Was ist eigentlich eine LPG?

Aufteilung des Großgrundbesitzes in der sowjetischen Besatzungszone im Herbst 1945:
BodenreformKaum noch ein junger Mensch weiß heute etwas mit der Abkürzung „LPG“ anzufangen. Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit, in der vieles in Vergessenheit gerät. Dabei spielte doch gerade die Gründung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) bei der demokratischen Umgestaltung der Landwirtschaft in der DDR eine wichtige Rolle. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges, als das Hitlerregime zerschlagen war, galt es, das zerstörte Land wieder aufzubauen und eine antifaschistische-demokratische Ordnung zu errichten. Die Nazis mußten aus allen Ämtern und Verwaltungen entfernt werden, neue demokratische Staatsorgane mußten geschaffen werden und der nazistische Ungeist aus den Köpfen vertrieben. Doch solange die sozialökonomischen Wurzeln des Faschismus – das Eigentum der Monopolherren und Großgrundbesitzer an Fabriken, Rohstoffen und Ländereien – nicht beseitigt waren, bestand die aktute Gefahr einer Restauration der imperialistischen Herrschaftsverhältnisse. Ein bedeutender Schritt zur Demokratisierung war die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone. „Junkerland in Bauernhand“ war damals die Losung der Kommunistischen Partei Deutschlands:
Volkszeitung

Ein erstaunliches Umdenken setzte ein: es war der Schritt vom ICH zum WIR. Wie es den Bauern damit ging, beschreibt Fritz Müller, ein ehemaliger Einzelbauer aus dem kleinen Mecklenburgischen Dorf Gielow:

„Ich war früher Großbauer…

Gewiß, die neue Macht hatte mir von Beginn an den Absatz meiner Produkte zu ordentlichen Preisen garantiert. Das war schon etwas, was früher noch keine Regierung in Deutschland zuwege gebracht hatte. Aber trotzdem war ich mißtrauisch. Mein Mißtrauen wurde nicht geringer, als 1953 einige Gielower Bauern eine LPG gründeten. Wir Einzelbauern wollten der LPG zeigen, wer besser ist: sie oder wir. Wir wollten natürlich unsere Überlegenheit gegenüber der LPG beweisen. Das gelang uns zunächst ganz gut. Wir hatten höhere Erträge und höhere Einnahmen. Daß die LPG viele Flächen übernehmen mußte, deren Besitzer das Land heruntergewirtschaftet und dann das Weite gesucht hatten, übersahen wir geflissentlich. Denn uns ging es ja um Argumente gegen die LPG.

Wie sollte ich mich entscheiden?

Aber wie das so ist, die LPG wuchs und erstarkte. Wer einigermaßen rechnen gelernt hatte, konnte absehen, wann der Einzelbetrieb überflügelt sein würde. Die moderne Technik verlangt nun mal den Großbetrieb. Dem kann sich niemand verschließen. Wie sollte ich mich entscheiden, für oder gegen den Sozialismus? Ehrlich gesagt, ich schwankte lange Zeit. Fast wäre ich sogar Bauernfängern von drüben auf den Leim gegangen. Die Fahrkarten hatte ich für meine Familie schon in der Tasche.

Doch dann siegte die Vernunft…

Ich begann zu begreifen, daß der Übergang zur Großproduktion nur unter sozialistischen Verhältnissen auf menschliche Weise und zum Vorteil aller vollzogen werden kann. Wir Einzelbauern trafen uns damals manche Nacht und redeten uns die Köpfe heiß. Die meisten meinten, wir sollten eine LPG Typ I bilden, damit wir Starken unter uns sind. Ich war dagegen denn ich meinte, daß wir, wenn wir uns schon für den Sozialismus entscheiden mit denen gemeinsame Sache machen sollten, die bereits eine gehörige Portion an Erfahrung gesammelt hatten.

Ich fühlte mich mitverantwortlich

Mein ganzes Leben habe ich es so gehalten: Wenn ich mich für irgend etwas entschieden habe, dann setze ich dafür meine ganze Kraft ein. So auch für die LPG. Früher war mein Hof mit 44 Hektar und einem Bulldog meine Welt. Heute bin ich Miteigentümer unserer 1500 Hektar großen LPG. Wir haben 34 Traktoren und 10 Vollerntemaschinen. Aber meine Welt reicht weit über die Grenzen unserer LPG, ja über die Grenzen der Kooperations-Gemeinschaft hinaus. Ich fühle mich mitverantwortlich für das Wachsen und Erstarken unseres Staates.“

LandaufteilungQuelle:
Der Sozialismus – Deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin (DDR), 1975, S.192 (aus: Neues Deutschland, Dezember 1967)
Bilder: Lehrbuch Geschichte, Klasse 10, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin 1980, S.59; Grafik: S.60.

3 Gedanken zu “Was ist eigentlich eine LPG?

  1. LPG – Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, Nachfolger der MTS -Maschinen und Traktoren Station in der ehemaligen DDR.
    Nach erfolgter Enteignung der Großbauern viele kleine Bauern, nicht sehr produktiv, daher gemeinsam genutztes Material, Werkstatt..

    Übrigens MTS – auch Militärtechnische Schule Prora – eine Unteroffiziersschule in der DDR

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  2. Die MTS (Maschinen- und Traktoren-Station) war die Nachfolgerin der Maschinenausleihstationen (MAS), die geschaffen worden waren, um den unbemittelten Bauern die Möglichkeit zu geben, ihre übernommenen Felder maschinell zu bearbeiten. So nach und nach schlossen sich die Bauern in Genossenschaften zusammen, von denen es verschiedene Typen gab (Typ I-III). Das kann man auch nachlesen in wikipedia.

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