Der politische Klerikalismus

KlerikalismusDie Ausbeuterklassen haben die Religion immer dazu benutzt, die unterdrückten Klassen geistig niederzuhalten. Und daher erscheinen den Menschen in ihrem religiösen Bewußtsein die spontan wirkenden Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus als ewig und unabänderlich. „Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet,“ so beschreibt es Lenin, „lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.“ [1]

Tatenlosigkeit und Resignation sind die Folge. Je mehr sich nun die Auseinandersetzungen in der Gesellschaft zuspitzen, desto aggressiver tritt der Klerus in Erscheinung. Auch heute findet man ehemalige Pfarrer und Pfarrerstöchter in verschiedenen Positionen des herrschenden kapitalistischen Regimes, und man kann davon ausgehen, daß dies kein Zufall ist. Schon 1960 befaßten sich die marxistischen Wissenschaftler Karl A. Mollnau und Helmut Wolle mit der demagogischen Rolle des Klerus in der BRD:

„Der Imperialismus kann ohne skrupellose Irreführung der Massen seine Politik nicht betreiben; er ist darauf angewiesen, das Volk für seine Ziele auf irgendeine Weise zu mißbrauchen. Da aber der Imperialismus seinem Wesen nach ein gesellschaftliches System ist, das lediglich den Interessen einer dünnen finanzkapitalistischen Oberschicht dient, vor allem, durch Ausbeutung, koloniale Völkerausplünderung und Krieg, befindet er sich in einem antagonistischen Widerspruch zu den Volksmassen. Die Arbeiterklasse und alle friedliebenden Kräfte stehen deshalb der imperialistischen Politik teils bewußt, teils spontan ablehnend gegenüber; auch Teile der Bourgeoisie stehen zu ihr in bestimmten Interessengegensätzen. Will der Imperialismus das Volk für seine Ziele aktivieren, so kann er dies also nur, indem er es gegen dessen eigene Interessen mobil macht. Dieses Unterfangen – in letzter Hinsicht ist es perspektivlos – versucht der Imperialismus durch geschickte Demagogie zuwege zu bringen. Die Ideologen des Imperialismus haben allesamt objektiv den Auftrag, ein völlig verkehrtes gesellschaftliches Bewußtsein zu erzeugen. Unfreiheit wird in Freiheit, Ausbeutung in soziale Gerechtigkeit verfälscht, und die Kriegspolitik wird als Friedenssicherung ausgegeben.

Die Ideologie der imperialistischen Bourgeoisie spiegelt also die gesellschaftliche Wirklichkeit nicht wissenschaftlich wider, sie legt nicht die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung bloß, sondern hat ganz im Gegenteil gerade die Funktion, die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu negieren und zu verschleiern, denn schon die Anerkennung der Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung käme einer ideellen Verneinung der Herrschaft des Imperialismus gleich. Ein verkehrtes gesellschaftliches Bewußtsein hervorzubringen zur demagogischen Irreleitung der Volksmassen – das ist Ziel und Inhalt aller imperialistischen Ideologie.“ [2]
„Heute ist der politische Klerikalismus seinem Klasseninhalt nach ein Instrument der Monopolbourgeoisie. Das internationale Finanzkapital benutzt den politischen Klerikalismus, um seine Positionen zu erhalten.“ [3]

Merkmale des politischen Klerikalismus

„Die Ideologie des politischen Klerikalismus propagiert die Ohnmacht der Vernunft und die Machtlosigkeit des wissenschaftlichen Denkens. Sie will das menschliche Denkvermögen durch mystische Intuition ersetzen. Nach Ansicht der klerikalen Ideologen entwickelt sich die Welt nicht nach objektiven Gesetzmäßigkeiten, sondern nach dem ewigen Ratschluß Gottes. Die angebliche Unergründlichkeit des gesellschaftlichen Geschehens ist aber nichts weiter als der Ausdruck des spontanen Wirkens der von den Menschen nicht erkannten und nicht beherrschten Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung in den Ausbeuterordnungen.“

„Das sind die allgemeinen Merkmale des politischen Klerikalismus als einer internationalen imperialistischen Erscheinung. Diese allgemeinen Merkmale erfahren aber entsprechend den konkreten vom Finanzkapital gestellten Aufgaben in den verschiedenen imperialistischen Ländern eine entsprechende Modifikation. Gestalt und Gehalt erhält also der politische Klerikalismus jeweils von den Klasseninteressen der Finanzoligarchie eines bestimmten Landes unter den gegebenen politischen und ideologischen Bedingungen. Daraus resultiert, daß der politische Klerikalismus an verschiedenen Orten zur gleichen Zeit oft mit völlig unterschiedlichen Forderungen und Zielen auftritt und unterschiedliche Erscheinungsformen aufweist.“ [4]

Die Restauration des westdeutschen Imperialismus nach 1945

„Als unter den Fittichen des USA-Imperialismus die reaktionären Kräfte Westdeutschlands den Weg der Restauration des deutschen Imperialismus und Militarismus einschlugen, brauchten sie ein neues ideologisches Gewand, denn diese Restauration mußte unter den Bedingungen einer erheblichen Schwächung des imperialistischen Weitsystems durchgeführt werden, die vor allem dm unaufhaltsamen Vormarsch des Sozialismus und in einer erhöhten Bewußtheit der Volksmassen ihre Ursachen hatte. Es war nicht möglich, den deutschen Imperialismus erneut im Braunhemd auftreten zu lassen. Der Nazi-Faschismus war in den Augen aller Völker und nicht zuletzt auch des deutschen Volkes zu sehr diskreditiert. In dieser Situation wurde in Westdeutschland der politische Klerikalismus zur Hauptstütze des deutschen Imperialismus auserkoren; die CDU/CSU schickte sich an, die Funktion der Nazipartei zu übernehmen. Der politische Klerikalismus wurde das wichtigste Instrument, mit dessen Hilfe der deutsche Imperialismus hochgepäppelt wurde. In dieser Zeit sahen es die Vertreter des politischen Klerikalismus als ihre wichtigste Aufgabe an, gemeinsam mit den rechten SPD-Führern die antiimperialistischen Forderungen der westdeutschen Arbeiter nach Enteignung der Monopolisten und Junker durch betrügerische Machenschaften abzufangen. Hier mag nur an das Ahlener Programm* erinnert werden.“ [5]

Und so präsentiert man der bundesdeutschen Öffentlichkeit den Vertreter einer klerikalfaschistischen Ideologie als einen „Kandidaten der Herzen“. Welche Herzen sind da wohl gemeint? Diejenigen, die dieser Kandidat auf dem Gewissen hat?

Siehe:
Kommunisten-online:Gauck ist ein evangelischer Klerikalfaschist
Randzone: Gauck – Der Prediger der verrohenden Mittelschicht
Tlaxcala: Die seltsame Biografie des Herrn Gauck
Gießener Zeitung: Dr. h.c. Joachim Gauck, ein Saubermann mit Dreck am Stecken
German Foreign Policy: Der Konsenspräsident
und noch eins: http://juergenmeyer.blogger.de/stories/2004089/

Quelle:
[1] W.I Lenin, Werke, Dietz Verlag Berlin, Bd.10, S.70f.
[2] Karl A. Mollnau/Helmut Wolle, Der politische Klerikalismus,Dietz Verlag Berlin, 1960, S.4f.
[3] ebd. S.7.
[4] ebd. S.11f.
[5] abd. S.12f.

* Auf ihrer Tagung im Februar 1947 in Ahlen beschloß die westdeutsche CDU ein Programm, in dem unter anderem gefordert wurde: „Das kapitalistische Wirtschaftssystem ist den staatlichen und sozialen Lebensinteressen des deutschen Volkes nicht gerecht geworden. Nach dem fürchterlichen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruch als Folge einer verbrecherischen Machtpolitik kann nur eine Umordnung von Grund aus erfolgen. Inhalt und Ziel dieser sozialen und wirtschaftlichen Umordnung kann nicht mehr das kapitalistische Gewinn- und Machtstreben, sondern nur das Wohlergehen unseres Volks sein. Durch eine gemeinwirtschaftliche Ordnung soll das deutsche Volk eine Wirtschafts- und Sozialverfassung erhalten, die dem Recht und der Würde des Menschen entspricht, dem geistigen und materiellen Aufbau unseres Volkes dient und den inneren und äußeren Frieden sichert.“ (…und das Wahlvolk der BRD glaubte diesen betrügerischen Worten!)

6 Gedanken zu “Der politische Klerikalismus

  1. Den Gauck gaucken

    Mißt man diesen bigotten Pfaffen an seinen eigenen und in diesem antikommunistischen Wunderland zum („Stasi“-Unterlagen)-Gesetz erhobenen Maßstäben, dann dürfte er nicht einmal Pförtner irgendeiner kommunalen Behörde sein. Aber dieser „Begünstigte des Ministeriums für Staatssicherheit“ soll, geht es nach dem Willen der im Bundestag versammelten anderen Heuchler, Bundespräsident werden.
    Nun ist dieses Amt eigentlich bar jeder Bedeutung nachdem die anderen Grüßonkel, die es bereits innehatten, dafür gesorgt haben, daß sich die Bevölkerung nur noch über die Zahlungen an diese Abziehbilder ärgert.
    Mit diesem geifernden Haßprediger allerdings wird dennoch eine neue Qualität erreicht.
    Anhand dieser Unperson demonstrieren die politisch Verantwortlichen in diesem Land, daß für sie kein Maßstab und kein Gesetz gilt, wenn es ihnen nicht in den Kram paßt. Sie einigen sich aus politischem Kalkül auf diese bürgerbewegte Gruselgestalt, wohlwissend, daß er weder moralisch-ethisch noch juristisch integer ist.
    Darin liegt tatsächlich eine neue Qualität, denn bei seinen Vorgängern im Amt wurden gewisse Mängel der jeweiligen Person erst später publik.
    Von ihrem eigenen Wiedervereinigungseiapopeia besoffen und von dessen Spätfolgen blind, einigen sie sich auf diesen alles-was-er-für-links-hält fressenden Zombie. Eigentlich also nichts besonderes in diesem Land und damit überbezahlt. Aber er hat seit 1990 etwas getan was in diesem Land schon immer Tradition und Konjunktur hatte. Er instrumentalisierte in einer eigens dafür geschaffenen Behörde die Hexenjagd auf Alles was bei „Drei!“ nicht der DDR und dem Sozialismus abgeschworen hat. Seitdem ergießt sich alltäglich eine mit den unterschiedlichsten Intellekten kompatible Flut dümmlichster Propaganda über uns. Die, die sich auf Grund mangelnder Lebenserfahrung überhaupt nicht dagegen wehren können erhalten ihre antikommunistische Prägung in den Gruselkabinetten a la Dr. Knabelari.

    Gauck hat die Inquisition industrialisiert und nun erwartet dieser machtgeile, narzistische Schwarzkittel den Dank für seine Anbiederung. In der DDR hat das mit dem Anbiedern ja auch funktioniert. Nun haben wir aber andere Zeiten und selbst Pfarrer sind in ihrem Konsumverhalten anspruchsvoller geworden. Für einen VW-Transporter ist er nicht mehr zu haben. Also, warum nicht den Posten als Grüßaugust der Nation.

    Eines schönen Tages aber wird dieser scheinheilige Christ schließlich in die Hölle fahren und seine Strafe wird das Zusammensetzen der immer wieder neu zerissenen „Stasiakten“ sein. Laßt uns dafür beten, Brüder und Schwestern! Amen!

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  2. Danke, Inson, für den Kommentar! Ein Nazireich mit über 50 Millionen Toten hat dem deutschen Volk offenbar nicht gereicht?! Nur weiter so, und Helm ab zum Gebet! Protest? Fehlanzeige! Die Faschingszeit ist für solche unheilvollen Verheißungen gut gewählt: da nimmt man alles nicht so ernst! Doch Friedrich Engels sagte:
    „…der Henker steht vor der Türe.“

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  3. Ja, diese Lernresistenz ist schon beängstigend. Und das scheint eine lange Tradition zu haben. Darüber hat sich schon Heinrich Heine gesorgt und auf seine Art lustig gemacht.

    1649-1793-????

    Die Briten zeigten sich sehr rüde
    Und ungeschliffen als Regizide.
    Schlaflos hat König Karl verbracht
    In Whitehall seine letzte Nacht.
    Vor seinem Fenster sang der Spott
    Und ward gehämmert an seinem Schafott.

    Viel höflicher nicht die Franzosen waren.
    In einem Fiaker haben diese
    Den Ludwig Capet zum Richtplatz gefahren;
    Sie gaben ihm keine Calèche de Remise,
    Wie nach der alten Etikette
    Der Majestät gebühret hätte.

    Noch schlimmer ergings der Marie Antoinette,
    Denn sie bekam nur eine Charrette;
    Statt Chambellan und Dame d’atour
    Ein Sansculotte mit ihr fuhr.
    Die Witwe Capet hob höhnisch und schnippe
    Die dicke habsburgische Unterlippe.

    Franzosen und Briten sind von Natur
    Ganz ohne Gemüt; Gemüt hat nur
    Der Deutsche, er wird gemütlich bleiben
    Sogar im terroristischen Treiben.
    Der Deutsche wird die Majestät
    Behandeln stets mit Pietät.
    In einer sechsspännigen Hofkarosse,
    Schwarz panaschiert und beflort die Rosse,
    Hoch auf dem Bock mit der Trauerpeitsche
    Der weinende Kutscher – so wird der deutsche
    Monarch einst nach dem Richtplatz kutschiert
    Und untertänigst guillotiniert.

    Heinrich Heine

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  4. Der Wulff mußte nicht gehen, weil er sich Vorteile verschaffen ließ und gern annahm, was man ihm darbot. Da müßte ja beinahe jeder Politiker seinen Stuhl räumen. Die Wulff-Sache war von langer Hand vorbereitet, um endlich in Deutschland den entscheidenden „Rechts-Ruck“ vollziehen zu können. Der wurde jetzt mit Gauck vollzogen. Habt Ihr das Foto in der [size=150]jw[/size] gesehen, wo Gauck mit Maschmeier und seiner Holden posiert? Widerlich! Da stehen knallharte ultrarechte wirtschaftliche Interessen im Vordergrund – und Gauck ist dafür der richtige Mann. Gauck ist das, was im „Untertan“ beschrieben ist: nach unten treten und nach oben dienen. Wenn er selbst aber oben ist, wem dient er sich dann noch an? Dann wird er nur noch treten….

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