A.G.Grigorenko über Lenin’s Schrift „Was tun?“

GrigorenkoIm Jahre 1951 veröffentlichte die Sozialistische Einheitspartei (SED) einen interessanten Vortrag, den Genosse A.G.Grigorenko im Kulturplast des Moskauer Stalin-Autowerkes gehalten hatte. Darin befaßt er sich ausführlich mit der Bedeutung von Lenin’s Schrift „Was tun?“ für die Gegenwart. Der vorliegende Text wurde dem Stenogramm des öffentlichen Vortrages entnommen:

In dem großen ideologischen Erbe, das Wladimir Iljitsch Lenin hinterlassen hat, nimmt die Arbeit „Was tun?“ [1] einen hervorragenden Platz ein. Dieses Werk hat die Aufgaben und das Aktionsprogramm des Proletariats und seiner politischen Partei für eine ganze historische Epoche mit dem klaren Licht des wissenschaftlichen Sozialismus erleuchtet. Die in diesem Buch entwickelten theoretischen Leitsätze wurden zur Grundlage der Ideologie der bolschewistischen Partei. „Man kann mit Sicherheit sagen, daß noch niemals in der Geschichte auch nur eine einzige politische Gruppe so gründlich darauf vorbereitet war, sich als Partei zu formieren, wie die bolschewistische Gruppe.“ [2]

Unversöhnlich gegenüber Kapitulanten und Paktierern

Bei dieser Vorbereitungsarbeit hat das Werk „Was tun?“ neben solchen Werken von Lenin wie „Ein Schritt vorwärts, zwei Schritte zurück“, „Zwei Taktiken der Sozialdemokratie in der demokratischen Revolution“ und „Materialismus und Empiriokritizismus“ eine grundsätzliche und entscheidende Rolle gespielt. Dieses nach den Worten des Genossen Stalin „berühmte Buch“ war die ideologische Vorbereitung der Partei neuen Typus – der Partei, die frei vom Opportunismus, unversöhnlich gegenüber den Paktierern und Kapitulanten, revolutionär gegenüber der Bourgeoisie und ihrer Staatsmacht ist, der Partei, die fähig ist, die Arbeiterklasse in der sozialistischen Revolution, im Kampf um die Erringung der Diktatur des Proletariats und um die revolutionäre Umgestaltung des bürgerlich-feudalen Rußlands in ein sozialistisches Rußland zu führen. In der bekannten Arbeit „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“ [3], die zu den Hervorragenden Werken des bolschewistischen Gedankenguts gehört, tritt Genosse Stalin entschieden für die genialen Ideen Lenins ein, die in dem Werk „Was tun?“ dargelegt sind, und entwickelt sie weiter. Das Buch Lenins erschien im März 1902, in einer Periode, als sich das Zentrum der internationalen revolutionären Bewegung, wie Lenin vorausgesagt hatte, immer offensichtlicher aus Westeuropa nach Rußland verlagerte. ( … )

Mit Stalin gegen die Wirrköpfe und Spalter der Partei

Viele Anzeichen verkündeten schon damals den Anbruch einer neuen Periode, die zur „Festigung des kämpferischen Marxismus“ führen mußte. Im Kampf für die Liquidierung der dritten Periode und den schnelleren Anbruch einer neuen Periode spielte das klassische Werk Lenins „Was tun?“ eine gewaltige Rolle. Lenin kämpfte mit aller Leidenschaftlichkeit für die Schaffung einer politischen Kampfpartei, die fähig war, der Arbeiterklasse die Rolle des Führers, des Hegemons, in der herannahenden Revolution zu sichern und sie zum Sturz des Zaren, der Gutsbesitzer und der Kapitalisten zu führen. Gleichzeitig mit Lenin kämpfte Genosse Stalin in Transkaukasien für eine solche Partei. Die Schaffung der marxistischen Partei stieß auf gewaltige Schwierigkeiten. Die Partei mußte unter dem Feuer der grausamen Repressalien der Selbstherrschaft errichtet werden. In den Reihen der Partei selbst herrschten ideologischer Wirrwarr und organisatorische Zersplitterung*. Die Partei bestand aus zahlreichen, wenig miteinander verbundenen Zirkeln und Gruppen, die sich nur mit ihrer örtlichen praktischen Kleinarbeit beschäftigten. Um eine einheitliche zentralisierte Partei zu scharfen, mußte diese Rückständigkeit überwunden und die organisatorische und ideologische Einheit in den Reihen der Sozialdemokraten hergestellt werden. Dem standen jedoch die „legalen Marxisten“ und „Ökonomisten“ hindernd im Wege.

a) Die „legalen Marxisten“, diese zeitweiligen Mitläufer der Sozialdemokratie aus den Reihen der bürgerlichen Intelligenz, drapierten sich, als der Marxismus eine so gewaltige Verbreitung in Rußland fand, mit marxistischen Gewändern, um den Kampf gegen die Volkstümlerrichtung und das Banner des Marxismus zur Unterwerfung der Arbeiterbewegung unter die Interessen der Bourgeoisie auszunutzen. In Artikeln, die sie in den legalen Zeitungen und Zeitschriften drucken ließen (daher auch ihre Bezeichnung „legale Marxisten“), entstellten sie mit allen Mitteln den Marxismus und warfen das Wichtigste, die Lehre von der sozialistischen Revolution und der Diktatur des Proletariats, über Bord. Sie waren bestrebt, den Marxismus in eine für die Bourgeoisie gefahrlose Lehre zu verwandeln.

b) Die „Ökonomisten“, die ideologisch eng mit den „legalen Marxisten“ verbunden waren, behaupteten, die Hauptsache für die Arbeiterklasse sei nicht der allgemein politische Kampf gegen die zaristische Selbstherrschaft, sondern die Organisierung des wirtschaftlichen Kampfes gegen die Unternehmer und die zaristische Regierung. Den politischen Kampf hielten die „Ökonomisten“ für eine Angelegenheit der Bourgeoisie. Sie traten gegen die Schaffung einer selbständigen politischen Partei des Proletariats als der führenden Kraft der Arbeiterklasse auf. Das Hineintragen des sozialistischen Bewußtseins in die Arbeiterklasse, behaupteten die „Ökonomisten“, hemme nur die spontan wachsende Arbeiterbewegung.

Was sind die „brennende Fragen“ der kommunistischen Bewegung?

Um eine marxistische Partei zu schaffen, mußten vor allen Dingen die „Ökonomisten“, dieses Hauptnest des Opportunismus, ideologisch zerschlagen werden. Deswegen vertrat Lenin die Ansicht, daß zuerst, vor Einberufung des II. Parteitags, die Frage der Ziele und Aufgaben der Partei gelöst werden müsse, daß man sich erst von den „Ökonomisten“ ideologisch abgrenzen müsse. „Bevor man sich vereinigt und um sich zu vereinigen“, schrieb Lenin schon im Herbst des Jahres 1900, „muß man sich zuerst entschieden und bestimmt voneinander abgrenzen.“ [4] Ein besonderer Platz im Kampf für die Vorbereitung der marxistischen Partei in Rußland gebührt dem Buch „Was tun?“. Den Titel dieses Buches versah Lenin mit dem Untertitel „Brennende Fragen unserer Bewegung“. Und wirklich, dieses Buch beantwortete alle wesentlichen Fragen, die damals vor der revolutionären Sozialdemokratie standen.

Lenin entlarvt die Abweichungen vom Marxismus

Im ersten Kapitel „Dogmatismus und ‚Freiheit der Kritik’“ entlarvt Lenin die von den Opportunisten proklamierte Losung der „Freiheit der Kritik“ und zeigt, daß mit dieser Losung die westeuropäischen Revisionisten und ihre russischen Gesinnungsgenossen, die „Ökonomisten“, ihre bürgerliche Kritik an allen Grundsätzen des Marxismus zu verschleiern suchen.

(1) Lenin tritt für die marxistische Lehre ein, entwickelt sie weiter und zeigt in genialer Weise die Bedeutung der fortschrittlichen revolutionären Theorie für den Kampf der Arbeiterklasse um den Sozialismus auf. Im zweiten Kapitel „Spontaneität der Massen und Bewußtheit der Sozialdemokratie“ wird die Anbetung der Spontaneität durch die „Ökonomisten“ aufgedeckt und die
(2) Notwendigkeit des Hineintragens des sozialistischen Bewußtseins in die spontane Arbeiterbewegung meisterhaft begründet. Im dritten Kapitel „Tradeuniomstische und sozialdemokratische Politik“ entlarvt Lenin die opportunistische Politik der „Ökonomisten“ und arbeitet
(3) die politischen Aufgaben der proletarischen Partei in Rußland heraus. Das vierte und fünfte Kapitel, „Die Handwerklerei der Ökonomisten und die Organisation der Revolutionäre“ und „Plan einer gesamtrussischen politischen Zeitung“, stellen
(4) die organisatorischen Aufgaben der marxistischen Partei in Rußland und entwerfen den Plan des Aufbaus dieser Partei.

Man muß Lenin studieren – auch heute noch!

Dieses große Werk Lenins ist ein Musterbeispiel des schöpferischen Marxismus, der Einheit von revolutionärer Theorie und revolutionärer Praxis, der Leninschen Unversöhnlichkeit gegenüber dem Opportunismus, gegenüber allen Feinden der Arbeiterbewegung. In diesem Buch gab Lenin eine erschöpfende Antwort auf die brennenden Fragen der sozialdemokratischen Bewegung, bestimmte er den Typus, die Aufgaben und Perspektiven der Entwicklung der politischen Partei des Proletariats. In diesem Buch legte Lenin die ideologischen Quellen des Opportunismus bloß und zeigte die führende Rolle der revolutionären Theorie für den Klassenkampf des Proletariats auf. In ihm begründete er allseitig das Wesen der marxistischen Partei, die die Vereinigung der Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus verkörpert, und arbeitete er genial die ideologischen Grundlagen der politischen Partei des Proletariats heraus. ( … )
Zitat1
Hinweis auf den revisionistischen Kurs der kriminellen Tito-Clique…(S.18)

„Man sagt“, schrieb Genosse Stalin, als er die Leninschen Ideen entwickelte, „daß die Arbeiterklasse in einigen Ländern selbst eine sozialistische Ideologie (den wissenschaftlichen Sozialismus) herausgearbeitet habe und sie auch in den übrigen Ländern herausarbeiten werde, weshalb es ganz überflüssig sei, sozialistisches Bewußtsein in die Arbeiterbewegung von außen hineinzutragen. Das ist jedoch ein schwerer Irrtum. Um den wissenschaftlichen Sozialismus herauszuarbeiten, muß man an der Spitze der Wissenschaft stehen, muß man mit wissenschaftlichen Kenntnissen gewappnet sein und es verstehen, die Gesetze der historischen Entwicklung eingehend zu erforschen. Die Arbeiterklasse aber, solange sie Arbeiterklasse bleibt, ist außerstande, an die Spitze der Wissenschaft zu treten, sie vorwärtszubringen und die historischen Gesetze wissenschaftlich zu erforschen: sie hat hierfür weder Zeit noch Mittel.“ [5]

Vorsicht vor dem Gift der bürgerlichen Ideologie!

Das bedeutet natürlich nicht, daß die Arbeiter an der Herausarbeitung des sozialistischen Bewußtseins nicht teilnehmen. Aber sie nehmen daran nicht als Arbeiter teil, sondern als Theoretiker des Sozialismus, sie nehmen nur dann und soweit daran teil, sagte Lenin, als es ihnen gelingt, sich das Wissen ihrer Zeit anzueignen und dieses Wissen zu bereichern. Die Arbeiterklasse, sagte Lenin, fühlt sich spontan zum Sozialismus hingezogen, denn die sozialistische Theorie zeigt tiefgehend und richtig die Ursachen des Elends der Arbeiterklasse auf und weist den Weg zu ihrer Befreiung von der kapitalistischen Sklaverei. Deswegen erfassen die Arbeiter die Theorie so leicht. Aber „die am weitesten verbreitete (und in den mannigfaltigsten Formen ständig wiederauferstehende) bürgerliche Ideologie drängt sich“ – in der kapitalistischen Gesellschaft – „trotzdem spontan dem Arbeiter am meisten auf“ [6].

Und Lenin zieht die Schlußfolgerung, daß der Sozialismus nur dann zu einer scharfen Waffe werden kann, wenn er mit der Arbeiterbewegung vereinigt wird. Dieser Leninsche Grundsatz wurde von Genossen Stalin mit außerordentlicher Kraft vertreten und entwickelt.

„Was ist wissenschaftlicher Sozialismus ohne Arbeiterbewegung?“, schrieb Genosse Stalin. „Ein Kompaß, der, macht man von ihm keinen Gebrauch, nur verrosten kann, und dann müßte er über Bord geworfen werden. Was ist Arbeiterbewegung ohne Sozialismus? Ein Schiff ohne Kompaß, das auch so am anderen Ufer landen wird, das jedoch, wenn es einen Kompaß hat, das Ufer bedeutend schneller erreichen und weniger Gefahren ausgesetzt sein würde. Vereinigt beides, und ihr erhaltet ein prächtiges Schiff, das direkt nach dem anderen Ufer steuert und den Hafen unbeschädigt erreicht. Vereinigt die Arbeiterbewegung mit dem Sozialismus, und ihr erhaltet die sozialdemokratische Bewegung, die auf direktem Wege dem ,gelobten Land’ entgegenstreben wird.“ [7]

Deswegen, fährt Genosse Stalin fort, ist es die Pflicht der Sozialdemokratie, in die spontane Bewegung der Arbeiter das sozialistische Bewußtsein hineinzutragen und die fortgeschrittenen Kräfte des Proletariats zu einer zentralisierten Partei zu vereinigen, stets an der Spitze der Bewegung zu marschieren und unermüdlich alle zu bekämpfen, die der Verwirklichung dieser Aufgabe hindernd im Wege stehen.

Zitate:
[1] W.I.Lenin, „Was tun? – Brennende Fragen unserer Bewegung“, in Ausgewählte Werke in zwei Bänden, Bd.I, Moskau 1946, S.175-324; Einzelausgabe Dietz Verlag, Berlin 1946, 3. Auflage 1950.
[2] „Geschichte der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (Bolschewiki), Kurzer Lehrgang“, Dietz Verlag, Berlin 1950, S.177; Ausgabe von 1945 S. 170.
[3] J.W.Stalin, „Kurze Darlegung der Meinungsverschiedenheiten in der Partei“, in: Werke, Bd.l, Dietz Verlag, Berlin 1950, S.77-112; Einzelausgabe 1950.
[4] „Geschichte der KPdSU( B ), Kurzer Lehrgang“, S.42; Ausgabe von 1945 S.39.
[5] J.W.Stalin, „Kurze Darlegung…“, in Werke, Bd.l, S.86; Einzelausgabe S.12.
[6] W.I.Lenin, „Was tun?“, in Ausgewählte Werk“, Bd.I, S.209; Einzelausgabe S.75.
[7] J. Stalin, „Kurze Darlegung…“, in Werke, Bd.I, S.88/89; Einzelausgabe S.15.

Quelle:
A.G. Grigorenko, Über das Werk W.I. Lenins „Was tun?“, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1951, S.5-28 (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Hinweis:
(Wenn hier von „Sozialdemokratie“ die Rede ist, dann ist die Sozialdemokratische Partei Rußlands SDAPR ( B ) gemeint, die später in Kommunistische Partei umbemannt wurde.)

Siehe dazu auch:
Gerd Höhne „Revolution am Bankkonto“.
Die faschistische Tito-Clique
L.Pribytkowa …und wieder mal über Stalin

* An solchen intellektuellen Wirrköpfen und Spaltern fehlt es auch heute nicht. Sie ziehen wunderbare „Lehren aus Niederlagen“ oder meinen gar, man müsse Konten plündern, Tankstellen boykottieren, Petitionen schreiben oder gleich eine neue vereinigte kommunistische Partei gründen, um den Kapitalismus lahmzulegen. Das ist ein Irrtum!

Lebensbedingungen im KZ Buchenwald

Im Jahre 1980 erschien in der DDR in der Reihe „WEIMAR – Tradition und Gegenwart“ das Heft 25 über die Lebensumstände der Häflinge im KZ Buchenwald während der Zeit der Nazidiktatur. Heute besitzt dieses Museum kaum noch einen informativen Charakter. So wurden kurz nach 1990 aus der ständigen Ausstellung dieser Gedenkstätte Exponate entfernt, die die Grausamkeit und Unmenschlichkeit der SS belegen, wie zum Beispiel die aus Menschenhaut gefertigten Lampenschirme. In dem Heft kann man einen kleinen Teil dieser Grausamkeiten nachlesen, die allerdings heute kaum mehr vorstellbar sind. „Eine wesentliche Rolle in der internationalen Lagerleitung spielten die Kommunisten. Die KPD war die einzige Partei in Deutschland, die ihren Kampf gegen den Faschismus konsequent auch im Konzentrationslager fortgesetzt hat…“ [1] Im folgenden nun einige Ausschnitte aus dieser Dokumentation:

In den Konzentrationslagern verwirklichten die Faschisten vor allem auch ihr Programm zur Ausrottung der jüdischen Bevölkerung. Im November 1938 waren über 10000 Juden nach Buchenwald verschleppt und in fünf Behelfsbaracken – es waren die primitivsten unter den primitiven – untergebracht worden. Verhaftete der Kristallnacht, Jünglinge, Männer und Greise wurden von der SS gepeinigt, ausgeraubt, das Minimum zum Lebensunterhalt wurde ihnen vorenthalten, viele zum Wahnsinn und Selbstmord getrieben oder von der SS ermordet. Von 12.250 Juden wurden in der Zeit vom November 1938 bis Februar 1939 allein 600 umgebracht. Einen Massenmord an 21 jüdischen Häftlingen beging die SS am 9. November. Sie trieb sie im Steinbruch in die SS-Postenkette der Lagerbewachung und erschoß sie. Nach dem faschistischen Überfall auf Polen wurden im Oktober 1939 auf dem Appellplatz fünf große Zelte, umgeben von einem doppelten, hohen Stacheldrahtzaun, aufgestellt. In wenigen Monaten starben in diesem Sonderlager von den darin gefangengehaltenen 5300 Polen 1650 an Hunger, Kälte und Seuchen. 123 Häftlinge, zu Heckenschützen deklariert, trieb man gleich Tieren in einen Stacheldrahtkäfig, den die SS zynisch Rosengarten nannte. Innerhalb von zwölf Tagen erfroren und verhungerten sie. Die Polen waren vom übrigen Lager streng isoliert, aber sie waren doch nicht vergessen. In brüderlicher Solidarität versuchten die Kameraden, ihnen ihr Los erträglicher zu gestalten, ihnen Nahrung zuzustecken. Einzelne von ihnen in Arbeitskommandos zu übernehmen. Im Frühjahr 1940 wurde das Sonderlager wegen einer Ruhrepidemie, bei deren Verbreitung die SS für ihr eigenes Leben fürchtete, aufgelöst und die noch Lebenden in das Große Lager überführt. Massenmorde eines unmenschlichen Systems und seiner vertierten Henker im KZ! Beispiele brüderlicher Solidarität und Kameradschaft der Häftlinge! [2]
Zeichnung Henri Pieck
„Singende Pferde“, Zeichnung von Henri Pieck

Alle Lebensäußerungen waren im KZ Buchenwald ständig durch ein straffes SS-Zwangssystem bedroht, das von der Amtsgruppe D des SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes als zentraler Instanz für sämtliche Konzentrationslager legalisiert wurde. Die SS-Lagerleitung bildete im Konzentrationslager ein engmaschiges Netz in der Ausübung ihrer terroristischen Herrschaft. Uneingeschränkt nach eigener Auslegung der Gesetze herrschte der Kommandant über das Lager. Karl Koch, sadistisch und grausam, wurde am 3. April 1945 im Gelände der Deutschen Ausrüstungswerke am Ort seiner eigenen Verbrechen von der SS hingerichtet wegen begangener Unterschlagungen, die zu Gegensätzen beitrugen, die innerhalb der SS-Führung bestanden haben. Sein Amtsnachfolger war seit September 1941 SS-Oberführer Hermann Pister. Er trug den neuen Kriegsaufgaben der Konzentrationslager durch die restlose Ausbeutung der Häftlinge konsequent Rechnung. Wegen begangener Verbrechen 1947 zum Tode verurteilt, starb er noch vor Vollstreckung des Urteils.

Die Durchführung der Kommandanturbefehle oblag der Adjutantur. Der Verwaltungsführer war für die wirtschafts- und verwaltungstechnischen Belange des gesamten Lagers verantwortlich. Den drei Schutzhaftlagerführern, die sich in der Ausübung des Dienstes abwechselten, unterstanden zwei Rapportführer und je ein Blockführer. Die Rapportführer stellten die Verbindung zwischen der Lagerführung und dem Lager her. Es war ihre Aufgabe, Meldungen des Appells über die Zahl der lebenden und toten Häftlinge aufzunehmen, Arbeitskolonnen beim Aus- und Einmarsch in das Lager zu überwachen und Strafmeldungen über Häftlinge entgegenzunehmen. Ihnen unterstanden die Blockführer, in der Mehrzahl gefühllose Schläger, die Tag und Nacht mit Schikanen und Mißhandlungen Kontrollen in den Häftlingsblocks ausüben konnten. Gegenüber dem Arbeitseinsatzführer, der der Kommandantur unterstand, war der Arbeitsdienstführer für die Einteilung und Stärke der Arbeitskommandos, für die auszuführenden Arbeiten und auch für die Überstellung von Häftlingen in Außenkommandos verantwortlich. Dem Arbeitsdienstführer unterstanden die Kommandoführer der einzelnen Arbeitskommandos, die den Blockführern gleichgestellt waren. Sie meldeten arbeitende Häftlinge aus geringen Anlässen zur Bestrafung und verursachten oft den Tod derer, die dem mordenden Arbeitstempo nicht gewachsen waren.
KZ-Häftlinge
Häftlinge in einer Baracke

Unabhängig von der Lagerleitung bestand die Gestapo in der Politischen Abteilung. Sie war für Einlieferung, Kategorisierung, — selten genug vorkommende — Entlassung und die damit verbundene Führung der Häftlingsakten verantwortlich und wegen der mit grausamen Methoden durchgeführten Verhöre berüchtigt. „Besonders schlimm ging es solchen Zugängen, die auf der Polizei ihren Schutzhaftbefehl nicht unterschrieben hatten, weil sie falsch angeschuldigt worden waren. Diese wurden in ein kleines Vernehmungszimmer geführt. Die anderen Häftlinge wurden weggeschickt, und innerhalb kurzer Zeit waren die Unterschriften geleistet. Die Häftlinge mußten dann allerdings öfter von uns ins Revier gebracht werden, da sie so mißhandelt worden waren, daß sie aus Nase, Mund und Ohren bluteten.“ (Gerhard Harig)

Die für die Konzentrationslager speziell ausgebildeten Wachmannschaften für Wachtürme, Postenkette und Bewachung der Arbeitskommandos gehörten der Waffen-SS an und unterstanden dem Truppenkommandanten. Sie übten außerhalb der Postenkette die Bewachung des Lagers mit auf Häftlinge dressierten Blut- und Wolfshunden aus.

Mit der Absetzung des Berufsverbrechers Henning als Lagerältester im Juni 1938 durch die SS — berüchtigt waren auch die Lagerältesten Richter und Wolff — wurde diese bedeutendste Lagerfunktion bis zur Selbstbefreiung überwiegend mit Antifaschisten besetzt. Dem I. Lagerältesten standen ein II. und später ein III. Lagerältester zur Seite. Persönllchkeiten wie Karl Barthel, Ernst Busse, Hans Eiden, Ernst Frommhold, Erich Reschke, Arthur Wyschka und andere übten diese Funktion als verantwortliche Häftlingsbeauftragte gegenüber der SS zum Nutzen des gesamten Lagers aus. Sie wurden dafür von der illegalen Lagerleitung vorgeschlagen und arbeiteten eng mit ihr zusammen. Die Lagerältesten konnten Kontrollen im Lagerbereich und in den Arbeitskommandos durchführen, sie leiteten den Aufmarsch zum Appellplatz, hielten Verbindung zu ausländischen Häftlingsgruppen und arbeiteten mit der Arbeitsstatistik und der Häftlingsschreibstube zusammen. Zur Durchführung ihrer Anweisungen unterstanden ihnen die vom Lagerführer bestätigten Blockältesten und Blockschreiber; der 1942 von der SS zugelassene Lagerschutz stand ihnen zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Sauberkeit zur Seite. Zwei bis drei Stubendienste führten die Anweisungen der Blockältesten in den Blocks aus. Die Arbeitsstatistik unterstand dem Arbeitseinsatzführer der SS. Nach dessen Anordnung führte sie den Arbeitseinsatz der Häftlinge durch. Sie erfaßte die Arbeitsleistung der Häftlinge und stellte auch Transporte für Außenkommandos zusammen. Die Häftlingsschreibstube war für die innere Verwaltung des Lagers, für die Führung der Häftlingskartei und die Aufteilung der Häftlinge auf die einzelnen Blocks verantwortlich. Sie nahm Neuzugänge und Abgänge auf und stellte die Zählappelle zusammen. Sowohl die Arbeitsstatistik als auch die Schreibstube nahmen im illegalen Widerstandskampf des Lagers eine bedeutende Position ein. Häftlinge verschiedener Nationen arbeiteten auch in diesen Arbeitskommandos nach den Prinzipien internationaler Solidarität zusammen.

Von Seiten der illegalen Lagerleitung und der Antifaschisten, die Lagerfunktionen bekleideten, wurde versucht, in ständigem, schwerem Kampf dem SS-Terror entgegenzuwirken und im Geiste des proletarischen Internationalismus Solidarität und Kampfkraft der Häftlinge für die Selbstbefreiung, für die Beseitigung des gemeinsamen Feindes und für die Befreiung der Völker zu stärken. Zuerst waren nur deutsche Häftlinge nach Buchenwald gebracht worden. Im September 1938 trafen mit einer Gruppe von Österreichern die ersten Ausländer ein. Nach dem Überfall auf andere Länder und deren Besetzung verschleppten die Faschisten ihre Gegner aus fast ganz Europa in die Konzentrationslager. 1944 waren Häftlinge von 32 Nationen in Buchenwald vertreten: Albanien, Ägypten, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Holland, Indonesien, Irland, Italien, Jugoslawien, Kanada, Luxemburg, Mexiko, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweiz, Sowjetunion, Spanien, Tschechoslowakei, Türkei, Ungarn und USA. Sie kamen nach Verhören, Folterungen in Gestapokellern, lebensbedrohenden Transporten in Viehwagen oder anderen menschenunwürdigen Transportmitteln nach Buchenwald, um durchs Tor geprügelt, hier die Fortsetzung der faschistischen Drangsalierung zu erleben. Brutale Gewalt verbannte sie in die Anonymität, löschte die Existenz ihrer Persönlichkeiten aus. Bei der Ankunft allen persönlichen Eigentums beraubt, lebten sie fortan als Nummern hinter Stacheldraht. Zuerst mit alten Uniformen bekleidet, mußten sie ab 1938 blau-grau-gestreifte Zebrakleidung, Drillichsachen im Sommer, aber oftmals nur Lumpen tragen, die keinen genügenden Schutz gegen Nässe und Kälte boten. Die ohnehin mangelhafte Bekleidung verschlechterte sich im Verlaufe des Krieges.

Aber die SS fand eine geeignete Lösung: Sie gab Zivilkleidung der in Auschwitz und anderen Vernichtungslagern vergasten Opfer zur Verteilung frei! Lederschuhe waren für Häftlinge ein seltener Luxus. Jacke und Hose mußten mit einer Markierung und Häftlingsnummer versehen sein. Die Markierung hatte die Form eines auf der Spitze stehenden Dreiecks (Winkel), an dessen Farbe man die Häftlingskategorie erkannte. Die Farbe der Winkel für politische Häftlinge war rot, für Asoziale, dazu wurden auch Zigeuner gerechnet, schwarz, für Berufsverbrecher grün, für Bibelforscher lila und für andere kleine Gruppen verschiedenfarbig. Nummer und Winkel mußten auf der linken Brustseite und der äußeren Seite des rechten Hosenbeins getragen werden. Juden waren durch einen zusätzlichen gelben Stern auf dem Winkel, Ausländer durch den Anfangsbuchstaben ihrer Nationalität auf dem Winkel, Häftlinge mit Fluchtversuch durch einen roten Punkt im weißen Feld, einer Zielscheibe, Häftlinge der Strafkompanie durch einen zusätzlichen Punkt unter dem Winkel und wiederholt sich im Konzentrationslager Befindende als Rückfällige mit einem Balken über dem Winkel gekennzeichnet. Auf die verteilte Zivilkleidung mußte mit Ölfarbe ein Streifen aufgemalt werden, der die Häftlingskategorie kennzeichnete. Unter den Häftlingen mit roten Winkeln befanden sich Menschen verschiedener politischer Richtungen: Es waren Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschaftler, parteilose Antifaschisten, Christen beider Konfessionen, auch einige wegen Parteivergehen bestrafte Nazi und wegen Wehrkraftzersetzung inhaftierte Soldaten. Diese als Arbeitssklaven und zur Vernichtung bestimmten Menschen wurden nach SS-eigenem Befinden kategorisiert.

Außer in der Kleidung, in überbelegten Wohnbaracken, in Epidemien und Seuchen erzeugenden unhygienischen Verhältnissen drückten sich die unmenschlichen Lebensbedingungen besonders in der Ernährung aus. Bei harter körperlicher Arbeit bekamen die Häftlinge zweimal täglich eine unzureichende Verpflegung, für die bis März 1938 ein Pauschalbetrag von 0,55 Reichsmark pro Tag und Häftling und von April bis Kriegsausbruch von 0,60 Reichsmark zur Verfügung stand. Durch Lieferung qualitativ schlechter Waren und Diebstahl bereicherten sich SS und Lieferanten gemeinsam an der Häftlingsverpflegung. Essenentzug wurde häufig als Strafe für Einzelne, Gruppen oder das ganze Lager verhängt. Das Geld für die hinterzogenen Lebensmittel verpraßte die SS. Die Tagesration – schwarzer Kaffee-Ersatz oder dünne, oft aus Lebensmitteln verdorbener Heeresbestände bestehende Morgensuppe und Brot als Hauptnahrungsmittel, am Abend mit rationierter Margarine und schlechtem Brotaufstrich, Gummiwurst genannt, – betrug 750 bis 800 Kalorien. In Auswirkung des Krieges wurde sie noch herabgesetzt. 1943/1944 erhielten die Häftlinge 350 Gramm, 1944/1945 nur 250 Gramm und die sowjetischen Kriegsgefangenen und Polen zeitweise nur 100 Gramm Brot am Tag. Die Häftlinge waren zu kaum lebensfähigen Skeletten abgemagert. Hungerkrankheit und Unterernährung führten zum Tode. Der Ernährungs- und Kräftezustand sezierter Leichen wird Anfang 1940 folgendermaßen bewertet:

63 Fälle, das heißt 70,0%, mit schlechtem und sehr schlechtem, 14 Fälle, das heißt 15,5%, in mäßigem oder ausreichendem und 13 Fälle, das heißt 14,5%, in gutem Zustand. (Buchenwald Mahnung und Verpflichtung, S. 164)

Die SS übte viele Arten der Tötung aus. Der Hunger war eines ihrer Mittel zur Massenausrottung von Menschen! [3]

Appellplatz Buchenwald
Auf dem Appellplatz

Beim ersten Appell am 19.Juli 1937 befanden sich 149 Häftlinge im Lager. Am 27.Juli trafen die ersten 91 politischen Häftlinge ein. Die Zahl der Häftlinge erhöhte sich u.a. mit Transporten aus den aufgelösten Lager Sachsenhausen und Lindenburg bis zum Jahresende auf insgesamt 2561. Aus dem KZ Lichtenburg kamen die Reichstagsabgeordneten der KPD Walter Stoecker und Dr.Theodor Neubauer, der Kandidat des Zentralkomittees der KPD Albert Kuntz und der kommunistische Funktionär Walter Krämer. Die größte Lagerstärke einschließlich der ab Ende 1940 vereinzelt, in den Jahren 1944 und 1945 vermehrt errichteten Außenlager, betrug 89.143 Häftlinge am 6. Oktober 1944. [4]

Nachtrag:
An dieser Stelle ist noch nichts gesagt über die heimtückische Ermordung des kommunistischen Reichstagsabgeordneten Ernst Thälmann am 18. August 1944 durch die SS. Der Mord blieb ungesühnt. Einer der maßgeblichen Mörder, der SS-Stabsscharführer Wolfgang Otto, lebte bis zu seinem Tod 1989 als „unbescholtener Bürger“ und mit einer Lehrerpension in der nordhein-westfälischen Kleinstadt Geldern. Auch ist hier nichts gesagt über die „medizinischen“ Versuche, die von den SS-Ärzten an den Häftlingen vorgenommen wurden, über die Genickschußanlage und die Vernichtung der Häftlinge durch Seuchen und körperlich schwere Arbeit. Ebenso blieb hier unerwähnt, daß sich unter den Häftlingen Hunderte Kinder befanden. Ihnen hat Bruno Apitz in seinem Buch „Nackt unter Wölfen“ ein Denkmal gesetzt. Die Selbstbefreiung des KZ Buchenwald am 11.April 1945 erlebten 904 Kinder aus Polen, der Tschechoslowakei, Ungarn, Jugoslawien, der Sowjetunion, aus Österreich und Deutschland. Auch müßten die „Todesmärsche“ genannt werden, mit denen die SS-Schergen, um die Spuren ihrer Verbrechen zu verwischen, unter schärster Bewachung Tausende Häftlinge aus den Lagern trieben. In der DDR gab es Dutzende Gedenksteine, die daran erinnerten. Sie wurden oft sogar von den Schulkindern gepflegt und saubergehalten.
Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald
Für die Schulkinder in der DDR und die Teilnehmer an der Jugendweihe war die Erziehung zum Antifaschismus und der Besuch der Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald eine Selbstverständlichkeit.

Quellenangabe:
[1] Gitta Günther, Buchenwald, in: „WEIMAR – Tradition und Gegenwart“ das Heft 25, Weimar 1980, S.31
[2] ebd. S.12f.
[3] ebd. S.16-21
[4] ebd. S.10f.
(alle Bilder ebd.)

Vor einem Jahr wurde Prof.Iljuchin ermordet

Er hatte den Beweis erbracht, daß die „Dokumente“ über Katyn Fälschungen waren:
Prof.IljuchinVor einem Jahr wurde Prof. W.I. Iljuchin ermordet

von Pawel Barabanschtschikow, Pensa

Auf Kommunisten-online am 22. März 2012 – Heute vor einem Jahr, am 19. März, kam Genosse Iljuchin ums Leben. Der Tod trat plötzlich und unerwartet ein, der offiziellen Version nach – auf Grund von Herzversagen. Aber bis heute wissen wir nicht, und vermutlich werden wir es niemals erfahren, wieso dies einem bis dahin vollkommen gesunden Menschen geschieht, der sich niemals über sein Herz beklagte, und der noch kurz vor seinem Tode zu einer planmäßigen medizinischen Untersuchung war. Viele sehen die Merkwürdigkeiten um das plötzliche Ableben Prof. Iljuchins im Zusammenhang mit seinem kompromißlosen politischen Kampf.

Am 10. Februar 2011 fand in Moskau auf Beschluß der Gesamtrussischen Offiziersversammlung ein Militärtribunal zur Verurteilung der destruktiven Tätigkeit Putins statt. Die Seite der Anklage vertrat der Duma-Abgeordnete und Kommunist Wiktor Iljuchin, der auch die Anklagerede hielt. Das Militärtribunal faßte den Beschluß, daß ein weiterer Verbleib Putins im Staatsdienst für undenkbar gehalten wird, und seine Tätigkeit einer sorgfältigen Untersuchung durch Rechtsschutzorganen zu unterziehen sei.

Die Merkwürdigkeit besteht darin, daß zwei Tage vor dem Tode Iljuchins die Antworten fällig waren auf Fragen, die die Abgeordneten im Ergebnis des Tribunals an den FSB und den Präsidenten gerichtet hatten. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, daß weder vom Präsidialamt noch von der Regierung zur Beerdigung von Wiktor Iljuchins an die Adresse seiner Familie ein Wort der Kondolenz übermittelt wurde.

Wiktor ljuchin nannte während seines Lebens die Dinge beim Namen und fürchtete sich nicht, dafür geradezustehen. Es war sein wesentlicher Charakterzug. In den letzten Jahren der Perestroika wurde Iljuchin zu einem scharfen Kritiker der politischen Machthaber der UdSSR, und später auch Rußlands. In verschiedenen Jahren beschuldigte er die drei Präsidenten des Staatsverrats. Als diese der Sowjetunion den Todesstoß gaben, fand sich unter allen Staatsanwälten nur ein anständiger – Wiktor Iljuchin –, der gegen Gorbatschow Strafanzeige stellte, wofür er nach zwei Tagen entlassen wurde. Zur Absetzung des Präsidenten fehlten nur 17 Stimmen der Abgeordneten.

Bei seinem Auftreten auf der Offiziersversammlung im Jahre 2009 wandte sich Iljuchin an die Versammelten mit der Frage: „Sehen Sie denn nicht das Genick des Feindes, dieses Schuftes, der unser Land zerstört?“. Unter demselben Leitmotiv seines Auftretens stand auch die Kundgebung in Moskau am 23. Februar 2011, die von Victor Iljuchin einberufen worden war, um die Petersburger Mafia von der Staatsmacht zu entfernen.

In den letzten Lebensjahren widmete sich Iljuchin der Untersuchung der Ereignisse der „Katyner Sache“ und bewies die Fälschung dieser Ereignisse, die heute von den polnischen und russischen Machthabern als wahre Sachlage vorgeführt werden.

Am 19. April 2010 organiserte die Fraktion der KPRF in der Staatsduma einen runden Tisch zum Thema „Katyn – rechtliche und politische Gesichtspunkte“. Im Ergebnis der geleisteten Arbeit richtete Prof. Iljuchin einen Brief an den Präsidenten Rußlands. Und kurz darauf, im Mai 2010, legte Wiktor Iljuchin, nach den Worten einer von ihm nicht genannten Quelle, den Mechanismus der vermuteten Fälschung von Archivmaterialien über die Erschießungen in Katyn dar. Iljuchin beschuldigte den Leiter des Staatsarchivs, Rudolf Pichoj, den ehemaligen Vizepremierminister und Vorsitzenden der Kommission zur Aufarbeitung der Dokumente des ZK der KPdSU, Michael Poltoranin, den ersten Stellvertreter des Leiters des Sicherheitsdienstes des Präsidenten, den General-Major des FSB, Georgi Rogosin und andere der Fälschung der Archivdokumente.

Wiktor Iljuchin, war einer der wenigen Politiker, die nicht mit Regierungsmitteln Kübel voller Schmutz und Verdächtigungen ausschütteten. Die Persönlichkeit Iljuchins konnten sogar die bestellten Schmähberichte Karaulows unter der verlogenen Bezeichnung „Augenblick der Wahrheit“ nicht verleumden. Man muß sich nur daran erinnern, daß die Aussagen Karaulows vor Gericht später widerrufen wurden. Die zur Wiedergutmachung des moralischen Schadens von Karaulow gezahlte Summe war an einen der Kindergärten im Wahlbezirk des kommunistischen Abgeordneten Iljuchin überwiesen worden. Es wurde auch aufgeklärt, daß es für Karaulow aus moralischen Sicht besser wäre, im Umgang mit dem minderjährigen Kind seiner dritten Frau Xenia zu folgen, die sich 2007 um Rechtsbeistand an Wiktor Iljuchin gewandt hatte.

Leider finden sich auch noch heute Menschen, die versuchen, die Bedeutung Iljuchins in den Augen der Umgebung herabzusetzen. Zum Beispiel der vor kurzem aus dem Gebiet Pensa von „Einheitliches Rußland“ in die Staatsduma gewählte Abgeordnete Makarow, der von 1985 bis 1990 als Staatsanwalt im Gebiet Pensa tätig war. Höhnisch erinnert Herr Makarow sich daran, daß damals Iljuchin bei ihm angestellt war. Tatsächlich übte Wiktor Iljuchin in den Jahren 1984-1986 in der Dienststelle die Funktion des Stellvertreters des Gebietsstaatsanwaltes aus, und wurde später in die Generalstaatsanwaltschaft der UdSSR zum Stellvertreter des Leiters der Hauptverwaltung berufen. Makarow dagegen blieb in Pensa. Seine Mitarbeiter aus jener Zeit geben ein negatives Urteil über ihn ab, die nachfolgenden Gebietsstaatsanwälte zogen es vor, über seine staatsanwaltliche Arbeit zu schweigen.

Man kann über die persönlichen und fachlichen Qualitäten Wiktors Iljuchins nicht reden, ohne zu erwähnen, daß er über die Fähigkeit verfügte, Menschen verschiedener politischer Ansichten für ein gemeinsames Ziel zu vereinigen. Bis zum Ende des Lebens blieb er seinen Prinzipien treu, ertrug den Verrat und beugte sich vor niemandem. Alle, denen es nicht dennoch gleichgültig ist, was mit Rußland und der Gesellschaft geschieht, verehrten und unterstützten ihn.

An historischen und juristischen Fakultäten der Hochschulen war Iljuchin stets ein gern gesehener Gast. Die Studenten hörten seine Vorlesungen mit anhaltendem Interesse. Im Unterschied zu den angestellten Professoren referierte Iljuchin in einer lebendigen Sprache und sprach dabei auch jene Probleme an, über die es gewöhnlich nicht erlaubt war zu reden.

Wiktor Iljuchin war ein vielseitiger Mensch. Wenn man sich seine Biografie anschaut, stellt man fest, daß er neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter der Staatsduma Rußlands des Gebietes von Pensa (von 1995 bis 2011) auch als Vorsitzender der gesamtrussischen politischen Bewegung „Zur Unterstützung der Armee, der Verteidigungsindustrie und der Militärwissenschaft“ und als Leiter des Interregionalen öffentlichen Fonds zur Förderung der strategischen Sicherheit ( FSSB ) tätig war. Das alles hinderte ihn nicht, sich mit gemeinnütziger und wissenschaftlicher Arbeit zu beschäftigen. Die zahlreichen Bücher und wissenschaftlichen Arbeiten Wiktor Iljuchins, die in hohen Auflagen erschienen, haben an Aktualität nichts eingebüßt.

„Ein Mensch der Wahrheit und der Sachlichkeit“ – so wird er uns in Erinnerung bleiben. Sogar die Machthaber von Pensa sahen sich nach dem Tode Iljuchins gezwungen anzuerkennen, daß der kommunistische Abgeordnete des Gebiets Pensa einen größeren Nutzen gebracht hat, als alle übrigen Abgeordneten von Pensa zusammen. Ja, die Autorität Wiktor Iljuchins in Moskau war um vieles größer.

Ein Jahr ist vergegangen, seit es unseren Genossen nicht mehr gibt, aber das bedeutet nicht, daß seine Sache vergessen ist und nicht fortgesetzt wird. Jetzt verspüren wir, wie nie zuvor, daß Iljuchin uns fehlt, und er für uns viel zu früh weggegangen ist. Wiktor Iwanowitsch Iljuchin hat uns mit dem Beispiel seines Lebens gezeigt, wofür man leben, und wie man kämpfen muß. Wir werden seinem Beispiel folgen!

Quelle:
KPRF vom 19. März 2012 (kommunisten-online)

Siehe auch:
Die Fälscher im russischen Staatsarchiv
Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie
Die Lüge von den Stalinschen Massenmorden
Lügen über Katyn
Brief an den Roten Webmaster

Und hier ist das erste Video über die Enthüllungen zu Katyn:
http://rutube.ru/tracks/4628350.html?autoStart=true&bmstart=3506

Was ist Vertreibung?

Verfolgung – Vertreibung – Vernichtung

Unter diesem Titel erschien 1983 in der DDR ein Reclam-Büchlein (siehe Bild unten), das die Hintergründe von Vertreibung – und zwar die Vertreibung der Juden aus Deutschland! – darlegt. Eine Dokumentation über den faschistischen Antisemitismus von 1933-1945. Doch bekanntlich waren es nicht nur die Juden, die verfolgt wurden. Verfolgt wurden zu allererst die Gegner der Nazidiktatur – und das waren vor allem die Kommunisten, die Antifaschisten, einige Sozialdemokraten und vereinzelte anständige Menschen, die die Demagogie der Nazis durchschaut hatten, die es gewagt hatten, dagegen ihren Mund aufzumachen, und die ihrer Offenheit wegen von Nazianhängern denunziert wurden. Und die Nazis hatten eine ganze Reihe „glühender“ Anhänger. Mehr und mehr verbreitete sich ein Klima des Mißtrauens.
Deportation
Massenhafte Deportation (Vertreibung) der Juden nach der Reichskristallnacht

„Sei still, sonst wirst du abgeholt!“ sagten Eltern oft zu ihren Kindern. Mit niemandem konnte man mehr ein offenes Wort reden, sogar innerhalb der Familie mußte man vorsichtig sein. Die Nazis suchten den Schuldigen, und sie fanden ihn: „den Juden“. Die Juden wurden verfolgt, vertrieben und vernichtet. „Es war ein Bündel von Umständen,“ schreibt Prof. Kurt Pätzold, „das den Aufstieg der Nazipartei begünstigte. Am wichtigsten wurde, daß die reaktionäre Ideologie und Programmatik der NSDAP und ihre mit skrupellos-schwindelhaften Methoden erzielten Anfangserfolge bald einflußreiche und auch finanzkräftige Förderer anzog.“ Weiter schreibt nun Kurt Pätzold:

Seit ihrem ersten Auftritt in Bayerns Hauptstadt verfochten die nazifaschistischen Demagogen, allen voran Adolf Hitler, der anfänglich für die geistige Ausrichtung der Mitglieder und Sympathisanten der NSDAP zuständig war, einen extremen Rassismus. Um alle wissenschaftlichen Erkenntnisse über Wesen und Geschichte der Menschenrassen unbekümmert, sich auch um Herkunft und Werdegang des deutschen Volkes nicht scherend, erklärten die faschistischen Ideologen die Deutschen zum Kern einer angeblich „arischen Herrenrasse“, die nur in ihrer Einbildung existierte. Diese Rasse sei dazu berufen, die Welt zu erobern und zu beherrschen, könne ihrer Bestimmung jedoch erst gerecht werden, nachdem sie die Kräfte überwunden habe, die in ihr selbst angeblich zerstörerisch wirkten. Diese Aussage sollte dem faschistischen Appell zum Kampf gegen den Marxismus und die Arbeiterbewegung eine geschichtsphilosophische Begründung geben. Angeblich hätten Marx und die Marxisten die Lehre vom Klassenkampf, die ein „jüdisches Machwerk“ sei, nur zu dem Zweck ausgeklügelt, um die Völker zu schwächen, der Errichtung der „jüdischen Weltherrschaft“ vorzuarbeiten und ihr zum Siege zu verhelfen.

Der Marxismus – als „jüdische“ Irrlehre

Wie der wissenschaftliche Sozialismus als eine Irrlehre bezeichnet wurde, so wurde die Arbeiterbewegung als eine Verirrung von Teilen der jeweiligen Völker und Nationen hingestellt. Durch sie seien Millionen Deutsche angeblich Ihrem eigenen Volk entfremdet und in die Reihen der Kommunisten und Sozialdemokraten, auf die Seite von Gewerkschaften und Pazifisten gelockt worden. Aus dieser geistigen und organisatorischen Umklammerung durch das „Judentum“ müßten sie befreit, durch den „Nationalsozialismus“ dem Volke und der Nation zurückgegeben werden. Dieser arbeiter- und sozialismusfeindlichen Geschichtslegende galt die Große Sozialistische Oktoberrevolution als Sieg des „jüdischen Bolschewismus“. Er habe die Völker Rußlands versklavt und sich dadurch einen Ausgangspunkt für die „jüdische Weltrevolution“ geschaffen.

Hintergrund: die Herrschafts- und Expansionsinteressen des deutschen Imperialismus

Es liegt zutage, daß die Diffamierung des größten Ereignisses der Weltgeschichte, die übrigens auch keine Erfindung der Nazifaschisten darstellte, jeden Angriff auf die Arbeiterbewegung und den Krieg gegen die UdSSR ideologisch rechtfertigen sollte. Der faschistische Rassismus und Rassenantisemitismus war mithin den Herrschafts- und Expansionsinteressen des deutschen Imperialismus auf den Leib geschneidert. Und auf die faschistischen Rassisten trifft das Wort Tucholskys zu: „Die meisten Antisemiten sagen viel mehr über sich selbst aus als über ihren Gegner, den sie nicht kennen.“ Die Analyse der Struktur und Geschichte des faschistischen Rassenantisemitismus ergibt, daß die Naziführer die Lehre von der „arischen Herrenrasse“ und dem „jüdischen Untermenschentum“ in erster Linie in den politischen Kämpfen in Deutschland einsetzten und sie gegen die fortschrittlichsten Kräfte im eigenen Lande kehrten.

Wer ist schuld? – „das internationale Judentum“

Die Rassendoktrin war vor allem Kampfinstrument gegen die deutsche Arbeiterklasse. Und um dessen Tauglichkeit zu verbessern, wurde vor wie insbesondere nach 1933, als die faschistischen Machthaber besondere pseudowissenschaftliche Einrichtungen zum „Studium der Judenfrage“ errichteten, immer wieder versucht, die Führer der deutschen Arbeiterbewegung als „Juden“ hinzustellen, für sie wenigstens einen jüdischen Großvater oder eine jüdische Großmutter ausfindig zu machen. Doch gerieten die Faschisten nicht in Verlegenheit, wenn ihnen das nicht gelang. Diejenigen ihrer Gegner, für die jüdische Vorfahren nicht auffindbar waren, wurden ersatzweise als geistig „verjudet“ oder als „Knechte des internationalen Judentums“ ausgegeben. Keine der rassistischen und antisemitischen Thesen brauchten Hitler und die Seinen zu erfinden. Sie konnten sich des vorgefundenen Bestandes an reaktionären Ideen bedienen. Was die Nazifaschisten einbrachten, war die konsequente Ein- und Zuordnung des Überlieferten in die Klassenauseinandersetzungen nach dem Weltkrieg. Sie erklärten das Elend von Krieg und Nachkrieg – auch hierin mit anderen reaktionären Gruppen übereinstimmend – aus dem „Verrat“ der Juden und ihrem angeblich wachsenden Einfluß auf die Politik des Kaiserreiches und des Weimarer Staates.

Überwindung der Nachkriegskrise

Auf diese Weise halfen Hitler und die anderen Naziführer, selbst noch weit von den Schalthebeln der Macht entfernt, nach Kräften mit, die Herrschaft des Kapitals in Deutschland über die revolutionäre Nachkriegskrise hinwegzuretten. Denn was konnte der Behauptung der Ausbeuterordnung dienlicher sein, als eine Partei, die Menschen aus den werktätigen Klassen und Schichten an falschen Fronten gruppierte, ihnen den „Rassenkampf“ als das wahre Gesetz geschichtlichen Werdens hinstellte, den Klassenkampf aber als eine Verirrung diffamierte?
Juden1Juden2Propagandaplakate der Nazis

Warum gerade die Juden?

Seinen stärksten Ausdruck fand der nazifaschistische Rassismus, wie erwähnt, im Antisemitismus. Daß sich gerade diese Ausprägung ergab, hatte zum einen traditionelle Gründe. Die Naziführer vermochten direkt an die antisemitische Propaganda anzuknüpfen, die einen Teil des Bürgertums und Kleinbürgertums seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verstärkt beeinflußt hatte. Dieser Antisemitismus gipfelte in den Kriegsjahren in der aufputschenden Lüge von den „jüdischen Drückebergern“ und „Kriegsgewinnlern“. Die Nazipartei brauchte also, ähnlich wie auf anderen Gebieten auch, ihre Hetze gegen die jüdischen Menschen nicht beim Punkte Null zu beginnen. Wie an vielen Biographien von Naziführern nachgewiesen ist und sich insbesondere am Lebensweg Hitlers bis ins Detail verfolgen läßt, waren diese Politiker durch die vergiftenden Schulen des Antisemitismus gegangen und zumeist schon in jungen Jahren Judenfeinde schmutzigsten Wassers geworden. Bei aller zynischen Distanz gegenüber anderen von ihnen propagierten Lehren glaubten sie fanatisch an die Doktrin vom Herren- und Untermenschentum.

Barbarisch und mörderisch dachten und fühlten die Naziführer gegenüber jenen wirklichen oder vermeintlichen Rassen, die sie für minder- oder nichtswertig hielten. In Wort und Schrift kündigten sie insbesondere den jüdischen Menschen, von denen sie behaupteten, ihre „Rasse“ stünde dem Tier näher als dem Menschen, Verfolgung und Vernichtung an. Hitler schrieb in dem Buch „Mein Kampf“, der Krieg von 1914 bis 1918 hätte gewonnen werden können, wenn 12.000 Juden unter Gas gehalten worden waren. Diesen verbrecherischen Kampfparolen wird man noch nicht den Charakter eines fix und fertigen Mordplans zuschreiben können. Doch kann ebensowenig übersehen werden, daß mit den Faschistenführern eine Politikergruppe an die Macht drängte, denen Mord an Gegnern und „Rassefeinden“ keinerlei Skrupel bereitete.

Wohin mit den Juden?

In zynischer Weise artikuliert die Nazi-Zeitschrift „Der Stürmer“ (1934) die Absicht der Vertreibung der Juden [3]:
AusschnittDer Bodenraub im Osten

Auf die Okkupation Polens und der Sowjetunion durch die Nazi-Wehrmacht folgten die „Übernahme“ des fremden Territoriums durch die faschistisch-deutschen Behörden, die Enteignungen und Vertreibungen der vormaligen Bevölkerung dieser Länder und ihre Unterwerfung unter das Naziregime. Über den Charakter des Hitlerkieges schrieb Stalin: „Lenin unterschied zwei Arten von Kriegen: Eroberungskriege, d.h. ungerechte Kriege, und Befreiungskriege, gerechte Kriege. Die Deutschen führen heute einen Raubkrieg, einen ungerechten Krieg, der auf die Eroberung fremden Gebiets und die Unterwerfung fremder Völker abzielt. Datum müssen sich alle ehrlichen Menschen gegen die deutschen Eindringlinge als gegen ihre Feinde erheben. Zum Unterschied von Hitlerdeutschland führen die Sowjetunion und ihre Bundesgenossen einen Befreiungskrieg, einen gerechten Krieg, der auf die Befreiung der unterjochten Völker Europas und der Sowjetunion von der Hitlertyrannei abzielt. Darum müssen alle ehrlichen Menschen die Armeen der Sowjetunion, Großbritanniens und der anderen Verbündeten als Befreiungsarmeen unterstützen.“ [4]

Was ist Revanchismus?

Nach dem verlorenen ersten Weltkrieg strebte der deutsche Imperialismus danach, die Ergebnisse seiner Niederlage in diesem Krieg (Versailler Vertrag) zu revidieren. Nach der Übergabe der Macht an die Nazis erstrebte der deutsche Imperialismus darüberhinaus die Herrschaft über Europa, die Neuverteilung der imperialistischen Ausbeutungsgebiete und Einflußsphären, versuchte, seine Weltherrschaftsansprüche mit Gewalt durchzusetzen. Erneut brach der deutsche Imperialismus einen Krieg von Zaun – den Zweiten Weltkrieg. Ungeachtet der völligen Aussichtslosigkeit ihrer Pläne hatten die Nazis, nachdem sie bereits halb Europa unter ihre Knute gezwungen hatten, die Absicht nun auch die Sowjetunion zu erobern, was aber bekanntlich im Fisko endete. Meyers Jugendlexikon erklärt es ganz einfach: „Der Revanchismus ist das Bestreben der Bourgeoisie nach Rache und Vergeltung für die in einem früheren Eroberungskrieg erlittene Niederlage ihres Ausbeuterstaates.“ [5]

Verdrehung von Ursache und Wirkung

Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und der Eroberung der DDR schienen nun diese Weltherrschaftsansprüche wieder in greifbare Nähe gerückt zu sein. Ausdruck dieser Ideologie ist, daß Ursache und Wirkung vertauscht werden: die überstürzte Flucht der Besatzer vor der Wiederherstellung der Vorkriegsordnung wurde als „Vertreibung“ bezeichnet. Aus Umsiedlern wurden demnach „Vertriebene“. Die Befreiung der von den Nazis okkupierten Länder durch die siegreiche Sowjetarmee erscheint nun als ein „Einmarsch“ und die Zerschlagung des Faschismus als (unrechtmäßige) „Besatzung“. Der Revanchismus inszeniert die Umsiedlungen als eine Geschichte von „Vertreibungen“, um von den Verbrechen der Nazi-Diktatur abzulenken, und um eine „Wiedergutmachung“ zu fordern. Darin besteht die lügenhafte Fälschung der Geschichte!
Umsiedler
Umsiedler auf der Suche nach einer neuen Heimat [6]

Was geschieht? Die Köpfe werden verwirrt, Kriegerdenkmäler werden wieder aufgerichtet und die alten Feindbilder werden wieder neu belebt. Ein abenteuerlicher Kurs! Indem die reaktionäre Bourgeoisie hier Ursachen und Wirkungen miteinander vertauscht, und indem sie den deutschen Faschismus gleichsetzt mit dem künstlich erzeugten Feindbild des „Stalinismus“, trägt sie zur Verharmlosung der Nazi- und Kriegsverbrechen und zur Rechtfertigung ihrer aggressiven Eroberungs- und Herrschaftsabsichten bei. Das ist – wie gesagt – nichts anderes als eine Geschichtsfälschung und die Vorbreitung auf neue Kriege. Dazu paßt auch, daß die Bundeswehr wieder einmal ihre Werbemaßnahmen zur Nachwuchsrekrutierung intensiviert…

Quellen:
[1] Kurt Pätzold: Verfolgung – Vertreibung – Vernichtung, Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933 bis 1945, Verlag Philipp Reclam jun. Leipzig (DDR), S.5f.
[2] ebd. S.7-10
[3] ebd. S.89 (Ausschnitt)
[4] Stalin: „Über den großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion“, S. 26/27.
[5] Meyers Jugenlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR); 1976, S.548.
[6] Bild: Lehrbuch Geschichte Klasse 9, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin (DDR), 1988, S.218)
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Hier das Buch von Kurt Pätzold: Verfolgung – Vertreibung – Vernichtung,
Dokumente des faschistischen Antisemitismus 1933 bis 1945:
Vertreibung und Vernichtung

Siehe auch:
Was ist eigentlich Antisemitismus?
Palästina – eine nationale Tragödie
Lexikon: Zionismus
Das heutige Israel und der Antisemitismus

Der Iran – eine Bedrohung für die Menschheit???

Irankarte

Was wissen wir über den Iran?

Wirtschaft, Allgemeines: Im Ergebnis der schnellen kapitalistischen Entwicklung Irans in den Jahren 1963-1978 entstand eine in Teilbereichen leistungsfähige Industrie, die durch infrastrukturelle Maßnahmen ergänzt wurde. Ausdruck erheblicher Disproportionen ist der Produktionsrückgang in der Landwirtschaft, die mit der allgemeinen Entwicklung nicht Schritt hielt. Früher fast vollständig Selbstversorger mit landwirtschaftlichen Produkten, wurde Iran zunehmend zu deren Importeur. (1982 für über 3 Mrd. US-$). Die Anteile der Wirtschaftsbereiche am Bruttosozialprodukt beziffern sich auf Erdöl/Erdgas 35%, Dienstleistungen 35, Industrie und Bergbau 19, Landwirtschaft 11%. Die Entwicklung wird in starkem Maße vom Reichtum an Erdöl (Anteil an den Weltvorräten rd. 9%), Erdgas (14% der Weltvorräte) und Nichteisen-Metallerzen bestimmt. Durch die auf die vorrangige Industrialisierung ausgerichtete Investitionspolitik wurde insbesondere in den 70er Jahren ein hohes Wachstumstempo des Bruttosozialproduktes erreicht.

Infolge der hohen Abhängigkeit der Wirtschaft vom imperialistischen Wirtschaftssystem und des 1980/81 seitens der USA angestrengten Wirtschaftsembargos gegen Iran sank das Bruttosozialprodukt in den ersten Jahren nach dem Sturz des Schahregimes beträchtlich und erreichte erstmals 1982/83 wieder einen leichten Anstieg. (Das Bruttosozialprodukt belief sich 1982 auf 37 Md. US-$ zu Preisen von 1974/75.) Zusätzliche Probleme ergeben sich aus dem anhaltenden Konflikt mit Irak (ein Drittel der Staatsausgaben dient militärischen Zwecken) sowie dem akuten Mangel an Fachkräften. Grundlage der wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 1963 bis 1978 war das auf eine schnelle kapitalistische Entwicklung Irans abzielende Reformprogramm der sogenannten Revolution des Schah und des Volkes (Weiße Revolution). Die vom Schah betriebene Politik der offenen Tür mit der Schaffung günstiger Profitmöglichkeiten für das Auslandskapital hat Iran in immer stärkere Abhängigkeit vom Imperialismus getrieben. So betrug z.B. die Abhängigkeit der Wirtschaft von Importen im Maschinenbau und der Metallverarbeitung 80 bis 95 %; in der chemischen Industrie 50 bis 100 %; der Textilindustrie 60 bis 80% und der Nahrungsgüterindustrie 30 bis 70 %.

Die 1978 immer deutlicher hervortretenden Krisenerscheinungen in der iranischen Wirtschaft wurden durch verbreitete Korruption, und vor allem durch das an der Erzielung von Superprofiten orientierte Auftreten imperialistischer Monopole, stimuliert. Die sich entwickelnde Wirtschaftskrise trug wesentlich zur Verschärfung jener sozialen und ökonomischen Widersprüche bei, die zur raschen Entwicklung der revolutionären Volksbewegung geführt haben. Mit einer Reihe von Nationalisierungen und Verstaatlichungen im Bank- und Versicherungswesen (100%). Der Grundstoffindustrie (70%), der Ölförderung und Petrolchemie (100%), der Energiewirtschaft (100%) sowie teilweise der Baustoffindustrie wurde der bereits wahrend der Schahzeit starke staatskapitalistische Sektor weiter gefestigt. Die 1983/84 mit der Annahme des Fünfjahrplans für die ökonomische und soziale Entwicklung eingeleitet; Etappe orientiert auf eine weitere Ausgestaltung kapitalistischer Produktionsverhältnisse unter besonderer Förderung kleiner und mittlerer Unternehmen in Industrie, Landwirtschaft und im Dienstleistungssektor. Damit ist beabsichtigt, gravierende Disproportionen in der ökonomische Struktur und schrittweise die hohe Abhängigkeit von imperialistischen Monopolen abzubauen. Die Anzahl der Erwerbstätigen beträgt rd. 13 Mill., davon rd. 30 % Industriearbeiter. In der Landwirtschaft arbeiteten 32%, im Dienstleistungsbereich 30% der Erwerbstätigen.

Bodenschätze. Neben Erdöl und Erdgas besitzt Iran große Lagerstätten an Kupfer, Chromerz, Nickel, Zink, Wolfram-Kobalt, Gold, aber auch Uran sowie nichtmetallischen .Mineralien (Phosphat, Schwefel, Baryt, Magnesit, Salz u. a.). Strategische Bedeutung haben die Kupfererzvorkommen und der Verarbeitungskomplex von Sar Tschechmeh.

Industrie. Seit 1963 wurden in Iran intensiv Schlüsselzweige wie Metallurgie, Erdöl- und Erdgasindustrie, petrolchemische Industrie, metallverarbeitende und Fahrzeugindustrie sowie die Konsumgüterindustrie entwickelt. Davor war lediglich die Textilindustrie ein nennenswerter Zweig in der Konsumgüterindustrie. Heute verfügt Iran auch über eine Schuh-, Holz und Papier-, Gummi-, pharmazeutische, Baumaterial-, metallurgische, metallverarbeitende, Haushaltswaren-, Elektromaschinen-, Fahrzeug-, Schiffbau- und Nahrungsmittelindustrie. Aus bereits genannten Gründen ist die Kapazität der Industrie gegenwärtig nur zu nicht mehr als 60% ausgelastet.

Die Erdölindustrie ist nach wie vor bestimmend. Der Export deckte 1983 über 95% der Deviseneinnahmen Landes (21 Mrd. US-$). Mit einer Fördermenge von 302 Mill. t Erdöl (maximale Förderkapazität 6,8 Mill. Barrel) stand Iran 1977 an der 4. Stelle in der Welt. Unter Einwirkung des Krieges mit Irak sanken 1980/81 die täglich Förderquoten auf unter l Mill. Barrel, konnten jedoch 1983/84 wieder auf 2 bis 3 Mill. Barrel angehoben werden. Mit dem Ziel einer längeren Zurückhaltung der Vorräte beabsichtigt Iran, in den nächsten Jahren eine Förderung von 3 bis 4 Mill. Barrel täglich nicht zu überschreiten. Damit reichen die Ölreserven mindestens für 70 bis 80 Jahre. (…) Iran verfügt über eine entwickelte petrolchemische Industrie. 1979 gab es 6 petrolchemische Komplexe. (…) Die Leistung aller Kraftwerke beträgt 5,3 Mill.kW. Davon entfallen 70% auf Erdöl, 20% auf Erdgas und 10% auf Wasserkraft und Kohle als Energieträger (1982). [1]

Auch wenn die Angaben des Politisch-ökonomischen Handbuchs: „Länder der Erde“ aus dem Jahre 1985 stammen, so ist doch aufschlußreich, welche Rolle das rohstoffreiche Land Iran im internationalen Rahmen spielt. Und natürlich ist auch klar, welche Begehrlichkeiten die Nationalreichtümer dieses Landes in solchen imperialistischen Ländern wie Israel und den USA erwecken. Das war bei Libyen so, das ist bei Syrien so, und am Ende ist es auch so bei Rußland. Die Lügen, die in deutschen Medien über dieses Land und seinen Präsidenten Ahmedinedschad verbreitet werden, entlarvt dieser selbst (s.unten). Wie schon in der „jungen Welt“ [2] berichtet wurde, bedroht Israel nachdem die USA den Irak nun schon unter falschem Vorwand überfallen hatten und die Bevölkerung massakriert, nun auch massiv Iran.

Quellen:
[1] Autorenkollektiv, „Länder der Erde“, Verlag Die Wirtschaft, Berlin (DDR), 1985, S.260f.
[2] Zeitung „junge Welt, Brandstiftung – 07.03.2012, Ansichten, S.8

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Wer hält hier wen für den „gefährlichsten Mann der Welt“? – Das ist doch eine der typischen Lügen und Verleumdungen, wie sie tagtäglich in den Massenmedien der BRD verbreitet werden. In einem Interview erklärt Präsident Ahmadinedschad Atomwaffen für unmoralisch. Wieso kann eigentlich ein atomwaffenbesitzendes Land wie Israel einem Land wie Iran drohen? Mit welchem Recht? Ahmadinedschad ließ den arroganten BRD-Journalisten Kleber reichlich dumm aussehen. Das Interview erinnert ein bißchen an das Putin-Interview zum Georgien-Krieg…

Interessant ist nun der folgende Mitschnitt:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/startseite#/beitrag/video/1598064/Ahmadinedschad:-Atomwaffen-unmoralisch

Fazit:
Nicht der Iran, sondern Israel und die USA sind die Kriegsbrandstifter
und eine Bedrohung für die Menschheit !

siehe auch folgenden Link:
Ahmadinedschad und die Sache mit der Landkarte
Von der USA-Militärmacht umzingelt – Der Iran.
————————————————————————————-

Nachtrag:
In dem vom ZDF veröffentlichten Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad wehrt sich Ahmadinedschad gegen den Vorwurf, daß Iran an einer Atombombe arbeite. In dem Interview spricht er sehr viele wichtige Punkte an. ZDF-Journalist Klaus Kleber mußte mehrere Male ausweichen. Das Gesprochene wurde ihm offenbar unangenehm. Stellenweise wirkte es so, als würde Kleber vorgefertigte Fragen vom Blatt vorlesen. Ahmadinedschad sagte: „Wenn Ahmadinedschad eine Bombe bauen möchte oder will, wird er das bekanntgeben und er wird auch keine Angst vor jemandem haben. Und wenn wir sagen, wir bauen keine Bombe, dann bauen wir keine Bombe.“ Kleber fragte ihn außerdem, ob es Zugeständnisse von ihm geben würde, worauf Ahmadinedschad antwortete: „Wir waren immer dafür, die Spannungen zu reduzieren oder zu beseitigen. Die Wurzeln der Spannungen, die muß man finden. Welche Wurzeln haben diese Spannungen? Das ist Ungerechtigkeit, das ist Diskriminierung. Das sind die wahren Gründe für diese Spannungen. Daß einige Länder sich zusammensetzen und die Welt regieren wollen.“
Die Aussage von Kleber: „Da weicht er dann aus ins Grundsätzliche, kommt immer auf die Wurzeln“, kann nur zugunsten Ahmadinedschad’s gewertet werden. Was ist schlecht daran, wenn jemand grundsätzliche Fragen stellt oder Antworten liefert? Es ist schon eine unglaublich verdummende Medienwelt, die wir da haben.

So meinte z.B. ein user namens „wahrheitsgehalt“:
„Und jetzt hat das ZDF die Kommentare im vollen Interview deaktiviert. Das ist so was von ekelhaft, und das nennt sich dann natürlich Demokratie… Wo ist da bitte der Unterschied zum Iran, liebes ZDF? Ach ja, richtig, der Iran wollte das Interview sogar live ausstrahlen lassen, damit niemand zensieren kann…“

Und hier sind zwei Kommentare des users „Mapezar1“:
„Vielleicht sollten wir mal morgen bei dem Kleber eine Hausbesichtigung vornehmen, und wenn er nicht will dann unterstellen wir ihm, daß er in seiner Hütte Waffen versteckt hat. Mann, o Mann was sind das für abartige Leute die angeblich unsere Medien sein wollen. Ich lach‘ mich tot.“ – „Scheiß-ZDF-Zensierer. Was seid ihr nur für ein erbärmlicher Verein. Das Deutsche Volk ist nicht die BRD GmbH, eine Vasallenregierung. Der Reporter ist mehr als erbärmlich und dem Gegenüber nicht im geringsten gewachsen. Der weiß genau was in diesem Land abgeht. Bei euch tickt auch was nicht richtig. Ich könnte kotzen was ihr da zusammenlügt.“

Während unter dem vollen Interview beim ZDF die Kommentare zuerst deaktiviert wurden, konnte man bei diesem Ausschnitt auf Youtube normal diskutieren. Siehe auch hier:
http://orwellschewelt.blogspot.de/2012/03/zdf-interview-mit-ahmadinedschad.html

Und hier nun das vollständige Interview:

Der Großinquisitor zieht ins Schloß …

Im 13. Jahrhundert wurde von der katholischen Kirche eine Gerichtsinstitution gegründet, die zum Zwecke hatte, die religiös Abtrünnigen („Ketzer“) zu vernichten. Mit physischer und psychischer Gewalt, oft auch unter falschen Anschuldigungen und unter Anwendung brutalster Foltermethoden, mit Verleumdung und Intrigen, wurden in jener Zeit massenhaft Menschen verurteilt, gequält, verstümmelt und hingerichtet. Allein in Spanien fielen bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 300.000 Menschen der Inquisition zum Opfer. Die Inquisition richtete sich damals in erster Linie gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit, gegen den wissenschaftlichen Fortschritt und gegen die antifeudalen Volksbewegungen. Das ist heute bei den Feinden des gesellschaftlichen Fortschritts nicht anders, nur daß die Methoden ein wenig andere sind…

Wer aber ist der Großinquisitor?

Er zeigt sich heute, hin und wieder grinsend, und mit seiner Gespielin, redegewandt und fernsehgeil, meist in Gesellschaft der „Reichen und Schönen“, hohnredend auf die Vergangenheit und seine Widersacher, ab und zu einen flotten Bibelspruch auf den Lippen, und auf den Thron gehoben von der allerschwärzesten Mafia der Ewiggestrigen. Man liest es diesem Manne von den Lippen ab, wes Geistes Kind er ist…
MundKlaus Huhn hat ein Buch geschrieben, das hier empfohlen sei. Der Rezensent schreibt dazu beispielsweise folgendes:

Ausführlich beschäftigt Klaus Huhn sich mit der von Rechtsanwalt Dr. Peter-Michael Diestel (CDU), ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident und Minister des Innern der DDR im Kabinett von Lothar de Maiziere (CDU), gegenüber Publikationsorganen geäußerten Meinung, Gauck sei „Begünstigter der Staatssicherheit“ im Sinne des Stasiunterlagengesetzes gewesen. In seinem in Der Freitag vom 28.April 2000 veröffentlichten Beitrag „Auf Wiedersehen Herr Gauck“ bezieht Dr. Diestel sich auf das Terpe-Dossier, das für Gauck voller Brisanz ist und nach Diestels Einschätzung ausreicht, ihn wie Tausenden andere aus dem öffentlichen Dienst zu verbannen“. Der ausführliche Bericht des MfS-Hauptmanns Terpe über dessen konspiratives Treffen in Gaucks Wohnung, die vielen besonderen Vergünstigungen, die Gauck und seine Familie mit Unterstützung des MfS erfuhren, und der von Hauptmann Terpe an ihn übermittelte Dank des Ministeriums für Staatssicherheit hatten schon damals viele Fragen nach dem Verhältnis zwischen Gauck und dem MfS aufgeworfen. Dr. Diestel hielt Gauck vor, keine einzige der für ihn brisanten Fragen beantwortet zu haben. Statt dessen würde er abwiegeln und versuchen, sich zu entlasten. Es ist aufschlußreich, daß die Terpe-Papiere ebenso unauffindbar sind wie der Artikel der Welt dazu vom 23.April 1991. Die immer nachhaltiger gestellten Forderungen nach der Rolle von Pastor Gauck in Verbindung mit der Leitung der Gauck-Behörde und Gerüchten über abhandengekommene Akten von diversen Politikern etc. dürfen nicht länger negiert und die öffentliche Diskussion darüber wie bisher massiv unterdrückt werden.
–> ganzen Beitrag lesen…
BuchtitelKlaus Huhn, „Die Gauck-Behörde. Der Inquisitor zieht ins Schloss“, spotless Verlag, 2012, 128 S., 9,95 Euro, ISBN 978-3-360-02068-0

Siehe auch:
Der Klerikalfaschismus
Dr.Klaus Blessing, Brief an Siegmar Gabriel

WIR sagen an dieser Stelle einfach mal:
NEIN, danke Herr Gauck!

Bismarck und das Sozialistengesetz

Sehr lehrreich ist es, wenn man die Geschichte auf Parallelen zur heutigen Entwicklung hin untersucht. Man kann dabei feststellen, daß die vereinte Arbeiterklasse durchaus imstande ist, der „Allmacht“ der Bourgeoisie etwas entgegenzusetzen. Sehr anschaulich wird das sichtbar in der Zeit des Sozialistengesetzes. Es war eine heroische Periode des deutschen Proletariats! In einem Geschichtsbuch aus dem Jahre 1955 lesen wir dazu folgendes:

a) Hochverratsprozeß gegen August Bebel und Wilhelm Liebknecht

Der stürmische Aufschwung der deutschen Industrie ließ auch die Arbeiterklasse anwachsen. Immer mehr Arbeiter erkannten, daß sie organisiert und entschieden für ihre Interessen kämpfen mußten. Die sozialistische Arbeiterbewegung wurde immer stärker. Bismarck und die Junker erkannten in der Sozialdemokratischen Partei ihren gefährlichsten Gegner. Deshalb wollten sie Bebel und Liebknecht zum Schweigen bringen. Unter heuchlerischem Vorwänden wurden die beiden Arbeiterführer des Hochverrats angeklagt und von dem Schwurgericht zu Leipzig, dessen Mitglieder unter stärkstem Druck durch die reaktionäre bürgerliche Regierung standen, zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt.
Wilhelm LiebknechtAugust Bebel
Wilhelm Liebknecht (1826-1900) August Bebel (1840-1913)

Doch die von der Reaktion erhoffte Wirkung blieb aus; im Gegenteil, der Prozeß in Leipzig gewann viele für die Sache der Sozialdemokratie. August Bebel schrieb in seinem Erinnerungsbuch „Aus meinem Leben“:
Bebelzitat
Bei der Reichstagswahl vom 10. Januar 1874 erhielten die Lasalleaner und Eisenacher über sechs Prozent aller abgegebenen Stimmen. Dieser Erfolg war für Bismarck der Anlaß, gegen die ihm verhaßten Sozialdemokraten mit brutaler Gewalt vorzugehen.

b) Der Vereingungskongreß in Gotha

Die Verfolgung stärkte den Willen der Arbeiter, gemeinsam gegen die Unterdrückung zu kämpfen, Arbeiter, die im Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein und in der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei organisiert waren, fanden sich zu gemeinsamen Protestkundgebungen zusammen. Nach längeren Verhandlungen vereinigte sich auf dem Kongreß zu Gotha im Mai 1875 der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein mit der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Die neue Partei nannte sich „Sozialistische Arbeiterpartei“. Ihr Programm enthielt aber noch die Irrlehren Lassalles. Es erwähnte nicht die Notwendigkeit der sozialistischen Revolution.
Gothaer Kongreß
Marx und Engels, die Führer des Internationalen Proletariats, kritisierten das Gothaer Programm [2]. Engels tat das in einem Brief an Bebel, Marx in den „Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei“. Marx zeigte, daß es unsinnig ist, von einem junkerlichen Polizeistaat Freiheiten zu erwarten. In den Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei beschränkte sich aber Marx nicht auf Kritik. Er gab auch eine geniale Darlegung der Lehren des wissenschaftlichen Sozialismus über die Periode des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus und über die künftige kommunistische Gesellschaft.

c) Das Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokraten („Sozialistengesetz“)

Das Anwachsen der sozialistischen Bewegung unter der Führung von August Bebel und Wilhelm Liebknecht beunruhigte die Junker und die Bourgeoisie. Bismarck beabsichtigte, die Sozialistische Arbeiterpartei mit Gewalt zu vernichten. Als Vorwand benutzte er zwei Attentate, die im Mai und Juni 1878 auf Kaiser Wilhelm I. verübt wurden. Obwohl er wußte, daß die Sozialisten mit den Attentaten nichts zu tun hatten, nahm er sie zum Anlaß, um ein Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie im Reichstag durchzusetzen. Der erste Entwurf dieses Gesetzes wurde abgelehnt. Das Bürgertum befürwortete nur eine stärkere Verfolgung der Arbeiter im Rahmen der bestehenden Gesetze. Das zweite Attentat benutzte Bismarck, um am 11. Juni 1878 den Reichstag aufzulösen. Durch eine Neuwahl wollte er sich eine Mehrheit im Reichstag schaffen, die bereit war, seine arbeiterfeindliche Politik zu unterstützen. Der Wahlkampf wurde mit allen Mitteln der Verleumdung und des Terrors geführt. Dadurch erreichte Bismarck sein Ziel.
Bismarck Karikatur
Bismarck dressiert den Reichstag des Nordeutschen Bundes ( zeitgenöss.Karikatur)

Im neuen Reichstag wurde das Gesetz „Wider die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ mit 221 gegen 149 Stimmen am 19. Oktober 1878 angenommen und bereits am nächsten Tage verkündet. Am 21. Oktober 1875 trat es in Kraft. Die Sozialistische Arbeiterpartei einschließlich der Gewerkschaften und Arbeitersportvereine wurde verboten. Das Gesetz verbot außerdem die Herausgabe und den Vertrieb sozialistischer Zeitungen und Zeitschriften. Nach dem Artikel 28 des Gesetzes konnte der kleine Belagerungszustand über ein Stadtgebiet verhängt werden. Das bedeutete, daß die Mitglieder der Partei ohne Gerichtsurteil auf Befehl der Polizeibehörden ausgewiesen werden konnten. Die Polizei führte überall Massenverhaftungen und viele Ausweisungen von Parteimitgliedern und Funktionären durch. Es wurden hauptsächlich Familienväter ausgewiesen. Während der Zeit des Sozialistengesetzes, das von 1878 bis 1890 gültig war, wurden nach ungefähren Berechnungen 1300 Druckschriften und 332 Arbeiterorganisationen verboten, nicht weniger als 1500 Gerichtsurteile auf Gefängnisstrafen gefällt und 900 Ausweisungen vorgenommen. Bismarck glaubte, mit diesem Schlage die sozialistische Arbeiterbewegung vernichten zu können, was ihm aber nicht gelang.

d) Die Partei in der Illegalität

Das Ausnahmegesetz traf die Sozialistische Arbeiterpartei unvorbereitet. Durch die ersten Gewaltmaßnahmen der Regierung entstand eine große Verwirrung in der Partei. Es gab eine Gruppe innerhalb der Partei, die das Verbot durch Bismarck für selbstverschuldet hielt, weil man angeblich zu radikal gewesen sei. Sie wollte nun die Sozialistische Arbeiterpartei so umgestalten, daß Bismarck keinen Anlaß mehr haben konnte, sie zu verbieten. Diese Versuche, eine Reformpartei zu schaffen, um wieder legal (gesetzlich) arbeiten zu können, wurden von Karl Marx und Friedrich Engels als kleinbürgerliche Feigheit entschieden bekämpft. Unter Führung der revolutionären Funktionäre retteten die proletarischen Mitglieder ihre Partei aus dieser Verwirrung. Sie gründeten illegale (ungesetzliche) Parteiorganisationen in Berlin und dann auch in anderen Städten. Diese waren als Kegelklubs, Sparvereine, Kaninchen- und Kanarienvogelzüchtervereine getarnt. Die Mitglieder trafen sich heimlich, oft in abgelegenen Gaststätten oder auf einsamen Plätzen, um ihre Parteiarbeit weiterzuführen. Die illegale Berliner Bewegung tagte vielfach in der Gastwirtschaft „Schweinskopf“ in Spandau.

e) Die angeblich so soziale Gesetzgebung unter Bismarck

Bismarcks Versuch, mit dem Sozialistengesetz durch Gewaltmaßnahmen und Verfolgungen die Macht der Arbeiterklasse zu brechen und die Sozialdemokratische Partei zu vernichten, scheiterten am hartnäckigen Widerstand der Arbeiter. Doch Bismarck bekämpfte die Arbeiterbewegung nicht nur auf dem Wege der Gewalt, sondern versuchte auch, die Arbeiter durch sogenannte soziale Gesetze am Bestehen des deutschen Kaiserreiches zu interessieren. 1883 erließ er das Gesetz über die Krankenversicherung, 1884 über die Unfallversicherung und 1889 über die Invaliden- und Altersversicherung. Die Arbeiter wurden durch Krankheiten in bittere Not gestürzt, weil dann ihr Lohn ausfiel. Auch Bismarcks Gesetz über die Krankenversicherung konnte ihnen nicht helfen. Die sogenannten sozialen Gesetze waren völlig unzureichend und änderten nicht die soziale Lage der Arbeiterklasse. Im Januar 1890 gelang es Bismarck nicht mehr, das schändliche Ausnahmegesetz gegen die Sozialdemokratie zu verlängern. Bald darauf wurde er entlassen. Die Zeit des Sozialistengesetzes (1878 bis 1890) war die heroische Periode der deutschen Arbeiterbewegung vor dem ersten Weltkrieg.

Quelle:
Lehrbuch für den Geschichtsunterricht, 7.Schuljahr, Ausgabe 1952, Volk und Wissen Volkseigener Verlag. Berlin 1955, S.268-277.

Nachtrag:
In seinem Nachruf auf August Bebel schrieb Lenin 1913:
„Das nach dem Bismarckschen Programm geeinte, auf preußische und junkerliche Art erneuerte Deutschland beantwortete die Erfolge der Arbeiterpartei mit dem Sozialistengesetz. Die Partei der Arbeiterklasse wurde der legalen Möglichkeiten beraubt und für vogelfrei erklärt. Schwere Zeiten brachen an. Zu den Verfolgungen des Feindes kam eine innere Krise hinzu – Schwankungen in den Grundfragen der Taktik. Zuerst erhoben die Opportunisten ihr Haupt, die sich durch die Aufhebung der Legalität einschüchtern ließen und zu jammern anfingen, die uneingeschränkten Losungen fallenließen und sich selber vorwarfen, sie wären allzu weit gegangen usw. (…) Marx und Engels brandmarkten zornig von London aus die schändlichen opportunistischen Schwankungen. Bebel zeigte sich als wahrer Parteiführer. Er erkannte rechtzeitig die Gefahr, erkannte, wie richtig die Kritik von Marx und Engels war, und verstand es, die Partei auf den Weg des unversöhnlichen Kampfes zu lenken. Eine illegale Zeitung, Der Sozialdemokrat, wurde gegründet, die zuerst in Zürich, dann in London erschien, wöchentlich nach Deutschland gebracht wurde und an die 10.000 Abonnenten hatte. Mit den opportunistischen Schwankungen wurde entschieden Schluß gemacht.“ [3]

„Die letzte Krise in der deutschen Partei, in die Bebel auf das aktivste eingreifen mußte, war die sogenannte ,Bernsteiniade‘. Der ehemalige orthodoxe Marxist Bernstein gelangte am Ausgang des vorigen Jahrhunderts zu rein opportunistischen, reformistischen Anschauungen. Man versuchte, die Partei der Arbeiterklasse zu einer kleinbürgerlichen Partei sozialer Reformen zu machen. Unter den Beamten der Arbeiterbewegung, unter den Intellektuellen fand die neue opportunistische Seuche zahlreiche Anhänger.“ [4]
(… für die sogenannte „Linke“ in der BRD gilt heute genau das gleiche!)

[1] August Bebel: Mein Leben, Dietz Verlag Berlin, 1961, S.442f.
[2] Karl Marx, Kritik des Gothaer Programmentwurfs, in: Marx/Engels, Ausgew. Werke in sechs Bänden, Bd.IV, Dietz Verlag Berlin, 1988, S.375.
[3] W.I. Lenin, August Bebel, in: Ausgew.Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1975, Bd.II, S.345.
[4] W.I. Lenin, ebd., S.347.

Siehe auch:
J.W. Stalin: August Bebel. Der Führer der deutschen Arbeiterklasse (Baku 1910)
August Bebel: „Ich will der Todfeind dieser bürgerlichen Gesellschaftsordnung bleiben…“
August Bebel: Unser öffentliches Leben.

Der Krieg ist ein Computerspiel …

Zionist TerrorKein Zweifel: dieser israelische Soldat würde ohne Zögern auf den Abzug drücken…

Das Morden (aus purer Mordlust) lernt man heute schon am heimischen PC. Für Kinder ist es ein Computerspiel. Und später dann, in der Kaserne, erhalten die Soldaten ihre erste „Berufsausbildung“ darin, wie man Menschen am schnellsten, und möglichst lautlos umbringen kann. Mit dieser Waffe von Heckler und Koch, so wird einer dieser potentiellen Mordgesellen zitiert, könne man „gut arbeiten“. Und nicht erst die die Giftgasmorde im deutschen Kaisserreich, vor Ypern und bei Bolimów, waren ein Verbrechen. Nicht erst die Atombomben von Hiroshima und Nagasaki waren ferngelenkter Massenmord. Lachend stiegen die Soldaten aus ihren Flugzeugen und feierten, während im fernen Japan (und noch bis heute!) Hundertausende eines qualvollen Todes sterben. Natürlich war es Mord! Und natürlich führt weder die inhaltliche noch die juristische Debatte zu einem Ergebnis, da man sich schon über die Begriffe nicht einigen kann. Sind Soldaten also Mörder? Schon Martin Niemöller sagte in seiner Kasseler Rede am 25. Januar 1959: „Denn sie wissen, was sie tun! Krieg ist gegen den Willen Gottes. (…) Und damit ist heute die Ausbildung zum Soldaten die Hohe Schule für Berufsverbrecher. Mütter und Väter sollen wissen, was sie tun, wenn sie ihren Sohn Soldat werden lassen. Sie lassen ihn zum Verbrecher ausbilden.“ Es besteht kaum ein Zweifel – wenn nicht die Sowjetunion am 8. Mai 1945 über das faschistische Deutschland gesiegt hätte, dann hätte es auch die Nürnberger Prozesse nicht gegeben. Dann wären alle diese Verbrechen ungesühnt geblieben.

Natürlich war es Mord…

So kann eben auch ein US-amerikanischer Serienkiller öffentlich stolz auf seine „Lebensleistung“ sein, und bereuen, „nicht mehr getötet zu haben“. Denn schließlich sei diese Zeit in Afghanistan die beste Zeit seines Lebens gewesen. Mittlerweile betreibt der gläubige Christ eine private Sicherheitsfirma. Auch ein Anders Breivik, der Massenmörder von Utøya, wurde bislang nicht verurteilt. Vielleicht kann man ihn noch nachträglich für unzurechnungsfähig erklären, was man bei dem ersteren nicht nötig hat. Denn schließlich herrscht in Afghanistan seit langem Krieg. Und es ist, wie auch Tucholsky schrieb: „Da gab es vier Jahre lang ganze Quadratmeilen Landes, auf denen war der Mord obligatorisch, während er eine halbe Stunde davon entfernt ebenso streng verboten war. Sagte ich: Mord? Natürlich Mord. Soldaten sind Mörder.“ (Die Weltbühne am 4. August 1931)

Erziehung zur Gewalt im Interesse der Bourgeoisie

Und so beginnt heute die „patriotische Erziehung“ bereits in der Schule. Noch finden es die Kinder (wie z.B. in Litauen und Lettland) spannend, wenn der neofaschistische Instrukteur ihnen von den „Heldentaten“ der Waffen-SS berichtet. Noch finden sie es lustig, wenn sie den Stahlhelm aufsetzen dürfen und mit der MPi im Anschlag fotografiert werden, denn noch ist alles Spiel. Ein „patriotisches“ Spiel; und ihre „Helden“ sind die Soldaten…
(in der Hand das Porträt eines Mörders?!)

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Fotos: T. Subchankulow

Die Frage nach den Ursachen von Krieg und Gewalt

Immer stecken hinter den Handlungen der Menschen bestimmte Absichten, bestimmte Ziele und Interessen. Eine abstrakte Gewalt gibt es nicht. Gewalt ist immer historisch konkret. Sie dient der Durchsetzung der Macht einer bestimmten Klasse. Daher muß man zuallererst immer die Frage stellen: WEM NÜTZT ES … ? (Cui bono?) Es ist eine Frage der Moral. Und diese Moral ist eben immer die Moral einer bestimmten Klasse. Den handelnden Personen ist das oft nicht einmal bewußt. Sie wurden so erzogen. Sie sind Teil der Gesellschaft, sind Teil einer bestimmten Klasse. Und sie vertreten die Ansichten, die Ideologie dieser Klasse. Im kleinen wie im großen. Man muß also nach den materiellen Wurzeln der Gewalt, nach den Wurzeln dieser Sache fragen.

Gewalt ist kein bloßer „Willensakt“

Sehr ausführlich befaßt sich Friedrich Engels mit der Entstehung und der Rolle der Gewalt in der Geschichte. Entgegen den Ansichten des Herrn Dühring, der glaubt, daß die „politischen Zustände“ die entscheidende Ursache der allgemeinen Wirtschaftslage seien, beweist Friedrich Engels das Gegenteil, nämlich: „daß Gewalt kein bloßer Willensakt ist, sondern sehr reale Vorbedingungen zu ihrer Betätigung erfordert, namentlich Werkzeuge, von denen das vollkomenere das unvollkommenere überwindet; daß ferner diese Werkzeuge produziert sein müssen, womit zugleich gesagt ist, daß der Produzent vollkommenerer Gewaltwerkzeuge, vulgo Waffen, den Produzenten der unvollkommeneren besiegt, und daß, mit einem Wort, der Sieg der Gewalt beruht auf der Produktion von Waffen und diese wiederum auf der Produktion überhaupt, also – auf der ‚Ökonomischen Macht’, auf der ‚Wirtschaftslage’, auf den der Gewalt zur Verfügung stehenden materiellen Mitteln.“ [1]

Wem also nützt es? – Das ist hier die Frage!

In wessen Auftrag handelt der Soldat? Wer steht (unsichtbar) hinter ihm? Und wer liefert ihm die Waffen? Wer gibt ihm das Motiv, die Ideologie? Was denkt sich der Soldat in diesem Augenblick, wenn er auf Sie zielt? Zu welchem Zweck richtet er seine Pistole auf Ihr Herz…?
gezieltWie geht es Ihnen beim Anblick dieses Bildes?

Wie lange wird es Gewalt geben?

Karl Marx führt dazu aus: „Die arbeitende Klasse wird im Laufe der Entwicklung an die Stelle der alten bürgerlichen Gesellschaft eine Assoziation setzen, welche die Klassen und ihren Gegensatz ausschließt, und es wird keine eigentliche politische Gewalt mehr geben, weil gerade die politische Gewalt der offizielle Ausdruck des Klassengegensatzes innerhalb der bürgerlichen Gesellschaft ist.“ [2] – Doch bis es soweit ist, d.h. bis diese neue Ordnung der Gesellschaft sich endgültig durchgesetzt hat, solange wird es politische Gewalt noch geben. Im Kapitalismus beherrscht eine Minderheit die Mehrheit des Volkes. Und im Sozialismus wird es die Aufgabe sein, mit Hilfe des Staates die Macht der Mehrheit gegenüber der Minderheit der ehemaligen Ausbeuter und ihrer Helfershelfer zu schützen. Denn bekanntlich ist eine Revolution ja nur dann etwas wert, wenn sie sich auch zu verteidigen versteht (Lenin).

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Quelle:
[1] Friedrich Engels, Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft („Anti-Dühring“), in: K.Marx/F.Engels, Ausg. Werke in 6 Bänden, Bd.V, S.183f.
[2] Karl Marx, Das Elend der Philosophie, in: K.Marx/F.Engels, ebd., Bd.I, S.311.
(Danke an Nadja Norden für das Foto ganz oben)

Siehe auch:
Kurt Gossweiler, Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
M.P. Korobejnikow, Psychologische Kriegsvorbereitung
Der faschistische Krieg der NATO
Woher kommt die kriminelle Gewalt?

Über Lenin…

„Lenin war von Kopf bis Fuß
ein Mensch der neuen Welt.
Darin besteht seine riesige Be-
sonderheit, darin besteht sein
unbeschreiblicher Zauber.“

(A.W. Lunatscharski)

P. Belousow - Lenin
P. Belousow, W.I. Lenin hört Musik. (1969)

Je grandioser die Bewegung ist, die wir vor uns haben, und je ausgiebiger dieser oder jener Führer sie beherrscht, desto mächtiger erscheint uns natürlich sein Denken, sein Wille. Wladimir Iljitschs Denken war ausnehmend prägnant, von brillanter Exaktheit, jeden Gegenstand allseitig erfassend und deshalb geradezu hellseherisch. Wir wissen auch, daß Lenin und sein Wille selbst in einem derart stahlharten Apparat wie der in zwanzig Jahren Kampf geschmiedeten Kommunistischen Partei eine Art Motor waren, der oft den erforderlichen Antrieb gab und sich in der gesamten Parteiarbeit als das entscheidende Element erwies. Ohne sich auch nur für einen Augenblick von der Mehrheit der Partei loszulösen, war Lenin im vollen Sinne des Wortes der Antrieb der Partei,

Lenin selbst kannte natürlich diese Eigenschaft jedes hervorragenden und um so mehr jedes großen Mannes ganz genau. Er sprach zum Beispiel mit Vorliebe von der „physischen Kraft des Hirns“ eines Plechanow. Ich selbst habe ihn diese Worte mehrmals sagen hören und sie anfangs nicht ganz verstanden. Jetzt ist mir klar, daß genauso wie ein physisch starker Mensch denkbar ist, der den anderen ganz einfach und endgültig besiegen, ihn zu Boden werfen kann, es auch ein physisch starkes Hirn geben kann, von dem bei einer Kollision die gleiche unbezwingbare Macht ausgeht, die den anderen unterwirft. Die physische Kraft des Leninschen Hirns übertraf noch die gewaltige physische Kraft des Hirns eines Plechanow.

Aber die, wenn man es so nennen will, Größe und die Ausmaße des Denkens und des Willens machen noch keine Persönlichkeit aus. Sie sind maßgeblich für einen hervorragenden, einflußreichen Menschen, sie prägen ihn zu einer erstrangigen Größe im sozialen Gewebe, bestimmen jedoch keineswegs den Wesensinhalt der Persönlichkeit.

Oft denkt man (und nicht ohne Grund), der individuelle Charakter des Menschen spiele keine große Rolle in der Geschichte. In der Tat, ohne in einem gewissen Rahmen die Rolle der Persönlichkeit in der Geschichte leugnen zu wollen, müssen wir einräumen, daß gerade die Macht der Idee, die Intensität des Willens dabei die wichtigste Rolle spielen, geht doch alles übrige von der Gesellschaft aus. Die Tatsache, daß Marx oder Lenin zu Revolutionären, zu proletarischen Ideologen und Führern wurden, war von der Zeit im voraus bestimmt. Man könnte sagen, daß unter ähnlichen geschichtlichen und sozialen Bedingungen auch andere den gleichen Standpunkt bezogen hätten, nur haben beide diesen Standpunkt eben aufgrund ihrer Größe unvergleichlich deutlicher bekundet. Andere kennzeichnende Merkmale können hingegen selbst bei einer großen Persönlichkeit zwar von enormer Bedeutung für ihren Lebenslauf sein, rücken aber bei einer Analyse ihrer sozialen Bedeutung gleichsam in den Hintergrund.

Wladimir Iljitsch besaß aber einige Wesenszüge, die nur ihm eigen waren, die aber riesige soziale Bedeutung hatten.

Ich möchte zwei solche Wesenszüge hervorheben, die am augenfälligsten waren und die am bedeutendsten erschienen. Wichtig waren sie deshalb, weil sie Lenin als einen Kommunisten charakterisierten. Ich will damit nicht sagen, daß sie jedem Kommunisten eigen sind, aber sie müssen einem vollendeten Kommunisten eigen sein, einem Menschen, wie wir ihn gleichzeitig mit dem Aufbau der neuen Gesellschaft formen. Jeder von uns möchte vielleicht ein solcher Mensch sein, aber in vollendeter Form war es Wladimir Iljitsch.

Lenins sprichwörtliche Bescheidenheit

Der erste wesentliche Charakterzug, von dem ich hier spreche, bestand darin, daß Lenin jegliche Geltungssucht fehlte. Das ist eine Erscheinung von großer Tragweite, die eine gründliche Untersuchung in der kommunistischen Literatur verdient. Ich glaube, eine solche wird mit der Zeit vorgenommen, wenn Fragen der Kunst zu leben endgültig einen gebührenden Rang einnehmen werden.

Wir kennen eine Menge unbedeutender Leute, die auch gerade infolge ihrer geringen Bedeutung unerhört geltungssüchtig sind. Lew Tolstoi sagte einmal, der wahre Wert eines Menschen ergebe sich aus seinen guten Eigenschaften, dividiert durch den Grad seines Eigendünkels. Es heißt, daß sogar ein verhältnismäßig begabter Mensch, wenn er allzu eingebildet ist, lächerlich und sogar entbehrlich, ja gemeingefährlich sein kann. Und im Gegenteil, ein mäßig begabter Mensch, wenn er bescheiden ist, kann sowohl nett wie auch sehr nützlich sein.

Es wäre einfach lächerlich anzunehmen, die Bescheidenheit Wladimir Iljitschs, von der so oft geredet wird, sei darauf zurückzuführen, daß er sich über seine eigene geistige und sittliche Stärke im unklaren war. Bei einem Menschen vom bürgerlichen oder, genauer gesagt, vorkommunistischen Schlag wird eine derart exponierte Stellung und die Erkenntnis der eigenen Macht unbedingt von Geltungssucht begleitet. Sogar wenn ein solcher Mann bescheiden ist, werden Sie in seiner Bescheidenheit einen guten Schuß Heuchelei bemerken. Er trägt sich mit seiner Person, als sei es ein kostbares Gefäß, er will unbedingt auffallen, er spielt seine Rolle in der Geschichte und ist zugleich ein mehr oder minder entzückter Zuschauer.

Wladimir Iljitsch war das völlig fremd, und eben darin besteht seine außerordentlich kommunistische Art. Die ungewöhnliche Schlichtheit und Natürlichkeit, die ihn stets begleiteten, waren keineswegs eine Art „Feldgrau“, durch das sich Wladimir Iljitsch von den „goldbetreßten Waffenröcken“ anderer bedeutender geschichtlicher Persönlichkeiten und vieler weniger hervorragender abheben wollte. Nein, Wladimir Iljitsch wirkte deshalb schon in seinem Auftreten außerordentlich natürlich und fühlte sich unter noch so schwierigen Bedingungen wie ein Vogel im Himmel, wie ein Fisch im Wasser, weil er niemals Selbstbeobachtungen anstellte und niemals versuchte, sich selber einzuschätzen. Niemals verglich er seine Stellung mit der anderer. Er war eben von der Arbeit, die er leistete, ganz und gar in Anspruch genommen.

Von den Zielen dieser Arbeit ausgehend, wußte er wohl, daß er selbst: ein guter Arbeiter ist und die eine oder andere Arbeit besser als Genosse Soundso ausführen kann oder daß die Genossen Soundso diese Arbeit nur mit seiner Hilfe und nach seinen Anweisungen gut ausführen können. Aber das wurde gewissermaßen durch organisatorische Aufgaben diktiert, die sich aus dem Charakter der Arbeit ergaben.

Wladimir Iljitsch war in der tiefsten und schönsten Bedeutung dieses Wortes ein Mann der Tat. Natürlich ist eine derart treue Pflichtergebenheit eine derart bedingungslose, jeder Ziererei bare Hingabe an das Werk nur deshalb großartig und erhaben, weil das Werk selbst gewaltig ist oder, genauer gesagt, weil es das gewaltigste von allen denkbaren Vorhaben ist.

Wladimir Iljitsch lebte das Leben der Menschheit, in erster Linie das Leben der geknechteten Massen oder, wenn wir noch genauer sein wollen, das Leben des Proletariats und vor allem des fortschrittlichen und klassenbewußten Proletariats. Durch eine solche Kette war er also an die Menschheit geschmiedet. Und so empfand er sich und seinen Kampf im Schoß dieser Menschheit als etwas durchaus Natürliches, was sein ganzes Leben ausfüllte.

Aber gerade, weil Wladimir Iljitsch nicht den geringsten Wunsch verspürte, seine Persönlichkeit in den Vordergrund zu stellen, sie zu verschönen, infolge – ich würde sagen – der vollständigen Vernachlässigung seiner Persönlichkeit, weil er diese Persönlichkeit restlos der kommunistischen. Schmiede überantwortet hatte, blieb diese Persönlichkeit außerordentlich integer, wie aus einem Guß, urwüchsig und dennoch beispielgebend. Das Schönste, was wir alle unseren Kindern und Enkelkindern wünschen können, ist ja, in dieser Hinsicht soviel wie möglich dem großen Vorbild Lenins nachzueifern.

Lenin war ein ungewöhnlich heiterer Mensch

Und der zweite Wesenszug, den ich auf keinen Fall versäumen will zu nennen: Wladimir Iljitsch war ein ungewöhnlich heiterer Mensch. Das bedeutet natürlich keineswegs, daß ihm bei einer Nachricht oder bei einem Bild, die von irgendeinem Kummer seiner geliebten werktätigen Massen zeugten, das Herz nicht weh tat und sein Gesicht nicht traurig wurde. Alles Irdische nahm er sich sehr zu Herzen. Aber dennoch war er ein ungewöhnlich heiterer Mensch.

Warum lebte nun in Wladimir Iljitschs Herzen eine solche Freude, eine solche Heiterkeit? Ich glaube, es kam daher, weil er bis zur letzten Konsequenz stets ein Marxist der Tat war. Ein richtiger Marxist erkennt sämtliche Tendenzen und die Zukunft jeder Gesellschaftsformation. Wladimir Iljitsch hielt es für möglich, daß Kommunisten Fehler begehen können, daß sich die allgemeinen Umstände gegen sie wenden, aber einen Sieg der Feinde hielt er nie für möglich. Es ist genauso, wenn wir im Vorfrühling bei Wind und Regen durch die Pfützen waten und genau wissen, daß Mai und Wärme, Wladimir Iljitsch spielte die schwierigste Schachpartie der Welt, aber er wußte im voraus, daß er den Gegner matt setzen wird, oder besser gesagt, er wußte, daß die Partie, in der er selbst eine außerordentlich wichtige Figur war und die vom Proletariat gespielt wurde, unbedingt gewonnen wird.

[1926]

Quelle: A. Lunatscharski, Wie war Lenin? APN-Verlag 1981, S.40-45
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Lunatscharski: Im Kampf gegen die Unbildung
Lunatscharski. Erinnerungen an Lenin
Stalin: Lenin – Genius der Revoluton

Was ist sozialistische Planwirtschaft?

Ein neues Wirtschaftssystem ist fällig. Das Chaos bei der Herstellung lebensnotwendiger oder auch völlig unnötiger Güter, die durch die kapitalistische Überproduktion hervorgerufenen Wirtschaftskrisen, die zunehmende Verelendung ganzer Erdteile und Bevölkerungsschichten, die Flucht in die Rüstungsproduktion, die aufwendigen und oft ganz und gar überflüssigen Werbefeldzüge, die wuchernde Bürokratisierung, das kaputte Finanzsystem, die wachsende Schuldenlast der kapitalistischen Staaten, die Ruinierung ganzer Landstriche und der Ozeane durch die Großindustrie, die ständigen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Welt – auf der anderen Seite: der unermeßliche Reichtum einiger weniger Menschen, all das sind Symptome einer durch und durch kranken Gesellschaft. Wer das nicht sieht, dem ist nicht zu helfen!
Umwelt…das sind die Ruinen kapitalistischer Mißwirtschaft.

Nun mag es scheinen, als gäbe es da tatsächlich keinen Ausweg. Die Verflechtungen innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft sind über Jahrzehnte hinweg vielfältiger und komplizierter geworden. Die Macht der großen imperialistischen Staaten ist gewachsen. Der Einfluß der Menschen auf den Lauf der Dinge scheint begrenzt. Und die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung – so es denn solche überhaupt gibt! – scheinen sich spontan und ungeordnet durchzusetzen. Offenbar gibt es weder innerhalb dieser Staaten noch im Weltmaßstab ein geeignetes Gegengewicht, etwa so, wie es für viele hoffnungsvolle Volksdemokratien und junge Nationalstaaten im vergangenen Jahrhundert die Sowjetunion und das sozialistische Lager waren. Zum Kapitalismus gibt es also keine Alternative? Wirklich nicht?

Es dürfte klar sein, daß die Wirtschaft die Grundlage für die weitere gesellschaftliche Entwicklung eines Landes ist. Hier spielen sich die Auseinandersetzungen ab. Die Wirtschaft ist schließlich das Hauptfeld der Klassenkämpfe zwischen Lohnarbeitern und den Kapitalisten. Und so kann es nicht weitergehen. Auch wenn der einzelne Mensch die Geschichte kaum beeinflussen kann – die Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung gibt es. Sie wirken objektiv und sind unabhängig vom Bewußtsein. Doch nun genug der langen Vorrede.

Was ist eigentlich sozialistische Planwirtschaft?

Planwirtschaft (und zwar eine sozialistische Planwirtschaft!) ist erst dann möglich, wenn die Arbeiterklasse im Bündnis mit den Bauern und anderen Werktätigen die Macht erobert hat und sich die entscheidenden Produktionsmittel in den Händen des Volkes befinden. Wir sprechen hier von der Diktatur des Proletariats. Hier lenkt der sozialistische Staat die Wirtschaft mit Hilfe eines einheitlichen Planes. Dieser Plan wird auf der Grundlage des Marxismus-Leninismus und unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei entwickelt. Denn nur mit Hilfe einer wissenschaftlichen Weltanschauung ist es möglich, die objektiven Gesetzmäßigkeiten der gesellschaftlichen Entwicklung zu erkennen und bewußt zu nutzen.

Das wirtschaftliche Chaos beseitigen

Der Sinn dieser Sache ist der, daß das kapitalistische Chaos verschwindet. Doch dazu bedarf es der schöpferischen Arbeit aller Werktätigen. Anders ist Planwirtschaft nicht zu verwirklichen. Die sozialistische Planwirtschaft ist ein wesentlicher Vorzug der sozialistischen Gesellschaftsordnung. Das Ziel der sozialistischen Planwirtschaft ist die immer bessere Befriedigung der materiellen und kulturellen Bedürfnisse der Menschen. Die zentrale staatliche Planung und Leitung des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses ist verbunden mit der Eigenverantwortung der Betriebe. Sie beruht auf dem Prinzip des demokratischen Zentralismus. Dabei gilt es, die vorhandenen Ware-Geld-Beziehungen so auszunutzen, daß die Vorzüge des Sozialismus zur Geltung kommen.

Ist die Planwirtschaft in der DDR denn nicht gescheitert?

In der DDR war die sozialistische Planwirtschaft in der Verfassung verankert. Es wurden einheitliche Volkswirtschaftspläne ausgearbeitet, die den Interessen der gesamten Gesellschaft entsprachen. Entsprechend den sich verändernden Bedingungen war die SED bemüht, die sozialistische Planwirtschaft weiterzuentwickeln, was jedoch immer weniger gelang und zu dirigistischen Leitungsmethoden (im Stile eines Günter Mittag) entartete. Die Erfahrungen der Sowjetunion waren dabei kaum hilfreich, denn die KPdSU hatte nach 1956 einen revisionistischen Kurs eingeschlagen, und es war eine zunehmende Abweichung von den Grundprinzipien des Marxismus-Leninismus zu verzeichnen. Daher konnte auch keine harmonische Gestaltung aller Bereiche der entwickelten sozialistischen Gesellschaft erreicht werden, und die sozialistische Ökonomische Integration innerhalb der sozialistischen Länder blieb auf der Strecke.

Wie hätte es richtig laufen müssen?

Durch eine wissenschaftlich begründete Planung wird die effektivste Variante der volkswirtschaftlichen Entwicklung unter Berücksichtigung der realen Bedingungen ausgearbeitet. Sie ist danach konsequent umzusetzen. Die Funktionsfähigkeit der sozialistischen Planwirtschaft ist die entscheidende Voraussetzung für den Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Die langfristigen Pläne, Fünfjährplane und Jahrespläne müssen gut vorbreitet und wissenschaftlich fundiert sein. Sie werden mit Hilfe der wirtschaftlichen Rechnungsführung kontrolliert und abgerechnet. Die Einbeziehung der Wissenschaft in den Reproduktionsprozeß, die Wechselbeziehungen zwischen Volkswirtschaft, Bildungswesen, Kultur und anderen gesellschaftlichen Bereichen führen dazu, daß die Pläne nicht nur die Volkswirtschaft zum Gegenstand haben, sondern mit ihnen die Entwicklung der gesamten Gesellschaft gelenkt wird. Die sozialistische Planwirtschaft entspricht den Interessen der sozialistischen Gesellschaft. In der Praxis beweist sich hier die Überlegenheit des Sozialismus gegenüber dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Und nur so kann aus historischer Sicht die Grundfrage „Wer-wen?“ zugunsten des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus entschieden werden.

Siehe:
Kleines Politisches Wörterbuch, Dietz Verlag, Berlin, 1973, S.787f.

Weitere Beiträge dazu:
Der Sozialismus war und ist lebensfähig
Albert Einstein: Warum Sozialismus?
Die Schwierigkeiten der Sowjetunion
Der Sozialismus in der DDR
L.Pribytkowa – Die Demontage. (ein Bericht über die UdSSR)
Sehr interessante Beiträge auch in: Niederlagenanalyse.
http://www.triller-online.de/niederlage.pdf

Eine sehr aufschlußreiche Chronologie der Ereignisse finden Sie auch hier:
Dr. Kurt Gossweiler: Die Taubenfuß-Chronik oder Die Chruschtschowiade (2 Bde.)
Lies dazu: Wie konnte das geschehen? (pdf)