Von der USA-Militärmacht umzingelt – Der Iran.

Who is Threatening Whom?
45 US Bases Surround Iran

Each star is a US base. But just to be clear, Iran is the one that is threatening US.
US-Bedrohung

Quelle:
Information Clearing House (Danke Nadja, für den Hinweis.)

Siehe auch:
Der Iran – eine Bedrohung für die Menschheit???

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Das Gossweilersche Gesetz

Man kann den Namen von Peter Hacks nicht nennen, ohne zugleich an einen der beständigsten und geradlinigsten kommunistischen Historiker unserer Zeit erinnert zu werden, an Dr. Kurt Gossweiler. Beide verbindet ein sehr aufschlußreicher und bis ins Detail spannender Gedankenaustausch zu aktuellen politischen Fragen, den der Philosoph Prof. Hans Heinz Holz wie folgt kommentierte:
„Der Briefwechsel zwischen Hacks und Gossweiler gibt eher das Bild zweier Felsen, die in der Brandung der Niederlage unerschütterlich fest stehen. (…) Der Bitterkeit, daß der Sozialismus in der Sowjetunion und in der DDR nicht von außen besiegt, sondern durch innere Fäulnis sturmreif gemacht wurde, wirkt immer wieder der ungebrochene Kampfgeist entgegen, der die freigelegten Einbruchstellen zu Ausfalltoren gegen die Konterrevolution machte. Da wird eine Bastion nicht nur verteidigt, sondern zum Stützpunkt der Gegenoffensive ausgebaut. Und das Lamento über die Niederlage muß nicht bei Gorbatschow beginnen, die Analyse bis zu Chruschtschow zurückgeführt werden, wenn Ursachen begriffen werden sollen. Die Klarheit der politischen Kernaussagen in diesem Briefwechsel besticht, für jeden lesenswert, der in den Wirrungen der aktuellen Tagesläufe, der Wendungen und Täuschungen Orientierung sucht.“ (Peter Hacks, Am Ende verstehen sie es, Politische Schriften, 1988 bis 2003, Eulenspiegel Verlag, 2005, Vorwort, S.10f.)
So lesen wir in einem der Briefe von Peter Hacks (vom 9.3.1998) an seinen kongenialen Korrespondenzpartner:

Das Gossweilersche Gesetz

Für Ihre wichtige Nachricht halte ich eine These, die Sie gar nicht aufstellen, die ich aber aus Ihnen extrapoliere und das Gossweilersche Gesetz nennen will. Es lautet:
Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem etwa konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen. Wie hoch der Anteil jeweils ist, ist kaum eine Frage der Gunst oder Ungunst der gesellschaftlichen Stunde. Das Vorhandensein großartiger Führer, Lenins, Stalins, Ulbrichts, hingegen kann die Quote der Revisionisten entmutigen und für eine gewisse Weile senken. … Ihre Analysen der Schauprozesse, des Stalin-Hitler-Pakts und der Tito-Geschäfte sind samt und sonders Befreiungsschläge. (ebd. S.112)

Siehe auch (von und über Kurt Gossweiler):
Kurt Gossweiler: Das politische Archiv
Dr. Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts
Kurt Gossweiler: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
Kommunistische Arbeiterzeitung: Wie konnte das geschehen? (pdf-Datei)
(Corell: Rezension zu Bd.2 der Taubenfuß-Chronik von K.Gossweiler)

oder (über den Revisionismus):
Revisionisten und Marx-Fälscher
Ljubow Pribytkowa: Die Demontage

Die KZ der deutschen Faschisten 1933-45

Die faschistischen KZ
Faschistische Konzentrationslager (1936-45)

Die Konzentrationslager (KZ) waren Haft-, Zwangsarbeits- und Vernichtungslager der Hitler-Faschisten. Sie wurden 1933 eingerichtet, um die politischen Gegner der Faschisten, die Funktionäre und Mitglieder der Parteien und Organisationen der Arbeiterklasse, besonders der KPD, auszuschalten und zu vernichten. Die Häftlinge wurden ohne Gerichtsverfahren auf unbestimmte Zeit eingesperrt. Seit Beginn des 2. Weltkrieges dienten die KZ außerdem zur systematischen Ausrottung anderer Völker, insbesondere der Sowjetbürger, Polen und Juden.
Berüchtigte KZ
Ab 1942 wurde der Einsatz von Häftlingen in der Rüstungsindustrie verstärkt, das Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt der SS übernahm die Leitung des KZ-Systems. Außerdem gab es eine Anzahl von Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, Belzec, Kulmhof, Sobibór und Treblinka sowie in den besetzten Gebieten Wehrmachts-KZ (wie in Osaritschi/Belarussische Sowjetrepublik), Arbeitslager und Ghettos mit Zuständen wie in den KZ. Durch Massenvernichtung, Zwangsarbeit, menschenverachtender Experimente, Unterernährung und Krankheit wurden von 18 Millionen Häftlingen aus fast allen europäischen Ländern etwa 11 Millionen ermordet.

1944 bestanden insgesamt 28 Hauptlager mit über 2.000 Außenlagern. Von den etwa 18 Millionen Menschen, die in KZ inhaftiert waren, fielen 11 Millionen der Gewaltherrschaft zum Opfer, etwa 4,5 Millionen davon wurden in Auschwitz mit den Giftgasen des IG-Farben-Konzerns umgebracht. In Buchenwald und anderen Lagern organisierten Antifaschisten, an der Spitze Mitglieder kommunistischer Parteien vieler Länder, den Widerstand, retteten vielen Menschen das Leben und bereiteten die Befreiung vor; in allen großen KZ bildeten sich internationale Komitees, die den Kampf der Häftlinge verschiedener nationaler Organisationen leiteten.
Kinder in AuschwitzKinder im faschistischen KZ Auschwitz

Mit den Niederlagen der faschistischen Wehrmacht wurden die SS-Wachmannschaften noch brutaler und mordgieriger. Wollten sie doch möglichst viele Spuren ihrer Verbrechen vernichten und die Zeugen ihrer Untaten beseitigen. So begann die SS gegen Ende des 2.Weltkriegs die KZ zu evakuieren. In Marschkolonnen wurden die entkräfteten Häftlinge in Transporte verfrachtet oder auf der Flucht vor den Allierten ziellos über die Landstraßen getrieben. Tausende Häftlinge schleppten sich unter schärfster Bewachung durch die angrenzenden Städte und Dörfer. Wer zusammenbrach oder zu flüchten versuchte, wurde von der SS an Ort und Stelle gnadenlos erschossen. Noch heute findet man (auf dem Gebiet der ehemaligen DDR) vereinzelt an verschiedenen Orten Gedenksteine, die an die Opfer des der Todesmärsche erinnern. Sie wurden alle in der DDR von Schulkindern und den Anwohnern regelmäßig gepflegt. Das gibt es heute nur noch selten…

Quelle:
Meyer’s Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1976, S.371f.
BI Universal-Lexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1986, Bd.3, S.196

Siehe auch:
Faschismus
Die Lebensbedingungen im KZ Buchenwald
Das Wehrmachts-KZ in Osaritschi
Das faschistische KZ Dachau
Das Frauen-KZ in Ravensbrück
Faschismus – Ghetto – Massenmord
Der Nürnberger Prozeß: Epilog

Im Kommentar dazu (s.u.) ein Gedicht des großen deutschen Dichters
Johannnes R.Becher: Kinderschuhe aus Lublin. (Danke, Inson!)

Erich Honecker: Über den Sozialismus und seine Zukunft

„Die wichtigste der Lehren bestand darin, daß eine
Zukunft für die Menschheit nur ‚von unten her’, vom
Standpunkt der Unterdrückten und Ausgebeuteten
aus, sichtbar wurde. Nur mit ihnen kämpfend,
kämpft man für die Menschheit.“

(Bertolt Brecht)

Nach dem schmählichen Ende der DDR, und damit der Beseitigung des Sozialismus auf deutschen Boden, äußerte sich der von solchen Verrätern wie Krenz, Modrow, Gysi und Konsorten „abgesetzte“ Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR im Jahre 1992 wie folgt:

Hatten wir Sozialismus in der DDR?

In dieser sturmbewegten Zeit wird oft die Frage gestellt, ob das, was in der DDR war, Sozialismus war. Ja, so erklärte ich bereits im Frühjahr 1990, es war Sozialismus, auf jeden Fall ein Stück von ihm. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war durch die Vergesellschaftung der wesentlichen Produktionsmittel, die Entwicklung der volkseigenen Betriebe und der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften beseitigt. In der Auseinandersetzung mit bürgerlichen Ideologien sprachen wir vom real existierenden Sozialismus, seinem planmäßigen Aufbau, der im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft seinen Bürgern Sicherheit und Geborgenheit garantierte.

Die Arroganz und der Zynismus des Herrn Gysi

Hier entwickelte sich friedliches Miteinander! Solidarität gedieh in unserer Gesellschaft nicht nur in den sogenannten Nischen, in denen sich Spießer und Opponenten eingerichtet hatten. Es spricht von Arroganz und Zynismus, wenn Herr Gysi alles das, was die Bürger heute schmerzhaft vermissen, als „Feudalismus“ und „Stalinismus“ und die SED als „reaktionäre Partei“ bezeichnet. Gleichwohl hat er und manche Leute, die so reden wie er, alle Möglichkeiten, die der Arbeiter-und-Bauern-Staat dieser Generation bot, einschließlich seine Ausbildung voll genutzt. Ich gehöre zu jenen – das mag für die Bourgeoisie und ihre Statthalter bedauerlich sein –, die nach der Niederlage nicht die Flinte ins Korn werfen. Das tat ich wie Hunderttausende auch 1933 nicht.

Welche Rolle spielte die DDR?

Wenn man der festen Überzeugung ist, daß der Sozialismus die einzige Alternative zum Kapitalismus darstellt, dann muß man mit Konsequenz dafür eintreten, welche konkreten Formen er künftig auch annehmen mag. Diese konsequente Haltung nehmen viele ehemalige Mitglieder der SED ein, die Organisatoren neuer kommunistischer Gruppen, auch ein Teil der Mitglieder der PDS, und diese konsequente Haltung vertreten in Deutschland vor allem die DKP und die KPD. Allein die Existenz der DDR, dieses von der Reaktion so übel verleumdete „Phänomen“, hat mehr Einfluß auf das Weltgeschehen ausgeübt als viele heute annehmen. Das brachte ein älterer Genosse im März 1991 überzeugend zum Ausdruck.

Er nannte folgende Fakten:
1. Die DDR hat mit ihrem nichtkapitalistischen Modell auf die sozialökonomischen Auseinandersetzungen in Westdeutschland ersichtliche Wirkungen ausgeübt, so die BRD-Arbeitgeber zu akzeptablen Kompromissen bewogen und damit nicht nur am Sozialpaket mitgewirkt, sondern auch zum stabilen inneren Markt beigetragen, der die Außenmarktsituation abstützte.
2. Die DDR hat, was gleichfalls verschwiegen wird, auf andere Weise den wirtschaftlichen Aufschwung in der BRD mit hohen Opfern begünstigt: sie hat für ganz Deutschland die Reparationen des 2.Weltkrieges an die Sowjetunion auf Heller und Pfennig bezahlt. Dafür hätte die BRD eigentlich an die DDR rund 700 Mio. Mark zahlen müssen.
3. Vor allem aber hat die DDR an der Nahtstelle von NATO und Warschauer Pakt das militärische Patt zwischen den Supermächten ermöglicht, 40 Jahre Frieden in Europa gesichert und einen dritten Weltkrieg verhindert!

Das sind sehr zutreffende Einschätzungen! Kaum jemand kann angesichts der Tatsache in unserer trotz der staatlichen Einheit geteilten Nation bestreiten, daß die Politik der DDR auf das Wohl der Menschen gerichtet war. Es gab bei uns niemand, der auf Kosten des Volkes lebte. Alles, was produziert wurde, wurde verteilt.

Wir hatten ein großes Stück Sozialismus in der DDR

Warum konnten wir uns zum Beispiel leisten, für alle Kinder einen Kindergartenplatz bereitzustellen, und das fast kostenlos. Für 60 Prozent der Kinder gab es Krippenplätze und Schulhorte für alle Kinder der Klassen l bis 4. Der Staat und die Betriebe stellten die Mittel für die Ferienaufenthalte, für Sport, Kultur und Soziales. Die Betriebsfonds sicherten die Gewährleistung der polytechnischen und der Berufsausbildung, die Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeiter, Meister und Ingenieure. Es gab eine zehnjährige Schulausbildung für alle, Fach- und Hochschulen in großem Umfang, wir „leisteten“ uns notwendigen Bildungsvorlauf, Schulspeisung und Fürsorge für die Alten, Volkssolidarität, ein weit ausgebautes Gesundheitswesen mit seinen Polikliniken, ein Erholungswesen, das über die Gewerkschaften gesteuert wurde. Die Jugend hatte eine Perspektive, die Kinder waren umsorgt von Familie und Gesellschaft. Die Mittel für die sozialen Leistungen flossen aus dem gesellschaftlichen Eigentum, aus den erwirtschafteten Gewinnen, die eben nicht wie im Kapitalismus als Profite in die Taschen Einzelner fließen konnten. All das hat etwas mit realem Sozialismus zu tun.

Quellen:
Zitat Brecht: Rede anläßlich der Verleihung des Lenin-Preises (1955)
Erich Honecker: Zu den dramatischen Ereignissen, W.Runge Verlag, Hamburg,1992, S.41f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Margot Honecker: Und der Zukunft zugewandt
Erich Honecker – Ein Nachtrag
Was ist sozialistische Planwirtschaft?
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie

In dem nun folgenden Interview äußert sich Genosse Erich Honecker zur Zukunft des Sozialismus: http://youtu.be/I75iMmhP5iU

Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja – die unvergessene Heldin der Sowjetunion

Soja Kosmodemjanskaja
Um die Heldentat der jungen Komsomolzin, der ersten Frau, die in den Jahren des Großen Vaterländischen Krieges „Held der Sowjetunion“ wurde, ranken sich bis heute zahlreiche Vermutungen und Klatschgeschichten. Seit dem verleumderischen XX.Parteitag der KPdSU, und noch viel mehr nach der sogenannten „Perestrojka“, geben sich in den Redaktionsstuben und Fernsehstudios, nicht nur in Rußland, die Lügenmärchenerfinder, dubiose „Zeitzeugen“ und andere Wichtigtuer gegenseitig die Klinke in die Hand. Immer neue „Stories“ wurden nach der sensationsgierigen „Öffnung der Archive“ eigens zu dem Zweck entdeckt und erfunden, um die heldenhafte Geschichte der Sowjetunion, dieses ersten sozialistischen Landes der Welt, aus dem Gedächtnis der Menschheit zu verdrängen, oder wenn das schon nicht geht, so doch zumindest in den Schmutz zu ziehen. Immer wieder versuchen selbsternannte oder tatsächliche „Historiker“, ihre antikommunistischen, oft mit seitenlangen Quellenverweisen verzierten Machwerke auf den Markt zu werfen. Ohnedies hatte die Gorbatschowsche Katastrojka mit Sacharow, Solzhenizyn, Jakowlew und Wolkogonow eine ganze Reihe solcher zwielichtiger Gestalten an die Oberfläche gespült, die angesichts ihrer Leistungen, die sie für ihr Heimatland erbrachten, sicherlich sehr schnell in Vergessenheit geraten wären… (wenn nicht sogar an den Galgen!)

Doch was ist alles das gegen eine wirkliche Heldentat! Und es gab sie millionenfach in der Sowjetunion, diese Helden! Das nicht nur zu Zeiten des Großen Vaterländischen Krieges. Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja war eine von ihnen. Bestehen bleibt die historische Wahrheit! Ihr Heldenmut bleibt uns für immer unvergessen.

Sergej Turtschenko
Die Wahrheit über Soja Kosmodemjanskaja

Die Geschichte der Heldentat Soja Kosmodemjanskajas erscheint im Grunde genommen schon seit der Kriegszeit wie eine Sammlung ausgewählter Texte zu Unterrichtszwecken. Wie darüber gesprochen wird, wurde irgendwie festgeschrieben. Nichtsdestoweniger erscheinen in der Presse, nicht zuletzt auch im Internet, nun auch noch irgendwelche „Offenbarungen“ eines heutigen Historikers: Soja Kosmodemjanskaja sei nicht eine Verteidigerin des Vaterlandes gewesen, sondern eine Brandstifterin, die Dörfer am Rande Moskaus zerstört, und damit die örtliche Bevölkerung bei der grimmigen Kälte zum Untergang verdammt habe. Deshalb hätten sie angeblich die Bewohner von Petrischtschewo selbst ergriffen und an die Okkupationsmacht verraten. Und als das Mädchen hingerichtet worden sei, hätten die Bauern sie angeblich sogar verflucht.

Die „geheime“ Mission

Selten entsteht eine Lüge auf einem leeren Fleck, alle möglichen „Geheimnisse“ und unausgesprochene offizielle Deutungen der Ereignisse sind ein Nährboden dafür. Einige Umstände von Sojas Heldentat waren geheimgehalten worden, und daher wurden sie von Anfang an auch etwas verzerrt dargestellt. Sogar bis in jüngste Zeit war nach den offiziellen Versionen nicht eindeutig bestimmt, wer sie war, und was sie in Petrischtschewo konkret gemacht hat. Man nannte Soja eine Moskauer Komsomolzin, die sich ins Hinterland des Feindes begeben hatte, um Partisanen- und Aufkläreraufgaben zu erfüllen und in Petrischtschewo bei der Ausführung der Kampfaufgabe gefaßt wurde.

Unlängst lernte ich die Veteranin des Frontnachrichtendienstes Alexandra Potapowna Fedulina kennen, die Soja gut kannte. Die alte Kundschafterin berichtete:

„Soja Kosmodemjanskaja war keine Partisanin. Sie war eine Rotarmistin in der Diversionsbrigade, die der berühmte Artur Karlowitsch Sprogis führte. Im Juni 1941 bildete er den besonderen Truppenteil № 9903 für die Durchführung von Diversionshandlungen im Hinterland der gegnerischen Armeen. Sie war gebildet worden von Freiwilligen aus Komsomol-Organisationen Moskaus und des Moskauer Gebietes, und der Kommandeursbestand wurde aus den Hörern der Frunse-Militärakademie zusammengestellt. Während der Schlacht bei Moskau wurden in diesem Kundschafter-Truppenteil der Westfront 50 Kampfgruppen und Abteilungen vorbereitet. Insgesamt waren von September 1941 bis Februar 1942 89 von ihnen ins Hinterland des Gegners vorgedrungen. Sie vernichteten 3.500 deutsche Soldaten und Offiziere, liquidierten 36 Verräter, sprengten 13 Tanks mit Brennstoff und 14 Panzer. In Oktober 1941 lernte ich zusammen mit Soja Kosmodemjanskaja in einer Gruppe an der Kundschafterschule der Brigade. Später gingen wir zusammen zu Spezialaufträgen ins Hinterland des Feindes. In November 1941 wurde ich verwundet, und als ich aus dem Lazarett zurückkam, erfuhr ich die tragische Nachricht über Sojas Märtyrertod.“

„Aber warum haben Sie darüber so lange geschwiegen, daß Soja eine Frontsoldatin der Roten Armee war?“ fragte ich Frau Fedulina interessiert.

„Weil die Dokumente, die den Kampfauftrag – insbesondere von Sprogis’ Brigade – beinhalten, geheimgehalten wurden. Später wurde mir ermöglicht, mich mit dem seit einiger Zeit freigegebenen Befehl des Stabes des Obersten Befehlshabers № 0428 vom 17. November 1941, bekanntzumachen, welcher von Stalin unterschrieben worden war. Ich zitiere: Man muß «der deutschen Armee der Möglichkeit entziehen, sich in den Dörfern und den Städten einzurichten, die deutschen Eroberer aus allen besiedelten Punkten aufs Feld in die Kälte hinauswerfen, sie aus allen Räumen und warmen Zufluchtsorten ausräuchern und zwingen unter freiem Himmel zu frieren. Es sind alle besiedelten Punkte im Hinterland der deutschen Armeen in einer Entfernung 40-60 km in der Tiefe von der Hauptkampflinie und auf 20-30 km nach rechts und nach links von den Wegen zu zerstören und niederzubrennen. Für die Vernichtung der besiedelten Punkte im angegebenen Handlungsraum, hat die Luftflotte sofort zu bombardieren, mit Artillerie und Minenwerfern, mit den Abteilungen der Aufklärer, Skiläufer und Diversantengruppen, die mit Flaschen mit Zündsatz, mit Granaten und von den Sprengmitteln versehen sind, ist ein breites Feuer zu eröffnen. Beim erzwungenen Rückzug unserer Truppen…. hat die sowjetische Bevölkerung unbedingt fortzuführen, ausnahmslos alle besiedelten Punkte zu zerstören, so daß der Gegner sie nicht verwenden kann».

Eine solche Aufgabe erfüllten im Moskauer Gebiet die Kämpfer der Abteilung von Sprogis, einschließlich der Rotarmistin Soja Kosmodemjanskaja. Wahrscheinlich wollten die Führung des Landes und der Streitkräfte nach dem Krieg keine Informationen darüber verbreiten, daß die Kämpfer der Sowjetarmee im Moskauer Gebiet Dörfer niederbrannten, und deshalb war es lange Zeit nicht wünschenswert, den obengenannten Befehl des Stabes und andere derartige Dokumente freizugeben.

Natürlich wirft dieser Befehl ein sehr ungesundes und vieldeutiges Licht auf die Moskauer Schlacht. Aber die Wirklichkeit des Krieges ist wesentlich grausamer, als unsere heutigen Vorstellungen darüber. Es ist nicht bekannt, wie diese blutigste Schlacht des Zweiten Weltkrieges ausgegangen wäre, wenn die Faschisten die Möglichkeit gehabt hätten, sich in den geheizten ländlichen Hütten auszuruhen und in den Kolchoskantinen die Taschen zu füllen. Aus diesem Grunde bemühten sich viele Kämpfer der Abteilung von Sprogis, nur jene Hütten anzuzünden und zu sprengen, wo sich die Faschisten einquartiert und ihre Stäbe eingerichtet hatten. Man braucht auch sicherlich nicht zu betonen, daß es, wenn der Kampf um Leben oder Tod geht, für das Handeln der Menschen wenigstens zwei Wahrheiten gibt: die eine – eine menschliche (um jeden Preis überzuleben), die andere – eine heldenhafte (die Bereitschaft zur Selbstaufopferung für den Sieg). Gerade das Aufeinanderprallen dieser zwei Wahrheiten geschah 1941 und geschieht auch heute, wenn es um die Sojas Heldentat geht.

Was geschah in Petrischtschewo?

In der Nacht vom 21. zum 22. November 1941 überquerte Soja Kosmodemjanskaja mit ihrer speziellen Diversions- und Aufklärungsgruppe von 10 Personen die Frontlinie. Schon auf besetztem Gebiete trafen die Kämpfer in der Tiefe des Waldes auf eine feindliche Streife. Einer kam um, ein anderer lief vor Angst zurück, und nur drei – der Kommandeur der Gruppe Boris Krajnov, Soja Kosmodemjanskaja und der Komsomolorganisator der Aufklärerschule Wassili Klubkow setzten ihren Weg entsprechend der zuvor festgelegten Strecke fort. In die Nacht vom 27. zum 28. November erreichten sie das Dorf Petrischtschewo, wo sie den Auftrag hatten, neben anderen militärischen Objekten der Nazis, den unter einem Pferdestall sorgfältig getarnten Stützpunkt der funk- und nachrichtentechnischen Aufklärung zu zerstören.

Der Älteste, Boris Krajnow, legte die Aufgaben fest: Soja Kosmodemjanskaja hatte in den südlichen Teil des Dorfes vorzudringen und mit Brandflaschen diejenigen Häuser zu zerstören, wo sich die Deutschen einquartiert hatten, Boris Krajnow sollte sich den zentralen Teil des Dorfes vornehmen, wo der Stab untergebracht war, und Wassili Klubkow den nördlichen. Soja Kosmodemjanskaja hatte ihren Kampfauftrag erfolgreich ausgeführt und mit den Brandflaschen zwei Häuser und ein feindliches Auto zerstört. Doch hat beim Rückzug in der Wald, als sie schon weit vom Ort des Anschlags entfernt war, bemerkte sie Ortsälteste Swiridow. Er rief die Faschisten herbei. Und Soja wurde verhaftet. Die dankbaren Besatzer füllten Swiridow ein Glas mit Wodka, wie die Dorfbewohner Petrischtschewo nach der Befreiung darüber erzählten.

Soja wurde lange und bestialisch verhört, gab aber keine Information weiter, weder über die Abteilung, noch darüber, wo ihre Genossen warten sollten. Doch bald darauf hatten die Faschisten auch Wassili Klubkow festgenommen. Er bekam es mit der Angst zu tun erzählte und zeigte ihnen alles, was er wußte. Wie durch ein Wunder schaffte es Boris Krajnow, in den Wald zu entkommen.

Der Verräter

In der Folge wurde Klubkow von den faschistischen Spionen umgedreht und mit einer „Legende“ über seine Flucht aus der Gefangenschaft zurück in die Abteilung von Sprogis geschickt. Aber dort hat man ihn schnell überführt. Beim Verhör berichtete Klubkow von Sojas Heldentat.

Aus dem Verhörprotokoll vom 11. und 12. März 1942:
„Frage: Präzisieren Sie die Umstände, unter denen Sie in Gefangenschaft geraten sind?
Antwort: Als ich zu dem mir bestimmten Haus kam, habe ich die Brandflasche angebrochen und geworfen, aber sie ging nicht in Flammen auf. Da sah ich in der Nähe von mir zwei deutsche Posten und ich bekam Angst, und lief in den Wald, der 300 Metern vom Dorf gelegen ist. Als kaum in der Wald gelangt war, haben sich zwei deutschen Soldaten auf mich geworfen, haben mir die Pistole mit den Patronen, die Taschen mit fünf Brandflaschen und die Notration abgenommen, wobei auch ein Liter Wodka war.
Frage: Welche Aussagen Sie haben dem Offizier der deutschen Armee gemacht?
Antwort: Als mich dem Offizier übergaben, hatte ich Angst und erzählte, daß wir zu dritt gekommen sind und nannte die Namen Krainow und Kosmodemjanskaja. Der Offizier gab den deutschen Soldaten auf Deutsch irgendeinen Befehl, sie gingen schnell aus dem Haus und brachten nach einigen Minuten Soja Kosmodemjanskaja. Ob sie auch Krajnow gefaßt haben, weiß ich nicht.
Frage: Waren Sie beim Verhör Kosmodemjanskajas anwesend?
Antwort: Ja, ich war anwesend. Der Offizier fragte sie, wie sie das Dorf angezündet hat. Sie antwortete, daß sie das Dorf nicht angezündet hat. Danach begann der Offizier, Soja zu verprügeln und forderte Aussagen, aber sie lehnte es kategorisch, zu antworten. Während ihrer Anwesenheit gab ich dem Offizier an, daß sie wirklich Soja Kosmodemjanskaja ist, die zusammen mit mir ins Dorf gekommen war, um Diversionsakte auszuführen, und daß sie den südlichen Rand des Dorfes angezündet hat. Auch danach antwortete Kosmodemjanskaja nicht auf die Fragen des Offiziers. Als sie sahen, daß Soja schweigt, zogen einige Offiziere sie nackt aus und verprügelten sie, um Aussagen zu bekommen, 2–3 Stunden brutal mit Gummiknüppeln. Kosmodemjanskaja erklärte den Offizieren: ‚Töten Sie mich, ich werde Ihnen nichts erzählen.’ Danach wurde sie abgeführt, und ich sah sie nicht mehr.“

Aus dem Verhörprotokoll der A.W.Smirnowa vom 12. Mai 1942:
„Am folgenden Tag nach dem Brand befand ich mich bei meinem verbrannten Haus, da kam die Bürgerin Solina zu mir und sagte: ‚Gehen wir, ich werde dir zeigen, wer dich angezündet hat.’ Nach diesen von ihr gesagten Worten sind wir zusammen ins Haus von Kulikow gegangen, wo sich der Stab eingerichtet hatte. Als wir ins Haus gingen, haben Soja Kosmodemjanskaja gesehen, die von deutschen Soldaten bewacht wurde. Ich und Solina fingen an, sie zu beschimpfen, außer dem Schimpfen habe ich auf Kosmodemjanskaja zwei Mal mit dem Fausthandschuh ausgeholt, und Solina hat sie mit der Hand geschlagen. Weiter hat uns Walentina Kulik nicht erlaubt, die Partisanin zu verhöhnen, da sie uns aus dem Haus warf. Während der Hinrichtung von Soja Kosmodemjanskaja, als die Deutschen sie zum Galgen brachten, ich habe einen Holzstab genommen, bin zu dem Mädchen hingegangen habe sie vor den Augen aller Anwesenden auf die Beine geschlagen. Es war in jenen Moment, als die Partisanin unter dem Galgen stand, was ich dabei sagte, ist mir nicht mehr in Erinnerung.“

Die Hinrichtung

Aus den Aussagen des Einwohners des Dorfes Petrischtschewo W.A.Kulika: „Man hatte ihr ein Schild umgehängt, auf dem auf russisch und deutsch geschrieben war: „Brandstifterin“. Sie wurde unter den Armen gegriffen und zum Galgen geführt, da wegen der Foltern schon nicht mehr selbständig gehen konnte. Um den Galgen herum standen viele Deutsche und Einwohner. Als man sie zum Galgen brachte, begann man, sie zu fotografieren.

Sie rief laut: ‚Bürger! Steht nicht herum, schaut nicht zu, man muß der Armee helfen, zu kämpfen! Mein Tod für die Heimat ist das Ergebnis meines Lebens.’“ Dann sagte: ‚Genossen, der Sieg wird unser sein. Deutsche Soldaten, noch ist es nicht zu spät, begebt euch in Gefangenschaft. Die Sowjetunion ist unbesiegbar und sie wird nicht besiegt werden.’ Das sagte sie alles in dem Moment, als sie fotografiert wurde.

Dann stellten sie einen Kasten hin. Sie stieg ohne jeden Befehl, woher sie die Kräfte nahm, von selbst auf den Kasten. Ein Deutscher kam hinzu und begann, die Schlinge anzuziehen. In dieser Zeit rief sie: ‚Wie viele von uns ihr auch erhängen werdet, ihr werdet uns nicht alle umbringen, wir sind 170 Millionen! Aber unsere Genossen werden sich für mich an euch rächen.’ Das sagte sie schon mit der Schlinge um den Hals gesagt. Sie wollte etwas noch sagen, aber in diesen Moment wurde der Kasten unter ihren Füßen weggestoßen, und sie wurde erhängt. Instinktiv hat noch mit der Hand nach dem Strick gegriffen, aber der Deutsche schlug ihr auf den Arm. Danach wurde sie abgetrennt.“
Petrischtschewo
Einen ganzen Monat lag der Leichnam des Mädchens im Zentrum von Petrischtschewo. Erst am 1. Januar 1942 erlaubten es die Deutschen den Bewohnern, Soja zu begraben.

Jedem das Seine

In der Januarnacht 1942 während der Kämpfe um Moshajsk kamen einige Journalisten in eine vom Brand verschonte ländliche Hütten im Rayon Puschkino. Der „Prawda“-Korrespondent Pjotr Lidow unterhielt sich mit einem betagten Bauern, der ihm erzählte, daß ihn die Okkupation im Dorf Petrischtschewo überrascht habe, wo er die Todesstrafe irgendeines Moskauer Mädchens gesehen habe: „Als man sie erhängte, hielt sie eine Rede. Man wollte sie erhängen, und sie drohte ihnen allen…“

Die Erzählung dieses Alten war für Lidow so erschütternd, daß er noch in der selben Nacht nach Petrischtschewo ging. Der Korrespondent fand keine Ruhe, bis er nicht mit allen Einwohnern des Dorfes gesprochen hatte und alle Einzelheiten des Ermordung unserer russischen Jeanne d’Arc – so nannte er die Hingerichtete, die er für eine Partisanin hielt. Bald darauf kehrte er zusammen mit dem Bildberichterstatter der „Prawda“, Sergej Strunnikow, zurück. Das Grab wurde geöffnet, ein Foto gemacht und den Partisanen gezeigt.

Einer der Partisanen aus der Werejsker Abteilung erkannte in der Hingerichteten das Mädchen, welchem er am Tag, bevor sich die Tragödie von Petrischtschwewo ereignet hatte, im Wald begegnet war. Sie hatte sich Tanja genannt. Unter diesem Namen ging die Heldin in den Artikel Lidows ein. Erst später hat sich dann herausgestellt, daß dies ein Pseudonym war, das Soja sich zwecks der Konspiration zugelegt hatte.

Den tatsächlichen Namen der in Petrischtschewo Anfang Februar 1942 Hingerichteten ermittelte erst die Kommission des Moskauer Stadtkomitees des Komsomol. In der Akte vom 4. Februar wurde festgestellt:

«1. Die Bürger des Dorfes Petrischtschewo (es folgen die Nachnamen) haben an Hand der von der Aufklärungsabteilung des Stabes der Westfront vorgelegten Fotografien erkannt, daß es sich hier bei der Hingerichteten um die Komsomolzin Soja A. Kosmodemjanskaja handelt.

2. Die Kommission nahm die Öffnung des Gräbes vor, wo Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja beerdigt worden war. Die Besichtigung der Leiche… hat noch einmal bestätigt, daß die Hingerichtete die Genossin Sonja A. Kosmodemjanskaja ist.»

Am 5. Februar 1942 bereitete die Kommission des Moskauer Stadtkomitees des Komsomol ein Schreiben vor, mit dem Vorschlag, Soja Kosmodemjanskaja postum den Titel „Held der Sowjetunion“ zu verleihen. Und bereits am 16. Februar 1942 wurde ein entsprechender Beschluß des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR gefaßt. Daraufhin wurde die Rotarmistin Soja Anatoljewna Kosmodemjanskaja als erste Frau im Grossen Vaterländischen Krieg mit dem Goldenen Stern eines „Helden der Sowjetunion“ geehrt.

Der Dorfälteste Swiridow, der Verräter Klubkow, und die Kollaborateure der Faschisten Solina und Smirnowa wurden zur Höchststrafe verurteilt.

Übersetzung: W. Schmidt
Quelle: http://svpressa.ru/war/article/24767/

HinrichtungHinrichtungHinrichtungHinrichtung
Bilder von der Hinrichtung der Rotarmistin S.A.Kosmodemjanskaja

Nachtrag:
Dem sowjetischen Nachrichtendienst gelang es, festzustellen, wo sich die Kompanie der faschistischen Henker, der Mörder von Soja Kosmodemjanskaja befand. Bald darauf wurde die gesamte 332. Kompanie mit ihrem Anführer, Oberstleutnant Ruderer, in den Kämpfen bei Smolensk von der sowjetischen Armee vernichtet. In der Feldtasche des im Kampf getöteten Amateurfotografen fand man die Fotos aller Missetaten von Petrischtschewo. Fünf Aufnahmen der letzten Minuten des Lebens von Soja Kosmodemjanskaja wurden am 3.Oktober 1943 in allen Front- und zentralen Zeitungen gedruckt. Sie riefen im sowjetischen Volk eine erneute Welle der Empörung hervor.

Henkerbande
Die faschistischen Banditen

Siehe auch:
Wer war Soja Kosmodemjanskaja?
Elena Belowa über „Soja und Schura“ – Audio unbedingt anhören! 23 min. (dt./russ.)

…wie zu Lenins Zeiten

Mit schwungvoller Handschrift hatte Lenin seine Gedanken niedergeschrieben…
Ankündigung
Im Oktober 1910 von Lenin aufgeschrieben und erstmals unter Stalin am 5. Mai 1937 in der kommunistischen „Prawda“ in der Sowjetunion veröffentlicht wurde jener Artikel Lenins, der sich mit den Aufgaben der Kommunisten während der Krise der Arbeiterbewegung befaßte. In seinem Manuskript gibt Lenin eine genaue Analyse der damaligen Lage, verbunden mit Hinweisen, wie man das Proletariat an die schwierigen Aufgaben einer revolutionären Klasse heranführen kann. Interessant sind hier die historischen Parallelen zur Gegenwart:

Die Apathie im Proletariat überwinden

Die schwere Krise der Arbeiterbewegung und der sozialdemokratischen Partei in Rußland dauert immer noch an. Zerfall der Parteiorganisationen, aus denen fast alle Intellektuellen flüchten, Zerfahrenheit und Schwankungen unter denen, die der Sozialdemokratie treu geblieben sind, Niedergeschlagenheit und Apathie unter ziemlich breiten Schichten des fortgeschrittenen Proletariats, Unsicherheit in der Frage nach dem Ausweg aus dieser Lage – das sind die Merkmale, die die gegenwärtige Situation kennzeichnen. Es gibt unter den Sozialdemokraten nicht wenig Kleinmütige und Kleingläubige, die nahe daran sind, die Hoffnung an die Möglichkeit aufzugeben, sich in dem herrschenden Durcheinander zurechtzufinden, die nahe daran sind, über der Aufgabe zu verzweifeln, die Partei, die SDAPR mit ihren revolutionären Aufgaben und Traditionen wiederherzustellen und zu festigen, die nahe daran sind, alles aufzugeben und sich in ihrem Privatleben oder in engen kleinen Zirkeln abzukapseln, die sich nur mit „Kultur“arbeit befassen u.dgl.m.

Die Zerfahrenheit in Zeiten der Krise beseitigen

Die Krise dauert an, doch ihr Ende ist jetzt bereits deutlich sichtbar. Der Weg zur Überwindung dieser Krise ist von der Partei klar umrissen und erprobt. Die Zerfahrenheit und die Schwankungen haben bereits in ziemlich bestimmten Strömungen, Richtungen und Fraktionen, die von der Partei klar und bestimmt eingeschätzt worden sind, ihren Ausdruck gefunden – und die Bestimmtheit der parteifeindlichen Strömungen, ihre klare Einschätzung ist bereits die halbe Befreiung von der Zerfahrenheit und den Schwankungen.

Das Wesen der Krise erkennen

Um sich nicht der Verzweiflung und Enttäuschung hinzugeben, ist es nur erforderlich, den ganzen tiefen Ursprung dieser Krise zu erkennen. Diese Krise kann man nicht überspringen, man kann sie nicht umgehen, man kann sie nur in beharrlichem. Kampf überwinden, denn diese Krise ist keine Zufälligkeit, sondern sie ist hervorgerufen worden durch eine besondere Etappe sowohl der ökonomischen als auch der politischen Entwicklung Rußlands. Die Selbstherrschaft herrscht nach wie vor. Noch brutaler ist der Zwang. Noch größer ist die Rechtlosigkeit. Noch gemeiner ist die ökonomische Unterdrückung. Aber die Selbstherrschaft kann sich schon nicht mehr nur mit den alten Mitteln halten. Sie ist gezwungen, einen neuen Versuch zu unternehmen, sie versucht, ein offenes Bündnis mit den erzreaktionären fronherrlichen Gutsbesitzern und mit den oktobristischen Kapitalisten einzugehen, ein Bündnis in der Duma und durch die Duma. Für alle, die die Fähigkeit zu denken nicht verloren haben ist die Hoffnungslosigkeit dieses Versuchs und das Heranreifen einer neuen revolutionären Krise offensichtlich. Aber diese revolutionäre Krise bildet sich unter neuen Verhältnissen heraus, unter Verhältnissen, wo die Bewußtheit, die Geschlossenheit und die Organisiertheit der Klassen und der Parteien, die es vor der Revolution von 1905 nicht gab, ungleich größer ist. Der russische Liberalismus hat sich aus einer gutmütigen, verträumten, lockeren und unfertigen Opposition frommer Wünsche zu einer festen, parlamentarisch geschulten Partei intellektueller Bourgeois gewandelt, die bewußte Feinde des sozialistischen Proletariats und der revolutionären Abrechnung der Bauernmassen mit den Fronherren sind. (…)

Die führende Rolle des Proletariats

Die russische Arbeiterklasse hat bewiesen, daß sie die einzige konsequent revolutionäre Klasse, die alleinige Führerin im Kampf um die (sei es auch bürgerliche) Freiheit ist. Und heute kann und wird die große Aufgabe der Fortführung des Kampfes um die Freiheit nur durch den revolutionären Kampf des Proletariats gelöst werden, das die Massen der Werktätigen und Ausgebeutet mit sich reißt. Die Arbeiterklasse, die heute unter neuen Verhältnis kämpft und es mit bewußteren und fester zusammengeschlossenen Feinden zu tun hat, muß auch ihre Partei, die SDAPR, umgestalten. An dieser Stelle der Führer aus Intellektuellenkreisen stellt sie Führer aus Arbeiterkreisen. Es entsteht der neue Typ des sozialdemokratischen Arbeiterfunktionärs, der alle Aufgaben der Partei selbständig löst und in der Lage zehnfach und hundertfach größere proletarische Massen als früher zusammenzuschließen, zu vereinigen und zu organisieren.

…seid euch bewußt der Macht

An diesen neuen Arbeiter wenden wir uns auch in erster Linie mit unserer „Rabotscheskaja Gaseta“. Dieser Arbeiter ist aus dem Alter heraus, wo es ihm gefallen konnte, daß man zu ihm wie zu einem Kind sprach und ihn mit Milchbrei fütterte. Er muß alles über die politischen Aufgaben der Partei, über ihren Aufbau und den innerparteilichen Kampf wissen. Er fürchtet sich nicht vor der ungeschminkten Wahrheit über die Partei, an deren Festigung, Wiederherstellung und Umgestaltung er arbeitet. Ihm helfen nicht, sondern schaden jene allgemein-revolutionären Phrasen, jene süßlich-versöhnlerischen Ausrufe, die er in den „Wperjod“-Sammelbänden oder in Trotzkis „Prawda“ findet, wobei er weder hier noch dort eine klare, genaue und offene Darlegung der Parteilinie und der Lage in der Partei findet.

Fest zusammenschließen und einen Parteikern bilden

Diese Lage ist sehr schwierig, aber die Hauptschwierigkeit besteht nicht darin, daß die Partei außerordentlich geschwächt ist und ihre Organisationen teilweise vollkommen zerschlagen sind, auch nicht darin, daß sich der innerparteiliche Fraktionskampf zugespitzt hat, sondern darin, daß die fortgeschrittene Schicht der sozialdemokratischen Arbeiter das Wesen und die Bedeutung dieses Kampfes nicht genügend klar erkannt, sich nicht fest genug zusammengeschlossen hat, um diesen Kampf erfolgreich zu führen, und daß sie sich nicht genügend selbständig und nicht energisch genug in diesen Kampf eingeschaltet hat, um den Parteikern zu schaffen, zu unterstützen und zu festigen, der die SDAPR aus der Zersetzung, aus dem Zerfall und aus den Schwankungen heraus auf einen festen Weg führen kann. (…)

Was ist eine proletarische Partei?

Die Partei ist ein freiwilliger Bund, und die Vereinigung ist nur dann möglich und nützlich, wenn sich Menschen vereinigen, die die gemeinsame Parteilinie auch nur einigermaßen gewissenhaft durchführen wollen und können, genauer: die an einer Durchführung der gemeinsamen Parteilinie interessiert sind (durch ihre Anschauungen, ihre Bestrebungen). Eine Vereinigung ist unmöglich und schädlich, wenn sie versucht, die Klarheit über diese Linie abzuschwächen und zu verdunkeln, wenn sie versucht, durch eine fiktive Bindung diejenigen zu binden, die die Partei ganz entschieden in eine parteifeindliche Richtung zerren. Und die Vereinigung zwischen den Hauptgruppen des Bolschewismus und des Menschewismus ist durch das Plenum erreicht und verankert worden, wenn nicht dank dem Plenum, so doch vermittels des Plenums.

W.I.Lenin, Ankündigung der Herausgabe der „Rabotscheskaja Gaseta“, in: Lenin, Werke, Bd. 16, S.293-299 (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

ArbeiterzeitungDie erste Seite der „Rabotscheskaja Gaseta“ Nr.1 (1910)
mit den Lehren aus der Revolution von 1905.

Wohnungspolitik in der DDR

Nach dem 2.Weltkrieg lagen in ganz Europa die Städte und Dörfer in Trümmern. Allein in der UdSSR hatte die deutsche Wehrmacht unvorstellbare Verwüstungen angerichtet, es waren Kriegsschäden in Höhe von 680 Mrd. Rubel (485 Mrd. Dollar). Reparationen mußten gezahlt werden (98% der deutschen Reparationen an die UdSSR leistete übrigens die DDR). Aber auch auf deutschem Boden mußten die Städte, und mußte die Industrie wieder aufgebaut werden. Allmählich begann sich das Leben zu normalisieren, doch überall fehlte es an Wohnraum. So waren bis in die 60-70er Jahre in den Altbauwohnungen die Wohnverhältnisse oft noch miserabel. Wer eine einigermaßen warme und trockene Wohnung hatte, der konnte sich glücklich schätzen. Wer dagegen bereits eine Neubauwohnung erhalten hatte, war allemal besser dran. Oft wurde im Altbau noch mit Braukohlen-Briketts geheizt, die rechtzeitig bestellt werden mußten. Und dann lag manchmal eine halbe Lkw.-Ladung vor der Haustür, die möglichst noch vor dem nächsten Regen eimerweise in den Keller geschafft werden mußte. Die Neubaubewohner hatten es da besser, sie drehten im Winter einfach die Fernheizung auf, mußten keine Asche raustragen und jeden Tag neu heizen. Die Wohnungspolitik war eine staatliche Aufgabe – folglich gab es keinen Mietwucher und bezahlbaren Wohnraum für jeden. Das Leben indessen verlief in geordneten Bahnen. Da jeder seinen Arbeitsplatz hatte, konnten früh die Kinder in den Kindergarten gebracht werden, dann lief man zur Arbeitsstelle oder fuhr mit dem Bus zwei Haltestellen, und nach der Arbeit um 17.15 Uhr ging’s schnell noch in die Kaufhalle, Kinder abholen und dann nach Hause. Alles war einigermaßen in Reichweite und große Sorgen brauchte man sich nicht zu machen…

Die Wohnungspolitik im Kapitalismus

Im Kapitalismus ist der Bau und die Vermietung von Wohnungen ein »Geschäft« wie jedes andere und dient der Erzielung von Profit für den Grundeigentümer und Hausbesitzer. Der Kapitalismus ist nicht in der Lage, die Wohnungsfrage zu lösen. »… nicht die Lösung der Wohnungsfrage löst zugleich die soziale Frage, sondern erst durch die Abschaffung der kapitalistischen Produktionsweise, wird zugleich die Lösung der Wohnungsfrage möglich gemacht« (Engels, MEW, Bd.18, S.243).

Das Wohnungsbauprogramm in der DDR

In den sozialistischen Ländern ist das Wohnungsbauprogramm Kernstück der Sozialpolitik. Im Programm der SED war das Ziel gestellt worden, die Wohnungsfrage als soziales Problem in der DDR bis 1990 zu lösen. Insbesondere galt es, mit dem Wohnungsbauprogramm solche materiellen Bedingungen für die Menschen zu schaffen, die eine sozialistische Lebensweise fördern, ihren Arbeitseifer und ihre Lebensfreude erhöhen und dazu beitragen, ihre Liebe und Verbundenheit zur sozialistischen Heimat immer stärker auszuprägen.
Leipziger StraßeWohngebiet in der Hauptstadt der DDR, Berlin

Zahlen und Fakten

Das Wohnungsbauprogramm der DDR war sehr umfangreich. Es bestand aus Wohnungsneubau, Modernisierung und Rekonstruktion altstädtischer Wohngebiete, sowie Instandsetzung und Instandhaltung des vorhandenen Wohnungs- und Wohngebäudefonds. Im Zeitraum 1971-1980 wurden 1,4 Mill. Wohnungen neu gebaut oder modernisiert, davon allein seit 1976 rd. 813.000 Wohnungen. Damit verbesserten sich seit 1971 für 4,25 Mill. Menschen die Wohnverhältnisse. Das betrifft jeden 4.Bürger der DDR. Vorrangig verbesserten sich die Wohnverhältnisse für Arbeiterhaushalte. Arbeiterfamilien erhielten zwei Drittel aller Neubauwohnungen. Jede fünfte Neubauwohnung ging an junge Eheleute. In jede zehnte Wohnung zog eine kinderreiche Familie ein. In den Jahren 1976-1980 wurden rd. 17 Mrd. Mark für Baureparaturen und Modernisierungsmaßnahmen an Wohnbauten eingesetzt. Im Fünfjahrplan 1981–1985 war vorgesehen, 940.000 Wohnungen neu zu bauen und zu modernisieren. Das verbesserte die Wohnverhältnisse für weitere 2,8 Mill. Bürger bei stabilen niedrigen Mieten. Für die Hauptstadt der DDR, Berlin, sowie für die Bezirke Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Dresden und Halle war ein überdurchschnittliches Wachstum vorgesehen. …

Ziele und Absichten

Die Bereitschaft der Werktätigen, mit eigenen Leistungen zur Verbesserung der Wohnbedingungen beizutragen, wurde damit weiter unterstützt. Durch Maßnahmen zur Gestaltung der unmittelbaren Wohnumwelt und durch Beeinflussung des Städtebaus und der Architektur trug die Wohnungspolitik zur Herausbildung und Ausprägung der sozialistischen Lebensweise bei. Im Rahmen des komplexen Wohnungsbaus wurden zur Versorgung und Betreuung der Bevölkerung in den Wohngebieten auch die erforderlichen Gemeinschaftseinrichtungen, insbesondere Schulen, Schulsporthallen, Kindergärten, Kinderkrippen, Jugendklubeinrichtungen, ärztliche und stomatologische Arbeitsplätze in Ambulatorien und Polikliniken, Verkaufsstellen sowie gastronomische und Dienstleistungseinrichtungen entsprechend staatlichen Aufwandsnormativen geschaffen. …

Der soziale Charakter der Wohnungspolitik in der DDR

Charakteristisch für die sozialistische Wohnungspolitik war die breite Einbeziehung der Bevölkerung zur Vorbereitung und Durchsetzung getroffener Maßnahmen. Der soziale Charakter der Wohnungspolitik im Sozialismus drückt sich vor allem aus:
– in den niedrigen und stabilen Mieten;
– in der unter Einbeziehung breiter Bevölkerungskreise vorgenommenen gerechten Verteilung von Wohnungen;
– in der bevorzugten Vergabe von angemessenem Wohnraum an kinderreiche Familien, gesundheitlich geschädigte Bürger u.a. bedürftige Bevölkerungskreise;
– im Mieterschutz;
– in der aktiven Beteiligung der Bürger an der Lösung der Wohnungsprobleme und Gestaltung der Wohnumwelt (Arbeiterwohnungsbaugenossenschaften, Eigenheimbau, Beteiligung an der »Mach mit!«-Bewegung u.a.).

Der sozialistische Staat hatte entsprechende gesetzliche Regelungen geschaffen, um allen Bevölkerungsschichten das Recht auf Wohnraum zu sichern.

Eine weitere Zielsetzung sozialistischer Wohnungspolitik war die schrittweise Überwindung noch bestehender Unterschiede zwischen Stadt und Land. Schließlich war die Entwicklung der unterschiedlichen Eigentumsformen an Wohnungen und Wohngebäuden Gegenstand der Wohnungspolitik, wobei der genossenschaftliche Wohnungsbau und der Bau von Eigenheimen sowie der Wohnungsbau auf dem Lande besonders gefördert wurden.

Quelle:
Wörterbuch der Ökonomie des Sozialismus, Dietz Verlag Berlin, 1984, S.1028ff. Der vorliegende Text wurde gekürzt und bearbeitet.

Nachbemerkung:
Das Wohnungsbauprogramm der SED wurde erfüllt. Jeder Bürger der DDR hatte ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum. Wie es gelang, diese ehrgeizigen Ziele in der Wohnungspolitik umzusetzen, ist auf dem Gebiet der ehemaligen DDR heute kaum noch sichtbar. Was dann geschah ist ohne Zorn nicht zu beschreiben. Nach der konterrevolutionären „Wende“ 1989 wurden sämtliche sozialistischen Betriebe mit Hilfe der Treuhand ausgeraubt, die Immobilien wurden zu unverschämt niedrigen Preisen an die westliche Konkurrenz verschleudert. Hunderttausende DDR-Bürger verloren ihre Arbeit. Das führte zu einer massenhaften Abwanderung der arbeitsfähigen Bevölkerung aus den entindustrialisierten Gebieten nach Westdeutschland. Diese Abwanderung dauert bis heute an. Das wiederum brachte einen enormen Wohnungsleerstand mit sich. Daraufhin wurden massenhaft Wohnungen, ja ganze Wohnblöcke, des bis Ende der 80er Jahre neu entstandenen Wohnraums abgerissen. Aus dem Westen kamen (oft mit „Buschzulage“) scharenweise Beamte, Anwälte, Politiker, Adelssprößlinge und nicht wenige zwielichtige Gestalten, kauften billig Immobilien, Grundstücke und Villen auf oder ließen sie sich „rückübertragen“, und von nun an bestimmten sie, wo es langging in diesem Lande…
Neubau1Neubau2Ein zertrümmerter Wohnblock (60-80 Zwei- bis Vierraumwohnungen)

Siehe:
Der Sozialismus war und ist lebensfähig
Das Leben in der DDR – Lebensweise und Familie

Lernen macht klug!

Aber was soll man lernen? Was ist wichtig im Leben und was nicht? Viel zu oft werden heute die Köpfe junger Menschen in der Schule und beim Studium mit unnötigem Wissen vernebelt. Und in der Freizeit flimmern täglich sinnlose Figuren wie Sponge Bob und Shrek, Unterhaltungsformate wie DSDS oder bedeutungslose Talk-Sendungen über die Bildschirme, plärren irgendwelche Songs aus amerikanischen Hitparaden aus den Radios, geistern wertlose Unterhaltungsfilme aus Hollywood á la Starwars über die Leinwand, werden auf Mobiltelefonen und im Internet massenhaft zeitvergeudende Spielchen gespielt – eine schier endlose Liste, die nur ablenkt von den wesentlichen Dingen des Lebens. Vor allem vom Klassenkampf! Einen nicht geringen Anteil daran hat auch die Religion. Bertolt Brecht gab darauf die folgende Antwort [1]:

LOB DES LERNENS
Lernen
(Bertolt Brecht, Lob des Lernens,
in: Der Sozialismus – Deine Welt, Verlag Neues Leben, Berlin, S.205)

In einem pädagogischen Lehrbuch steht dazu folgendes:
Bereits Ende des 19. Jahrhunderts hat W.I.Lenin darauf hingewiesen, welche Bedeutung das Wissen (знание) für die Arbeiter hat. Er entlarvte die Selbstherrschaft, welche fürchtete, daß die Arbeitermassen zu viel Wissen erwerben, als den ärgsten Feind der Bildung. „Arbeiter! Ihr seht, wie sehr sich unsere Minister vor der Verbindung des Wissens mit mit den arbeitenden Menschen fürchten! Zeigt doch allen, daß es keine Macht vermag, den Arbeitern ihr Bewußtsein zu nehmen! Ohne Wissen sind die Arbeiter wehrlos, mit Wissen sind sie eine Macht!“ (Lenin, Werke, Band II, 4.Auflage, S.76, russ.) Der Kampf um das Wissen, der Kampf um Bildung sind ein wesentlicher Bestandteil des allgemeinen Kampfes, den die Arbeiterklasse gegen die Ausbeuter führt…

Die großen Führer der Werktätigen, W.I.Lenin und J.W.Stalin, lehren, daß es die Trennung der Bildung und Kultur von der Politik und dem politischen Kampf unmöglich macht, durch einzelne kulturelle Maßnahmen den in der Ausbeutergesellschaft bestehenden Zustand zu ändern, weil die Rückständigkeit und Unkultur eine Folge der Unterdrückung durch Gutsbesitzer und Kapitalisten sind. Um eine neue Gesellschaft aufzubauen, die auf der bewußten Tätigkeit der Menschen beruht, ist eine hohe Kultur notwendig, die durch eine kulturelle Revolution erreicht werden muß. Um aber die kulturelle Revolution entfalten zu können, um eine neue Kultur aufzubauen, muß die Arbeiterklasse die politsche Macht ergreifen. Ohne die Eroberung der politischen Macht ist die Durchführung der Kulturrevolution unmöglich. Sie ist das Ergebnis des Sieges der proletarischen sozialistischen Revolution und kann ihr nicht vorausgehen.

Quelle:
B.P.Jessipow/K.G.Gontscharow, Pädagogik – Lehrbuch für pädagogische Lehranstalten,
Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1953, S.6-7.

Anmerkung:
Im Jahre 1899 schrieb Lenin einen Artikel über „Die rückwärtsgewandte Ausrichtung der russischen Sozialdemokratie“, der erstmals 1924 in der Zeitschrift „Proletarische Revolution“ (№ 8-9) veröffentlicht wurde:

„Während die gebildete Gesellschaft das Interesse für die ehrliche, die nicht-offizielle Literatur verliert, wächst unter den Arbeitern das leidenschaftliche Streben nach Wissen und zum Sozialismus, unter den Arbeitern heben sich jene wirklichen Helden heraus, die — ungeachtet ihrer häßlichen Lebenslage, ungeachtet der verblödenden Zwangsarbeit in der Fabrik — in sich soviel Charakter und Willenskraft finden, um zu lernen, zu lernen und zu lernen – und sich zu bewußten Sozialdemokraten, zu einer ‚Arbeiterintelligenz’ zu entwickeln.“ (W.I.Lenin, Gesamtausgabe, 5.Aufl., Moskau, 1970, Bd.IV, S.269, russ.)

Siehe auch:
Wohin mit der Informationsflut?
Gegen die religiöse Verblödung der Menschheit
oder auch dies hier: Wissen ist Macht – sagt Lenin?

Kinderkrippen in der DDR

Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein. Dieser berühmte Satz von Karl Marx gilt insbesondere natürlich auch für die Kindererziehung. Bekanntlich hat das soziale Umfeld einen großen Einfluß auf die Erziehung eines Kindes. So lernen die Kinder, in der Gemeinschaft anderer Kinder und unter dem Einfluß ausgebildeter Erzieherinnen, sich viel schneller und problemloser in der Gesellschaft zurechtzufinden, als das bei Einzelkindern der Fall ist. Und die Erziehung setzt schon im frühesten Kindesalter an. Natürlich spielen dabei die gesellschaftlichen Verhältnisse eine ganz entscheidende Rolle. Und die DDR war ein sehr kinderfreundliches Land. Hier hatte jedes Kind, unabhängig von seiner sozialen Herkunft und den finanziellen Voraussetzungen der Eltern die gleichen Entwicklungs-chancen. Die Kleine Enzyklopädie Das Kind (DDR, 1978) beschreibt die damalige Situation folgendermaßen:

Entwicklung der Krippen
Die Zahl der Krippen und Krippenplätze hat sich seit Bestehen der DDR außerordentlich schnell erhöht. 1972 waren es 4.854 Krippen mit 197.844 Plätzen, 518 Saisonkrippen mit 5722 Plätzen und 151 Dauerheime (für familiengelöste Säuglinge und Kleinkinder) mit über 7.184 Betten. Das bedeutet, daß von 1.000 Kindern im Alter von 0 bis 3 Jahren 304 in einer Kindereinrichtung betreut wurden. 1973 waren es bereits 367 von 1.000.
KinderkrippenplätzeInternationaler Vergleich
In der Versorgung mit Krippenplätzen je Kopf der Kinderbevölkerung dieser Altersgruppe steht die DDR an der Spitze in der Welt. Von den kapitalistischen Ländern haben nur die skandinavischen Länder Krippen in größerer Anzahl geschaffen, aber sie haben höchstens für 1-5% der Säuglinge und Kleinkinder einen Krippenplatz zur Verfügung.

Bedarf an Kinderkrippen
Damit alle Mütter von Kindern dieser Altersgruppen, die einen Beruf ausüben wollen, ihr Kind auch unterbringen können, müßte für etwa 65-70% aller Kinder unter 3 Jahren ein Krippenplatz vorhanden sein; in manchen Orten der DDR ist es bereits gelungen, den Bedarf an Krippenplätzen zu decken. In den Großstädten und industriellen Ballungsgebieten wird dies wahrscheinlich in den nächsten zehn Jahren gelingen.

Harmonische und altersgemäße körperliche und psychische Entwicklung
Die Hauptaufgaben von Pflege und Erziehung in Krippen und Heimen sind: Schaffen von Bedingungen für die Festigung der Gesundheit, für die richtige Entwicklung des gesamten Organismus, vor allem für die normale und rechtzeitige Entwicklung der Hirntätigkeit der Kinder. Dazu gehören
1. richtige, dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes angepaßte Ernährung;
2. richtige Körperpflege;
3. frische Luft, viel Aufenthalt im Freien, Tagesschlaf im Freien;
4. Ausnutzung der Sonnenstrahlen;
5. guter Wärmeaustausch des Organismus, der einerseits durch zweckmäßige Bekleidung, andererseits durch entsprechende Abhärtungsmaßnahmen erzielt werden muß;
6. entwicklungsgerechte Organisation des Tagesablaufs (der Rhythmus von Schlaf und Wachsein, der Mahlzeiten, des Spiels, der Beschäftigungen usw.) ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für die Gesundheit und die normale Entwicklung der Kinder;
7. Förderung der psychischen Entwicklung durch entsprechende erzieherische Maßnahmen zur Sicherung des Lern- und Aneignungsprozesses des Kindes in vielseitiger angeleiteter wie selbständiger Tätigkeit;
8. individueller Umgang mit den Kindern. Voraussetzung dafür ist ein Arbeitsablauf, der jedem Kind möglichst viel Anregung und viel Freiheit für seinen Betätigungs- und Bewegungsdrang bietet, der ihm ständig Gelegenheit zum selbständigen Spiel gibt und beschäftigungslose Wartezeiten der Kinder vermeidet. Lebhaftigkeit und Freude beim Spiel sind für Gesundheit und Entwicklung der Kinder unentbehrlich; sie sind auch ein Gradmesser für die Qualität der erzieherischen Arbeit. Voraussetzung hierfür sind herzliche Beziehungen der Krippenerzieherinnen zu den ihnen anvertrauten Kindern.
9. Schaffen enger Beziehungen der Kinder zueinander, in der Familie gibt es gewöhnlich keine große Zahl von Kindern der gleichen Altersstufe. Das Kleinkind ist dauernd mit Erwachsenen oder älteren Kindern in Berührung. In der Krippe dagegen ist das gute Verhältnis der vielen gleichaltrigen Kinder untereinander für ihre Lebensfreude und Aktivität ausschlaggebend. Die Art der Beziehungen der Kinder zueinander hängt aber weitgehend von der gesamten Organisation ihres Lebens ab, von der geleisteten Erziehungsarbeit, vor allem vom unmittelbaren erzieherischen Einfluß der Erzieherinnen.
10. Berücksichtigung der individuellen Besonderheiten jedes Kindes.
Kind

Beziehung Krippe-Familie
In der Familie findet das Kind die innige, gefühlsmäßige Beziehung, das individuelle Eingehen auf das Kind, die Stetigkeit der Beziehungen, die für die Entwicklung seiner Gefühle, seines Gemüts, seines Charakters die entscheidende Grundlage bilden. Die Krippe kann und muß die Aufgaben der Familie durch gezielte, planmäßige Pflege und Erziehung ergänzen. In der Tageskrippe ist die Bindung des Kindes an seine Familie durch die tägliche Rückkehr ins Elternhaus voll erhalten. Die Krippe kann sehr wirkungsvoll mit der Familie zusammenarbeiten. (…)

Gesundheitszustand und Entwicklung der Krippenkinder
Beim Aufbau der Krippen in der DDR standen Ärzte und Schwestern daher vor ganz neuen Aufgaben. Die Erkrankungshäufigkeit der Kinder in Kinderkrippen ist, vor allem im 1. Lebensjahr, im Durchschnitt noch deutlich höher als bei den zu Hause aufwachsenden Kindern. Die hauptsächliche Ursache für die Erkrankungen sind die Infekte der oberen Atemwege, darunter vor allem fieberhafte Infekte, Bronchitis, Erkrankungen des Ohres. Nur ein Teil der Kinder erkrankt sehr häufig (etwa 10-15% mehr als 5mal im Jahr); etwa ein Viertel bleibt gesund und fehlt das ganze Jahr nicht wegen Krankheit. Die anfälligen Kinder erkranken meist bereits in der Eingewöhnungszeit nach Aufnahme in die Krippe. Deshalb sollte der ärztlichen Untersuchung der Kinder vor der Aufnahme und ihrer allmählichen Anpassung an das Krippenleben große Aufmerksamkeit geschenkt werden. Besonders empfindlich gegen Umweltwechsel sind Kinder im Alter von etwa 9 bis 18 Lebensmonaten. Deshalb sollte die Aufnahme in eine Krippe am besten im 1. Lebenshalbjahr oder erst in der 2. Hälfte des 2. Lebensjahres erfolgen. Entwicklungsunterschiede in Abhängigkeit vom Typ der Einrichtung. Untersucht man heute die Entwicklung von Kindern in Krippen und Heimen, so zeigen sich Unterschiede in Abhängigkeit von dem Typ der Einrichtung. Am günstigsten entwickeln sich die Kinder, die in Tageskrippen betreut werden. Die hier betreuten Kinderzeigen in ihrem Wachstum im allgemeinen keinen Unterschied zu den in der Familie aufwachsenden. Lediglich bei Kindern in Wochenkrippen findet man einen geringfügigen Rückstand von Größe und Gewicht; dabei spielt eine Vielzahl von Faktoren aus dem Familienmilieu offenbar mit eine Rolle.

Die pädagogische Arbeit der Kinderkrippen
Seit einigen Jahren haben die Kinderkrippen der DDR ihre Arbeit qualifiziert und die pflegerische Arbeit planmäßig mit der pädagogischen Arbeit verbunden. Die Erzieherinnen stützen sich dabei auf die Prinzipien und Materialien, die im Buch „Die pädagogischen Aufgaben und die Arbeitsweise der Krippen“ (Herausgeber E.Schmidt-Kolmer) niedergelegt sind. Als erste Stufe des einheitlichen sozialistischen Bildungssystems haben die Krippen die Aufgabe, die Selbständigkeit der Kinder unter 3 Jahren zu entwickeln und sie zum Leben in der Kindergemeinschaft zu befähigen. Dabei gilt es vor allem, das Spiel des Kindes zu entwickeln, weil es sich im Spiel die menschlichen Fähigkeiten, Fertigkeiten und Verfahrensweisen im Umgang mit den Gebrauchsgegenständen aneignet und im Spiel nachgestaltet, was es in der sozialen Kommunikation mit den Erwachsenen erlebt.

Die pädagogische Arbeit in den Krippen wird während des ganzen Tagesablaufs der Kinder mit pflegerischen Aufgaben der Krippenerzieherinnen verbunden. In systematisch aufgebauten und vorgeplanten Beschäftigungen werden die Kinder in neuen Aufgaben unterwiesen. Die pädagogische Arbeit ist untergliedert nach Sachgebieten – Erziehung zur Selbstbedienung (selbständiges Essen, Trinken, Körperpflege, An- und Ausziehen usw.), Körpererziehung, Bekanntmachen mit der Umwelt, Spracherziehung, Befähigung zum Spiel, musische Erziehung (Musikerziehung und bildnerische Tätigkeit}. Für jedes Sachgebiet wurden Aufgabenfolgen ausgearbeitet, die es der Krippenerzieherin ermöglichen, die zu erreichenden Teilziele und Teilschritte in entsprechender Aufeinanderfolge aufzubauen und zu lösen.
Kinderkrippe
Die Einführung der systematischen ganztägigen pflege-erzieherischen Arbeit hat sehr günstige Auswirkungen auf die durchschnittliche Entwicklung der Krippenkinder gehabt. Untersuchungen von Zwiener und Mitarbeitern seit 1971 haben gezeigt, daß die zehn oder fünfzehn Jahre früher festgestellten mittleren Rückstände der Kinder aus Krippen im Vergleich zu den zu Hause aufwachsenden heute fast gar verschwunden sind. Es gibt im Gegenteil eine Reihe von Entwicklungsmerkmaien, in denen die Kinder aus Krippen beim Übergang in den Kindergarten den aus dem Elternhaus kommenden voraus sind.

Nur bei den Kindern, die in Wochenkrippen betreut werden, gibt es noch Entwicklungsrückstände. Hier muß man aber berücksichtigen, daß gerade in die Wochenkrippen bevorzugt Kinder alleinstehender oder kinderreicher Mütter aufgenommen werden. In diesen Familien kann das Kind oft nicht so gefördert werden, wie das Kind in der vollständigen Familie, das mit 1-2 Geschwistern oder als Einzelkind aufwachsen. Deshalb müssen noch Mittel und Wege gefunden werden, um die Förderung der Kinder in den Wochenkrippen und in ihren Familien wirkungsvoller zu gestalten.

Der Arzt in der Kindereinrichtung muß dafür sorgen, daß der pflegerisch-erzieherische Prozeß den entwicklungsspezifischen Bedürfnissen der Kinder entspricht. Er muß die Wirksamkeit der pädagogischen Maßnahmen an ihrem Ergebnis anhand der durchschnittlichen körperlichen und psychischen Entwicklung, kontrollieren.
Kindergarten
Ein moderner Kindergarten in Berlin (DDR)

Quelle:
Kleine Enzyklopädie Das Kind, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig, 1978, S.103-106.

Nachtrag:
Die Bereitstellung eines Kindergarten- bzw. Kinderkrippenplatzes war in der DDR generell kostenfrei. Alleinstehende werktätige Mütter, die nach dem Wochenurlaub von der Arbeit freigestellt wurden, weil für ihrem Kind kein Krippenplatz zur Verfügung gestellt werden konnte, erhielten für die Dauer dieser Freistellung von der Sozialversicherung eine monatliche Unterstützung in Höhe des Krankengeldes, auf das sie bei eigener Arbeitsunfähigkeit ab 7.Woche der Arbeitsunfähigkeit im Kalenderjahr Anspruch hatten. Sie betrug bei bisheriger Vollbeschäftigung für Mütter mit 1 Kind mindestens 250 Mark, mit 2 Kindern mindestens 300 Mark, mit 3 und mehr Kindern mindestens 350 Mark. Bei Teilbeschäftigung galten die Mindestbeträge anteilig. Dazu muß man sagen, daß das durchschnittliche Einkommen eines Arbeiters bzw. einer Arbeiterin in der DDR etwa zwischen 450 und 1300 M im Monat betrug. (Das ist natürlich nicht mit heutigen Zahlen vergleichbar, da die Lebenshaltungskosten wesentlich niedriger lagen als heute.) Es gab gleichen Lohn für gleiche Arbeit – für Mann und Frau. Und es herrschte Vollbeschäftigung, d.h. in der DDR hatte jeder eine Arbeit. Arbeitslosigkeit gab es nicht. So waren Kinder niemals ein soziales Risiko für die Familie. Im Jahre 1989 gab es allein in der Hauptstadt der DDR, Berlin, 697 Kindergärten (davon 119 betriebliche), und über 95% aller Kinder besuchten damals einen Kindergarten bzw. eine Kinderkrippe.

Und noch etwas: die DDR war deswegen nicht pleite, wie verlogene bürgerliche Autoren behaupten. (siehe hier: Der Sozialismus war und ist lebensfähig!)

Siehe auch:
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie
Sozialpolitik in der DDR
Die berufstätige Frau und Mutter in der DDR
Familie in der DDR

Ein Postskriptum:
Der Sozialismus war ein fortschrittliches Gesellschaftssystem. Nicht nur in puncto Kindererziehung. Das mußte sogar die Zeit konstatieren, die schrieb: „Von klein auf sollten die Kinder sich für die Gesellschaft engagieren. Lebensfroh waren sie trotzdem.“ (Zeit-online, 28.07.2006) siehe: http://www.zeit.de/online/2006/31/kindergarten-konzepte-ddr
…auch wenn die sozialistische Erziehung keine „Doktrin“ war, sondern ein wissenschaftlich durchdachtes, kindgerechtes System zur Entwicklung gebildeter, sozialistischer Persönlichkeiten. Und damit hier nicht der Eindruck der Schönfärberei entsteht: man schaue sich nur die Videos aus den endachtziger Jahren an – der Verfall ist mehr als tragisch! Bei allem historischen Fortschritt, den wir damals erreicht hatten…