Die Welt, in der wir leben…

weltWir können uns die Welt nicht heraussuchen, in der wir leben möchten. Sie ist einfach da, mit all ihren Schönheiten, ihren Mängeln und Problemen. Einerseits hat die Wissenschaft in den letzten zwanzig Jahren enorme Dinge hervorgebracht. Was wäre diese Welt ohne GPS, ohne Internet, ohne Mobilfunk oder ohne elektronische Steuervorrichtungen? Auf der anderen Seite sind weitaus größere Anstrengungen erforderlich, um die im Laufe der letzten Jahrzehnte entstandenen Umweltschäden zu beseitigen. Manches wird nie wieder gutzumachen sein. Riesige durch Radioaktivität, Raubbau oder Chemikalien verseuchte Regionen werden bleiben, wohl auch die verschmutzten Meere und Flüsse. Wir haben tote Städte, Industriebrachen und gänzlich verödete Regionen. Und es ist nicht abzusehen, ob sich die abgeholzten Regenwälder, die ausgetrockneten Seen, die abgeschmolzenen Gletscher, geschrumpften Polargebiete und die ausgedünnte Ozonschutzschicht jemals wieder regenerieren werden. Ganz abgesehen von den gesundheitlichen oder moralischen Folgen, die das alles für die Menschheit hat.

Aber es gibt auch noch ganz andere Probleme, die einer dringenden Lösung bedürfen. Das sind die sich verschärfenden sozialen Gegensätze. Während einige wenige Leute sich unermeßliche Reichtümer aneignen, leben Millionen Menschen in aller Welt in bitterster Armut. Und in der Bundesrepublik entsteht der Eindruck, soziales Konfliktpotential gäbe es nur in Griechenland, einen Bürgerkrieg nur in Syrien und das deutsche Kriegsschiff vor Syriens Küsten sei nichts weiter als ein harmloser Ausflugsdampfer. Bis auf ein paar Kleinigkeiten befände sich die deutsche Wirtschaft trotz Krise permanent im Aufschwung. Wer’s glaubt wird selig! Das occupy-Camping ist vorbei, und alle ziehen sich wieder die Hauslatschen an und kehren in die gute Stube zurück. Arbeitslosigkeit, Hartz4, Suppenküchen und Billigjobs – alles nur ein böser Traum? Welch‘ ein Irrtum! Diese Situation beschreibt modesty sehr treffend: „Es ist heute fast wieder so, als habe es Marx und Engels nie gegeben, die mit ihren Analysen der Arbeiterklasse vor Augen führten, in welchem Maß sie ausgenutzt und betrogen wird. Mehr als 150 Jahre Arbeit und Auseinandersetzung einfach ausgelöscht. Mir begegnen immer wieder Leute, die behaupten, es gäbe doch heutzutage keine Ausbeutung mehr! Da frage ich mich, ob die in der gleichen Welt leben wie ich – in meiner Welt gibt es Niedriglöhner und Billigjobber, unterbezahlte Fachkräfte, arbeitslose Fachkräfte und auch solche, die man gegen eine so genannte Aufwandsentschädigung zwingt, ihren besser bezahlten Kollegen die Jobs streitig zu machen.“ [1] Wann werden wir endlich mal über die Ursachen all dieser Erscheinungen nachdenken und die notwendigen Konsequenzen ziehen?

Wie ist das nun wirklich heute?

„Würden wir den imperialistischen und rechtssozialdemokratischen Ideologen glauben, dann gäbe es längst keinen Kapitalismus mehr. Besonders in den fünfziger und sechziger Jahren hatten sie die Behauptung aufgestellt, daß die kapitalistische Ordnung allmählich in eine neue Gesellschaft hinüberwachsen würde. Nur darüber, was das für eine Gesellschaft sein würde, gab es unterschiedliche Auffassungen. Die einen meinten, es vollziehe sich der Übergang zu einer »Industriegesellschaft« oder einer »postindustriellen Gesellschaft«, andere erklärten, es käme eine »Wohlfahrtsgesellschaft«, wieder andere behaupteten, der Kapitalismus sei längst zu einer »freien und sozialen Marktwirtschaft« geworden. Schließlich wurde die Meinung vertreten, Schritt für Schritt würde sich der sogenannte demokratische Sozialismus durchsetzen. Mindestens ein Dutzend solcher oder ähnlicher Begriffe wurde für den Kapitalismus geschaffen. Mit derartigen Pseudotheorien versuchen die Ideologen des Imperialismus, das Wesen der kapitalistischen Ausbeuterordnung zu verschleiern.“ [2] Man muß schon ein Idiot sein, wenn man heute solchen Volksverführern Glauben schenkt.

Worauf beruht die kapitalistische Wirtschaft?

Man kann die Zusammenhänge in unserer Gesellschaft und das Verhalten der Menschen nicht verstehen, wenn man von der Wirtschaft keine Ahnung hat. Und damit ist keineswegs die sogenannte „(soziale) Marktwirtschaft“ gemeint, oder das was beispielsweise an Universitäten über „Betriebswirtschaft“ gelehrt wird. Das führt uns nicht zum Kern! Schon im Sozialkundeunterricht der „Sekundarstufe“ wird man Erklärungen über die ökonomischen Zusammenhänge im Kapitalismus vergeblich suchen. Mit einem angeblichen „Strukturwandel“ oder einem „Wertewandel“ ist der Kapitalismus eben nicht zu erklären. Auch andere Begriffe, wie Neo-Feminismus, Gentechnologie, Menschenrechtsethik u.dgl. unsinnige Textblasen und Rollenspiele verhelfen da zu keiner Erkenntnis. Im Gegenteil: die Verwirrung wird nur größer. Und das ist beabsichtigt!

Kapitalismus = Ausbeutung und Unterdrückung

Wir leben heute unter kapitalistischen Verhältnissen. Was ist damit gemeint? „Der Kapitalismus ist eine sozialökonomische Gesellschaftsformation, die auf dem privatkapitalistischen Eigentum an den Produktionsmitteln und der Ausbeutung der Lohnarbeiter beruht – historisch gesehen die letzte Ausbeutergesellschaft. Die beiden sich antagonistisch (also unversöhnlich) gegenüberstehenden Grundklassen des Kapitalismus sind die Bourgeoisie (Kapitalisten) und das Proletariat (Lohnarbeiter). Die Bourgeoisie als Eigentümer der Produktionsmittel ist die ökonomisch und politisch herrschende Klasse. Das Proletariat ist juristisch frei und muß als Nichteigentümer der Produktionsmittel seine Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen; es ist die unterdrückte Klasse. Außer ihnen existieren Nebenklassen (werktätige Bauern) und soziale Schichten (Intelligenz). Die kapitalistische Entwicklung führt nicht nur zur Verschärfung des Klassengegensatzes zwischen Bourgeoisie und Proletariat, sondern bedeutet auch Ausbeutung und Zersetzung der anderen Klassen und Schichten.“ [3]

Das Mehrwertgesetz

„Das ökonomische Grundgesetz des Kapitalismus ist das Mehrwertgesetz, das Ziel der kapitalistischen Produktion der Profit. Der Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion und der privatkapitalistischen Form der Aneignung ihrer Ergebnisse ist der Grundwiderspruch des Kapitalismus. Er findet in der Anarchie der Produktion und der Konkurrenz seinen Ausdruck, führt zu immer stärkerer Konzentration und Zentralisation von Kapital auf der einen Seite und zur Verschlechterung der Lage der Arbeiterklasse auf der anderen Seite. Er hat periodische Wirtschaftskrisen, Kriege und erbitterte Klassenkämpfe zur Folge. Ihre politische Herrschaft übt die Bourgeoisie mit Hilfe des bürgerlichen Staates aus.“ [4] So ist das! Das haben in der DDR die Kinder bereits in der Schule gelernt. Und die Richtigkeit dessen hat sich nunmehr (nach der Konterrevolution 1989) vollauf bestätigt.

Karl Marx und „Das Kapital“

Im Kapitalismus sind diejenigen, die keine Produktionsmittel besitzen, bei Strafe ihres Untergangs gezwungen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Das gehört zum Wesen dieses Systems. Und es ist eigentlich leicht einzusehen, daß dieser Verkauf der Arbeitskraft eine „einem Naturgesetz gleiche Notwendigkeit“ ist. Vielleicht sollte man wieder einmal das „Kommunistische Manifest“ lesen. Karl Marx hat sich sehr ausführlich mit dem Prozeß der ursprünglichen Akkumulation befaßt. Die Fähigkeit, einen Mehrwert zu produzieren, bildet für den Kapitalisten den spezifischen Gebrauchswert der Ware Arbeitskraft. Für das Kapital jedenfalls ist eine einzige Tatsache von Bedeutung: „Die Arbeitskraft der Arbeiter ist in der Lage, einen wesentlich größeren Wert zu produzieren, als sie selbst verkörpert und als bei ihrem Kauf aufgewendet werden muß.“ [5] Die Produktion von Mehrwert ist der Sinn und Zweck, das einzige Ziel der kapitalistischen Produktion.

Imperialismus bedeutet Krieg!

Der Imperialismus ist die letzte Stufe des kapitalistischen Systems. Durch seinen aggressiven Charakter war der Imperialismus stets der Ausgangspunkt von Kriegen und internationalen Konflikten. Die internationale Lage hatte sich zu Beginn der 80er Jahre durch die Hochrüstungs- und Konfrontationspolitik der USA und der NATO enorm verschärft. Wieder einmal drohte die Gefahr eines atomaren Krieges. Der Hauptstoß der aggressiven Politik des Imperialismus richtete sich damals gegen die Sowjetunion und die anderen sozialistischen Staaten. Auch wennn sich die strategischen Konzeptionen des Imperialismus ab und zu veränderten, das Ziel blieb stets das gleiche: Es geht um Rohstoffquellen und Einflußsphären. Und es ging darum, den wachsenden internationalen Einfluß des Sozialismus zurückzudrängen und ihn schließlich zu beseitigen. Heute kann es nur noch darum gehen, den Imperialismus zu beseitigen, denn Imperialismus bedeutet Krieg.

Was können wir verändern?

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik Deutschland, mit denen sich ja viele Menschen offenbar schon abgefunden haben, sind also keineswegs der letzte oder denkbar beste Zustand unserer Gesellschaft. Ganz im Gegenteil! Die Konflikte spitzen sich enorm zu. Für die sozialen Probleme gibt es innerhalb dieses Systems keine Lösung. Wenn die Menschheit auf diesem Planten überleben will, so gibt es nur eine einzige Chance – die endgültige Überwindung dieser auf Anarchie und auf imperialistischer Gewalt beruhenden Ausbeuterordnung. Und dazu genügt eben nicht die lapidare Feststellung: „Wir sind die 99 Prozent!“ Denn das ist kein Programm, sondern eine Plattitüde, die niemanden auch nur ansatzweise dazu bewegt, an dieser Situation etwas zu verändern.

Quellen:
[1] Blog modesty: Wir behaupten das Gegenteil.
[2] Otto Reinhold/Karl-Heinz Stiemerling: Pölitische Ökonomie – geschrieben für die Jugend, Dietz Verlag Berlin, 1985, S.33f.
[3] Meyer’s Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig (DDR), 1976, S.339.
[4] ebd.
[5] Reinhold/Stiemerling: a.a.O. S.43.

2 Gedanken zu “Die Welt, in der wir leben…

  1. Lieber Norbert,
    Du bringst es mit Deinem Beitrag wieder einmal auf den Punkt mit unserer Welt!!!
    Was bleibt da noch zu kommentieren – jeder Satz spricht ausnahmslos für sich!!!
    Und die ganz praktischen Beispiele lehrt ja zwischenzeitlich ganz hautnah schon jeder einzelne Tag, und wenn ich dann zum Frühstück noch vernehme – Aufstocker Gauck: 18 000 plus – bin ich vollends satt!!!
    Mögen Deinen Beitrag viele Menschen nicht nur lesen, sondern als gewonnenes Wissen, als Erkenntnis für das tägliche Denken und Handeln mit auf den Weg nehmen!

    Einen guten und erfolgreichen Tag und `nen herzlichen Gruß vom Wuhletal!

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  2. Tja, da hast Du recht, liebe Marita. Ich habe lange überlegt, wie man das eigentlich zusammenkriegt: dieser überall sichtbare, satte „teutsche Wohlstand“ und die tatsächlichen Probleme der Menschheit. Aber die in den mittleren und höheren Regionen spüren wirklich nichts von den Sorgen und Nöten der einfachen Menschen. Und sie wollen es auch nicht, aber sie bestimmen eben, was gespielt wird… Das Budget dieser Marodeure ist sowieso indirekt proportional zum Lebensglück des Proletariats, auf dessen Kosten sie leben. Sei herzlich gegrüßt! Norbert.

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