So werden Dissidenten gemacht…

Im Jahre 1978 erschien in der DDR ein sensationelles Buch von Harry Thürk: „Der Gaukler“. Es war nicht einfach nur ein Krimi, den Harry Thürk hier schrieb, als er sich den „Schwankenden“ zwischen beiden Welten zuwandte – es ist (auch heute noch!) wichtiges politisches Buch. Dieser Roman handelt von einem Schriftsteller, der für ein paar Silberlinge sich, seine Heimat und sein Volk dem Feind auslieferte und sich zum Werkzeug der CIA machen ließ. Als Vorspann dazu schrieb Harry Thürk: „Sollte der Leser in diesem Werk der Fiktion Parallelen zu ihm bekannten lebenden Personen entdecken, so wäre lediglich er selbst für einen derartigen Vergleich verantwortlich. Da der Autor jedoch Respektlosigkeit und Spürsinn gleichermaßen schätzt, versichert er jeden Leser, der im Zusammenhang mit Büchern solche Eigenschaften entwickelt, seiner vollen Sympathie.“ – Selbstverständlich waren diese Parallelen beabsichtigt. Umso mehr als derartige Machenschaften der CIA auch in der DDR erheblichen Schaden angerichtet hatten. Man muß jedoch nicht unbedingt gelesen haben, was an anderer Stelle die notorischen Feinde des Sozialismus, die Apologeten des Imperialismus, in diversen gut bezahlten Auftragswerken und Kommentaren dazu abgesondert haben. Und nicht einmal Dissertationsschriften, also dem Anschein nach wissenschaftliche (!) Veröffentlichungen, sind frei von Lügen und Verleumdungen – um so schändlicher, wenn der Autor, gegen den man referiert, bereits verstorben ist, sich also nicht mehr wehren kann. Doch das Werk von Harry Thürk spricht für sich.

Und hier nun ein Ausschnitt aus dem Buch „Der Gaukler“

Ein CIA-Dossier:
Gaukler1Gaukler2
Deadricks erster Gedanke, nachdem er den Hinweis gelesen hatte, war: Wieder so ein Sozialismusverbesserer, der uns einen Stapel Dollars kosten wird! Ein Buch, das wir subventionieren, hundert-zwanzig Vertrauensleute in der ganzen Welt, die jubelnde Rezensionen lancieren, die Vergabe von einem Dutzend Forschungsaufträgen, damit der Mann auch in die Literaturwissenschaft eingeht, und nach drei Jahren, wenn es gut geht, erst nach fünf, die Bereitstellung eines möglichst abseits der öffentlichen Aufmerksamkeit gelegenen Hauses, in dem der dann Exilierte sein Leben ohne nennenswerte Störungen beschließen kann.

Einige Male haben wir das nun schon gemacht. Genau so. Das Geschäft mit den Dissidenten verspricht viel. Eingebracht hat es bislang wenig. Vielleicht brauchen wir mehr Praxis. Wie oft haben wir schon für hoffnungslose Alkoholiker Plätze in Sanatorien bezahlt? Am günstigsten kamen wir noch weg, wenn wir solche ausgebrannten Polit-Poeten bei einem Emigrantenblättchen unterbringen konnten oder bei Radio Free Europe. Ab und zu eignete sich sogar einer zum Professor für ein Institut für Sowjetologie oder wenigstens zum wissenschaftlichen Mitarbeiter.

Der Himmel allein weiß, ob wir bei diesem Spiel nicht nur zusetzen. Der große Wurf ist jedenfalls bisher ausgeblieben. Literarisch sowieso, aber eigentlich auch politisch. Die erste Welle der russischen Emigranten, damals in den zwanziger Jahren, hatte einige Literaten herbeigespült, die imstande gewesen waren, ihr Brot zu verdienen. Da gab es den alten Nabokow, der konnte die Leser mit seinen Weibergeschichten unterhalten, Kalinnikow mit seinen Sittenromanen oder Krasnow mit seinem Gruselschinken über den Bürgerkrieg. Lange ist das her! Die neuere Entwicklung hat Pasternak gebracht. Auch keine Bombe, wenn man es genau nimmt, eher eine naß gewordene Sprengladung, die mit blauer Flamme abbrennt, statt zu explodieren. Und sonst? Ein paar verärgerte Bärtige. Rasputin-Imitatoren, zuweilen mit etwas Talent, aber ohne Fleiß und ohne Ehrgeiz. Geldverdiener bestenfalls. Feuerwerkskörper, bunt schillernd, aber wenig Brisanz. Sie eignen sich beim besten Willen zu weiter nichts als zu einem bißchen Schaumschlägerei. Weiß Gott, wir könnten einen Mann gebrauchen, mit dem etwas anzufangen wäre. [1]

Sehr detailliert hat Harry Thürk beschrieben, wie in den Regiezentralen der CIA vorgegangen wird, um bspw. ein sozialistisches Land ideologisch zu unterwandern. Diese Methode war mehrfach erprobt und – sie funktionierte. So werden also Dissidenten gemacht: Mit Hilfe eines bekannten Wissenschaftlers, Schriftstellers oder einer anderen namhaften Persönlichkeit wird in einem Land, das man zu destablisieren gedenkt, eine diffamierende Legende erfunden, eine Gruselgeschichte über angebliche Verbrechen, die man der Regierung dieses Landes in die Schuhe schieben kann. Diese Story wird auf jede nur mögliche Art und Weise verbreitet. Auch spielen hier oft die abenteuerlichen Umstände ihrer Verbreitung eine Rolle. Als besonders geeignet haben sich hierfür solche „schwankenden Gestalten“, wie der im Buch beschriebene Ignat Isaakowitsch Wetrow. Es sind charakterschwache, gewissenlose und bestechliche Menschen, die sich offentlichkeitswirksam zu präsentieren verstehen, und die für eine oft lächerliche Besoldung zu jeder Schandtat bereit sind, ihrem sozialistischen Vaterland zu schaden.

Der schwedische Historiker Mario Sousa beschrieb die Hintergründe dieser Methode:
Alexander Solzhenitsyn. Another person who is always associated with books and articles on the supposed millions who lost their lives or liberty in the Soviet Union is the Russian author Alexander Solzhenitsyn. Solzhenitsyn became famous throughout the capitalist world towards the end of 1960 with his book, The Gulag Archipelago. He himself had been sentenced in 1946 to 8 years in a labour camp for counter-revolutionary activity in the form of distribution of anti-Soviet propaganda. According to Solzhenitsyn, the fight against Nazi Germany in the Second World War could have been avoided if the Soviet government had reached a compromise with Hitler. Solzhenitsyn also accused the Soviet government and Stalin of being even worse than Hitler from the point of view, according to him, of the dreadful effects of the war on the people of the Soviet Union. Solzhenitsyn did not hide his Nazi sympathies. He was condemned as a traitor.

Solzhenitsyn began in 1962 to publish books in the Soviet Union with the consent and help of Nikita Khrushchev. The first book he published was A Day in the Life of Ivan Denisovich, concerning the life of a prisoner. Khrushchev used Solzhenitsyn’s texts to combat Stalin’s socialist heritage. In 1970 Solzhenitsyn won the Nobel Prize for literature with his book The Gulag Archipelago. His books then began to be published in large quantities in capitalist countries, their author having become one of the most valuable instruments of imperialism in combating the socialism of the Soviet Union. His texts on the labour camps were added to the propaganda on the millions who were supposed to have died in the Soviet Union and were presented by the capitalist mass media as though they were true. In 1974, Solzhenitsyn renounced his Soviet citizenship and emigrated to Switzerland and then the US. At that time he was considered by the capitalist press to be the greatest fighter for freedom and democracy. His Nazi sympathies were buried so as not to interfere with the propaganda war against socialism. [2]

Übersetzng:
Aleksander Solschenitzyn. Eine andere Person, die immer wieder mit Büchern und Artikeln über die angeblichen Millionen von Opfern verbunden wird, die ihr Leben oder ihre Freiheit in der Sowjetunion verloren haben sollen, ist der russische Autor Aleksander Solschenizyn. Gegen Ende der 1960er Jahre wurde Solschenizyn mit seinem Buch „Archipel Gulag“ überall in der kapitalistischen Welt berühmt. Er selbst war 1946 wegen der Verteilung antisowjetischer Propaganda zu 8 Jahren in einem Arbeitslager für konterrevolutionäre Aktivitäten verurteilt worden. Solschenizyn zufolge hätte der Kampf gegen Nazideutschland im zweiten Weltkrieg vermieden werden können, wenn die sowjetische Regierung mit Hitler einen Kompromiß erreicht hätte. Solschenizyn klagte auch die sowjetische Regierung und Stalin an, vom Standpunkt der schrecklichen Wirkungen des Kriegs auf das Volk der Sowjetunion, noch schlimmer als Hitler zu sein. Solschenizyn versteckte seine Sympathien für die Nazis nicht. Er wurde als Verräter verurteilt.

Im Jahre 1962 begann Solschenizyn, mit Zustimmung und mit Hilfe von Nikita Chruschtschow in der Sowjetunion Bücher herauszugeben. Das erste Buch, das er herausgab, war „Ein Tag im Leben von Iwan Denisowitsch“, welches vom Leben eines Gefangenen handelte. Chruschtschow selbst verwendete Solschenizyns Texte, um das sozialistische Erbe Stalins zu bekämpfen. Im Jahr 1970 erhielt Solschenizyn für sein Buch „Archipel Gulag“ den Nobelpreis für Literatur. Daraufhin wurden seine Bücher in den kapitalistischen Ländern in großen Mengen herausgegeben, und damit wurde ihr Autor eines der wertvollsten Instrumente des Imperialismus bei der Bekämpfung des Sozialismus in der Sowjetunion. Seine Texte über die Arbeitslager wurden der Propaganda hinzugefügt, über angeblich in der Sowjetunion gestorbene Millionen, die von den kapitalistischen Massenmedien dargestellt wurden, als ob sie wahr wären. Im Jahr 1974 verzichtete Solschenizyn auf seine sowjetische Staatsbürgerschaft und wanderte in die Schweiz und dann die USA aus. In dieser Zeit wurde er von der kapitalistischen Presse als der größte Kämpfer für Freiheit und Demokratie gefeiert. Seine Sympathie für die Nazis wurde so verschwiegen, um sich damit nicht im Propagandakrieg gegen Sozialismus zu vermischen.

Auch Fursenko greift zur Stalinismus-Keule

Noch ist dieses demagogische Werkzeug nutzbar. Auf Anweisung des Ministers für Bildung und Wissenschaft der Russischen Föderation, Andrej Fursenko, wurde der obligatorische Bildungsinhalt auf dem Gebiet der russischen Literatur des 20. Jahrhunderts um das Studium von Ausschnitten aus dem Roman A.N.Solschenizyns „Archipel GULAG“ erweitert.
FursenkoSowjet-Feind Fursenko

Damit wurde das Studium dieses Romanes für alle russischen Schüler der oberen Klassen obligatorisch. Die Absicht ist klar: Zuerst riß man Stalin vom Sockel, dann Lenin und die Helden des Großen Vaterländischen Krieges, und nun präsentiert man der Jugend neue Figuren: sogenannte „Bürgerrechtler“ und „Dissidenten“. Bleibt abzuwarten, ob die Jugend sich betrügen läßt. Erinnern wir uns an ein Wort Abraham Lincolns: „Man kann alle Leute einige Zeit zum Narren halten und einige Leute allzeit, aber alle Leute allezeit zum Narren halten kann man nicht.“

Quellen:
[1] Harry Thürk, Der Gaukler, Verlag Das Neue Berlin (DDR), 1979, 2 Bd., S.1-13.
[2] Mario Sousa, Lies concerning th history of the Soviet Union,
siehe: www.mariosousa.se

Siehe auch:
Sag mir, wo Du stehst…
Die Konterrevolution in der DDR und ihre Handlanger

Anmerkung:
Noch widerwärtiger ist allerdings der Verrat. Gemeint sind jene Typen, die sich, als es die DDR noch gab, als 150prozentige „Genossen“ und Sachwalter des Kommunismus aufspielten, die aber dann sehr schnell die Fahne wechselten, als es „andersherum“ kam, und als die Konterrevolution gesiegt hatte. Es waren diejenigen staatlichen Leiter, die, um ihre Haut zu retten, unmittelbar in den Dienst westlicher Kapitalisten eintraten. Es waren diejenigen Offiziere der NVA, die gleich 1990 und kurz nachdem sie ihre Dienstwaffe abgegeben hatten, ausgerüstet mit dem Gorbatschowschen „Neuen Denken“ und mit neuen Schulterstücken nach Köln zu Bundeswehrlehrgängen reisten, und diejenigen MfS-Mitarbeiter, die ihr Wissen dem Klassenfeind verkauften: es gab sie immer diese Verräter, und mit ihnen mußte man rechnen…

5 Gedanken zu “So werden Dissidenten gemacht…

  1. Danke, Nadja, für den Kommentar. Ich glaube, diese Anmerkung ist notwendig, weil sich einige dieser sauberen „Genossen“ heute so hinstellen, als hätte es die DDR nie gegeben, als wären sie zufällig erst 1990 zur Welt gekommen…

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  2. Wie auch immer, er hat gute Bücher geschrieben, realitätsnah und autentisch. „Die Stunde der toten Augen“ ist zum Beispiel aus der Realität des Krieges entstanden. Halt anders als „4 Panzersoldaten und ein Hund“ und auch in der DDR haben nicht nur Kommunisten gelebt, aber was wichtiger ist, es widerlegt die These das jeder eingesperrt wurde der anderer Meinung war.
    MkG

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  3. „Obwohl das irdische Ideal des Sozialismus und Kommunismus in sich zusammengebrochen ist, sind die Probleme, die dieses Ideal lösen wollte, noch da: die schamlose gesellschaftliche Nutzung der maßlosen Macht des Geldes, die in vielen Fällen den Lauf des Geschehens bestimmt. Und wenn die globale Lektion des 20. Jahrhunderts nicht zu einem ernsthaften Nachdenken führt, dann kann sich der gewaltige rote Wirbelsturm von Anfang bis Ende wiederholen.“ Alexander Solschenizyn

    Seinen Literaturnobelpreis hat dieser Gaukler nicht etwa seinen schriftstellerischen Fähigkeiten zu verdanken, die waren eher durchschnittlich. Er kam genauso dazu wie der Kriegsverbrecher Obama oder der Putschist Kissinger zum Friedensnobelpreis. „Helden des Systems“ eben.
    Solschenizyns Zitat ist nur insofern interessant, als das auch so ein Dutzendschmierfink wie er in der Lage war, die Kraft zu erkennen, die diesem System ein Ende bereiten wird.

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    1. Auch wenn er mit dem „zusammengebrochen“ nicht recht hat, schon Max und Moritz hatten die Brücke erst angesägt, bevor sie brach! …doch die Kraft der Oktoberrevolution war eben nicht zu übersehen!!!

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