Das Potsdamer Abkommen von 1945

CecilienhofDie historische Gedenkstätte Cecilienhof bei Potsdam

Man muß die Geschichte kennen, wenn man verstehen will, wie die heutigen Grenzen in Europa zustande kamen und warum das Potsdamer Abkommen ein entscheidender Schritt in Richtung auf eine friedliche Entwicklung in Europa war. Dieses Abkommen hat nach wie vor seine Gültigkeit, auch wenn seitdem mehr als 65 Jahre vergangen sind, und auch wenn die sogenannten Vertriebenverbände und andere reaktionäre Kräfte in der BRD dies anders sehen. Mit dem heimtückischen Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion im Jahre 1941 begann das vorerst letzte und grauenhafteste Kapitel großdeutscher Raubzüge, in deren Folge 50 Millionen Tote, 35 Millionen Versehrte und 935 Milliarden Kriegskosten zu verzeichnen waren. Dabei hatte die Sowjetunion die Hauptlast dieses verbrecherischen Krieges zu tragen. Doch kaum war das faschistische Deutschland besiegt, machten sich die imperialistischen Mächte erneut Hoffnungen auf eine Inbesitznahme fremder Reichtümer. Was der faschistischen Wehrmacht mit dem Krieg nicht gelang, wurde 45 Jahre später dann auf „friedlichem“ Wege vollzogen: die Beseitigung des Sozialismus und die Wieder-errichtung imperialistischer Machtverhältnisse in Europa. Um so notwendiger und dringender ist es heute, die grundlegenden Beschlüsse von Potsdam im Bewußtsein der europäischen Völker lebendig zu erhalten, um mit der Überwindung imperialistischer Machtverhältnisse endlich, und ein für alle Mal die Wurzeln imperialistischen Großmachtstrebens beseitigen zu können und um jegliche Ausbeutung und Unterdrückung fremder Völker zu verhindern. Der deutsche Kommunist und DDR-Diplomat Gerhard Kegel schrieb dazu folgendes:

Als die Konferenz von Potsdam abgeschlossen wurde, hatten sich die ärgsten Rauchschwaden des zweiten Weltkrieges und der Staub der in Trümmer gelegten Städte und Dörfer schon etwas verzogen. Europa begann allmählich wieder überschaubar zu werden. Die Landkarte unseres Kontinents bot sich gründlich verändert dar. Die Staatenkarte Europas, so wie sie sich nach dem ersten Weltkrieg stabilisiert zu haben schien, hatte kaum 18 Jahre Bestand gehabt.

Die nazistische „Neuordnung Europas“

Dann wurde der auf Österreich reduzierte Restbestand des einstigen Habsburger Weltreiches von Hitlerdeutschland vereinnahmt. Die Regierungen Großbritanniens, Frankreichs und des faschistischen Italiens erzwangen in Komplizenschaft mit Hitler und mit Hilfe ihres Münchener Diktats die Kapitulation der bürgerlichen Tschechoslowakischen Republik und die Übergabe der Sudetengebiete an Nazideutschland. Wenig später wurde vom imperialistischen Deutschland nazistischer Prägung die Tschechoslowakische Republik gänzlich ausgelöscht. Aus den tschechischen Kernländern wurde das nazideutsche Protektorat Böhmen-Mähren. Die Slowakei wurde unter faschistischer Regierung ein nazideutscher Satellitenstaat. Und auch das halbfaschistische bourgeoise Polen mit seinem Obristenregime, dessen Regierung sich damals mit Hitlerdeutschland befreundet, wenn nicht gar in gewissem Maße verbündet wähnte, konnte der Versuchung nicht widerstehen, sich mit der Annexion tschechoslowakischer Gebiete, die sich vor allem durch gute Vorkommen von Kokskohle und durch eine beachtliche Eisen- und Stahlproduktion auszeichneten, an der Leichenfledderei und an der Veränderung der europäischen Landkarte zu beteiligen. Auch Ungarn, das 1920 im Frieden von Trianon auf etwa ein Drittel seines früheren Umfangs verkleinert worden war, riß sich aus der Konkursmasse der zerstückelten bürgerlichen Tschechoslowakei einige überwiegend von Magyaren besiedelte Gebiete und darüber hinaus einen Teil der sogenannten Karpato-Ukraine unter den Nagel.

Angriffspläne der Nazis auf die Sowjetunion

Im Zuge dieser beginnenden „Neuordnung Europas“, die zunächst ganz nach den Vorstellungen der deutschen Imperialisten verlief, geriet auch die Landkarte Südosteuropas in Bewegung. Albanien wurde vom faschistischen Italien annektiert und verschwand – als selbständiger Staat – ebenfalls vorübergehend von der europäischen Landkarte. Nach dieser „Neuordnung“ in Mitteleuropa und im Südosten Europas im Sinne des deutschen Imperialismus richtete sich dessen Expansion mehr und mehr direkt gen Osten und vor allem auch nach Nordosten. Damit sollte das Vorfeld des geplanten Hauptstoßes gegen die Sowjetunion angriffsgünstig abgerundet werden. Die Annexion des Memelgebietes und die sonstigen Aktivitäten des deutschen Imperialismus in den bürgerlichen baltischen Republiken Litauen, Lettland und Estland, die in dem von Rußland gewaltsam abgetrennten Baltikum als Pufferstaaten und nordöstliche Flanke des Cordon sanitaire gegen die Sowjetunion gebildet worden waren, ließen keinen Zweifel mehr daran, daß Nazideutschland von hier aus eine Zange gegen Moskau anzusetzen gedachte. Für den südlichen Teil der Zange sollte das ebenfalls nach dem ersten Weltkrieg von Rußland abgetrennte Bessarabien, das Rumänien zugeschlagen worden war, benutzt werden. Das bourgeoise und halbfaschistische Rumänien entwickelte sich zugleich mehr und mehr zu einem willigen Helfershelfer Hitlerdeutschlands.

Die Verzögerungstaktik der Westmächte

Die von England und Frankreich geführten Verhandlungen mit der Sowjetunion, welche zum Ziel haben sollten, der weiteren Expansion Hitlerdeutschlands Einhalt zu gebieten und allen weiteren, von Hitlerdeutschland überfallenen Staaten wirksamen Beistand zu sichern, wurden – wie bereits dargelegt – von den imperialistischen Westmächten endlos verschleppt und offensichtlich unernst geführt. Es war unverkennbar, England und Frankreich strebten nur solche Vereinbarungen an, die alle Lasten eventueller militärischer Hilfsaktionen der Sowjetunion aufbürdeten, die beiden Westmächte aber in keiner Weise verpflichteten. Das heißt, diese Verhandlungen und Vereinbarungen sollten den Aggressor ermuntern, seine Expansion gegen Osten zu richten.

Der Nichtangriffsvertrag

Nachdem diese Absicht der imperialistischen Westmächte erkannt war, mußte die Sowjetunion versuchen, ihre eigenen Sicherheitsinteressen zu wahren. Zeit für die nötige militärische Stärkung zu gewinnen und gleichzeitig möglichst günstige Positionen für die Verteidigung gegen den zu erwartenden militärischen Angriff des deutschen Imperialismus aufzubauen. Zugleich mußten die gefährlichen Machenschaften der imperialistischen Westmächte, welche die Ostexpansion Hitlerdeutschlands begünstigten, durchkreuzt werden. So nahm schließlich die Sowjetunion gezwungenermaßen das Angebot der Berliner Regierung an, einen Nichtangriffsvertrag abzuschließen. Für die Sowjetunion war dabei wichtig, daß in diesem Zusammenhang auch jene für die Sowjetunion lebenswichtigen Interessensphären abgegrenzt worden waren, die vom deutschen Imperialismus unter gar keinen Umständen angetastet werden durften.

Der Überfall der Naziwehrmacht auf Polen

Nachdem das bourgeoise Polen am 1. September 1939 von Hitlerdeutschland heimtückisch überfallen und innerhalb von etwa 14 Tagen militärisch geschlagen worden war, besetzte die Sowjetunion mit der Wiedererrichtung der sogenannten Curzon-Linie jene Teile Belorußlands und der Ukraine, die nach dem ersten Weltkrieg entgegen internationalen Festlegungen von Pilsudski-Polen widerrechtlich annektiert worden waren. Die große Mehrheit der Bevölkerung dieser Gebiete, die der Belorussischen und Ukrainischen SSR angegliedert wurden, bestand aus Belorussen und aus Ukrainern. Die polnische Bevölkerung stellte dort nur eine Minderheit dar. Wünius, die alte litauische Hauptstadt, die von Pilsudski-Polen ebenfalls militärisch überfallen und okkupiert worden war, wurde an Litauen zurückgegeben.

Litauen, Lettland und Estland im Kreuzfeuer des Krieges

Infolge der großen strategischen Bedeutung der Ostseegebiete für die Sicherheit der UdSSR schlug die Sowjetregierung im Herbst 1939 den Regierungen Litauens, Lettlands und Estlands vor, Verträge über gegenseitige Hilfe abzuschließen. In diesen Verträgen, die im September und Oktober 1939 abgeschlossen wurden, erhielt die Sowjetunion das Recht, auf den Territorien dieser Ostseeländer Truppen zu unterhalten und in bestimmten Gebieten Land-, See- und Luftstützpunkte zu errichten. Die bürgerlichen Regierungen dieser drei Staaten versuchten jedoch, die Durchführung der Verträge zu sabotieren. Unter Bruch der eingegangenen Verpflichtungen beteiligten sie sich an antisowjetischen Machenschaften, wobei sie auch vor einer konspirativen Zusammenarbeit mit Nazideutschland nicht zurückschreckten und dadurch dessen Expansionspolitik unterstützten. Die antisowjetischen Intrigen in den baltischen Staaten riefen eine ernste Gefahr für die Völker dieser Länder hervor. Die baltischen Länder konnten von ihren reaktionären Regierungen jeden Augenblick Nazideutschland preisgegeben und in ein für sie tödliches imperialistisches Abenteuer hineingezogen werden.

Eine breite antifaschistische Volksfront

Angesichts dieser ernsten Bedrohung entstand in allen drei baltischen Staaten im Juni 1940 eine breite antifaschistische Volksfront. Eine revolutionäre Situation reifte heran, in deren Entwicklung die reaktionären Regierungen umgebildet werden mußten. In demokratischen Wahlen, die im Juli 1940 stattfanden, erhielten dann in allen drei baltischen Staaten die Interessenvertreter des werktätigen Volkes überwiegende Mehrheiten. Die neugewählten Parlamente riefen die Sowjetmacht aus. Sie wandten sich an den Obersten Sowjet der UdSSR mit der Bitte, die baltischen Staaten wieder in die Familie der Völker der Sowjetunion aufzunehmen. Die VII. Tagung des Obersten Sowjets der UdSSR erfüllte diese Bitte. Estland, Lettland und Litauen wurden wieder gleichberechtigte Sowjetrepubliken, was sie von 1918 bis 1919 bereits gewesen waren, bevor dort die Sowjetmacht von den imperialistischen Westmächten, die sich deutscher Truppen und sogenannter Freikorps sowie russischer Weißgardisten bedienten, liquidiert worden waren.

Eine friedliche Lösung auch in Moldawien

Ende Juni 1940 gelang es der Regierung der Sowjetunion, die Frage der Rückgabe Bessarabiens auf friedlichem Wege zu lösen. Bessarabien war 1918 gewaltsam von Rußland abgetrennt worden, wobei sich die bürgerlich-feudale rumänische Monarchie auf die imperialistischen Westmächte gestützt hatte. An der südwestlichen Flanke der Sowjetunion wurde jetzt aus der bisherigen Autonomen Sozialistischen Republik Moldawa, die zur Ukrainischen Sowjetrepublik gehört hatte, und den Gebieten Bessarabiens und der Nordbukowina mit vorwiegend moldawischer Bevölkerung die Sozialistische Sowjetrepublik Moldawa gegründet.

Die Nazis entwarfen eine neue Karte Europas

Im Westen hatten es die deutschen Imperialisten nicht so eilig, ihre Annexionsabsichten durchzuführen und vollendete Tatsachen zu schaffen. Das sollte erst nach dem „Endsieg“ und dann natürlich gründlich geschehen. Die eroberten westeuropäischen und nordwesteuropäischen Staaten und Gebiete behielten zunächst noch formal – als vorübergehende Lösung – den Charakter zeitweilig militärisch besetzter Gebiete. Aber die nazistisch-imperialistischen Neuordner Europas entwarfen inzwischen mit ebensolcher Brutalität wie Großzügigkeit – wenn auch vorerst noch auf dem Reißbrett – die neue Karte Europas, das nicht mehr und nicht weniger als ein nazideutscher Kontinent werden sollte. Dieses Großdeutsche Reich sollte von einer Reihe halbautonomer Satelliten-Randstaaten im Westen, Süden, Norden und Osten umgeben sein. Ihnen wurden – wenn auch territorial erheblich verkleinert – gewisse Überlebenschancen zugebilligt, falls sie sich der Führung Nazideutschlands, seiner SS und seiner Herrenrasse völlig unterwerfen würden.

Die Eroberungsraubzüge der Nazis im Osten Europas

Während im Westen die Änderungen der Landkarte vorerst im wesentlichen auf größenwahnsinnige Pläne der deutschen Imperialisten beschränkt blieben, deren Realisierung bis zum „Endsieg“ zurückgestellt wurde, legte sich die nazideutsche Führung im Osten Europas keinen Zwang an. Hier wurden auch schon formalrechtlich große Gebiete fremder Länder dem Deutschen Reich angegliedert. Die Bevölkerung Polens wurde systematisch dezimiert, ein Teil physisch vernichtet, ein anderer Teil vertrieben oder als Arbeitssklaven in das sogenannte Altreich verschleppt. In ganz Polen, insbesondere auch im sogenannten Generalgouvernement, wurden zunächst einmal die Angehörigen der Intelligenz systematisch physisch vernichtet, um – das war die Vorstellungswelt der deutschen Imperialisten – dem polnischen Volk für einen langen historischen Zeitraum die Möglichkeit zu nehmen, wieder hochzukommen.

Eine geheime Weisung der SS

In einem geheimen Bericht, den der SS-Obergruppenführer Müller am 31. Oktober 1942 an seinen Chef Himmler richtete, wird dargelegt, daß am 4. Oktober 1942 in Krakau (Kraków), dem Sitz des Generalgouverneurs, eine zentrale Weisung über die Vertreibung der Polen ausgegeben wurde. Himmler wurde um seine Zustimmung zur Durchführung des folgenden Planes zum Beispiel in der polnischen Stadt Lublin ersucht:

„1. die polnischen Familien der Wertungsgruppen I und II werden ausgesondert und nach Litzmannstadt (das polnische Łódź – d. Verf.) zur Eindeutschung bzw. Feinmusterung gebracht;
2. von den Wertungsgruppen III und IV werden die Kinder zusammen mit den über 60 Jahre alten Polen ausgesondert … und mit arbeitsunfähigen, kranken und gebrechlichen Polen unter 60 Jahren in „Rentendörfer“ überstellt.
3. Ähnliche Maßnahmen wurden bisher bereits im Warthegau im Rahmen der Örtlichen Verdrängung von Polen durch Schaffung von Polen-Reservaten erfolgreich durchgeführt.
4. Die 14 bis 60 Jahre alten arbeitsfähigen Angehörigen der Wertungsgruppe III werden ohne arbeitsunfähigen Anhang zum Arbeitseinsatz in das Reich vermittelt. (Es folgt ein Hinweis, daß sie die im Reich beschäftigten Juden ersetzen sollten, da diese zur Vernichtung vorgesehen sind – d. Verf.)
5. Die Angehörigen der Wertungsgruppe IV im Alter von 14 bis 60 Jahren werden in das Konzentrationslager Auschwitz abbefördert.“
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Die geplante Ermordung in Auschwitz

Soweit der Text des Berichts. Er enthält ein komplettes Programm der physischen Vernichtung der polnischen Nation durch „Eindeutschung“ des hierfür geeignet erscheinenden Bevölkerungsteils, durch physische Vernichtung der gesamten nichtarbeitsfähigen polnischen Bevölkerung einschließlich der Kinder und durch Deportation der im arbeitsfähigen Alter stehenden Restbevölkerung ins „Altreich“, um dort ihre Arbeitskraft bis zur völligen Erschöpfung im Interesse der deutschen Kriegführung noch ausnutzen zu können. Dabei ist der Begriff „Rentendörfer“ als verlogene Umschreibung für Vernichtung durch Aushungerung und Seuchen zu verstehen. Die Versendung nach Auschwitz, die alle Angehörigen der Wertungsgruppe IV im Alter von 14 bis 60 Jahren umfassen sollte, war ohnehin gleichbedeutend mit der Anordnung ihrer unverzüglichen Ermordung in den Gaskammern. Dieser Bericht wurde offensichtlich von der Berliner Zentrale gebilligt. Das beweist der brutale Vernichtungsfeldzug, der in Lublin und in anderen polnischen Gebieten gegen das polnische Volk begann. Die Durchführung dieses teuflischen Planes wurde nur deshalb verlangsamt und später unterbrochen, weil durch die inzwischen eingetretenen Niederlagen an der Ostfront, die zur Verdrängung der Polen erwarteten „deutschen Siedler“ nur noch sehr spärlich eintrafen und weil später die siegreichen Sowjetarmeen Polen und das polnische Volk vor der Auslöschung bewahrten.

Die entsetzliche Bilanz der Nazis in Polen

Insgesamt gesehen ergab die hitlerdeutsche „Neuordnung Europas“ für Polen folgende Bilanz: Polen wurde als selbständiger Staat vernichtet. Die Hauptstadt Polens, Warschau, wurde zu 93 Prozent zerstört. 84 Prozent der polnischen Eisenbahnanlagen wurden vernichtet, die polnische Industrie und Landwirtschaft, besonders in der Zeit des Rückzugs, wurde in einem Umfang zerstört, daß ein Gesamtschaden von fast 130 Milliarden Mark (in Vorkriegskaufkraft) entstand. Fast 6 Millionen polnischer Bürger wurden außerhalb jeder Kampfhandlung ermordet, darunter Zehntausende Kinder. 5 Millionen polnische Kinder wurden elternlos. Besonders empfindlich waren die Verluste der polnischen Intelligenz. Die Zahl der in deutschen Konzentrationslagern vorsätzlich ermordeten Lehrer beträgt 5.000. Die Zahl der ermordeten Geistlichen 3.500, der ermordeten Professoren 700. Hinzu kommen Hunderte Künstler und viele andere Geistesschaffende. Der Lehrkörper der Krakauer Universität wurde fast ausnahmslos in das Konzentrationslager Auschwitz und in andere Konzentrationslager verschleppt. Unter den verschleppten Wissenschaftlern befanden sich nicht wenige Gelehrte von Weltrang.

Die Verbrechen der Wehrmacht in der Sowjetunion

In den vorübergehend von den hitlerdeutschen Armeen okkupierten Gebieten der Sowjetunion einschließlich der baltischen Sowjetrepubliken gingen die deutschen Imperialisten nicht minder grausam vor. Etwa 20 Millionen Menschenleben und unerhörte materielle und kulturelle Werte wurden vernichtet. Die deutschen Imperialisten hatten in Fortsetzung ihrer Eroberungspläne aus dem ersten Weltkrieg die Absicht, sich die Ukraine und das ölreiche Gebiet des Kaukasus anzugliedern, die baltischen Sowjetrepubliken zu nazideutschen Provinzen zu machen und das restliche europäische Rußland bis zum Ural in ein nazideutsches Protektorat umzuwandeln. Dabei wurden die Pläne in der ersten Phase des Vormarsches der nazideutschen Aggressoren immer maßloser und abenteuerlicher. Ursprünglich, vor Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion, schien die Vorstellung vorherrschend zu sein, es solle zum Beispiel aus der Ukrainischen Sowjetrepublik ein formal selbständiger, aber von Nazideutschland abhängiger Satellitenstaat gemacht werden, damit für die Eroberung und Verwaltung der Ukraine auch die Verräter des ukrainischen Volkes, nationalistische Emigranten usw., eingesetzt werden können. Nach der Besetzung der Ukraine genügte das den deutschen Imperialisten schon nicht mehr. Die nationalistischen Emigranten, ukrainischen Bandenführer und Politiker, die man zunächst ins Land geholt hatte, die aber dann für den Geschmack des deutschen Imperialismus zuviel eigene Politik machen wollten, wurden wieder abgeschoben. Nationalistische ukrainische Gruppen innerhalb des besetzten Gebietes wurden verfolgt und manchmal physisch liquidiert. Hitlers Vorstellung war, den Herrschaftsbereich des imperialistischen Deutschlands nicht mehr und nicht weniger als bis zum Ural auszudehnen.

Die Grenzen in Europa sind unantastbar!

Als nach Stalingrad sichtbar wurde, daß Hitlerdeutschland und seine Komplizen diesen Krieg verlieren würden, befaßten sich zuerst die Westmächte in Separatverhandlungen mit der Aufteilung des Deutschen Reiches.
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Nach langem Ringen mit der Sowjetunion wurden schließlich die Grenzen festgelegt und die Oder-Neiße-Grenze für endgültig erklärt.

Quelle:
Gerhard Kegel: Ein Vierteljahrhundert danach – Das Potsdamer Abkommen und was daraus geworden ist, Staatsverlag der DDR, Berlin, 1970, S.40-49. Karten: ebd. S.51 und 55.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Ein historischer Rückblick: Wie und warum wurde Deutschland gespalten?

3 Gedanken zu “Das Potsdamer Abkommen von 1945

  1. Hallo Norbert, finde sehr viele Artikel in Deinem Blog ausgezeichnet und würde gerne hin und wieder etwas für den Blog des DDR-Kabinett-Bochum übernehmen. Das möchte ich aber nicht ohne Deine Zustimmung tun. Mit roten Grüßen aus Bochum, Andreas vom DDR-Kabinett-Bochum e.V.

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