Janusz Korczak

Der Völkermord, der vom deutschen Faschismus während des Zweiten Weltkriegs begangen wurde, soll niemals mehr aus dem Gedächtnis der zivilisierten Menschheit verschwinden. Die Hitlerbarbaren haben 6 Millionen jüdische Menschen ermordet. Sie überlieferten Dutzende Millionen Sowjetbürger, Polen, Franzosen, Tschechen, Menschen fast aller europäischen Länder, einem grausamen Tode. Die Schuljugend erfährt heute aus ihren Lehrbüchern kaum etwas über die Verbrechen der Hitlerbande. Hatte die Mehrheit der Deutschen überhaupt begriffen, daß man Verbrechen an anderen nicht tatenlos zusehen durfte? Denkfaulheit, moralische Trägheit, Verzagtheit und schlechtes Gewissen hatten viele Deutsche davon abgehalten, jenen Schrei des Entsetzens auszustoßen, den die vom Faschismus gequälten Völker erwarteten, als 1945 das Ausmaß der Verbrechen bekannt wurde. Der Märtyrergang des polnischen Dichters, Pädagogen und Arztes Janusz Korczak (1878-1942) belegt die Grausamkeit der Nazis…
Deportation jüdischer KinderDeportation jüdischer Kinder aus Lodsch ins Vernichtungslager Kulmhof

238. Ende 1942, Warschau (Warszawa). Aussage des Schriftstellers Jehoszua Perle über die Deportation von 200 Kindern aus dem Janusz-Korczak-Waisenhaus im Warschauer Getto:

Ich muß hier noch einmal die banalen Worte wiederholen, daß es keine Feder gibt, mit der dieses furchtbare Bild beschrieben werden könnte. Die faschistischen Kindermörder waren von einer wilden Wut erfaßt, sie schossen unaufhörlich. 200 Kinder standen zu Tode erschrocken da. Gleich würden sie bis auf das letzte erschossen werden. Und dann geschah etwas Außergewöhnliches: Diese 200 Kinder schrieen nicht, 200 unschuldige Wesen weinten nicht, keines von ihnen lief davon, keines verbarg sich. Sie schmiegten sich nur wie kranke Schwalben an ihren Lehrer und Erzieher, ihren Vater und Bruder, an Janusz Korczak, damit er sie behüte und beschütze.
Janusz KorczakJanusz Korczak (Dr. Goldschmidt), ein bedeutender Pädagoge und Schriftsteller, ging zusammen mit jüdischen Kindern aus dem Warschauer Getto ins Todeslager Treblinka.

Er stand in der ersten Reihe. Er deckte die Kinder mit seinem schwachen, ausgemergelten Körper. Die Hitlerbestien nahmen keine Rücksicht. Die Pistole in der einen, die Peitsche in der anderen Hand, bellten sie: ,Marsch!’ Wehe den Augen, die dieses furchtbare Bild mit ansehen mußten. Janusz Korczak, barhäuptig, mit einem Lederriemen um den Mantel, mit hohen Stiefeln, gebeugt, hielt das jüngste Kind an der Hand und ging voraus. Ihm folgten einige Schwestern in weißen Schürzen, und dann kamen die 200 frisch, gekämmten Kinder. Die Kinder waren von allen Seiten von deutschen, ukrainischen und jüdischen Polizisten umgeben. Im Judenrat hatte man inzwischen erfahren, was auf der Siennastraße 16 vor sich ging. Man begann zu telefonieren, hin und her zu laufen, wollte retten. Aber wen wollte der Judenrat retten? Nicht die 200 Kinder, er wollte nur Janusz Korczak retten. Er dankte den Herren vom Judenrat, die alle Juden Warschaus geopfert hatten, und schritt an der Spitze seiner Kinder zum Verladeplatz. Die Steine weinten, als sie diese Prozession sahen, doch die faschistischen Mörder trieben die Kinder mit Peitschen weiter und schossen immer wieder. Bis zum heutigen Tag fehlt jede Spur, wo Janusz Korczak mit den 200 Kindern geblieben ist. Allen Anzeichen nach ist von ihnen nichts übriggeblieben. Mögen diese wenigen Worte die Einleitung zu jener bluterfüllten Chronik sein, die den Namen ‚Janusz Korczak und seine 200 Kinder’ trägt. Das ist die Würdigung eines einfachen Gettojuden, die Würdigung der Tat Korczaks.

AJHI, Ring II, Nr. 199: J. Perle, Churban Warsze (Die Zerstörung Warschaus). (Übersetzung aus dem Jiddischen)

Deportation KulmhofDeportation von deutschen und tschechoslowakischen Juden aus dem Lodscher Getto ins Todeslager Kulmhof

237. 31. August 1942, Schieratz (Sieradz). – Auszug aus einem Lagebericht der Gestapo in Schieratz über die Deportation der Juden aus dem Kreis:

… Die Juden aus dem Kreis Schieratz sind im Monat August 1942 evakuiert worden. Die Evakuierung vollzog sich planmäßig und ohne besondere Schwierigkeiten. Der Kreis Schieratz ist jetzt judenfrei …

AIM, Gestapo Lodsch, Nr 241, S. 188.

Deportation SchieratzDeportation von Juden aus dem Kreis Schieratz ins Todeslager Kulmhof

Quelle:
Faschismus-Getto-Massenmord, Dokumentation über Ausrottung und Widerstand der Juden in Polen, Rütten & Loening, Berlin, 1960

Siehe auch hier
:
19 GEBOTE FÜR ELTERN – von Janusz Korczak
(10 ЗАПОВЕДЕЙ РОДИТЕЛЯМ ОТ ЯНУША КОРЧАКА) (russ.)
http://internetnewsmd.wordpress.com/2014/10/20/10-%D0%B7%D0%B0%D0%BF%D0%BE%D0%B2%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D0%B9-%D1%80%D0%BE%D0%B4%D0%B8%D1%82%D0%B5%D0%BB%D1%8F%D0%BC-%D0%BE%D1%82-%D1%8F%D0%BD%D1%83%D1%88%D0%B0-%D0%BA%D0%BE%D1%80%D1%87%D0%B0%D0%BA%D0%B0/

Advertisements

Marxfälscher und andere Revisonisten unserer Zeit…

Nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in der DDR krochen nach dem berüchtigten XX.Parteitag der KPdSU, auf dem Chruschtschow mit seiner dubiosen, stalinfeindlichen Rede das Signal zur Demontage des Marxismus-Leninismus gab, zahlreiche Marx-Überwinder und Lenin-Widerleger aus ihren Löchern hervor und schrieben dicke, revisionistische Bücher, welche leider auch in der DDR weite Verbeitung fanden. Daß diese chamäleonhaften Gestalten sich oftmals sogar im direkten Widerspruch zu ihren eigenen Aussagen befanden, störte sie offenbar recht wenig.

Ein solcher Typ war beispielsweise das sowjetische Akademiemitglied P.N.Fedossejew. In der Zeitung „Iswestija“ (vom 17.Oktober 1952) schwärmte er noch von der „allseitigen und tiefgründigen Analyse schwierigster Probleme der politischen Ökonomie durch Stalin“ und schon 10 Jahre später las man von ihm in der Zeitschrift „Kommunist“ (Nr.3, S.15-47), die ihren Namen nicht mehr wert war: „Stalin begrenzte die Warenproduktion fehlerhaft auf die Sphäre der Waren des täglichen Bedarfs, indem er die Produktionsmittel davon ausnahm.“ oder 1952 in der „Iswestija“ (s.ebd.): „Es wurden 13 Bände der Werke Stalins herausgegeben, die einen unerschöpflichen Schatz marxistisch-leninistischer Gedanken darstellen. … Man kann keinen Zweig der Wissenschaft, Kultur und Kunst nennen, keinen Abschnitt an der ideologische Front, an dem unser großer Lenker und Lehrer Stalin nicht eine inspirierende und richtungweisende Rolle gespielt, und mit seinen genialen Ideen einen wertvollen Beitrag geleistet hätte.“ (das trieft förmlich vor untertänigster Huldigung…) und zehn Jahre später hieß es dann: „Stalin mißachtete völlig eines der grundlegenden Gesetze der Dialektik, das Gesetz der Negation der Negation, was eine falsche Behandlung der Frage zur Folge hatte, ob die Produktionsverhältnisse in der sozialistischen Gesellschaft dem Charakter der Produktivkräfte entsprechen.“ (ders. in der Zeitschrift „Kommunist“, ebd.)

Von ebendiesem (1967 mit dem Leninorden geschmückten) P.N.Fedossejew erschien 1973 im Akademie-Verlag, Berlin: Der Marxismus im 20. Jahrhundert – 533 Seiten und rd. 800g gedruckter Unrat. Etwas ähnliches in dieser Art kann man z.B. auch von solchen Autoren wie einem gewissen Brauseschlauch-Meißner lesen, der sich auf der Themen-Seite einer überregionalen, linken Tageszeitung ausgiebig darüber ausläßt (jW, 9.5.08), „ob in der Tat die hochentwickelten Produktivkräfte von den Produktionsverhältnissen gehemmt und gefesselt werden“ und ob man daher eine Überwindung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse überhaupt „fordern“ (!) könne.

Das muß man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen! Diesen geistigen Unrat verbreitet ausgerechnet eine sich „marxistisch orientiert“ nennende Zeitung. Also: entweder Marx nicht gelesen, nicht verstanden, und – die Oktoberrevolution fand niemals statt, oder aber: Marx gefälscht! (Und darauf wird noch einzugehen sein!)

Kurzum: Daß in der DDR solchen ideologischen Scharlatanen auch nur eine Druckseite zur Verfügung gestellt wurde, zeugt vom Verfall des wissenschaftlichen Denkens auf dem Gebiete des Marxismus-Leninismus. Der Applaus der Bourgeoisie war denen jedenfalls sicher. Also da bleiben wir doch lieber gleich beim bewährten und angeblich so erfolgreichen Kapitalismus-Modell des „Wirtschaftswunders“…
Oder etwa nicht?

Quelle:
http://le-tireur-bis.ucoz.ru/publ/divenrsija_protiv_marksizma/divenrsija_protiv_marksizma_statja_3/5-1-0-16
(Übersetzung: P.Walther)

Siehe auch:
Ein Lump der sich mit linken Phrasen schmückt
Die Oppositionellen in der SED
Das Wesen des Revisionismus

Diese Ideen kann man nicht besiegen – niemals!

Die Lehre von Marx ist allmächtig, weil sie wahr ist. Sie ist in sich geschlossen und harmonisch, sie gibt den Menschen eine einheitliche Weltanschauung, die sich mit keinerlei Aberglauben, keinerlei Reaktion, keinerlei Verteidigung bürgerlicher Knechtung vereinbaren läßt. Sie ist die rechtmäßige Erbin des Besten, was die Menschheit im 19. Jahrhundert in Gestalt der deutschen Philosophie, der englischen Ökonomie und des französischen Sozialismus hervorgebracht hat. (LENIN)

Marx&Engels_BerlinSiehe auch:
Über das Kommunistische Manifest
Karl Marx und das Proletariat
Eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive…

Der Terrorkrieg der USA

Ein sehr interessantes und empfehlenswertes Video, welches die Terror-Komplotte des Imperialismus zur Erreichung seiner verbrecherischen Ziele sehr anschaulich erläutert

(Dauer des Videos knapp zwei Stunden)

Danke, Mikro !

Genosse Kaganowitsch erinnert sich an Stalin

Lasar Mojsejewitsch Kaganówitsch (1893-1991) wurde in dem Dorf Kabany (Gebiet Tschernobyl) in einer armen jüdischen Bauernfamilie geboren. Schon im Alter von 13 Jahren mußte er in einer Kiewer Lederfabrik arbeiten, wo er mit seinem älteren Bruder Michail zum Lebensunterhalt der Familie beitrug. Schon sehr frühzeitig beteiligte er sich an der revolutionären Bewegung und wurde deswegen mehrfach inhaftiert. Nach 1922 wurde Lasar Kaganowitsch auf Empfehlung Kuibischews ins Zentralkomittee der Kommunistischen Partei aufgenommen. Er arbeitete eng mit Molotow, Kuibischew und Stalin zusammen und unterstützte die Partei im Kampf gegen die parteifeindlichen Aktivitäten Trotzkis. 1930-35 wurde Kaganowitsch zum Ersten Sekretär des Moskauer Parteikomittees berufen. Unter seiner Leitung begann 1931 der Bau der Moskauer Metro. Auch während dieser Zeit arbeitete Kaganowisch eng mit Stalin zusammen. Von den Chruschtschowisten wurde Kaganowitsch 1961 aus der Partei ausgeschlossen. Nach Chruschtschows Tod bemühte er sich vergeblich um eine Wiederaufnahme in die KPdSU. Er lebte bis zu seinem Tode im hohen Alter von 97 Jahren in einer Wohnung im Frunse-Stadtbezirk in Moskau. Lasar Kaganowitsch wurde viermal mit dem Leninorden ausgezeichnet; ihm zu Ehren erhielt der erste sowjetische Trolleybus die Bezeichnung „LK“.
Woroschilow_Kaganowitsch
Lasar Kaganówitsch (r.) mit K.Woroschilow beim Besuch eines Flugplatzes (etwa 1930)

Lasar Kaganowitsch

DIE LETZTEN JAHRE IN DER PARTEIFÜHRUNG
Erinnerungen
(Auszug)


Stalins Tod
Stalin starb unerwartet. Obwohl einige von uns in seinem letzten Lebensabschnitt seltener bei ihm zu Hause zu Besuch waren, sahen wir Stalin in den Beratungen, den offiziellen Sitzungen mit Befriedigung, da er ungeachtet seiner Müdigkeit vom Krieg, gut aussah. Er war aktiv und munter, und wie früher führte er die Erörterung der Fragen lebendig und inhaltsreich. Als ich eines Nachts auf das nahegelegene Wochenendgrundstück gerufen wurde, traf ich dort Berija, Chruschtschow und Malenkow an. Sie sagten mir, daß Stalin von einem Schlaganfall betroffen sei, er gelähmt sei und nicht reden könne, und daß man die Ärzte schon herbeigerufen habe. Ich war erschüttert und weinte. Bald trafen auch die übrigen Mitglieder des Politbüros ein: Woroschilow, Molotow, Mikojan und andere. Es kamen die Ärzte mit dem Minister für Gesundheitswesen an der Spitze. Als wir in das Zimmer gingen, wo Stalin mit geschlossenen Augen lag, öffnete er die Augen und blickte uns alle der Reihe nach an. Diesem Blick nach war zu sehen, daß er das Bewußtsein aufgespart hatte, und sich bemühte, uns etwas zu sagen, aber es gelang ihm nicht, und er schloß die Augen wieder. Von tiefer Trauer erfüllt sahen wir auf Stalin, der sich in einem schweren Zustand befand. Einige Tage dauerte der Kampf um die Erhaltung Stalins Lebens, die Ärzte taten alles, was möglich war. Und wir, die Mitglieder des Politbüros, blieben alle fast ununterbrochen die ganze Zeit hier. Als am 5.März der Tod eingetreten war, versammelten wir uns, um allen Mitgliedern der Partei und allen Werktätigen der Sowjetunion davon Mitteilung zu machen. In dieser Mitteilung brachten wir unser tiefes Gefühl der Bitternis, der Trauer und Betroffenheit der ganzen Partei und des Volkes zum Ausdruck. Besonders wichtig für das richtige Verständnis diesen Augenblick, ist es, daß diese Mitteilung des ZK und der Regierungen zum Tode Stalins an die riesigen Mehrheit der Partei und des sowjetischen Volkes, einmütig von allen ZK-Mitgliedern und der Regierung ausgearbeitet und angenommen wurde.

… aufrichtig oder doch hinterlistig?
Dabei erinnere ich mich noch an eine Episode: Zusammen mit Chruschtschow war ich in die Kommission zur Beisetzung Stalins aufgenommen worden, und als wir im Auto mit dem Leichnam Stalins fuhren, berührte Chruschtschow mich am Arm und sagte: „Lasar, wie werden wir nun ohne Stalin leben und arbeiten? Es wird schwer für uns sein.“ Und ich erinnere mich noch an meine Antwort: „Als Lenin im Jahre 1924 starb, war die Lage im Land und in der Partei schwieriger: es gab die NÖP und ihre Verfechter, die zerstörte Wirtschaft war noch nicht wieder aufgebaut, in der Partei agierten Trotzkisten und andere Oppositionelle, doch wir haben überlebt, ja wir kamen sogar voran, weil sich die richtigen Kader des Leninismus um das ZK geschart hatten und die Partei auf dem Leninschen Weg führen. Wenn wir uns fest auf unserem Leninschen Weg halten werden, auf dem uns Stalin führte, dann werden wir überleben und werden uns erfolgreich vorwärts bewegen.“ –
Chruschtschow drückte meine Hand und sagte: „Du sagst es richtig. Wir werden alle zusammen auf diesem Weg gehen, den uns Stalin geführt hat.“ Chruschtschow beteiligte sich, wie wir alle an der Zusammenstellung der gebrachten Mitteilung des ZK. Ich denke nicht so wie einige glauben, daß Chruschtschow damals aufrichtig war, und nicht hinterlistig.

Für die Einheit der Partei nach Stalins Tod
Am 7. März 1953 wurde eine gemeinsame Sitzung des Plenums ZK der KPdSU, des Ministerrates und des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR einberufen, auf dem eine wichtige Verordnung angenommen wurde. Im Vorwort zu dieser Verordnung wurde besonders betont, daß „in dieser für unsere Partei und das Land so schwierigen Zeit besteht die Hauptaufgabe von Partei und Regierung darin, die richtige und kontinuierliche Führung des gesamten Lebens im Land zu sichern, was wiederum die größte Einigkeit in der Führung erfordert, die keinerlei Zersetzung oder Panik erlaubt, um die von unserer Partei und der Regierung ausgearbeitete Strategie sowohl innen- wie auch außenpolitisch erfolgreich zu verwirklichen.“ Unnötig zu sagen, welche große Bedeutung diese Richtlinie für die Geschlossenheit der Partei und der Völker der Sowjetunion hatte. […]
Ogonjok1953
… Das ZK nahm eine gewichtige Veränderung zur Struktur der Führungsorgane vor. Anstelle von zwei Zentren der Führung des ZK – des Präsidiums und des Büros – war ein Organ geschaffen worden, nämlich das Präsidium des ZK – das Politbüro. Ebenso wurden im Ministerrat anstelle zweier Organe – des Präsidiums und des Büros – ein Organ, nämlich das Präsidium des Ministerrates geschaffen.

Wichtige Beschlüsse werden gefaßt
Ohne Differenzen und Streit (wie es unter kreativen Menschen üblich ist) wurde die personelle Zusammensetzung der Führung eingerichtet. Ins Präsidium des ZK wurden die Genossen Malenkow, Berija, Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch, Chruschtschow, Bulganin, Mikojan, Saburow, Perwuchin gewählt. Und als Kandidaten – die Genossen Schwernik, Ponomarenko, Melnikow und Baginow. Zum Vorsitzenden des Präsidiums des Obersten Sowjets wurde Woroschilow gewählt, und Schwernik wurde als Vorsitzender des Zentralrats der Allunions-Gewerkschaften empfohlen. Zum Vorsitzenden des Ministerrates des UIdSSR war Georgi Maximilianowitsch Malenkow ernannt worden. Zu ersten stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrates wurden die Genossen Molotow, Berija, Bulganin und Kaganowitsch ernannt. Molotow wurde zum Außenminister ernannt; Mikojan zum Minister für Innen- und Außenhandel; Bulganin zum Verteidigungsminister; Berija zum Innenminister und Minister für Staatssicherheit; Perwuchin zum Minister für Energie und Elektroindustrie und Saburow zum Vorsitzenden der Staatlichen Plankommission. Chruschtschow wurde als ständiger Sekretär in das Zentralkomitee aufgenommen und zugleich von seiner Arbeit als Erster Sekretär des Moskauer Gebietskomitees entbunden. Die wichtigste Bedeutung hatte der von derselben Verordnung gefaßte Beschluß über die Reduzierung der Ministerien durch ihren Zusammenschluß. […] Im September 1953 fand das Plenum des ZK statt, das den Bericht Chruschtschows „Über Maßnahmen zur weiteren Entwicklung der Landwirtschaft“ anhörte und diskutierte. Das ZK übernahm die vom Präsidium des ZK entwickelte Verordnung. An der Erarbeitung dieser Verordnung nahm das gesamte Präsidium des ZK teil, insbesondere Chruschtschow, Malenkow, Kaganowitsch, Molotow, Andrejew.

Chruschtschow – Erster Sekretär des ZK
Nach einem halben Jahr, ungefähr im März 1954, besprach das ZK erneut die Frage der Landwirtschaft und faßte einen geschäftlichen Beschluß über die weitere Erhöhung der Getreideproduktion im Land und über die Erschließung von Neuland und Brachlandflächen. In dieser Verordnung wurden noch eine weitaus kritischere Einschätzung getroffen und entsprechende Schlußfolgerungen gefaßt. Das ZK und der Rat der Volkskommissare erarbeiteten Maßnahmen zur Erleichterung der Lage der Kolchosbauern, insbesondere zur Senkung der Steuern, und beauftragte Malenkow, darüber vor dem Obersten Sowjet zu berichten (gegenwärtig wird es Chruschtschow zugeschrieben. Red.). […] Mit einem Wort, man kann sagen, wäre dieser Stil von Chruschtschows ersten Arbeitsjahr als Erster Sekretär des ZK in den Jahren 1955-1956 und späterhin beibehalten worden, so wären andere Ergebnisse dabei herausgekommen. Doch seit seiner Wahl zum Erstem Sekretär des ZK verging nur eine kurze Zeit, als Chruschtschow bereits zu demonstrieren begann, wie man so sagt: „Bildet euch ja nicht ein, daß ich kein ‚richtiger’ Erster Sekretär bin, ich werde euch schon zeigen, wer hier der richtige ist.“ Und neben Erscheinungsformen von guter und positiver Initiative, begann er auch überheblich zu werden.

… immerhin eine seltsame „Wahl“
Passend dazu kann man hier auch erzählen, wie die Wahlen Chruschtschow zum ersten Sekretär vor sich gegangen waren. Von März bis September war Chruschtschow einer der Sekretäre des ZK. Das Sekretariat war sozusagen ein Kollektiv und – ich kann sagen, das war nicht schlecht. Während des Septemberplenums des ZK, in der Pause zwischen den Sitzungen im Erholungszimmer, wo gewöhnlich der Meinungsaustausch unter den Mitglieder des Präsidiums über diese und jene Fragen stattfand, sagte Malenkow plötzlich und unerwartet für alle: „Ich schlage vor, Chruschtschow auf diesem Plenum zum 1.Sekretär des ZK zu wählen.“ Ich sage „unerwartet“, weil das Stellen einer solch wichtigen Frage gewöhnlich vorher besprochen wurde. Als ich Malenkow dann fragte, warum er zu niemandem etwas über diesen Vorschlag gesagt hatte, antwortete er mir, vor der Eröffnung des ZK-Plenums sei Bulganin zu ihm gekommen und habe ihn gedrängt, auf dem Plenum den Vorschlag über die Wahl Chruschtschows als 1.Sekretär des ZK vorzutragen. „Es ist anders“, sagte Bulganin, „ich werde diesen Vorschlag selbst vortragen.“ Daraufhin erwiderte Malenkow: „Als ich darüber nachdachte, daß Bulganin hier nicht als Einzelner handelt, habe ich mich entschieden, diesen Vorschlag vorzutragen.“ Dann rief Bulganin in der Beratung als erster voller Begeisterung: „Laßt uns das entscheiden!“ Die übrig haben zurückhaltend zugestimmt, und natürlich nicht, weil sie, wie man heute vielleicht sagen würde, sich fürchteten zu widersprechen, sondern einfach deswegen, weil bei der Wahl des Ersten Sekretärs keine andere Kandidatur vorgesehen war – und so geschah es.

Wir stimmten für diesen Kandidaten
Ich muß an dieser Stelle sagen, daß ich Chruschtschow länger und besser kannte, und mehr als alle anderen über ihn wußte, über seine positiven und negativen Seiten. Ich kann sagen, daß ich auf dem Gebiet der führenden Parteiarbeit seit 1925 eine direkte Beziehung zu Chruschtschows Entwicklung und Beförderung hatte (über diesen ganzen Prozeß werde ich noch gesondert berichten). Ich hielt und ich halte ihn für seinen wachsenden und aufsteigenden Parteiarbeiter, der hervorgegangen war aus einem Arbeiter, eine begabte Führungspersönlichkeit im Gebiets-, Landes- und Republikmaßstab, und – was die kollektive Führung betrifft – auch Unionsmaßstab. Aber ich war nicht von seinen Fähigkeiten überzeugt, die Rolle eines Ersten Sekretärs des ZK der KPdSU zu erfüllen, insbesondere, was sein unzureichendes kulturell-theoretisches Niveau betraf, obwohl angespannte Arbeit, wie man ja sagt, eine prägende Angelegenheit ist. Die praktische Erfahrung bei ihm war solide. In jedem Beruf, um so mehr bei den sich entwickelnden Arbeitern, ist jeder im Verlaufe seiner Größe und Entwicklung Prüfungen unterworfen. Doch der Kern der Sache war, daß sich hier solche Bedingungen ergeben hatten, daß es bei uns im Sekretariat eine andere Kandidatur nicht gab. Deshalb stimmten wir alle für diesen Vorschlag, mit der festen Absicht Chruschtschow auf jede Weise bei der Beherrschung der für ihn neuen Rolle zu helfen.

War es Zufall oder nicht?
So hat sich am Beispiel der Wahl Chruschtschows zum Ersten Sekretär des ZK Zufälliges mit Notwendigem verbunden. Auch wenn man hier nicht in die Tiefen der Philosophie vordringen kann, so muß man doch sagen, daß der marxistisch-leninistische dialektische Materialismus daraus hervorging, daß die gesetzmäßige historische Notwendigkeit auch den Zufall nicht ausschließt, der eine Ergänzung und Erscheinungsform der Notwendigkeit ist. Ein Zufall kann sein oder nicht, er folgt nicht unbedingt aus der historischen Notwendigkeit, aus den Entwicklungsgesetzen, aber in der Regel sind Zufall und Notwendigkeit miteinander verbunden. In der Geschichten kam es vor, daß „zufällig“ hervorgebrachte Persönlichkeiten emporstiegen und sich im Laufe ihrer Tätigkeit entwickelten, indem sie sich auf die objektive, historische und gesetzmäßige Notwendigkeit stützten und ihr folgten, und als führende Persönlichkeit dabei reiften. Doch wenn diese zufällig hervorgebrachten Persönlichkeiten objektive Gesetzmäßigkeiten und die Bedürfnisse der Gesellschaft ignorierten, wenn subjektive Willensäußerung – Voluntarismus – die Oberhand über die objektive Notwendigkeit und das wissenschaftliche Bewußtsein gewann, und den Wildwuchs von Unkraut im Gehirn zuließ, dann reifte auch die Pflanze nicht, dann war ein Scheitern dieser zufällig hervorgebrachten Persönlichkeit unvermeidlich. Leider geschah genau das mit Chruschtschow – und es geht hier nicht um die Funktion, sondern um die Eigenarten seines Verhaltens in der parteipolitischen Führung. Und obwohl es auch positive Momente in seiner Tätigkeit gab, sowohl Fähigkeiten, Naturverstand, als auch von früher ausgeprägte Bescheidenheit, wurden diese in der Folgezeit getilgt durch Überheblichkeit und Voluntarismus.

Chruschtschow übte Druck aus
Das Präsidium des ZK in der Zusammensetzung Woroschilow, Molotow, Kaganowitsch, Mikojan, Malenkow, Chruschtschow, Bulganin, Saburow, Perwuchin arbeitete kollektiv und aktiv, hatte regelmäßig Sitzungen und beachtete die Fragen nicht nur, sondern die Mitglieder des Präsidiums nahmen an der Vorbereitung der Beschlüsse teil, und beteiligten sich auch an den Kommissionen für die endgültige Erarbeitung der Beschlüsse des ZK, als es bei der Erörterung wichtige Korrekturen gab. Man muß natürlich sagen, daß Chruschtschow als 1. Sekretär bei der Bearbeitung der Fragen und bei ihrer Vorbereitung, besonders in den Fragen des Bauwesens und der Landwirtschaft eine aktive Position einnahm. Ebenso muß man sagen, daß Chruschtschow bei der Entwicklung des Bauwesens im großen Maßstab, besonders bei der Einführung der Plattenbauweise, keine geringe Rolle spielte. Es wurde Druck auf die Bauarbeiter ausgeübt – und Chruschtschow übte häufig Druck auf sie aus und wählte den nicht-demokratischen Weg, und das Präsidium des ZK unterstützte ihn darin. Freilich ließ das Präsidium im Interesse der Einheitlichkeit die Schwächen Chruschtschows im Reagieren und hinsichtlich seiner Fehler zu, beispielsweise als er zum Schaden der Architektur unter der Losung „Verschönerungen verhindern und billiger bauen“, übermäßig die Rolle der Bauarbeiter hervorhob, ohne zu bedenken, daß die Rolle der Architektur nicht darin besteht, Verschönerungen herbeizuführen. Es wurde sogar die Akademie für Architektur abgeschafft und die architektonische Bauüberwachung geschwächt, was eine Verschlechterung der Bauqualität mit sich brachte.

Zur Entwicklung der Landwirtschaft
Große Aktivität zeigte Chruschtschow auf dem Gebiet der Landwirtschaft, natürlich nicht deswegen, weil er man ihn später darstellte, ein angeblich vom großer „Fachmann“ der Landwirtschaft war. Ich kann bezeugen, daß er sich bis zu seiner Arbeit als Sekretär des Moskauer Gebietskomitees in der Landwirtschaft wenig zurechtfand, einfach deswegen, weil er lange in industriellen und städtischen Bezirken gearbeitet hatte. Bei seiner Wahl zum Sekretär des Moskauer Gebietskomitees riet ich ihm, sich auf das Studium der Landwirtschaft zu konzentrieren und brachte ihn eng mit dem Landwirtschaftssekretär des Gebietskomitees Michajlow zusammen, der ein guter und qualifizierter Kenner der Landwirtschaft war. Man muß sagen, daß Chruschtschow meinen Ratschlag ungekränkt angenommen, und sich eifrig mit dem Studium der Landwirtschaft beschäftigt hat. Dabei half ihm auch der künftige Landwirtschaftskommissar Benediktow, und auch ich unterstützte ihn mit Hinweisen, obwohl ich nur als Verbindungsmann in das Volkskommissariat kam. Als er Erster Sekretär des ZK wurde, sagte ich zu ihm, daß das es das oberste Gebot des ZK sei, der Landwirtschaft, dem Dorf und dem Bündnis des Proletariats mit der Bauernschaft erstrangige Aufmerksamkeit zuzuwenden. Und man muß sagen, daß Chruschtschow sich verstärkt und eifrig mit der Landwirtschaft beschäftigte, aktiv und initiativreich in die Fragen der Entwicklung der Landwirtschaft eindrang und sie auf die Beschlüsse ZK einstellte. Leider begann er hier zuerst und am meisten seine exzentrischen Charakterzüge eines Alleswissers zu zeigen. Das führte beispielweise dazu, daß er zum Schlag gegen die Lehren des großen Wissenschaftlers Wassili Robertowitsch Willjam über die Saatfolgen ausholte, was Schaden verursachte. Gut war jedoch, daß in der Praxis diesem anti-williaministischen „Neuerertum“ nicht nachgegeben wurde, und daß auch das Präsidium des ZK es offiziell nicht unterstützte, obwohl es das leider nicht aufhob. Chruschtschow unterstützte aktiv und eifrig die falschen und unbegründeten Ansprüche Lyssenkos in der Herrschaft der Wissenschaft über die Landwirtschaft, wobei Chruschtschow sich selbst in dieser Wissenschaft nicht zurechtfand.

Die Kolchosen und der Maisanbau
Die Frage über den Maisanbau war richtig gestellt, doch das war insbesondere für die Ukraine nichts Neues. Ich erinnere mich noch, als Rakowski noch kein Trotzkist war, daß er, der große Erfahrungen in Rumänien hatte, in der Presse und auf Versammlungen für eine größtmögliche Entwicklung der Maisansaat eintrat. Richtigerweise plädierte Chruschtschow für den Mais, doch er beachtete dabei nicht die wissenschaftlichen Bedingungen über die Möglichkeit und Zweckmäßigkeit seiner Anpflanzung in den jeweiligen Gebieten, dagegen forderte er die allgemeine Entwicklung der Maisansaat, unabhängig von den lokalen Bedingungen und sprengte damit diese an sich gute Idee. Leider haben diese Fehler Chruschtschows der ganzen Idee des Maisanbaus geschadet, so auch in den dafür brauchbaren Bezirken wie in der Ukraine, im Kaukasus, in Moldawien usw.
Chruschtschow und MaisanbauChruschtschow und der Maisanbau

Die bekannten, vom Zentralkomitee der Partei und der Regierung festgelegten organisatorischen Maßnahmen zur Dezentralisierung bei der Führung der Kolchosen, die ihnen größerer Rechte übertrug, waren ein positiver und zeitgemäßer Akt. Doch die Abschaffung der Maschinen- und Traktorenstationen (MTS) hat, ohne Ersatz durch irgendwelche anderen Formen der Verbindung und der technischen Unterstützung, brachte den Kolchosen negative Ergebnisse. Selbst die Dezentralisierung, die den Kolchosen größerer Rechte einräumte, brachte ohne ökonomische Maßgaben nicht das nötige Ergebnis. Chruschtschow bemühte sich natürlich, eine Reihe von Vorschlägen (einschließlich falscher) vorzubringen, die auch vom Präsidium übernommen wurden. Aber alle diese Maßnahmen, die vorrangig organisatorisch-administrativen Charakter trugen, brachten nicht den gehörigen und nötigen Effekt. Zu einem gegenteiliges Ergebnis führten die Anrufe Chruschtschow, bei denen er sich selbst als Demokraten rühmte.

… die Pferde waren mit ihm durchgegangen
Man muß sagen, daß sich Chruschtschow aktiv in die Arbeit nach der Landwirtschaft einbrache. Er bewahrte und verteidigte die Kolchosbewegung und die Sowchosen und ergriff die Maßnahmen zur Verwirklichung der gefaßten Beschlüsse des Plenums des ZK und anderer. Aber leider monopolisierte er bald seine Führung der Landwirtschaft und ließ politische Fehler zu, die die Ausführung der Beschlüsse des ZK behinderten. Ein solcher Fehler war die Linie der Abschaffung kleiner Kolchosen und, dementsprechend, kleiner Dörfer und Siedlungen, und die Errichtung großer Ansiedlungen. Diese Ansiedlungen sollten, nach Absicht Chruschtschows, wie Ansiedlungen städtischen Typs gebaut werden, mit den mehrstöckigen Häusern, ohne Gartengrundstücke, ohne Kühe und Geflügelzucht, was aber dem Landwirtschaftsstatut widersprach, das 1935 unter persönlicher Teilnahme Stalins angenommen worden war. Das führte in der Folge dazu, daß Tausende kleiner Dörfer und Siedlungen in den Ruin getrieben wurden, und die Errichtung großer Kolchosansiedlungen nicht erfüllt werden konnte. Von da an begann unter Chruschtschow die massenhafte Abwanderung von Bauern aus den Dörfern in die Städte, und das setzte sich unter Breshnew fort. Ich wies Chruschtschow persönlich darauf hin, daß man das nicht machen darf, daß man um die Kolchosen zu vergrößern, aus kleinen Kolchosen Kolchosbrigaden machen kann, und nicht einfach alteingesessene Dörfer und Siedlungen abschaffen, aber die Pferde waren schon mit ihm durchgegangen und er nahm keinen Ratschlag an. Doch auch das Präsidium des ZK hielt diesen Prozeß nicht auf. Das war dessen Fehler.

Die Entlassung Malenkows
Wenn die Erfolge Chruschtschows und seiner Umgebung zuerst Chruschtschow angerechnet wurden, so auch, weil er es vorzog, bei Mißerfolgen die Schuldigen an seiner Seite zu suchen. Während Chruschtschow noch bis zum Ende der ersten Hälfte des Jahres 1955 die Normen der kollektiven Führung beachtete, so fing er in der zweiten Hälfte von 1955 an, diese Normen grob zu verletzen. Exzentrik in diesem Sinne besteht darin, wie das Wörterbuch dieses Wort erklärt, „aus der Reihe zu fallen“, oder das Bestreben, wie man in Odessa sagt, „sein ICH zu zeigen“ begann bei ihm mehr und mehr anzuwachsen. Der Erste, bei dem Chruschtschow begann, sich als „selbstherrlicher“ Führer und Leiter zu demonstrieren, war der Ministerrat und sein Vorsitzender Malenkow – dieser begabte, bescheidene, fleißige, nicht streitsüchtige, aber prinzipienfeste Staats- und Parteiaktivist.
Malenkow ChruschtschowMalenkow und Chruschtschow

Man kann bei jedem Mängel in der Arbeit finden, sogar beim unermüdlichsten Leiter, besonders wenn sich es sich um einen Parteifunktionäre handelt. Kurz gesagt: nach einigen Ausfällen gegenüber Malenkow schlug Chruschtschow vor, ihn von seine Pflichten als Vorsitzender des Ministerrates zu entbinden. Man muß sagen, daß die Mitglieder des Präsidiums, natürlich einschließlich mich, die ihn von der Arbeit in Moskauer Gebietskomitee und aus dem ZK von der besten Seite her kannten, zunächst mit diesem Vorschlag Chruschtschow nicht einverstanden waren, aber später, bei seinem nochmaligen beharrlichen Vorschlag, um nicht eine Krise in der Führung des ZK heraufzubeschwören, der Entlassung Malenkows zugestimmt haben, der jedoch als Mitglied des Präsidiums des ZK und als führende Persönlichkeit der Partei erhalten bleiben sollte.

Der Vorsitzende des Ministerrats wird bloßgestellt
Als Vorsitzenden des Ministerrates schlug Chruschtschow Bulganin vor, obwohl Molotow der natürlichere Folgekandidat gewesen wäre. Einige Genossen nahmen in Kauf, daß Chruschtschow hier Bulganin auf diesem Posten keine lange Verweildauer beimaß. Und bald nach der Einsetzung Bulganins, als beispielsweise wir, die Mitglieder des Präsidiums, eine Ausstellung der Leichtindustrie besuchten, griff nach irgendeiner Bemerkung Bulganins über Kunstseide, Chruschtschow ihn öffentlich an, indem er sagte: „Hier sehen Sie, daß der Vorsitzende des Ministerrates nichts von der Wirtschaft versteht und nur Unsinn schwatzt“ und so weiter.
BulganinNikolai A. Bulganin

Wir waren alle erschüttert über eine derartige Ausfälligkeit Chruschtschows, um so mehr als Bulganin, noch bis zu seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Moskauers Sowjets, Direktor des größten Moskauer Elektrobetriebs war, das heißt, er war ein erfahrener Wirtschaftsfunktionär, als Chruschtschow noch nicht einmal die Wirtschaft kannte. Doch auch diesen Angriff haben wir um der Einheit willen nicht verschärft.

Chruschtschows Intrigen gegen Molotow
Auf den Sitzungen des Präsidiums des ZK wurden regelmäßig Fragen der Außenpolitik besprochen. Molotow, der als Außenminister seine Vorschläge beitrug, wurden größtenteils gebilligt. Doch während Chruschtschow die Aufmerksamkeit den Vorschlägen Molotows zugehört hatte, übertrug er die Angelegenheit weniger Kompetenten, was zu dem Vorschlag führte, Molotows von der Funktion des Außenministers zu entbinden. Ich bin persönlich dagegen aufgetreten, indem ich bewies, daß Molotow nicht nur schon über große Erfahrung) in der Außenpolitik verfügt, sondern sich auch politisch-ideologisch fest für die Verteidigung der Interessen unserer Heimat einsetzt.
MolotowWjatscheslaw M. Molotow

Aber da Molotow selbst seine Bereitschaft erklärte, eine andere Arbeit zu übernehmen, entband das Präsidium des ZK ihn von den Pflichten des Außenministers und ernannte ihn zum Minister der Staatlichen Kontrolle. Ich kann hier noch eine Episode wiedergeben. Noch im Jahre 1954, während der Erholung auf Krim, trafen wir d.h. Chruschtschow, Molotow, Woroschilow, Kaganowisch, uns natürlich, und einmal während des Spazierganges im Park sagte Chruschtschow auf meine Frage, was die Arbeit macht, zu mir: „Nicht schlecht, aber Molotow respektiert mich nicht, deshalb habe ich ein gespanntes Verhältnis zu ihm.“ Ich sagte ihm, daß er sich irrt und Molotow ein anständiger Mensch ist, ein hingebungsvoller Parteiarbeiter, der sich nicht mit Intrigen befassen kann. „Prüfe du dich selbstkritisch,“ erwiderte er, „ob du nicht allzu oft und leicht gegen ihn und seine Vorschläge angerannt bist. Wenn du die Beziehung zu ihm änderst, ist alles erschöpft.“ Aber leider ist er diesem meinem Rat nicht gefolgt.

Die Vorbereitungen zum XX. Parteitages
Es versteht sich, daß die Arbeit des ZK zwischen dem XIX. und dem XX. Parteitag alle Seiten des Lebens der Partei und des Landes umfaßte, die Industrie, die Kultur und das Parteileben. Es wurde eine umfangreiche Arbeit geleistet, worüber der Erste Sekretär des ZK, Chruschtschow, im Auftrag des Präsidiums des ZK den Rechenschaftsbericht des ZK an den XX. Parteitag zu erstatten hatte. Wir kamen und gingen einheitlich zum XX. Parteitag. Der Bericht des ZK widerspiegelte die Arbeit des gesamten ZK und seines Präsidiums und seine prinzipielle Linie. An der Ausarbeitung des Berichtes des ZK arbeiteten alle Mitglieder des Präsidiums sorgfältig mit, das wurde mehrmals besprochen. Bei der Erörterung der Ausarbeitungen des ZK wurden viele Korrekturen vorgenommen. Ich werde hier den Charakter dieser Korrekturen nicht darlegen, wobei es auch Korrekturen zu grundsätzlichen Fragen gab. Bei mir gab es bei einer Reihe von Korrekturen zum Beispiel solche: An einer Stelle des Berichtes, wo die Erfindungen der Imperialisten, daß die Sowjetunion den Kommunismus durch einen Exportes der Revolution zu errichten, wiederlegt werden, habe ich vorgeschlagen zu ergänzen: „Der Kampf um den Sozialismus und Kommunismus begann in den kapitalistischen Ländern lange vor der Entstehung der Sowjetunion statt. Der Kampf des Proletariats für Sozialismus und Kommunismus entspringt aus dem Klassenwiderspruch des kapitalistischen Systems. Lange vor der sozialistischen Oktoberrevolution in Rußland gab der Marxismus-Leninismus eine wissenschaftliche Begründung für die Unvermeidlichkeit des Sieges des Sozialismus und Kommunismus. Darauf gründet sich unsere Überzeugung, daß dieser Sieg auch ohne Export der Revolution eintreten wird. Wir lehnen den ‚Export der Revolution’ ab, weil wir aus der Geschichte wissen, daß die Revolution objektiv nur aufgrund heftiger, innerer Klassenwidersprüche siegt, welche innerhalb jedes Landes auftreten.“

Korrekturen zum Bericht des ZK
Hinsichtlich des Krieges muß man unterstreichen, daß die Kommunisten – als führende Kraft in der Sowjetunion – 40 Jahre lang die Leninsche Friedenspolitik durchführen und entschieden gegen die Entfesselung eines Krieges auftreten, und auch dann für die Festigung des Friedens zwischen den Völkern sind, wenn die imperialistischen Mächte einen Krieg vorbereiten. Ich schlug vor, der Polemik gegen die marxistisch-leninistische Theorie über Imperialismus und Krieg nicht zu betreten, um so mehr, als die folgende Formulierung über das Fehlen einer fatalen Unvermeidlichkeit des Krieges keinen Anlaß gibt, zu erläutern, ob Marx und Lenin je über eine fatale Unvermeidlichkeit von Kriegen gesprochen haben. Im Gegenteil, zum Beispiel kämpfte Lenin mit Hilfe des aktiven, revolutionären Weltproletariats und der werktätigen Volksmassen und der übrigen Friedensanhänger für die Verhinderung des Krieges. Es gab natürlich auch andere ähnliche Korrekturen. Alle Veränderungen wurden beigetragen und besprochen ohne irgendwelche Verschärfung und ohne polemischen Eifer. Unser Hauptziel bestand darin, einheitlich zum XX. Parteitag zu kommen und zu gehen. Und im Bericht des ZK wurde betont: „Heute ist unsere Partei einheitlich wie niemals zuvor, sie ist eng geschart um das Zentralkomitee und führt das Land sicher auf dem Weg, der vom großen Lenin gewiesen wurde. Die Einheit der Partei hat sich über Jahre und Jahrzehnte herausgebildet, sie wuchs und festigte sich stets im Kampf gegen die zahlreichen Feinde.“ (Das widerlegt die spätere Behauptung vom Juli 1957, daß die Gruppe Malenkow, Kaganowitsch, Molotow und der sich ihnen anschließende Schepilow die Einheit der Partei vom Moment der Bestimmung Chruschtschows zum Ersten Sekretär des ZK gesprengt habe. Red.)

Der Parteitag wird plötzlich unterbrochen …
Der XX. Parteitag ging dem Ende zu. Aber plötzlich wurde eine Pause angeordnet. Die Mitglieder des Präsidiums wurden im hinteren Zimmer zusammengerufen, das für die Erholung bestimmt ist. Chruschtschow stellte die Frage über Anhörung seines Berichts über den Personenkult Stalins und dessen Folgen* auf dem Parteitag. Hier wurde uns ein kleines maschinenschriftlich verfaßtes rotes Büchlein ausgehändigt – der Textentwurf eines Berichts. Die Sitzung fand nicht unter normalen Bedingungen statt – es war beengt, einige saßen, einige standen. Und es war schwierig in der kurzen Zeit dieses umfangreiche Heft zu lesen und seinen Inhalt zu durchdenken, um entsprechend den Normen der innerparteilichen Demokratie einen Beschluß fassen zu können. Und das alles während einer halben Stunde, während die Delegierten im Saal saßen und auf etwas für sie Unbekanntes warteten, war doch die Tagesordnung des Parteitags erschöpft.
Scannen
Die Sitzung zog sich in die Länge, die Delegierten (im Saal, Red.) regten sich auf, und deshalb wurde die Sitzung ohne irgendeine Abstimmung beendet und wir gingen wieder auf den Parteitag. Dort wurde als Ergänzung zur Tagesordnung mitgeteilt, den Bericht Chruschtschows über den Personenkult Stalins anzuhören. Nach dem Bericht fand keine Diskussion mehr statt, und der Parteitag beendete seine Arbeit.
XX Parteitag
Der XX.Parteitag der Allunions-KP( B )

Auswertungen und Erläuterungen
Nach dem XX. Parteitag führte die Partei organisiert Parteiversammlungen durch; mit den Berichten und den Reden waren alle Mitglieder des Präsidiums des ZK und die Mitglieder des ZK aufgetreten. In den Berichten wurden alle Fragen der Tagesordnung des Parteitags und die letzte außerordentliche Frage über den Personenkult beleuchtet. Es ist wichtig zu betonen, daß die Mitglieder des Präsidiums Kaganowitsch, Molotow, Woroschilow und andere in den Berichten über den XX. Parteitag ehrlich und diszipliniert entsprechend dem Beschluß des XX. Parteitags die Frage über den Personenkult beleuchteten. Auf den Versammlungen billigten sie die Beschlüsse des Parteitags. Es wäre jedoch falsch, nicht zu erwähnen, daß es unter den Parteimitgliedern verschiedene Stimmungen gab. Es gab auch Menschen waren fassungslos, verhielten sich schwankend in der Billigung solcher einseitigen Fragestellungen. Die Feinde unserer Partei nutzten das alles zur Verstärkung ihres Antikommunismus, besonders gerieten darüber die ausländischen Apologeten des Imperialismus und die Weißemigranten außer Rand und Band.

Wie reagierten die kommunistischen Bruderparteien?
Unsere kommunistischen Bruderparteien befanden sich in einer schwierigen Lage; die Unklarheiten und Schwankungen in ihrer Umgebung erwiesen sich sogar als stärker, als innerhalb unserer eigenen Partei. Beim Studium der auftretenden Informationen erkannte das Präsidium des ZK, daß eine breitere, objektivere Darlegung der Frage über den Personenkult Stalins erforderlich ist, als das auf dem XX. Parteitag geschehen war. Deshalb wurde eine Beratung auch mit der Teilnahme der Genossen der kommunistischen Bruderparteien für die Erarbeitung eines gemeinsamen Beschlusses über den Personenkult einberufen. Nach einer ernsthaften und der tiefen Erörterung mit der Teilnahme nicht nur der Mitglieder unseres Präsidiums des ZK, sondern auch der Genossen Thorez, Ulbricht, Rákosi und anderer wurde am 30. Juni 1956 ein ernsthafter großer Beschluß des Zentralkomitees „Über die Überwindung des Personenkults und seiner Folgen“ gefaßt. Dieser Beschluß hatte und hat große Bedeutung. Nach der Annahme dieses Beschlusses wurde auf den Parteiversammlungen innerhalb unserer Partei und in den Bruderparteien darüber berichtet. Es traten wieder die Mitglieder des Präsidiums des ZK auf. Dementsprechend haben die Parteiorganisation eine große aufklärende Arbeit unter den Massen geleistet.

Arroganz der Macht
Sowohl die Partei, als auch das Volk bewerteten die Tatsache hoch, daß die Partei selbst, und das ZK selbstkritisch die vorhandenen Fehler und zugelassenen Ungesetzlichkeiten offengelegt hatten, unter denen neben offenkundigen Feinden des Volkes auch unschuldige Menschen gelitten hatten. Die sowjetischen Menschen nahmen die Maßnahmen der Partei und der Regierung positiv auf, um derartiges künftig zu vermeiden. Doch in der praktischen Arbeit, besonders auf dem Gebiet der Landwirtschaft, waren die Maßnahmen ungenügend. Darüber war das Präsidium des ZK beunruhigt. Auf dieser Grundlage, wie auch in einer Reihe anderer Fragen, gab es im Präsidium des ZK Streitigkeiten, insbesondere mit Chruschtschow, der nach dem XX.Parteitag völlig außer Rand und Band geriet und die kollektiven Methoden der Führung verletzte. Er begann, sich so aufzuführen, wie in einem ukrainischen Lied gesungen wird: „Ich singe allein, ich spaziere allein, ich breite mich alleine aus, und ich lüge allein. Nur ICH allein…“ Das konnte nur Unzufriedenheit hervorrufen.
Chruscow

Quelle:
L.M.Kaganowitsch. Erinnerungen. – Moskau, Wagrius Verlag, 2003, S.559-572.
Übersetzung und Zwischenüberschriften: Kommunisten-online

http://cccp-2.ru/teory/260-2011-11-09-22-01-28

*Anmerkung:
Das Merkwürdige an der Sache war, daß dieser verleumderische Bericht, noch bevor ihn die Delegierten des Parteitags lesen konnten, in einer USA-Zeitung erschien. Die Chrutschschow-Clique bestritt zwar dessen Echtheit, offiziell wurde er jedoch erst 1991 gedruckt.

Siehe auch:
Dr.Kurt Gossweiler, Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
Ljubow Pribytkowa, …und wieder mal über Stalin
Franz Köhler, Das war die Sowjetunion

Was lernt man aus der Geschichte?

Im Verlaufe der Weltwirtschaftskrise hatte sich die Lage in der Welt weiter zugespitzt. In Deutschland übertrug die Bourgeoisie 1933 den Nazis die Macht. Mindestens 51 Tote und Hunderte Verletzte waren die blutigen Opfer der ersten Wochen der Nazidiktatur. Die oberste SA-Führung hatte ihren Terrorkolonnen befohlen, die Unterdrückung von Kommunisten und anderen Antifaschisten in engster Verbindung mit der Polizei durchzuführen. Die Überfälle auf Arbeiterlokale und ganze Arbeiterviertel nahmen kein Ende. Göring erklärte jeden Polizisten für schuldlos, der auf Antifaschisten schoß. In Preußen wurden bald darauf 50.000 SA- und SS-Männer sowie Stahlhelm-Leute als Hilfspolizisten eingestellt. Sie konnten nun ungestraft prügeln, terrorisieren und morden. Die Hitlerregierung begann mit einer verstärkten Aufrüstung. Damals war die Sowjetunion der einzige Staat, der der faschistischen Kriegspolitik entschieden entgegentrat. Auf dem XVII. Parteitag im Januar 1934 berichtete das Politbüro der Allunions-KP( B ) sehr ausführlich darüber:
XVII Parteitag der Allunions-KP(B)
Freunde: Kuibischew, Kaganowitsch, Molotow, Kirow und Stalin (v.r.n.l.)

Die internationale Lage in der Welt

Das Ergebnis der langwierigen Wirtschaftskrise war eine bisher noch nicht dagewesene Verschärfung der politischen Lage der kapitalistischen Länder sowohl innerhalb der einzelnen Länder als auch in deren gegenseitigen Beziehungen. Die Verschärfung des Kampfes um die Auslandsmärkte, die Vernichtung der letzten Reste des Freihandels, die Schutzzölle, der Handelskrieg, der Valutakrieg, das Dumping und viele andere analoge Maßnahmen, die einen extremen Nationalismus in der Wirtschaftspolitik offenbaren, haben die Beziehungen zwischen den Ländern aufs äußerste zugespitzt, haben den Boden für kriegerische Zusammenstöße geschaffen und den Krieg als Mittel zur Neuaufteilung der Welt und der Einflußsphären zugunsten der stärkeren Staaten auf die Tagesordnung gestellt. (…) Kein Wunder, daß der bürgerliche Pazifismus jetzt ein klägliches Dasein fristet, das Geschwätz von der Abrüstung aber durch „sachliche“ Unterhaltungen über Rüstung und Aufrüstung abgelöst wird. Wieder rücken, wie 1914, Parteien des kriegslüsternen Imperialismus, Kriegs- und Revancheparteien, in den Vordergrund. Es geht offensichtlich einem neuen Krieg entgegen.

Hohe Arbeitslosigkeit in den kapitalistischen Ländern

Noch mehr verschärft sich infolge des Wirkens derselben Faktoren die innere Lage der kapitalistischen Länder. Die vier Jahre industrieller Krise haben die Arbeiterklasse erschöpft und Verzweiflung gebracht. Die vier Jahre Agrarkrise haben die besitzlosen Schichten der Bauernschaft nicht nur in den wichtigsten kapitalistischen Ländern, sondern auch insbesondere in den abhängigen und kolonialen Ländern vollends zugrunde gerichtet. Es ist eine Tatsache, daß trotz aller möglichen statistischen Spitzfindigkeiten, die es sich zum Ziel setzen, die Arbeitslosenzahl geringer erscheinen zu lassen, die Zahl der Arbeitslosen nach amtlichen Angaben bürgerlicher Institutionen in England 3 Millionen, in Deutschland 5 Millionen, in den Vereinigten Staaten 10 Millionen erreicht, von den anderen Ländern Europas ganz zu schweigen. Nimmt man noch die Kurzarbeiter hinzu, deren Zahl zehn Millionen übersteigt, nimmt man noch die Millionenmassen der ruinierten Bauern hinzu, so bekommt man ein ungefähres Bild von der Not und Verzweiflung der werktätigen Massen.

… doch das Bewußtsein der Massen liegt am Boden

Die Volksmassen sind noch nicht dahin gelangt, zum Sturm auf den Kapitalismus überzugehen, es kann aber wohl kaum daran gezweifelt werden, daß die Idee des Sturmes im Bewußtsein der Massen heranreift. (…) Daraus erklärt sich ja eigentlich im Grunde die Tatsache, daß die herrschenden Klassen der kapitalistischen Länder die letzten Überreste des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie, die von der Arbeiterklasse in ihrem Kampfe gegen die Unterdrücker ausgenutzt werden können, geflissentlich vernichten oder auf ein Nichts reduzieren, die kommunistischen Parteien in die Illegalität treiben und zu offenen terroristischen Methoden der Aufrechterhaltung ihrer Diktatur übergehen.

Der Faschismus ist ein Modeartikel – nicht nur in Deutschland

Der Chauvinismus und die Kriegsvorbereitungen als Hauptelemente der Außenpolitik, die Niederhaltung der Arbeiterklasse und der Terror auf dem Gebiete der Innenpolitik als notwendiges Mittel zur Stärkung des Hinterlands der künftigen Kriegsfronten – das ist es, was die heutigen imperialistischen Politiker jetzt besonders beschäftigt. Kein Wunder, daß der Faschismus jetzt zum gangbarsten Modeartikel unter den kriegslüsternen bürgerlichen Politikern geworden ist. Ich spreche nicht nur vom Faschismus überhaupt, sondern vor allem von dem Faschismus deutschen Schlages, der sich mit Unrecht Nationalsozialismus nennt, denn selbst bei gründlichster Prüfung ist es unmöglich, in ihm auch nur eine Spur Sozialismus zu entdecken.

Die Schwäche der Bourgeoisie

In diesem Zusammenhang darf man den Sieg des Faschismus in Deutschland nicht nur als Zeichen der Schwäche der Arbeiterklasse und als Ergebnis der Verrätereien an der Arbeiterklasse seitens der Sozialdemokratie betrachten, die dem Faschismus den Weg ebnete. Man muß ihn auch als Zeichen der Schwäche der Bourgeoisie betrachten, als Zeichen dafür, daß die Bourgeoisie nicht mehr imstande ist, mit den alten Methoden des Parlamentarismus und der bürgerlichen Demokratie zu herrschen, und in Anbetracht dessen gezwungen ist, in der Innenpolitik zu terroristischen Regierungsmethoden zu greifen, — als Zeichen dafür, daß sie nicht mehr imstande ist, einen Ausweg aus der jetzigen Lage auf dem Boden einer friedlichen Außenpolitik zu finden, weshalb sie gezwungen ist, zur Politik des Krieges zu greifen.

Das ist die Lage. Wie man sieht, geht es einem neuen imperialistischen Krieg entgegen, als einem Ausweg aus der jetzigen Lage. Natürlich besteht kein Grund zu der Annahme, daß der Krieg einen wirklichen Ausweg bringen kann. Im Gegenteil, er muß der Lage noch mehr verwirren. Mehr noch, er wird bestimmt der Revolution entfesseln und die Existenz des Kapitalismus in einer Reihe von Ländern in Frage stellen, wie das im Laufe des ersten imperialistischen Krieges der Fall war. Und wenn die bürgerlichen Politiker trotz der Erfahrung des ersten imperialistischen Krieges dennoch zum Krieg greifen, wie der Ertrinkende nach einem Strohhalm, so bedeutet das, daß sie sich endgültig in ihrem Netzen verstrickt haben, daß sie in eine Sackgasse geraten drauf und dran sind, kopfüber in den Abgrund zu stürzen.

Quelle:
J.Stalin, Fragen des Leninismus, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1951, S.520-522.

Siehe auch:
Klaus Hesse: Zur Geschichte der UdSSR
Geschichte der UdSSR: Der Große Vaterländische Krieg
Der lange Schatten des Joseph Goebbels
Der Weg in die faschistische Diktatur

Wofür führte Hitler Krieg?

Man schrieb das Jahr 1944. Mit brutaler Gewalt versuchten die faschistischen Machthaber, ihre Terrorherrschaft zu verlängern. Dem Volk wurde vorgelogen, es würden noch „Wunderwaffen“ eingesetzt, die in letzter Minute die aussichtslose militärische Lage der Wehrmacht ändern und Hitlerdeutschland retten würden. Aber auch der Einsatz von neuentwickelten V1 und V2 gegen Großbritannien und zuletzt gegen die belgischen Städte Antwerpen und Lüttich vermochte nichts mehr an der Situation zu verändern. Zu Tausenden fielen Wehrmachtssoldaten dem Krieg zum Opfer oder zogen in die Gefangenschaft.
2044ytQ
wie hier (Bild oben): Deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion. In Deutschland selbst wurde nun auch die „Taktik der verbrannten Erde“ angewendet. Die letzten Kräfte wurden mobilisiert… Während sich die Armeen der Antihitlerkoalition von Osten und Westen den deutschen Grenzen näherten, orientierten sich die Kommunisten in der Illegalität, in den Konzentrationslagern und Haftanstalten sowie im Exil darauf, nach der Beseitigung des faschistischen Regimes ein demokratisches und friedliebendes Deutschland zu schaffen. Davon zeugen auch die in dieser Zeit entstandenen Broschüren, wie diese:
Disposition Nr3
Daraus nun hier der folgende Ausschnitt:

Der Charakter des Hitlerkrieges
Charakter des Hitlerkrieges

1. Der Kampf um Bodenraub im Osten
Schon in „Mein Kampf“ hat Hitler den Raubkrieg gegen die Sowjetunion gepredigt. Er schrieb damals: „Wollte man in Europa Grund und Boden, dann konnte dies im großen und ganzen nur auf Kosten Rußlands geschehen, dann mußte sich das neue Reich wieder auf der Straße der einstigen Ordensritter in Marsch setzen, um mit dem deutschen Schwert dem deutschen Pflug die Scholle, der Nation aber das tägliche Brot zu geben.“ (Hitler: „Mein Kampf“, S.154.)

2. Bereicherung der Plutokraten*
Es handelte sich aber nicht nur um Siedlungsland, sondern vor allem um die Rohstoffquellen und um die Betriebe in den anderen Ländern, auf die das deutsche Monopolkapital seine Hand legen wollte. Goebbels gab das im Oktober 1942 offen zu, als er in Gdingen zynisch erklärte: „Wir kämpfen nicht um ideologische Ziele; am Bakuöl, an der Donezkohle, an der überreichen Landwirtschaft Rußlands wollen wir uns gesundstoßen.“ (Hitlers Worte und Taten, S. 106.) — Einige Tatsachen, wie sich die deutschen Imperialisten und Junker während des Krieges bereichert haben:
Tschechoslowakei. Nach der Besetzung beschlagnahmte Hermann Göring für seinen Konzern die Skodawerke, die Brünner Waffenfabriken, die Metallbetriebe der böhmisch-mährischen Kolben-Danék in Prag, die Mährisch-Ostrauer Eisenwerke und die Kohlengruben in Nordböhmen. Die IG-Farben gliederte sich die Chemischen Werke in Aussig, die Dynamit-Nobel in Bratislava und die Apollo-Mineralöl-Raffinerie AG in Bratislava an. Der Mannesmann-Konzern schluckte die Hahnschen Eisenwerke in Ostoberschlesien und die Schächte Oskar und Anselm in Witkowitz.
Polen. Nach dem Polenfeldzug raubte der Göringkonzern die meisten polnischen Kohlengruben, Eisen- und Stahlwerke. Drei Gruben der Sadulla-AG stahl Graf Schaffgotsch. Die Radzionka-Gruben nahm sich Graf Henkel von Donnersmarck usw.
Sowjetunion. Aus den zeitweise besetzten Gebieten der Sowjetunion schleppten die deutschen Okkupanten alle brauchbaren Maschineneinrichtungen fort. So hat z.B. die deutsche Wehrmacht aus der Sowjetunion 300.000 große Werkbänke weggebracht. Der Göringkonzern gründete zur Ausraubung der Sowjetunion die Eisen- und Stahl GmbH, in Dnjepropetrowsk; in derselben Stadt gründete der Mannesmann-Konzern eine Niederlassung. Zahlreiche andere deutsche Unternehmungen zur Ausraubung der Ukraine entstanden, wie z.B. die Dnjepr-Holz GmbH, die Leichtfaß-Industrie, Ukraine GmbH, die Energiebau-Ost GmbH, die Schwarzmeer-Stauerei GmbH Ukraine, die Togo-Ost-GesellschaH Shitomir, die Landbewirtschaftungsgesellschaft Ukraine GmbH, die Spinnfaser-Ukraine-GmbH, die Landmaschinenindustrie Ukraine GmbH. Der Boden wurde den Sowjetbauern abgenommen und deutschen Gutsbesitzern übergeben. Das Vieh wurde den Bauern weggenommen und nach Deutschland getrieben oder abgeschlachtet. Alle Lebensmittel wurden nach Deutschland verschleppt. Die Bauern mußten als Sklaven für die deutschen Okkupanten arbeiten. Bei ihrem Rückzug brannte die deutsche Wehrmacht die Wohnhäuser und Wirtschaftsgebäude nieder und erschoß alles Vieh, das sie nicht wegtreiben konnte. In der bjelorussischen Sowjetrepublik z.B. ist nicht ein Stück Hornvieh zurückgeblieben. Alfred Rosenberg organisierte eine besondere Truppe von „Fachleuten“ zum Raub von Kunstgegenständen, Büchern usw. Alle Museen, Büchereien usw. wurden ausgeplündert, alles Wertvolle nach Deutschland verschleppt.
(Neue Beispiele aus der Tagespresse anführen!)

3. Die Methoden der Kriegsführung Hitlers, Ausrottung und Versklavung der Völker
Diesen Zielen entsprechen die Methoden der Kriegsführung, die von der deutschen Wehrmacht angewandt wurden:
a) Massenmord an Zivilpersonen und Gefangenen; Verletzung aller Regeln der Kriegsführung durch die deutsche Wehrmacht; Vernichtungslager: Maidanek, Auschwitz, Buchenwald usw.; Gaskammern, Gaswagen. „Die Hitlerschen Schurken haben es sich zur Regel gemacht, die Sowjetkriegsgefangenen zu foltern, sie zu Hunderten zu ermorden. Tausende von ihnen eines qualvollen Hungertodes sterben zu lassen. Sie vergewaltigen und morden die Zivilbevölkerung der okkupierten Gebiete unseres Landes, Männer und Frauen, Kinder und Greise, unsere Brüder und Schwestern. Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung der Ukraine, Bjelorußlands, des Baltikums, der Moldau, der Krim und des Kaukasus zu versklaven oder auszurotten. Nur gemeine Halunken und Schufte, jeder Ehre bar, auf das Niveau der Tiere gesunken, können sich schuldlosen und wehrlosen Menschen gegenüber solche Scheußlichkeiten erlauben. Aber das ist nicht alles. Sie haben Europa mit Galgen und Konzentrationslagern bedeckt. Sie haben das niederträchtige ‚Geiselsystem’ eingeführt. Sie erschießen und hängen völlig unschuldige, als ‚Faustpfand’ genommene Bürger, weil man irgendein deutsches Vieh daran gehindert hat, Frauen zu vergewaltigen oder friedliche Bürger auszuplündern. Sie haben Europa in ein Völkergefängnis verwandelt. Und das nennen sie die ‚Neuordnung Europas’. Wir kennen die Schuldigen an diesen Gemeinheiten, die Träger der ‚Neuordnung Europas’, alle diese neugebackenen Generalgouverneure und einfachen Gouverneure, Kommandanten und Unterkommandanten. Ihre Namen sind Zehntausenden von gequälten Menschen bekannt. Diese Henker sollen wissen, daß sie der Verantwortung für ihre Verbrechen nicht entgehen und der strafenden Hand der gequälten Völker nicht entrinnen werden.“ (Stalin: „Über den Großen Vaterländischen Krieg“, S.60.)
b) Sinnlose, durch nichts gerechtfertigte Zerstörungen in den besetzten Ländern, besonders in der Sowjetunion.
c) Kulturbarbarei in den besetzten Ländern: Raub und Zerstörung unersetzlicher Kulturwerte, Zerstörung historischer Baudenkmäler.

4. Das Aktionsprogramm der Hitlerkoalition
Die Kriegsziele Hitlerdeutschlands und seiner Vasallen entlarvte Stalin in seiner Rede am 6. November 1942: „Das Aktionsprogramm der italienisch-deutschen Koalition kann man durch folgende Punkte charakterisieren: Rassenhaß; Herrschaft der ‚auserwählten Nationen’; Unterwerfung der anderen Nationen und Besetzung ihrer Territorien; wirtschaftliche Versklavung der unterworfenen Nationen und Raub ihres nationalen Eigentums; Vernichtung der demokratischen Freiheiten; Aufrichtung des Hitlerregimes überall.“ (Stalin, ebenda, S.56.)

5. Das Aktionsprogramm der Anti-Hitlerkoalition
Gegen dieses Raubprogramm der faschistischen Aggressoren schlossen sich die demokratischen Großmächte zur Anti-Hitlerkoalition zusammen. Ihr Aktionsprogramm formulierte Stalin folgendermaßen: „Das Aktionsprogramm der englisch–sowjetisch–amerikanischen Koalition ist: Vernichtung der Rassenexklusivität; Gleichberechtigung der Nationen und Unantastbarkeit ihrer Territorien; Befreiung; der unterjochten Nationen und Wiederherstellung ihrer Souveränitätsrechte; Recht jeder Nation, sich nach eigenem Gutdünken einzurichten; wirtschaftliche Hilfe für die geschädigten Nationen und deren Unterstützung zur Erlangung ihres materiellen Wohlstandes; Wiederherstellung der demokratischen Freiheiten; Vernichtung des Hitlerregimes.“ (Stalin, ebenda, S.56.)

———————————————————————————————————
FAZIT: Der zweite Weltkrieg war somit auf Seiten Deutschlands ein Eroberungskrieg um die Weltherrschaft, auf Seiten der gegen Deutschland kämpfenden Länder aber ein gerechter Befreiungskrieg der friedliebenden Völker gegen die Eroberungspläne des deutschen Imperialismus. Die Schuld und Verantwortung an diesem Kriege und allen seinen Folgen tragen die Naziverbrecher, die reaktionären Militaristen und ihre imperialistischen Auftraggeber, die Herren der Großbanken und Konzerne und die feudalen Junker.
———————————————————————————————————

Quelle:
Vortragsdisposition Nr.3, Die Kriegsschuld Deutschlands und die Mitschuld des deutschen Volkes, Material für politische Schulungstage, Herausgegeben vom Zentralkomittee der Kommunistischen Partei Deutschlands. (o.D.) – ganzes Dokument herunterladen: hier

Begriffserklärung:
Plutokrat:= durch sein Geld Herrschender, Finanzkapitalist

Siehe auch:
Der 22. Juni 1941: Überfall Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion (Bilder)
Sowjetunion: Der Große Vaterländische Krieg
kommitter.de: Weiteres KPD-Schulungsmaterial von 1945 (wie aktuell!)
und Geschichte Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1988, S.192ff.

Zur Geschichte der KP Chinas

Man mag über das heutige China denken wie man will; jedenfalls blickt die Chinesische Kommunistische Partei auf eine ruhmreiche Entwicklung zurück, die nicht ohne Einfluß blieb (und bleibt!) für die weitere Entwicklung. Im Jahre 1954 veröffentlichte der Dietz Verlag Berlin (DDR) eine Übersetzung des österreichischen Arztes und Kommunisten, des ausgezeichneten China-Kenners Dr. Fritz Jensen über der Geschichte der KPCh, die das eindrucksvoll belegt:

Die Erfahrungen der Kommunistischen Partei Chinas zusammenfassend hat Genosse Mao Tse-tung wiederholt betont, daß die demokratische Einheitsfront des Volkes und der bewaffnete Kampf, beide unter der Führung der Partei, als die wichtigste Form der Revolution die beiden grundlegenden Errungenschaften sind, die sich die Kommunistische Partei, im Laufe volksdemokratischen Revolution erkämpfte. Die Erkämpfung dieser beiden Errungenschaften ist ein wichtiges Beispiel der engen Verbindung der allgemeingültigen Wahrheit des Marxismus-Leninismus mit der konkreten Praxis der chinesischen Revolution.

Die dreißig Jahre Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas beweisen, daß die Entwicklung der Partei und der Revolution untrennbar mit der Entwicklung der demokratischen Einheitsfront des chinesischen Volkes verbunden war. Die Partei und die Revolution entwickelten sich in raschem Tempo immer dann, wenn die Partei das Problem der Führung der volksdemokratischen Revolution durch die Arbeiterklasse richtig löste. Ebenso verhält es sich mit dem Problem des Bündnisses der Arbeiter und Bauern, und besonders verhält es sich so mit dem Problem des Zusammengehens mit den verschiedenen Gruppierungen der Bourgeoisie oder des Kampfes gegen sie. Wann immer diese Fragen eine unrichtige Behandlung erfuhren, erlitten sowohl die Partei als auch die Revolution Rückschläge. Die Kommunistische Partei Chinas mußte aus diesen wichtigen und komplizierten Problemen offensichtlich eigene Schlußfolgerungen auf Grund der allgemeingültigen Wahrheit des Marxismus-Leninismus und der konkreten Praxis der chinesischen Revolution ziehen. Sie konnte sich nicht auf das Kopieren irgendeiner fertigen Formel irgendeines anderen Landes verlassen.

Während des zweiten revolutionären Bürgerkrieges zum Beispiel verlangten die auf Nachahmung eingestellten „linken“ Opportunisten, die Partei müsse das „Lager der Mitte“ als ihren „gefährlichsten Feind“ betrachten, nur weil sie nie vorher von einem „Lager der Mitte“ gehört hatten, das willens gewesen wäre, sich von der Arbeiterklasse führen zu lassen. Während des Widerstandskrieges verlangten, um ein anderes Beispiel zu geben, die auf Nachahmung eingestellten rechten Opportunisten in der Partei, die chinesischen Kommunisten sollten ihre ganze Tätigkeit „auf dem Weg über“ die mit Tschiang Kai-schek geschlossene Einheitsfront durchführen, weil sie nie vorher von dem Bestehen einer revolutionären Staatsmacht innerhalb des Gebietes einer reaktionären zentralen Staatsmacht gehört hatten, die mit dieser reaktionären Staatsmacht nicht gebrochen und dennoch ihre Unabhängigkeit und Autonomie bewahrt hätte.

Genosse Mao Tse-tung wies diese irrigen Anschauungen zurück. Er legte verschiedene politische Verhaltungsmaßregeln fest, die zu verschiedenen Zeiten verschiedenen Verbündeten gegenüber eingenommen werden mußten. Er wies darauf hin, daß nach dem Jahr 1927 die chinesische Bourgeoisie immer noch aus zwei verschiedenen Gruppen bestand:

der Großbourgeoisie oder den bürokratischen Kapitalisten, die an der Macht waren, und der mittleren oder nationalen Bourgeoisie, die an die Wand gedrückt und zum Leidtragenden gemacht wurde. In das Herz der ersten Gruppe zielt die Revolution. Obwohl einige von dieser Gruppe während des Krieges gegen Japan im antijapanischen Lager standen, schlossen sie sich weder organisatorisch noch programmatisch der Einheitsfront mit der Kommunistischen Partei an. Im Gegenteil, sie betrachteten die Kommunistische Partei Chinas und das Volk als ihre ärgsten Feinde. Deshalb konnten die Kommunisten, ihre Aktivität nicht auf dem Wege „über sie“ betreiben, sondern mußten sich einen hohen Grad von Selbständigkeit und Initiative innerhalb der Einheitsfront bewahren.

Die zweite Gruppe, die mittlere oder nationale Bourgeoisie, ist schwankend und schwach. Sie steht in Konflikt mit der Arbeiterklasse, sie steht aber auch in gewissem Konflikt mit dem Imperialismus, dem Feudalismus und der Großbourgeoisie. Daher kann diese Gruppe unter gewissen besonderen Bedingungen gewonnen werden. Sie kann sich bis zu einem gewissen Grade mit der Arbeiterklasse verbünden, ihre noch unvollendete historische Rolle zu Ende spielen und doch nicht zum „gefährlichsten Feind“ werden – vorausgesetzt, daß die Arbeiterklasse sich einer festen revolutionären Politik und geeigneter organisatorischer Formen bedient, indem sie EU gewissen Zeiten eine Verbindung mit dieser Gruppe eingeht und zu anderen Zeiten den Kampf gegen sie führt

Die Tatsachen haben bewiesen, daß die Politik des Genossen Mao Tse-tung die Herrschaft der Bourgeoisie – das heißt der bürokratischen Kompradoren-Kapitalisten – mit Erfolg zu stürzen vermochte und die nationale Bourgeoisie dafür gewann, einen Teil der demokratischen Einheitsfront des Volkes zu bilden. Es ist eindeutig, daß Genosse Mao Tse-tung recht hatte und die „linken“ und rechten Opportunisten unrecht hatten.
Terrakotta ArmeeChina Armee
Die dreißig Jahre Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas haben bewiesen, daß die Entwicklung der Partei, die Entwicklung der chinesischen Revolution und die Entfaltung des revolutionären Volkskrieges nicht voneinander zu trennen sind. Genosse Stalin sagte:

„Früher, im 18. und 19. Jahrhundert, begannen die Revolutionen gewöhnlich so, daß das Volk, größtenteils unbewaffnet oder schlecht bewaffnet, sich erhob und mit der Armee des alten Regimes zusammenstieß, einer Armee, die es zu zersetzen oder wenigstens teilweise auf seine Seite herüberzuziehen versuchte. Das ist die typische Form der revolutionären Explosionen in der Vergangenheit. Dasselbe spielte sich auch bei uns in Rußland im Jahre 1905 ab. In China haben die Dinge einen anderen Verlauf genommen. In China steht den Truppen der alten Regierung kein unbewaffnetes Volk gegenüber, sondern ein bewaffnetes Volk, vertreten durch seine revolutionäre Armee. In China kämpft die bewaffnete Revolution gegen die bewaffnete Konterrevolution. Das ist eine der Besonderheiten und einer der Vorzüge der chinesischen Revolution. Darin liegt eben auch die besondere Bedeutung der revolutionären Armee in China.“ (J.W.Stalin, „Über die Perspektiven der Revolution in China“; Werke, Bd. 8, S. 324.)

Quelle:
Hu Tschiau-mu, 30 Jahre Geschichte der Kommunistischen Partei Chinas, Dietz Verlag Berlin, 1954, S.104-107.

Siehe hier. Hatte Sun Yatsen recht?
Überraschend auch das:
Kolchosen in Nord-Chine, Eine Reportage.

Ist Rußland ein okkupiertes Land?

NATO-Truppenparade in Moskau:
NATO_ParadeWAR ES EINE OKKUPATION – ODER WAR ES EINE KONTERREVOLUTION?

von Ljubow Pribytkowa

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit ein Mitglied des Exekutivkomitees eines „Bürgerkongresses der UdSSR“ zu treffen. Eine solche Organisation gibt es tatsächlich in Rußland. Wir sprachen über eine Versammlung, welche am 30. Oktober 2011 stattfand. Dort hatte die Vorsitzende des Exekutivkomitees Tatjana Chabarowa einen Bericht erstattet. Sie ist eine ziemlich bekannte Person in der russischen kommunistischen Bewegung. Es lohnte sich nicht, die ideellen Positionen dieser wenig bekannten Organisation zu analysieren, wenn nicht ihre Verbreitung die Menschen von der Wahrheit wegführen würde und der Herausbildung des Klassenbewußtseins des russischen Proletariats großen Schaden zufügen würde.

Die Nostalgie der Intellektuellen

Im Jahre 1995, als Chabarowa den Kongreß der Bürger der UdSSR leitete, verkündete sie unter dem Beifall der Anwesenden eine Erklärung „Über den Status der UdSSR als zeitweilig okkupiertes Land“ und „Über die nichtzutreffenden Rechte des Privateigentums über das Volkseigentum der UdSSR“. Zu dieser Zeit war es noch schwierig, zu verstehen, was eigentlich in diesem Land vor sich ging – zu wild und zu unwirklich erschien das ganze Geschehen. Und die Ideen Chabarowas schienen nicht gerade einer vom Wahn nach Nostalgie befallenen Intellektuellen zu entstammen. Doch 15 Jahre später wurde vieles klarer.

weiterlesen

Der Henker steht schon vor der Türe…

Henker„…niemals noch hat die Unwissenheit jemandem genutzt“
(Karl Marx)

Als Karl Marx und Friedrich Engels sich im Jahre 1846 bei einem Gespräch mit dem utopischen Kommunisten Wilhelm Weitling auseinandersetzten, wo dieser sich gegen eine Theorie des wissenschaftlichen Sozialismus gewandt hatte, entgegnete Marx ihm: „…niemals noch hat die Unwissenheit jemandem genutzt“. [1] Weitling hegte pseudo-revolutionäre Illusionen. Doch es bedarf einer wissenschaftlichen Weltanschauung und einer gebildeten Arbeiterklasse, um revolutionäre Veränderungen in der Gesellschaft zu erzielen. Marx und Engels hatten zu dieser Zeit bereits erkannt, daß einzig und allein die Arbeiterklasse einen nationalen Führungsanspruch besitzt, und daß es der Arbeiterklasse nicht gleichgültig sein kann, ob und in welcher Form eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse stattfindet. In ironischer Form nahm daher auch Friedrich Engels dazu Stellung:

weiterlesen