Das Gossweilersche Gesetz

Man kann den Namen von Peter Hacks nicht nennen, ohne zugleich an einen der beständigsten und geradlinigsten kommunistischen Historiker unserer Zeit erinnert zu werden, an Dr. Kurt Gossweiler. Beide verbindet ein sehr aufschlußreicher und bis ins Detail spannender Gedankenaustausch zu aktuellen politischen Fragen, den der Philosoph Prof. Hans Heinz Holz wie folgt kommentierte:
„Der Briefwechsel zwischen Hacks und Gossweiler gibt eher das Bild zweier Felsen, die in der Brandung der Niederlage unerschütterlich fest stehen. (…) Der Bitterkeit, daß der Sozialismus in der Sowjetunion und in der DDR nicht von außen besiegt, sondern durch innere Fäulnis sturmreif gemacht wurde, wirkt immer wieder der ungebrochene Kampfgeist entgegen, der die freigelegten Einbruchstellen zu Ausfalltoren gegen die Konterrevolution machte. Da wird eine Bastion nicht nur verteidigt, sondern zum Stützpunkt der Gegenoffensive ausgebaut. Und das Lamento über die Niederlage muß nicht bei Gorbatschow beginnen, die Analyse bis zu Chruschtschow zurückgeführt werden, wenn Ursachen begriffen werden sollen. Die Klarheit der politischen Kernaussagen in diesem Briefwechsel besticht, für jeden lesenswert, der in den Wirrungen der aktuellen Tagesläufe, der Wendungen und Täuschungen Orientierung sucht.“ (Peter Hacks, Am Ende verstehen sie es, Politische Schriften, 1988 bis 2003, Eulenspiegel Verlag, 2005, Vorwort, S.10f.)
So lesen wir in einem der Briefe von Peter Hacks (vom 9.3.1998) an seinen kongenialen Korrespondenzpartner:

Das Gossweilersche Gesetz

Für Ihre wichtige Nachricht halte ich eine These, die Sie gar nicht aufstellen, die ich aber aus Ihnen extrapoliere und das Gossweilersche Gesetz nennen will. Es lautet:
Jede kommunistische Bewegung zu jeder Zeit seit 1848 ist zu einem etwa konstanten Anteil mit Kräften durchsetzt, denen die ganze Sache zu anstrengend ist und die potentiell bereit sind, die Friedensangebote, die die Bourgeoisie ihnen macht, wohlwollend zu prüfen. Wie hoch der Anteil jeweils ist, ist kaum eine Frage der Gunst oder Ungunst der gesellschaftlichen Stunde. Das Vorhandensein großartiger Führer, Lenins, Stalins, Ulbrichts, hingegen kann die Quote der Revisionisten entmutigen und für eine gewisse Weile senken. … Ihre Analysen der Schauprozesse, des Stalin-Hitler-Pakts und der Tito-Geschäfte sind samt und sonders Befreiungsschläge. (ebd. S.112)

Siehe auch (von und über Kurt Gossweiler):
Kurt Gossweiler: Das politische Archiv
Dr. Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts
Kurt Gossweiler: Ist Gewalt zur Verteidigung des Kommunismus unmoralisch?
Kommunistische Arbeiterzeitung: Wie konnte das geschehen? (pdf-Datei)
(Corell: Rezension zu Bd.2 der Taubenfuß-Chronik von K.Gossweiler)

oder (über den Revisionismus):
Revisionisten und Marx-Fälscher
Ljubow Pribytkowa: Die Demontage

2 Gedanken zu “Das Gossweilersche Gesetz

  1. Dem „Praktiker“ Lenin waren die Auswirkungen dieses erst viel später formulierten Gesetzes durchaus bewußt.

    „Jede Inkonsequenz oder Schwäche bei der Entlarvung derjenigen, die sich als Reformisten oder ´Zentristen´ erweisen, vergrößert direkt die Gefahr eines Sturzes der proletarischen Staatsmacht durch die Bourgeoisie, die morgen für die Konterrevolution das ausnutzen wird, was heute kurzsichtigen Leuten nur eine ´theoretische Meinungsverschiedenheit´ zu sein scheint.“
    (W. I. Lenin, Bd. 31, S. 178.)

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  2. Danke, Inson. Das ist ein sehr treffendes Lenin-Zitat. Und ich glaube auch nicht, daß Peter Hacks das ganz so ernst gemeint hat, denn ein „Gesetz“ hat eine zwingendere Wirkungsweise. Also sagen wir mal: es ist eine „Regel“. Tatsache aber ist, daß die Entlarvung der Reformisten, Renegaten und anderer Abweichler vom Marxismus-Leninismus eine vorrangige Aufgabe bleibt, denn sie sind bzw. werden zu einer Gefahr für die proletarische Staatsmacht. Und man kann keineswegs damit einverstanden sein, wenn z.B. in der DKP (mit Steigerwald, Brenner, Thomalla & Co.) oder beim RotFuchs (mit Tichauer, Lieberam, Roß, Wagner und dgl.) revisionistische Positionen verbreitet werden. Und darauf wollte Peter Hacks (und mit ihm Gen. Gossweiler) wohl hinweisen. (siehe: Marx-Fälscher)

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