Erich Honecker: Über den Sozialismus und seine Zukunft

„Die wichtigste der Lehren bestand darin, daß eine
Zukunft für die Menschheit nur ‚von unten her’, vom
Standpunkt der Unterdrückten und Ausgebeuteten
aus, sichtbar wurde. Nur mit ihnen kämpfend,
kämpft man für die Menschheit.“

(Bertolt Brecht)

Nach dem schmählichen Ende der DDR, und damit der Beseitigung des Sozialismus auf deutschen Boden, äußerte sich der von solchen Verrätern wie Krenz, Modrow, Gysi und Konsorten „abgesetzte“ Generalsekretär des ZK der SED und Vorsitzende des Staatsrates der DDR im Jahre 1992 wie folgt:

Hatten wir Sozialismus in der DDR?

In dieser sturmbewegten Zeit wird oft die Frage gestellt, ob das, was in der DDR war, Sozialismus war. Ja, so erklärte ich bereits im Frühjahr 1990, es war Sozialismus, auf jeden Fall ein Stück von ihm. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war durch die Vergesellschaftung der wesentlichen Produktionsmittel, die Entwicklung der volkseigenen Betriebe und der landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften beseitigt. In der Auseinandersetzung mit bürgerlichen Ideologien sprachen wir vom real existierenden Sozialismus, seinem planmäßigen Aufbau, der im Gegensatz zur kapitalistischen Gesellschaft seinen Bürgern Sicherheit und Geborgenheit garantierte.

Die Arroganz und der Zynismus des Herrn Gysi

Hier entwickelte sich friedliches Miteinander! Solidarität gedieh in unserer Gesellschaft nicht nur in den sogenannten Nischen, in denen sich Spießer und Opponenten eingerichtet hatten. Es spricht von Arroganz und Zynismus, wenn Herr Gysi alles das, was die Bürger heute schmerzhaft vermissen, als „Feudalismus“ und „Stalinismus“ und die SED als „reaktionäre Partei“ bezeichnet. Gleichwohl hat er und manche Leute, die so reden wie er, alle Möglichkeiten, die der Arbeiter-und-Bauern-Staat dieser Generation bot, einschließlich seine Ausbildung voll genutzt. Ich gehöre zu jenen – das mag für die Bourgeoisie und ihre Statthalter bedauerlich sein –, die nach der Niederlage nicht die Flinte ins Korn werfen. Das tat ich wie Hunderttausende auch 1933 nicht.

Welche Rolle spielte die DDR?

Wenn man der festen Überzeugung ist, daß der Sozialismus die einzige Alternative zum Kapitalismus darstellt, dann muß man mit Konsequenz dafür eintreten, welche konkreten Formen er künftig auch annehmen mag. Diese konsequente Haltung nehmen viele ehemalige Mitglieder der SED ein, die Organisatoren neuer kommunistischer Gruppen, auch ein Teil der Mitglieder der PDS, und diese konsequente Haltung vertreten in Deutschland vor allem die DKP und die KPD. Allein die Existenz der DDR, dieses von der Reaktion so übel verleumdete „Phänomen“, hat mehr Einfluß auf das Weltgeschehen ausgeübt als viele heute annehmen. Das brachte ein älterer Genosse im März 1991 überzeugend zum Ausdruck.

Er nannte folgende Fakten:
1. Die DDR hat mit ihrem nichtkapitalistischen Modell auf die sozialökonomischen Auseinandersetzungen in Westdeutschland ersichtliche Wirkungen ausgeübt, so die BRD-Arbeitgeber zu akzeptablen Kompromissen bewogen und damit nicht nur am Sozialpaket mitgewirkt, sondern auch zum stabilen inneren Markt beigetragen, der die Außenmarktsituation abstützte.
2. Die DDR hat, was gleichfalls verschwiegen wird, auf andere Weise den wirtschaftlichen Aufschwung in der BRD mit hohen Opfern begünstigt: sie hat für ganz Deutschland die Reparationen des 2.Weltkrieges an die Sowjetunion auf Heller und Pfennig bezahlt. Dafür hätte die BRD eigentlich an die DDR rund 700 Mio. Mark zahlen müssen.
3. Vor allem aber hat die DDR an der Nahtstelle von NATO und Warschauer Pakt das militärische Patt zwischen den Supermächten ermöglicht, 40 Jahre Frieden in Europa gesichert und einen dritten Weltkrieg verhindert!

Das sind sehr zutreffende Einschätzungen! Kaum jemand kann angesichts der Tatsache in unserer trotz der staatlichen Einheit geteilten Nation bestreiten, daß die Politik der DDR auf das Wohl der Menschen gerichtet war. Es gab bei uns niemand, der auf Kosten des Volkes lebte. Alles, was produziert wurde, wurde verteilt.

Wir hatten ein großes Stück Sozialismus in der DDR

Warum konnten wir uns zum Beispiel leisten, für alle Kinder einen Kindergartenplatz bereitzustellen, und das fast kostenlos. Für 60 Prozent der Kinder gab es Krippenplätze und Schulhorte für alle Kinder der Klassen l bis 4. Der Staat und die Betriebe stellten die Mittel für die Ferienaufenthalte, für Sport, Kultur und Soziales. Die Betriebsfonds sicherten die Gewährleistung der polytechnischen und der Berufsausbildung, die Qualifizierungsmaßnahmen für Arbeiter, Meister und Ingenieure. Es gab eine zehnjährige Schulausbildung für alle, Fach- und Hochschulen in großem Umfang, wir „leisteten“ uns notwendigen Bildungsvorlauf, Schulspeisung und Fürsorge für die Alten, Volkssolidarität, ein weit ausgebautes Gesundheitswesen mit seinen Polikliniken, ein Erholungswesen, das über die Gewerkschaften gesteuert wurde. Die Jugend hatte eine Perspektive, die Kinder waren umsorgt von Familie und Gesellschaft. Die Mittel für die sozialen Leistungen flossen aus dem gesellschaftlichen Eigentum, aus den erwirtschafteten Gewinnen, die eben nicht wie im Kapitalismus als Profite in die Taschen Einzelner fließen konnten. All das hat etwas mit realem Sozialismus zu tun.

Quellen:
Zitat Brecht: Rede anläßlich der Verleihung des Lenin-Preises (1955)
Erich Honecker: Zu den dramatischen Ereignissen, W.Runge Verlag, Hamburg,1992, S.41f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Margot Honecker: Und der Zukunft zugewandt
Erich Honecker – Ein Nachtrag
Was ist sozialistische Planwirtschaft?
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie

In dem nun folgenden Interview äußert sich Genosse Erich Honecker zur Zukunft des Sozialismus: http://youtu.be/I75iMmhP5iU

6 Gedanken zu “Erich Honecker: Über den Sozialismus und seine Zukunft

  1. Hallihallo, Sascha 313 – wie wahr, wie wahr, wie wahr – Wahrheiten, die die Menschen und die Geschichte nicht vom Tisch wischen können, auch wenn es Viele versuchen!!! Die Geschichte wird uns recht geben!!!

    Die besten Grüße aus dem Wuhletal in Deine Richtung!

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  2. Erich Honecker hat recht – auch wenn man ihm das Alter schon anmerkt: der Kopf ist klar! Der Kapitalismus hat in seiner letzten Phase noch einmal zwanzig Jahre geschenkt bekommen. Nun sind die Reserven bald verzehrt, der Kredit ist aufgebraucht. Nun gilt es nur noch den Staub der Unwissenheit und den Schmutz der Verleumdungen und Lügen beiseite zu wischen. Den Halsabschneidern wird eines Tages auch noch der Prozeß gemacht, wenn das ausgebeutete Volk es will. Der Henker steht schon vor der Türe!

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  3. Lieber Sascha, viel wahres ist drann. Dennoch kann ich Dir nicht ganz zustimmen, in der DDR gab es auch etliche, die auf Kosten der Allgemeinheit sich durchs Leben mogelten. Ich denke da an solche, die auf Arbeit kamen und nach dem Zahltag für lange Zeit nicht mehr zu sehen waren, bis das Geld alle war. Oder an solche, die ihre eh schon geringe Miete nicht zahlten, aus welchem Grund auch immer, ob die Jugendweihe genannt wurde oder anderes lapidares Zeug. Diese waren nach der Konterrevolution auch schnell im Westen, kamen aber dann auch wieder schnell zurück.
    Also, daß es keinen gab, der auf anderen ihren Knochen gelegen hat, kann man meineserachtens nicht so eindeutig sagen.

    MkG

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    1. Da gebe ich Dir recht. Aber das ist ein Zitat Honeckers, und gemeint ist damit sicherlich, daß es solche Schmarotzer, also die Kapitalisten, bei uns nicht gab. Heute meint man damit ja die Hartz-4-Empfänger – das ist natürlich – pauschal gesehen – völliger Quatsch.

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      1. Ja insofern stimme ich Dir natürlich zu, denn in einem Staat der seinen Menschen nicht eine Arbeit oder überhaupt eine sinnvolle Tätigkeit garantiert, wo diese Menschen ihr Geld zum Leben selbst verdienen können, kann man diese nicht als „Sozialschmarotzer“ bezeichnen.

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      2. …eben! Und die Sozialschmarotzer – das sind diejenigen, die aufgrund ihres Privateigentums an Produktionsmitteln auf Kosten der werktätigen Bevölkerung leben (oder deren willfährige Handlanger und der ganze Pilz drumherum) – und nicht diejenigen, denen man das heute so gerne vorwirft, weil sie resigniert haben, oder die nicht bereit sind für 1-5 Euro in der Stunde zu arbeiten!

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