Kommunisten gegen die alltägliche Verblödung

von Jens-Torsten Bohlke

Daß Marx, Engels, Lenin, Stalin, Sowjetrußland, die DDR und jeglicher Sozialismus-Kommunismus als Person, Bewegung, Partei, Staat oder Staatenbündnis jedem Imperialisten ein Dorn im Auge sein mußten, ist eine jederzeit und alltäglich belegbare historische Wahrheit seit über 60 Jahren. Und es ist Ausdruck des Klassenhasses der Bourgeoisie und ihres im Imperialismus maßgeblichen Teils, des Finanz- und Monopolkapitals, gegenüber der Arbeiterklasse und insbesondere deren kämpferischen und maßgeblichen Teilen, den von der wissenschaftlichen Weltanschauung der Arbeiterklasse beeinflußten kämpferischen Teilen der Arbeiter- und Volksbewegung.

Nationalismus – ein bürgerliches ideologisches Gift zur Lähmung des Volkes

Der DDR wurde von der bürgerlichen Volksverblödungsmaschinerie um den Springer-Konzern „staatlich verordneter Antifaschismus“ vorgehalten, weil den Imperialisten nicht genug Nationalismus als tödliches Gift zur Lähmung des Klassenbewußtseins in die Arbeiterklasse und die Volksmassen gepumpt werden konnte. Da interessierten dann auch die Folgen dieser unmittelbar nach dem Berliner Mauerfall Ende 1989 extrem hochdosierten „Injektionen“ dieses Gifts, die Pogrome von Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen, Eberswalde, Dessau, Magdeburg, Berlin (Ost) usw. nur ganz nebensächlich.

Faschismus ist gewollter Bestandteil des imperialistischen Systems

Belangreich war für die Imperialisten, daß die in der DDR hinter Gittern sitzenden bekennenden aktiven Neonazis wie Ingo Hasselbach (siehe sein Buch) rasch auf freien Fuß kamen und nach Kurzanleitung gemäß den Drehbuch-Vorgaben einer faschistischen Regie aus Drahtziehern und finanzstarken Hintermännern

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Das Gerede von der schwindenden Arbeitslosigkeit

Nun ist es im bundesdeutschen Blätterwald schon so, daß der Jubel über die schwindende Arbeitslosigkeit bald kein Ende zu nehmen scheint. Nach all den Krisendiskussionen, Neonazi-Affären und bundespräsidialen Skandalgeschichten braucht der deutsche Leser offenbar wieder einmal ein Erfolgserlebnis. Die Wirtschaft strotzt nur so vor Kraft, ja – man redet hier sogar schon von Vollbeschäftigung. Doch da scheint der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen zu sein. Denn natürlich ist das ein Geschwätz. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe (BIAJ) hat Zahlen und Fakten präsentiert, die die Regierung und die Wirtschaftsverbände nicht so gerne sehen. Demnach gab es im Dezember 2011 rund 5,154 Millionen Arbeitslosen-geldempfänger. (siehe hier: http://biaj.de/images/stories/2012-01-03_alo1211t.pdf)
Nicht nur, daß die offiziellen Statistiken durch allerlei Tricks „bereinigt“ wurden, auch der Anteil der prekären Beschäftigung und der sogenannten Leiharbeit nimmt zu. Stundenlöhne von unter sieben Euro sind hier keine Seltenheit. Doch die Betroffenen sind froh, überhaupt eine Beschäftigung zu haben – und sie schweigen…

Siehe auch:
Warum gibt es überhaupt Arbeitslosigkeit?

Nordkorea im Blickpunkt…

Im Dezember 2011 verstarb das Staatsoberhaupt der Koreanischen Volksrepublik Kim Jong-Il. Kurz darauf gingen Bilder Hunderter weinender Menschen durch die Medien. Für uns bleibt vieles davon ein unverständlicher Eindruck. Hier nun einiges zur Geschichte Koreas aus dem BI-Lexikon von 1986:

Das kurze Leben der Kommunistischen Partei Koreas

Seit 1920 erfolgte ein schnelles Wachstum der Arbeiterklasse. Zahlreiche Arbeiterzirkel und Pachtbauerngenossenschaften entstanden. 1924 wurde der Allgemeine Koreanische Arbeiter- und Bauernverband gebildet, am 17.4.1925 wurde in tiefer Illegalität die KP gegründet, am 18.4.1925 der Kommunistische Jugendverband Koreas. Sektierertum, parteifeindliche Fraktionen kleinbürgerlicher Intellektueller sowie der Terror der Japanischen Polizei schwächten die Partei so, daß sie 1928 aufhörte, als organisierte Kraft zu bestehen. Anfang der 30er Jahre begann eine neue Etappe im nationalen Befreiungskampf. Es entwickelte sich eine Einheitsfront unter kommunistische Führung, deren Kern die bewaffneten Partisanen waren, die vor allem in der Mandschurei kämpften. Im Inland arbeitete die Gesellschaft zur Wiedergeburt des Vaterlandes unter den Arbeitern der Großbetriebe im Norden Koeras. Auf der Konferenz der Regierungschefs der USA, Großbritanniens und Chinas in Kairo (Nov. 1943) wurde beschlossen, nach dem Sieg über Japan Korea als unabhängigen Staat wiederherzustellen.

Die Befreiung Koreas durch die Sowjetunion und die Spaltung des Landes

Im August 1945 befreite die Sowjetische Rote Armee das koreanische Volk von der Japan. Kolonialherrschaft; Südkorea wurde im September von US-Truppen besetzt. Am 10.10.1945 wurde die KP neu gegründet, die sich im August 1946 mit der Neuen Volkspartei zur Partei der Arbeit Koreas (Abk. PdAK) vereinigte. Nicht nur im Norden, auch im Süden begann nach der Befreiung die volksdemokratische Revolution. Die Volksausschüsse als örtlichen Organe der volksdemokratischen Staatsmacht wurden in Südkorea durch die US-Besatzungsmacht aufgelöst, die auch den Volksaufstand niederschlug, der 1946/47 ganz Südkorea erfaßte. Im Mai 1948 ließen die USA «Wahlen» durchführen; Präsident wurde Ri Syngman. Mit Hilfe der USA errichtete er in Südkorea eine Diktatur, die alle demokratischen Kräfte verfolgte. Die 2. Konferenz der Parteien und Organisationen Nord- und Südkoreas (Juni/Juli- 1948) beschloß, demokrat. Wahlen in ganz Korea abzuhalten; am 9.9.1948 verkündete die Oberste Volksversammlung, der nord- und südkoreanischen Vertreter angehörten, die Gründung der Koreanische Demokratische Volksrepublik, Ministerpräsident wurde Kim Il Sung.

Überfall Südkoreas auf die KDVR und Wiederaufbau des Landes

Am 25.6.1950 überfiel die südkoreanische Reaktion (Hauptsitz Sòul), gestützt auf die USA, die KDVR. Das koreanische Volk brachte jedoch mit aktiver Hilfe der Sozialistischen Länder und durch internationale Solidarität den Aggressoren eine Niederlage bei (Vaterländischer Krieg des koreanischen Volkes). Am 27.7.1953 trat das am 23.7. in Phanmundshòm unterzeichnete Waffenstillstandsabkommen in Kraft. Das 6.Plenum des ZK der PdAK vom 8.8.1953 beschloß das Programm über den Wiederaufbau der stark zerstörten Wirtschaft, wobei die Sozialistischen Länder solidarische Hilfe leisteten. 1958 war die sozialist. Umgestaltung von Industrie und Landwirtschaft im wesentlichen abgeschlossen.

Die KDVR – ein sozialistischer Industriestaat

Der IV. Parteitag der PdAK (Sept. 1961) nahm den Siebenjahrplan (1961/67) an. Im November 1970 konstatierte der V. Parteitag der PdAK, daß die KDVR sich zum Sozialistischen Industriestaat entwickelt hat. 1972 Annahme einer neuen Sozialistische Verfassung; Kim Il Sung, Generalsekretär des ZK der PdAK, wurde Staatspräsident. Im Sechsjahrplan (1971/76), dem ein Regulierungsjahr folgte, wurde die Ökonom. Basis weiter gefestigt; mit dem folgenden Siebenjahrplan (1978/84) wurde Kurs auf den vollständigen Sieg des Sozialismus genommen. 1984 wurde Kang Songsan Ministerpräsident.

Die kapitalistische Entwicklung in Südkorea

Trotz stärksten Terrors wuchs die Volksbewegung in Südkorea ständig an; 1960 fegte ein Volksaufstand das Regime Ri Syngman hinweg. Im Mai 1961 wurde die Militärdiktatur unter Pak Tschònghyj errichtet. Auch dieses korrupte Regime versuchte vergeblich, durch Massenverhaftungen und Terror die fortschrittlichen Kräfte zu unterdrücken. 1965 wurde ein Vertrag mit Japan abgeschlossen, der den japanischen Imperialisten die Möglichkeit zur wirtschaftliche Expansion nach Südkorea gibt. – Seit den 60er Jahren forciert die südkoreanische Großbourgeoisie auf der Grundlage einer hohen Auslandsverschuldung den wirtschaftlichen Ausbau Südkoreas. Seit den 70er Jahren haben sich große Monopole herausgebildet. Der Drang zur Ökonomischen Expansion, besonders in den arabischen Raum, ist unübersehbar.

Innere Kämpfe

Die Veränderungen der internationalen Lage zwangen das Söuler Regime am 4.7.1972, auf die wiederholten Vorschläge der KDVR zur friedlichen Lösung der Koreafrage einzugehen und sich zu Verhandlungen bereit zu erklären, die aber durch die krasse antikommunistische Haltung des Sòuler Regimes bisher keinen Erfolg brachten. Nach der Ermordung von Pak Tschònghyj (26.10.1979) durch seinen Geheimdienstchef ergriff nach einer Periode innerer Kämpfe General Tschòn Tuh-wan die Macht. Sein Regime verfolgt brutal jegliche demokratischen Bestrebungen, wie es sich besonders bei der Unterdrückung der Unruhen im Mai 1980 in Kwangdshu und bei der Verurteilung des bürgerlichen Oppositionspolitikers Kim Tädshung zeigte. Seit Ende der 70er Jahre erhielt der Kampf der südkorean. Bevölkerung für demokrat. und soziale Rechte eine neue Qualität; so vereinte sich die bürgerliche Opposition gegen Tschòn Tuhwan 1985 zu der Neuen Demokratischen Partei Koreas, die sich in den Parlamentswahlen 1985 als stärkste Oppositionspartei etablieren konnte.

Quelle:
BI Universal-Lexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR), 1986, Bd.3, S.202.

Hier nun einige heutige Bilder aus der Demokratischen Volksrepublik Korea:
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siehe auch: Kim Jong-Il, Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas und Staatschef der DVRK gestorben oder auch im Blog Politiek en Cultuur

Und hier ist ein Dokumentarfilm: Ein Tag in Nordkorea

Vom Sinn unseres Lebens

…so hieß einmal ein Buch, welches in der DDR den Jugendlichen beim Eintritt ins Erwachsenenalter, zur Jugendweihe, übergeben wurde. Im Vorwort dazu schrieb Erich Honecker: „Es ist ein großes Glück, daß Ihr im Frieden geboren und aufgewachsen seid. Krise und Krieg, Not, Hunger und Verwüstungen mußtet Ihr nicht am eigenen Leib verspüren. Aber noch sind die drohenden Wolken der Kriegsgefahr nicht verschwunden, ist der weltweite Kampf um den Frieden nicht bis zu Ende ausgefochten. Er braucht den Einsatz jedes einzelnen.“ [1]
HoneckerErich Honecker im Gespräch mit Jugendlichen

Ja, wahrhaftig: es war ein großes Glück, in der DDR geboren und aufgewachsen zu sein, in einem Land, das getreu seiner Verfassung ein friedliches Land war, welches an keinem Krieg beteiligt war, ein Land, in dem es keine Arbeitslosigkeit gab und keine Obdachlosen, keine Suppenküchen und keine Ein-Euro-Jobber, keine Kinderarmut und keine Sklaverei à la Leiharbeit. In den sozialistischen Ländern wurde, auch wenn wir nicht im Überfluß lebten und wir uns manches schwer erarbeiten mußten, das gesamte materielle und geistige Potential zum Nutzen der Menschen eingesetzt. Die DDR war ein sozialistischer Staat, war ein Staat, in dem die Arbeiterklasse im Bündnis mit den Genossenschaftsbauern die Macht hatte. Die DDR war ein Staat, in dem die wichtigsten Produktionsmittel dem Volk gehörten und nicht einzelnen Privatpersonen. Hier konnte sich jeder eine hohe Bildung aneignen und keiner litt soziale Not. Selbst diejenigen, welche diesen Staat nicht liebten, durften Architekten, Bürgermeister oder Diplomingenieure werden, ja sie durften sogar auf Staatskosten promovieren, wie die heutige Kandesbunzlerin auch. Die Bildung wurde in unserem Staat hochgeschätzt.
TrasseEin FDJ-Kollektiv der DDR an der Drushba-Trasse bei Swetlowodsk/Sowjetunion

Wozu braucht man eigentlich eine Bildung?

Eine umfassende Allgemeinbildung ist die grundlegende Voraussetzung dafür, daß die Menschen sachkundig und verantwortungsbewußt handeln können. Bildung und Weltanschauung prägen die Persönlichkeit eines jeden Menschen. Sie bestimmen seine seine Lebensauffassung und befähigen ihn, sein Leben sinnvoll zu gestalten. All das war in der DDR eine Selbstverständlichkeit. Jedes Kind konnte in den Kindergarten gehen, ohne dafür Gebühren oder Essengeld bezahlen zu müssen, Jedes Kind durfte die zehnklassige polytechnische Oberschule besuchen, ohne die Schulbücher, Klassenausflüge oder Kopiermaterial bezahlen zu müssen. Jeder Jugendliche erhielt garantiert eine Lehrstelle und bekam danach einen gesicherten Arbeitsplatz. Die Förderung von Begabungen und Talenten, vielseitige Freizeitgestaltung, Fahrten ins Ferienlager und der gemeinsame Urlaub mit den Eltern waren für alle Kinder selbstverständlich und erschwinglich.
PionierpalastKinder und Jugendliche bei der Eröffnung des Pionierpalasts „Ernst Thälmann“ in Berlin

Heute dagegen sind Schulschließungen und überfüllte Hörsäle an der Tagesordnung. Mobbing und psychische Erkrankungen, Kriege, zunehmende Umweltverschmutzung und Atommüll gehören zu unserem Alltag. Ist das nun der Sinn unseres Lebens? Oder lohnt es sich, eher dafür zu kämpfen, daß all diese Errungenschaften, auf die wir in der DDR so stolz sein konnten, eines Tages wieder Wirklichkeit werden. Und zwar für alle Kinder dieses Landes!

Wie ist das mit der Religion?

„Der einzelne Mensch kann den Sinn seines Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden. Die religiösen Weltanschauungen übertragen die dem Menschen eigene Fähigkeit, sich Ziele zu setzen, auf ein irrationales Wesen, das allein der Sinnurheber sei, das die Bestimmung des Menschen kenne, und ihn auf das Endziel ausrichte. Das verdammt den Menschen dazu, für immer zu einem willenlosen Spielball gottgewollten Schicksals zu werden. Diese Auffassung vom Sinn des Lebens hat ihre realen Wurzeln in den antagonistischen Klassenbeziehungen, die auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhen. Hier setzen sich die Gesetze der gesellschaftlichen Bewegung spontan durch. Daher wußten viele Menschen ihrem Leben keinen Sinn zu geben.“ [2]
Doch was ist nun der Sinn unseres Lebens? Jeder Mensch wird in seine Zeit hineingeboren, in bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse, und er muß damit zurechtkommen, ob er will oder nicht.

Wer führt das Volk nun aus dem Schlamassel?

„Zu allen Zeiten“, so setzt das Zitat sich weiter fort, „gab es auch Menschen, die den Sinn ihres Lebens darin sahen, durch ihre Arbeit, ihre Beharrlichkeit und ihren Opfermut dazu beizutragen, die Menschheit vorwärtszuführen. Hierbei gerieten sie oft mit den Interessen der herrschenden Klassen in Konflikt bzw. nahmen bewußt den Kampf gegen sie auf. Nicht nur Wissenschaftler, Kulturschaffende, revolutionäre Kämpfer, sondern auch die vielen Namenlosen, die vielleicht selbst keinen Sinn in ihrem Leben sahen und sehen konnten, haben objektiv durch ihre Tätigkeit die Entwicklung vorangetrieben. Ihre Arbeit, ihre Leiden waren nicht umsonst, waren nicht sinnlos. Ihre Anstrengungen sind aufgehoben und bleiben erhalten in den Errungenschaften der folgenden Generationen. Doch erst mit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, die ausgerüstet ist mit einer wissenschaftlichen Weltanschauung, braucht niemand mehr zu befürchten, ein sinnloses Leben führen zu müssen.“ [3]

Quellen:
[1] Vom Sinn unseres Lebens, Verlag Neues Leben Berlin (DDR), 1983, S.5.
[2] Kulturpolitische Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), S.482.
[3] ebd.
Fotos aus: Vom Sinn unseres Lebens, a.a.O., S.4 (Franke), S.168 (Eckebrecht), S.256 (Busch)

…auch wenn vermutlich der letzte Satz die eine oder andere Frage aufwerfen wird,
(Wo ist die Arbeiterklasse? Und wo ist die Partei? Wo gibt es denn noch Sozialismus?
Ist der denn nicht gescheitert? Was wäre denn die Alternative zum Kapitalismus?)
doch siehe dazu hier: Der Weg der roten Fahne

Die totale Verwirrung – oder: Was ist Glück?

Verfolgt man die Diskussionen in einigen Internetblogs, so gewinnt man den Eindruck, daß die meisten der Kommentare nicht über einen bestimmten Horizont hinausreichen. Man liest dort etwas über das „unsinnige Lernen“ und die zunehmenden psychischen Erkrankungen von Schülern, über unterschiedliche „Schulformen“ und die „Ökonomisierung“ der Gesellschaft, über verkürzte Schulzeit und „graswurzelnde Menschen“, vom „Machtmißbrauch in hierarchischen Strukturen“ und vom Marasmus des bürgerlichen Bildungsystems. Zitiert werden alle möglichen Philosophen von Buddha bis Bartonitz, man schweift von Hundertsten ins Tausendste, ohne sich aber auch nur ansatzweise einer Erklärung zu nähern. Einer Erklärung nämlich, welche den Ursachen all dieser Erscheinungen auf die Spur kommt. Die Verwirrung ist perfekt!

Zweifellos lassen die unzähligen Aufrufe solcher Seiten darauf schließen, daß hier ein ungeahnter Diskussionsbedarf besteht. Und nicht ohne Grund haben gewitzte Pädagogen nun auch eine Marktlücke entdeckt: man müsse hier nur ein Schulfach „Glück“ einführen, und schon sei das Problem gelöst. Denn glücklichere Menschen leisten einfach mehr! Das ist zwar richtig, doch schon da liegt der Hase im Pfeffer. Wofür sollen sie eigentlich mehr leisten, wenn das Ergebnis ihrer Arbeit ihnen nicht selbst zugute kommt, sondern einer Minderheit, die immer mehr profitiert, während die große Mehrheit der einkommens-abhängigen Bevölkerung zusehends verarmt. (Daran ändern auch die zu Millionen in die Luft geschossenen Silvesterraketen nichts!) Was ist also Glück? Und wie kann man es erklären? Weshalb sind sogar die Kinder heute oft so unglücklich darüber, was sie einst erwartet? Woher kommen all diese Krankheitssymptome? Das Kulturpolitische Wörterbuch der DDR definiert Glück so:

Glück: umfaßt die Idealvorstellungen von der Lebensweise des einzelnen in der Gesellschaft, Vorstellungen von den Mitteln und Wegen zur Realisierung des Ideals sowie Vorstellungen von der Gefühlswelt des Menschen. Je nach der ideologischen Funktion, die der Glücksbegriff im System einer Weltanschauung zu erfüllen hat, tritt die eine oder andere Seite besonders in den Vordergrund. Jede Klasse entwickelt, entsprechend ihrer weltanschaulichen Haltung, ihren eigenen Glücksbegriff (…) Mit dem aufstrebenden Bürgertum und seinem Kampf gegen die ideologische Stütze der Feudalherrschaft, gegen die Religion wurde das Glück ebenso wie Freiheit und Gleichheit in den Rang der unveräußerlichen (bürgerlichen) Menschenrechte erhoben. Als die Bourgeoisie die politische Macht errungen hatte, sah sich das Volk in seiner Hoffnung auf ein glückliches Dasein betrogen.

Der Kampf um das Glück

Die Bourgeoisie errichtete mit der kapitalistischen Gesellschaft eine Ordnung, in der alles, sogar menschliches Glück, zur Ware, Mittel zum Zweck wird, um Profit zu erjagen. Das Glück von Millionen Menschen wurde bedenkenlos in zwei Weltkriegen geopfert. Der Kampf der Bourgeoisie ist mit der Entstehung des Sozialismus in einem Teil der Welt noch erbitterter und gefährlicher geworden. Sie kann dem Marxismus-Leninismus keine einheitliche Weltanschauung zur Verschleierung ihrer Klassenziele entgegensetzen und nutzt daher die verschiedensten ideologischen Elemente. Besonders geeignet erweisen sich Begriffe, die scheinbar klassenindifferent sind, einen sogenannten allgemeinmenschlichen Inhalt besitzen und für die Massen eine positive emotionale Bedeutung haben. Alle diese Eigenschaften treffen auf den Begriff Glück zu.
Arbeiter
Julius Günther, Aufruf zur Vertreibung der Ausbeuter (1848)

Ist Glück eine „Führungsaufgabe“?

Man nutzt seine Unbestimmtheit aus und predigt nebeneinander den religiös eingestellten Menschen, daß Glück ein Geschenk Gottes sei und man es daher auch nicht erkämpfen könne; den Besitzlosen wird das Glück der Bescheidenheit und Bedürfnislosigkeit als erstrebenswertes Ziel gepriesen, oder Glück wird ausschließlich auf den emotionalen Zustand eines seelischen Wohlbehagens reduziert, der heute bereits medikamentös herbeigeführt werden kann. Sogar in der Arbeitswelt soll das Glück zur konkreten „Führungsaufgabe“ werden, aber wiederum nur, weil man sich den „ganzen“ Menschen als Ausbeutungsobjekt dienstbar machen will. Diese Vielfalt von Glücksidealen, die den Menschen von den bürgerlichen Ideologen scheinbar zur Wahl angeboten werden, mischt man außerdem mit antikommunistischen Ausfällen. Verhindert werden soll die Erkenntnis der Perspektivlosigkeit der spätbürgerlichen Gesellschaft, die Erkenntnis, daß echtes Glück nur dort Bestand hat, wo sich das Volk für immer von Ausbeutung und Unterdrückung befreit. (s. Manipulierung)

Glück auf Kosten der Masse des Volkes

Erst der Marxismus-Leninismus entdeckte im Proletariat diejenige gesellschaftliche Kraft, die entsprechend dem Entwicklungsstand der Produktivkräfte in der Lage und berufen ist, die gesellschaftlichen Verhältnisse grundlegend zu revolutionieren und die gesellschaftlichen Wurzeln des Unglücks des Volkes für immer auszurotten. Mit der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft werden die politischen und ökonomischen Verhältnisse überwunden, unter denen die Menschen ihr persönliches Glück nur im Kampf aller gegen alle durchsetzen können, Verhältnisse, unter denen eine kleine Minderheit ein fragwürdiges Glück auf dem Unglück der Masse des Volkes aufbaut.

Waren die Menschen in der DDR unglücklich?

Das Wohl der Menschen, ihr Glück in einem friedlichen Leben, in Demokratie und Sozialismus ist der Sinn und das Ziel des Programms der SED. Die gemeinsame Verwirklichung dieses marxistisch-leninistischen Programms des Sozialismus vereinigt die Anstrengung aller Bürger der DDR und bietet unerschöpfliche Möglichkeiten für die Entfaltung der vielseitigen Fähigkeiten und Talente. Die Macht des werktätigen Volkes unter Führung der marxistisch-leninistischen Partei ist daher die wesentlichste gesellschaftliche Voraussetzung für ein beständiges persönliches Glück jedes einzelnen. Erst im Sozialismus wird auch die Verantwortung des einzelnen für sein persönliches Glück in der Gesellschaft zu einer notwendigen Bedingung für das Glück aller. Glück ist weder Geschenk noch Mäßigkeit.
Jugendliche
Jugendliche in der DDR

Die Freude am Wachsen und Gedeihen im Sozialismus

Glück ist wesentlich der Prozeß der sich entwickelnden sozialistischen Persönlichkeit. Eine reiche und glückliche Persönlichkeit entwickelt sich aber nur, wenn sie sich Ziele setzt, durch deren Verwirklichung sie über sich selbst hinauswächst, wenn sie ihr Leben eng mit der Entwicklung der sozialistischen Gesellschaft und deren humanistischen Zielen verknüpft. Die sozialistische Arbeit, das Lernen und das Streben nach neuen Erkenntnissen, die gesellschaftliche Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten, Familie und Freundeskreis, die Aneignung des kulturellen Reichtums – das sind nur einige Bereiche des menschlichen Lebens, in denen sich der Mensch als sozialistische Persönlichkeit bewahren und Glück finden kann. Die Freude am Wachsen und Gedeihen der sozialistischen Menschengemeinschaft und am eigenen Anteil daran, die Freude über persönliche Erfolge und an der Schönheit des Lebens widerspiegelt diesen Entwicklungsprozeß auch emotional und rational als Glück.

Quelle:
Kulturpolitisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin (DDR), 1970, S.197f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
Bilder: Von Sinn unseres Lebens, Verlag Neues Leben Berlin (DDR), 1983, Schutzumschlag und S.83.

Wenn der Sinn des Lebens glücklich zu sein ist, macht dann das „Schulfach Glück“ Sinn? – so fragt ein Lehrer. Abgesehen davon, daß etwas nur „Sinn haben“ kann oder nicht, und nicht nicht „einen Sinn machen“ (ein typischer Amerikanismus: it makes sense!), so ist doch die Frage schon verkehrt. Der einzelne Mensch kann den Sinn seines Lebens nur innerhalb der Gesellschaft finden. Doch das ist schon wieder ein anderes Thema…

siehe auch:
Benjamin fragt
Was ist denn Glück?