Über das Kommunistische Manifest

Wozu sind Biographien gut?

Wenn man die 1984 in der DDR erschienene Biographie von Friedrich Engels liest, so kommt man nicht umhin, den Namen von Karl Marx damit in Verbindung zu bringen, und man kann eine Menge daraus lernen. Die Freundschaft dieser beiden Vorkämpfer für eine gerechte, menschliche Gesellschaft und für ein menschenwürdiges Leben aller ihrer Mitglieder bestand keineswegs nur in ihrer gewaltigen wissenschaftlichen und politischen Leistung, ohne die eine Zukunft der Menschheit heute nicht mehr vorstellbar ist, sondern sie war zugleich auch eine tiefe und herzliche Beziehung zweier Kampfgefährten, die sich aufeinander verlassen konnten und die sich gegenseitig ergänzten. Aus heutiger Sicht bestätigt sich immer mehr, wie richtig die wissenschaftlichen Einschätzungen sind, die erstmals in dieser Form im „Kommunistischen Manifest“ niedergeschrieben wurden. In der Biographie lesen wir:

Das „Kommunistische Manifest“ war die erste für die Öffentlichkeit bestimmte wissenschaftliche Gesellschaftsprognose, und zwar sowohl für die Entwicklung des Klassenkampfes im Kapitalismus wie für die sozialistische Gesellschaft. Das „Manifest“ zeigte den Weg zur Überwindung des menschenfeindlichen kapitalistischen Systems und skizzierte in den Umrissen nicht nur die sozialistische Ordnung, sondern auch die Hauptbedingungen für ihre Verwirklichung. Seit der Niederschrift des „Manifestes“ sind mehr als hundert Jahre vergangen. In dieser Zeit wurde die Richtigkeit der hier entworfenen Gesellschaftsprognose überzeugend bewiesen. In ihren Grundzügen sind die von Marx und Engels vorgezeichneten Etappen des Umwälzungsprozesses vom Kapitalismus zum Sozialismus in allen Ländern durchlaufen worden, in denen die Arbeiterklasse die Macht erobert hat und den Sozialismus und Kommunismus aufbaut.

Kommentar: Mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution (1917) hatte erstmals in einem Land der Erde der Sozialismus gesiegt. Die Arbeiterklasse hatte die Macht erobert. Schrittweise wurden sozialistische Produktionsverhältnisse eingeführt, und es wurde die Diktatur des Proletariats errichtet, um eine Umkehr dieser fortschrittlichen Entwicklung zu verhindern. Natürlich hat das den bisherigen Ausbeutern nicht gepaßt.

Marx und Engels erbrachten den Nachweis, daß – wie der Kapitalismus den Feudalismus – auch der Sozialismus den Kapitalismus mit geschichtlicher Notwendigkeit ablösen wird. Sie charakterisierten das Wesen der kapitalistischen Lohnsklaverei und erläuterten, warum mit der kapitalistischen Industrie zwangsläufig das Proletariat wachsen und sich der Gegensatz zwischen diesen beiden Hauptklassen der bürgerlichen Gesellschaft und der Klassenkampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie verschärfen muß. Die Entwicklung des Klassenkampfes führt dazu, daß sich der innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft mehr oder minder versteckt vor sich gehende Bürgerkrieg zu einer offenen Revolution entwickelt.

Kommentar: Nach der Revolution verschärfte sich der Klassenkampf. Darauf hatte Stalin immer wieder hingewiesen, als er zu erhöhter revolutionärer Wachsamkeit mahnte. Nicht nur in der Sowjetunion, auch in der DDR wurden Sabotageakte verübt, wertvolles Material oder Maschinen gestohlen, Dokumente geklaut und Anlagen zerstört. Eine Revolution ist eben nur dann etwas wert, wenn sie sich auch zu verteidigen versteht.

Das „Manifest“ machte der Arbeiterklasse ihre Aufgabe deutlich, sich zum revolutionären Kampf gegen das Kapital zusammenzuschließen und die Bourgeoisie zu stürzen. Es zeigte, mit welchen Mitteln und auf welchem Wege die Arbeiterklasse ihre eigene Herrschaft begründen und die sozialistische und kommunistische Gesellschaft errichten muß. „Das Wichtigste in der Marxschen Lehre“, schrieb W.I. Lenin, „ist die Klarstellung der weltgeschichtlichen Rolle des Proletariats als des Schöpfers der sozialistischen Gesellschaft.“ [1] Im „Manifest“ wiesen Marx und Engels auch bereit darauf hin, daß die Arbeiterklasse, indem sie sich selbst befreit, die Voraussetzungen schafft, jegliche Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu beseitigen, jegliche Klassenherrschaft abzuschaffen, jegliche Unterdrückung für immer zu überwinden, und daß damit erst die eigentliche Geschichte der Menschheit beginnt.

Kommentar: Warum ausgerechnet das Proletariat die führende Rolle in diesem revolutionären Prozeß hat, hat auch Lenin hier ausführlich bewiesen. Keine Klasse der menschlichen Gesellschaft ist mehr von der Ausbeutung betroffen als die Arbeiterklasse. Sie kann allerdings erst dann zu einer revolutionären Kraft werden, wenn sie sich dieser Ausbeutung durch die Klasse der Bourgeoisie bewußt widersetzt.

Der „erste Schritt in der Arbeiterrevolution“ ist „die Erhebung des Proletariats zur herrschenden Klasse“ [2], die Eroberung der politischen Macht, erklärte das „Manifest“. Das ist ein zutiefst demokratischer Akt, denn er bedeutet die Herrschaft der Masse des werktätigen Volkes über die Minderheit der Ausbeuter. Die Arbeiterklasse muß die Staatsmacht dazu benutzen, der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, „alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staats, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats, zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte möglichst rasch zu vermehren“ [3]. Es ist Aufgabe des sozialistischen Staates, den ökonomischen Maßnahmen größte Aufmerksamkeit zu schenken und die Produktion in der Industrie wie in der Landwirtschaft planmäßig zu vergrößern.

Kommentar: Um es noch einmal hervorzuheben – die Eroberung der Macht ist ein zutiefst demokratischer Prozeß! Und der Staat (als Machtinstrument der herrschenden Klasse, i.d.F. des Proletariats) hat die Aufgabe, das Kapital, insbesondere die Produktionsmittel, in den Händen der Arbeiterklasse möglichst rasch zu vermehren. Denn die Arbeitsproduktivität ist das letztlich Entscheidende für den Sieg der neuen Gesellschaftsordnung!

Im „Kommunistischen Manifest“ haben Marx und Engels auch ihre Vorstellungen über Aufgaben und Weg der revolutionären proletarischen Partei dargelegt. Ohne die Partei der Arbeiterklasse, so hatten sie erkannt, kann es weder einen Erfolg im Kampf um den Sturz der Bourgeoisie und die Eroberung der politischen Macht des Proletariats noch einen erfolgreichen Aufbau des Sozialismus geben. Die Partei ist selbst Teil der Arbeiterklasse, und die Kommunisten haben „keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen“ [4]. Die Partei vereint in ihren Reihen die besten Kräfte und Eigenschaften der Arbeiterklasse. Sie ist der organisierte und bewußte Vortrupp der proletarischen Massen. Ihre Aufgaben kann die revolutionäre Arbeiterpartei nur erfüllen, weil sie mit einer wissenschaftlichen Theorie ausgerüstet ist, weil sie, wie es im „Manifest“ heißt, „theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus“ [5] hat.

Kommentar: …und damit ist auch die führende Rolle der Partei der Arbeiterklasse, der Kommunistischen Partei, ausreichend beschrieben. (Wobei man natürlich heute vor der Schwierigkeit steht herauszufinden, welches wirklich eine Kommunistische Partei ist, und was nur eine billige Fälschung. Wie überhaupt das Mittel der Fälschung eines der beliebtesten Betrugsmanöver der Bourgeoisie ist.)

Die Wortführer des Imperialismus und des modernen Revisionismus richten ihre antisozialistische Propaganda vor allem gegen die schon im „Kommunistischen Manifest“ entwickelten Prinzipien von der Rolle der Arbeiterklasse, ihrer Partei und der sozialistischen Staatsmacht und sprechen der Arbeiterklasse die Fähigkeit ab, die moderne Gesellschaft zu leiten. Doch die Entwicklung der Länder des sozialistischen Weltsystems zeugt davon, daß die Arbeiterklasse als führende Kraft der Gesellschaft sehr wohl befähigt ist, an der Spitze und im Bündnis mit den anderen Teilen des werktätigen Volkes die neue Welt des Sozialismus und des Kommunismus zu gestalten. Und die erfolgreiche Lösung auch der kompliziertesten Aufgaben beim Aufbau des Sozialismus unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution und angesichts eines starken imperialistischen Gegners beweist: Die von Ausbeutung und Unterdrückung befreite Arbeiterklasse verfügt über unerschöpfliche Potenzen und ist zur Hauptkraft der Entwicklung der menschlichen Gesellschaft geworden.

Kommentar: Daß die Arbeiterklasse dazu befähigt ist, hat die Geschichte mehrfach gezeigt. In der Sowjetunion wurde unter der Führung der Allunions-KP( B ), mit J.W.Stalin an der Spitze, in erstaunlich kurzer Zeit ein mächtiger sozialistischer Staat geschaffen, der allen Angriffen von innen und außen trotzte, und der sogar das übermächtige faschistische Deutschland bezwang, das 1941 wortbrüchig die Sowjetunion überfallen hatte. Der Sieg der Sowjetunion im Großen Vaterländischen Krieg war ein überwältigender Beweis für die Stärke und Lebenskraft des Sozialismus. Auch die DDR und die anderen sozialistischen Staaten konnten bis zur offenen Konterrevolution 1989 allen feindlichen Angriffen widerstehen.

Die Gegner der sozialistischen Revolution erklären, die revolutionäre Partei der Arbeiterklasse sei überflüssig für die sozialistische Bewegung und den Sozialismus. Sie stellen Sozialismus und Partei der Arbeiterklasse einander gegenüber und entdecken ihr Herz für den Sozialismus, sofern er nur ohne die Partei existieren würde. Sozialismus und Partei der Arbeiterklasse aber sind untrennbar, und niemals waren die Führungsaufgaben der Partei der Arbeiterklasse so groß wie bei der Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft.

Kommentar: Eine revolutionäre Partei ist überflüssig? Das ist geradezu lächerlich. Wir wissen natürlich heute auch, daß sich immer wieder auch Karrieristen, Speichellecker und andere zwielichtige Gestalten in die Reihen der Partei der Arbeiterklasse einschleichen konnten. Viele Jahre lang mußten sich die Kommunisten in der Sowjetunion mit den feindlichen Auffassungen und Aktivitäten Trotzkis und seiner Gefolgsleute auseinandersetzen. Das ist auch heute nicht anders.

Auch dem Versuch, zwischen sozialistischem Staat und sozialistischer Gesellschaft einen Gegensatz zu konstruieren und die Funktion des Staates herabzumindern, sind Marx und Engels im Grunde schon im „Manifest der Kommunistischen Partei“ entgegengetreten. Das „Manifest“ ist der Ausgangspunkt der sozialistischen Staatstheorie. In ihm haben Marx und Engels die zentralisierende, planende und regulierende Funktion des sozialistischen Staates umrissen. Im sozialistischen Staat sahen sie das wichtigste Instrument und die entscheidende politische Organisationsform der sozialistischen Gesellschaft.

Kommentar: Wir sehen also, daß das „Manifest der Kommunistischen Partei“ auch heute noch seine Gültigkeit besitzt. Ohne den Machtappart des sozialistischen Staates wird es auch in Zukunft unmöglich sein, das kapitalistische Chaos, die Anarchie der Produktion, die immer schärfer werdende Ausbeutung, die Verarmung großer Volksmassen und die Zerstörung der Umwelt zu überwinden.

Große Aktualität haben auch jene Abschnitte des „Manifestes“, in denen sich Marx und Engels mit den damals in Umlauf befindlichen falschen Vorstellungen vom Sozialismus auseinandersetzten. Fast ein ganzes Kapitel widmeten sie jenen Ideologien, die das Proletariat durch die Konstruktion unwissenschaftlicher, angeblich sozialistischer Theorien von der Erkenntnis seiner tatsächlichen Stellung und der Verwirklichung seiner geschichtlichen Aufgabe abhalten wollten. Scharfsinnig zergliederten Marx und Engels diese Literatur und zeigten, daß sich hinter dem Aushängeschild der verschiedenartigen scheinsozialistischen Systeme nur verschiedene Spielarten der bürgerlichen Ideologie verbargen, die es zu bekämpfen galt.

Kommentar: Dies wurde bereits 1984 (!) geschrieben, doch wir sehen, daß es auch heute noch eine Vielzahl irritierender und demagogischer Theorien gibt, mit denen sich die Kommunisten wohl oder übel auseinandersetzen müssen. Darunter auch solche, die von scheinbar „kommunistischen“ Gruppierungen stammen, und die nichts anderes im Schilde führen, als den Marxismus/Leninismus zu „erneuern“ oder gar zu „widerlegen“, was aber müßig ist. Denn der Marxismus/Leninismus ist kein Dogma, sondern die wissenschaftliche Weltanschauung der Arbeiterklasse. Der Kommunismus ist demnach nichts anderes als die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen unhaltbaren Zustand aufhebt.

Mit der politischen und ökonomischen Umwälzung müssen, so lehrt das „Manifest der Kommunistischen Partei“, revolutionäre Veränderungen im geistig-kulturellen und ideologischen Leben der Gesellschaft einhergehen. Die Arbeiterklasse wird nach ihrem Sieg das Bildungsprivileg der herrschenden Klasse beseitigen und die Erziehung der Kinder mit der Tätigkeit in der gesellschaftlichen Produktion verbinden. So, wie die sozialistische Revolution mit den alten Eigentumsverhältnissen brechen wird, so werden die überlieferten Ideen der alten Klassengesellschaft überwunden werden. Die sozialistische Ideologie wird zur herrschenden, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringenden Weltanschauung.

Kommentar: Wer die DDR bewußt miterlebt hat, wer also in der DDR aufgewachsen ist, der kann das bestätigen: Er herrschte ein anderer Umgang der Menschen miteinander. Man konnte auch nachts durch den Park gehen, ohne befürchten zu müssen, überfallen zu werden. Es gab neben all den sozialen Errungenschaften der DDR (wie: absolut keine Arbeitslosigkeit, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, kostenlose medizinische Betreuung, für jeden bezahlbaren Wohnraum, ein kinderfreundliches Land, keine Armut usw.) immerhin ein gesichertes Dasein für alle Bürger dieses Landes! Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen, hieß es. Auch wenn es in der DDR zur Genüge Leute gab, denen man die Arbeit hinterhertragen mußte…

Wenn die Partei der Arbeiterklasse das Proletariat erfolgreich zum Sozialismus führen will, lehrt das „Manifest“, darf sie sich niemals sektiererisch abkapseln, sondern muß eng mit den Massen verbunden sein, sich auf sie stützen und aus ihren Erfahrungen lernen. Die Arbeiterklasse kann nicht siegen, wenn sie allein auf sich gestellt ist. Sie braucht Bundesgenossen, und das sind die anderen werktätigen Klassen und Schichten. Das Bündnis schließt aber die ständige Auseinandersetzung der Partei der Arbeiterklasse mit der bürgerlichen Ideologie und ihren Einflüssen nicht aus, sondern erfordert sie gerade.

Kommentar: Die SED verlor schließlich mehr und mehr die Verbindung zum Volk. Das war nicht zuletzt eine Folge des eingeschleppten Virus des Revisionimus, der nach dem berüchtigten XX.Parteitag der KPdSU auch andere sozialistische Länder befiel. Die SED verstand es nicht, sich mit derart sozialismusfeindlichen und revisionistischen Auffassungen hinreichend auseinanderzusetzen, und sie verlor ihre führende Rolle. Das war nicht nur eine Folge des nach 1945 einsetzenden Kalten Krieges, sondern auch das Ergebnis der gezielten Einwirkung antikommunistischer Diversion und Propaganda. Es war die Folge nachlassender revolutionärer Wachsamkeit und fehlender Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Ideologie und mit den Gegnern des sozialistischen Staates.

Mit der Eroberung der Macht durch die Arbeiter und Werktätigen, so sagten Marx und Engels im „Kommunistischen Manifest“ voraus, beginnt ein neues Zeitalter für die Entwicklung der Völker. Die Arbeiterklasse übernimmt die Führung der Nation und gibt ihr eine völlig andersgeartete Perspektive. In einer sozialistischen Welt wird es keine blutigen Kriege mehr zwischen den Staaten geben. Verschwindet die Ursache der sozialen und politischen Klassenkämpfe im Innern der Staaten, nämlich das Privateigentum an den Produktionsmitteln, so verschwindet auch der Drang nach seiner Vermehrung auf Kosten anderer Staaten und Nationen. Marx und Engels wiesen nach, daß die gleiche Lage der Arbeiter er Länder und die sich daraus ergebenden gemeinsamen Interessen und Ziele gemeinsames Handeln und internationale Solidarität erfordern. Im „Manifest“ wurde daher erklärt, daß die Kommunisten „in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen“ [6] müssen. Marx und Engels betonten die Notwendigkeit, die Aufgaben des Proletariats eines jeden einzelnen Landes mit den allgemeinen Zielen der internationalen Arbeiterbewegung in Übereinstimmung zu bringen.

Kommentar: …damit erst einmal genug. Man kann das alles in besagter Engels-Biographie nachlesen und sich selber eine Meinung bilden. Jedenfalls wissen wir, daß die Praxis das einzige und ausschlaggebende Kriterium der Theorie ist; und es hat sich in den letzten 20 Jahren oft genug gezeigt, daß das im Staatsbürgerkundeunterricht der DDR vermittelte Wissen durch ebendiese Praxis, wie wir sie heute erleben, bestätigt wird.

[1] W.I.Lenin: Die historischen Schicksale der Lehre von Karl Marx. In: W.I.Lenin, Werke Bd.18, S.576.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: MEW, Bd.4, S.481.
[3] Ebenda.
[4] Ebenda, S.474.
[5] Ebenda.
[6] Ebenda.

Quelle:
Friedrich Engels, Eine Biographie, Dietz Verlag Berlin (DDR), 157-162.
(gelesen und mit Kommentaren versehen von mir: N.G.)

Friedrich Engels – Über die revolutionäre Arbeitereinheit

Ohne die Kenntnis einer wissenschaftlichen Weltanschauung (d.h. ohne Marxismus-Leninismus) ist es unmöglich, den Kapitalismus in seiner höchsten und letzten Stufe zu überwinden. Und das wird keineswegs im Selbstlauf geschehen. Darüber gibt es in der Biografie von Friedrich Engels einiges nachzulesen, was auch heute noch aktuell ist, da wir in der gesellschaftlichen Entwicklung nach dem Ende des Sozialismus auf deutschem Boden, nach der offenen Konterrevolution von 1989, um gute 100 Jahre zurückgefallen sind. Der Sozialismus war bei allen Problemen und Widersprüchen die bisher fortschrittlichste Gesellschaftsformation der Geschichte, da sich die entscheidenden Produktionsmittel, die Betriebe und Maschinen, die Banken, Immobilien, Wälder, Seen, Grund und Boden in den Händen der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauern befanden.
So war es jedenfalls in der DDR…
Biografie Engels
Da lesen wir also folgendes:

Über die Aneigung des wissenschaftlichen Kommunismus

Engels verstand es wie kein anderer außer Marx, die Eisenacher zur Aneignung des wissenschaftlichen Kommunismus anzuspornen „Es wird namentlich die Pflicht der Führer sein, (…) sich mehr und mehr von dem Einfluß überkommener, der alten Weltanschauung angehöriger Phrasen zu befreien und stets im Auge zu behalten, daß der Sozialismus, seitdem er eine Wissenschaft geworden auch wie eine Wissenschaft betrieben, d.h. studiert werden will“ [1], erklärte er und leistete selbst einen entscheidenden Beitrag zur Verbreitung des wissenschaftlichen Kommunismus in den Reihen der Eisenacher Partei. (…)

Friedrich Engels war ein glänzender Publizist

Seine Mitarbeit am „Volksstaat“ machte die Zeitung für die damalige Zeit zu einem der besten Presseorgane nicht nur Deutschlands, sondern der gesamten internationalen Arbeiterbewegung. (…) Er versorgte die Zeitung mit einer Reihe glänzender publizistischer Arbeiten, die sich durch eine teils mit überlegenem Humor, teils mit bissiger Ironie geführte Polemik gegen die der Arbeiterklasse feindlichen Auffassungen auszeichneten. Für die Partei waren diese Beiträge Engels’ sowohl in ihrem Kampf gegen die Ideologie des reaktionären Preußentums als auch gegen den Lassalleanismus, gegen den Vulgärdemokratismus und alle anderen Spielarten bürgerlicher wie kleinbürgerlicher Ideologie von unschätzbarem Wert. Sie waren um so bedeutungsvoller, als seit der Pariser Kommune die herrschenden Klassen in der geistigen Auseinandersetzung ihre Anstrengungen verstärkten, um einen ideologischen Einbruch in die sich formierenden Arbeiterparteien zu erzielen. Unfähig, die fortschreitende Vereinigung des wissenschaftlichen Kommunismus mit der Arbeiterbewegung zu verhindern, traten die bürgerlichen Ideologen als Apologeten der bestehenden Zustände auf und wurden so zu aktiven Propagandisten des Nationalismus und Chauvinismus. Der Antisozialismus nahm organisierte Formen an, die Bekämpfung des wissenschaftlichen Kommunismus wurde zu einem Wesenszug der bürgerlichen Ideologie.

Polemik gegen die bürgerlichen Sozialreformer

Engels’ außerordentliche Fähigkeit, die Polemik mit der Darstellung seines eigenen Standpunktes, die Klärung aktueller Fragen des Klassenkampfes mit der Erläuterung der Grundsätze des wissenschaftlichen Kommunismus zu verbinden, zeigte sich erneut in seiner Artikelserie „Zur Wohnungsfrage“, die vom Sommer 1872 bis zum Frühjahr 1873 im „Volksstaat“ erschien. Engels griff damit in eine Diskussion ein, die damals in der Presse und auf Versammlungen eine große Rolle spielte. Im Gefolge des sprunghaften Aufschwungs der Industrie und der damit verbundenen Zusammenballung des Proletariats in den industriellen Zentren hatte das Wohnungselend der Arbeiterklasse Anfang der siebziger Jahre in Deutschland katastrophale Ausmaße angenommen. In dieser Situation traten Sozialreformer, die sogenannten Kathedersozialisten – eine Gruppe von bürgerlichen Professoren – auf und propagierten verschiedenartige Projekte zur angeblichen Lösung der Wohnungsfrage wie überhaupt der sogenannten Arbeiterfrage. Doch alle diese Projekte ließen samt und sonders das kapitalistische Eigentum und die bürgerliche Gesellschaftsordnung unangetastet.

Engels erkannte sofort, daß der Gegner bekämpft werden muß, ehe ihm auch nur der geringste Einbruch in die Reihen der Partei gelang.

In seiner Polemik mit den Vertretern des Proudhonismus der in den romanischen Ländern die Ausbreitung des Bakunismus gefördert hatte und sich mit den lassalleanischen Auffassungen in mancher Hinsicht berührte, stellte Engels fest, daß die Lehren sowohl Proudhons als auch Lassalles den praktischen Erfordernissen des revolutionären Klassenkampfes widersprachen. Um diese Behauptung zu beweisen, ging er ausführlich auf Marx’ ökonomisches Hauptwerk, auf das „Kapital“, ein. Er erläuterte die Grundgedanken dieser genialen Kritik an der kapitalistischen Produktion und machte den theoretischen Reichtum des „Kapitals“ für die unmittelbaren Bedürfnisse des politischen Kampfes der Arbeiterklasse nutzbar. Auf diese Weise trug er zur Verbreitung der Lehren des „Kapitals“ in Deutschland bei, als hier gerade die zweite Auflage erschien.

Engels entlarvte die Verschleierungstaktiken der Bourgeoisie…

Am Beispiel der Wohnungsfrage demonstrierte Engels, daß jede einseitige Hervorkehrung und Verabsolutierung einzelner soziale Maßnahmen nur dazu führt, die Ausbeutung zu verschleiern. Eben das sei das Ziel jener bürgerlichen Sozialreformer, die sich in der Öffentlichkeit als Arbeiterfreunde gebärdeten. Engels’ Untersuchungen endeten mit dem Nachweis, daß die revolutionäre Klassenpolitik des Proletariats nicht durch eine Politik der Reformen ersetzt werden könne, denn „nicht die Lösung der Wohnungsfrage“, schrieb er, „löst zugleich die soziale Frage, sondern erst durch die Lösung der sozialen Frage, d.h. durch die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, wird zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich gemacht“ [3].

Notwendigkeit der Diktatur des Proletariats

Ausgehend von den Erfahrungen der Pariser Kommune, erläuterte Engels seinen Lesern die „Notwendigkeit der politischen Aktion des Proletariats und seiner Diktatur“ [4] – eine Erkenntnis, de Marx und er bereits im „Manifest der Kommunistischen Partei“ formuliert hatten. Für die Eisenacher Partei schlußfolgerte Engels aus den Erfahrungen der Kommunarden: „Da jede politische Partei darauf ausgeht, die Herrschaft im Staat zu erobern, so strebt deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei notwendig ihre Herrschaft, die Herrschaft der Arbeiterklasse, also eine Klassenherrschaft an.“ [5] Der erneute Hinweis, daß die Beseitigung der kapitalistischen Produktionsweise und der Aufbau des Sozialismus erst dann möglich sind, wenn die Arbeiterklasse im Staat die Macht in Form der Diktatur des Proletariats ausübt, war für die Ausarbeitung einer wissenschaftlichen Strategie und Taktik der deutschen Arbeiterpartei sehr wichtig.

Revolutionäre Arbeitereinheit nur auf Grundlage des wiss.Kommunismus

Wenige Monate, nachdem der letzte Artikel über die Wohnungsfrage im „Volksstaat“ erschienen war, entwickelte Engels in einem Brief an Bebel ausführlich seine Ansichten über die von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei gegenüber den Lassalleanern einzuschlagende Taktik. Engels trat ebenso wie Marx für eine Vereinigung der beiden Arbeiterorganisationen zu einer einheitlichen Partei ein. Doch stand für ihn fest, daß die revolutionäre Arbeitereinheit nur von Dauer sein konnte, wenn sie auf der Grundlage des wissenschaftlichen Kommunismus zustande kam. Als Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf der Eisenacher Partei um die revolutionäre Arbeitereinheit betrachtete Engels daher die Festigung ihrer eigenen Position in der Arbeiterklasse. Die Partei durfte deshalb ihre politische Aktivität nicht einseitig auf den lassalleanischen Arbeiterverein konzentrieren. Es kam vor allem darauf an, jetzt die Teile des Proletariats, die von der Arbeiterbewegung überhaupt noch nicht erfaßt waren, einzubeziehen.

Engels warnte vor der „Einheit um jeden Preis“

Eindringlich warnte Engels vor den „Einigungsfanatikern“. Am Beispiel der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung erläuterte er Bebel, daß eine Einheit um jeden Preis dem revolutionären Proletariat nur Schaden zufüge und daß es im politischen Kampf Situationen gebe, „wo man den Mut haben müsse, den augenblicklichen Erfolg wichtigeren Dingen zu opfern“ [6]. Engels’ Ratschläge gipfelten in der Feststellung: „Jedenfalls glaube ich, daß die tüchtigen Elemente unter den Lassalleanern Ihnen mit der Zeit von selbst zufallen werden und daß es deshalb unklug wäre, die Frucht vor der Reife zu brechen, wie die Einigungsleute wollen.“ [7].

Engels tat selbst, was er konnte, um die ideologischen und politischen Voraussetzungen für die Herstellung der revolutionären Arbeitereinheit zu schaffen.

[1] Friedrich Engels, Ergänzung zu „Der deutsche Bauernkrieg“. In: MEW, Bd.18, S.517.
[2] ders., Vorwort „Zur Wohnungsfrage“. In: MEW, Bd.18, S.64.
[3] ders., Zur Wohnungsfrage. In: MEW, Bd.18, S.243.
[4] ebd., S.266.
[5] ebd., S.267.
[6] Engels an Bebel, 20. Juni 1973. In: MEW, Bd. 33, S.590.
[7] ebd., S.591.

Quelle:
Autorenkolektiv: Friedrich Engels – Eine Biografie. Dietz Verlag, Berlin(DDR), 1984, S.420-424. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)