedensten metaphysischen Hindernisse wie zum Beispiel auf die angeblich für ihn verhängnisvollen Ziffern 4 und 8, denn dieser „Rationalist und Freidenker“, wie er sich gern nannte, war abergläubisch und hatte mehr Angst vor Träumen als vor den faschistischen Gesetzen und jenen, die sie in die Tat umsetzten.

In Wahrheit ist Hitler der Totengräber Deutschlands…

Manche Stellen in seinem Tagebuch können den heutigen Leser geradezu in Erstaunen versetzen. Bereits zwei Jahre vor Hitlers Machtantritt, zu einer Zeit, da sich immer mehr Deutsche um die Flagge des Nationalsozialismus scharten, am 18. Januar 1931, vermerkte er in seinem Diarium: „In Wahrheit ist Hitler der Totengräber Deutschlands!“ Darüber hinaus sah er außerordentlich klar den Ausbruch des zweiten Weltkrieges und die Tatsache voraus, daß er auf polnischem Territorium seinen Ausgang nehmen werde.
BreslauNationalsozialsitischer „Alltag“ in Breslau

Ebenso vorausschauend war er in einer anderen Frage. Als im Nahen Osten noch englische und französische Truppen die Ordnung überwachten, sprach er am 14. Oktober 1938 den Gedanken aus, daß die palästinensischen Juden das Gelobte Land in ein verfluchtes Land verwandelt hätten, weil sie unter den Arabern eine antisemitische Stimmung erzeugten. Angeführt werden sollen hier auch Walter Tausks Worte, daß in Palästina vor allem „hundertprozentige Juden aus Osteuropa, aber vor allen Dingen die polnischen Juden, jene Oberzionisten, die überall auf dem ganzen Erdball den Antisemitismus erzeugen“, einen Krieg mit den Arabern anstrebten. Diese Meinung, so bemerkenswert sie ist, war natürlich mitbestimmt von dem starken Widerwillen eines deutschen Juden gegenüber den polnischen Juden. Denn Tausk fühlte sich vor allem als Deutscher.[1]

Sonntag, den 23.8.1936
Mir sagte kürzlich ein Geschäftsfreund: „Deutschland ist so dumm und feige, daß es unter Adolf Hitler sogar die eigene Scheiße fressen würde, wenn sie nur schmackhaft angepriesen würde.“ Das war ein Arier, der das sagte! Hoffentlich erwacht Deutschland noch achtundvierzig Stunden vorher, das heißt vor dem Kriege, in den es durch jenen „Führer“ unausweichbar hineingetrieben wird. [2]
Tagebuch
Den 28.9.1939
Gestern morgen erschien die Gestapo bei der Jüdischen Gemeinde und beschlagnahmte die gesamte Kleiderkammer des Wohlfahrtsamtes, aus der die armen Leute (Wohlfahrts-Empfänger und Winterhilfe-Unterstützte, aber auch Auswanderer) mit Unter- und Oberkleidung inklusive Schuhwerk ausgestattet wurden. Da jetzt fünfhundert arbeitslose Juden zur Zuckerrübenernte aus Breslau abgehen sollen, können sie nicht mehr durch diese Kleiderkammer ausgestattet werden. Ferner gehen bereits Gestapo-Leute zu jüdischen Familien (meist Auswanderern) und beschlagnahmen dort Handtücher und Bettwäsche, „soweit sie für Lazarette verwendbar sind“, also neue Sachen und noch gute. [3]

Diese Dokumente, von denen Tausk hoffte, daß sie der Nachwelt erhalten blieben, zeigen nicht nur den Leidensweg eines jüdischen Kleinbürgrs, sondern beweisen auch, daß der gewöhnliche Faschismus auf den Straßen Breslaus für jedermann sichtbar war.

[1] Walter Tausk, Breslauer Tagebuch 1933-40, Rütten & Loening, Berlin (DDR), 1975, S.12f.
[2] ebd. S.151
[3] ebd. S.234

Die Diktatur des Proletariat und ihre Kritiker

Nach dem verräterischen XX.Parteitag der KPdSU nahmen die Angriffe der modernen Antikommunisten erneut an Schärfe zu. Sie hatten mit Chruschtschow einen Agenten der Konterrevolution im Herz der kommunistischen Bewegung, in der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, installiert, und sie begannen nun mit vielerlei ideologischen Winkelzügen auch und vor allem gegen Lenin zu Felde zu ziehen. Dazu schrieb der bulgarische Philosoph Panajot Gindev:

Das theoretische Erbe Lenins ist in seinem Reichtum erstaunlich. Es umfaßt vor allem die drei Grundbestandteile des Marxismus – den dialektische und historischen Materialismus, die politische Ökonomie und den wissenschaftlichen Sozialismus. Das bedeutet, daß, wenn man den Leninismus studieren will, man im wesentlichen den Marxismus in der Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolutionen studieren muß. Das besagt, daß der Leninismus vor allem Marxismus ist, d. h., er ist von der Lehre von Marx und Engels untrennbar, er ist dieselbe Lehre. Gleichzeitig ist der Leninismus nicht nur einfach Marxismus. Er ist die schöpferische Weiterentwicklung des Marxismus in unserer Epoche, was bedeutet, daß er eine neue, höhere Etappe in seiner Entwicklung darstellt. Und gerade, um die Unteilbarkeit von Leninismus und Marxismus manifestieren zu können und ihre hervorragende Rolle beim Aufbau der Weltanschauung der Arbeiterklasse hervorzuheben, bezeichnet die kommunistische Weltbewegung ihre Ideologie mit vollem Recht und wissenschaftlicher Begründung, als Marxismus-Leninismus. [1]

Der Kern der antikommunistischen Angriffe gegen den Marxismus-Leninismus

Von außergewöhnlich großer Bedeutung für den siegreichen Kampf der Arbeiterklasse ist die Leninsche Lehre von der Diktatur des Proletariat. Das hatten auch die Feinde des Sozialismus vom Typ eines Z.Brzezinski, Sulzberger, W.Griffith. G.Ionescu und R.Garaudy erkannt. Indem sie Marx Lenin gegenüberstellten, versuchten diese Theoretiker, einen weiteren Fuß in die Türe zu bekommen. Sie empfahlen die „Linie des Brückenschlages“, die „Aufweichung“ des Sozialismus von innen her, und eine Kritik an angeblichen „weißen Flecken“ des Marxismus-Leninismus. Die Theorie des „nationalen Kommunismus“ und der Abweichungen in der kommunistischen Bewegung wurde dann zum Hauptmittel im Kampf gegen den Leninismus. Am 23.4.1956 schrieb Sulzberger in der „New York Herald Tribune“: „Es ist sehr gut, daß wir auf das Entstehen dieser neuen Formen des nationalen Kommunismus in den europäischen Satellitenstaaten hoffen können. Wir müssen wissen, daß es auch Verhältnisse gibt, unter denen die Häresien vorteilhaft werden können.“ (Häresie=Abweichung, Ketzerei)

…aber auch trotzkistische Theorien sind Antikommunismus!

Auf dem 10.Kongreß der Sozialistischen Internationale, der 1966 in Stockholm stattfand, wurde die Frage der Diktatur des Proletariats einer Kritik unterzogen. In den Diskussionsbeiträgen Myrdals, Brandts, J.Mochs und anderer Führer der rechten Sozialdemokratie finden sich Behauptungen, daß „der Sozialismus in der UdSSR und in den anderen sozialistischen Ländern als Ergebnis der Errichtung der Diktatur des Proletariats degradiert“ sei, und daß Lenin „der Hauptschuldige“ an der Spaltung in der Arbeiterbewegung sei. Lenin habe rücksichtslos die Diktatur des Proletariats verteidigt, er habe Marx mit der Theorie revidiert, daß der Sieg des Sozialismus in einem einzelnen Land möglich sei, was als Theorie schon ein „tragischer Fehler“ Lenins gewesen sei, der im Zusamenhang mit dem politischen System der Sowjetmacht „gesetzmäßig“ zum Personenkult geführt habe. Nach Meinung der rechten Sozialdemokraten müsse nicht Stalin, sondern Lenin kritisiert werden, denn Stalin habe den Sozialismus nach dem dodell Lenins errichtet, weshalb also namentlich Lenin den Sozialismus im Weltmaßstab „kompromittert“ habe. [2] Das ist auch heute noch die antikommunistische Linie der Sozialdemokratie!

Die Logik der Kapitulanten und Verräter

Der französische Theoretiker R.Garaudy unterzieht gleich das ganze Staatswesen der Sowjetunion einer erbitterten Kritik. Er meint: „was das sowjetische Modell des Sozialismus charakterisiert, … (sei) die Identifizierung des kollektiven Eigentums an den Produktionsmitteln mit dem Staatseigentum“. [3] Und „der bürokratisch-militärische Block … in der Sowjetunion (habe) eine mit dem militär-industriellen Block in den Vereinigten Staaten vergleichbare Bedeutung angenommen“. [4] So sieht die Logik der Kapitulanten und Verräter an den Interessen der Arbeiterklasse aus. Zuerst beginnt man mit „neutralem“ Gerede über Freiheit und Demokratie, von Toleranz und Zusammenarbeit aller Kräfte, und dann geht man zu einer totalen Kritik am Kommunismus über. Die antisowjetische Kampagne des Roger Garaudy war schließlich keine neue Erscheinung unter den westlichen Revisionisten.

Der Prüfstein für wirklichen Marxismus

Abschließend sei hier noch einmal Lenin zitiert, der schrieb: „Wer nur den Klassenkampf anerkennt, ist noch kein Marxist, er kann noch in den Grenzen bürgerlichen Denkens und bürgerlicher Politik geblieben sein. Den Marxismus auf die Lehre vom Klassenkampf beschränken heißt den Marxismus stutzen, ihn entstellen, ihn auf das reduzieren, was für die Bourgeoisie annehmbar ist. Ein Marxist ist nur, wer die Anerkennung des Klassenkampfes auf die Anerkennung der Diktatur des Proletariats erstreckt. Hierin besteht der tiefste Unterschied des Marxisten vom durchschnittlichen Klein-(und auch Groß-)bourgeois. Das muß der Prüfstein für das wirkliche Verstehen und Anerkennen des Marxismus sein.“ [5]

Zitate:
[1] Panajot Gindev, Die Diktatur des Proletariats und ihre Kritiker, Akademie-Verlag Berlin (DDR), 1973, S.9f.
[2] ebd. S.17.
[3] Roger Gauraudy, Die große Wende des Sozialismus, Wien-München-Zürich, 1970, S.144.
[4] ebd. S.141.
[5] W.I. Lenin, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1960, Werke, Bd.25, S.424.

Siehe auch:
Trotzki verrät die junge Sowjetmacht
Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie

Die geheimen Waffen der CIA

In den Jahren des schmutzigen Krieges der USA gegen das friedliebende Volk von Vietnam gingen erschütternde Fotos von entlaubten Wäldern und mißgebildeten Neugeborenen um die Welt. Und das ist keineswegs „Schnee von gestern“! Chemische Waffen wie überhaupt Massenvernichtungsmittel sind eine Ausgeburt verbrecherischer imperialistischer Kriegsführung.Im Jahre 1987 erschien im Militärverlag der DDR die Dokumentation „Chemie des Todes“. Daraus hier der folgende Auszug:

Ende der 50er Jahre kam es in den USA zu einer neuen Kampagne der Propagierung des chemischen Krieges. Sie erhielt die Bezeichnung «Operation Blue Skies» und hatte die Aufgabe, den «humanen Charakter» des chemischen Krieges nachzuweisen. So wurde z. B. damit argumentiert, daß es bei der Eroberung der japanischen Insel Iwo-Jima nicht zu 6.000 Toten und 19.000 Verwundeten gekommen wäre, hätte man damals chemische Kampfstoffe eingesetzt.

Das Pentagon wirbt für chemische Kampfstoffe
Das neue Schlagwort hieß psychotoxische bzw. – noch harmloser – psychoaktive Stoffe. Es handelte sich dabei um Substanzen, die für einige Zeit kampfunfähig machen sollten und deren Entwicklung mit dem LSD begann, das 1943 von dem Schweizer Chemiker Albert Hoffmann entdeckt worden war. Zur Veranschaulichung wurde ein Film gezeigt, in dem eine mit LSD vergiftete Katze Angst vor einer Maus hatte. Einer der Reklamesprüche des Pentagon lautete: «Der Mensch wird nun mit der Möglichkeit konfrontiert, den Tod aus dem Krieg zu verbannen.»
LangleyOperationszentrum im CIA-Hauptquartier in Langley/Virginia

Drogen als Mordwaffe der CIA
Neben der Armee gab es für diese neuen Kampfstoffe noch einen weiteren Interessenten – den Geheimdienst CIA. In dem 1975 vorgelegten Bericht der Rockefeller-Kommission, die im Auftrag des USA-Präsidenten die Tätigkeit der CIA untersucht hatte, heißt es: «Ende der 40er Jahre begann die CIA, die Eigenschaften gewisser Drogen zu untersuchen, die das menschliche Verhalten ändern (wie z. B. das LSD), und zu überlegen, wie man sie für Spionagezwecke einsetzen könnte … Man plante auch, Drogen außerhalb der USA bei verschiedenen Operationen einzusetzen … 1953 wurde zum ersten Mal die Möglichkeit ins Auge gefaßt – und auch Interesse gezeigt –, Drogen, die das menschliche Verhalten verändern, an Menschen auszuprobieren. Zu diesem Zeitpunkt zog man auch in Erwägung, Angestellte der Agentur als Versuchskaninchen zu benutzen.»

Der CIA-Mord an Frank R.Olson
Es begann zunächst mit Versuchen an Freiwilligen. Im Jahre 1955 wurden auch Unfreiwillige einbezogen. Im Bericht wird ein Fall detailliert geschildert: «Der Mann hatte, bevor man ihm die Dosis LSD verabreichte, an einer Diskussion teilgenommen, in deren Verlauf das Prinzip, ähnliche chemische Substanzen an Nichtfreiwilligen auszuprobieren, gebilligt worden war. Erst zwanzig Minuten nach der Verabreichung teilte man dem Mann mit, er habe LSD erhalten. Er zeigte starke sekundäre Reaktionen und wurde, von einer Eskorte der CIA begleitet, nach New York gebracht, wo man ihn in psychiatrische Behandlung gab. Einige Tage später sprang er aus dem Fenster seines Zimmers im zehnten Stock und starb.» Es handelte sich dabei um den Biochemiker Frank R. Olson, der sich vertraglich verpflichtet hatte, an einem streng geheimen Projekt in Fort Detrick mitzuarbeiten. Seine Tat wurde als Selbstmord ausgegeben. Seine Familie erfuhr erst nach 22 Jahren die Wahrheit. (siehe: Family-Statement on the Murder of Frank Olson)
OlsonDer ermordete Biochemiker Frank R. Olson

Ein Arzt sagt aus
Weitere Versuche fanden an Universitäten, in Krankenhäusern und in Haftanstalten statt, die meisten jedoch mit Soldaten in Edgewood/Maryland und Fort Bragg/North Carolina. Ein Arzt, der einige Zeit mit dem Edgewood Arsenal zusammengearbeitet hatte und dessen Aussage in den Bericht aufgenommen worden war, teilte mit, «daß diese Experimente über Jahre hindurch geführt wurden. Die amerikanische Armee verlor allmählich das Interesse an LSD und zog ihm andere Derivate vor, das BZ zum Beispiel, das sie für stärker und wirksamer hält.» Von 1967 – in diesem Jahr stellte die Armee die Versuche mit LSD ein – bis 1975 wurde das BZ an 2.100 bis 2.800 Soldaten erprobt.

Die Giftsmischer von Fort Detrick
Weiter heißt es in dem Bericht: «In den fünfziger und sechziger Jahren wurden in Fort Detrick etwa zehn chemische und bakteriologische Waffen von der amerikanischen Armee und den von ihr eingestellten Forschern entwickelt … Unter dem Kodewort (Projekt Naomi) begannen die CIA und die amerikanische Armee, alle Anwendungsmöglichkeiten dieser Waffen zu erforschen und die Herstellung anderer zu erwägen … 1970 befahl Präsident Richard Nixon, die Laboratorien in Fort Detrick zu schließen und das ganze Waffenlager an bakteriologischen und einige chemische Waffen zu vernichten. Die CIA folgte dieser Anordnung nicht.» Sie führte ihre Errungenschaften dem Senat vor und präsentierte verschiedene Apparate zur Anwendung von Giften. So wurde z. B. eine Neonröhre gezeigt, die beim Einschalten ein Gift als Aerosol freisetzt. Verschiedene Wurfpfeilsysteme waren entwickelt worden, die in Regenschirmen, Spazierstöcken oder Füllern eingebaut waren. Außerdem wurden elektrische, völlig geräuschlose Pistolen vorgeführt, die vergiftete Pfeile, die sich beim Einschlagen ohne Spur auflösen, über Entfernungen von mehr als 100 m verschießen.

Mordversuche an Fidel Castro
Daß diese Waffen keineswegs nur für die Vorführung vor Senatoren bestimmt waren, offenbarte ein Bericht der Church-Kommission, die sich ebenfalls mit der Tätigkeit der CIA beschäftigte. Untersucht wurden unter anderem die Versuche der CIA, den kubanischen Ministerpräsidenten Fidel Castro zu vergiften. Ein Beamter der Abteilung Technische Dienste der CIA erinnert sich: «Man beabsichtigte, im Rundfunkstudio Castros eine Substanz mit ähnlicher Wirkung wie der des LSD ausströmen zu lassen. Dieser Plan würde aber wieder fallengelassen, da die in Frage kommende Substanz nicht sehr sicher war. Zu gleicher Zeit hatte die Abteilung Technische Dienste eine Schachtel Zigarren mit einer Flüssigkeit präpariert, die eine vorübergehende Desorientierung hervorruft.»
CastroVon der CIA als Opfer eines Giftmordes auserkoren:
Kubas Ministerpräsident Fidel Castro

Im Bericht heißt es weiter: «Aus einer Notiz in den Unterlagen des Büros für Medizinische Dienste der Operationsabteilung erfahren wir, daß man einem Beamten eine Schachtel mit den Lieblingszigarren Castros übergeben hatte mit dem Auftrag, sie mit einem tödlichen Gift zu präparieren, das so stark war, daß jeder, der eine dieser Zigarren in den Mund nahm, sterben würde. Am 7. Oktober (1960) teilte der Beamte mit, die Zigarren seien fertig; aus den Notizen der Abteilung Technische Dienste geht hervor, daß sie am 13. Februar 1961 einer nicht namentlich erwähnten Person weitergegeben wurden.»

Wachsame kubanische Sicherheitsorgane…
Diese Versuche wurden in den folgenden Jahren fortgesetzt. Im Februar 1961 noch erhielt ein Mafia-Gangster von der CIA Pillen mit Botulinustoxin, um Fidel Castro zu ermorden. Im April 1962 gingen erneut 4 Giftpillen in Richtung Kuba. Anfang 1963 wurde ein Versuch mit einem pilzverseuchten Taucheranzug unternommen. Im November 1963 war der Einsatz eines Füllfederhalters mit vergiftetem Pfeil vorgesehen. All diese Versuche scheiterten ebenso an der Wachsamkeit der kubanischen Sicherheitsorgane wie die Absicht, die kubanischen Zuckerarbeiter zum Zeitpunkt der Zafra, der Zuckerrohrernte, mit chemischen Mitteln arbeitsunfähig zu machen.

Quelle:
Ralf Stöhr/Harald Kießlich-Köcher Chemie des Todes, Militärverlag der DDR, 1987, S.82-85.

Siehe auch:
Eine unbekannte Leiche…
Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie

Der pompöse Auftritt eines Demagogen

In Erfurt und Freiburg wird ihm ein großer Empfang zuteil, dem obersten katholischen Demagogen, dem „Stellvertreter Gottes auf Erden“…
Heiligkeit
„Es ist bezeichnend, daß sowohl der Nationalsozialismus wie der Marximus im Grunde den Staat und das Recht verneinten…“ (J.Ratzinger)

Jaja – es ist schon bezeichnend, und es hat etwas Demagogisches, wenn ausgerechnet die katholische Kirche, die von Anbeginn den faschistischen Staat der Nazis unterstützte, ihren obersten Vertreter hier sagen läßt, der „Nationalsozialismus“ (und der „Marxismus“!) habe den Staat und das Recht verneint. Dabei wissen wir doch: Der Staat ist das Machtinstrument der herrschenden Klasse, und mit der herrschenden Klasse, mit dem Staat der Ausbeuter und Unterdrücker hat sich die katholische Kirche schon immer gut arrangiert…
Katholiken1935
Die Bischöfe Bornwasser und Sebastian mit Gauleiter Bürckel,
Reichsinnenminister Frick und Goebbels (1935)

Als 1963 der Dramatiker Rolf Hochhuth mit seinem Stück „Der Stellvertreter“ an die Öffentlichkeit trat und die zwielichtige Rolle des päpstlichen Nuntius im faschistischen Berlin von 1942 unter die Lupe nahm, ging ein Aufschrei durch die klerikal-faschistische westdeutsche Welt. (Es ist empfehlenswert, dieses Stück wieder einmal zu lesen!) Auch Papst Pius XII. und sein Gefolge hatten von der Ermordung der Juden in Nazi-Deutschland gewußt. Und sie hatten geschwiegen! Nur der Herr Ratzinger hat von alledem nichts gewußt… RATZE GO HOME !!!

Inson (Besucher) ergänzte dazu:
Im KZ Jasenovac schlachteten die „Ustascha“, die kroatischen Klerikalfaschisten,in der Zeit von 1941 bis 1944 ca. 200.000 Serben, Juden und Sinti und Roma ab. Zeitweise stand das KZ unter dem Kommando von Franziskaner-Pater Filipovic in dessen „Amtszeit“ wurden dort 40.000 Menschen getötet. Der Kopflanger dieser Mörder, der kroatische Erzbischof Stepinac, organisierte mit dem Geld der Ustascha die sogenannte „Rattenlinie“. Mit Hilfe des Vatikan konnten viele dieser Klerikalfaschisten fliehen.
Papst Johannes Paul II sprach diesen Erzbischof seelig und der Vatikan zahlte das Geld, 200 Millionen Dollar mit Zinsen, 1990 an das „neuentstandene“ Kroatien zurück.

Vielen Dank!

Siehe auch:
Gegeninformationsbüro
Kirche im Faschismus
Der politische Klerikalfaschismus
Die Verbrechen der Kirche

Mit der Analyse der engen Beziehungen zwischen dem Vatikan und den faschistischen Regimes dieses Jahrhunderts blättert Karlheinz Deschner ein düsteres Kapitel der Kirchengeschichte auf. Anhand reichhaltigen Materials legt der renommierte Kirchenkritiker dar, daß die katholische Kirche schon frühzeitig die faschistischen Bewegungen in Europa
unterstützte. Ob es sich um den Abschluß der Lateranverträge im Jahr 1929, die Unterstützung Francos im Spanischen Bürgerkrieg, die Anerkennung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland durch das Konkordat von 1933 oder die Unterstützung der faschistischen Ustascha in Kroatien handelt: In allen Fällen erwies sich die übertriebene Angst der Kirche vor dem Kommunismus und ihre Idee eines universellen Katholikentums stärker als alle christlichen Lehren von Frieden und Nächstenliebe.

Topmanager im Geldrausch

Die Unverfrorenheit und Dreistigkeit der obersten Abzocker ist kaum noch zu überbieten. Fragt sich, wie lange sich die deutschen Dummköpfe noch verarschen lassen wollen.
In einem sehr zutreffenden Beitrag schreibt modesty:

Derzeit prasseln die schlechten Nachrichten wie Dauerregen auf die Menschen nieder:
Die Wirtschaft hat schon wieder aufgehört, überraschend stark zu wachsen, dafür erreichen Finanzkrisen erneut ungeahnte Ausmaße, die Gesundheitskosten explodieren vor sich hin, die Lebenshaltungskosten auch, aber die Renten sinken und Altersarmut droht. Beim Lohn konkurrieren diejenigen, die nicht gerade als qualifizierte Fachkräfte gefragt sind, längst mit Billigarbeitern aus Osteuropa, Indien oder China, mit denen man eigentlich nicht tauschen wollte und in Sachen Bildung ist Deutschland bald nicht mal mehr Mittelmaß.
moneyMoney, money…

Aber in all dem Elend gibt es tatsächlich etwas Positives: Die Vorstände der 30 DAX-Konzerne verdienen nach einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung endlich wieder Spitzengehälter!

Rasantes Wachstum auf dem Managerkonto
Zwischen 2008 und 2010 soll die durchschnittliche Vergütung der Vorstandsmitglieder um 21 Prozent gestiegen sein. In 21 DAX-Konzernen verdienten die Top-Manager im Schnitt mehr als 2 Millionen Euro pro Jahr. Hinzu kommen dann noch Leistungen für die Altersvorsorge, damit sich wenigstens diese hochbezahlten Spitzenkräfte das Leben als Alte leisten können. Damit bekommt so ein DAX-Vorstand pro Tag rund 15 Monatssätze Hartz-IV. (Sofern man den Hartz-IV-Satz von 364 Euro zugrunde legt.) Oder anders herum könnte man mit einem DAX-Top-Manager-Jahresgehalt 459 Hartz-IV-ler ein Jahr lang finanzieren. Okay, da kommt noch die Miete und so weiter dazu, dann bleiben großzügig gerundet halt 250 Hartz-IV-ler. Auch nicht schlecht. Das ist also das, was die neuesten gesetzlichen Regelungen über die Angemessenheit der Vergütung, die als Konsequenz aus der Finanzkrise eingeführt wurden, vorsehen. Ein Topmanager ist so viel wert wie 250 Arbeitslose. Aber der arbeitet ja auch für sein Geld.

Wer Kohle machen will, der darf nicht zimperlich sein…
Die gewerkschaftsnahe Stiftung kommt immerhin zu dem Schluß, daß die Neuorientierung bei der Vorstandsvergütung nur langsam voran komme. Man könnte auch sagen, sie kommt überhaupt nicht voran, denn die Bezahlung des Spitzenpersonals wird weiterhin fast ausschließlich an finanzwirtschaftliche Kennzahlen geknüpft. Und die werden so gestaltet, daß vor allem eine hohe Vergütung dabei heraus springt. Es sind ja nicht die lieben, netten, um die Mitmenschen und ums Gemeinwohl besorgten Kompetenzbolzen, die sich ganz oben sammeln, sondern im Gegenteil die auf ihren Vorteil bedachten Karrieristen, die manipulativen Ränkeschmiede, die selbstbezogenen Arschlöcher mit den spitzen Ellenbogen und dem kräftigen Gebiß.
Standpunkt…und gehen über Leichen

Die Macher ohne übertriebenes Mitgefühl oder empfindliches Gewissen
Menschenfreundliche Gemüter, die auch für andere mitdenken, kommen nicht in solche Führungspositionen. Egal, wie kompetent sie auch sein sollten. Wer ein DAX-Unternehmen durch die Stürme der globalen Konkurrenz führen will, der darf nicht zimperlich sein. Genau deshalb stehen genau die Leute am Ruder, die dort stehen. Die Imperatoren der Bilanzen, die keine Menschen, sondern nur Zahlen sehen. Und wenn sie sich mal verrechnet haben sollten und ein Unternehmen an die Wand fahren, dann fallen sie höchstens mit einem vergoldeten Fallschirm in die nächste gutdotierte Beraterpostition, während Tausende ihrer Mitarbeiter im Regen stehen.

Aber so ist das halt:
Wenn es ohnehin nicht für alle reicht, dann muß man wenigstens die ganz oben gut absichern. Billige Arbeitskräfte gibt es ohnehin mehr als genug…

Quelle:
Blog Gedanken(v)erbrechen, Spitzengehälter für Spitzenverdiener
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Über die angebliche Alternativlosigkeit

Nun gibt es ja auf dieser Welt immer wieder eine ganze Reihe von „Feststellern“, die auf die unhaltbaren Zustände in unserer derzeitigen kapitalistischen Gesellschaft kritisch hinweisen, und die mitunter sogar einen möglichen Ausweg aus einer scheinbar aussichtlosen Lage anbieten. Das ist jedoch die eine Sache! Eine andere ist es, sich über die Ursachen und Zusammenhänge Gedanken zu machen, um das Übel bei der Wurzel packen zu können. Da kommt man nicht umhin, die gesellschaftlichen Zustände und ihre sozialökonomischen Hintergründe zu beleuchten. In einem der zahllosen Ratgeber-Bücher, mit denen heute der Markt überschwemmt wird, liest man beispielsweise das folgende:
stimme(Quelle: Vernon Coleman, Wie Sie Ihren Arzt davon abhalten, Sie umzubringen, Kopp-Verlag 2006, S.185)

Demnach müssen wir, wie es scheint, mit dieser Situation leben und irgendwie versuchen, damit klarzukommen. Wenn … ja, wenn es nicht schon einmal, und vor gar nicht allzu langer Zeit, eine absolut realistische und ernstzunehmende Alternative zur gegenwärtig vorherrschenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung gegeben hätte…

Gerade das Gesundheitswesen in der DDR (und in anderen sozialistischen Ländern) war beispielhaft; nicht nur die legendäre „Schwester Agnes“ auf dem Simson-Moped. Es gab:
– kostenlose medizinische Betreuung für alle Bürger
– keine „Praxisgebühr“ und keine Bevorzugung „privater“ Patienten
– keine Beteiligung an Medikamentenkosten und Heilbehandlungen
– flächendeckende ärztliche Versorgung,
– Polikliniken und Betriebsambulatorien auch in ländlichen Gegenden
– bezahlte Freistellung für Mütter im Krankheitsfall der Kinder
und vieles andere.

Sehr anschaulich ist das nachzulesen in dem Buch „DDR – Realität und Hoffnung“, erschienen 2010 im GNN-Verlag. Dieses Buch sollte man gerade jungen Menschen in die Hand drücken, wenn sie nach einer Alternative zum heutigen Kapitalismus suchen.
DDR Hoffnung
Die Gründung der DDR war ein Wendepunkt in der deutschen Geschichte! Oder um es mit Hermann Leihkauf auszudrücken, der schrieb:

„Nach einer Diskussion mit Westberlinern zur DDR, in der ich die DDR überwiegend mit Fakten charakterisierte, sagte einer der Teilnehmer am Ende der Aussprache: ‚Wenn das alles so war, wie Sie das eben erklärten, dann habe ich nur noch eine Frage: Warum gibt es Euch nicht mehr?‘ Abschließend war dort die Frage nicht zu beantworten.

Ich hätte mit Peter Hacks antworten können, von dem die richtige Feststellung überliefert ist: ‚Es bleibt dabei, daß diese Konterrevolution von außen und von oben angezettelt wurde. Der Staat DDR ist nicht gescheitert. Durch Übereinkunft zwischen Moskau und Washington ist dieser Staat abgeschafft worden. Das eigentliche Volk der DDR hat diese Konterrevolution nicht gewollt.‘ “ (ebd. S.19)

Der denkwürdige elfte September…

An jenem 11. September im Jahre 1973 fand in Chile ein faschistischer Putsch statt.
Eine Militärjunta unter einem gewissen General Pinochet stürzte die vom Volk gewählte, rechtmäßige Regierung der Unidad Popular mit Präsident Salvador Allende durch einen blutigen Putsch, setzte die Verfassung außer Kraft, ermordete den Präsidenten und löste das Parlament auf. Die Parteien der Unidad Popular wurden verboten und ihre Mitglieder verfolgt. Carabinieros der Junta zogen ihre Blutspur durch das Land. Spurlos verschwanden Menschen: Arbeiter, Studenten, Ärzte, die sich zuvor für die Unidad Popular eingesetzt hatten. Auch sie wurden ermordet. Und Chile ordnete sich wieder völlig den Interessen des USA-Imperialismus unter. Aus dieser Zeit des faschistischen Putsches stammt das nachfolgende Video mit der letzten Rede des ermordeten chilenischen Präsidenten.
(Der Sprecher der deutschen Übersetzung ist übrigens der bekannte DDR-Schauspieler Otto Mellies)

Was Salvador Allende damals sagte, ist auch heute wieder sehr aktuell:

NIEMALS werden wir Victor Jara vergessen, den Sänger der chilenischen Revolution:
siehe auch: Plegaria a un labrador

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Inson (Besucher) fügte das folgende hinzu:
18. Sep 2011 @ 13:43:04

„Deutschlandfunk“, 13. September 1973: „Wer sich einigermaßen in der chilenischen Geschichte auskennt, kann sogar für das Vorgehen der Streitkräfte ein gewisses Maß an Verständnis aufbringen…“

„Bild-Zeitung“, 12. September 1973: „Jetzt hat die Armee nicht mehr länger stillgehalten. Drei Jahre Marxismus sind ihr genug.“

„Frankfurter Allgemeine Zeitung“, 12. September 1973: „Im Augenblick der höchsten Gefahr konnten sich die Streitkräfte ihrer Verantwortung nicht mehr länger entziehen. Sie können nur obsiegen, wenn sie sofort und mit aller Schärfe reinen Tisch machen.“

Franz-Josef Strauß im „Bayernkurier“, 22. September 1973: „Angesichts des Chaos, das in Chile geherrscht hat, erhält das Wort Ordnung für die Chilenen plötzlich wieder einen süßen Klang.“

Karl Carstens, Fraktionsvorsitzender der CDU/CSU im Bundestag, 12. September 1973: „Die Ereignisse in Chile haben bewiesen, daß Marxismus und freiheitlich-demokratische Grundsätze unvereinbar sind.“

Bruno Heck, Generalsekretär der CDU, nach seiner Rückkehr aus Chile, 18. Oktober 1973: „Soweit wir Einblick bekommen haben, bemüht sich die Militärregierung in optimalem Umfang um die Gefangenen. Die Verhafteten, die wir sprachen, haben sich nicht beklagt. Das Leben im Stadion ist bei sonnigem Wetter recht angenehm.“

Hans-Jürgen Wischnewski, Bundesgeschäftsführer der SPD, 1. Oktober 1973: „Sie wissen, wir gewähren an viele Länder dieser Welt Entwicklungshilfe, die keine Demokratien sind.“

Farbwerke Hoechst, 6. Dezember 1973: „Wir sind der Ansicht, daß das Vorgehen der Polizei und des Militärs nicht intelligenter geplant und koordiniert werden konnte und daß es sich um eine Aktion handelte, die bis ins letzte Detail vorbereitet war und glänzend ausgeführt wurde … Die Regierung Allende hat das Ende gefunden, das sie verdiente … Chile wird in Zukunft ein für Hoechster Produkte zunehmend interessanter Markt sein.“

Gerhard Liedtke, Dresdner Bank AG, 8. Oktober 1973: „Putsch in Chile ist für Banken positiv. In Südamerika kann wieder investiert werden.“

Vielen Dank für die wertvolle Ergänzung!
Hier sieht man, wer damals die Kumpane des Massenmörders Pinochet waren und Feinde des chilenischen Volkes sind! N.G.

Der faschistische Krieg der NATO

Es ist nicht neu, was Fidel Castro schrieb, doch nichts desto weniger von unverminderter Aktualität. Liest man den Bericht der jungen britischen Journalistin Lizzie Phelan auf voltairenet.org so kann man sich eine gewisse Vorstellung davon machen, in welcher Angst und Verzweiflung sich die libysche Bevölkerung befindet, und welche verheerenden Folgen der verbrecherische Krieg der NATO-Banditen in Tripolis angerichtet hat: aus einer pulsierenden, belebten Hauptstadt wurde eine menschenleere Stadt, von Panzern und bewaffneten Söldner besetzt, in der die Angst regiert. So sind die Gedanken des kubanischen Revolutionsführers über unsere Welt von heute vom März diesen Jahres keineswegs veraltet, sondern eben von brennender Aktualität:
CastroREFLEXIONEN DES GENOSSEN FIDEL
Der faschistische Krieg der NATO

Man braucht nicht Wahrsager zu sein, um das zu wissen, was ich mit äußerster Genauigkeit in drei der auf der Website CubaDebate vom 21. Februar bis zum 3. März veröffentlichten Reflexionen voraussah: „Der Plan der NATO besteht darin, Libyen zu besetzen“, „Totentanz des Zynismus“, und „Der unvermeidbare Krieg der NATO“.

Nicht einmal die faschistischen Führer von Deutschland und Italien haben sich als Folge des 1936 ausgelösten Spanischen Bürgerkrieges so äußerst dreist und unverhüllt verhalten, ein Ereignis, das vielleicht vielen in diesen Tagen in Erinnerung gekommen ist. Seitdem sind fast genau 75 Jahre vergangen; aber nichts ist so, daß es den Veränderungen gleichkommen kann, die während 75 Jahrhunderten, oder wenn Sie wollen, in 75 Jahrtausenden des menschlichen Lebens auf unserem Planeten stattgefunden haben. Manchmal scheint es so, als ob wir, d.h. diejenigen, die ruhig und gelassen ihre Meinung über diese Themen verlautbaren, maßlos übertreiben würden. Ich wage zu sagen, daß wir eher naiv sind, wenn wir annehmen, daß die Hinterhältigkeit und Täuschung bzw. die kolossale Ignoranz, zu der die Menschheit mitgerissen worden ist, allen bewußt sein müßte.

Im Jahr 1936 bestand eine intensive Konfrontation zwischen zwei Systemen und zwei Ideologien, die in ihrer militärischen Macht annähernd gleich waren. Die damaligen Waffen schienen im Vergleich zu den heutigen Spielzeuge. Das Überleben der Menschheit war abgesichert, trotz der zerstörerischen und örtlich tödlichen Macht derselben. Ganze Städte und sogar Nationen konnten potentiell zerstört werden. Aber niemals konnte die Menschheit insgesamt wie jetzt aufgrund der mittels der aktuellen Wissenschaft und Technik entwickelten stupiden und selbstmörderischen Macht mehrfach ausgerottet werden.

Ausgehend von diesen Realitäten sind beschämend die ständig verbreiteten Nachrichten über die Verwendung von leistungsfähigen Laser-gelenkten Raketen von größter Präzision; Jagdbombern mit doppelter Schallgeschwindigkeit; mächtigen Sprengstoffen, die gehärtete Metalle durch Uran zerbersten lassen können und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung und ihre Nachkommen auf unbestimmte Zeit andauern wird.

Kubas Bemühungen gegen den Krieg

Kuba hat bei der Sitzung in Genf seine Position bezüglich des inneren Problems von Libyen dargelegt. Es hat ohne Zögern die Idee einer politischen Lösung des Konflikts in jenem Land verteidigt und sich kategorisch gegen jegliche ausländische militärische Intervention ausgesprochen. In einer Welt, wo das Bündnis der Vereinigten Staaten und der entwickelten kapitalistischen Mächte von Europa sich immer mehr der Ressourcen und der Ergebnisse der Arbeit der Völker bemächtigt, würde sich jeglicher ehrliche Bürger, unabhängig davon, welche seine Haltung gegenüber der Regierung auch sei, einer ausländischen militärischen Intervention seines Vaterlandes widersetzen.

Das Absurdeste der jetzigen Situation besteht darin, daß sich vor Beginn des brutalen Krieges im Norden von Afrika in einer anderen Region der Welt, fast 10.000 Kilometer davon entfernt, nach einem durch ein Erdbeben der Stärke 9 verursachten Tsunami ein atomarer Unfall an einem der am dichtesten besiedelten Punkte des Planeten ereignet hatte, was einem so arbeitsamen Land wie Japan schon knapp 30.000 Todesopfer gekostet hat. Solch ein Unfall hätte sich vor 75 Jahren nicht ereignen können. In Haiti, einem armen und unterentwickelten Land, hat ein Erdbeben von knapp Stärke 7 auf der Richterskala über 300.000 Tode verursacht, außerdem unzählige Verwundete und hunderttausende Verletzte.

Die tragischen Folgen des Atomunglücks in Fukushima

Jedoch in Japan war das schrecklich Tragische der Unfall im Atomkraftwerk von Fukushima, dessen Auswirkungen noch zu bestimmen sind. Ich werde im Folgenden nur einige wenige Schlagzeilen der Nachrichtenagenturen zitieren:

„ANSA.– Das Atomkraftwerk Fukushima 1 verbreitet jetzt „äußerst starke, potentiell tödliche Strahlungen“, sagte Gregory Jaczko, Leiter der der US-Atombehörde Nuclear Regulatory Commission (NRC).“

„EFE.– Die atomare Bedrohung aufgrund der kritischen Situation von einem Kraftwerk in Japan infolge des Erdbebens hat die Sicherheitsüberprüfungen der Atomkraftwerke auf der ganzen Welt in die Höhe getrieben und einige Länder dazu geführt, ihre Pläne zum Erliegen zu bringen.“

„Reuters.– Das zerstörerische Erdbeben von Japan und die Vertiefung der Atomkrise könnten Verluste von bis zu 200 Milliarden Dollar für dessen Wirtschaft mit sich bringen, aber die globalen Auswirkungen sind im Moment schwer vorauszusagen.“

„EFE.– Die Verschlimmerung der Situation an einem Meiler nach dem anderen im Atomkraftwerk ließ die Befürchtungen bezüglich einer atomaren Katastrophe in Japan weiter steigen, ohne daß die verzweifelten Versuche, ein radioaktives Leck unter Kontrolle zu bringen, einen Hoffnungsschimmer gebracht hätten.“

„AFP.– Kaiser Akihito bringt seine Besorgnis aufgrund des unvorhersehbaren Charakters der Atomkrise zum Ausdruck, welche Japan nach dem Erdbeben und dem Tsunami geißelt, die Tausende Menschen getötet und 500.000 ohne Heim belassen haben. Es wird von einem neuen Erdbeben in der Region von Tokio berichtet.“

Es gibt Agenturmeldungen, die noch größere Besorgnis erregende Dinge mitteilen. Manche erwähnen die Präsenz von toxischem radioaktivem Jod im Wasser von Tokio, und zwar von der doppelten Menge, als für den Genuß der kleinsten Kinder in der japanischen Hauptstadt zulässig ist. Eine Agenturmeldung besagt, dass die Vorräte an abgefülltem Wasser in Tokio zu Ende gehen, einer Stadt, die in einer Präfektur von über 200 Kilometer Entfernung von Fukushima liegt.

Die dramatische Situation in Libyen

Alle diese Umstände insgesamt bestimmen eine dramatische Situation für unsere Welt. Ich kann meinen Standpunkt über den Krieg in Libyen vollkommen frei darlegen. Ich habe nicht die selben politischen oder religiösen Anschauungen wie die Führungspersönlichkeit jenes Landes. Ich bin Marxist-Leninist und Anhänger von Marti, wie ich es schon gesagt habe. Ich sehe Libyen als ein Land der Bewegung der Blockfreien Länder und als einen der souveränen Staaten von den knapp 200 der Organisation der Vereinten Nationen.

Nie jemals zuvor ist ein großes oder kleines Land, in diesem Fall von knapp 5 Millionen Einwohnern, Opfer eines so brutalen Angriffs durch die Luftstreitkräfte einer militärischen Organisation gewesen, die über Tausende Jagdbomber, mehr als 100 U-Boote, atomare Flugzeugträger und genügend Arsenal verfügt, um den Planeten viele Male zu zerstören. Solch eine Situation hat unsere Gattung nie jemals zuvor kennen gelernt und vor 75 Jahren, als die Nazi-Bomber Ziele in Spanien angriffen, gab es nichts dergleichen.

Die Völker achten jene Menschen, die ihre Freiheit gegen den Imperialismus verteidigen

Doch jetzt wird die kriminelle NATO, die ihr Ansehen verloren hat, einen „wunderschönen“ Comic über ihr „humanitäres“ Bombardement verfassen.

Wenn Ghaddafi die Traditionen seines Volkes ehrt und so zu kämpfen beschließt, wie er es versprochen hat, d.h. bis zum letzten Atemzug an der Seite der Libyer, die den schlimmsten Bombardements zu begegnen haben, die jemals ein Land erlitten hat, dann wird er die NATO und ihre kriminellen Projekte im Morast ihrer Schmach versenken. Die Völker achten jene Menschen, die ihre Pflicht zu erfüllen wissen und glauben an sie.

Vor über 50 Jahren, als die Vereinigten Staaten mehr als hundert Kubaner durch die Explosion des Handelsschiffes „La Coubre“ ermordeten, hat unser Volk die Losung „Vaterland oder Tod“ verkündet. Und es hat das erfüllt und ist immer bereit gewesen, sein Wort zu halten.

„Wer versucht, sich Kubas zu bemächtigen“ – so verkündete der ruhmreichste Kämpfer unserer Geschichte –, „der wird nur den in Blut getränkten Staub unserer Erde ernten“.

Ich bitte um Entschuldigung wegen der Offenheit, mit der ich dieses Thema behandelt habe.

Fidel Castro Ruz
28. März 2011

Quelle:
http://www.granma.cu/aleman/reflexionen/29-marzo-krieg.html

Die Argumentation des NATO-Verbrecherpacks zu ihren Aktivitäten in Libyen: „…We are mandated to protect the civilian population in Libya taking all necassary measures…“

Die Bilder von RT beweisen: Rasmussen lügt!

Siehe auch:
Auftragsmord (Made by CIA)
Die Erdölmafia
Der Krieg ist ein Computerspiel…
Woher kommt die kriminelle Gewalt?

Die ideologische Offensive der KPD

Im Jahre 1951 veröffentlichte Hermann Matern eine bemerkenswerte Broschüre, in der er die hervorragende Rolle Ernst Thälmanns würdigte, die dieser im Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse und die Entwicklung der Kommunistischen Partei Deutschlands zu einer Partei neuen Typus leistete. Hermann Matern wies dabei insbesondere auf die Worte Stalins hin, der erklärte: „Man darf nicht vergessen, daß die Kenntnis und Beherrschung der Geschichte unserer Partei das wichtigste Mittel ist, um die revolutionäre Wachsamkeit der Parteimitglieder vollauf zu sichern.“ [1]

ERNST THÄLMANN – INITIATOR DER „IDEOLOGISCHEN OFFENSIVE“ IN DER PARTEI

Ernst Thälmann war der Initiator der „ideologischen Offensive“ in der Partei. Diese Offensive richtete sich gegen die Vernachlässigung der Theorie in der Partei, gegen den Praktizismus und gegen die Verfälschungen des Marxismus-Leninismus. Als Genosse Stalin 1930 seinen berühmten Brief an die Zeitschrift „Proletarskaja Rewoluzija“ [2] geschrieben hatte, zog Ernst Thälmann aus diesem Brief wichtige Lehren für die deutsche Partei.

„Der Brief des Genossen Stalin an die Zeitschrift ‚Proletarskaja Rewoluzija’ ist… für die deutsche Partei eine außerordentlich entscheidende und wegweisende politische Direktive. Er ist ein Appell für uns, den schärfsten Kampf gegen alle fremden Einflüsse, gegen alle antileninistischen Strömungen und gegen jedes Versöhnlertum ihnen gegenüber in unserer gesamten theoretischen und praktischen Arbeit zu entfalten… Unsere Proparbeit muß in die Tiefe wachsen, insofern sie durch ihre enge Verbindung mit der revolutionären Praxis der Partei und völlige Unterstellung unter die Parteiführung zu einer wirklichen Trägerin der Propaganda des Marxismus-Leninismus in den Reihen der Partei und des Proletariats wird. Die Proparbeit muß sich im Sinne des Briefes des Genossen Stalin und unserer ideologischen Offensive das Ziel stellen, die Partei von unten bis oben gegen alle antileninistischen feindlichen Einflüsse durch theoretische Festigkeit und Sicherheit zu schützen.“ [3]

Damit wies Ernst Thälmann der Partei den Weg. Eine wirkliche theoretische Arbeit muß von leidenschaftlicher Parteinahme getragen sein. Sie muß die revolutionäre Wachsamkeit der Mitgliedschaft stärken und darf ihr nicht durch eine von der Praxis losgelöste Darlegung der Theorie die Anwendung der Theorie auf die Praxis erschweren.

„Wir müssen uns daran gewöhnen, jeden Schritt unserer täglichen Praxis des revolutionären Klassenkampfes mit dem höchsten Maßstab revolutionärer Theorie zu messen. Nur dann werden wir das Maß an Verantwortlichkeit verwirklichen, das eine revolutionäre Partei in allen ihren Teilen jederzeit bekunden muß.“ [4]

Mit dem Hinweis auf die, Bedeutung der Meisterung des Marxismus-Leninismus zeigte Genosse Thälmann zugleich zwei Mängel auf, die auch in unserer Partei noch nicht überwunden sind.

1.) Die Unterschätzung des theoretischen Studiums durch leitende Funktionäre

Bei der Untersuchung der Tatsache, daß die Partei den Anforderungen des revolutionären Kampfes trotz günstiger objektiver Voraussetzungen nicht immer gerecht wurde, stellte Genosse Thälmann fest:

„Es zeigt sich, daß unsere Genossen ideologisch nicht reif genug, nicht fest genug sind, um die Überlegenheit ihrer Position mit der Waffe des wissenschaftlichen Sozialismus in der gesamten Propaganda auszunutzen.“ [5]

Ich denke, das hat auch heute noch Gültigkeit. Genosse Thälmann stellte dann die zwei auch für uns zutreffenden Mängel in der theoretischen Arbeit heraus und sagte:
„Jedenfalls müssen wir aussprechen, daß das allgemeine politisch-ideologische Niveau der Partei unzulänglich ist. Das gilt nicht nur für die unteren Kader, sondern zum Teil auch für höhere Funktionäre der Partei. Bei vielen führenden Genossen in den Bezirken müssen wir feststellen, daß sie ein mangelndes Interesse für ihre eigene theoretische Fortbildung an den Tag legen.“ [6]

Solche Genossen Funktionäre sind entweder einem engstirnigen Praktizismus verfallen, der sie hemmt, die Politik der Partei, entsprechend ihrer eigenen örtlichen Verhältnisse richtig zu verwirklichen, oder es sind Funktionäre, die von ihrem Wissen derart überzeugt sind, daß sie glauben, kein theoretisches Studium mehr nötig zu haben, da ihnen dieses Studium „sowieso nichts Neues geben kann“. Das soll es auch bei uns noch geben.

Ernst Thälmann wurde gerade deshalb zum revolutionären Führer der deutschen Arbeiterklasse, weil er es verstand, sein revolutionäres Handeln mit der revolutionären Theorie zu durchdringen. Bei allen grundsätzlichen Fragen, die zu entscheiden waren, studierte er mit größter Gründlichkeit all das, was Lenin und Stalin zu diesem Problem geschrieben hatten und die daraus gewonnenen Erkenntnisse und Erfahrungen wandte er dann, entsprechend den gegebenen Verhältnissen, bei uns an.

2.) Kampf den „Archivratten“, diesen von der Praxis weit entfernten „Theoretikern“

Zur zweiten Seite der mangelhaften theoretischen Arbeit betonte Genosse Thälmann:
„Die andere Seite besteht darin, daß die theoretische Arbeit, weil sie nicht mit dem Gesamtorganismus unserer Partei und ihrer revolutionären Praxis genügend verbunden war, in einer unzulänglichen Weise durchgeführt wurde. Genosse Stalin hat in seinem Brief an die Redaktion der Zeitschrift ,Proletarskaja Rewoluzija’ einen sehr treffenden Ausdruck geprägt: Archivratten. Das sind solche Leute, die überall nur nach ,Papierchen’ herumstöbern, statt die lebendige Praxis einer revolutionären Partei zu betrachten.“ [7]

Hier charakterisierte Genosse Thälmann jene „Theoretiker“, die sich vom Boden unserer lebendigen „Wirklichkeit gelöst haben und sich in den „höheren Sphären“ einer abstrakten Theorie befinden. Diesen sogenannten „Flohknackern“, die bei der Erörterung theoretischer Probleme mit tausend Wenn und Aber die gewagtesten Kombinationen anstellen, dabei jedoch nicht ein einziges Mal unsere gegebenen Verhältnisse berücksichtigen und zu keinen konkreten positiven Folgerungen für die Partei gelangen, erteilte Genosse Thälmann eine bedeutsame Lektion.

3.) Kampf gegen die Überreste des Luxemburgismus

Ebenso klar und prinzipiell bekämpfte Ernst Thälmann die vorhandenen Überreste des Luxemburgismus und auch den Versuch, ihn aus den deutschen Verhältnissen zu erklären. Ein solcher Versuch zeigte sich auf der Plenartagung des ZK im Januar 1932. Hier wurde in der Diskussion der Versuch unternommen, die Fehler Rosa Luxemburgs durch den Hinweis auf die Lage in Deutschland zu rechtfertigen. Ernst Thälmann gab eine gründliche Antwort:
„Es ist unmöglich“, erklärte er, „die Fehler Rosa Luxemburgs mit den objektiven Verhältnissen im Deutschland der Vorkriegszeit zu rechtfertigen.“ [8]

„Wir müssen also mit aller Klarheit aussprechen: in all den Fragen, in denen Rosa Luxemburg eine andere Auffassung als Lenin vertrat, war ihre Meinung irrig, so daß die ganze Gruppe der deutschen Linksradikalen in der Vorkriegs- und Kriegszeit sehr erheblich an Klarheit und revolutionärer Festigkeit hinter den Bolschewiki zurückblieb. Diese Erkenntnis gibt uns erst das Verständnis dafür, warum es in Deutschland verspätet zur Spaltung zwischen dem revolutionären Marxismus und den kleinbürgerlichen Opportunisten oder ihren zentristischen Helfershelfern innerhalb der Arbeiterbewegung kam. Rosa Luxemburgs Fehler in der Akkumulationstheorie, in der Bauernfrage, in der nationalen Frage, in der Frage des Problems der Revolution, in der Frage der proletarischen Diktatur, in der Organisationsfrage, in der Frage der Rolle der Partei bzw. der Spontaneität der Massen – das alles ergibt ein System von Fehlern, die Rosa Luxemburg nicht zur vollen Klarheit eines Lenin aufsteigen ließen.“ [9]

Genosse Thälmann begnügte sich jedoch nicht mit einer harten Kritik an den Schwächen Rosa Luxemburgs, sondern er zog zugleich Schlußfolgerungen für die Partei und stellte ihr die Aufgabe, die Überreste des Luxemburgismus in der Partei schonungslos zu bekämpfen, weil diese Überreste einer Entwicklung der Partei zur Partei neuen Typus hemmend im Wege standen.

„Heute, wo die Komintern besteht, wo in der Sowjetunion unter der proletarischen Diktatur der Sozialismus verwirklicht wird, würde jeder Versuch einer Erneuerung des Luxemburgismus und jeder Überrest des Luxemburgismus niemals eine Brücke zum Marxismus-Leninismus bilden können, sondern stets einen Übergang zum Sozialfaschismus, zur Ideologie der Bourgeoisie, wie wir es am besten bei den Brandleristen sehen.“ [10]

Um keine irrigen Ansichten aufkommen zu lassen, etwa die, daß Rosa Luxemburg nicht zur revolutionären Arbeiterklasse gehöre, legte Ernst Thälmann eindeutig und klar dar, welch ein Adler der Revolution Rosa Luxemburg war und was sie für die KPD und die internationale Arbeiterbewegung bedeutet.

„Wir denken nicht daran, die Bedeutung Rosa Luxemburgs, Karl Liebknechts, Franz Mehrings und der übrigen Genossen, die den linksradikalen Flügel in der Vorkriegssozialdemokratie bildeten, abzuschwächen. Wir denken nicht daran, diese wahrhaft revolutionären Kämpfer und Führer und ihre guten revolutionären Traditionen zu verleugnen oder gar den sozial-faschistischen SAPistischen oder brandleristischen Leichenschändern zu überlassen. Rosa Luxemburg und die anderen gehören zu uns, gehören der Kommunistischen Internationale und der KPD, an deren Gründung sie mitgewirkt haben. Aber bedeutet dies eine Abschwächung der notwendigen Aufklärung unserer Partei über die Fehler Rosa Luxemburgs und der übrigen Linksradikalen? Eine solche Kritik an den Fehlern des Luxemburgismus ist unerläßlich vom Standpunkt der Bolschewisierung der Partei.“ [11]

Zitate:
[1] „Geschichte der KPdSU (b), Kurzer Lehrgang“, Dietz Verlag, Berlin, 1951, S.409.
[2] J.Stalin, Werke Bd.13, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1955, S.76-91.
[3] Ernst Thälmann, „Der revolutionäre Ausweg und die KPD“, S.71 u.80.
[4] Ernst Thälmann, „Einige Fehler in unserer theoretischen und praktischen Arbeit und der Weg zu ihrer Überwindung“; Die Internationale, Heft 11/12, 1931, S.508.
[5] Ernst Thälmann, „Der revolutionäre Ausweg und die KPD“, S.64.
[6] Ebenda, S.65.
[7] Ebenda.
[8] Ebenda, S.94.
[9] Ebenda, S.71/72.
[10] Ebenda, S.71.
[11] Ebenda.

Quelle:
Hermann Matern, Die Rolle Ernst Thälmanns bei der Schaffung der revolutionären Massenpartei der Arbeiterklasse, Dietz Verlag Berlin, 1951, S.36-41.

MaternP.S. Der konterrevolutionäre Agent Chruschtschow hatte „ganze Arbeit“ geleistet; H.Matern starb 1971 und seine wegweisende Broschüre wurde nicht wieder aufgelegt…

Siehe auch:
H.Matern: Erfahrungen der KPD