Der Antisemitismus – eine demagogische Waffe der Bourgeoisie

Um ihre wahren Ziele zu vertuschen, bediente sich die Nazi-Clique der geistigen Manipulierung des Volkes: Die Juden wurden zur Zielscheibe des „Volkszorns“ gemacht, um den eigentlichen Grundwiderspruch des Monopolkapitalismus, den unvereinbaren Gegensatz zwischen der (produktionsmittel-) besitzenden und der besitzlosen Klasse, zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zu verwischen. Mit einer Flut von Hetzschriften und demagogischen Verlautbarungen versucht auch heute noch die Monopolbourgeoisie gleich zwei Erscheinungen zu verdunkeln: die gesellschaftlichen Rassenverbrechen des deutschen Faschismus und die politischen Motive der aktiven Unterstützung für die aggressive Politik der herrschenden Kreise in Israel. Besonders verlogen ist es, wenn heute mit dem Vorwurf eines angeblichen „Antisemitismus“ jede Kritik an der aggressiven und menschenverachtenden Haltung Israels gegenüber den Palästinensern und gegenüber dem Iran zu Schweigen gebracht werden soll. Wer bedroht also hier den Frieden in der Welt? 1984 brachte der Staatsverlag der DDR eine Publikation von Prof. Dr. phil. habil. Joachim Petzold heraus, in der dieser die Hintergründe und Hintermänner des Naziregimes (insbesondere auch den Antisemitismus) einer näheren Betrachtung unterzog. Der nun folgende Aussschnitt handelt von dieser Manipulation der Nazis…

Welchem Zweck diente der Antisemitismus der Hitlerfaschisten?

Zu den schrecklichsten Verbrechen der Hitlerfaschisten gehörte die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden. Auf den ersten Blick Ist es schwer zu verstehen, warum eine politische Bewegung, die nach Hitlers eigenen Worten vor allem die Ausrottung der marxistischen Weltanschauung zum Ziele hatte, sich gegen Menschen wandte, denen vielfach erst nachgewiesen werden mußte, daß sie – wie es im Nazisprachgebrauch hieß – nichtarischer Abstammung waren. Vielfach wird auch suggeriert, im tiefsten Grunde sei Faschismus Antisemitismus. Das hat für jene Vorteile, die heutzutage den Neofaschismus, sofern er sich nicht antisemitisch gebärdet, vom Odium des Faschismus befreien möchten oder die unentwegt für Israel Partei ergreifen, dessen Begin-Sharon-Regime sich durchaus faschistischer Methoden im Kampf gegen die Palästinenser bediente.

Juden als Zielscheibe des „Volkszorns“

Um zu begreifen, weshalb die Hitlerfaschisten Menschen jüdischer Abstammung zu einer Zielscheibe ihres Hasses machten, muß man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Seit vielen Jahrhunderten war es eine beliebte Methode der Herrschenden, die Juden zum Sündenbock zu stempeln und die über unerträgliche Lebensbedingungen sich empörenden Volksmassen zu antijüdischen Pogromen anzustacheln. Als eine ideologische Begründung diente dabei die angebliche Schuld der Juden Jerusalems am Kreuzestod von Jesus Christus. Zudem hatten die Juden, die nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer in alle Welt verstreut wurden, sich vielfältigen Verboten ausgesetzt gesehen, die sie nicht nur in spezielle Stadtteile, die Ghettos, zwangen, sondern die ihnen auch den Zugang zu vielen Berufen unmöglich machten. Sie mußten sich zumeist mit dem Handel und dem Geldverleih sowie mit mancherlei Gewerbe befassen, das in den mittelalterlichen Städten als »unehrlich« galt. Da einzelne Juden dabei zu Wohlstand aufstiegen, ließ sich leicht Neid und Mißgunst schüren. Zudem hielten sich absolute Fürsten gern jüdische Steuereintreiber und sonstige Geldbeschaffer, die dann an ihrer Statt den Volkszorn zu spüren bekamen.

Der Antisemitismus und die deutschvölkischen Lehrmeister der Nazis

Es gab seit dem Mittelalter in vielen Ländern Europas einen mehr oder minder ausgeprägten Antisemitismus. Im kaiserlichen Deutschland gelang es sogar antisemitischen Demagogen, ganze Wahlkreise zu erobern und in den Reichstag einzuziehen. In Wien wurde der Antisemit Dr. Karl Lueger während Hitlers Jugendjahre Oberbürgermeister. Der Naziführer hatte sich also selbst von der Brauchbarkeit antisemitischer Propaganda überzeugen können. Seine alldeutschen Mentoren, allen voran Heinrich Claß, legten größten Wert darauf, daß der Haß auf die Juden geschürt wurde. Der Antisemitismus war also keine Erfindung der Hitlerfaschisten. Sie steigerten ihn jedoch bis zur letzten Konsequenz einer Massenvernichtung der Juden. Es sind keine traumatischen Halluzinationen gewesen, die Hitler, wie der Amerikaner Binnion seinen Lesern einzureden sucht, zum Judenhasser machten, sondern alldeutsche und deutschvölkische Lehrmeister sowie skrupellose Zweckmäßigkeitserwägungen.

Was war das Hauptziel der Nazifaschisten?

Die Faschisten verfolgten als ihr Hauptziel die Vernichtung des Kommunismus. Sie kamen dabei nicht umhin, eine gewisse Kritik an den offenkundigen Gebrechen des Kapitalismus zu üben. Eine direkte und unverhüllte Verteidigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung war im Zeitalter der allgemeinen Krise des Kapitalismus nicht mehr möglich, wenn man massenwirksam sein wollte. Also mußte ein möglichst einfacher Begriff gefunden werden, der die Kommunismusbekämpfung begünstigte und die Kapitalismusverteidigung erleichterte. Feder hatte bereits bewiesen, daß die bei den Antisemiten schon früher übliche Unterscheidung zwischen dem »raffenden jüdischen Bankkapital« und dem »schaffenden arischen Industriekapital« propagandistisch wirksam in das System der faschistischen Ideologie eingebaut werden konnte. Auch die Feinde der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland bedienten sich des Antisemitismus, indem sie das Ahnenregister bekannter Arbeiterführer durchforschten und ständig darauf hinwiesen, daß Karl Marx und andere große Vorkämpfer des Proletariats jüdischer Abstammung waren.

Hitler nutzte kapitalistische Werbestrategien

Diese doppelte Brauchbarkeit des Antisemitismus suchten Hitler und sein ideologischer Chefberater Alfred Rosenberg auszunutzen. Letzterer hatte im zaristischen Rußland die Methoden der Ochrana (der zaristischen Geheimpolizei), die Unzufriedenheit politisch zurückgebliebener Volksschichten durch Judenpogrome abzulenken, studieren können. Ersterer fügte derartigen Erfahrungen Grundsätze hinzu, die er sich beim Studium der kapitalistischen Reklametechnik angeeignet hatte. Hitler wollte schließlich, bevor er sich entschloß, Politiker zu werden, sein Brot als Werberedner verdienen. Das wird noch in seiner politischen Programmschrift »Mein Kampf« deutlich, die er während seiner Landsberger Haft »auf Staatskosten« (wie er höhnisch vermerkte) geschrieben hatte. Die kapitalistische Reklame kennt keine Objektivität. Hitler übertrug dieses Prinzip ohne Umschweife auf die Politik: »Was würde man zum Beispiel über ein Plakat sagen, das eine neue Seife anpreisen soll, dabei jedoch auch andere Seifen als >gutDas Geheimnis der Hitlerschen Lügen

Hitler bekannte also ganz offen: Faschistische Propaganda orientiert sich nicht am Wahrheitsgehalt einer Behauptung, sondern allein am praktischen Nutzen. Das hatte sich bereits bei der Festlegung des Parteinamens gezeigt. Der Naziführer hat sich nicht einmal gescheut, das Geheimnis dieser für monopolkapitalistische Massenmedien so wichtigen und auch von den Verfechtern der Totalitarismustheorie nicht verschmähten Lügentechnik aufzudecken: »Man könne« – so führte er scheinbar beiläufig in »Mein Kampf« aus – von »dem sehr richtigen Grundsatze« ausgehen, »daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens hegt, da die breite Masse eines Volkes … einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen … Eine solche Unwahrheit wird ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an der Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird.«

Als Manipulator war er kaum zu übertreffen…

Zugleich müsse bei der Propaganda »ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt« werden: »Sie hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen … Jede Abwechslung darf nie den Inhalt des durch die Propaganda zu bringenden verändern, sondern muß stets zum Schlüsse das gleiche sagen … Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiete des Geschäfts oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und gleichmäßigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung.« Wer denkt da nicht unwillkürlich an die Anpreisung der weißesten oller weißen Waschmittel und des freiesten aller freien Länder? Hier wird etwas sichtbar, was ganz fundamental gegen das Rechtsprinzip von Treu und Glauben verstößt: die Manipulation als Propaganda- und Reklameprinzip der untergehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Es gilt, eine Ware oder Weltanschauung um jeden Preis und mit allen Mitteln an den Mann oder die Frau zu bringen. Es werden den Menschen Bedürfnisse suggeriert und Verhaltensweisen aufgezwungen, die durchaus nicht in ihren eigentlichen Interessen liegen, deren wahre Motive von den meisten nicht mehr durchschaut werden können und die in dieser oder jener Form auf die Dauer ihre Lebensbedingungen verschlechtern, vielfach sogar ganz zerstören. Hitler war auf fast allen Gebieten ein Dilettant. Eins muß man ihm aber lassen: Als Manipulator war er kaum zu übertreffen.

Zielscheibe der Volksverhetzung waren die Juden

Die Reklametechnik hat er sich perfekt angeeignet und in den Dienst der politischen Propaganda gestellt. Hitler ging auch in der Judenfrage von Grundsätzen der Manipulation aus. Die »Kunst aller wahrhaft großen Volksführer« (richtiger hätte es lauten müssen Volksverführer) habe – so heißt es in »Mein Kampf« – zu allen Zeiten darin bestanden, »die Aufmerksamkeit eines Volkes nicht zu zersplittern, sondern immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren«. Zur Zielscheibe seiner Volksverhetzung wurde nach bewährtem Muster der Jude gemacht. Wenn es ihn nicht gäbe, erläuterte Hitler dem konservativen Politiker Rauschning, hätte man ihn erfinden müssen. Je nach Bedarf diente der Antisemitismus dem Hitlerfaschismus zur Verfolgung verschiedener Ziele. Rückschauend auf die Zeit vor 1914 behauptete Hitler beispielsweise: »Nur die Kenntnis des Judentums allein bietet den Schlüssel zum Erfassen der inneren und damit wirklichen Absichten der Sozialdemokratie.« Der Bolschewismus galt stets als Werk der Juden und wurde gar als ein Weltphänomen von Moses bis Lenin bezeichnet (wobei man großzügig darüber hinwegsah, daß Lenin gar nicht jüdischer Abstammung war).

Die Legende von der „jüdischen Weltverschwörung“

Die Antihitlerkoalition im zweiten Weltkrieg erschien in der Nazipropaganda stets als jüdische Weltverschwörung des plutokratischen Westens und des bolschewistischen Ostens gegen die arischen Lichtgestalten des Dritten Reiches (wobei wiederum sich niemand darüber wundern durfte, daß die Naziführer Hitler, Himmler, Heß, Goebbels und viele andere nicht im geringsten dem Idealbild eines Germanen entsprachen). Er wisse, »daß es im wissenschaftlichen Sinne keine Rasse« gäbe, räumte Hitler im vertrauten Gespräch ein, »aber ich brauche diesen Begriff, um eine >Neuordnung der WeltJudenhaß paßt heute nicht mehr ins Feindbild

Auch Hitler hat sein propagandistisches Feindbild zum persönlichen Glaubensbekenntnis erhoben und in seinem Testament vom deutschen Volk die strenge Einhaltung der Rassengesetze und damit weiterhin konsequenten Antisemitismus gefordert. Daher kommt es, daß einige neofaschistische Gruppen nach wie vor Judenhaß predigen und praktizieren, obwohl er nicht mehr ins Konzept der herrschenden Klasse in der BRD paßt. Mit Recht schrieb Hermann Peter Piwitt schon 1968 in einem Buch des Reinbeker Rowohlt-Verlages: »Jahrelang konnte die Deutsche National-Zeitung« (ein Sprachrohr des Alt- und Neofaschismus in der BRD) »Emigranten und Widerständler schmähen, die Demokratie herabsetzen und NS-Verbrechen rechtfertigen; erst ihre antisemitischen Kommentare zum Nah-Ost-Krieg brachen ein Tabu und brachten ihr den Zorn des Innenministeriums ein. Die einseitige Strenge ist verdächtig: Der Philosemitismus ist der weiße Fleck auf einer schmutzigen Weste, beflissen hält an ihn sauber, man braucht was zum Vorzeigen fürs Ausland.«

Zum Wesen des Faschismus gehört die antisemitische Einstellung nicht. Die meisten faschistischen Bewegungen und Diktaturen in der Welt haben ihm keine oder nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Nur wer sich den Nazifaschismus zum Vorbild nahm, griff auch den Antisemitismus auf. Allerdings ist es für Faschisten typisch, daß sie irgendwelche Minderheiten für gesellschaftliche Mißstände verantwortlich machen und so den Volkszorn von den monopolkapitalistischen Urhebern abzulenken suchen. In der Türkei wurden wiederholt an Stelle der Juden die Armenier verfolgt. In Südafrika ist die Rassentrennung und damit die absolute Vorherrschaft der Weißen das Hauptanliegen des faschistischen Apartheidregimes. In Großbritannien und in anderen kapitalistischen Ländern hetzen die Faschisten gegen die aus der Dritten Welt Eingewanderten. Mit steigender Arbeitslosigkeit werden in der BRD die Gastarbeiter Ins Visier genommen. So gesehen ist der Antisemitismus ein Spezialfall des zu politischen Zwecken geschürten faschistischen Rassenhasses.

Weitere Themen dieses Buches sind u.a.:
– Antikommunistische Hetze
– Schamlose Geschichtsfälschung
– Warum nannten sich die Hitlerfaschisten Nationalsozialisten?
– Weshalb schafften sich die Faschisten Tarnorganisationen?
– Welche außenpolitischen Ziele verfolgten die Hitlerfaschisten?
– Wer wählte die Nazipartei?
– Wer bezahlte die Nazipartei?
– Wer hat gegen den Faschismus gekämpft?
– Warum wurden die Autobahnen gebaut?
– Wie entwickelte sich der Neofaschismus in der BRD?

Quelle:
Joachim Petzold, Faschismus – Regime des Verbrechens, Staatsverlag der deutschen Demokratischen Republik, 1984, S.35-39 (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Bereits im Jahre 1903 schrieb Lenin: „Die wissenschaftlich völlig unhaltbare Idee eines besonderen jüdischen Volkes ist ihrer politischen Bedeutung nach reaktionär. Den unwiderleglichen Beweis hierfür liefern die allgemein bekannten Tatsachen der jüngsten Geschichte und der gegenwärtigen politischen Wirklichkeit. In ganz Europa ist der Verfall des Mittelalters und die Entwicklung der politischen Freiheit Hand in Hand gegangen mit der politischen Emanzipation der Juden, mit ihiem Übergang vom Jiddischen zur Sprache desjenigen Volkes, in dessen MItte sie leben, und überhaupt mit einem zweifellosen Fortschreiten ihrer Assimilierung an die sie umgebende Bevölkerung.“ (W.I. Lenin, Werke, Bd.7, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.91)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s