Literaturunterricht in der DDR

Zwanzig Jahre sind eine lange Zeit. Vieles in der eigenen Erinnerung an unsere Heimat, die DDR, ist seitdem verblaßt, und einiges wird wohl auch unwiederbringlich verloren sein. Wenn es da nicht Bücher gäbe, in denen nachzulesen ist, womit sich jene Generation befaßte, die damals zu den Erwachsenen zählte. Und das ist wohl die authentischste Quelle. Nach all den Verleumdungen der DDR und den haßerfüllten Entstellungen ihrer Geschichte, die nicht abzureißen scheinen, interessiert es vor allem die Jugend, was die Menschen in einem sozialistischen Land damals bewegte, wie sie lebten, und schließlich, womit auch sie sich auseinanderzusetzen hatten. Einiges erscheint uns heute ziemlich fremd. Doch wenn man die Geschichte kennt, wird vieles verständlich. Wer sich aber für die Vergangenheit nicht interessiert, der wird auch den richtigen Weg in die Zukunft nicht finden. Die DDR war ein Leseland. Und es werden wohl zuerst die DDR-Bücher sein, aus denen wir heute noch etwas über unser einst verratenes und später ausgeplündertes Vaterland erfahren können.

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Pädagogischer Grundsatz in der DDR: Einheit von Bildung und Erziehung. Das heißt – Erziehung zur Aufrichtigkeit, zur Achtung vor der Arbeit anderer, zu Bescheidenheit und sozialistischer Moral, sowie hohe Bildung zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten

Erstmals seit dem heroischen Sieg der Sowjetunion über den deutschen Faschismus begannen Lehrer, die selbst kaum ein richtiges Studium absolviert hatten, den Kindern systematisches Wissen beizubringen. Die Nazilehrer waren in der DDR unverzüglich aus dem Schuldienst entfernt worden, die Auseinandersetzung mit der feindlichen Hetze durch die westlichen Rundfunksender und das Westfernsehen war allgegenwärtig, doch längst hatten die Menschen begonnen, nach neuen Moralvorstellungen zu leben. Humanistisches Gedankengut prägte die Erziehung. In einem Lehrbuch für die Ingenieur- und Fachschulen der DDR schrieben die Herausgeber folgendes:

Literaturunterricht kann nur dann erzieherisch voll wirksam werden, wenn nicht nur über Literatur gesprochen wird, sondern wenn die einzelnen Werke den Schülern zum gründlichen Studium vorliegen. Das Beschaffen der Texte aber zu dem Zeitpunkt, zu dem sie im Unterricht gebraucht werden, ist häufig recht schwierig. Weiterhin erschwert das Benutzen verschiedener Ausgaben teilweise erheblich den Unterrichts- und Studienprozeß. Aus diesen Gründen wird diese Sammlung nicht immer greifbarer und schwer zugänglicher literarischer Werke herausgegeben. Die Auswahl bestimmte der zur Zeit gültige Lehrplan für den Deutschunterricht im Direkt- und Fernstudium an Ingenieur- und Fachschulen.
Unser Literaturunterricht verfolgt nicht das Ziel, Faktenwissen zu vermitteln, sondern soll die Schüler durch liebevolles Beschäftigen mit Literaturwerken der Vergangenheit befähigen, aktiv am politischen und kulturellen Leben unserer sozialistischen Gesellschaft teilzunehmen und aus der Literatur wertvolle Impulse für ihre Charakterbildung und ihr Handeln zu empfangen. Deshalb wurde auch bei der Auswahl der erzieherische Gesichtspunkt stets dem literarischen übergeordnet; nur vereinzelt nahmen wir Werke auf, die lediglich als literaturhistorische Belege dienen. (…) Die… ausgewählten Äußerungen von Dichtern, Literaturkritikern und Politikern sollen helfen, die Bedeutung von Kunst und Literatur in der sozialistischen Kulturrevolution richtig zu erfassen. Sie sollen die Literatur als eine Form der Erkenntnis der Wirklichkeit begreiflich machen und zugleich einige der wichtigsten literaturtheoretischen Erkenntnisse vermitteln. [1]

Und hier eine kleine Skizze, ein Auszug aus diesem Lehrbuch:

Kollege B. ist der Sohn eines Kleinbauern aus dem Erzgebirge. Sein Wunsch war schon vor dem Kriege, Landwirtschaft zu studieren. Das war im Hitlerstaat für Leute seiner Schicht nicht möglich. B. wurde jung zur Hitlerwehrmacht eingezogen. Während des Krieges kam er in sowjetische Gefangenschaft. Das war seine Lebenswende und sein Glück. Er arbeitete als Kriegsgefangener auf einem Kolchos. Dort lernte er die Sowjetmenschen lieben und ihre Neuerermethoden schätzen. Kollege B. ist kein Genösse. Er gehört einer unserer Blockparteien an. Nach verschiedenartigen Tätigkeiten in der Landwirtschaft wurde er Leiter eines volkseigenen Gutes. Die Äcker des Gutes, das er übernahm, waren vom Nazibesitzerheruntergewirtschaftet. Die meisten Gebäude waren im Kriege zertrümmert worden. Auf dem Gut hausten arme Menschen, die ausgebeutet worden waren wie die Äcker des Nazigutsbesitzers. Sie gingen in Sacklumpen einher. Einige waren Analphabeten. Als ich jenes volkseigene Gut zum ersten Male besuchte, hatte Kollege B. schon fast eine Musterwirtschaft daraus gemacht. Er verbesserte die Böden systematisch und ließ moderne Viehställe bauen. Eine seiner Erkenntnisse, die er aus der Sowjetunion mitgebracht hatte, setzte er in seinem Betrieb beharrlich in die Tat um: Die Entwicklung hängt von der Behandlung der Menschen ab.
Bauer
Kollege B. ließ für die Landarbeiter Wohnungen bauen, die weitum als Musterwohnungen galten. Er wußte aber auch, daß sich die Menschen am glücklichsten fühlen, wenn sie sich bei ihrer Arbeit schöpferisch entfalten können. Deshalb suchte er für jeden seiner Arbeitskollegen nach einer entsprechenden Tätigkeit. Einem alten, körperlich nicht mehr sehr rüstigen Mann, von dem seine Arbeitskollegen sagten, er könne nicht viel mehr bestellen, übertrug B. die Stelle des Hofverschönerers und Tankwarts. Der alte Mann säuberte alle Gerümpelecken des Betriebes. Er pflanzte Blumen und Ziersträucher, wo es anging. Daneben versah er die Stelle des Tankwarts. Da er nicht schreiben, nicht lesen konnte, half er sich mit Kreidestrichen beim Anmerken der Literzahlen. Das alles tat der alte Mann mit Eifer. Bis nun hatte ihm niemand in seinem Leben so verantwortliche Aufgaben übertragen. An seiner Monatsabrechnung fehlte nie ein Strich.
Neubauer
Kollege B. hatte ein Fernstudium aufgenommen. Das Studium – sein alter Traum ging in Erfüllung. Als ich ihn eines Abends besuchte, saß der Schweinemeister des Gutes bei ihm am Studiertisch und buchstabierte aus einem Schullesebuch. Der Mann sprang sofort auf und verließ die Stube.
„Weshalb reißt er aus?“
„Es ist ihm peinlich. Er lernt bei mir lesen.“
Ich hatte nicht gewußt, daß der Schweinemeister, der seine Arbeit musterhaft versah und mehrmals prämiiert worden war, nicht lesen konnte. Bisher hatte ihm Kollege B. aus wissenschaftlichen Büchern die Futterzusammensetzungen für die Schweine der verschiedensten Lebensalter vorgelesen. Er hatte so oft lesen müssen, bis sie der Schweinemeister auswendig konnte. Jetzt sollte der Schweinemeister selber lesen lernen.
„Kann er nicht zum Dorflehrer gehn?“
„Nein, er schämt sich und will es bei mir lernen.“
„Hält das Ihr Selbststudium nicht auf?“
„Was nützt mein Studium, wenn er nicht lesen lernt?“

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Jeder von uns weiß, daß der neue Mensch, wie wir ihn verstehn, nicht auf Anhieb da ist. „Man kann niemand ins Herz schauen“, heißt’s in einem Sprichwort. Man kann aber an der Verhaltensweise eines Menschen gegenüber der Gesellschaft ablesen, ob da ein neuer Mensch in unserem Sinne heranwächst. [2]

(1958)

Quelle:
[1] Erbe und Gegenwart, Eine Anthologie zur schönen Literatur, VEB Fachbuchverlag, Leipzig, 1962.
[2] ebd. S.41f. (Autor: Erwin Strittmatter)

Zeichnungen:
Werner Kulle, aus: Hell klingt unser Lied, Musikbuch für die 5.und 6.Klasse, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1961, S.105/S.44

Siehe auch:
Das Bildungssystem in der DDR
Margot Honecker: Und der Zukunft zugewandt

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Die Siege Vietnams

Zwar gehört der Vietnamkrieg der USA von 1964-1975 der Vergangenheit an, doch kaum einer erinnert sich heute noch an die grausamen Verbrechen der US-Truppen in diesem Land. Nur wenige wissen noch etwas über die verheerenden „Entlaubungsaktionen“ mit dem Kampfstoff Agent Orange, der die Lebensgrundlage der vietnamesischen Bevölkerung zerstörte und (auch heute noch!) entsetzliche Mißbildungen bei Neugeborenen hervorruft, oder über die Napalmbomben, mit denen die USA nicht nur militärische Ziele, sondern auch wehrlose Dörfer, Schulen oder Krankenhäuser Vietnams in Brand setzten. vietnamDoch das heldenhafte Volk Vietnams verstand es, sich zu wehren. So daß die USA schließlich ihre Truppen erfolglos wieder abziehen mußten. Der Vietnamkrieg hatte weltweite Solidaritätsaktionen ausgelöst. Die USA hinterließen ein verwüstetes Land, mußten aber auch hohe eigene Verluste hinnehmen.

1,7 Millionen Tonnen amerikanischer Bomben fielen auf Vietnam

Gegen Ende 1967 resümierte die westdeutsche Wochenzeitung „Die Zeit“: „Die Amerikaner warfen über ganz Vietnam Bomben ab im Jahre 1965: 315.000 Tonnen, 1966: 512.000 Tonnen; und in den ersten neun Monate dieses Jahres: 681.000 Tonnen; zusammen über 1,5 Millionen Tonnen Sprengstoff. Mindestens die Hälfte davon oder 750.000 Tonnen wurden auf Ziele im Norden abgeladen, wahrscheinlich aber sogar noch mehr. Im ganzen zweiten Weltkrieg warfen die amerikanischen Maschinen auf Deutschland 641.000 Tonnen Bomben. Legt man die Flächen des deutschen Reiches von 1941 und die Nordvietnams zugrunde, so ergibt sich eine mindestens fünfmal höhere Intensität des Luftkrieges der Amerikaner gegen Nordvietnam als seinerzeit gegen Deutschland.“ [1] Die Profite von Boeing, Lockheed und General Electric Co. stiegen in dieser Zeit fast um das doppelte…

Die „Engel vom Elefantenberg“

1975 berichtete der ADN-Korrespondent der DDR in Hanoi, Karl Heinz Hagen, folgendes: „Bei Haiphong, der großen Hafenstadt Vietnams, liegt ein Berg, auf dem einst Engel gewohnt haben sollen. So erzählt das Volk, das ihn «Elefantenberg» nennt. Als ich ihn im Februar 1968 bestieg, lauerten oben hinter einem leichten sowjetischen Flakgeschütz junge Mädchen auf den Feind. Bei den Reisbauern der Umgebung hießen sie nur die «Engel vom Elefantenberg».
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Das jüngste der Mädchen war siebzehn, das älteste sechsundzwanzig Jahre alt. Ich schaute in Gesichter, die von Entbehrungen und schlaflosen Nächten gezeichnet waren. Die Geschützführerin berichtete recht nüchtern vom Einsatz ihrer Besatzung gegen tief angreifende Starfighter. Drei Maschinen hatten sie abgeschossen. Beim Anblick der Bombenkrater ringsum die Stellung fragte ich mich, ob die Mädchen wohl auch das Gefühl der Angst kennenlernten? Die junge Frau schien zu erraten, was ich dachte, denn sie fuhr fort: «Natürlich bebte uns das Herz, als die ersten Jagdbomber wie Blitze auf unsere Stellung zuschossen. Aber niemand lief davon. Jeder bezwang aufsteigende Angst und kämpfte bis zum Umfallen. Denn wir sind im Recht. Mit uns ist alles, was gut ist auf der Erde.»

Was ist gut, was ist schlecht?

Dem vietnamesischen Mädchen am Flakgeschütz war die Freiheit seines Volkes heilig, die der Bomberpilot in der Kanzel der «Phantom» bedrohte, weil ihm das Töten befohlen wurde. Es kämpfte für die Freiheit eines Landes, dessen Menschen und dessen Reichtum ein Jahrhundert lang von fremden Kolonialherren und eigenen Feudalen ausgebeutet wurden, bis das Volk im August 1945 das verhaßte Joch endgültig abwarf und sich seinen eigenen Staat schuf. Unter Führung der Kommunistischen Partei jagten damals die bewaffneten Arbeiter und Bauern Vietnams zuerst die eingedrungenen Japaner und später die französischen Kolonialisten davon und gründeten den ersten sozialistischen Staat Südostasiens.

Die vietnamesische Revolution hatte gesiegt

Das Banner der Revolution, die rote Fahne mit dem gelben Stern, wehte 1945 über ganz Vietnam, von Cao Bang im Norden bis Ca Mau im äußersten Süden. Dieses Banner, das die Väter aufgepflanzt und bei Dien Bien Phu gegen die französische Reaktion siegreich behauptet hatten, verteidigten später die Söhne und Töchter der Revolution – unter ihnen die Mädchen vom Elefantenberg – gegen die amerikanischen Imperialisten und ihre Saigoner Handlanger in Generalsuniform. Ausgehalten vom amerikanischen Dollar, gehaßt vom eigenen Volk, flüchteten sich die korruptesten Teile der südvietnamesischen Bourgeoisie hinter die amerikanischen Bajonette, um die Revolution der Arbeiter und Bauern aufzuhalten. Die beiden Saigoner Diktatoren Diem und Thieu, an deren Händen das Blut Tausender Patrioten klebte, waren die «Hitler» Südvietnams. Für diese verbrecherische Politik gingen 50.000 junge Amerikaner auf den Schlachtfeldern Vietnams elend zugrunde, ruhmlos, ehrlos. Das ist das Schicksal aller, die das Rad der Geschichte zurückdrehen wollen. Diese Erfahrung wurde in Vietnam aufs neue erhärtet. Sie beantwortet auch die Frage nach dem, was gut und was schlecht ist auf unserer Erde.

Sie kämpften für die Befreiung ihrer Heimat

Tapfer waren die Mädchen vom Elefantenberg. Diese Haltung wird dem Menschen nicht in die Wiege gelegt. Er gewinnt sie vor allem in der Gemeinschaft, in der er aufwächst, die ihn erzieht und die ihm Ideale gibt, nach denen ein Mensch leben kann. Die sozialistische Gesellschaft Vietnams hat ihrer Jugend die hohen Ziele gewiesen, das Vaterland gegen jede imperialistische Aggression zu verteidigen, teilzunehmen am Aufbau des Sozialismus und sich einzureihen in die große Front der internationalen Arbeiterbewegung zur endgültigen Befreiung der Menschheit von der Geißel kapitalistischer Ausbeutung und imperialistischer Kriege. Dafür haben die Mädchen vom Elefantenberg wie jeder Jugendliche Vietnams gekämpft, dafür arbeitet heute die gesamte vietnamesische Jugend und verändert durch ihre Arbeit das Gesicht der Heimat von Grund auf.

Die Demokratische Republik Vietnam hat erfolgreich Freiheit, Menschenwürde und Sozialismus gegen die Barbarei verteidigt. Ihre Gesellschaftsordnung ist Sinnbild menschlichen Fortschritts. In ihr wurde auf vietnamesisch nachvollzogen, was die russischen Arbeiter und Bauern mit dem Sturm auf das Winterpalais errungen haben. Die Demokratische Republik Vietnam hat ihre Bewährungsprobe vor der Geschichte bestanden. Deshalb wird sie von der gesamten fortschrittlichen Menschheit hoch geachtet.“ [2]

Quellen:
[1] siehe: Heynowski/Scheumann, Piloten im Pyjama, Berlin, 1968, S.361.
[2] aus: Der Sozialismus – Deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin. S.324-326.

Siehe auch:
Vietnam-Blog: http://cathrinka.blog.de/
Der US-amerikanische Zynismus

Lebt denn der alte Adolf noch…

Als ob wir das alles nicht schon gewußt hätten. Da schreibt ein Professor Arno Winkler in seinem Buch „Neofaschismus in der BRD“ (erschienen 1980 in der DDR):

„Die gefährlichen Umtriebe neofaschistischer Kräfte in der BRD haben in den letzten Jahren lawinenartig zugenommen. Die Weltöffentlichkeit wird durch immer neue Tatsachen alarmiert, die beweisen, daß sich die neofaschistischen Tendenzen im gesellschaftlichen Leben der BRD verstärken.
neonazis
Neofaschistische Organisationen und Gruppen schießen wie Pilze aus der Erde. Manche von ihnen stellen sich selbst als Nachfolger der Hitlerpartei dar und geben sich offen deren Namen, wie zum Beispiel die im Februar 1980 in Frankfurt am Main gegründete NSDAP. Andere Gruppierungen versuchen sich zwar verbal von den Greueltaten des Hitlerregimes zu distanzieren, propagieren jedoch gleichzeitig Forderungen, die denen der Altnazis sehr ähnlich sind. Im Jahre 1977 wurden in der BRD 610 neofaschistische Ausschreitungen registriert. Ein Jahr später waren es schon 992. Dazu gehören in immer größerer Zahl Sprengstoffanschläge, Banküberfälle, Morddrohungen gegen fortschrittliche Persönlichkeiten und andere Formen der Gewaltkriminalität. Wie die antifaschistische BRD-Zeitung »die tat« berichtete, verübte zum Beispiel eine neofaschistische Gruppe am 6. und 10.Januar 1979 terroristische Überfälle auf das demokratisch-antifaschistische Buchzentrum in Frankfurt am Main. (siehe: die tat, Frankf.a.M., 19.1.1979) Anderen Pressemeldungen aus der BRD zufolge wurden in Kiel, Hanau, Münster, Koblenz, Bonn und anderen Städten Waffenlager…“ usw. [1]

Оder auch die westdeutschen Autoren Pomorin und Junge schreiben in ihrem 1978 in Dortmund erschienenen Buch „Die Neonazis“:

„Bundesrepublik Deutschland, 22. Juli 1978. Hundert alte und junge Nazis veranstalten bei Hamburg eine ‚Hitler-Feier’. ‚Festredner’ ist der ehemalige Bundeswehr-Leutnant Michael Kühnen Chef der Terrorbande ‚Aktionsfront Nationaler Sozialisten’ Demokratische Journalisten drängen die Polizei zum Eingreifen Aber sechs Tage nach der blutigen Saalschlacht ist Kühnen wieder auf freiem Fuß… An Kiosken und Buchläden hängen Nachdrucke von Nazizeit Schriften, kriegsverherrlichende Landser-Hefte, als ‚Dokumentationen’ getarnte Lobgesänge auf die bestialische SS. Auf Flohmärkten werden faschistische Orden, Nazidolche, Hitler-Bücher gehandelt. Und rund 150 neonazistische Gruppen predigen Führerkult und Völkerhaß, überfallen Veranstaltungen fortschrittlicher Organisationen, rühren die Werbetrommel unter jungen Deutschen. Polizeipräsidenten und Staatsanwälte sehen zumeist tatenlos zu oder weg…
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Woher kommen die neuen Nazis? Was wollen sie? Wer braucht sie? Unser Land ist schön und reich. Wir haben geschickte Arbeiter und kluge Wissenschaftler, eine hochentwickelte Industrie. Der Reichtum könnte allen nützen. Aber wir haben über 1 Million Arbeitslose, unter ihnen 350.000 Jugendliche. Sie kommen aus überfüllten Klassenzimmern und finden keine Lehrstelle. Sie sind Ausgestoßene, noch ehe ihr Leben richtig begonnen hat. Wo sollen sie hin mit ihren Sorgen? Wer gibt ihnen eine politische Heimat? Nicht nur die demokratischen Jugendverbände. Auch die Neonazis stehen bereit: mit verlogener Lagerfeuerromantik, perversem Führer- und Herdenkult, antidemokratischen Parolen. Sie fühlen sich wohl in diesem politischen Klima. Berufsverbote, Gesinnungsschnüffelei, Bespitzelungen von Schülern durch den sogenannten Verfassungsschutz, Verteufelung von Sozialisten als Terroristen – dies ist der Nährboden, auf dem die Neonazis gut gedeihen können Bundeswehreinheiten dürfen den Einsatz gegen streikende Arbeiter proben….“ usw. [2]

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Was ist bloß los in Deutschland? So „informieren“ uns die gleichgeschalteten Massenmedien der BRD über dergleichen Nebensächlichkeiten wie ein angebliches „Machtvakuum“ in Nordkorea, den Glassarg eines Kim Jong-Il, die erlaubte Fahrzeugbreite an Autobahnbaustellen oder die Farbe der Flügel des Münchner Weihnachtsengels. Müssen wir uns da noch wundern, wenn die Zeitungsleser und Rundfunkhörer „abschalten“ und von alledem nichts mehr wissen wollen. Sie sind überfüttert von derlei „Nachrichten“, von den überwiegend amerikanischen Songs im Radio, vom dümmlichen Gelächter der Moderatoren, von den überflüssigen „Talk“-Sendungen mit „Experten“ zweifelhafter Herkunft, und sie haben die Nase voll von Ratschlägen zur gesunden Lebensweise, zum Abnehmen, zum Sparen oder über die angeblich „richtigen“ Geldanlagen. Sie wollen ihre Ruhe haben, sie wollen nicht belästigt werden, sie gehen lieber zu Volksfesten, Konzerten, Events und zu Fußballspielen, anstatt nachzudenken über diese angeblich „beste aller möglichen Welten“…

Doch die warnenden Stimmen sind nicht weniger geworden. „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“, das sagte schon Bertolt Brecht. Man muß die Fragen immer wiederholen, auch wenn sie schon „wie Asche in unserem Mund“ sind. Man muß nach den Ursachen suchen, nach den Gesetzmäßigkeiten, die dieser Gesellschaft zugrunde liegen. Erst dann wird es möglich sein, über Lösungen nachzudenken. Und die liegen nun mal außerhalb des gegenwärtigen kapitalistischen Systems. Die einzige Alternative wird der Sozialismus sein. Doch der kommt nicht von allein, so wie ein warmer Regen auf die ausgedörrte Erde fällt…

Quellen:
[1] Arno Winkler, Neofaschismus in der BRD, Dietz Verlag, Berlin, 1980, S.5.
[2] Jürgen Pomorin/Reinhard Junge, Die Neonazis, Weltkreis-Verlag, Dortmund, 1978, S.7

Siehe auch:
Martin Biskupek, Schuldabschiebung, in: Ossietzky 25/2011

Um Antwort auf diese Fragen zu bekommen, sei hier auch das folgende Buch empfohlen:

Kurt Gossweiler, Kapital, Reichswehr und NSDAP, Zur Frühgeschichte des deutschen Faschismus 1919 bis 1924, PapyRossa Verlag, Köln 2012.
gossweiler_kapitalKurt Gossweiler untersucht die Entstehungs- und Entwicklungsbedingungen von Faschismus allgemein und im Besonderen von dessen deutscher Variante, die sich selbst als Nationalsozialismus bezeichnete, und zeigt, aus welchen politischen und ideologischen Wurzeln sie hervorging. Ausführlich setzt sich Gossweiler mit diversen Spielarten der Hitlerlegende auseinander. Er zeichnet ein realistisches Bild der Person Hitler, ihrer politischen Funktion und Wirkung. Damit hilft er, die Frage zu beantworten, wie es der Nazi-Bewegung und ihrem »Führer« wenige Jahre später gelingen konnte, zur Macht zu gelangen, danach Schritt für Schritt die Deutschen nahezu vollzählig hinter sich zu bringen und sie schließlich fast widerstandslos ins Verderben zu führen.
(aus dem Werbetext)

..als Nachtrag folgender Link zur Zeitung „junge Welt“:
http://www.jungewelt.de/2012/01-02/016.php

Ein verlassenes Kindererholungsheim…

Für heutige Verhältnisse einfach undenkbar, doch im Sozialismus bare Realität:
Die medizinische Betreuung und Pflege war für die Werktätigen in den sozialistischen Ländern generell kostenfrei. Kuren und medizinische Behandlungen wurden vom Staat bezahlt. Die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen stand eben an oberster Stelle!

Ein wenig Statistik: In der Sowjetunion gab es bis 1968 etwa 500 Kurorte und für Heilzwecke zugelassene Orte. Sie verfügten über 2.207 Sanatorien mit 417.000 Plätzen, darunter 1.178 Kindersanatorien mit über 146.000 Plätzen. Besonders dem Wohl der Kinder galt die Sorge des sozialistischen Staates. Die aus medizinischen Gründen in die Sanatorien eingewiesenen Kranken erhielten die Kur unentgeltlich oder gegen einen geringen Kostenbeitrag von bis zu 30%. Nur ein geringer Teil der verfügbaren Plätze wurde an Patienten vergeben, die den vollen Betrag entrichteten. Die Kurorte boten auch außerhalb der Sanatorien organisierte Möglichkeiten für ambulante Behandlungen und systematische Kuren. Die Gesamtzahl der in den sowjetischen Kuorten organisiert durchgeführten Kuren belief sich 1968 beispielsweise auf über 9 Millionen.

Heute sind fast alle dieser Einrichtungen verfallen oder sie wurden „privatisiert“, d.h. sie sind heute Quelle sprudelnder Profite für die habgierige russische Bourgeoisie. In diesem ehemals sowjetischen Kindererholungsheim „Zhurawlenok“ (Der kleine Kranich) wird es wohl nie wieder ein fröhliches Kinderlachen geben:
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Text:
Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, Handbuch, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1971, S.438.

Eine göttliche Weltordnung?

WeinertErich Weinert (1890-1953)

Im Jahre 1933 schrieb der kommunistische Dichter Erich Weinert das Gedicht von der göttlichen Weltordnung. In Spanien kämpfte er an der Seite des spanischen Volkes gegen die faschistische Franco-Diktatur, in der Sowjetunion gegen den deutschen Faschismus.

ERICH WEINERT

DIE FABEL VON DER GÖTTLICHEN WELTORDNUNG

In alter Zeit begab sich dieser Fall:
Ein Töpfer lebte still in seinem Tale
mit Weib und Kind; es fehlte nichts zum Glück.
Er saß an seiner Scheibe, formte Töpfe
und brachte sie den Bauern, die sie brauchten.
Sie gaben ihm dafür, was er bedurfte,
Gemüse, Leder, Brennholz, Fleisch und Brot.
Das Haus, das er sich selbst gebaut, war sein,
auch Hof und Garten, denn der Grund war frei.
Den Topflehm hob er aus der freien Erde.

Zu dem kam eines Tags ein fremder Mann
und sagte: „Sieh, die meiste Zeit verläufst du,
um deine Töpfe an den Mann zu bringen.
Hör meinen Vorschlag: Gib mir alle Töpfe,
die du gebrannt! Ich werde sie verkaufen.
Ich werde dir zwar etwas weniger geben,
daß meine Arbeit auch vergolten werde,
doch du kannst doppelt, dreifach soviel schaffen;
wenn mit dem Laufen du nicht Zeit verlierst.“

Der biedre Töpfer sagte: „Du hast recht!
Verkaufe du! Es ist für mich bequemer.“
„Doch“, sprach der fremde Mann, „du selbst darfst keinem
mehr einen Topf verkaufen, nur noch ich!“
Der Töpfer sprach: „Vertrag soll heilig sein!“

Der fremde Mann verkaufte nun die Töpfe.
Doch nahm er bald das Doppelte dafür.
Dem Töpfer aber gab er nur ein Viertel.
Der schaffte jetzt ja auch viel mehr als sonst.
So kam es, daß der fremde Mann sich bald
ein Haus mit großen Speichern bauen mußte,
um die drei Viertel des Gewinns zu bergen.

Und da ihm, was die Töpfe eingetragen,
zum Überfluß anwuchs, nahm der Mann
zwei Leute sich ins Haus, die keine Lust
zur Arbeit hatten. Denen sagte er:
„Ihr habt es gut bei mir, wenn ihr mir dient.
Du sei mein Priester und du sei mein Henker!
Ihr habt gehört, daß schon die Bauern klagen,
daß dieser Reichtum ungerecht verdient sei.
Und auch der Töpfer will schon nicht mehr schaffen.

Du, Priester, sollst mir ein Gesetz erfinden,
daß diese Ordnung, die ich eingeführt,
von Gott ist, und daß jeder Ungehorsam
die Strafe des Ällmächt’gen nach sich zieht.
Und du, mein Henker, hast ihn zu begleiten,
wenn er die Lehre predigt. Und wo je
ein Murren aufkommt, mit dem Schwert zu drohen.“

Die beiden gingen seine Lehre künden.
Und da die Bauern gut und gläubig waren,
so sagten sie: „Es muß wohl gut sein so!
Da es von Gott ist, muß man’s anerkennen.“
Zwar sahen sie: der Mangel wuchs bei ihnen;
Und bei dem Reichen wuchs der Überfluß.
Denn die da kauften, mußten zu viel zahlen;
und der die Töpfe schaffte, kam in Not.
Der reiche Mann nahm Land und Vieh und Hütten,
und zwang in seinen Dienst, wer arm geworden.
Doch wo sie zur Beratung sich versammelt,
erschien der Priester, und er warnte sie,
der Ordnung Gottes sich zu widersetzen.
Da sagten sie: „Es muß wohl gut sein so!“
Doch heimlich fragten sie sich oft im Herzen,
des frühern Glücks der Freiheit sich erinnernd:
Kann das gerecht und Gottes Wille sein?
Doch da sie nicht zu glauben sich erkühnten,
daß der ein falsches Spiel mit ihnen triebe,
der sich in seinem Wort auf Gott beruft,
und daß der Henker, der dem Reichen dient,
sein Amt von ihm und nicht vom Himmel habe,
so nahmen sie das Opfer schweigend hin.

Ach, hätten sie nur so viel Mut gehabt,
statt falsche Lehren sich ins Herz zu hören,
sie hätten bald den Widersinn erkannt.
Sechs Bauernfäuste hätten ausgereicht,
die kleine Macht da oben umzureißen,
die alte Freiheit sich zurückzuholen
und allen Reichtum, der dem Volk gehört.

Die Fabel ist schon tausend Jahre alt.
Doch immer wird ihr Sinn noch nicht begriffen.

Quelle:
Erbe und Gegenwart, Eine Anthologie zur schönen Literatur, VEB Fachbuchverlag Leipzig, 1962, S.59f.
——

…daß heute sechs Bauernfäuste nicht mehr ausreichen, haben die meisten schon begriffen. Auch den Widersinn der falschen Lehren haben einige immerhin schon erkannt; andere wiederum erinnern sich des frühern Glücks der Freiheit. Doch zu welchem Schlusse führt uns die Erkenntnis??? …indes‘ – der deutsche Michel liegt in tiefem Schlummer.

Ein sowjetischer General und der deutsche Massenmörder Müller

Die Gegensätze könnten nicht größer sein… Wie waren die Menschen eigentlich im Sozialismus? Wie lebten sie? Wie gingen sie miteinander um? Das Leben in der Sowjetunion und in den anderen sozialistischen Ländern hat die Menschen geprägt. Der Umgangston war ein anderer geworden, kameradschaftliche Hilfe und gegenseitige Unterstützung bestimmte das Verhalten der Menschen zueinander. Es gab andere Vorbilder und Helden als heute, echte Vorbilder – nicht Idole. Das sozialistische Menschenbild, so beschreibt es das Kulturpolitische Wörterbuch der DDR, wurzelt tief in der Geschichte, bewahrt alles Edle, Schöne und Zukunftsträchtige der Vergangenheit. Zugleich ist es Ausdruck der historisch neuen Qualität menschlicher Persönlichkeitsentwicklung, in der ein hohes sozialistisches Klassenbewußtsein zusammenfließt mit dem Bewußtsein der uneingeschränkten Entfaltungsmöglichkeit aller schöpferischen Fähigkeiten und Talente des freien Volkes. [1]

Versetzen wir uns also in das Jahr 1944. Die Sowjetarmee befindet sich auf dem unaufhaltsamen Vormarsch. Große Teile der Sowjetunion sind befreit. Ein General der Sowjetarmee ist auf dem Weg an die Front. Eine einigermaßen belanglose Situation, und doch ist sie charakteristisch für die Moral der sowjetischen Menschen…

Rechts und links der Strecke dehnt sich die weite Ebene. Dann gleiten immer häufiger Wälder und Haine vorüber. Und wenig später fährt der Zug durch geschlossenes Waldgebiet.
«He, Brüder, wir sind nach Westen abgebogen.»
«Freunde, wo fahren die uns hin?»
Einen Teil der Fahrt verbringe ich bei den Soldaten der 295.Schützendivision. Wir fahren nach Sarny. Mein Aufenthalt bei den Soldaten ist nicht außergewöhnlich. Damals fuhren viele höhere Kommandeure und Stabsoffiziere sowie der Politapparat in den Militärzügen mit. Im Waggon sitzen erfahrene Soldaten, die Tausende von Kilometern kämpfend zurückgelegt und alle Beschwernisse des Krieges kennengelernt haben. Ich sage ihnen, daß unsere 5.Stoßarmee ihre Aufgabe in der Operation von Iaşi-Kischinjow ehrenvoll erfüllt habe, daß wir darauf stolz sein könnten, aber auch an den morgigen Tag denken müßten. Vor uns lägen neue harte Kämpfe, und darauf müsse man sich vorbereiten. Dann beginnt eine allgemeine Diskussion. Ich höre meist zu.
Ein älterer Gefreiter, ehemaliger Kolchosbrigadier, streicht über seinen buschigen Schnurrbart und sagt nachdenklich: «Nach der Ukraine kommen Polen und Deutschland dran. Ist es nicht so, Genosse General?»
«So ist es.»
«Ein Stückchen von Polen haben wir schon befreit. Aber wie wird es mit Deutschland werden? Sicher wird es heiß hergehen?»
«Na, was meinen Sie?»
Ein Soldat mit einer Narbe über der rechten Wange wirft scharf ein: «Klare Sache. Deutschland einäschern, damit kein Samen übrigbleibt.»
Der Gefreite droht ihm mit dem Finger. «Ereifere dich nicht, Samoilow. Ist denn das möglich? Wir sind doch Menschen.»
«Und sie?»
Plötzlich wird es still im Waggon.
Der Gefreite beugt sich zu mir und sagt vertraulich und leise, aber doch so, daß es auch Samoilow hören kann: «Ihm haben die Faschisten die ganze Familie ermordet. Den Vater, die Mutter, zwei Schwestern. Und das Haus niedergebrannt. Er stammt vom Don.»
«Soll ich ihnen das vielleicht verzeihen? Niemals!» stößt Samoilow hart hervor.
Der Gefreite schüttelt vorwurfsvoll den Kopf. «Sei nicht voreilig. Versteh doch, die Faschisten sind die eine Sache. Aber die Menschen, das Volk, sind doch etwas anderes. Wirst du auf deutsche Kinder schießen, auf ihre Mütter, auf Greise? Wirst du?»
«Nein, das nicht.»
«Warum sagst du dann so etwas?»
Samoilow streicht mit der Hand über die Narbe. «Was quengelst du, Gefreiter. Wer auf mich schießt, den werde ich durchsieben. Mit Kugeln! Verstanden?»
«Gewiß. So ist es richtig. Nicht wahr, Genosse General?»
«Ja, wir sind Sowjetbürger. Damit ist alles gesagt. Wir werden Millionen Menschen vom Faschismus befreien; auch die deutsche Zivilbevölkerung. Die eingefleischten Nazis werden jedoch ihre Strafe bekommen. Sie müssen bestraft werden. Da hat Samoilow recht.»
Eine kleine Bahnstation fliegt vorüber. Die Mauer des zerstörten Bahnhofs trägt eine Aufschrift. Samoilow hat sie lesen können. «Rache für Sarny!»

Die Soldaten, die an der weit geöffneten Tür stehen, rufen: «Seht mal, nur noch Steine sind geblieben.»
«Wie viele Jahre werden nötig sein, um alles wieder aufzubauen?»
«Verfluchtes Gesinde!!»
Ich höre zu und denke an die schwierige Aufgabe, die den Politorganen und Parteiorganisationen noch bevorsteht. Denn neben dem Stolz auf seine Armee lebt im Herzen des Soldaten immer der Schmerz über das Land, über die getöteten Angehörigen. Lange noch wird man kämpfen müssen. Doch der Weg der Kämpfer mußte gegen die wirkliche Quelle des Schreckens gegen den Faschismus – gerichtet werden. Das muß jetzt, da wir auf fremden Territorien kämpfen, von jedem Soldaten, Sergeanten und Offizier begriffen werden. Solche wie Samoilow gibt es viele. Sie haben sehr viel verloren, und ihre Herzen verlangen nach Rache; doch sie darf nicht blind sein.

Unaufhörlich dröhnen die Räder. Bahnstationen und Bahnhöfe huschen vorüber. Machorkaqualm breitet sich aus, die Gespräche fließen dahin. Ab und zu kehren sie zu der Frage zurück, wo werden wir haltmachen und an welcher Front den Gegner schlagen. Die Soldaten wissen, daß sie von uns das konkrete Fahrtziel nicht erfahren. Die neuen Aufgaben der Armee kennen vorerst nur ihr Kriegsrat und ein kleiner Kreis von Generalen und Stabsoffizieren. [2]

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Wie verhält es sich dagegen im Kapitalismus, dort wo das Mißtrauen regiert, wo Egoismus und gegenseitige Rücksichtslosigkeit immer neue Untaten hervorbringt, wo das Verbrechen zum Alltag gehört? Der nachfolgende Text ist entnommen aus dem Buch zu einem Interview, das die DDR-Journalisten Walter Heynowski und Gerhard Scheumann 1965 mit einem deutschen Offizier führten, der in Afrika Massenmorde beging – der sogenannte „Kongo-Müller“. Die beiden DDR-Journalisten drehten 1965 über diese Begegnung einen Film, der großes Aufsehen erregte. Sie schrieben:

Die Mörder ließen sich neben ihren Opfern filmen und fotografieren. Sie standen lachend, grinsend, feixend hinter ihren Opfern. In der Hand die Pistole, die Axt, den Strick oder die Peitsche. Oft haben wir diese Szenen im Schneidetisch vorwärts und rückwärts laufen lassen. Oft haben wir mit der Lupe die Gesichter dieser Deutschen herangeholt. Was waren das für — Menschen? Das wollten wir wissen. Es ist bezeugt: Viele der Massenmörder besaßen eine sogenannte gutbürgerliche Bildung. Sie schrieben Tagebücher und Gedichte. Sie spielten Klavier. Sie waren nett zu den eigenen Kindern. Sie liebten Hunde. Sie taten keinem Marienkäfer etwas zuleide, diese Mordskerle.

Aber es gibt in den Filmarchiven der Welt keine Filmtonaufnahme mit einem dieser faschistischen Mordskerle auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn. Natürlich kennen wir Filmbüchsen aus sowjetischen oder amerikanischen Archiven, die Verhöre von Kriegsverbrechern enthalten. Aufgenommen in den Jahren 1945 bis 1947. Vor sowjetischen und westalliierten Untersuchungsoffizieren sagten SS-Verbrecher aus. Die vorher immer glattrasierten Gesichter waren es jetzt nicht mehr. Und sie zeigten auch nicht mehr ihre Lachgrübchen. Die Untersuchungsrichter hatten nur noch die Schatten dieser Herrenmörder vor sich sitzen. Einige dieser Aufnahmen erwecken sogar den Eindruck, als hätten sich verschiedene Galgenvögel durch besonders servile Beredsamkeit mildernde Umstände versprochen. Das gibt es also nicht: Ein gefilmtes Gespräch mit einem dieser faschistischen Übermenschen auf dem Zenit seiner Machtausübung. So etwas ist in den Archiven der Welt nicht zu finden.

Siegfried Müller hatte sich lachend zusammen mit gefolterten kongolesischen Patrioten fotografieren lassen, denen auf seinen Befehl »erst der linke Arm, dann der rechte Arm« abgeschnitten wurde. Müller besitzt eine gutbürgerliche Bildung; er ist Abiturient und spricht mehrere Sprachen. Er schrieb keine Gedichte, aber seine Erinnerungsalben mit Fotos und anderen Erinnerungsstücken sind grafisch talentiert zusammengestellt und mit kleinen Vignetten und Ornamenten verziert. Müller spielt auch etwas Klavier, und er ist ein großer Bewunderer der Musik Mozarts. Er kennt zum Beispiel die Anfangstakte aller Mozart-Quartette. Er verwöhnt seine jetzt dreizehnjährige Tochter Marlies mit Schokolade und Kleidern. Er liebt seinen Hund, dem er sogar einen besonderen Namen gegeben hat. Und nach allem, was wir über Müller wußten, war anzunehmen, daß auch er um jeden Marienkäfer einen Achtungsbogen machen würde. [3]

Quellen:
[1] Kulturpolitisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1970, S.359.
[2] Generalleutnant F.J.Bokow, Frühjahr des Sieges und der Befreiung, Militärverlag der DDR, Berlin, 1979, S.11-13.
[3] Heynowski/Scheumann, Der lachende Mann, Bekenntnisse eines Mörders, Verlag der Nation (DDR), 1966, S.11f. – einer der grausamsten Serienkiller. Das Video siehe hier:

Mister Marshall und der Kalte Krieg

Als am 8. Juni 1947 der damalige Außenminister der USA George C. Marshall seinen Zuhörern an der Harvard-Universität sein „Programm zum europäischen Wiederaufbau“ (ERP) vorstellte, sprach er von „freundschaftlicher Unterstützung“. Doch in Wirklichkeit zielte dieser Plan darauf ab, die vom Krieg schwer zerstörten Staaten Europas in tiefe wirtschaftliche und politische Abhängigkeit zu bringen. Wie sehr dies gelang, zeigt der zunehmende Druck, den die USA auch heute noch auf die europäischen Länder ausüben.

Wie war die Situation nach 1945?

Nachdem der 2.Weltkrieg innerhalb der kapitalistischen Länder zu einer deutlichen Verschiebung des Kräfteverhältnisses zugunsten der USA geführt hatte, begannen die USA bereits im Herbst 1945, das von ihnen selbst mitunterzeichnete Potsdamer Abkommen zur Demokratisierung und Entmilitarisierung Deutschlands zu sabotieren. Von Anfang an war die Spaltung Deutschlands und die Verschärfung des Verhältnisses zur Sowjetunion, wenn auch nicht ausgesprochen, so doch praktisch durchgeführt, das Ziel des amerikanischen Imperialismus. Die Rüstungsindustrie der USA hatte tödliche Angst vor den Auswirkungen der bereits begonnenen Krise, und so griff sie aus zügellosem Haß gegen die Sowjetunion, und gegen die nach dem 2. Weltkrieg neu entstandenen volksdemokratischen Staaten zu offenen Kriegsprovokationen.

Der Marshallplan und die Spaltung Deutschlands

Dabei wurde der von Truman 1948 in Kraft gesetzte Marshallplan zu einem Lasso, mit dem vor allem die westeuropäischen Staaten eingefangen und den Zwecken des USA-Imperialismus dienstbar gemacht werden sollten. Tatsächlich gerieten sie dadurch in immer stärkere ökonomische Abhängigkeit von den USA. Die USA nutzten nun ihrerseits dieses Vasallentum zur politischen Erpressung der Marshallplanländer, und sie nutzten den Berlinkonflikt, um die Spaltung Deutschlands voranzutreiben. Mehrfach wurden die Anträge der Sowjetunion auf Abschluß eines Friedensvertrages mit Deutschland und den Abzug aller Besatzungstruppen von den USA abgelehnt. Mit der Errichtung des Bonner Separatstaates war dann die Spaltung Deutschlands besiegelt. Doch die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 durchkreuzte die Pläne der amerikanisch-englischen Imperialisten, ganz Deutschland in ein Aufmarschgebiet gegen die Sowjetunion zu verwandeln.

In seinem Tatsachenbericht über die Hintergründe und Techniken der imperialistischen Aggression schreibt Albert Norden folgendes:

USA-Kriegsgewinne von 53 Milliarden Dollar

Den zweiten Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten, deren Menschenverluste sich auf nicht einmal 300.000 (soviel wie die jährlichen Verkehrsunfälle dort), deren Kriegsgewinne der Truste sich aber auf 53 Milliarden Dollar beliefen, zur Schwächung ihrer Verbündeten benutzt und tiefe Einbrüche in deren strategische Stellungen und Wirtschaft gemacht, um nach dem Krieg eine beherrschende Position in Japan und Westdeutschland zu gewinnen. Von 47 Prozent im letzten Friedensjahr vor dem zweiten Weltkrieg stieg der USA-Anteil an der Industrieproduktion des kapitalistischen Weltsektors immer weiter, bis er 1949 auf 60 Prozent wuchs.

Die durch die USA provozierten Kriegsgefahren wachsen an

Aber gerade diese Bereicherung, diese Konzentration der industriellen Erzeugung in den USA bannte die Gefahr der Krise nicht, sondern erhöhte sie. Dem von 1939 bis Ende 1945 mächtig aufgeschwollenen, mit Waffenlieferungen an die alliierten Länder auf hohen Touren gehaltenen Produktionsapparat drohte plötzlich der Leerlauf. Beschäftigungslosigkeit von vielen Millionen, rapid sinkender Konsum, Zusammenbruch ganzer Wirtschaftszweige, ernste Reduzierung der Profite – so trübe waren die nächsten Aussichten der USA-Ökonomie. Um die Wende 1946/47 nahmen die Krisenzeichen alarmierende Ausmaße an.

Chikagoer Einkäufer schlagen Alarm

„Ein beträchtlicher Teil der Produktion geht auf Lager. Die Einzelhandelsverkäufe liegen 20 Prozent unter denen des vergangenen Jahres. Die Beamten des Handels- und Landwirtschaftsministeriums erwarten für die zweite Hälfte von 1947 einen ernsthaften Geschäftsrückgang“, schrieb am 29. März 1947 das „Wall Street Magazine“.
Von Woche zu Woche verschärfte sich die Lage, und Ende Mai konstatierte die Vereinigung der Chikagoer Einkäufer voller Alarm, daß „der Geschäftsrückgang bereits große Ausmaße annimmt“. Man unterhielt sich in den USA bereits nicht mehr über die Frage, ob, sondern wann die Krise mit voller Wucht einsetzen würde. Düster war die Stimmung von der Ost- bis zur Westküste, von den Industriezentren an den kanadischen Seen bis zu den Prärien von Texas.

Ein Silberstreif am grauen Horizont…

Da kam am 8. Juni 1947 Marshalls Rede in der Harvard-Universität mit der Verkündung seines Plans. In ihm sahen die großen amerikanischen Konzerne den Silberstreifen am Horizont, die Chance für eine, mindestens zeitweilige, bedeutende Milderung der Krise. So offen sagte man das am Anfang natürlich nicht; galt es doch, erst einmal die europäischen Staaten zu gewinnen. Man spielte also die ganze Skala der humanitären Begründungen, man ließ die Philanthropie und Großherzigkeit der USA in allen Farben der Palette leuchten. Anderthalb Jahre später, als der Marshallplan schon funktionierte, schlug man eine andere Tonart an, deren brutale Offenheit auch dem Einfältigsten verständlich sein sollte. Der Herr des Studebaker-Automobilkonzerns und Verwalter des Marshallplans, Paul Hoffman, erklärte am 8. Februar 1949 vor dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats der USA: „Wenn es den USA gelingt, den Marshallplan in der vorgesehenen Form weiterzuführen, dann wird sich das als das größte Geschäft erweisen, das die Vereinigten Staaten jemals gemacht haben

So erwiesen sich die Marshallplanzuwendungen als ein wahres Danaergeschenk. Es war tatsächlich das größte Geschäft der USA nach dem zweiten Weltkrieg. Die US-Konzerne haben Milliarden daran verdient…

Quelle:
Albert Norden, So werden Kriege gemacht – Über Hintergründe und Technik der Aggression, Dietz Verlag Berlin, 1952, S.89-93

Siehe auch:
– So werden Kriege gemacht
– Der Betrug mit der „Luftbrücke“

Griechenland im Visier der USA

GriechenlandIn einem kurzen Abriß der Traditionen von Gewalt und Expansion untersuchten die polnischen Wissenschaftler Gołemski und Gulczyński die außenpolitischen Doktrinen des USA-Imperialismus im 20.Jahrhundert. Hier ist vor allem interessant, welche Rolle die USA in Europa spielten. Daß auch hier die großen US-Konzerne ihre schmutzigen Hände im Spiel haben, war kaum anders zu erwarten. Es begann bereits unmittelbar nach dem Ende des zweiten Weltkrieges. Der erste massive Versuch, den Prozeß der demokratischen Umwandlungen durch die konterrevolutionäre militärische Einmischung aufzuhalten, wurde in Griechenland unternommen. Dabei ging es weniger um die malerischen Landschaften dieses traditionsreichen Landes, als um dessen strategische Nähe zu Mitteleuropa und zum Nahen Osten.

Die griechische Nationale Befreiungsfront (EAM)

In diesem Land war während der Okkupation durch den deutschen Faschismus die Nationale Befreiungsfront (EAM) entstanden. Sie vereinigte die Kommunistische Partei Griechenlands, die Sozialistische Partei, die Demokratische Volksunion, die Vereinigte Sozialistische Partei, die Bauernpartei und stand jedem – ungeachtet seiner Parteizugehörigkeit – offen, der gegen den Faschismus kämpfte. So kam es, daß die EAM von allen patriotischen Kräften unterstützt wurde, unabhängig von ihren weltanschaulichen Standpunkten oder ihrer parteimäßigen Gebundenheit. Ihr gehörten viele Geistliche, auch einige Bischöfe an. Nach einer Einschätzung des amerikanischen Historikers W. H. McNeill „unterstützten die EAM im Augenblick der Befreiung etwa zwei Millionen Bürger, während die Gesamtbevölkerung Griechenlands nur wenig über sieben Millionen betrug… Es existierte in Griechenland keine wie auch immer geartete Kraft, die unter dem Gesichtspunkt der Organisiertheit und der Massenunterstützung es hätte mit ihr aufnehmen können.“ [1]

Was geschah nach dem Abzug der Nazi-Wehrmacht 1944?

Nach dem Rückzug der deutschen Besatzungstruppen im Jahre 1944 übernahm die EAM im gesamten Land die Macht. Dies war ein Vorgang, der überall vom griechischen Volk akzeptiert wurde. Innerhalb des Landes gab es keine Kräfte, die in der Lage gewesen wären, diese Entwicklungsrichtung zu verändern. Die konservativen Kreise verfügten weder über ausreichende Kräfte noch über die erforderliche gesellschaftliche Unterstützung. Ein Teil des monarchistischen Vorkriegsregimes war durch die Zusammenarbeit mit den italienischen und deutschen faschistischen Besatzern kompromittiert. Diejenigen unter den reaktionären Kräften, die versuchten, gegen die EAM aufzutreten, bildeten eine isolierte Offiziersorganisation, die nur einige Tausend Mitglieder umfaßte.

Bürgerkrieg und Einmischung Großbritanniens und der USA

Der Bürgerkrieg in Griechenland wurde hauptsächlich von imperialistischen Kräften des Auslands geschürt, vor allem von Großbritannien und schließlich von den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die britischen Truppen, die nach dem Abzug der faschistischen Besatzungstruppen ins Land kamen, waren bemüht, die gesellschaftliche und politische Ordnung der Vorkriegszeit wiederherzustellen. Sie erkannten die Behörden der EAM nicht an, sondern versuchten Staatsorgane aus konservativen Kräften zu bilden, deren Stütze die reaktionäre Offiziersorganisation sowie jene Einheiten sein sollten, die von den faschistischen Besatzungsbehörden aufgebaut und ausgebildet worden waren.

Die Intervention der britischen Armee

Anstatt die Kollaborateure aus dem politischen Leben zu entfernen, sollten sie – nach dem Willen Großbritanniens – die Macht in Griechenland ausüben. Jedoch verfügten die reaktionären Kräfte nur über wenige Anhänger im Volk und erlitten eine Niederlage nach der anderen. Der Bürgerkrieg wäre bald beendet gewesen, hätte das griechische Volk selbst über den politischen und gesellschaftlichen Aufbau seines Landes entscheiden können. Die Intervention der britischen Armee stürzte Griechenland jedoch in einen mehrjährigen Krieg. Den Widerstand der patriotischen Volkskräfte zu brechen, die – wie schon im Kampf gegen den Faschismus – dafür eintraten, selbst über das Schicksal und die Entwicklung ihres Landes zu entscheiden, war für Großbritannien eine schwierige Aufgabe.

Der USA-Imperialismus schlägt zu

1947 übernahmen daher die Vereinigten Staaten diese Aufgabe. Mit der Verkündung der Trumandoktrin begann die offene Einmischung der USA in griechische Angelegenheiten. Am Widerstandskampf beteiligte sich eine ganze Koalition fortschrittlicher Kräfte. Die Kommunisten waren in dieser Front die führende, jedoch nicht die einzige Kraft. In ihrem brutalen Vorgehen gegenüber den Volkskräften unterschieden sich die imperialistischen Interventen kaum von den faschistischen Okkupanten. Die Amerikaner waren die Initiatoren und Organisatoren dieser rücksichtslosen Operationen. Seit Anfang 1947 lag die Leitung der Kampfhandlungen in den Händen einer Gruppe amerikanischer Berater und Ausbilder. Auch in Griechenland wurde eine Reihe von Kampfmethoden angewandt, die sich gegen die gesamte Bevölkerung richteten.

US-amerikanische Konzentrationslager in Griechenland

Dazu gehörten der massierte Artilleriebeschuß und die Bombardierung von Wohnsiedlungen sowie Vernichtung ganzer Gebiete durch Napalm, wenn die Bevölkerung die Widerstandsbewegung unterstützte. Es wurden Massenverhaftungen und – ohne Gerichtsurteil – Massenverschleppungen in Konzentrationslager vorgenommen, teilweise kam es auch zu Massenerschießungen. In einer einzigen Sommernacht des Jahres 1947 wurden fünftausend Griechen verhaftet und ohne Gerichtsurteil auf eine abgelegene Insel deportiert. General Van Fleet, Chef der Berater- und Planungsmission der Vereinigten Staaten in Griechenland, veranlaßte die Aussiedlung der Bevölkerung ganzer Landstriche. Den USA und der ihnen hörigen griechischen Regierung gelang es, den Bürgerkrieg zu ihren Gunsten zu beenden. Im Oktober 1949 erklärten die Vertreter der Volkskräfte die Einstellung der Kampfhandlungen, nicht zuletzt auch, um weitere Terror- und Vernichtungsaktionen gegen das griechische Volk zu vermeiden.

Die Freiheit, die sie meinen…

Die Folge der Konterrevolution, die von außen ins Land getragen wurde, waren die Liquidierung aller demokratischen Einrichtungen und die Stagnation des gesellschaftlichen Fortschritts in Griechenland. Das Ergebnis war das gleiche wie in allen anderen Ländern, wo sich die Vereinigten Staaten für das, was in ihren offiziellen Regierungserklärungen und von ihren Propagandainstitutionen „die Verteidigung von Freiheit und Demokratie vor dem Kommunismus“ genannt wird, engagierten. In die Sprache der Tatsachen übersetzt, bedeutet es, daß sie Griechenland in ein permanentes politisches Chaos schleuderten, in einen Zustand der wirtschaftlichen Stagnation und der Abhängigkeit vom amerikanischen Imperialismus.

An erster Stelle steht der Profit des USA-Imperialismus

„Von 1944 bis 1964 gaben die Vereinigten Staaten an Griechenland fast vier Milliarden Dollar, darunter über zwei Milliarden Militärhilfe. Der größte Teil der verbleibenden Summe diente zur Abdeckung des ständigen Haushaltsdefizits sowie zur Unterstützung der Landwirtschaft“, schreibt Prof. Richard J. Barnet, Direktor eines Washingtoner Instituts. „In den sechziger Jahren verringerte sich der Export in die Vereinigten Staaten. Neben dem Eindringen des Privatkapitals solcher Firmen wie ESSO, Reynolds Metal, Dow Chemical und Chrysler aus den USA und der Kontrolle beträchtlicher Teile der Wirtschaft durch amerikanisches Kapital ist die Finanzlage Griechenlands immer schwieriger geworden. Zwei Jahrzehnte amerikanischer ‚Hilfe‘ und amerikanischer Herrschaft in Wirtschaft und Politik haben diesem Land weder eine rentable Wirtschaft noch eine stabile politische Struktur zu geben vermocht.“ [2] Es ist auch schwierig, das Regime der schwarzen Obristen, das nach einer Serie politischer Krisen unter aktiver Beteiligung des CIA installiert wurde und das von Barnet als brutale und schamlose Militärdiktatur bezeichnet wird [3], als „stabile politische Struktur“ oder gar als „demokratische Alternative“ zu bezeichnen.

Die militärische Intervention in Griechenland hatte eine Bedeutung, die über die Grenzen des Landes hinausreichte. Sie trug zur Verschärfung des kalten Krieges bei, dessen Ziel es war, die im Kampf gegen den Faschismus entstandenen Volksbewegungen zurückzudrängen und, wenn möglich, zu zerschlagen.

Quelle:
Franciszek Gołemski/Mariusz Gulczyński, Export der Konterrevolution, Militärverlag der DDR, 1973, S.44-47. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Zitate:
[1] W. H. McNeill, The Greek Dilemma, War and Afterwar, Philadelphia 1947, S.132.
[2] R. Barnet, Intervention and Revolution. The United States in the Third World, New York-Cleveland 1968,S.128.
[3] ebd.

„flashmob“ für Liebknecht (1917)

HalleSaHalle/S. – Marktkirche

Zugegeben der Begriff des flashmob gilt heute als „Ausprägungsform der virtuellen Gesellschaft“, was nichts anderes bedeutet, als daß einige Personen, die einander oft nicht einmal kennen, sich im Internet oder per SMS verabreden, zu gleicher Zeit, am gleichen Ort das gleiche zu tun, um damit die Öffentlichkeit zu überraschen. Ebendas geschah, als sich 1917 junge Kriegsgegner auf dem Marktplatz von Halle versammelten. Während diese antimilitaristische Aktion damals nur unter höchster Gefahr und bei drohender Verhaftung möglich war, ist es heute eher zu einer Massenbelustigung geworden. Doch sehen wir, was damals geschah…

In Halle sollte die Geburtstagsfeier des „allerhöchsten Kriegsherrn“ im Jahre 1917 mit großem Tamtam auf dem Hallmarkt gefeiert werden. Die oppositionelle Jugendgruppe beschloß, an diesem Tage offen für Karl Liebknecht und gegen den Krieg zu demonstrieren. Wir wußten, daß Tausende von Menschen auf dem Hallmarkt sein würden, und diese Gelegenheit mußte ausgenutzt werden.

Wir verabredeten, wenn der Redner – ich glaube, es war ein Pastor – am Schlusse seiner Ansprache ein Hoch auf den Kaiser ausbringen wollte, „Hoch Liebknecht! Nieder mit dem Krieg!“ zu rufen. Alle waren begeistert von diesem Vorschlag; aber wer sollte das Signal geben? Das Los entschied für den Genossen W. Alle Jugendfreunde, die wir kannten, wurden nach dem Marktplatz zitiert. Schließlich waren etwa vierzig Jugendgenossen beisammen, die sich über den Hallmarkt verteilten. Die Feier begann, und die üblichen Kriegsreden wurden gehalten. Immer näher kam der Zeitpunkt, an dem wir in Funktion treten sollten. Das Herz wurde angesichts der Riesenmenge doch ein wenig beklommen, aber da hörten wir schon die theatralische Aufforderung des Redners: „Unser Kaiser, er lebe…“ Ein Pfiff, und vierzig junge Kehlen riefen: „Hoch Liebknecht! Nieder mit dem Krieg!“

Erst schüchtern, dann wie ein brausender Orkan stimmten fast alle auf dem Markt Stehenden bewußt oder unbewußt in diesen Ruf mit ein. Die Wirkung war verheerend. Das war einfach noch nicht dagewesen! Wir hatten nicht damit gerechnet, daß es uns gelingen würde, die ganze Feier auseinanderzuschlagen. Ich weiß nicht, woher die vielen Polizisten auf einmal kamen. Alles stob plötzlich auseinander. Man mußte uns entdeckt haben, denn eine wilde Jagd ging los. Es kostete viele Mühe, uns in Sicherheit zu bringen. Wir flüchteten aus einer Straße in die andere, bis wir uns endlich den Augen der Schergen entziehen konnten.

Aus: „Mit Luxemburg und Liebknecht – 10 Jahre KJVD“, Verlag Junge Garde, 1929