Marxfälscher und andere Revisonisten unserer Zeit…

Nicht nur in der Sowjetunion, sondern auch in der DDR krochen nach dem berüchtigten XX.Parteitag der KPdSU, auf dem Chruschtschow mit seiner dubiosen, stalinfeindlichen Rede das Signal zur Demontage des Marxismus-Leninismus gab, zahlreiche Marx-Überwinder und Lenin-Widerleger aus ihren Löchern hervor und schrieben dicke, revisionistische Bücher, welche leider auch in der DDR weite Verbeitung fanden. Daß diese chamäleonhaften Gestalten sich oftmals sogar im direkten Widerspruch zu ihren eigenen Aussagen befanden, störte sie offenbar recht wenig.

Ein solcher Typ war beispielsweise das sowjetische Akademiemitglied P.N.Fedossejew. In der Zeitung „Iswestija“ (vom 17.Oktober 1952) schwärmte er noch von der „allseitigen und tiefgründigen Analyse schwierigster Probleme der politischen Ökonomie durch Stalin“ und schon 10 Jahre später las man von ihm in der Zeitschrift „Kommunist“ (Nr.3, S.15-47), die ihren Namen nicht mehr wert war: „Stalin begrenzte die Warenproduktion fehlerhaft auf die Sphäre der Waren des täglichen Bedarfs, indem er die Produktionsmittel davon ausnahm.“ oder 1952 in der „Iswestija“ (s.ebd.): „Es wurden 13 Bände der Werke Stalins herausgegeben, die einen unerschöpflichen Schatz marxistisch-leninistischer Gedanken darstellen. … Man kann keinen Zweig der Wissenschaft, Kultur und Kunst nennen, keinen Abschnitt an der ideologische Front, an dem unser großer Lenker und Lehrer Stalin nicht eine inspirierende und richtungweisende Rolle gespielt, und mit seinen genialen Ideen einen wertvollen Beitrag geleistet hätte.“ (das trieft förmlich vor untertänigster Huldigung…) und zehn Jahre später hieß es dann: „Stalin mißachtete völlig eines der grundlegenden Gesetze der Dialektik, das Gesetz der Negation der Negation, was eine falsche Behandlung der Frage zur Folge hatte, ob die Produktionsverhältnisse in der sozialistischen Gesellschaft dem Charakter der Produktivkräfte entsprechen.“ (ders. in der Zeitschrift „Kommunist“, ebd.)

Von ebendiesem (1967 mit dem Leninorden geschmückten) P.N.Fedossejew erschien 1973 im Akademie-Verlag, Berlin: Der Marxismus im 20. Jahrhundert – 533 Seiten und rd. 800g gedruckter Unrat. Etwas ähnliches in dieser Art kann man z.B. auch von solchen Autoren wie einem gewissen Brauseschlauch-Meißner lesen, der sich auf der Themen-Seite einer überregionalen, linken Tageszeitung ausgiebig darüber ausläßt (jW, 9.5.08), „ob in der Tat die hochentwickelten Produktivkräfte von den Produktionsverhältnissen gehemmt und gefesselt werden“ und ob man daher eine Überwindung der kapitalistischen Eigentumsverhältnisse überhaupt „fordern“ (!) könne.

Das muß man sich das mal auf der Zunge zergehen lassen! Diesen geistigen Unrat verbreitet ausgerechnet eine sich „marxistisch orientiert“ nennende Zeitung. Also: entweder Marx nicht gelesen, nicht verstanden, und – die Oktoberrevolution fand niemals statt, oder aber: Marx gefälscht! (Und darauf wird noch einzugehen sein!)

Kurzum: Daß in der DDR solchen ideologischen Scharlatanen auch nur eine Druckseite zur Verfügung gestellt wurde, zeugt vom Verfall des wissenschaftlichen Denkens auf dem Gebiete des Marxismus-Leninismus. Der Applaus der Bourgeoisie war denen jedenfalls sicher. Also da bleiben wir doch lieber gleich beim bewährten und angeblich so erfolgreichen Kapitalismus-Modell des „Wirtschaftswunders“…
Oder etwa nicht?

Quelle:
http://le-tireur-bis.ucoz.ru/publ/divenrsija_protiv_marksizma/divenrsija_protiv_marksizma_statja_3/5-1-0-16
(Übersetzung: P.Walther)

Siehe auch:
Ein Lump der sich mit linken Phrasen schmückt
Die Oppositionellen in der SED
Das Wesen des Revisionismus

4 Gedanken zu “Marxfälscher und andere Revisonisten unserer Zeit…

  1. Tja, Marx, Lenin und andere zu fälschen bzw. Zitate von ihnen aus dem Zusammenhang genommen und in eine vollkommen konträre Richtung ausgelegt, das hatte man schon in der DDR gut verstanden. Zitate hatten dazu immer wieder diese Pünktchen für fehlende Textstellen. Wenn ich dann im Original den gesamten Text ansah, staunte ich oft nicht schlecht, denn diese Weglaß-Punkte standen für z.T. Dinge, vor denen z.B. Lenin warnte, es nicht zu tun, was aber in der DDR getan wurde. Für mich kam das Ende der DDR urplötzlich; aus heutiger Sicht war alles über viele Jahre vorbereitet – diese „Marxfälscher“ haben daran mitgebastelt…

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  2. …danke, Nadja – dieser kleine Kaufhausdieb (s.o.) war übrigens ein ehemaliger DDR-Professor, und bis 1986 sogar Stellv. Generalsekretär der Akademie der Wissenschaften (sic!). Da hat „ropri“ recht: diese Typen waren die geistigen Wegbereiter der Konterrevolution.

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