Hermann Kant und die DDR-Literatur

Am SchreibtischDer Schriftsteller Hermann Kant

Die DDR war ein Leseland allererster Güte. Nicht nur, daß Klassiker der Weltliteratur (von Mark Twain bis Tucholsky, von Flaubert bis Fadejew, Ostrowski, Goethe und Brecht) in der DDR schon Pflichtlektüre eines jeden Schulkindes zu sein pflegten – Bücher also, die man in manchem westlichen Bücherschrank vergeblich sucht … wenn es da neben Perry Rhodan oder Konsalik überhaupt etwas Lesbares gibt. Auch die neueren DDR-Schriftsteller konnten, soweit die Papierknappheit es zuließ, mit größeren Auflagen rechnen. Und ihr Beruf ließ sie nicht gerade am Hungertuch nagen. Das heißt, sie konnten nicht schlecht davon leben.

Doch hin und wieder gab es auch mal Auseinandersetzungen mit solchen Schriftstellern, die einen anderen, sagen wir mal, einen etwas schrägen Begriff von schriftstellerischer Freiheit hatten. Nämlich den, daß sie glaubten, ihre Kritik an der Regierung ihres Landes – des Landes also, in dem sie lebten – vermittels westlicher, also bekanntlich gegnerischer Medien kundtun zu müssen. Ihnen hielt Hermann Kant gelegentlich entgegen: „Als ob es nicht seit langem bekannt wäre, daß ein Manuskript auf dem Wege von Ost nach West Veredelung erfährt, wenn vom ihm und seinem Autor Systemkritisches zu vermuten steht…“ [1]

Kant hatte die Eigenheit, die Dinge beim Namen zu nennen, und was noch wesentlicher war, er fand auch die treffenden Worte: „Wer seine Post über westliche Agenturen zustellt, kann nicht erwarten, daß der Adressat sie ohne allen Argwohn liest – den Argwohn etwa, es gehe den Schreibern gar nicht um das Gespräch mit ihm, sondern eher schon darum, sich wieder einmal ins Gespräch zu bringen.“ [2] Und er nannte auch die Namen der betreffenden Autoren. Es sind Leute, denen erst die bürgerliche Verwertungsgesellschaft zu einigem zweifelhaften Ruhm verhalf, weil sie eben weniger aus literarischen, so doch aus politischen Gründen gegen die DDR brauchbar waren. Man muß deren Namen nicht kennen. Dennoch schrieb Kant: „Weil wir gerade bei Kennern sind: Herr Kunze – ich denke, man wird sich noch erinnern – hat unlängst der Vermutung Ausdruck verliehen, unserer Literatur bleibe nur ein schrecklicher Rückschritt übrig. Was immer damit gemeint sein mag – Herr Kunze ist insofern ein glücklicher Mensch, als er, sollte er jemals noch einer Bewegung fähig sein, ausschließlich Fortschritte machen könnte. Wenn die Darmstädter Akademie ihren Literaturpreis auf den Kunze bringt, muß sie selber sehen, wie sie damit zurechtkommt, und … aber lassen wir das, kommt Zeit, vergeht Unrat, und schließlich sind Fehlgriffe bei Preisverleihungen kein Darmstädter Privileg.“ [3] (auch den kann man getrost vergessen!)

Und schließlich schrieb Hermann Kant über die sozialistische Gesellschaft, also über diese DDR, in der wir damals lebten:

… klar ist auch, daß wir uns von unseren gemeinsamen politischen Gegnern nicht verleiten lassen werden, einen übergroßen Teil unserer Zeit und unserer Energien auf die Entzerrung ihrer Darstellungen und die Widerlegung ihrer Lügen zu wenden.

Der Sozialismus als Bewegung und Ordnung kann sich vor jedermann auf seine Humanität befragen lassen; in ihm erst ist Menschlichkeit nicht mehr allein angewiesen auf den Mut oder Edelmut Einzelner oder niedergehaltener Minderheiten, in ihm erst ist Menschlichkeit gesellschaftliches Prinzip. Erst wo der Mensch nicht mehr ausgebeutet wird durch seinesgleichen, ist umgreifende Menschlichkeit möglich.

Erst, mit den bekannten Worten, erst wo die Äcker denen gehören, die sie bebauen, und die Fabriken denen, die sie erbauten, und die Maschinen denen, die sie bedienen – erst dort kann Menschlichkeit ganz zu Hause sein. Menschlichkeit ist erst, wenn weder Geldbeutel noch Hautfarbe darüber entscheiden, ob einer satt und gesund und mit Wissen ausgestattet und von Furcht befreit und mit sinnvoller Arbeit versehen und in Frieden leben kann.

Der Sozialismus, wie er von Marx und Lenin aus den Zuständen der bisherigen Welt gefolgert und als künftiger Weltzustand entworfen wurde, ist die wahrhaft humanistische Bewegung gegen den Terror, der Hunger heißt oder Rassismus, Unwissenheit oder Kolonialismus, Massenelend oder Völkerhaß.

Sozialismus also ist die humanistische Antwort auf alle bisherige Unmenschlichkeit, und da höre man doch besser auf, uns, die wir in unseren Staaten, über den bloßen Traum und das nur gedachte Wort und den blutigen Kampf längst hinaus, mit dem Aufbau und Ausbau eines wirklichen, konkreten, wirksamen, realen, anfaßbaren, praktischen Sozialismus beschäftigt sind – da höre man doch auf, uns in unsere Arbeit hineinzureden, uns Freunde zuzuordnen, die wir nicht wollen, und uns Feinde zu melden, die wir gar nicht haben, und vor allem höre man auf, uns die Nöte der Kunst in der alten Gesellschaft als die Tugend der Kunst in der neuen, der unsrigen, vorzuführen.

Auch reicht es uns langsam an Freiheitsrufen, Brüderlichkeitsgesten und Gleichheitszeichen, denn als Sozialisten und Kommunisten sind wir Teilnehmer an der gründlichsten, energischsten und auch erfolgreichsten Freiheitsbewegung der Geschichte, und da unsere Arbeit mitgedacht und mitgetan wird für die Unterdrückten in aller Welt, haben wir eine über jede Phrase erhabene Vorstellung von Brüderlichkeit; und in Gleichheit und Gemeinsamkeit kann uns nur holen, wer den gleichen Zorn wie wir empfindet gegenüber Ausbeutung und Unterdrückung und doch ähnliche Freude über die Siege der Unterdrückten und Ausgebeuteten.

Wir wissen schon sehr gut: So einfach, wie diese Formeln klingen, liegen die Dinge nicht allzuoft; und angenehmer ist es auch, Streit nicht zu haben und freundlich zu sein mit beinahe allen und guten Willen zu vermuten bei fast jedem Gegenüber.

Doch vorerst und wohl auf länger noch ist es nun einmal so, daß unsere Haltungen, unsere Worte, unsere Bücher als Teile der Klassenauseinandersetzungen wirken, verstanden werden und auch gemeint sein sollten. [4]

Quelle:
[1] Hermann Kant, Zu den Unterlagen, Publizistik1957-1980, Aufbau-Verlag, Berlin und Weimar, 1980, S.237
[2] ebd. S.238
[3] ebd. S.227
[4] ebd. S.196f.

Siehe auch folgenden Beitrag:
Hermann Kant – Die Aula
Schulbücher in der BRD und in der DDR

Der Antisemitismus – eine demagogische Waffe der Bourgeoisie

Um ihre wahren Ziele zu vertuschen, bediente sich die Nazi-Clique der geistigen Manipulierung des Volkes: Die Juden wurden zur Zielscheibe des „Volkszorns“ gemacht, um den eigentlichen Grundwiderspruch des Monopolkapitalismus, den unvereinbaren Gegensatz zwischen der (produktionsmittel-) besitzenden und der besitzlosen Klasse, zwischen Bourgeoisie und Proletariat, zu verwischen. Mit einer Flut von Hetzschriften und demagogischen Verlautbarungen versucht auch heute noch die Monopolbourgeoisie gleich zwei Erscheinungen zu verdunkeln: die gesellschaftlichen Rassenverbrechen des deutschen Faschismus und die politischen Motive der aktiven Unterstützung für die aggressive Politik der herrschenden Kreise in Israel. Besonders verlogen ist es, wenn heute mit dem Vorwurf eines angeblichen „Antisemitismus“ jede Kritik an der aggressiven und menschenverachtenden Haltung Israels gegenüber den Palästinensern und gegenüber dem Iran zu Schweigen gebracht werden soll. Wer bedroht also hier den Frieden in der Welt? 1984 brachte der Staatsverlag der DDR eine Publikation von Prof. Dr. phil. habil. Joachim Petzold heraus, in der dieser die Hintergründe und Hintermänner des Naziregimes (insbesondere auch den Antisemitismus) einer näheren Betrachtung unterzog. Der nun folgende Aussschnitt handelt von dieser Manipulation der Nazis…

Welchem Zweck diente der Antisemitismus der Hitlerfaschisten?

Zu den schrecklichsten Verbrechen der Hitlerfaschisten gehörte die Verfolgung und Vernichtung von Millionen Juden. Auf den ersten Blick Ist es schwer zu verstehen, warum eine politische Bewegung, die nach Hitlers eigenen Worten vor allem die Ausrottung der marxistischen Weltanschauung zum Ziele hatte, sich gegen Menschen wandte, denen vielfach erst nachgewiesen werden mußte, daß sie – wie es im Nazisprachgebrauch hieß – nichtarischer Abstammung waren. Vielfach wird auch suggeriert, im tiefsten Grunde sei Faschismus Antisemitismus. Das hat für jene Vorteile, die heutzutage den Neofaschismus, sofern er sich nicht antisemitisch gebärdet, vom Odium des Faschismus befreien möchten oder die unentwegt für Israel Partei ergreifen, dessen Begin-Sharon-Regime sich durchaus faschistischer Methoden im Kampf gegen die Palästinenser bediente.

Juden als Zielscheibe des „Volkszorns“

Um zu begreifen, weshalb die Hitlerfaschisten Menschen jüdischer Abstammung zu einer Zielscheibe ihres Hasses machten, muß man einen Blick in die Vergangenheit werfen. Seit vielen Jahrhunderten war es eine beliebte Methode der Herrschenden, die Juden zum Sündenbock zu stempeln und die über unerträgliche Lebensbedingungen sich empörenden Volksmassen zu antijüdischen Pogromen anzustacheln. Als eine ideologische Begründung diente dabei die angebliche Schuld der Juden Jerusalems am Kreuzestod von Jesus Christus. Zudem hatten die Juden, die nach der Zerstörung Jerusalems durch die Römer in alle Welt verstreut wurden, sich vielfältigen Verboten ausgesetzt gesehen, die sie nicht nur in spezielle Stadtteile, die Ghettos, zwangen, sondern die ihnen auch den Zugang zu vielen Berufen unmöglich machten. Sie mußten sich zumeist mit dem Handel und dem Geldverleih sowie mit mancherlei Gewerbe befassen, das in den mittelalterlichen Städten als »unehrlich« galt. Da einzelne Juden dabei zu Wohlstand aufstiegen, ließ sich leicht Neid und Mißgunst schüren. Zudem hielten sich absolute Fürsten gern jüdische Steuereintreiber und sonstige Geldbeschaffer, die dann an ihrer Statt den Volkszorn zu spüren bekamen.

Der Antisemitismus und die deutschvölkischen Lehrmeister der Nazis

Es gab seit dem Mittelalter in vielen Ländern Europas einen mehr oder minder ausgeprägten Antisemitismus. Im kaiserlichen Deutschland gelang es sogar antisemitischen Demagogen, ganze Wahlkreise zu erobern und in den Reichstag einzuziehen. In Wien wurde der Antisemit Dr. Karl Lueger während Hitlers Jugendjahre Oberbürgermeister. Der Naziführer hatte sich also selbst von der Brauchbarkeit antisemitischer Propaganda überzeugen können. Seine alldeutschen Mentoren, allen voran Heinrich Claß, legten größten Wert darauf, daß der Haß auf die Juden geschürt wurde. Der Antisemitismus war also keine Erfindung der Hitlerfaschisten. Sie steigerten ihn jedoch bis zur letzten Konsequenz einer Massenvernichtung der Juden. Es sind keine traumatischen Halluzinationen gewesen, die Hitler, wie der Amerikaner Binnion seinen Lesern einzureden sucht, zum Judenhasser machten, sondern alldeutsche und deutschvölkische Lehrmeister sowie skrupellose Zweckmäßigkeitserwägungen.

Was war das Hauptziel der Nazifaschisten?

Die Faschisten verfolgten als ihr Hauptziel die Vernichtung des Kommunismus. Sie kamen dabei nicht umhin, eine gewisse Kritik an den offenkundigen Gebrechen des Kapitalismus zu üben. Eine direkte und unverhüllte Verteidigung der kapitalistischen Ausbeuterordnung war im Zeitalter der allgemeinen Krise des Kapitalismus nicht mehr möglich, wenn man massenwirksam sein wollte. Also mußte ein möglichst einfacher Begriff gefunden werden, der die Kommunismusbekämpfung begünstigte und die Kapitalismusverteidigung erleichterte. Feder hatte bereits bewiesen, daß die bei den Antisemiten schon früher übliche Unterscheidung zwischen dem »raffenden jüdischen Bankkapital« und dem »schaffenden arischen Industriekapital« propagandistisch wirksam in das System der faschistischen Ideologie eingebaut werden konnte. Auch die Feinde der revolutionären Arbeiterbewegung in Deutschland bedienten sich des Antisemitismus, indem sie das Ahnenregister bekannter Arbeiterführer durchforschten und ständig darauf hinwiesen, daß Karl Marx und andere große Vorkämpfer des Proletariats jüdischer Abstammung waren.

Hitler nutzte kapitalistische Werbestrategien

Diese doppelte Brauchbarkeit des Antisemitismus suchten Hitler und sein ideologischer Chefberater Alfred Rosenberg auszunutzen. Letzterer hatte im zaristischen Rußland die Methoden der Ochrana (der zaristischen Geheimpolizei), die Unzufriedenheit politisch zurückgebliebener Volksschichten durch Judenpogrome abzulenken, studieren können. Ersterer fügte derartigen Erfahrungen Grundsätze hinzu, die er sich beim Studium der kapitalistischen Reklametechnik angeeignet hatte. Hitler wollte schließlich, bevor er sich entschloß, Politiker zu werden, sein Brot als Werberedner verdienen. Das wird noch in seiner politischen Programmschrift »Mein Kampf« deutlich, die er während seiner Landsberger Haft »auf Staatskosten« (wie er höhnisch vermerkte) geschrieben hatte. Die kapitalistische Reklame kennt keine Objektivität. Hitler übertrug dieses Prinzip ohne Umschweife auf die Politik: »Was würde man zum Beispiel über ein Plakat sagen, das eine neue Seife anpreisen soll, dabei jedoch auch andere Seifen als >gutDas Geheimnis der Hitlerschen Lügen

Hitler bekannte also ganz offen: Faschistische Propaganda orientiert sich nicht am Wahrheitsgehalt einer Behauptung, sondern allein am praktischen Nutzen. Das hatte sich bereits bei der Festlegung des Parteinamens gezeigt. Der Naziführer hat sich nicht einmal gescheut, das Geheimnis dieser für monopolkapitalistische Massenmedien so wichtigen und auch von den Verfechtern der Totalitarismustheorie nicht verschmähten Lügentechnik aufzudecken: »Man könne« – so führte er scheinbar beiläufig in »Mein Kampf« aus – von »dem sehr richtigen Grundsatze« ausgehen, »daß in der Größe der Lüge immer ein gewisser Faktor des Geglaubtwerdens hegt, da die breite Masse eines Volkes … einer großen Lüge leichter zum Opfer fällt als einer kleinen … Eine solche Unwahrheit wird ihr gar nicht in den Kopf kommen, und sie wird an der Möglichkeit einer so ungeheuren Frechheit der infamsten Verdrehung auch bei anderen nicht glauben können, ja selbst bei Aufklärung darüber noch lange zweifeln und schwanken und wenigstens irgendeine Ursache doch noch als wahr annehmen; daher denn auch von der frechsten Lüge immer noch etwas übrig und hängen bleiben wird.«

Als Manipulator war er kaum zu übertreffen…

Zugleich müsse bei der Propaganda »ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt« werden: »Sie hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen … Jede Abwechslung darf nie den Inhalt des durch die Propaganda zu bringenden verändern, sondern muß stets zum Schlüsse das gleiche sagen … Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiete des Geschäfts oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und gleichmäßigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung.« Wer denkt da nicht unwillkürlich an die Anpreisung der weißesten oller weißen Waschmittel und des freiesten aller freien Länder? Hier wird etwas sichtbar, was ganz fundamental gegen das Rechtsprinzip von Treu und Glauben verstößt: die Manipulation als Propaganda- und Reklameprinzip der untergehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung. Es gilt, eine Ware oder Weltanschauung um jeden Preis und mit allen Mitteln an den Mann oder die Frau zu bringen. Es werden den Menschen Bedürfnisse suggeriert und Verhaltensweisen aufgezwungen, die durchaus nicht in ihren eigentlichen Interessen liegen, deren wahre Motive von den meisten nicht mehr durchschaut werden können und die in dieser oder jener Form auf die Dauer ihre Lebensbedingungen verschlechtern, vielfach sogar ganz zerstören. Hitler war auf fast allen Gebieten ein Dilettant. Eins muß man ihm aber lassen: Als Manipulator war er kaum zu übertreffen.

Zielscheibe der Volksverhetzung waren die Juden

Die Reklametechnik hat er sich perfekt angeeignet und in den Dienst der politischen Propaganda gestellt. Hitler ging auch in der Judenfrage von Grundsätzen der Manipulation aus. Die »Kunst aller wahrhaft großen Volksführer« (richtiger hätte es lauten müssen Volksverführer) habe – so heißt es in »Mein Kampf« – zu allen Zeiten darin bestanden, »die Aufmerksamkeit eines Volkes nicht zu zersplittern, sondern immer auf einen einzigen Gegner zu konzentrieren«. Zur Zielscheibe seiner Volksverhetzung wurde nach bewährtem Muster der Jude gemacht. Wenn es ihn nicht gäbe, erläuterte Hitler dem konservativen Politiker Rauschning, hätte man ihn erfinden müssen. Je nach Bedarf diente der Antisemitismus dem Hitlerfaschismus zur Verfolgung verschiedener Ziele. Rückschauend auf die Zeit vor 1914 behauptete Hitler beispielsweise: »Nur die Kenntnis des Judentums allein bietet den Schlüssel zum Erfassen der inneren und damit wirklichen Absichten der Sozialdemokratie.« Der Bolschewismus galt stets als Werk der Juden und wurde gar als ein Weltphänomen von Moses bis Lenin bezeichnet (wobei man großzügig darüber hinwegsah, daß Lenin gar nicht jüdischer Abstammung war).

Die Legende von der „jüdischen Weltverschwörung“

Die Antihitlerkoalition im zweiten Weltkrieg erschien in der Nazipropaganda stets als jüdische Weltverschwörung des plutokratischen Westens und des bolschewistischen Ostens gegen die arischen Lichtgestalten des Dritten Reiches (wobei wiederum sich niemand darüber wundern durfte, daß die Naziführer Hitler, Himmler, Heß, Goebbels und viele andere nicht im geringsten dem Idealbild eines Germanen entsprachen). Er wisse, »daß es im wissenschaftlichen Sinne keine Rasse« gäbe, räumte Hitler im vertrauten Gespräch ein, »aber ich brauche diesen Begriff, um eine >Neuordnung der WeltJudenhaß paßt heute nicht mehr ins Feindbild

Auch Hitler hat sein propagandistisches Feindbild zum persönlichen Glaubensbekenntnis erhoben und in seinem Testament vom deutschen Volk die strenge Einhaltung der Rassengesetze und damit weiterhin konsequenten Antisemitismus gefordert. Daher kommt es, daß einige neofaschistische Gruppen nach wie vor Judenhaß predigen und praktizieren, obwohl er nicht mehr ins Konzept der herrschenden Klasse in der BRD paßt. Mit Recht schrieb Hermann Peter Piwitt schon 1968 in einem Buch des Reinbeker Rowohlt-Verlages: »Jahrelang konnte die Deutsche National-Zeitung« (ein Sprachrohr des Alt- und Neofaschismus in der BRD) »Emigranten und Widerständler schmähen, die Demokratie herabsetzen und NS-Verbrechen rechtfertigen; erst ihre antisemitischen Kommentare zum Nah-Ost-Krieg brachen ein Tabu und brachten ihr den Zorn des Innenministeriums ein. Die einseitige Strenge ist verdächtig: Der Philosemitismus ist der weiße Fleck auf einer schmutzigen Weste, beflissen hält an ihn sauber, man braucht was zum Vorzeigen fürs Ausland.«

Zum Wesen des Faschismus gehört die antisemitische Einstellung nicht. Die meisten faschistischen Bewegungen und Diktaturen in der Welt haben ihm keine oder nur geringe Aufmerksamkeit geschenkt. Nur wer sich den Nazifaschismus zum Vorbild nahm, griff auch den Antisemitismus auf. Allerdings ist es für Faschisten typisch, daß sie irgendwelche Minderheiten für gesellschaftliche Mißstände verantwortlich machen und so den Volkszorn von den monopolkapitalistischen Urhebern abzulenken suchen. In der Türkei wurden wiederholt an Stelle der Juden die Armenier verfolgt. In Südafrika ist die Rassentrennung und damit die absolute Vorherrschaft der Weißen das Hauptanliegen des faschistischen Apartheidregimes. In Großbritannien und in anderen kapitalistischen Ländern hetzen die Faschisten gegen die aus der Dritten Welt Eingewanderten. Mit steigender Arbeitslosigkeit werden in der BRD die Gastarbeiter Ins Visier genommen. So gesehen ist der Antisemitismus ein Spezialfall des zu politischen Zwecken geschürten faschistischen Rassenhasses.

Weitere Themen dieses Buches sind u.a.:
– Antikommunistische Hetze
– Schamlose Geschichtsfälschung
– Warum nannten sich die Hitlerfaschisten Nationalsozialisten?
– Weshalb schafften sich die Faschisten Tarnorganisationen?
– Welche außenpolitischen Ziele verfolgten die Hitlerfaschisten?
– Wer wählte die Nazipartei?
– Wer bezahlte die Nazipartei?
– Wer hat gegen den Faschismus gekämpft?
– Warum wurden die Autobahnen gebaut?
– Wie entwickelte sich der Neofaschismus in der BRD?

Quelle:
Joachim Petzold, Faschismus – Regime des Verbrechens, Staatsverlag der deutschen Demokratischen Republik, 1984, S.35-39 (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Bereits im Jahre 1903 schrieb Lenin: „Die wissenschaftlich völlig unhaltbare Idee eines besonderen jüdischen Volkes ist ihrer politischen Bedeutung nach reaktionär. Den unwiderleglichen Beweis hierfür liefern die allgemein bekannten Tatsachen der jüngsten Geschichte und der gegenwärtigen politischen Wirklichkeit. In ganz Europa ist der Verfall des Mittelalters und die Entwicklung der politischen Freiheit Hand in Hand gegangen mit der politischen Emanzipation der Juden, mit ihiem Übergang vom Jiddischen zur Sprache desjenigen Volkes, in dessen MItte sie leben, und überhaupt mit einem zweifellosen Fortschreiten ihrer Assimilierung an die sie umgebende Bevölkerung.“ (W.I. Lenin, Werke, Bd.7, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.91)

Was verstehen wir unter einer Nation?

DDR-FahneUm es gleich vorweg zu nehmen: Freunde kann man sich heraussuchen, die Nation jedoch nicht. Man wird in die Umstände hineingeboren, ob sie einem nun gefallen oder nicht. Ohnehin kann der einzelne Mensch die Gesellschaft nicht verändern. So wie man auch die Menschen nicht verändern kann, es sei denn sie ändern sich von selbst. Die Umwelt prägt letztendlich die Menschen. Man muß also mit ihnen auskommen, ob man sie nun leiden mag oder nicht. Unliebsamen Zeitgenossen kann man allenfalls aus dem Wege gehn. Verändern kann die Gesellschaft nur eine revolutionäre Klasse. Nun ist es aber so, daß der Begriff der Nation von den sogenannten Vertriebenverbänden immer wieder gern mißbraucht wird, um revanchistischen Forderungen nach Herstellung des Großdeutschen Reiches Gehör zu verschaffen. Der Spruch des Kaisers Wilhelm II, den er 1914 vom Balkon herunterschrie: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“, ist nichts als eine leere Phrase. Denn als seine „heißgeliebten deutschen Soldaten“ zu Tausenden vor Verdun im Bombenhagel fielen oder jämmerlich im eigenen Giftgas verreckten, war es ihm nicht eine Träne wert. Die schwarzgekleideten Mütter erhielten ein „Mutterkreuz“ anstelle des Sohnes, und ein paar laue Sprüche…

Was also verstehen wir unter einer Nation?

Die Nation [lat. natio, „Volk“] ist eine Struktur- und Entwicklungsform der Gesellschaft, die mit der Herausbildung des Kapitalismus entstand. Sie schließt Menschen gleicher Sprache auf einem gemeinsamen Territorium zu großen und relativ beständigen Gemeinschaften zusammen. Es vollziehen sich vielfältige soziale Prozesse (kulturelle, wissenschaftliche, politische u.a.), wobei die Interessen der herrschenden Klasse, der Klassenkampf, die Staatsform usw. einen entscheidenden Einfluß auf die Art der Nation haben. In diesem Rahmen können sich dann bis zu einem gewissen Grade auch die Produktivkräfte entwickeln. Sobald aber die Produktionsverhältnisse zu deren Fesseln werden, tritt – wie Karl Marx es beschrieb – „eine Epoche der sozialen Revolution ein. Mit der Veränderung der ökonomischen Grundlage wälzt sich der ganze ungeheure Überbau langsamer oder rascher um.“ [1] Und die Nation verändert sich. Nun gibt es zwei gegensätzliche Formen von Nationen – die kapitalistische und die sozialistische.

Die kapitalistische Nation

Sie beruht auf der kapitalistischen Produktionsweise. Die Nation ist in antagonistische Klassen gespalten (Bourgeoisie und Proletariat). Mit dem Imperialismus vertiefte sich der Konflikt zwischen dem herrschenden Monopolkapital und den ursprünglichen Interessen der Nation, was die Existenz der Nation bedroht. (Das war z.B. gegen Ende des 2. Weltkriegs der Fall.) Die Arbeiterklasse jedoch, geführt von ihrer marxistisch-leninistischen Partei, vertritt die Interessen der Nation. Die sozialistische Revolution führt zur Erneuerung aller Existenzformen der menschlichen Gesellschaft. Damit erneuert sich die Nation von Grund auf. So wird auch die nationale Frage gelöst. Indem das Proletariat, wie im „Kommunistischen Manifest“ begründet, die politische Herrschaft erobert, erhebt es sich zur nationalen Klasse und konstituiert sich selbst als Nation. Darin besteht seine historische Mission.

Was ist nun eine sozialistische Nation?

Die sozialistische Nation beruht auf der sozialistischen Produktionsweise, sie kennt keine unversöhnlichen Klassengegensätze, das Privateigentum an den entscheidenden Produktionsmitteln wurde abgeschafft. Sie ist gekennzeichnet durch die politische und moralische Einheit des werktätigen Volkes unter der Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei. Die nationale Frage umfaßt das gesellschaftliche Leben, die Entwicklungsbedingungen und die Rechte und Beziehungen der Nationen zueinander. Das betrifft in einem Nationalitätenstaat alle nationalen Gruppen (sowie Minderheiten, wie in der DDR die Sorben). Die Beziehungen zwischen den sozialistischen Nationen werden durch sozialistischen Internationalismus bestimmt. Die nationale Frage kann nur der Sozialismus lösen, der Imperialismus ist dazu nicht in der Lage. Ihm sind die Unterdrückung und Ausplünderung anderer Nationen sowie von ethnischen Minderheiten eigen.

Wie kam es zur ersten sozialistischen deutschen Nation?

Im Ergebnis des Raubkrieges des faschistischen deutschen Imperialismus ging 1945 der ehemalige deutsche Nationalstaat unter. Die Großbourgeoisie, von der dieser Staat angeführt worden war, hatte damit das Recht auf die Führung der Nation endgültig verwirkt. Nunmehr war die Arbeiterklasse dazu berufen, die Nation auf demokratischer Grundlage zu erneuern. Doch in den westlichen Besatzungszonen verhinderte das deutsche Monopolkapital mit Unterstützung der USA und der anderen Westmächte diese Entwicklung und gründete die BRD als deutschen Separatstaat. Dadurch wurden Deutschland und das deutsche Volk gespalten. Ein Teil blieb auf dem historischen Entwicklungsstand einer kapitalistischen Nation bestehen, und im anderen Teil entstand erstmals auf deutschem Boden eine sozialistische Nation – der erste Arbeiter- und Bauernstaat in der deutschen Geschichte.

War die DDR eine sozialistische Nation?

Im Programm der SED hieß es dazu: „Die sozialistische Nation ist eine von antagonistischen Widersprüchen freie, stabile Gemeinschaft freundschaftlich verbundener Klassen und Schichten, die von der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei geführt wird. Sie umfaßt das Volk der DDR und ist gekennzeichnet durch den souveränen sozialistischen Staat auf deren Territorium. Ihre ökonomische Grundlage ist die sich auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln entfaltende sozialistische Volkswirtschaft. Der Marxismus-Leninismus ist die herrschende Ideologie.“ [2]

Und was sagt die deutsche Monopolbourgeoisie dazu?

Seit Jahren reden imperialistische Ideologen und Politiker unter Berufung auf nationale Traditionen, Sprache, verwandtschaftliche Beziehungen usw. unablässig von einer „einheitlichen deutschen Nation“; was unter anderem die Nichtanerkennung der Staatsbürgerschaft der Bürger der DDR einschließt. Das Trugbild einer „einheitlichen deutschen Nation“ bezweckte letztlich, den realen Sozialismus in der DDR, seine Nationalstaatlichkeit, in Frage zu stellen, die beabsichtigte Wiedervereinigung Deutschlands auf kapitalistischer Grundlage – in echt nationalistisch-revanchistischer Art – zu rechtfertigen und zu diesem Zweck die „deutsche Frage“ bis dahin offenzuhalten. In Wirklichkeit jedoch vollzog in der DDR die Arbeiterklasse unter der Führung der SED eine tiefe Wende in der Geschichte des deutschen Volkes und fügt dieser Geschichte ein in die Zukunft weisendes Kapitel hinzu. [3]

Zitate:
[1] Karl Marx, Zur Kritik der Politischen Ökonomie, in: Karl Marx/Friedrich Engels, Werke in sechs Bänden, Dietz Verlag Berlin, 1987, Bd.II, S. 503.
[2] Programm der SED, Dietz Verlag Berlin, 1976, S.78.
[3] Frank Fiedler/Günter Gurst (Hrsg.) Jugendlexikon Philosophie, VEB Bibliographisches Institut, Leipzig, 1987, S.131f.

Margot Honecker …und der Zukunft zugewandt !

Frauen an der Spitze unseres Staates – Margot Honecker, Minister für Volksbildung der DDR, war eine von ihnen. 1963 wurde sie in diese Funktion berufen. Mit der Jugend war sie seit Jahrzehnten verbunden. Von 1949 bis 1953 war sie Sekretär des Zentralrats der FDJ und Vorsitzende der Pionierorganisation „Ernst Thälmann“. Übrigens arbeiteten im Volksbildungswesen der DDR überwiegend Frauen. Ihr Anteil in leitenden Funktionen war hoch. Auch in den ehrenamtlich wirkenden Elternbeiräten und Klassenelternaktivs redeten Frauen ein gewichtiges Wort mit. Mehr als 500.000 gehörten diesen Gremien an, das war mehr als die Hälfte aller Mitglieder. 54 Prozent der Klassenelternaktivs wurden von Frauen geleitet. (aus: Sie bei uns, Verlag für die Frau, Leipzig – DDR, 1974, S.64.)
Margot Honecker
Margot Honecker
…und der Zukunft zugewandt

(Auszug aus einer Rede zur internationalen Pädagogenkonferenz in der Hauptstadt der DDR, Berlin, im November 1971 – leicht gekürzt)

Gestatten Sie mir, Ihrer Konferenz eine erfolgreiche Arbeit zu wünschen und der Überzeugung Ausdruck zu geben, daß diese Beratung einen Beitrag zur Klärung wesentlicher Probleme der Theorie und Praxis unserer marxistisch-leninistischen Pädagogik leisten wird ….

Die ideologische Auseinandersetzung spitzt sich zu

Liebe Genossen! Im Mittelpunkt unserer Beratung steht die weitere Entfaltung der Offensive unserer marxistisch-leninistischen Theorie, unserer marxistisch-leninistischen Pädagogik im Kampf gegen die imperialistische Ideologie und deren Ausgeburt, den Antikommunismus, die politisch-ideologische Hauptwaffe des Imperialismus. In der heutigen Zeit … verstärkt sich die Auseinandersetzung auf ideologischem Gebiet. Unsere marxistisch-leninistische Pädagogik spielt dabei eine große Rolle. Als marxistisch-leninistische Gesellschaftswissenschaft steht unsere Pädagogik der bürgerlichen Ideologie unversöhnlich gegenüber. Wir haben nie und werden nie den Klassencharakter unserer Theorie leugnen. Sie war, ist und bleibt der Ausdruck der Interessen der Arbeiterklasse, ebenso wie die bürgerliche Pädagogik stets der Ausdruck der Interessen der Bourgeoisie war und ist. Unsere marxistisch-leninistische Pädagogik ist eine streitbare Wissenschaft. Unter den Bedingungen des sich zuspitzenden ideologischen Klassenkampfes führt sie einen kompromißlosen Kampf gegen die bürgerliche Ideologie und gegen den Revisionismus aller Schattierungen.

Gegen den Mißbrauch der Schule

Die Weiterentwicklung unserer marxistisch-leninistischen Pädagogik vollzieht sich in der offensiven Auseinandersetzung mit der bürgerlichen Pädagogik, der Aufdeckung der ihr zugrunde liegenden sozialen und philosophischen Wurzeln. Wenn wir uns als Pädagogen mit dem Kampf gegen den Antikommunismus beschäftigen, so tun wir das aus unserer Verantwortung für die Erziehung der jungen Generation. Es ist ein wichtiges Erfordernis unserer Zeit, unsere ganze Kraft einzusetzen für die Erziehung bewußter Kämpfer für die Sache des Kommunismus, für die Sache des Friedens, gegen den Mißbrauch der Schule und der Pädagogik durch die Monopolbourgeoisie, die mit dem Antikommunismus die Herzen und Hirne der Jugend vergiften will.

Die Lage des Imperialismus ist nicht beneidenswert

Heute … ist die Lage des Imperialismus wahrhaftig nicht beneidenswert; denn immer tiefer wird seine Krise. Deshalb verstärkt er verzweifelt seine Angriffe auf die Theorie und Praxis des wissenschaftlichen Sozialismus. Dabei bedient er sich des Antikommunismus … Wir wissen, Angriffe an dieser oder jener Stelle können heute weder das Gesamtbild der Welt verändern noch die Völker vom Wege der gesellschaftlichen Entwicklung, die gesetzmäßig zum Sozialismus verläuft, abbringen. … Der Kommunismus prägt(e) das Antlitz unseres Jahrhunderts. Der Kampf gegen ihn ist nichts Neues. Er ist so alt wie der wissenschaftliche Sozialismus. Als mit dem Kommunistischen Manifest der Marxismus erstmals als wissenschaftliche Lehre vom Sozialismus in die Weltarena trat, wurde diese Herausforderung von der Bourgeoisie mit Antikommunismus beantwortet. Die Ausbeuterklassen versuchten, den aufstrebenden Marxismus um jeden Preis niederzuhalten. Sie kerkerten die Revolutionäre ein und versuchten, die immer mehr erstarkende Arbeiterbewegung in ihrem Blut zu ertränken. Das Bismarcksche Sozialistengesetz und die Niederschlagung der Pariser Kommune sind dafür prägnante historische Beispiele.

Die Angriffe der Ewiggestrigen auf die Sowjetunion

Die Monopolbourgeoisie förderte mit allen Mitteln den Opportunismus und Revisionismus in der internationalen Arbeiterbewegung. Aber die Ideen des Marxismus, von Lenin in Anwendung auf die Epoche des Imperialismus und der proletarischen Revolution weiterentwickelt, wurden trotz alledem in der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution zum Siege geführt. Mit Beginn dieses neuen Zeitalters der Menschheitsgeschichte wurde der Antikommunismus zürn wütenden Antibolschewismus und Antisowjetismus. Seit 1917 ist der Antikommunismus zur bestimmenden Ideologie des internationalen Monopolkapitals geworden. Seine Angriffe richteten sich jetzt nicht mehr nur gegen die Ideen des Kommunismus, sondern gegen die Praxis des kommunistischen Aufbaus in der Sowjetunion. Unter seinen Fahnen sammelten sich die weißgardistischen Konterrevolutionäre und die imperialistischen Interventen. Aber die bewaffnete Intervention scheiterte an der Stärke der jungen Sowjetmacht und dem proletarischen Internationalismus Millionen Werktätiger in der ganzen Welt. Im Kampf gegen die Sowjetunion, setzte die imperialistische Bourgeoisie schließlich ihre Hoffnung auf die widerwärtigste Ausgeburt des Imperialismus – den Faschismus.

Der Sozialismus hatte gesiegt

Die Sowjetunion zerschlug im Großen Vaterländischen Krieg in einem heldenhaften und opferreichen Kampf den faschistischen Aggressor und befreite die Völker Europas von seiner blutigen Herrschaft. Im Ergebnis der Zerschlagung des Faschismus erstarkte die Macht der Sowjetunion, entwickelte sich das sozialistische Weltsystem immer mächtiger. Unaufhaltsam wuchs in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Bewegung der Arbeiterklasse selbst in solchen Ländern, die als die stabilsten Bastionen des Imperialismus galten. Es wuchs die nationale Befreiungsbewegung gegen den Imperialismus. … Die Geschichte hat längst die Hoffnungslosigkeit und Perspektivlosigkeit des Antikommunismus bewiesen. Wie könnte auch dieser von Thomas Mann so treffend als die Grundtorheit unseres Jahrhunderts bezeichnete Antikommunismus, dieses eklektizistische Gemisch reaktionärer Ideen, die mit den gegen den Fortschritt, gegen den Frieden gerichteten Aktionen einhergehen., eine Alternative zum wissenschaftlichen Kommunismus sein, dem Banner, um das sich die Volker auf ihrem Weg zu Frieden, Freiheit, Brüderlichkeit und Menschlichkeit zusammengeschlossen haben!

Das Gift des Antikommunismus

Die Gefährlichkeit des Antikommunismus darf man aber keinesfalls unterschätzen. Deshalb führen wir einen offensiven Kampf gegen ihn auch in Schulpolitik, Pädagogik und Jugenderziehung. Soll doch auch hier der Versuch unternommen werden, unsere marxistisch-leninistische Theorie zu zersetzen, die Erfolge der sozialistischen Bildung und Erziehung zu verunglimpfen und im eigenen Herrschaftsbereich die Jugend zu vergiften, um sie für die aggressiven, menschenfeindlichen Ziele des Imperialismus reif zu machen. Es entspricht zutiefst dem humanistischen Anliegen der sozialistischen Pädagogik, alles zu tun, um die Jugend vor dem Gift des Antikommunismus zu schützen. Die Verwirklichung der höchsten Ziele der Menschheit, den Kommunismus zum Siege zu führen, den Frieden zu erhalten und zu sichern, macht den konsequenten, kompromißlosen Kampf gegen den Antikommunismus, den Feind der Völker und ihrer Jugend, zu einer unabdingbaren Aufgabe aller Pädagogen, die es mit ihrem humanistischen Auftrag ernst meinen..

Das sozialistische Bildungssystem

Wir wissen, es hat in der Geschichte nicht an Anstrengungen imperialistischer Theoretiker gefehlt, die marxistisch-leninistische Pädagogik, insbesondere die Sowjetpädagogik, zu verteufeln. Das aber hat den Siegeszug der marxistisch-leninistischen Pädagogik nicht aufhalten können. Sie hat sich im Leben und im Kampf bewährt; ist sie doch die einzig wissenschaftliche Theorie der Bildung und Erziehung. Anschaulich beweist das die Entwicklung des Bildungswesens in unseren Ländern. Die Sowjetmacht schuf anstelle des rückständigen Bildungswesens des alten zaristischen Rußlands in historisch kurzer Frist das vorbildlichste Bildungswesen der Welt. Die sowjetische Schule erzog Generationen von Sowjetbürgern, die das Werk des Roten Oktober ehrenvoll fortführen, die aus dem wirtschaftlich und wissenschaftlich zurückgebliebenen Rußland die Weltmacht Sowjetunion schufen. Sie erzog Menschen, die die härtesten Bewährungsproben der Geschichte des Sowjetlandes bestanden, die den Weg in den Kosmos bahnten und die heute der Menschheit auf dem Weg zum Kommunismus voranschreiten. Indem wir die allgemeingültigen Erkenntnisse und Erfahrungen der sowjetischen Pädagogik schöpferisch anwandten, haben wir in unseren sozialistischen Ländern ein hochentwickeltes sozialistisches Bildungswesen aufgebaut.

In der DDR wurde der faschistische Ungeist ausgerottet

Nach der Zerschlagung des Hitlerfaschismus haben wir in der Deutschen Demokratischen Republik unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer Partei den Ungeist des Faschismus und Militarismus, des Chauvinismus und Rassismus mit seinen Wurzeln ausgerottet. Gestützt auf die Erkenntnisse und Erfahrungen der sowjetischen Pädagogik, haben wir eine Schule geschaffen, die den Kindern des Volkes eine hohe wissenschaftliche Bildung vermittelt, sie auf das Leben im Sozialismus vorbereitet und sie im Geiste der marxistisch-leninistischen Weltanschauung zu guten Patrioten und glühenden Internationalisten, zur unverbrüchlichen Freundschaft mit der Sowjetunion erzieht. So wurde erstmals in der deutschen Geschichte dem realen Humanismus im Bildungswesen zum Durchbruch verhelfen. Wo in den kapitalistischen Ländern gibt es eine solche Entwicklung des Bildungswesens, solche Bedingungen für die Arbeit der Lehrer, Erzieher und pädagogischen Wissenschaftler?

Die katastrophale Lage der Schule in der BRD

Anschaulicher Ausdruck der tiefen Krise, in der sich das imperialistische System befindet, ist auch die katastrophale Lage der Schule in der BRD. Die Tatsache, daß das Bildungsprivileg der herrschenden Klasse nach wie vor ungebrochen ist, daß der Inhalt der Bildung und Erziehung nach wie vor den reaktionären Zielen des Antikommunismus unterworfen ist, beweist erneut : Mit dem Regierungswechsel in der BRD hat sich nichts am Herrschaftssystem geändert. War schon in den von der SPD-Führung bei Regierungsantritt verkündeten Reformplänen für das Bildungswesen nicht die Rede von einer demokratischen Reformierung des Inhalts der Schulbildung, so muß man heute feststellen, daß selbst diese Reformen zurückgestellt wurden. Dafür wurde der sozialdemokratische Kriegsminister Schmidt von des: Springer-Presse dafür gerühmt, daß im Staatshaushalt 1972 eine Steigerung der Rüstungsausgaben auf ca. 30 Milliarden – das ist die größte Ausgabe seit Bestehen der Bundesrepublik – erfolgte, während von den für 1972 geplanten Bildungsausgaben 1,4 Milliarden gestrichen wurden.

Der Sozialismus ist der Zukunft zugewandt

Aus den verbindlichen Lehrbüchern und Lehrmaterialien ist der Geist des Antikommunismus und Antisowjetismus nach wie vor nicht entfernt worden. … Der Antikommunismus ist in der BRD erklärte Staatspolitik seit der Existenz dieses Staates. Und es erweist sich erneut: Die Ideologie der herrschenden Klasse ist bestimmend für den Geist der Schule. Wo die Schule den Interessen des Monopolkapitals zu dienen hat, ist sie auf den Antikommunismus festgelegt, der, wie er auch immer begründet werden mag, den Interessen der Reaktion sowohl nach innen als auch nach außen dient. Liebe Freunde und Genossen! Für alle demokratischen Kräfte, die um eine fortschrittliche, demokratische Schule kämpfen, ist das Bildungswesen der sozialistischen Länder, vor allem der Sowjetunion, zum Beispiel geworden.

Alle unsere Erfolge beruhen darauf, daß mit der Errichtung der Macht der Arbeiterklasse unter der Führung unserer marxistisch-leninistischen Parteien unser Bildungswesen konsequent auf der Grundlage der wissenschaftlichen Lehre des Marxismus-Leninismus, auf der Grundlage der marxistisch-leninistischen Pädagogik aufgebaut wurde. Das Unterpfand unseres weiteren erfolgreichen Voranschreitens wird darin bestehen, den Kampf um die Reinheit unserer wissenschaftlichen Lehre weiter konsequent zu führen und alle Kräfte zu vereinen, um die Theorie und Praxis unserer sozialistischen Pädagogik ständig zu bereichern und weiter zu entwickeln.
In diesem Sinne wünsche ich der Konferenz einen guten Verlauf!

Quelle:
Autorenkollektiv, Die marxistisch-leninistische Pädagogik – eine streitbare Waffe gegen den Antikommunismus, Volk und Wissen, Volkseigener Verlag, 1972, S.17-23.

Siehe auch:
Wer ist Margot Honecker?
Das Bildungssystem in der DDR
Welches ist das beste Bildungssystem in der Welt?
Erich Honecker: Über den Sozialismus und seine Zukunft

Einige Referate der Konferenz:
* aus dem Referat von Prof. A.Kossakowski (DDR)
* aus dem Referat von Dozent Dipl.Ing. A.Pravdik (ČSSR)
* aus dem Referat von Prof. H.G. Hofmann (DDR)

Absturz in die Katastrophe – ein Rückblick

Das Gräberfeld vor Verdun:
VerdunDer erste Weltkrieg. Man kann es nun schon nicht mehr als eine Tragik bezeichnen, wohl aber als eine gewisse Schicksalhaftigkeit, deren Folgen sehr wohl vermeidbar gewesen wären: Der Absturz in die deutsche Katastrophe. Noch dazu, da diese Katastrophe keineswegs die letzte blieb. Kein Vierteljahrhundert später führten die Nazis das deutsche Volk in nächste Katastrophe: den zweiten Weltkrieg. Und kaum war dieser Krieg zu Ende, bahnte sich mit den XX. Parteitag der KPdSU in der Sowjetunion die dritte Katastrophe des Jahrhunderts an: Zerstörung der Sowjetunion und die bald darauf folgende Auflösung der Sozialistischen Staatengemeinschaft – und somit auch der Deutschen Demokratischen Republik. Als Alexander Abusch 1950 den „Irrweg einer Nation“ – nämlich der deutschen – beschrieb, ahnte er noch nicht, daß mit der Ermordung Stalins bereits der nächste Absturz begonnen hatte…

Die Schwäche der so stark anwachsenden Arbeiterbewegung bestand in ihrer mangelhaften Klarheit über den Weg zur Macht. Gewiß teilte sie diesen Mangel mit den westeuropäischen sozialistischen Parteien, ja sie war ihnen zeitweilig sogar an Klarheit voraus. Die großem Debatten über die neue Waffe des politischen Massenstreiks – eine Lehre der russischen Revolution von 1905 – zeigten die deutsche Sozialdemokratie auf dem Weg zur Anwendung neuer Kampfmethoden. Die deutsche Arbeiterbewegung war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts politisch viel selbständiger als die Bewegungen etwa in England oder Nordamerika. Doch, dies entsprang den unterschiedlichen historischen Voraussetzungen: Das französische Volk und auch das englische Volk hatten schon vorher ihre feudalen Bastillen im revolutionären Sturm bezwungen; das nordamerikanische Volk hatte seine demokratische Tradition seit der Erklärung der Bürgerrechte von 1776. Aber in Preußen-Deutschland, obwohl es der modernste Industriestaat auf dem Kontinent geworden war, ging das Ringen noch um die Sprengung der letzten feudalen Fesseln – und gerade die deutsche Arbeiterklasse übernahm selbständig diese geschichtliche Aufgabe, die das Bürgertum nicht zu erfüllen bereit war.

Durch die internationale Arbeiterbewegung ging in jenen Jahrzehnten die Auseinandersetzung zwischen dem rechten und dem linken Flügel. Zwei Lager hatten sich gebildet, und zwischen ihnen wurde um die Grundfrage gerungen: durch Reform oder durch Revolution zum Sozialismus? Der Reformismus in den Ländern des Westens bedeutete eine politische Verbürgerlichung der Arbeiterklasse, deren Führer aber – abgesehen von jenen, die als Einzelpersonen zur Reaktion übergingen – weiter eine bürgerlich-demokratische Politik verfochten. Der „Revisionismus“, der unter der Führung Georg von Vollmars sich in der deutschen Sozialdemokratie ausbreitete, hatte schlimmere Folgen: er war die Fortsetzung des lassalleanischen Paktierens mit der preußisch-deutschen Reaktion. Natürlich war es notwendig, Reformen zu erkämpfen, solange die Kraft der Arbeiterbewegung nicht ausreichte, den wilhelminischen Halbabsolutismus zu stürzen, — aber ein Verzicht auf den revolutionären Kampf gegen den Kapitalismus, ein Glaube an Reformen als Allheilmittel mußte unter den besonderen nationalen Bedingungen in Deutschland auf eine Verewigung der Pickelhaubenherrschaft, auf die Preisgabe des demokratisch-revolutionären Geistes hinauslaufen.

Eduard Bernstein, das geistige Haupt der Revisionisten, prägte das Wort: „Das Endziel ist nichts, die Bewegung ist alles“ — und gab sich damit opportunistisch ganz den kleinen Zielen des Tages hin. Gustav Noske machte seinen ersten Vorstoß für die Unterstützung der Kolonialansprüche des jungen deutschen Imperialismus; Heinrich Cunow, Paul Lensch und ähnliche Leute traten offen dafür ein, daß die deutsche Arbeiterschaft zu einer Nutznießern der Extraprofite werde, die der moderne Imperialismus einheimsen würde. Dies alles — aus dem Reich der Theorie auf den Boden der wilhelminischen Wirklichkeit gesetzt — bedeutete ein Paktieren mit einem Imperialismus, der zu Aggressionen drängte, und folgerichtig auch ein Paktieren mit seinen feudal-militaristischen Schildträgern.

August Bebel, nun weißhaarig geworden, warnte die Revisionisten auf dem Jenaer Parteitag der Sozialdemokratie 1905 vor ihrem verhängnisvollen Weg. Er trat 1910 bei dem deutschen „Panther“-Sprung nach Marokko noch einmal mit all seinem unbestechlichen Mut auf und drohte im Reichstag an die Adresse Wilhelms II. und Mannesmanns: „Macht ihr den Krieg, so machen wir Generalstreik.“ Doch der alte Bebel führte die Partei weniger durch eine theoretische Überlegenheit als durch die Macht seiner in vielen Kämpfen erprobten lauteren Persönlichkeit. Er hielt bis zu seinem Tod die Partei zusammen, die im Jahre 1912 bei den Wahlen 4.250.000 Stimmen errang; aber er vermochte nicht mehr, die Partei für das Kommende zu wappnen.

Ein Jahr nach Bebels Tod war ihre politische Katastrophe da, als der erste Weltkrieg ausbrach. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion bewilligte am 4. August 1914 die Kriegskredite – dem Regime der Hohenzollern, der Krupp und Oldenburg-Januschau. Es war ein Sturz aus den Höhen der geschichtlichen Mission, Deutschland von diesen Verderbern zu befreien, in die Tiefe des schimpflichen Verrats…

Quelle:
Alexander Abusch, Der Irrweg einer Nation – Ein Beitrag zum Verständnis deutscher Geschichte, Aufbau Verlag Berlin (DDR), 1950, S.211-214.

Nachsatz: Keineswegs waren diese deutschen Katastrophen unvermeidliche Naturereignisse. Solche Verräter, Paktierer mit dem Klassenfeind, wie dereinst Bernstein, Trotzki, Chruschtschow, Gorbatschow und deren Anhänger trugen dazu bei, daß sich die Macht des Kapitalismus in seinem letzten Stadium wieder verfestigen konnte. Auch gibt es solche Verräter heute noch. Sie sitzen in den etablierten „linken“ Parteien, retten ihre eigene Haut und bezeichnen sich mitunter sogar noch als „Kommunisten“. Wem dienen sie? An ihren Taten sollt Ihr sie erkennen! Immerhin – die geschichtliche Mission der Arbeiterklasse, für ihre Befreiung von Ausbeutung durch jene Handvoll Konzernherren und ihre Lakaien zu sorgen, steht noch bevor. Und sie wird kommen. Ohne jeden Zweifel! Man darf die Fehler der Vergangenheit nur nicht noch einmal wiederholen…

Über die Frage der Macht

Wohl kaum ein Begriff wird in der bürgerlichen Ideologie so verzerrt dargestellt, wie die Frage der Macht. Dabei dient das umfangreiche Arsenal bürgerlicher Machttheorien (V.PARETO, G.MOSCA u.a.) in erster Linie dazu, die tatsächlichen Macht- und Herrschaftsverhältnisse in der antagonistischen Klassengesellschaft zu verschleiern, um so die Existenz der bürgerlichen „Ordnung“ zu erhalten bzw. zu stärken und eine grundlegende Veränderung ebendieser Verhältnisse zu verhindern. Bürgerliche Betriebswirtschaftler bezeichnen die Macht als eine Form des Einflusses, bei der eine Person über die „Chance“ verfüge, die „Verhaltensänderung auch gegen den Willen anderer durchzusetzen“ [1]. R.DAHRENDORF versteigt sich sogar zu der Behauptung, daß es in der Geschichte der gesellschaftlichen Entwicklung von jeher eine „Unten“ und „Oben“ gegeben habe, und daß es dieses auch immer geben müsse, wenn eine „soziale Ordnung“ lebensfähig sein wolle [2]. Dabei werden die machtausübenden gesellschaftlichen Kräfte völlig willkürlich in gute, böse, gerechte oder ungerechte eingeteilt. Im Zentrum all dieser Bemühungen, die ein wesentlicher Bestandteil des herrschenden Antikommunismus sind, steht das Bestreben, die Arbeiterklasse zu spalten, den Sozialismus als historische Alternative zu diffamieren und die Übernahme der Macht durch das Proletariat unter der Führung einer marxistisch-leninistischen Partei zu vereiteln. Im Jugendlexikon „Philosophie“ der DDR findet sich folgende Erklärung:

Die Macht ist eine soziale Erscheinung der ökonomischen, politischen und geistigen Herrschaft von Menschen über Menschen, insbesondere einer Klasse über andere. Sie ist die Fähigkeit einer Klasse, ihre in Gesetzen, Verordnungen usw. formulierten Interessen mittels Justiz, Polizei, Armee usw. durchzusetzen. In antagonistischen Klassengesellschaften herrscht dabei stets eine ausbeutende und unterdrückende Minderheit über eine ausgebeutete und unterdrückte Mehrheit. Die Macht tritt in verschiedenen geschichtlichen Formen auf, die ihrerseits durch den Wechsel der Formen des vorherrschenden privaten Eigentums an den Produktionsmitteln und der herrschenden Klassen, aber auch der Beziehungen zwischen den Klassen in einer gegebenen Gesellschaft bedingt sind.

Von bürgerlichen Ideologen wird die Abhängigkeit von Macht und Gewalt von ökonomischen und Klassenbedingungen bestritten. Macht wird als klassenindifferentes Wechselverhältnis einzelner Personen und sozialer Gruppen erklärt, wodurch deren gesellschaftlicher Charakter verwischt wird. Die marxistische Erkenntnis, daß der Staat das entscheidende Machtinstrument der jeweils herrschenden Klasse ist, ist auch für den Sozialismus von großer Bedeutung. Nicht umsonst richten sich die Angriffe bürgerlicher Politikwissenschaftler u.a. gegen die marxistisch-leninistische Theorie von den Klassen, dem Klassenkampf, der Diktatur des Proletariats. Das geschieht, um die Kampfkraft der Arbeiterklasse unter Führung der Partei zu schwächen und die Macht des realen Sozialismus zu untergraben. In imperialistischen Ländern werden Änderungen der Staatsform oder Regierungswechsel meist als „Machtwechsel“ hingestellt. Das ist falsch und Irreführung der Massen, da die Macht der Monopolbourgeoisie, d.h. ihr Einfluß auf die Regierung, zumeist voll erhalten bleibt.

Im Sozialismus wird die politische Macht von der Arbeiterklasse ausgeübt. Sie tut dies unter der Führung ihrer revolutionären Kampfpartei im Bündnis mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und den anderen Werktätigen. Erstmalig dient die organisierte Macht der Arbeiterklasse den Interessen des ganzen Volkes. Jede gute Tat, die die Bürger täglich in der Arbeit und in anderen Bereichen vollbringen, dient der Festigung und Stärkung der sozialistischen Staatsmacht. [3]

Und das Wörterbuch der Philosophie führt ergänzend dazu aus:

Bezüglich der Kombinationen bourgeoiser Herrschaftsformen und der Einbeziehung von Methoden der geistigen Verführung wies bereits LENIN darauf hin, daß die «Erfahrungen der bürgerlichen Regierungen der ganzen Welt zwei Methoden der Niederhaltung des Volkes gezeitigt haben». «Die erste ist die Gewalt … Aber es gibt noch eine andere Methode, eine Methode, die die durch eine Reihe großer Revolutionen und revolutionärer Massenbewegungen ,klug gewordene’ … Bourgeoisie zur höchsten Vollkommenheit gebracht hat. Es ist das die Methode des Betrugs, der Schmeichelei, der Phrase, der millionenfachen Versprechungen, der lumpigen Bettelgaben, der Zugeständnisse im Unwichtigen, der Erhaltung des Wichtigen» (LENIN, Werke Bd.24, S.48). Bürgerliche politische Soziologen, deren zentraler Blickpunkt die Probleme der Macht und Herrschaft der Bourgeoisie bzw. der Gegenmacht der revolutionären Arbeiterklasse und des realen Sozialismus sind, versuchen diese Methode der Machtausübung im Ergebnis ihrer Untersuchungen zu perfektionieren. So sehr sie dabei auch die «Vorteile» dieser Herrschaftsmethoden betonen, geben sie doch unumwunden zu, daß diese nur tauglich sind, wenn man sich des Funktionierens der ersten Herrschaftsmethode versichern kann (T.PARSONS, N.LUHMANN). Bürgerliche Ideologen sind sich dessen bewußt, daß alle ökonomische und politische Macht der Bourgeoisie praktisch wertlos ist, wenn es nicht in der einen oder anderen Weise gelingt, die werktätigen Massen über die wirklichen Ziele der Monopolbourgeoisie, über ihre diktatorische Macht und Herrschaft zur Sicherung der Maximalprofite und zur Festigung der allgemeinen Existenzgrundlagen der bürgerlichen Ordnung soweit zu täuschen, daß sie von einer revolutionären Beseitigung der Ausbeutung und Unterdrückung vorerst Abstand nehmen. Auf diesen Wesenszug des bourgeoisen Macht- und Herrschaftssystems wies LENIN hin, als er erklärte: «…ohne die Massen kommt man nicht aus, die Massen aber können. … nicht geführt werden ohne ein weitverzweigtes, systematisch angewandtes, solide ausgerüstetes System von Schmeichelei, Lüge, Gaunerei, das mit populären Modeschlagworten jongliert, den Arbeitern alles mögliche, beliebige Reformen und beliebige Wohltaten verspricht — wenn diese nur auf den revolutionären Kampf für den Sturz der Bourgeoisie verzichten» (LENIN, Werke Bd.3, S.114f.). [4]

Zitate:
[1] Wolfgang STAEHLE, Management – Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive, Verlag Franz Vahlen, München, 1989, S.371.
[2] Ralf DAHRENDORF, Gesellschaft und Freiheit, 1965
[3] Frank FIEDLER/ Günter GURST (Hrsg.), Jugendlexikon Philosophie, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1987, S.118.
[4] Georg KLAUS/Manfred BUHR (Hrsg.), Philosophisches Wörterbuch, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1973, Bd.2, S.734.