Warum gibt es überhaupt Arbeitslosigkeit?

Sind die Arbeitslosen nur zu faul zum Arbeiten?
Oder gibt es tatsächlich nicht genügend Arbeitsplätze in der BRD?

Wir wollen arbeiten!„Wir wollen arbeiten!“ – Na, sicher! Doch ist das alles? Seid ihr denn zufrieden mit 5 Euro pro Stunde, oder acht oder zwölf? Sechs Prozent mehr? Die Gewerkschaften helfen euch, dann sind es nur noch 3 Prozent und ein paar Peanuts – o.k. dann macht weiter so, und wartet bis zur nächsten Bundestagswahl!

Immer wieder hört man mal in Zeiten vor Bundestagswahlen das dumme Geschwätz gewisser Politiker von einer möglichen „Vollbeschäftigung“. Doch das wird es im Kapitalismus nie geben. In der DDR, der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Staaten hingegen war es eine Selbstverständlichkeit, daß jeder Bürger eine Arbeit hatte, mit der er seinen Lebensunterhalt bestreiten konnte. Nun, da es schon nicht möglich ist, die Arbeitslosigkeit zu beseitigen, werden die Statistiken gefälscht oder mit allen möglichen Tricks „bereinigt“. Dafür wurden sogenannte „Jobcenter“ geschaffen, das Arbeitslosengeld wurde in Sozialhilfe umgewandelt und es wurde „Hartz 4“ eingeführt, um die Arbeitslosen besser verwalten, d.h. besser kontrollieren und bei Verletzung ihrer Meldepflichten besser sanktionieren zu können. Und alle paar Monate erscheinen neue „Erfolgsmeldungen“ der sogenannten „Agentur“ für Arbeit, die regelmäßig vom Rückgang der Anzahl ihrer „Kunden“ berichten. Aber alle diese Tricks, und das in der Öffentlichkeit vermittelte Bild einer „Wohlstandsgesellschaft“ können nicht darüber hinwegtäuschen, daß es in der BRD über
8 Millionen Menschen gibt, die keine Arbeit haben, keine geeignete Arbeit finden, oder sich mit Billiglohn-Jobs herumschlagen müssen.

In vielen Familien ist es heute schon zur Gewohnheit geworden, daß jedes arbeitsfähige Familienmitglied zwei oder drei Jobs gleichzeitig ausübt. Da werden nach Feierabend noch Zeitungen ausgetragen, wird in Büros und Praxisräumen geputzt oder es werden noch Schreibarbeiten verrichtet – und alles das nur, damit die Familie am Monatsanfang wieder die Miete, den Strom und die Versicherungen bezahlen kann, oder die Raten für das Haus. Natürlich ist ein Haus ein gewisser Luxus. Oft haben gewissenlose Makler die schönsten Konditionen zusammengerechnet, um den Kredit für ein kleines Budget möglichst annehmbar zu machen. Aber bezahlt werden muß es doch. Und natürlich gibt es unter den Sozialhilfeempfängern heute auch Leute, die alle Hoffnung aufgegeben haben, jemals wieder eine Arbeit finden zu können, die Flaschen aufsammeln, um sich was zu essen kaufen zu können. Gern wird denen unterstellt, sie wollten gar nicht arbeiten. Aber was Arbeit betrifft, da sollte man doch bspw. mal die Familie Schlecker befragen, wie man auch ohne Arbeit reich werden und reich bleiben kann…

Warum gibt es eigentlich Arbeitslosigkeit?

Die Arbeitslosigkeit ist eine für den Kapitalismus typische Erscheinung des Mangels an Erwerbsmöglichkeiten für einen Teil der Werktätigen. Sie wird hervorgerufen durch das Wirken ökonomischer Gesetze des Kapitalismus. Im Prozeß der kapitalistischen Akkumulation geht durch die steigende organische Zusammensetzung* des Kapitals die Nachfrage nach Arbeitskräften relativ zurück; es entsteht eine relative Übervölkerung, die im Vergleich zu den mittleren Verwertungsbedingungen des Kapitals überflüssig ist und keinen Arbeitsplatz findet. Diese Arbeitslosenarmee bildet die industrielle Reservearmee.
Arbeit
Der wissenschaftlich-technische Fortschritt führt zu Rationalisierung und massenhafter Einsparung von Arbeitskräften. Viele Produkte werden aus Kostengründen in Billiglohn-Ländern hergestellt, und selbst ein Aufschwung der Wirtschaftsentwicklung bringt keine neuen Arbeitsplätze hervor. Warum das so ist, das kann man alles nachlesen im „Kapital“ von Karl Marx (oder, wem das zu schwierig ist im „Manifest der Kommunistischen Partei“).

Welche Formen der Arbeitslosigkeit gibt es?

Die Arbeitslosigkeit tritt in verschiedenen Formen auf, z.B. als latente Arbeitslosigkeit, saisonale Arbeitslosigkeit (z.B. im Bauwesen, in der Landwirtschaft), fließende Arbeitslosigkeit (betrifft Werktätige, die der hohen Arbeitsintensität nicht mehr gewachsen sind und die bis zur Übernahme einer neuen Beschäftigung erwerbslos sind), stockende Arbeitslosigkeit (z.B. Gelegenheitsarbeiter). Unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution wird die strukturelle Arbeitslosigkeit immer bedeutsamer, sie setzt Beschäftigte ganzer Industriezweige frei (z.B. Bergbau) oder bewirkt weitgehende Berufsumschichtungen.

Kann eine Konjunktur für Vollbeschäftigung sorgen?

Das ist natürlich eine Illusion. Der Umfang der Arbeitslosigkeit schwankt mit dem industriellen Zyklus, er ist in der Phase der Krisen und der Depressionen am größten und geht in der Phase der Belebung und des Aufschwungs zurück. In der Periode der allgemeinen Krise des Kapitalismus ist die Arbeitslosigkeit selbst in Zeiten der Hochkonjunktur eine ständige Erscheinung und nimmt einen chronischen Charakter an. Hinzu kommt noch die immer mehr zunehmende Kurzarbeit, bei der die Arbeiter nur während eines Teils des Arbeitstages oder der Arbeitswoche beschäftigt sind.
arbeitslos-arbeitsamt
Die Arbeitslosigkeit ist ein wesentliches Element der Verelendung des Proletariats; sie drückt auf den Lohn der Beschäftigten und senkt das durchschnittliche Realeinkommen der Arbeiterklasse. Die Arbeitslosigkeit wird ebenso wie die Kurzarbeit zur weiteren Steigerung der Arbeitsintensität ausgenutzt und verschlechtert auch auf diese Weise die Lebenslage der Werktätigen. Im Kapitalismus wird es – wie gesagt – nie eine Vollbeschäftigung geben. Nicht einmal annähernd!

Die Arbeitslosigkeit im Kapitalismus ist gesetzmäßig

Die Arbeitslosigkeit ist ein besonders deutlicher Ausdruck der Fäulnis des Kapitalismus. Die entwickelten kapitalistischen Staaten versuchen, sie durch konjunkturelle Maßnahmen einzudämmen. Aber auch diese Maßnahmen wie alle Versuche, eine „Vollbeschäftigung“ im Kapitalismus zu erreichen, können die ökonomischen Gesetzmäßigkeiten, die die Arbeitslosigkeit verursachen, nicht aufheben.
Need work
Die Zunahme der Arbeitslosigkeit wurde in den letzten Jahren zu einer ständigen Erscheinung. Je größer die industrielle Reservearmee der Arbeitslosen, desto höher ist der Druck auf die Beschäftigten, den jeder von ihnen ist mehrfach ersetzbar durch wartende Arbeitslose. Erst im Sozialismus verschwindet die Arbeitslosigkeit, da hier die ökonomischen Bedingungen ihrer Entstehung beseitigt sind.

Quelle:
Vgl. Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin, 1973, S.66.

Begriffserklärung:
* organische Zusammensetzung = Verhältnis des Wertes der eingesetzten Produktionsmittel zum Wert der eingesetzten Arbeitskraft.

Mal einfach erklärt: Je höher die Arbeitsproduktivität ist, desto mehr Produkte werden vom einzelnen Arbeiter in der gleichen Zeit produziert. Das heißt, es steigt der Wert der benötigten und verbrauchten Produktionsmittel im Verhältnis zum gezahlten Lohn. Um konkurrenzfähig zu bleiben, setzt der Kapitalist diesen erzielten Profit ein, z.B. zur Anschaffung neuer Maschinen. Damit erhöht sich der Wert der eingesetzten Produktionsmittel. Es steigt wiederum der Profit, nicht aber erhöht sich der Lohn. Die Entwicklung der Technik verschlechtert also die Lage der Arbeiter, denn die nicht mehr benötigten Arbeiter werden entlassen. Würde sich also der Kapitalist nicht ständig den durch die Mehrarbeit der Lohnarbeiter erzeugten Profit aneignen, so wäre sein Kapital bald völlig verbraucht. Die Arbeiter haben ohnehin nichts in ihren Händen als ihre eigene Arbeitskraft. Und die müssen sie dem Kapitalisten verkaufen, um überhaupt existieren zu können. Und die Produktionsmittel verbleiben weiterhin in der Hand der Kapitalisten. Sie sind also nicht durch Sparsamkeit reich geworden, sondern durch den angeeigneten Profit. Eine Enteignung der kapitalistischen Betriebe durch das Proletariat wäre also im Grunde nichts anderes, als eine Rückführung der Werte in die Hände derjenigen, die sie geschaffen haben. Darin liegt der Sinn der Arbeiterforderung: „Was des Volkes Hände schaffen, soll des Volkes eigen sein!“

Klaus Wallmann sen. (Randzone) schreibt:
„Erneut sei die Zahl der Arbeitslosen leicht gesunken, so der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA) Frank-Jürgen Weise, der für den Juni die Zahl 2.809 Millionen verkündete. Zwar ist die sai­son­be­rei­nigte Arbeits­lo­sig­keit in den letzten Monaten gestiegen (BA-Bericht Juni 2012, S.12f), doch Weise rechnet natürlich lieber nicht mit einer allgemeinen ‚Trendwende zum Schlechteren’. Blicken wir wie gewohnt auf die aussagekräftigere Zahl der Leistungsempfänger, die weiterhin bei knapp sieben Millionen verharrt. 767.982 Menschen erhielten im Juni Arbeitslo­sen­geld I, weitere 4.473.425 mußten mit Hartz IV (ALG II) überleben, und 1.704.360 Menschen erhielten Sozi­al­geld.

Das sind zusammen 6.945.767 Leistungsempfänger. Auch diese Zahl zeigt noch nicht das wahre Ausmaß, denn hinzu kommen noch die Empfänger von Wohn­geld, von Kinder-zuschlag, von Grund­si­che­rung im Alter oder von Sozi­al­hilfe nach SGB XII. Und liest man auch noch die Fußnoten im BA-Bericht, die von Hochrechnungen und ‚Untererfassung’ schwätzen, so sind wohl selbst diese hochoffiziellen Zahlen noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Der ständig bejubelte ‚Erfolg’ der Arbeitsmarktpolitik der Monopolregierungen in den vergangenen Jahren wird durch den eigenen Bericht der Bundesarbeitsagentur vom Dezember 2004 treffend charakterisiert. Damals gab es offiziell 4.321.000 Leis­tungs­emp­fänger, die Arbeits­lo­sen­geld bzw. Arbeits­lo­sen­hilfe erhielten. Heute sind es fast sieben Millionen!“

Quelle:
http://www.randzone-online.de/?p=14864 (Hervorhebungen von mir, N.G.)

Siehe auch:
Das Gerede von der schwindenden Arbeitslosigkeit
DDR: Das Recht auf Arbeit

Über die imperialistische Massenkultur

imagesWir werden heute überschüttet mit einer schier unüberschaubaren Menge an Veranstaltungen „Events“, Dorffesten, Mühlentagen, Sängerwettstreiten, Vereinsfesten, Einweihungsfeierlichkeiten und dergleichen mehr. Hinzu kommen Hunderte von Sportveranstaltungen und Auftritte von Bands und Comedy-Akteuren. Nicht zuletzt bemühen sich auch Theater und Orchester, Chöre, Tanzgruppen und bildende Künstler um ihren Anteil am großen Unterhaltungsrummel.

Nun ist es ja nicht so, daß wir dem Publikum den Spaß nicht gönnen. Doch geht man der Sache auf den Grund, ist das alles oft nichts weiter, als eine willkommene Ablenkung von den wirklich wichtigen Themen dieser Welt, von den brennenden Fragen unserer Zeit, deren man heute fast überdrüssig zu sein scheint. Man mag die ständigen Hiobsbotschaften aus aller Welt und aus dem eigenen Land schon nicht mehr hören: Naziaufmarsch, V-Leute, Untersuchungsausschuß, Eurokrise, Griechenland, Syrien – das „Reich der Finsternis“ des „Schlächters“ Assad (das hatten wir schon mal bei Ghaddafi!), Vernichtung der Regenwälder, Sparkurs, Welthungerhilfe, Giftmüll, Kinderarbeit, Neuverschuldung, Atomkraft, Drohnenangriff, Armut in Deutschland, Auslandseinsätze, Hartz IV und, und, und…

Statt dessen aber (wie willkommen!): die „geheime“ Aufstellung der deutschen Fußballmannschaft, bunte Spiegelüberzieher und Lappen an Autos und Fenstern, Regale voller Fanartikel – oder was eben sonst noch in den Kram paßt. Die imperialistische Massenkultur scheint da keine Grenzen zu kennen, weder künstlerische noch moralische. Erlaubt ist, was gefällt! Und da ist das Publikum nicht gerade wählerisch. Doch wie er gekommen ist, so schnell verschwindet der Spuk auch wieder – die gesellschaftliche Wirklichkeit, sie bleibt! Man braucht sich also über das offensichtliche Desinteresse der Menschen an politischen Dingen nicht zu wundern. Sie alle unterliegen der Manipulierung durch die Massenmedien. Oft wissen wir hier nicht einmal, was wirklich stimmt – und wir wissen nicht: was wird uns verschwiegen…

Was verstehen wir unter imperialistischer Massenkultur?

Es ist ein Sammelbegriff zur Charakterisierung der zumeist fließbandartig hergestellten, massenhaft produzierten und verbreiteten Kitsch-, seichten Unterhaltungs-, Schund- und Pseudokulturerzeugnisse der kapitalistischen Kulturindustrie, die die Aufgabe hat, die reaktionäre Ideologie der Bourgeoisie massenhaft zu verbreiten, der revolutionären Umgestaltung der bürgerlichen Gesellschaft entgegenzuwirken, die sozialistische Ideologie zu bekämpfen und die Kampfkraft der Volksmassen gegen die Herrschaft der Monopole zu lähmen. Die Entwicklung der imperialistischen Massenkultur ist ein charakteristisches Produkt des spätbürgerlichen Kulturverfalls.

Der dominierende bürgerliche Kulturbetrieb

Herausbildung und Entwicklung der imperialistische Massenkultur muß in engem Zusammenhang mit dem Imperialismus, mit der Zuspitzung aller sozialen Widersprüche des Kapitalismus, mit dem verstärkten ideologischen Klassenkampf der Monopolbourgeoisie gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung, mit der Herausbildung einer Kulturindustrie als ergiebigem Zweig kapitalistischen Profitstrebens und mit der zunehmenden Monopolisierung in diesem Bereich gesehen werden. In den kapitalistischen Ländern bildet die imperialistische Massenkultur die dominierende Erscheinung des Kulturbetriebes und einen Hauptzweig imperialistischer Ideologieproduktion und -verbreitung. In ihr wirken monopolkapitalistisches Profitstreben und ideologische Massenbeeinflussung im reaktionären Klasseninteresse der Monopolbourgeoisie auf das unmittelbarste zusammen. Sie bestimmen den volksfeindlichen Grundcharakter der imperialistische Massenkultur, ihre Rolle bei der geistigen Manipulierung der Volksmassen.

Welchen Einfluß haben die Massenmedien?

Die antagonistischen Widersprüche im staatsmonopolistischen Kapitalismus, die Gegensätze zwischen Reich und Arm sind unversöhnlich. Und sie werden ständig größer. Unter den heutigen staatsmonopolistischen Verhältnissen haben sich die Massenmedien zu gigantischen Instrumenten zur Vertuschung dieser Realitäten und zur geistigen Manipulierung der Menschen entwickelt. In der imperialistische Massenkultur zeigt sich die Kultur- und Kunstfeindlichkeit des Imperialismus.
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Ist wirklich alles in Ordnung?

Im gegenwärtigen staatsmonopolistischen Kulturbetrieb ist die beherrschende Stellung der imperialistische Massenkultur nicht zu trennen von der Ausnutzung der kulturellen Produktion im Fernsehen und Rundfunk, in der Film- und Schlagerproduktion, im kapitalistischen Presse- und Verlagswesen für die volksfeindlichen Klasseninteressen der Monopolbourgeoisie.

Welche Tendenzen gibt es?

► Flucht aus der Wirklichkeit des Imperialismus in Traum-, Ersatz- oder Pseudowelten über Videos, Kinderfilme und Comic-Hefte,
► Kultivierung von Brutalität, Gewalt und Verbrechen durch Computer- und Internetspiele sowie durch wirklichkeitsfremde und gewaltverherrlichende Videoclips und Filme,
► Reduzierung des Menschlichen auf das Triebhafte durch sexistische und pornographische Darstellungen und Abbildungen,
► massenhafte Inszenierung und Verbreitung von Pseudowelten des „schönen Scheins“,
► Glorifizierung des Lebensstils der monopolkapitalistischen Herrschaftsschicht und der sie umgebenden Emporkömmlinge, der Adelsprößlinge und der „Erfolgsmenschen“ des imperialistischen Herrschaftssystems
► Propagierung eines von Antikommunismus geprägten imperialistischen Menschenbildes usw.

Die Verbreitung dieser ideologischen Leitbilder ist verbunden mit einer fortschreitenden Deformierung und Manipulierung der geistig-kulturellen Bedürfnisse der Volksmassen durch die kapitalistische Kultur- und Vergnügungsindustrie.

Die Deformierung von Kunst und Kultur

Das Zusammenleben der Menschen ist heute gekennzeichnet von einem fortschreitenden Verfall der sozialen Beziehungen, Sitten und Normen. Die Umgangsformen werden rauher und herzloser. Infolge der Ausbeutung entwickelt sich eine zunehmende Entfremdung der Menschen von der Arbeit und ihrer gesellschaftlichen Umwelt. Allmählich wird auch der noch an den Sinn menschlicher Existenz und menschlichen Schaffens glaubende, optimistische Mensch des aufsteigenden Bürgertums durch den pessimistischen, resignierenden Typ verdrängt. Der ganze Prozeß läuft auf eine hochgradige Enthumanisierung der zwischen-menschlichen Beziehungen hinaus. Das widerspiegelt sich auch in Kunst und Kultur in unserer spätbürgerlichen Gesellschaft.
Kunst?
Wie wirkt die Kunst auf den Betrachter?

Die Vorherrschaft der imperialistische Massenkultur geht einher mit der ständigen Pflege reaktionärer Kultur- und Geistesströmungen der Vergangenheit, mit der Deformierung und Entstellung von Teilen des humanistischen Kulturerbes, mit Versuchen, modernistischer Kunst eine größere Massenbasis zu verschaffen, mit der Zurückdrängung aller Elemente einer demokratischen und sozialistischen Kultur in den kapitalistischen Ländern sowie mit dem ständigen Kampf gegen die in den sozialistischen Ländern entstandenen Kultur. Nur durch die Überwindung des Imperialismus werden letztlich die sozialen Grundlagen dieser menschenverachtenden Massenkultur beseitigt.

Quelle:
vgl. Kleines politisches Wörterbuch, Dietz Verlag Berlin (DDR), 1973, S.352f.

Saburow: Erinnerungen eines Partisanen

Saburow A.N.A.N.Saburow (1.8.1908-15.4.1974)

Die Erinnerungen sowjetischer Partisanen aus dem Großen Vaterländischen Krieg haben uns noch heute manches zu sagen, nicht nur wenn es um Haltungen und Aktivitäten von Menschen in einem Volkskrieg gegen einen imperialistischen Aggressor geht. Die Wende im Kriegsverlauf 1942 und der Übergang der Sowjetarmee zur Offensive wirkte sich auch auf den Partisanenkampf aus. Was diesen Erinnerungsband auszeichnet, ist seine Lebensnähe. Saburow war Kommunist. Überall spürt man die Warmherzigkeit des Autors, die gepaart ist mit kommunistischem Verantwortungsbewußtsein und militärischem Können. Der Generalmajor Alexander Nikolajewitsch Saburow, einer der bekannstesten sowjetischen Partisanenkommandeure berichtete in seinen Aufzeichnungen folgende Begebenheit:

Der Alte schwieg lange. Ich drängte ihn nicht weiterzureden. Ich fühlte, er werde mir schon anvertrauen, was ihn bedrückte. Und wirklich, es dauerte nicht lange, und er taute auf.
«Kennst du beispielsweise das Dorf Simonowitschi? » fragte er.
«Nur auf der Karte.»
«Das solltest du aber wissen: Dort hat ein Strafkommando alle Leute, die nicht mehr rechtzeitig weglaufen konnten, erschlagen und das Dorf völlig eingeäschert. Den Toten haben sie die Köpfe abgeschlagen und auf Pfähle aufgespießt. War das ein entsetzlicher Anblick: Menschenköpfe auf Pfählen. Es sah aus, als ob sie noch lebten. Ihre Augen schauten nach allen Seiten, durch ihre Haare fuhr der Wind. Und weshalb haben die Bestien das getan? Weil die Leute aus dem Dorf keine warmen Sachen abgegeben hatten, wie ihnen befohlen worden war. Es kamen nur zwei Paar alte Filzstiefel und drei oder vier Pelzjacken zusammen. Was haben wir für Menschen!»

Kolos schaute ins Feuer. Sein Gesicht war starr und düster.
«Bei Lojew seid ihr über den Dnepr gekommen?» Ich nickte schweigend.
«Weißt du, wie viele Menschen danach in Lojew von Strafkommandos erschossen wurden, weil sie euch beim Übersetzen geholfen haben? Und so war es überall.»
Großvater Kolos sprach leise und monoton. Aber es schien, als würde er jedes Wort herausschreien. Bis jetzt hatte ich gedacht, daß es die Partisanen viel schwerer hätten als die Leute im Hinterland des Gegners. Erst jetzt begriff ich, daß das nicht stimmte. Wieviel schwerer hatten es die unbewaffneten, schutzlosen Menschen, an denen die gereizten faschistischen Bestien ihre Wut ausließen. Dennoch fürchteten sie sich nicht und halfen den Partisanen.

«Du hast recht, Großvater: Wir haben großartige Menschen», sagte ich.
«Unser Volk ist wirklich heldenhaft. Es erträgt alles. Aber hör trotzdem auf mich alten Mann, Kommandeur!» Kolos stand auf und sah mich streng an. «Es wäre besser, wenn ihr in kleinen Gruppen und in aller Stille kämpftet. Dann zieht ihr nicht so viele Faschisten auf euch. Für euch ist es leichter und für das Volk weniger gefährlich. Sonst heißt es noch: Die Partisanen kommen und gehen. Und wer muß die Rechnung bezahlen? Nimm mir diese offenen Worte nicht übel! Wenn ihr nicht nach Kartenitschi gekommen wäret, hätten wir vielleicht irgendwie leben können, bis die Rote Armee da ist. Mit den Slowaken wären wir schon ausgekommen.»

«Ach, Großvater! Du hast viel auf der Welt erlebt und redest solchen Unsinn. Überleg mal, was du sagst! Mit den Slowaken willst du auf die Rote Armee warten? Wer sind denn die Slowaken? Wem dienen sie denn?»
«Das weiß ich nicht. Einem fremden Menschen schaust du nicht ins Herz. Für uns in Kartenitschi ist jetzt sowieso alles aus. Kommandeur, kümmere dich um die anderen, bring nicht den Tod über sie!»
«Du wiederholst immer dasselbe», sagte ich ärgerlich. «Und wenn die Partisanen die Wälder besetzen und die Sowjetmacht wiederherstellen?»
«Wenn du nicht von hier weggehst, sieht die Sache natürlich anders aus. Aber ob eure Kraft dazu reicht?»

Ich erzählte von unserer Partisanenregion in den Brjansker Wäldern, den wieder-hergestellten Dorfsowjets, den Kolchosen und den Schulen. Der Großvater wurde lebhaft.
«Dann gib mir eine Waffe! Und du kämpfe, wie es sich gehört, für das Volk! Unser Volk ist gut, es wird dir immer helfen. Wir haben ein gemeinsames Ziel: Was deine Jungs wollen, das wollen auch wir!»

Das Gespräch mit Großvater Kolos dauerte lange, aber ich trauerte der Zeit nicht nach. Der Alte erzählte mir von den hiesigen Menschen, von den unter Naturschutz stehenden Wäldern inmitten der Felder und Wiesen, und er verriet mir, wo wir im Wald unsere Lager aufschlagen konnten.
«Gut, daß wir miteinander gesprochen haben», schloß der Großvater. «In meinem alten Kopf ist es hell geworden. Und das Leben scheint fröhlicher zu werden.»

Der Alte ging hinaus. Vom Fenster aus sah ich, daß vom Hof des gegenüberliegenden Hauses ein Wagen fuhr, der bis oben mit Heu und Hausrat beladen war. …

Quelle:
A.N.Saburow, Partisanenwege, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik, 1982, S.85-87.

Siehe auch:
Soja Kosmodemjanskaja – unvergessene Heldin der Sowjetunion
Pater Pawel – ein sowjetischer Held

Griechenland und die opportunistische SYRIZA

Ebenso wie die Sjuganowsche KPRF, die Hager-Meyer-Steigerwaldsche DKP oder die Bartsch-Gysi-Wagenknechtsche Linke gibt es in Europa eine ganze Reihe weiterer opportunistischer, oder um es deutlicher zu sagen: in Wahrheit antikommunistischer Parteien und Organisationen, die sich dennoch fälschlicherweise als „Kommunisten“ bezeichnen. Sie schmücken ihre Äußerungen gelegentlich mit Marx-Zitaten; ihre geistigen Anführer nutzen indes jede Gelegenheit, um Marx ad absurdum zu führen, und sie tun alles, um sich selbst ihre gutdotierten Parlamentssitze warmzuhalten. Im Manifest der Kommunistischen Partei hat Karl Marx erklärt, was Kommunisten sind: „Die Kommunisten sind also praktisch der entschiedenste Teil der Arbeiterparteien aller Länder; sie haben theoretisch vor der übrigen Masse des Proletariats die Einsicht in die Bedingungen, den Gang und die allgemeinen Resultate der proletarischen Bewegung voraus.“ Alles das trifft auf die obengenannten Parteien nicht zu. In Griechenland ist die Syriza eine solche Partei.
Demonstration
Die KKE hingegen ist der Bourgeoisie und den Opportunisten ein „Dorn im Auge“. In einer Stellungnahme zu einem Syriza-freundlichen Artikel in der „jungen Welt“ vom 16.6.2012 erwidert die Abteilung Internationale Beziehungen des ZK der KKE folgendes:

Die internationalen Massenmedien beschäftigen sich nach wie vor mit den politischen Entwicklungen nach den Wahlen vom 6. Mai 2012

In den letzten Tagen lasen wir den Bericht der deutschen linken Zeitung „Junge Welt“ aus Athen. Während darin das Wahlergebnis von SYRIZA, dem Bündnis der opportunistischen Kräfte und der Kräfte, die aus der sozialdemokratischen ehemaligen Regierungspartei PASOK ausgetreten waren, hochgelobt wird, wird über das Wahlergebnis der KKE in einer feindseligen und verächtlichen Art berichtet, und unter anderem erwähnt, dass für die KKE „nur die traditionelle Wählerschaft der Partei stimmte“.

Dadurch verschweigt die Korrespondentin dieser Zeitung die Tatsache, daß die KKE trotz der politischen Druckausübung durch die Kräfte des Opportunismus, weder auf ihr Programm und ihre Prinzipien verzichtete, noch in ihren Stimmanteilen zurückgegangen ist. Im Gegenteil: die KKE konnte einen kleinen Zuwachs an Stimmen und Stimmanteilen verzeichnen.

Die Fakten: Die KKE konnte mit 8,5 % den größten Stimmanteil seit 1985 erzielen und verbesserte sich um 1 % im Vergleich zu 2009. Auch in absoluten Zahlen hatte die KKE Stimmgewinne: sie bekam wieder über eine halbe Million Stimmen (536.072) und verzeichnete einen Zuwachs von 19.000 Stimmen. Bei der Sitzverteilung im griechischen Parlament (300 Sitze) konnte die KKE ebenfalls zulegen: sie gewann insgesamt 26 Sitze (+5). In vielen Arbeitervierteln hat die Partei ihren landesweiten Durchschnitt sogar verdoppeln können. Zum ersten Mal wurde die KKE in einem der 57 griechischen Wahlbezirken (Samos-Ikaria) erste politische Kraft mit 24,7 % der Stimmen.

Die Korrespondentin der deutschen Zeitung verkannte, daß Tausende arbeitende Menschen die kämpferische und konsequente Haltung der KKE und die Klarheit ihrer Positionen, die Selbstlosigkeit der Kommunistinnen und Kommunisten schätzten und die Partei bei der Wahl unterstützten.

Zu den Wahlen vom 6. Mai 2012 hatte die KKE ihren politischen Vorschlag für den Kampf zu Gunsten der Macht des Volkes unterbreitet. Dieser Kampf wird in der nächsten Zeit objektiv in den Mittelpunkt geraten, denn der Unterschied zwischen Regierungsverantwortung und Ausübung der wirklichen Volksmacht wird deutlicher werden. Genauso deutlicher wird der Gesamtvorschlag für die dringenden Existenzfragen des Volkes. Aus dieser Sicht war der politische Wahlkampf der KKE, der sich, wie es sich gehörte, in Einklang mit ihrer Strategie befand, ein wichtiges Vermächtnis für die nächsten politischen Kämpfe.

e-mail: cpg@int.kke.gr

Quelle:
http://de.kke.gr/news/news2012/2012-05-010-info (Bild: KKE)

Über die faulen Tricks bzw.Fälschungen der opportunistischen Syriza siehe auch hier: http://inter.kke.gr/News/news2012/2012-10-24-lathroxireia-syriza

Warum der Sozialismus siegen wird…

Als im Jahre 1917 die Große Sozialistische Oktoberrevolution gesiegt hatte, war nicht nur in Rußland vielen Menschen klar geworden, daß sich hier eine reale Chance aufgetan hatte, die alten, überlebten und unmenschlichen Bedingungen der Ausbeutergesellschaft hinter sich zu lassen. Viele Millionen Menschen schlossen sich im Laufe der Jahrzehnte dieser Bewegung an: Begeisterte, Zögerer, Zweifelnde, Nachdenkliche, Suchende, Überzeugte, Ehrgeizige und Bequeme, Junge und Alte, aber auch Karrieristen. Doch immer wieder: Begeisterte. Die bisher Schwankenden fanden einen Halt, und die Kommunisten hatten eine herausfordernde Aufgabe: den Aufbau des Sozialismus. Es gab Zeiten des Glücks und Zeiten der Sorge. Es gab wundervolle, erfolgreiche Aufbaujahre und die schmerzlichen Erfahrungen des Großen Vaterländischen Krieges. Und immer gab es starke, mutige und unbeugsame Menschen, die auch in schweren Zeiten vorweggingen und die Initiative ergriffen. Die kommunistische Partei war ihnen ein Ratgeber und bot ihnen Rückenhalt. Und sie führte die Arbeiterklasse im Kampf um eine gerechte Gesellschaft und gegen die Kräfte der Reaktion, gegen die Reste der Ausbeuterklasse, im Kampf gegen Provokation und Sabotage, im Kampf um den richtigen Weg, den Weg zum Kommunismus. Doch woher nahmen alle diese Menschen ihre Motivation?

Magnitogorsk – ein sowjetisches Jahrhundertprojekt

Es hat schon viele solcher »Völkerwanderungen« gegeben. Vom Goldrausch Besessene zogen nach Kalifornien oder Alaska, der Diamantenrausch trieb Menschen aus allen Erdteilen nach Südafrika. Die Arbeiter, die in der Sowjetunion ihre alten Arbeitsplätze und oftmals auch ihre Familien verließen, taten es, obwohl sie wußten, daß hier im Ural, an der Grenze zwischen Europa und Asien, kein Gold und keine Reichtümer, sondern nur Entbehrungen und Arbeit auf sie warteten. Sie kamen, weil sie beteiligt sein wollten an diesem Werk, und weit sie begriffen hatten oder ahnten, daß sie hier über das Wachstum ihres gesellschaftlichen Reichtums, über den Fortgang der Geschichte ihres Landes und über ihre eigene Zukunft entschieden.
ArbeiterAus allen Teilen der Sowjetunion kamen sie angereist: Bauleute, Arbeiter, Bauern, Viehzüchter, Handwerker, Studenten…

Der Aufbau von Magnitogorsk kostete Milliardenbeträge. Und Magnitogorsk war nur einer von mehreren Industrie-Giganten, die in der Zeit des ersten Fünfjahrplans entstanden. Ein paar hundert Kilometer weiter nördlich, in Tscheljabinsk und Swerdlowsk hatte der Bau großer Landmaschinen- und Werkzeugmaschinen-Fabriken begonnen. Das Wasserkraftwerk bei Dnjepropetrowsk kostete riesige Summen, Im Kusnezk-Becken wurde der Kohlenbergbau enorm vergrößert. Die 1.400 Kilometer lange Eisenbahnstrecke von Turkestan nach Sibirien, die berühmte Turksib, war im Bau, Während des ersten Fünfjahrplans – also von 1928 bis 1932 flossen 64,9 Milliarden Rubel in die Volkswirtschaft, davon 23,3 Milliarden in die Schwerindustrie.

Woher sollten diese Milliarden kommen, wer sollte sie aufbringen? Wo waren die Quellen der Akkumulation, wie der Fachausdruck lautet?

Bürgerliche Wirtschaftler und Journalisten bewiesen »wissenschaftlich« in Hunderten von Aufsätzen und in ebenso vielen Büchern, daß der Fünfjahrplan des Sowjetlandes gänzlich unreal sei, eigentlich ein Betrug. Die für den Aufbau der Schwerindustrie vorgesehenen 23,3 Milliarden Rubel gäbe es überhaupt nicht, und der finanzielle und damit auch der politische Ruin der Bolschewiki seien unausbleiblich. Diese »Fachleute« gingen bei ihren Prophezeiungen von den Erfahrungen ihrer eigenen Länder aus. Sie wußten, daß alle kapitalistischen Staaten beim Aufbau ihrer Schwerindustrie auf Einkünfte zurückgegriffen hatten, die nicht aus dem eigenen Lande stammten, sondern auf die verschiedenste Weise aus der Ausplünderung fremder Länder herrührten. So waren die aus den Kolonien ins »Mutterland« fließenden Reichtümer eine Hauptquelle für die Investition gewesen. Die Propheten des baldigen Bankrotts des Sowjetlandes wußten, daß die Sowjetmenschen keine solchen Einkünfte hatten. Und diese bürgerlichen Experten waren außerstande, die völlig anders gearteten Einnahmequellen zu begreifen, über die ein sozialistischer Staat verfügt.

Erstens: In der Sowjetunion gibt es kein kapitalistisches Profitstreben. Die in- und ausländischen Kapitalisten hatten in der Zarenzeit alljährlich Milliardenbeträge an Profiten (Zinsen und Dividenden) kassiert; die jährlichen Einkünfte allein des Zaren betrugen einige Dutzend Millionen Rubel; die russischen Großgrundbesitzer hatten rund eine halbe Milliarde Rubel, die ihnen die Bauern als Pacht bezahlen mußten, nicht in die Volkswirtschaft gesteckt, sondern im In- und Ausland verpraßt. Jetzt verfügte der sozialistische Staat über all diese Profite: Zinsen, Dividenden, Pachteinnahmen, Renditen in Höhe von mehreren Milliarden Rubel. Er investierte sie in den Aufbau der Schwerindustrie. Auf diese Weise wurde ein großer Teil der Milliarden für den Aufbau der sowjetischen Schwerindustrie aufgebracht. All das konnte und kann kein kapitalistischer Staat tun.

Zweitens: In der Sowjetunion gibt es keine kapitalistische Wirtschaftsanarchie. Alle Finanzmittel des Sowjetstaates, aus welcher Quelle sie auch herrührten, konnten im höchsten Maße zweckmäßig und nutzbringend verwendet werden, weil der sozialistische Staat – und nur der sozialistische Staat – zentral planen kann. Er allein kann im Gesamtinteresse aller Werktätigen und ohne Rücksicht auf Profitinteressen einzelner Unternehmer oder Unternehmergruppen den Aufbau der Industrie planen und leiten. Er allein kann die Entwicklung der einzelnen Zweige der Volkswirtschaft ins richtige Verhältnis setzen, kann Schwerpunkte beim Aufbau der Industrie festlegen, Disproportionen korrigieren, und die gesamte Investitionstätigkeit so vornehmen, wie es dem Stande der Produktivkräfte und den ökonomischen Möglichkeiten entspricht. Und der sozialistische Staat kann auf das Tempo der Entwicklung Einfluß nehmen, die Standortverteilung der Industrie im Maßstab des gesamten Landes und der gesamten Volkswirtschaft planen. Auf diese Weise kann er Milliarden ersparen, die im Kapitalismus sinnlos vertan werden. Alles das kann kein kapitalistischer Staat.

Drittens: Die Sowjetgesellschaft kennt keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Deshalb verfügte sie über eine Kraft, über die kein kapitalistischer Staat verfügt: über die Unterstützung und die Initiative seiner Bürger – der Arbeiter, Bauern und der Angehörigen der Intelligenz.

Fundament
Das war die Baustelle für das Fundament des ersten Hochofens. Keine einzige Maschine gab es dort – ein Bild, wie es in keinem kapitalistischen Industriestaat seinerzeit mehr zu sehen war.

Der Aufbau kann beginnen

Und dann kam die technische Ausrüstung. Sie kam vornehmlich aus den USA und auch aus Deutschland. Jedes Rohr, jede Maschine mußte in Dollars bezahlt werden. Kein kapitalistischer Staat schenkte den »Kommunisten« auch nur eine Schraube.

Die Möglichkeit zum Aufbau einer Schwerindustrie aus eigner Kraft erwuchs aus der Begeisterung der Arbeiterklasse, die von ihrer Partei mit einer beispielhaften Nüchternheit über ökonomische Gesetzmäßigkeiten, geschichtliche Tatsachen und politische Notwendigkeiten aufgeklärt und – zum Denken erzogen wurde. So lernten die Arbeiter, überzeugt von der Richtigkeit des Weges, den die Partei mit ihnen beraten und festgelegt hatte, aus eigenem Antrieb zu handeln. So vollbrachten sie wahrhaft heroische Arbeitstaten, die alles je Vollbrachte in den Schatten stellten. Es war so, wie Friedrich Engels es vorausgesagt hatte: Die Menschen begannen, ihre Geschichte mit vollem Bewußtsein selbst zu machen. So vollzog sich der Sprung der Menschheit aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.

Die Sowjetmenschen waren frei, Großes zu tun. Sie waren bereit, auf einiges zu verzichten, um sich ihre errungene Freiheit zu erhalten. Sie verzichteten auf vieles, was damals den arbeitenden Menschen in vielen hochindustrialisierten Staaten schon erreichbar war – auf die Uhr, das Motorrad, den »guten Anzug«, die »gute Stube« oder auch nur auf die reiche Auswahl beim Einkauf. Vieles war knapp. Aber da es für alle weitaus mehr gab als zur Zeit der Bettelarmut unter dem Zaren, waren die Erfolge ihres neuen Lebens offenkundig. Es war besser geworden, und die schönere Zukunft wuchs unter ihren Händen.
BaustelleHochofen
Auch aus der Einsicht in die Notwendigkeit des Verzichts wuchsen Kräfte, mit denen kein kapitalistischer Volkswirt rechnen kann. Jeder Arbeiter – ob er am Bau des Wasserkraftwerkes von Dnjeprostroi beschäftigt war, im Amo-Autowerk Motoren montierte oder in der Gießgrube an einem Martin-Ofen stand – wußte, welche Wahl das Sowjetland hatte; entweder die Millionen und Milliarden, die man an den in- und ausländischen Kapitalisten und an den verjagten Gutsbesitzern sparte, in Gebrauchsgüter umzumünzen, oder mit diesen Milliarden die Schwerindustrie aufzubauen, das Herzstück eines freien, unabhängigen und reichen sozialistischen Sowjetlandes.

Einen dritten Weg gab es nicht.

Und jeder Arbeiter konnte den ausländischen Besuchern, die ihn vielleicht nach dem Inhalt seines Kleiderschranks oder der Anzahl seiner Stiefel fragten, einiges zu diesem Problem sagen: Für uns sowjetische Arbeiter schuften keine Afrikaner oder Inder oder Chinesen oder Malaien in irgendwelchen Kolonien, Wir pressen kein »zusätzliches Kapital«, keinen einzigen Rubel aus anderen Menschen, aus anderen Völkern heraus, wie das die kapitalistischen Staaten über Jahrhunderte hinweg für die Stärkung der eigenen Industrie getan haben. Unser proletarischer Staat hat auch keinen Raubkrieg gegen ein anderes Land geführt und wird auch nie einen führen, und deswegen werden wir auch nie über Kontributionen verfügen.
Magnitogorsk
Auch haben wir nicht die Möglichkeit, uns im Ausland Geld zu leihen. Denn die kapitalistischen Staaten, mit denen wir verhandelten, stellten knechtende Bedingungen. Wir haben aber nicht darum den Zaren gestürzt und die Kapitalisten davongejagt, haben nicht drei Jahre einen Bürgerkrieg geführt, um dann auf dem Wege über Anleihen oder Konzessionen zu knechtenden Bedingungen die Herren Urquhart, Hoover oder Deterding wieder bei uns schalten und walten zu lassen. Aus der einzig realen Freiheit, aus der »Einsicht in die Notwendigkeit« (Marx) verzichteten sie auf alles Entbehrliche.

Quelle:
Annelie u. Andrew Thorndike, Das Russische Wunder, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin, 1962, S.168-185.

Nachbemerkung: Sozialistische Produktionsverhältnisse, eine wissenschaftliche Weltanschauung (der Marxismus-Leninismus), die Macht der Arbeiterklasse, ihre Führung durch die kommunistische Partei und schließlich die Begeisterung der sowjetischen Menschen beim Aufbau ihres Landes – das waren die Gründe für die gewaltigen Erfolge der Sowjetunion, dem ersten Land dieser Erde, in dem der Sozialismus gesiegt hatte. Immerhin entwickelte sich dieses Riesenland in einem Zeitraum von nur 20 Jahren aus einem rückständigen Agrargebiet zu einem der fortgeschrittlichsten Länder der Welt. Das Beispiel allein beweist, warum der Sozialismus nach seiner vorläufigen Niederlage auch wieder siegreich sein wird!

Siehe auch:
Das Russische Wunder (+ Film)
Die UdSSR auf dem Weg zum Sozialismus
Der Sieg der Sowjetunion im Mai 1945

Die junge Sowjetmacht und ihre Feinde

Ähnlich wie später auch die DDR hatte die junge Sowjetunion in den Anfangsjahren zwischen den beiden Weltkriegen viele unversöhnliche Feinde. Es waren die ehemaligen Kulaken, die zaristischen Beamten, die mit Sack und Pack ins Ausland geflüchteten Adligen und reaktionären Offiziere, die enteigneten Großgrundbesitzer und Kapitalisten, es waren die entmachteten Ausbeuter, die mit Sabotageakten und bewaffnetem Terror alles versuchten, um die Macht der Arbeiterklasse und der Bauern wieder zu stürzen und die Ergebnisse der Oktoberrevolution rückgängig zu machen. Doch als alles das nicht gelang, und die junge Sowjetmacht weiter erstarkte, sahen sich die Feinde der Sowjetunion zu dem Eingeständnis gezwungen, daß die Sowjetmacht doch viel stärker war, als sie früher gedacht hatten, und daß nur ein rücksichtsloser Kampf aller konterrevolutionären Kräfte einen Aufstand ermöglichen konnte. Sie entfalteten daraufhin umfassende konterrevolutionäre Aktivitäten.
Koltschakopfer 1919
Opfer der Koltschak-Banditen in Nowosibirsk 1919

Die Feinde der Sowjetmacht verfügten, um einen Aufstand anzuzetteln, über gewisse militärische Kader, und die ausländischen Imperialisten besaßen Geld und Waffen. Und so kam es in weiten Teilen des Landes zum Bürgerkrieg. Die Imperialisten Englands, Frankreichs, Japans und der USA begannen ihre Intervention ohne Kriegserklärung. Heimlich besetzen diese „zivilisierten“ Räuber Murmansk und Archangelsk. Die Japaner landeten in Wladiwostok. Mit englischer und französischer Unterstützung organisierten die weißgardistischen Generale Kornilow, Alexejew und Denikin eine „Freiwilligenarmee“ im Nordkaukasus. Und mit geheimer Unterstüztung der deutschen Imperialisten besetzten die weißgardistischen Generale Krasnow und Mamontow das Dongebiet.
weißer Terror
Weißgardistischer Terror

Schwer war es in dieser Periode in Sowjetrußland. Es fehlte an Brot und Fleisch, und die Arbeiter hungerten. Doch gerade diese unglaublichen Schwierigkeiten und der verzweifelte Kampf gegen sie zeigten, welche unerschöpflichen Kräfte der Arbeiterklasse innewohnten und welche hohe Autorität die bolschwewistische Partei besaß. Die Sowjetregierung erklärte: „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“ und rief das Volk zur Abwehr auf. Die Rote Armee führte den Kampf an verschiedenen Fronten. Dennoch mußte auch die Arbeit weitergehen. A.Thorndike schrieb über diese Zeit:

„Lenin ersparte den Arbeitern nichts. Er sagte ungeschminkt und deutlich, daß von ihnen die Existenz des Landes abhing. Es war schwer, in solchen alten, primitiv ausgerüsteten Werkstätten die Leistungen wesentlich zu verbessern. Aber immerhin – es ging vorwärts. Lenin hatte die Arbeiter gemahnt: »Denke daran, daß die Frage zur Entscheidung steht, ob wir es verstehen werden, für uns zu arbeiten…«
Werkstatt
Arbeitsbedingungen in einem russischen Traktorenwerk

Das war der Kern. Wenn diese Frage richtig beantwortet wurde, war auch entschieden, ob die Sowjetunion bestehen und aufblühen oder stagnieren und zugrunde gehen würde. Die Einstellung der Massen zu ihrem Sowjetstaat, ihre Initiative, ihr Wille, ihre Arbeits-leistungen waren das Entscheidende. Davon hing letzten Endes ab, ob sich das Land vollständig und endgültig aus dem Würgegriff des Weitimperialismus befreien konnte. Die ersten Erfolge zeigten sich zu Beginn des Jahres 1924. Die Aussaatfläche war beträchtlich gestiegen, in der Industrie waren die größten Zerstörungen beseitigt, die Versorgungslage verbesserte sich allmählich, der Lohn stieg. Jedoch: Noch immer war der Vorkriegsstand der industriellen Produktion nicht erreicht, und die inneren und äußeren Feinde störten den Aufbau nach Kräften.“ [1]

Feinde im eigenen Land

„Zu den objektiven Schwierigkeiten, die sich aus dem Aufbau und der Beseitigung der Überreste der schrecklichen Vergangenheit ergaben, kam die Tätigkeit der Trotzkisten hinzu, die behaupteten, daß der Sozialismus in Rußland überhaupt nicht aufzubauen wäre, weil die Rückständigkeit viel zu groß sei.“ [2] Das sei an folgendem Beispiel belegt: Eine von Trotzki gesandte Komission besichtigte Ende 1922 die Hüttenwerke in Jenakijewo. Iwan Pawlowitsch Bardin, der spätere Architekt und Erbauer des Kuznezker Hüttenwerks beschreibt die Situation so: „Dieser Kommission gehörten einige alte Fachleute an, denen das schicksal der Sowjetregierung gleichgültig war. In ihrem tiefsten Inneren sehnten sich die alten Männlein nach den ehemaligen Herren.“ Und diese Kommission verfügte die Schließung der Werke. Weiter berichtet I.Bardin: „Ich war erschlagen, vernichtet. Welch eine Ungerechtigkeit! Welch ein unerhörtes Verhalten! Ich protestierte: Es gehe nicht an, einen lebendigen, tätigen Betrieb zu vernichten. Aber alles war vergebens. Ich konnte damals nicht wissen, daß das die Schädlingspolitik der Ingenieure, die der Kommission angehörten, daß dies die Aufgabe war, die Trotzki ihnen gestellt hatte. An einem sonnigen Maitag des Jahres 1923 wurden sämtliche Öfen und Kessel ausgelöscht. Die Werke waren tot.“ [3]

Feinde im Ausland

„Auch in den kapitalistischen Ländern, die das Sowjetland wie ein Meer umgaben, waren die Feinde der Sowjetmacht, wie Urquhart, Hoover und Deterding und die Scharen der russischen Emigranten, tätig. Henri Deterding, der Besitzer des Ölkonzerns Royal Dutch Shell, hatte sich durch den Aufkauf von Besitztiteln und Aktien längst enteigneter Erdölfirmen zum »Eigentümer« von 60 Prozent der russischen Erdölfelder gemacht. Er wurde zum Wortführer im Kampfe gegen das Sowjetland. So stand er im Hintergrund der internationalen Konferenzen von Genua und Den Haag, auf denen es immer wieder um die von der Sowjetregierung »geschädigten Interessen« der ausländischen Kapitalisten ging.
Henri DeterdingLydia Deterding
Deterding heiratete 1924 in Paris die Tochter des zaristischen Generals Pawel Kudojarow, Lydia Pawlowna. Seine Frau stieg später in den Rang einer Prinzessin auf, weil sie – wie der »russische Kronprätendent Kyrill, als Haupt des kaiserlichen Hauses von Rußland«, bekanntgab – der russischen Sache im Exil die wertvollsten Dienste geleistet habe. Der zum englischen Pair ernannte Sir Henri und seine Frau, die »Prinzessin«, verbündeten sich mit Diplomaten und Banditen, Geschäftsleuten und abgehalfterten Generälen. Sie führten einen Handelskrieg gegen Sowjetrußland und versuchten alles, ihn in einen neuen Interventionskrieg umzuwandeln.“

Ein eiskalter Verbrecher: Herbert Hoover

„In den USA war Herbert Hoover in den Jahren 1921 bis 1928 Handelsminister und dann bis 1932 Präsident. Mehr braucht nicht gesagt zu werden, damit begriffen wird, warum während dieser Zeit die Sowjetunion von den USA diplomatisch nicht anerkannt wurde und warum der sowjetisch-amerikanische Handel nur sehr zögernd in Gang kam. Obwohl die Möglichkeiten des Warenaustauschs unerhört groß waren, betrug im Zeitraum von 1921 bis 1925 der Umfang nur etwa drei Fünftel des kaum nennenswert gewesenen Vorkriegshandels. Herbert Hoover konnte es ebensowenig verwinden wie Deterding und Urquhart – die hier stellvertretend für Dutzende anderer und auch stellvertretend für das von ihnen verkörperte imperialistische System genannt sind -, daß ihm von den Sowjets das Geschäft seines Lebens verdorben worden war. Er haßte die Sowjetunion. Daraus machte er auch kein Hehl. Das waren tödliche Gefahren, die von innen und außen den sich erhebenden jungen Riesen wieder in die Knie und in die alten Fesseln zu zwingen drohten.“ [4]
Herbert HooverInterview Hoover
Welche Ansichten Hoover bezüglich Sowjetrußlands vertrat, versteht sich beinahe von selbst. Damit hierüber auch der geringste Zweifel unmöglich sei, hat er einige Jahre später seine Einstellung zur Sowjetmacht in lobenswerter Offenheit selbst ausgesprochen. Im August 1931 hatte er ein längeres Gespräch mit dem Sekretär der »People’s Lobby«, Benjamin C. Marsh. In diesem Gespräch äußerte Hoover:
»Um die Wahrheit zu sagen, Marsh, es ist das Ziel meines Lebens, Sowjetrußland auszulöschen (to crush out).« Marsh fragte darauf Hoover:
»Auch wenn Sie Frauen und Kinder verhungern lassen?« Hoover sagte; »Ja!«
[5]

Quelle:
[1] Annelie und Andrew Thorndike, Das russische Wunder, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1962, S.162f.
[2] ebd. S.164.
[3] ebd.
[4] ebd. S.165.
[5] ebd. S.99.

Siehe auch:
Warum der Sozialismus siegen wird…

Die Ukraine – Geschichtliche Hintergründe

Die Ukraine ist bekanntlich ein hochentwickeltes Industrie-Agrarland. Als es die Sowjetunion noch gab, stand die Ukrainische Sowjetrepublik nach der RSFSR an zweiter Stelle in der industriellen Entwicklung, und sie war die Kornkammer der UdSSR. Klar, daß insbesondere die Reichtümer dieses Landes die Begehrlichkeiten der imperialistischen Mächte Westeuropas und der USA weckten und Hitler 1941 zum Überfall auf die Sowjetunion veranlaßten. Hier nun einige Informationen aus dem Handbuch der UdSSR von 1971 über einige wirtschaftliche und vor allem geschichtliche Hintergründe dieses Landes:

Bodenschätze

Die Ukraine ist reich an Brennstoffen, Metallerzen, Mineralien und Baustoffen. Ein großer Teil der Lagerstätten wurde unter der Sowjetmacht enbtdeckt und nutzbar gemacht. Die Grenzen des Donezbeckens mit seinen Steinkohlevorkommen (darunter Kokskohle) wurden ausgedehnt, das Lwow-Wolhynische Kohlerevier (Steinkohle) wurde erschlossen. Neue Erdöl- und Erdgasvorkommen wurden in den Vorkarpaten und im Dnepr-Donez-Gebiet erkundet, darunter eines der größten Erdgaslager der UdSSR bei Schebelinka. In der Ukraine sind die wichtigsten Eisenerzvorkommen (Kriwoi Rog, Kremetschuk, Kertsch, Beloserka) und Manganerzlagerstätten (Nikopol, Tokmak) konzentriert.

Geschichte

Unter dem Einfluß der Oktoberrevolution entfaltete sich auch in den westukrainischen Gebieten – Ostgalizien, Nordbukowina, Karpatoukraine – eine revolutionäre Bewegung, die mit dem Zerfall Österreich-Ungarns an Stärke zunahm. Am 5.November 1918 entschieden sich die Werktätigen auf der Tagung der Volksvertretung (Wjetsche) in Tschernowzy (Nordbukowina) für die Wiedervereinigung mit der Sowjetunion. Den gleichen Beschluß faßte die Transkarpatische Volksversammlung am 21.Januar 1919 in Chust. Die Volksmassen Ostgaliziens nahmen den Kampf gegen die konterrevolutionäre, mit Petljura verbündete Regierung der sog. Westukrainischen Volksrepublik auf, die Anfang November 1918 in Lwow proklamiert worden war. Im Februar 1919 wurde die Kommunistische Partei Ostgaliziens gegründet.

Der Kampf der Sowjetarmee gegen die westlichen Interventen

Die Sowjettruppen in der Ukraine führten den Kampf gegen die Truppenverbände der Entente, die Ende 1918 die Intervention im Süden des Landes eröffnet und Anfang 1919 hier 130.000 Mann zusammengezogen hatten, in Odessa wurde ein illegales Oblastkomittee gegründet und ein internationales Kollegium zur Arbeit unter den ausländischen Soldaten organisiert. Unter dem Einfluß der bolschewistischen Agitation brachen im April 1919 auf den in Odessa, Sewastopol und Kertsch eingelaufenen Schiffen der Entente Matrosenaufstände aus. Die Offensive der Roten Armee zwang schließlich die Interventen, im März/April 1919 Cherson, Nikolajew, Odessa und Sewastopol zu räumen.

Erneute Besetzung der Ukraine durch die Weißgardisten

Die Ukrainische Sowjetregierung ging unverzüglich an die sozialistische Umgestaltung der Gesellschafts- und Staatsordnung heran. Am 10. März beschloß der 11. Gesamtukrainische Sowjetkongreß die erste Verfassung der Ukrainischen SSR. Im Frühjahr 1919 gingen die Weißgardisten gemeinsam mit den Imperialisten der Entente erneut zum Angriff über. Den von General Denikin geführten Truppen gelang es im Sommer und Herbst 1919, die Ukraine zu besetzen. In allen Teilen der Republik entwickelte sich eine Partisanenbewegung, insbesondere in den Oblasten Jekaterinoslaw, Charkow, Poltawa, Cherson. Diese Bewegung wurde vom Frontbüro des ZK der ukrainischen KP unter Führung von S.W.Kossior geleitet. Die Offensive der Roten Armee im Oktober 1919 führte im Verein mit den Partisanenaktionen zur Niederlage Denikins. Die Weißgardisten wurden aus dem Donezbecken vertrieben, dann aus Charkow (12.Dezember 1919), Kiew (16.Dezember 1919) und Odessa (7.Februar 1920). Anfang 1920 war fast die gesamte Ukraine freigekämpft.

Ein umkämpftes Gebiet

Im Frühjahr 1920 wurde die Ukraine abermals zum Kriegsschauplatz. Am 6.Mai besetzten polnische Truppen Kiew. Das ZK der KPR ( B ) und der Rat der Volkskommissare ergriffen entschiedene Maßnahmen zur Abwehr der Intervention. Die 1.Reiterarmee Budjonnys, die 25.Reiterdivision Tschapajews und andere bewährte Truppenteile wurden an die Südwestfront geworfen. Am 12.Juni war Kiew wieder in den Händen der Sowjets. Nach der rasch erfolgenden Befreiung der Ostukraine drangen die Truppen der Südwestfront nach Ostgalizien vor und standen Anfang August vor Lwow. Zur gleichen Zeit waren die Truppen der Westfront in das Gebiet Polens vorgedrungen und hatten sich an anderen Stellen der Nordbukowina (die 1918 von Rumänien okkupiert worden war) und der Karpato-Ukraine genähert (die seit 1919 zur Tschechoslowakei gehörte). Im September 1920 nahm Polen wieder ganz Ostgalizien in Besitz. Im Oktober 1920 wurden die Kriegshandlungen eingestellt und ein Friedensvertrag mit Polen geschlossen.

Lenins Hilfe für die ukrainischen Bauern

Zur Zeit der polnischen Intervention besetzte die Wrangel-Armee, von der Krim ausgehend, Nordtaurien, den Süden des Gouvernements Jekaterinoslaw und stieß zum Donezbecken vor. In Anbetracht der schwierigen Lage im Süden der Ukraine wurde auf Beschluß der Sowjetregierung und des ZK der KPR ( B ) eine besondere Südfront der Roten Armee (unter dem Oberbefehl von M.W.Frunse) gebildet. Auf den Appell Lenins „An die Dorfarmut der Ukraine“ vom 2. Oktober 1920 hin entsandten die ukrainischen werktätigen Bauern Abteilungen freiwilliger Kavalleristen sowie Lebensmittel an die Front. Ende Oktober 1920 wurden die Wrangel-Verbände zerschlagen, die zeitweilig besetzten Gebiete befreit. Am 12.November wurden die Reste der Weißgardisten aus Simferopol, am 15.November aus Sewastopol und am 16. aus Kertsch vertrieben.

Die Beendigung des Bürgerkrieges gab der Ukraine die Möglichkeit zum Wiederaufbau der Industrie, des Verkehrswesens, der Landwirtschaft. Besondere Aufmerksamkeit galt dem Donezbecken, wohin qualifizierte Kader und industrielle Ausrüstungen aus Moskau, Petrograd und anderen Städten entsandt wurden.

Am 13.Dezember 1922 wandte sich der VII.Gesamtukrainische Sowjetkongreß an die Völker der RSFSR, der Belorussischen und der Transkaukasischen SSR mit dem Vorschlag zur Gründung einer Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Diesem Vorschlag wurde entsprochen, und am 30.Dezember 1922 erfolgte auf dem I.Unionskongreß der Sowjets der Beitritt der Ukrainischen SSR zur UdSSR.

Der Wiederaufbau der ukrainischen Volkswirtschaft

Nachdem die Ukraine 1925/26 ihre Volkswirtschaft wiederhergestellt hatte, nahm sie gemeinsam mit den übrigen Sowjetrepubliken Kurs auf die Industrialisierung. Allein zwischen 1926 und 1929 wurden 408 Industriebetriebe neu errichtet, 421 rekonstruiert. 1927 begann der Bau des Dnepr-Wasserkraftwerkes, 1929 der Nowo-Kramatorsker Maschinenfabrik und anderer Industriegiganten. 1931 wurde das Charkower Traktorenwerk, 1932 das Dnepr-Kraftwerk in Betrieb genommen. Ende der 20er Jahre begann auch die revolutionäre Umgestaltung der Landwirtschaft. Am 1.Februar 1930 waren 31%, Ende 1932 fast 70% der Bauernhöfe (mit rund 80% der Ackerfläche) zu Kollektivwirtschaften vereinigt. Die Kollektivierung, die unter den Bedingungen schärfster Klassenkämpfe vor sich ging, wurde in der Ukraine von den Komitees der Dorfarmut vorangetrieben, in denen rund 1,5 Mill. Klein- und Mittelbauern vertreten waren. (…) 1934 wurde die Hauptstadt der Ukrainischen SSR von Charkow nach Kiew verlegt.
Kiew
Kiew, Kreschtschatik

Die kulturellen Veränderungen in der Ukrainischen Sowjetrepublik

Der wirtschaftliche Aufschwung war verbunden mit einer Kulturrevolution. Das Analphabetentum wurde völlig beseitigt; in beträchtlichem Maße stieg die Zahl der Hoch- und Fachschulen, der allgemeinbildenden Schulen, der wissenschaftlichen Forschungsinstitute, Bibliotheken, Theater usw. (…) Von den Erfolgen des Sozialismus in der Sowjetukraine ging ein revolutionierender Einfluß auch auf die Westukraine aus. Unter Führung der KP der Westukraine (die zur KP Polens gehörte) entwickelte sich eine Befreiungsbewegung für die Errichtung der Sowjetmacht und den Anschluß an die Ukrainische SSR. Nach dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf Polen übernahm im September 1939 die Sowjetarmee den Schutz der westukrainischen Bevölkerung. Am 1.November 1939 wurde vom Obersten Sowjet der UdSSR ein Gesetz über die Eingliederung der Westukraine in die UdSSR und ihre Wiedervereinigung mit der Ukrainischen SSR angenommen. 1940 wurde auch die Nordbukowina mit der Ukraine wiedervereinigt, die jahrzehntelang von Rumänien okkupiert worden war.

TabelleVeränderungen in der Westukraine unter der Sowjetmacht

Der Kampf gegen die deutsch-faschistischen Okkupanten

Das friedliche Aufbauwerk des ukrainischen Volkes wurde durch den Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion unterbrochen. Schon am ersten Kriegstag (22.Juni 1941) entbrannten heftige Kämpfe an den Westgrenzen der Ukraine. Mit 57 Divisionen und 13 Brigaden sowie 1.300 Flugzeugen setzte der Angriff der faschistischen Heeresgruppe „Süd“ ein. Gemeinsam mit allen Völkern der Sowjetunion erhob sich das ukrainische Volk gegen die faschistischen Eroberer. Unter den Millionen Ukrainern, die in den Reihen der Roten Armee kämpften, waren 236.000 Kommunisten, d.h. 45% des gesamten Mitgliederbestandes der KP der Ukraine. Über 2 Monate lang (bis zum 19.September 1941) verteidigten die Sowjettruppen und Kämpfer der Volkslandwehr die ukrainische Hauptstadt Kiew gegen den Ansturm der faschistischen Armeen, die hier fast 100.000 Soldaten verloren. 73 Tage lang (5.August bis 16.Oktober 1941) wurde Odessa heldenhaft verteidigt. 250 Tage lang hielten die Seeleute der Schwarzmeerflotte und Truppenteile der Belagerung Sewastopols durch die Faschisten stand.

Die Terrorherrschaft der Nazis in der Ukraine

Um die schlimmsten Folgen aus der drohenden Okkupation abzuwenden, wurden Millionen Menschen zusammen mit ihren Betrieben und Einrichtungen, ebenso Getreidevorräte, Vieh usw. nach dem Osten evakuiert. 1942 war die gesamte Ukraine von den Faschisten okkupiert, die hier ein Schreckensregime errichteten: 4,5 Mill. Menschen wurden getötet, mehr als 2 Mill. zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt. Die Ukraine wurde in 3 Teile zerrissen: ein Teil der Westgebiete wurde dem sog. polnischen Generalgouvernement angegliedert; das Territorium zwischen Dnestr und Bug nahmen die rumänischen Besatzer für ein eigenes Generalgouvernement in Beschlag; aus dem übrigen Gebiet wurde ein Reichskommissariat unter Leitung des berüchtigten Henkers Koch gebildet. Unter Führung der Kommunisten wurde über die Ukraine ein weites Netz von Untergrundorganisationen gespannt: 23 illegal wirkende Oblastkomitees, 650 Stadt- und Rayonkomitees, über 4.300 Grundorganisationen der Partei und viele Komsomolorganisationen (wie die Gruppe „Partisanenfunke“ im Dorfe Krymka, Oblast Nikolajew, oder die legendäre „Junge Garde“ in Krasnodon). 1941/42 entfaltete sich die Massenbewegung der Partisanen. Als 1943 die Sowjettruppen den Kampf um die Befreiung der Ukraine aufnahmen, erwiesen ihnen die Partisanen unschätzbare Hilfe durch mutige Aktionen im Rücken des Feindes.

Befreiung

Am 23.August 1943 wurde Charkow, am 23.September Poltawa, am 25.Oktober Dnepropetrowsk und am 6.November Kiew freigekämpft. 1944 ging die Sowjetarmee an der gesamten ukrainischen Front zur Offensive über, in deren Ergebnis der Gegner in einer Reihe von großen Operationen vernichtend geschlagen wurde. Odessa wurde am 10.April, Lwow am 27.Juli befreit. Am 14.Oktober 1944 war das gesamte Territorium der Sowjetukraine in Händen der Sowjetarmee. Im Oktober 1944 wurde auch die Karpatoukraine befreit. Die Wiedervereinigung dieses Gebietes mit der Ukrainischen SSR, die durch den sowjetisch-tschechoslowakischen Vertrag von 1945 besiegelt wurde, brachte den historischen Prozeß der Vereinigung aller ukrainischen Gebiete in einem einheitlichen ukrainischen Staat zum Abschluß.

Die Verwüstungen durch die Nazis

Gewaltig waren die Schäden, die die faschistischen Eroberer der Ukraine zugefügt hatten. 714 Städte und Siedlungen städtischen Typs und 28.000 Dörfer waren niedergebrannt und vernichtet. 10 Mill. Menschen obdachlos geworden. 16.000 Industriebetriebe, fast alle Kolchose, Sowchose und MTS waren zerstört. Auf die Wiederherstellung der Volkswirtschaft konzentrierten sich nach der Befreiung des Territoriums alle Anstrengungen in der Republik. An der Wiederingangsetzung der Schachtanlagen des Donezbeckens beteiligten sich auch Bergarbeiter aus dem Moskauer Gebiet und dem Kusnezkbecken, an der Wiederherstellung der Hüttenwerke Arbeiter aus dem Ural. Mit der Erfüllung des 4. Fünfjahrplanes (1946/50) wurde der Vorkriegsstand (1940) der Industrieproduktion bereits um 15% übertroffen.

Sozialistische Veränderungen in der Ukraine nach 1945

Wesentliche sozialistische Wandlungen vollzogen sich nach dem Kriege in den Westgebieten der Ukrainischen SSR. Es entstanden neue Industriezweige, Lwow wurde zu einem bedeutenden Industriezentrum. Die werktätigen Bauern schlössen sich zu Kolchosen zusammen. Auch nach der Wiederherstellung der Volkswirtschaft dauerte der steile ökonomische Aufschwung fort. 1968 erzeugte die ukrainische Industrie 58mal mehr als 1913. 1970 lieferte sie mehr Erzeugnisse als 1940 die gesamte UdSSR. Die Ukraine verfügt über eine mächtige Industrie, die ihrem Produktionsumfang nach den 2.Platz hinter der RSFSR einnimmt, eine entwickelte sozialistische Großraumlandwirtschaft sowie über bedeutende wissenschaftliche und kulturelle Potenzen. Am 19.Februar 1954 wurde auf Beschluß des Obersten Sowjets der UdSSR die Krim aus dem Bestand der RSFSR herausgelöst und in die Ukrainische SSR eingegliedert. In den Nachkriegsjahren erweiterten sich die außenpolitischen Beziehungen der Ukrainischen SSR als einer souveränen Sowjetrepublik.

Quelle:
Handbuch der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1971, S.818-822.

Erklärungen:
Petljura: (1879-1926) ermordet, ukrain. nationalist. Politiker, 1917/19 Kriegsminister bzw. Vorsitzender der konterrevolut. Ukrainischen Rada; 1919 von der Roten Armee verjagt, die auch die 1920 aus dem Ausland eindringenden „Petljura-Banden“ zerschlug.
Denikin: (1872-1947) russ.Generalleutnant, 1919 Oberbefehlshaber der konterrevolut. Truppen in Südrußland, wurde von der Roten Armee geschlagen und emigrierte.
Koltschak: (1873-1920) hingerichtet, russ. Admiral, 1918/19 konterrevolutionärer Diktator in Sibirien.
Weißgardisten: Angehörige der russ. konterrevolutionären „Weißen Armeen“ 1918/20 (zarist. Offiziere, Bourgeois u. Gutsbesitzer, Kulaken, wohlhabende Kosaken)
Dnepr-Kraftwerk: Stausee (567 km2) mit Wasserkraftwerk (350 MW)
Wrangel: (1878-1928) russ.Generalleutnant, leitete 1920 auf der Krim den letzten erfolglosen Interventionsversuch gegen Sowjetrußland; emigrierte danach.
Tschapajew: (1887-1919) sowjet. Volksheld, seit 1917 Mitglied der SDAPR( B ); im Bürgerkrieg Kommandeur der berühmten 25.Schützendivision, die gegen Koltschak kämpfte.
Donezbecken: (russ.: Donbass) eines der wichtigsten Kohlenfördergebiete u. hervorragendes Schwerindustriezentrum der UdSSR, überwiegend in der Ukrain.SSR, im Bereich der Donezhöhen, von Nördl.Donez im N u.O umflossen; Eisen-, Buntmetallurgie, Energieerzeugung, Maschinenbau, chem., vielseitige Leicht- und Nahrungsmittelindustrie.
Tschernobyl: Stadt im Gebiet Kiew, am Pripjat, ehem. 10.000 Einw., in der Nähe befindet sich das 1986 (vermutlich durch Sabotage!) explodierte Atomkraftwerk
(Quelle: Meyer’s Lexikon, Leipzig, 1980)

German Foreign Policy schreibt:
Anläßlich der EM-Spiele der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Lwiw berichten Medien von dramatisch grassierendem Antisemitismus und Neonazismus in der westukrainischen Stadt. Zahlreiche Graffitis der starken rechten Szene („Jude verrecke“) prägten das Stadtbild, heißt es in der deutschen Presse: „Hakenkreuze und Naziparolen verunstalten Lembergs Altstadt“. Lwiw gilt als ein Zentrum des „Bandera-Kults“, der einen der prominentesten ukrainischen NS-Kollaborateure ehrt. (…)

Die Bundesrepublik Deutschland und der CIA unterstützten ukrainische Faschisten

Bandera, dessen Milizen im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Massaker begingen, darunter Massaker an Juden, erhielt nach Kriegsende Zuflucht in der Bundesrepublik – wie zahlreiche andere ukrainische NS-Kollaborateure auch. Andere wurden von der CIA in die Vereinigten Staaten verbracht, um dort für die Unterstützung verdeckter Operationen auf sowjetischem Territorium zur Verfügung zu stehen. Gemeinsames Ziel der Bundesrepublik und der USA war es, durch Unterstützung der ukrainischen Nationalisten die Sowjetunion zu schwächen und einen Sieg im Systemkampf herbeizuführen. Die Tradition der Kollaborateure lebt in der heutigen Westukraine fort – dort, wo nicht die aktuell vom Westen bekämpfte Regierung Janukowitsch, sondern die Kräfte der einstigen Ministerpräsidentin Timoschenko ihre Hochburgen haben. (…)

Regelmäßig frische Blumen in München für einen Faschisten

Viele der ehemaligen NS-Kollaborateure, die wie Bandera heute in der Westukraine wieder Verehrung genießen, flohen am Ende des Krieges mit den abziehenden deutschen Truppen Richtung Westen und blieben in der Bundesrepublik im Exil. Unter ihnen befanden sich zahlreiche Mitglieder der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), die sich 1939 am deutschen Überfall auf Polen und 1941 am Überfall auf die Sowjetunion beteiligt hatten (german-foreign-policy.com berichtete [3]). Einer von ihnen war OUN-Anführer Stepan Bandera. Bandera nahm seinen Wohnsitz in München, das sich in der Nachkriegszeit zum Zentrum ehemaliger ukrainischer Kollaborateure entwickelte. Dort wurde er am 15. Oktober 1959 umgebracht. Sein Grab befindet sich auf dem Münchener Waldfriedhof; es wird Berichten zufolge von Besuchern regelmäßig mit frischen Blumen geschmückt. (…)

Die profaschistische Regierung Juschtschenko

Die schließlich erfolgreich vollzogene Abspaltung der Ukraine aus der Sowjetunion im Jahr 1991 wurde von der Bundesrepublik tatkräftig unterstützt. (…) Juschtschenko ernannte noch im Januar 2010, kurz vor dem Ende seiner Amtszeit, Stepan Bandera zum „Helden der Ukraine“ – ein Beschluß, den Wiktor Janukowitsch, der aktuelle Staatspräsident, der wegen seines rigiden Vorgehens gegen Julia Timoschenko im Westen angeprangert wird, nach seinem Amtsantritt schon bald wieder rückgängig machte.

Quelle:
German Foreign Policy – Die Ukraine

Die Verbrechen der Bandera-Leute:
Bandera-OpferSiehe auch:
Der faschistische Mob in Kiew (2013)

Erich Honecker: Für ein kinderfreundliches Land…

Wenn den Massenmedien in der BRD wieder einmal der Stoff auszugehen droht, und man nicht mehr weiß, was man noch berichten darf, dann greift man in die Trickkiste und zieht ein paar Schauergeschichten über die DDR hervor. Doch allmählich wird es langweilig. Nicht einmal die Schulkinder wollen noch glauben, was man ihnen über dieses Land erzählt.
Und sehr oft wird gefragt: Was war denn nun anders in der DDR? Wie lebten die Familien? Wie ging es den Kindern? Welche Rolle spielten die Frauen? Einer der ganz gewiß nicht übertreibt, wenn er berichtet, war der erste Mann in diesem Staat: Erich Honecker. An seiner Aufrichtigkeit besteht nicht der geringste Zweifel! Auch wenn die „Altherrenriege“ des Politbüros den Veränderungen der 80er Jahre nicht mehr gewachsen war — Erich Honecker war eine bedeutende Persönlichkeit. Und er war Kommunist. Seine Biographie enthält weit mehr als nur seine persönlichen Ansichten. In ihr widerspiegeln sich die politischen Grundsätze seiner Partei, der SED. Ein ganzes Kapitel widmet Erich Honecker dem Thema: „Frauen im Sozialismus“. Darin kommt auch die Sorge der Partei für das Wohl und die Zukunft der Kinder zum Ausdruck. Wenn es der Familie gutgeht, die Lebensbedingungen auskömmlich sind, berufliche Arbeits- und Entwicklungmöglichkeiten vorhanden sind und die Frauen gleichberechtigt, so haben auch die Kinder eine gesicherte Zukunft. Alles das war in der DDR Realität. Es gab keine Krisen, und eine im Vergleich zur BRD nahezu verschwindend geringe Kriminalität.
Alterspyramide Alterspyramide 1910 / 2005
Betrachtet man jedoch die Alterspyramiden des letzten Jahrhunderts, so fällt auf, daß vor allem die beiden Weltkriege große Lücken in den Lebensbaum gerissen hatten. Doch auch gesellschaftliche Verwerfungen oder Umbrüche, wie z.B. die Konterrevolution 1989, führten zu einem deutlichen Geburtenrückgang. Über diese gesellschaftlichen Zusammenhänge schreibt Erich Honecker in seiner Biographie:

Die Geburtenrate steigt wieder

Besonders erfreuliche Wirkungen unserer Wirtschafts- und Sozialpolitik kommen auch in der Entwicklung der Geburten in der DDR zum Ausdruck. Hier hatten wir, wie viele andere Industrieländer, seit der zweiten Hälfte der sechziger Jahre unsere Probleme. Bis 1973 war die Ziffer der Lebendgeborenen je 1.000 der Bevölkerung auf 10,6 gesunken. Das waren 180.336 Kinder. Die Ursache dafür lag in der ungünstigen altersmäßigen Zusammensetzung der Bevölkerung, einer Folge des zweiten Weltkrieges. Weitere Gründe bestanden darin, daß viele junge Ehepaare zu lange auf eine eigene Wohnung warten mußten, daß die Zahl berufstätiger Frauen erheblich gewachsen war und ihr Qualifikationsniveau sprunghaft zunahm. Zugleich verlängerte sich die Ausbildungszeit für die jungen Frauen, die fast alle einen Beruf auszuüben begannen oder zum Studium gingen. Demzufolge brachten sie ihr erstes Kind gewöhnlich in einem Alter zur Welt, in dem die jungen Frauen früherer Jahrgänge schon ihr zweites Kind erwarteten. Seither werden in der DDR von Jahr zu Jahr wieder mehr Kinder geboren. Allein 1979 waren es 235.233. Das sind fast 55.000 oder rund 30 Prozent mehr als 1973. Die Zahl der Lebendgeborenen je 1.000 Einwohner erhöhte sich damit auf 14.

Das soziale Umfeld ist entscheidend

Alle Bürger unseres Landes und selbstverständlich auch mich erfüllt dieser Anstieg der Geburten mit Freude. Er widerspiegelt das kinderfreundliche Klima in unserem Land, das aus der sozialen Sicherheit der Familien, aus der Zukunftsgewißheit der Menschen hervorgeht. Bei uns sagt man nicht zu Unrecht: Wer die Zukunft bejaht, bejaht das Kind. In unserem sozialistischen Staat werden die Kinder in eine gute Umwelt hineingeboren. Ihnen gehört die ganze Liebe und Aufmerksamkeit der Familie und der Gesellschaft. Wir tun alles, damit sie weder Hunger noch Krieg kennenlernen. Von der ersten Stunde ihres Lebens an werden sie durch ein leistungsfähiges Gesundheitswesen betreut. Sie können ihre Fähigkeiten und Talente auf der Basis unseres Bildungswesens nach Kräften entwickeln. Kein junger Mensch braucht sich um eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu sorgen. Jeder einzelne ist gefragt, und seine Leistungen werden anerkannt.

Die soziale Lage der Frau in der Gesellschaft

Die Zunahme der Geburten ist für uns auch noch aus einem anderen Grund bedeutsam. Seit 1972 kann in der DDR die Frau über die Schwangerschaft und deren Austragung selbst entscheiden. Damit wurde eine alte Forderung der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung erfüllt, für die sich auch viele Ärzte, Juristen und Geistesschaffende eingesetzt haben. Schwer war die Lage der Arbeiterfrauen und Arbeiterfamilien nach dem ersten Weltkrieg. Ich kenne ihre Not und ihr Elend aus eigener Anschauung und weiß, wie die Bergarbeiterfamilien in meiner saarländischen Heimat zu kämpfen hatten, um ihre Kinder und sich selbst satt zu bekommen, sich zu kleiden und ein Dach über dem Kopf zu haben.

Über die ungewollte Schwangerschaft

In jener Zeit war ein ungewolltes Kind oft eine Tragödie. Die Aufführung des Schauspiels „Cyankali“ Ende der zwanziger Jahre, also in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, hat mich als jungen Kommunisten tief ergriffen. Dieses aufrüttelnde Werk des Arztes und Schriftstellers Friedrich Wolf verlieh der Stimme des Volkes im Kampf gegen den Abtreibungsparagraphen 218 Ausdruck. Schon im Oktober 1931 beantragte die Fraktion der Kommunistischen Partei Deutschlands im Reichstag, die Unterbrechung der Schwangerschaft* gesetzlich freizugeben. Im Volke fand dieser Antrag Zustimmung, aber nicht im bürgerlichen Parlament. So blieb alles beim alten. Was den Proletarierfrauen bei Strafe verboten war, was viele von ihnen mit Siechtum oder gar mit dem Leben bezahlten, wofür nicht wenige ins Zuchthaus geworfen wurden, das stellte für die Reichen kein Problem dar. Zu jeder Zeit konnten sich die Frauen der Oberschicht kostspielige Schwangerschaftsunterbrechungen leisten und leisteten sie sich auch.

Der unmoralische Paragraph 218

Für mich gab es nie einen Zweifel: Der Paragraph 218, die Doppelmoral muß weg! Daher habe ich mich sehr dafür eingesetzt, in unserer Republik die Lösung dieser Frage voranzubringen, die im engen Zusammenhang mit der Gleichberechtigung der Frau in Ausbildung und Beruf, Ehe und Familie steht. Auf Initiative unserer Partei und entsprechend einem gemeinsamen Beschluß des Politbüros und des Ministerrates der DDR wurde den 500 Abgeordneten der Volkskammer am 9. März 1972 der Entwurf eines Gesetzes über die Unterbrechung der Schwangerschaft vorgelegt. Mit absoluter Mehrheit, bei nur 14 Gegenstimmen und 8 Stimmenthaltungen, erhoben ihn die Abgeordneten zum gültigen Gesetz. Damit wurde nach den früher gewährten Rechten auf Arbeit und auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit, auf Bildung, Erholung und Erleichterungen im Leben nunmehr der Frau auch das Recht gegeben, in eigener Verantwortung, das heißt in eigener Beurteilung ihrer persönlichen, beruflichen und familiären Lebensbedingungen und Entwicklungsvorstellungen, frei über den Zeitpunkt der Geburt eines Kindes zu entscheiden. Das entspricht dem Recht und der Würde der Frau, dient dem Schutz der Gesundheit und dem Leben von Mutter und Kind.

Erneutes Anwachsen der Geburtenzahlen in der DDR

Es gab Meinungen, ob angesichts des durch Kriegsfolgen stark deformierten Lebensbaumes eine solche Maßnahme nicht verfrüht sei, ob die Geburtenrate nicht noch weiter sinken werde. Jedoch vertraten wir die Auffassung, daß es an der Zeit war, der Frau dieses wahrhaft menschliche Recht zu übertragen, eine Entscheidung, die ihrem Lebensglück und der Festigung der Familie dient.
Familie
Überhaupt möchte ich sagen, daß sich alle Einwände, die damals von verschiedenen Seiten gegen dieses Gesetz erhoben wurden, samt und sonders als gegenstandslos erwiesen haben. So erhöhten sich die Geburtenzahlen in der DDR von 179 127 im Jahr 1974 auf 181.798 im Jahr 1975, auf 195.483 im Jahr 1976, auf 223 152 im Jahr 1977, auf 232.151 im Jahr 1978 und schließlich auf 235 233 im Jahre 1979. Die Befürchtung, es könne Erscheinungen der Unmoral unter der Jugend begünstigen, wurde allein schon durch die steigende Zahl junger Ehen und Geburten widerlegt.

Das Entscheidungsrecht liegt bei den Frauen

Auch die Befürchtung, die Frauen könnten mit der Wahrnehmung ihres Entscheidungsrechts gesundheitliche Schäden erleiden, hat sich nicht bestätigt. Im Gegenteil. Während 1971, ein Jahr vor der Annahme des Gesetzes, die Müttersterblichkeit immerhin noch 4,1 je 10.000 Entbindungen betrug, sank sie infolge der von Ärzten in Kliniken und Krankenhäusern fachgerecht durchgeführten Unterbrechung auf 2,0 im Jahre 1978. Im gleichen Zeitraum ging auch die Säuglingssterblichkeit von 18 je 1.000 Lebendgeborenen auf 13 zurück. Desgleichen erwies sich die Festlegung, die Schwangerschaftsunterbrechung arbeits- und versicherungsrechtlich einem Krankheitsfall gleichzusetzen und ärztlich verordnete empfängnisverhütende Mittel unentgeltlich zu verabreichen, als absolut richtig. Der illegale Abort gehört infolgedessen bei uns völlig der Vergangenheit an. Ganz im Sinne des Gesetzes haben die Frauen der Schwangerschaftsverhütung gegenüber dem Abbruch den Vorzug gegeben. Seit 1973 ist die Zahl der Schwangerschaftsunterbrechungen erheblich zurückgegangen, und zwar bei gleichzeitigem Ansteigen der Geburten.

Frauen sind in der DDR gleichberechtigt

So wurde die Gleichberechtigung der Frau in der Deutschen Demokratischen Republik weiter verwirklicht. Bereits in der ersten Verfassung der DDR war die Gleichberechtigung von Mann und Frau als eines der wichtigsten Menschenrechte verankert. Daran hat sich auch in den folgenden Jahren nichts geändert. Der Artikel 20 unserer Verfassung von 1974 erfuhr eine wesentliche Präzisierung. Dort heißt es: „Mann und Frau sind gleichberechtigt und haben die gleiche Rechtsstellung in allen Bereichen des gesellschaftlichen, staatlichen und persönlichen Lebens. Die Förderung der Frau, besonders in der beruflichen Qualifizierung, ist eine gesellschaftliche und staatliche Aufgabe.“

Ehe und Familie in der DDR

Von Anfang an haben wir uns nicht auf die verfassungsmäßige Sicherung der Gleichberechtigung von Mann und Frau beschränkt. Eines der ersten Gesetze unseres Arbeiter-und-Bauern-Staates war das „Gesetz über den Mutter- und Kinderschutz und die Rechte der Frau“ vom 27. September 1950. Es bildete die Basis, um planmäßig Verfassungsrecht und gesellschaftliche Wirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen, Millionen Frauen den Weg zu freiwilliger und gleichberechtigter Teilnahme am gesellschaftlichen Produktionsprozeß zu ebnen und ihren Willen zu fördern, sich die dafür notwendigen Kenntnisse anzueignen. Durch das Gesen wurde die staatliche Hilfe und Unterstützung für Mutter und Kind geregelt. Er bezeichnete Ehe und Familie als einen der Grundpfeiler unserer Gesellschaft und verfügte die Gleichstellung von Mann und Frau im Familienrecht.

Die gesetzlich garantierte Gleichberechtigung

Die staatliche Verantwortung für die Frau in der Produktion sowie der Schutz ihrer Arbeit wurden gesichert. Im Gesetz heißt es zum Beispiel: „Die Arbeit der Frauen in der Produktion soll sich nicht auf die traditionellen Frauenberufe beschränken, sondern auf alle Produktionszweige erstrecken… In allen Berufen sind Maßnahmen zur Qualifizierung der Frauen zu treffen.“ Schließlich verlangte dieses Gesetz, den Anteil der Frauen in verantwortlichen Funktionen des Staates und der Gesellschaft systematisch zu erhöhen. Es verpflichtete die örtlichen Organe der Staatsmacht sowie die volkseigenen Betriebe, soziale Einrichtungen zur Betreuung der Kinder werktätiger Mütter zu schaffen. Alles in allem wurde detailliert festgelegt, wie die Gleichberechtigung der Frau Schritt für Schritt im Leben zu verwirklichen ist.

Die berufstätige Frau

Wenn wir heute für uns in Anspruch nehmen können, ein Land der Gleichberechtigung und der Kinderfreundlichkeit zu sein, dann haben die Frauen durch ihre schöpferische und fleißige Mitarbeit am Aufbau der sozialistischen Gesellschin an der Steigerung unserer Wirtschaftskraft selber einen großen Beitrag dazu geleistet.
Textilarbeiterinnen
Übrigens stehen heute 87,6 Prozent aller arbeitsfähigen Frauen im Berufsleben, lernen oder studieren. Im Jahr 1979 waren das 4,1 Millionen berufstätige Frauen und 630.000 lernende Mädchen und junge Frauen im arbeitsfähigen Alter. Von Jahr zu Jahr erhöhte sich der Anteil der Frauen an den Berufstätigen der gesamten Volkswirtschaft und beträgt gegenwärtig 50,2 Prozent.

Das gewachsene Selbstbewußtsein der Frauen in der DDR

Natürlich haben sich mit der Zeit die Motive der Frauen für ihre Teilnahme am Berufsleben gewandelt. Nach der Zerschlagung des Faschismus war sie für viele zunächst eine bittere Notwendigkeit. Wir hatten damals rund 11,6 Millionen Bürger im arbeitsfähigen Alter. Der Frauenüberschuß betrug über zwei Millionen. Alle diese Frauen waren zu alleinigen Ernährerinnen ihrer Familien geworden. Die meisten von ihnen, die damals als Trümmerfrauen oder auf anderen Gebieten am demokratischen Neuaufbau beteiligt waren, ahnten noch nicht, daß damit ein Prozeß eingeleitet wurde, der für ihre Gleichberechtigung von grundlegender Bedeutung war. Später kam die Erkenntnis hinzu, durch die Berufsarbeit Wissen und Fähigkeiten anwenden zu können, über die eigenen vier Wände hinaus nützlich zu sein. Dabei prägten sich das Selbstbewußtsein der Frauen, ihre ökonomische Unabhängigkeit vom Manne weiter aus. So wurde die Berufstätigkeit für die überwältigende Mehrheit der Frauen zu einem echten Bedürfnis. Sie können sich — wie sie selber sagen — ohne sie ihr Leben nicht mehr vorstellen.

Ein beeindruckendes Ergebis der Sozialpolitik

Würden wir heute nur ein Resümee der Teilnahme der Frauen an der volkswirtschaftlichen Entwicklung ziehen, so wäre allein dies sehr beeindruckend. Die Ausübung eines Berufes, die Entlohnung entsprechend der Leistung, die feste Zugehörigkeit zu einem Arbeitskollektiv, die gesellschaftliche Mitarbeit bewirkten bei Frauen und Männern völlig neue Denk- und Verhaltensweisen.

Hohes Bildungsniveau der Frauen in der DDR

Von besonderem Gewicht dafür war das Recht der Frau auf gleiche Bildung. Seine Gewährleistung entspricht nach unserer Meinung dem Persönlichkeitsideal des allseitig gebildeten, harmonisch entwickelten sozialistischen Menschen. Es ist unteilbar und gilt für Männer wie für Frauen. Im Unterschied zu allen vorangegangenen Gesellschaftsordnungen haben wir die Tore aller Lehranstalten bis hin zu den Universitäten für die Arbeiterkinder und die Frauen weit geöffnet.
Frauensonderklasse
Und sie nutzen ihr Recht auf Bildung. Diese Tatsache war es auch, die es mir ermöglichte, im Bericht des Zentralkomitees an den IX. Parteitag der SED zu erklären, „daß die Frauen auf allen Gebieten des Lebens ihren festen Platz haben. Bei der jungen Generation zeigen sich kaum noch Unterschiede in den Entfaltungsmöglichkeiten ihrer Fähigkeiten und Talente. Mädchen und Jungen werden gleichermaßen gut auf das Leben vorbereitet.“ 99 Prozent der weiblichen Schulabgänger, die keine weiterbildenden Einrichtungen besuchen, erlernen einen Beruf.

Frauenanteil an der Hoch- und Fachschulkadern

Aus alledem resultiert, daß heute 71,8 Prozent der in der Volkswirtschaft tätigen Frauen über eine abgeschlossene Berufsausbildung als Facharbeiter oder eine noch höhere Qualifikation verfügen. Zu Beginn des sozialistischen Aufbaus waren das nur fünf Prozent. Jeder zweite Werktätige mit Fachschul- und fast jeder dritte mit Hochschulbildung ist jetzt eine Frau. Der Anteil der Studentinnen am Direktstudium der Universitäten und Hochschulen liegt bei 52,5 Prozent, in den Fachschulen sogar bei 82,6 Prozent. So ist die Lage im Bereich der Bildung, und niemand hätte heute auch nur das geringste Verständnis dafür, wenn es anders sein sollte. (…)

Sozialpolitische Maßnahmen im Interesse der Familie

Die Unterstützung der Gesellschaft für die werktätigen Frauen wird durch ein umfangreiches Netz sozialer und dienstleistender Einrichtungen gewährleistet, wie Kinderkrippen und -gärten, Wäschereien, Betriebs- und Schulküchen. Auf diese Weise erreichen wir, daß die materiellen Aufwendungen und Leistungen, die mit der Geburt, Betreuung und Erziehung der Kinder verbunden sind, in wachsendem Maße von der Gesellschaft getragen und anerkannt werden. Das findet seinen Ausdruck auch in einer Reihe sozialpolitischer Maßnahmen speziell für werktätige Mütter. Ich nenne hier die Verlängerung des Schwangerschafts- und Wochenurlaubs auf 26 Wochen bei vollem Lohnausgleich, die Erhöhung der einmaligen staatlichen Geburtenhilfe für jedes Kind auf 1.000 Mark, die Verkürzung der wöchentlichen Arbeitszeit – gleichfalls ohne Lohnminderung – für voll beschäftigte berufstätige Mütter mit zwei und mehr Kindern bis 16 Jahre auf 40 Stunden sowie die Verlängerung des jährlichen Erholungsurlaubs, differenziert nach der Anzahl der Kinder, bis zu 29 Arbeitstagen und die Schaffung weiterer Plätze in Vorschuleinrichtungen.

Die DDR war ein kinderfreundliches Land

Meines Wissens haben wir, was die Kapazität der Kindereinrichtungen betrifft, inzwischen einen führenden Platz in der Welt erreicht. Von gut ausgebildeten Fachkräften werden jetzt 60 Prozent aller Kinder bis zum dritten Lebensjahr in Kinderkrippen und über 92 Prozent aller Kinder von drei bis sechs beziehungsweise sieben Jahren, also bis zum Eintritt in die Schule, in Kindergärten in einer lebensnahen und fröhlichen Atmosphäre betreut, gebildet und erzogen. 77 Prozent aller Schulkinder nehmen an der Schulspeisung teil, die aus einer warmen Mahlzeit und einem Viertelliter Trinkmilch täglich besteht. Nach dem Unterricht können die Kinder des ersten bis vierten Schuljahres in Schulhorten unter Anleitung von Erziehern und Lehrern bis zum späten Nachmittag lernen und spielen. Viel tun auch die Pionierorganisation und der Jugendverband für eine sinnvolle Freizeit aller Schüler.

Dem Neubau, der Erweiterung und der modernen Ausgestaltung all dieser Einrichtungen hat unser Staat stets große Bedeutung beigemessen und wird dies auch in Zukunft tun. Denn sie sind fester Bestandteil unseres einheitlichen sozialistischen Bildungssystems.

Besonders hervorzuheben ist die Unterstützung unseres Staates für alle kinderreichen Familien mit vier und mehr Kindern und für alleinstehende Bürger mit drei Kindern. Neben dem monatlichen staatlichen Kindergeld erhalten sie eine umfangreiche finanzielle und materielle Unterstützung. Sie werden bevorzugt mit Wohnungen versorgt und zahlen dafür eine Miete, die drei Prozent des Familieneinkommens nicht übersteigt. Verbilligte Dienstleistungen, Fahrpreise und anderes mehr werden ihnen gewährt.

Gründe für den Geburtenanstieg in der DDR

Das alles sind Voraussetzungen, die eine berufstätige Mutter braucht, um ihre Kinder mit der Liebe, Aufmerksamkeit und Wärme zu umgeben, die sie natürlicherweise von ihr erwarten. Im Verlauf einer längeren Zeitspanne, dank der Macht der Arbeiter und Bauern, haben sich auf gesetzlicher Grundlage Bedingungen herausgebildet, die uns erlauben, zu sagen, daß die in unserem Staat geborenen Kinder gewünscht und gewollt sind. Sicher beantwortet das hier Dargelegte auch die im Ausland vielfach gestellte Frage nach den Gründen unseres Geburtenanstiegs.
FDJlerinDie reale Gleichberechtigung von Mann und Frau ist eine der Springquellen des Sozialismus, ein Beweis für seine Überlegenheit gegenüber anderen Gesellschaftsordnungen. Berufstätigkeit, Bildung und die umfassende Anerkennung ihrer sozialen Funktion als Mütter machen die Frauen heute zu Staatsbürgerinnen im echten Sinne. Was ist bei uns geblieben von der früheren Diskriminierung, der gesellschaftlichen Unmündigkeit und Unselbständigkeit der Frau? Nichts! In der Deutschen Demokratischen Republik verfügt die Frau über einen eigenen Standpunkt, den sie auch zu vertreten weiß. Sie ist Partnerin am Arbeitsplatz und in der Volksvertretung. Wie der Mann nutzt sie ihre Fähigkeit, nationale und internationale Vorgänge zu verfolgen, zu beurteilen, und nimmt aktiv am politischen Geschehen teil. Das ist ein großer Erfolg des Sozialismus und von unschätzbarem Wert für unsere kommunistische Zukunft.

Quelle:
Erich Honecker: Aus meinem Leben, Dietz Verlag Berlin, 1981, S.319-328
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

*Schwangerschaftsunterbrechung, „Interruptio graviditatis“ [lat.] Unterbrechung (besser Abbruch) einer intakten Schwangerschaft. In der DDR durch Gesetz geregelt; Schwangerschaften bis zur 12. Woche können auf Wunsch der Schwangeren durch einen Facharzt in einer stationären Einrichtung unterbrochen werden. (Meyer’s Lexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1980, S.828)

Siehe auch:
Leben in der DDR – Lebensweise und Familie
Die DDR – ein kinderfreundliches Land
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Noch etwas: Wider die Verleumdungen des ehemaligen sächsischen Ministerpräsidenten Prof.Böhmer: „Für manche ostdeutsche Frau ist die Kindstötung anscheinend ein Mittel der Familienplanung.“ (zitiert nach „junge Welt“ 21.01.2011, S.15)

Buchempfehlung:
Heike Walter: Abgebrochen – Frauen aus der DDR berichten. Verlag neues leben, Berlin 2010, 192 Seiten, 12,95 Euro * (Mit einem Vorwort des Sozialwissenschaftlers Prof. Kurt Starke)
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(Dr.Heike Walter, geb. 1960 in Naumburg/Saale, promovierte Zahnärztin, Studium in Moskau und Leningrad, Arbeit in einer Poliklinik in Magdeburg, heute eigene Praxis in Rheinland-Pfalz, verheiratet, zwei Kinder.)

DDR – Der Bezirk Karl-Marx-Stadt

Den Namen „Karl-Marx-Stadt“ gibt es nicht mehr. Zu Ehren des großen deutschen Philosophen und Führers der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung war in der DDR die bedeutende sächsiche Industriestadt Chemnitz umbenannt worden. Dies wurde nach der Konterrevolution 1989 wieder rückgängig gemacht.
Karl-Marx-Stadt
Das Karl-Marx-Monument von dem sowjetischen Bildhauer Lew Kerbel

Manchmal ist es ganz interessant nachzulesen, wie das Leben in der DDR war. Denn diejenigen, welche dieses Land noch kannten, werden weniger, und sie kommen heute kaum zu Wort. Zudem verblaßt im Laufe der Jahre die lebendige Erinnerung. Jüngere Generationen kennen die Heimat ihrer Eltern nur noch aus dem Schulunterricht – und der ist alles andere als objektiv. Allenfalls erhält man da nur ein politisch verzerrtes Bild, das sich reduziert auf Stasi, Mauerbau und Schießbefehl. Doch die DDR war ein funktionierendes, international anerkanntes Staatswesen, ein Arbeiter- und Bauern-Staat, der zu 133 Staaten in aller Welt diplomatische Beziehungen unterhielt.

Die DDR hatte viele Vorzüge, die uns heute abhanden gekommen sind, freilich auch einige Nachteile (doch dazu an anderer Stelle mehr). Bei etwas mehr Spielraum für eigene Initiativen, hätten vermutlich auch einige der heute enttäuschten ehemaligen DDR-Bürger, die damals 1989 nicht schnell genug die Aldi-Märkte stürmen konnten, die den Bananen und der westdeutschen D-Mark hinterherrannten und an den Wechselschaltern Schlange standen, ihr Heimatland jedem noch so schönen kapitalistischen Staat vorgezogen. Sie hätten sich vermutlich mehr für den Sozialismus engagiert, der ihnen eine krisenfreie und menschenwürdige Lebensperspektive zu bieten hatte. Denn in der DDR bekamen alle eine fundierte Schulbildung, durften – wenn sie fleißig genug waren – auf Staatskosten studieren, konnten ohne Not eine Familie ernähren und führten zumeist ein recht sorgenfreies Leben. Wie dem auch sei. Nehmen wir einmal den Bezirk Karl-Marx-Stadt:
Bezirk Karl Marx Stadt
Der Bezirk Karl-Marx-Stadt befand sich im Süden der DDR. Er grenzte an die CSSR (248 km Grenze) und im Südwesten an die BRD (41km Grenze). Nachbarbezirke waren Gera, Leipzig und Dresden. Das Territorium des Bezirkes wurde im wesentlichen von den Mittelgebirgslandschaften des Erzgebirges und des Vogtlandes bestimmt. Höchste Erhebung war mit 1214 Metern der Fichtelberg, zugleich die höchste Erhebung der DDR. Der Bezirk Karl-Marx-Stadt war der bevölkerungsreichste und nach Berlin der am dichtesten besiedelte Bezirk der DDR. Er war in 21 Landkreise, 3 Stadtkreise (Karl-Marx-Stadt, Zwickau, Plauen) und 601 Gemeinden untergliedert. Typisch war die fortgeschrittene Verstädterung (32 Städte mit über 10.000 Einwohnern), die besonders in dem großen industriellen Ballungsraum mit der Achse Freiberg – Karl-Marx-Stadt – Zwickau – Reichenbach und ihrer Fortsetzung bis Plauen deutlich wurde. In diesem Gebiet lag die Bevölkerungsdichte noch wesentlich über dem Bezirksdurchschnitt von 310 Einwohnern je km2. Die größten Städte und zugleich die industriellen Zentren des Bezirkes waren Karl-Marx-Stadt, Zwickau, Plauen und Freiberg.
Zentrum KMSt
Das damalige Stadtzentrum von Karl-Marx-Stadt

Von den Berufstätigen der Industrie der DDR waren fast 15 Prozent im Bezirk Karl-Marx-Stadt konzentriert. Der Bezirk war ein Zentrum der metallverarbeitenden Industrie und der Konsumgüterherstellung. Das wirtschaftliche Profil bestimmten der Maschinen- und Fahrzeugbau, die Textilindustrie sowie Elektrotechnik und Elektronik. Auf der Grundlage des industriellen Potentials wurden hier 12,2 Prozent der industriellen Bruttoproduktion der DDR erzeugt, in der Textilindustrie mehr als die Hälfte. Am Absatz von Fertigerzeugnissen für die Bevölkerung hatte der Bezirk Karl-Marx-Stadt mit 17 Prozent den höchsten Anteil. Der Anteil der Konsumgüter an der Industrieproduktion lag bei etwa 35 Prozent. Zu den zentralgeleiteten Industrie Kombinaten gehörten unter anderem das Werkzeugmaschinen-Kombinat »Fritz Heckert« Karl-Marx-Stadt, das Kombinat Textima (…der größte Textilmaschinenhersteller der DDR), das Bergbau- und Hüttenkombinat »Albert Funk« in Freiberg, das Kombinat Musikinstrumente Markneukirchen/Klingenthal, das Strumpfkombinat Esda Thalheim und weitere sechs der Textil- und Bekleidungsindustrie, wie das Kombinat Baumwolle. (Alle diese Betriebe gibt es heute nicht mehr, sie wurden nach 1990 von der sog. Treuhand auf beispiellose Weise ausgeplündert und verhökert!)
Esda
Hochproduktive Kleinrundstrickmaschinen im Strumpfkombinat Esda

Die Betriebe des Kombinates Esda Thalheim produzierten modisch-attraktive Damenstrümpfe, ein breites Sortiment Herrenstrümpfe und lustige, farbenfreudige Kinderstrümpfe und -strumpfhosen.

Wesentlich für die von der Partei der Arbeiterklasse (SED) geforderte Durchsetzung der Schlüsseltechnologien war der Beitrag des Bezirks zur Produktion von Industrierobotern, Bürocomputern sowie technologischen Spezialausrüstungen für die Herstellung mikroelektronischer Bauelemente. Wichtige Betriebe waren hierfür unter anderen der VEB Numerik »Karl Marx« Karl-Marx-Stadt, der VEB Robotron-Buchungsmaschinenwerk Karl-Marx-Stadt und der VEB Spurenmetalle Freiberg. Die Kombinate im Bereich des Wirtschaftsrates des Bezirkes erbrachten 12 Prozent der Produktion der bezirksgeleiteten Industrie der DDR. Darüber hinaus verfügte der Bezirk über ein leistungsfähiges Handwerk. 355 PGH und 13.543 private Handwerksbetriebe brachten fast ein Sechstel der Handwerksleistungen der DDR. Seit dem VIII. Parteitag der SED wurden von den rund 58.000 Berufstätigen der Bauwirtschaft im Bezirk Karl-Marx-Stadt über 300.000 Wohnungen neugebaut und modernisiert. Damit verbesserten sich für mehr als 900.000 Bürger die Wohnverhältnisse.
Werkzeugmaschinenkombinat
Das Werkzeugmaschinenkombinat »Fritz Heckert« exportierte in mehr als 35 Länder

Eine beachtliche Rolle spielte im Industriebezirk Karl-Marx-Stadt auch die landwirtschaftliche Produktion. Es bestanden 172 LPG Tierproduktion, 62 LPG Pflanzenproduktion und 15 spezialisierte VEG. Der durchschnittliche Viehbesatz betrug 132 Rinder je 100 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche (39 Prozent mehr als im DDR-Durchschnitt). Neben diesem starken Wirtschaftspotential bestanden im Bezirk auch bedeutsame Wissenschafts- und Bildungseinrichtungen. 5 der insgesamt 54 Hochschule-Universitäten der DDR haben ihren Sitz im Bezirk Karl-Marx-Stadt – darunter die Technische Universität Karl-Marx-Stadt und die Bergakademie Freiberg sowie 22 der 240 Fachschulen der DDR. (…)

Geschichte und DDR-Gegenwart

Die herbe Schönheit der Mittelgebirgslandschaft mit ihren Tälern und Höhen kann nicht verdecken, daß über Jahrhunderte das Leben der werktätigen Bevölkerung im Territorium des heutigen Bezirks Karl-Marx-Stadt Not, Elend, harte Arbeit und Unterdrückung gekennzeichnet war. Erst nach dem Sturz des Hitlerfaschismus und der Errichtung der Arbeiter-und-Bauern-Macht änderten sich auch im ehemaligen »Armenhaus Sachsens« – wie das Erzgebirge bezeichnet wurde – die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen grundlegend. Heute, wo sozialistische Lebensweise das Antlitz der Städte und Dörfer prägt, nehmen die Menschen die reizvolle Landschaft bewußt wahr und tragen tatkräftig zu ihrer Erhaltung und Gestaltung bei. Die wirtschaftliche Entwicklung war eng verbunden mit dem Erzbergbau, besonders dem Silberbergbau. Eine bedeutende Stellung erlangte die Textilindustrie. Verbunden damit nahm der Maschinenbau eine starke Entwicklung. Zugleich entstand die weltbekannte Spielzeugindustrie im Raum Seiffen. Die zunehmende Industrialisierung, forderte den Ausbau eines dichten Eisenbahn- und Verkehrsnetzes.
Bezirkskrankenhaus
Das Bezirkskrankenhaus „Friedrich Wolf“ in Karl-Marx-Stadt

Die Stadt Karl-Marx-Stadt (bis 1953 Chemnitz) entstand 1165 als königlicher Fernhandelsmarkt. Im 16. Jahrhundert wirkte der Berg- und Hüttenwissenschaftler Georgius Agricola als Bürgermeister der Stadt. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem Zentrum der Textilindustrie und des Maschinenbaus. Typisch für das damalige Chemnitz waren rauchende Fabrikschlote und finstere Mietskasernen. Von den Großstädten Deutschlands hielt Chemnitz um die Jahrhundertwende den traurigen Rekord in der Kindersterblichkeit. 30 von 100 Kindern starben bereits im ersten Lebensjahr. Während die Bourgeoisie Chemnitz gern als »Sächsisches Manchester« bezeichnete, nannten die Arbeiter es voll Bitterkeit »Ruß-Chemnitz«. Das Wachsen der Stadt war geprägt vom Fleiß ihrer Arbeiter, die sich mit der Entwicklung der modernen Produktivkräfte als selbständige politische Kraft im Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung formierten. Die Widersprüche des Kapitalismus traten hier deutlich hervor und widerspiegelten sich in zahlreichen Kampfaktionen des Industrieproletariats. Die Arbeitermetropole Chemnitz wurde in kurzer Zeit zu einer Hochburg der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung. Der machtvolle Kampf des Chemnitzer Proletariats für sozialen Fortschritt, gegen Ausbeutung und Not gab der Stadt den Beinamen »Rotes Chemnitz«.

Nach der schweren Zerstörung der Stadt am Ende des zweiten Weltkrieges wurde sie zu einer modernen sozialistischen Industriemetropole aufgebaut. Das Bild von Karl-Marx-Stadt zeichnete sich durch pulsierendes Leben aus. Großzügige Neubaugebiete sowie modernisierte und rekonstruierte Wohnviertel waren typisch für das Stadtbild, ebenso die zahlreichen Betriebe und gesellschaftlichen Einrichtungen. Gegenüber der Vorkriegszeit hatten sich die sozialen Bedingungen entscheidend verbessert. Zwei Drittel der Bevölkerung lebten in hellen und freundlichen Wohnungen, die nach dem zweiten Weltkrieg errichtet wurden. Fleiß und Wohlbefinden der Karl-Marx-Städter drückte sich in ihren stetig wachsenden Leistungen für die Stadt und den Bezirk aus. So erbrachte sie unter anderem beispielhafte Ergebnisse auf den Gebieten von Kultur und Sport. (Aus dem Trainingszentrum Karl-Marx-Stadt kommt übrigens auch die weltbekannte Eiskunstläuferin Katarina Witt.)
Zwickau
Das Robert-Schumann-Haus in Zwickau

Zur Wirtschaft im Bezirk Karl-Marx-Stadt

Eine hochentwickelte leistungsfähige Industrie prägte die wirtschaftliche Struktur des Bezirkes Karl-Marx-Stadt. Als Zentrum des Werkzeug- und Textilmaschinenbaus hatte der Bezirk besonders große Verantwortung für die materiell-technische Ausrüstung unserer Volkswirtschaft und für den Export. Zunehmend profilierte er sich mit seinem bedeutenden Potential zu einem Schwerpunkt der Elektrotechnik/Elektronik sowie der Entwicklung und Anwendung der Mikroelektronik und der Robotertechnik als wichtige Voraussetzungen für ein hohes Tempo der Leistungssteigerung der Volkswirtschaft. Die hohe Verantwortung, die der Bezirk bei der Produktion von Konsumgütern trug, wurde unter anderem daran deutlich, daß mehr als die Hälfte der in der DDR produzierten Textilerzeugnisse im Bezirk hergestellt wurden. Rund ein Drittel aller Erzeugnisse des Bezirkes waren Konsumgüter zur Versorgung der Bevölkerung und für den Export.
MZ  ETZ
MZ-Motorräder aus Zschopau fahren z.T. sogar heute noch auf Straßen aller Kontinente.

Die Produktionsverhältnisse hatten sich grundlegend weiterentwickelt. Während 1953 noch 4.550 Industriebetriebe, darunter 3.775 Privatunternehmen, produzierten, konzentrierte sich gegen Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts die gesamte Industrie auf 750 volkseigene Betriebe. Zu dieser Zeit gab es im Bezirk Karl-Marx-Stadt 15 zentralgeleitete Betriebe und 10 bezirksgeleitete leistungsstarke Industriekombinate. Es wurden täglich Erzeugnisse im Wert von über 265 Millionen Mark geschaffen (gegenüber 30 Millionen Mark in den 50er Jahren). Die Arbeitsproduktivität in der Industrie wurde innerhalb von 30 Jahren auf das Neunfache gesteigert. 82 Prozent aller Werktätigen in der Industrie verfügten über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Der Anteil der Hoch- und Fachschulkader betrug 17.500, er hatte sich allein in den Jahren von 1979 bis 1980 mehr als verdoppelt. 85 Prozent davon waren in der Industrie tätig. (Die gut ausgebildeten Fachleute der DDR waren später in der gesamten BRD gefragt.)
Trabant 601
In Zwickau wurde bis 1990 auch der legendäre DDR-Kleinwagen „Trabant 601“ hergestellt

Außerdem befanden sich im Bezirk Karl-Marx-Stadt die Produktionskapazitäten der DDR bei Motorrädern über 50 cm3, Haushaltwaschmaschinen, Kälteschränken, numerischen Steuerungen, Tüllen und Gardinen sowie Strumpfwaren. Bei Untertrikotagen waren es fast 90 Prozent, bei PKW 67 Prozent, bei Textilmaschinen 61 Prozent und bei spanabhebenden Werkzeugmaschinen rund 50 Prozent der DDR-Produktion. Darüber hinaus war der Bezirk Alleinhersteller von Edelmetallen und PKW-Motoren. Aus dem Bezirk kamen auch die weltbekannten Erzeugnisse der erzgebirgischen Volkskunst (Pyramiden, Nußknacker, Räuchermänner), ebenso die qualitativ hochwertigen Musikinstrumente (Harmonikas, Streich-, Zupf- und Blasinstrumente) und Musikspielwaren aus dem »Musikwinkel« Klingenthal/Markneukirchen.
Musikinstrumentenbau
Heute völlig verschwunden: DDR-Musikinstrumentenbau von Weltruf!

Quelle:
Werner Ostwald (Hrsg.), Die DDR im Spiegel ihrer Bezirke, Dietz Verlag Berlin, 1989, S.180-199. (Text leicht bearbeitet.)

Begriffe:
Bezirk = die DDR war untergliedert in 15 Bezirke
SED = Sozialistische Einheitspartei Deutschlands
VEB = Volkseigener Betrieb
LPG = Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft
VEG = Volkseigenes Gut (landwirtschaftlicher Betrieb)
Kombinat = Zusammenschluß mehrerer VEB