Danke, lieber Genosse Gorbatschow!

Danke, lieber Genosse Gorbatschow, für Dein NeuesDenken und die Perestrojka! Danke für die Umgestaltung der Sowjetunion und für den Verkauf der DDR! Danke für die neue Freiheit und die Bananen!
Sack

Wir haben Deine Karriere verfolgt und Dich auf der Tribüne unter den Linden bewundert, als Du uns 1989 in Berlin besuchtest. Die Massen haben Dir zugejubelt am 1.Mai. Wir haben Deine Bücher gelesen und das Ergebnis miterlebt. Nun möchten wir Dir einmal zeigen, was aus Deinem Heimatland geworden ist. Die Menschen werden es Dir nie vergessen, Dir und Deinen Kumpanen! Wie viele haben es damals nicht recht glauben wollen, als es soweit war. Mit einem Federstrich hast Du erreicht, was dem Gröfaz* einst mißlang, wofür vor über einem halben Jahrhundert 50 Millionen Menschen ihr Leben lassen mußten. Nun saßen Deine Landsleute vor dem Fernseher und sahen ohnmächtig zu, was dann geschah, ungläubig und mit Tränen in den Augen…

Ansage

…und dabei ist eigentlich genau das passiert, was auch vorherzusehen war: Dein einst so starkes und erfolgreiches Land, die UdSSR, zerfiel in Scherben. Die Wölfe haben sich um das Fell gestritten, noch bevor der Bär erlegt war. Die gerissensten unter ihnen wurden reich, unvorstellbar reich. Und wieder bezahlten es Millionen Deiner Landsleute mit dem Leben. Sie starben, still und unauffällig oder sie versanken in Not und Alkohol, in Irrsinn oder Kriminalität. Und einige machten auch Karriere. Hier ist nun das Ergebnis. Dieser Chemiebetrieb in Klinsk wurde mit Unterstützung der DDR aufgebaut (VEB Robotron, VEB Apparate- und Chemieanlagenbau Reinsdorf und andere) und das ist heute davon übrig:

Chemie1Chemie2Chemie3Chemie4Chemie5Chemie6Chemie7Chemie8

Und hier ist mal ein Ferienheim, das verlassen wurde, weil Rußland kein Geld mehr hat für die Bildung, die Freizeit und die Erholung des Volkes, kein Geld mehr für Kindereinrichtungen, kein Geld mehr für die Zukunft des Landes. Alles wurde privatisiert. Nach über 70 Jahren sozialistischen Aufbaus wurde das Volk enteignet. Und das Geld floß in die Taschen der Oligarchen und der Popen. Denen ist der Wohlstand sicher.

FerienheimSchwimmbadBibliothekKonzertsaalAusstellungKücheBüroSkiausleihe

Nie wieder werden hier Kinder und Jugendliche, Arbeiter und Genossenschaftsbauern, Familien und verdiente Werktätige ihren Urlaub verbringen. Alles ist dem Verfall preisgegeben. So könnte man noch Tausende Bilder aus allen Teilen Rußlands zeigen. Natürlich wird auch vieles neu gebaut: Banken, Villen, Straßen, Brücken, Supermärkte usw. – Kapitalistisches eben…

Fotos: Lana Sator

* Gröfaz: In der Nazizeit eine Bezeichnung für Hitler als „Größter Führer aller Zeiten“

Weitere Hinweise:
Dr. Kurt Gossweiler, Die vielen Schalen der Zwiebel Gorbatschow
http://mikro71.blog.de/2010/04/18/vielen-schalen-zwiebel-gorbatschow-8397967/
(Danke an Mikro!)

Sehr interessante Beiträge auch in: Niederlagenanalyse.
http://www.triller-online.de/niederlage.pdf

11 Gedanken zu “Danke, lieber Genosse Gorbatschow!

  1. Es ist einfach schrecklich, wie wir veraten, verkauft wurden, wie all das zerstört wurde, dass dem Volke gehörte. Es gibt nur einen Weg,dieses menschenverachtende, nur auf Kapital gerichtete System bekämpfen, die Menschen aufklären. Es ist ein langer harter Weg, viele Generationen müssen darunter leiden.

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  2. Liebe Christiane Kranz,

    So schrecklich das alles ist: es war durchaus vorhersehbar, und es war auch andersorts so oder vergleichbar vorexerziert worden. Dank Leuten wie Chrustschow und Gorbatschow wurde die Revolution in Lateinamerika vor fast 200 Jahren doch noch umgebogen, und der ganze Kontinent kam vom Regen des Kolonialismus in die Traufe des Neokolonialismus.

    So gelang den haitianischen Sklaven damals die Selbstbefreiung. Aber Napoleon widerrief 1802 das von den Jakobinern 1794 durchgesetzte Edikt – und die Sklaverei war wieder da. Seine Soldaten fielen in Haiti ein und nahmen Touissant L’Ouverture gefangen, brachten ihn nach Frankreich und folterten ihn zu Tode. Den Assistenz leistenden USA verkaufte Napoleon 1803 als Dank das Louisiana-Gebiet und machte damit den USA den Weg nach Westen frei.

    Aber Napoleon hatte sich geschnitten: der neue Mann an der Spitze der Haitianer, Jean-Jacques Dessallines, warf die Bande raus aus Haiti und erklaerte in seiner Rede vom 01/01/1804 Sklaverei und Kolonialherrschaft fuer beendet. Dem USA-Praesidenten Jefferson schickte er einen Brief, in dem er diesen auffoderte, die von nach USA gefluechteten haitianischen Sklavenhaltern mitgenommenen Sklaven nach Haiti zurueckzusenden – als freie Menschen, und dann das Ende der Sklaverei in den USA zu verkuenden.

    Jefferson reagierte: Frankreich, Spanien (die Kolonialmacht der anderen Gebiete auf Haiti – die heutige Dominikanische Republik) und die USA verhaengten ein Embargo gegen Haiti. Jeffersons Hoffnungen, dass nach Haiti geschleuste Banden schafften, was Napoleon vergeblich versucht hatte, zerschlugen sich aber. Jedoch wurde Dessallines am 17/10/1806 ermordet.

    Das machte sich Jahre spaeter bemerkbar, als am 11/07/1825 die Franzosen noch einmal eine Flotte nach Port-au-Prince schickten. Der neue Mann an der Spitze, Jean-Pierre Boyer, hatte keine Hemmungen, mit den Franzosen zu kungeln (anstatt die Haitianer erneut zu den Waffen zu rufen) und einen Vertrag zu unterschreiben, mit dem Haiti an Frankreich eine Entschaedigung zahlte – fuer den Verlust der Kolonie und der Sklaven. Das beendet die aufstrebende Linie der Geschichte Haitis, das an der Entschaedigung bis 1947 zu zahlen hatte.

    Oder denken wir daran, dass in Mexiko nach der Unabhaengigkeit von Spanien 1821 solche Knallchargen wie Santa Ana in hohen Posten verblieben. Besagter Santa Ana liess es zu, dass ab 1830 US-Buerger mitsamt ihren Sklaven anch Texas einwandern konnten, obwohl die mexikanische Verfassung von 1824 die Sklaverei und das den Indianern Angetane als „verdammungswuerdige Verbrechen“ bezichnet hatte. So kam es letztlich zur Abtrennung von Texas von Mexiko 1836 und dem Anschlss an die USA 1845.

    Leute wie Santa Ana haben es auch zu verantworten, dass Mexiko Kredite aus USA zu entsprechenden Konditionen annahm und Investitionen in Militaer, Industrie und Infrastruktur unterblieben. Wegen einer verspaetet bezahlten Rate des Kredits erklaerte USA-Praesident Polk 1846 Mexiko den Krieg, der Mexiko weitere Gebiete kostete.

    Oder denken wir an die Ermordung von Thomas Sankar im Oktober 1987, veranlasst von seinem Stellvertreter Blaise Campaore mit Unterstuetzung Frankreichs, Francois Mitterrand damals Praesident in Paris. Sofort wurde die Politik der eigenstaendigen Entwicklung abgebrochen, und Burkina Faso wieder zur franzoesischen Quasi-Kolonie degradiert.

    „Gorbi“ hatte also viele Vorlaeufer und Vorblder. Kam er wirklich so ueberraschend? Ich denke: nein.

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    1. Vielen Dank, Samy, für den interessanten historischen Exkurs. Du hast recht. Aus jeder mißglückten Revolution kann man lernen. Auch die russischen Arbeiter lernten nach dem „Blutigen Sonntag“ im Januar 1905, unter Führung der Partei der Bolschewiki (Lenin), ihre Kräfte erneut klug zu bündeln, um 12 Jahre später die entstandene revolutionäre Situation zu nutzen, und die Oktoberrevolution zum Siege zu führen. Ebenso gelang es, nach der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung 1949 auch auf deutschem Boden (der DDR) die Macht des Kapitals zu brechen und eine sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten.

      Tatsächlich begann die Konterrevolution in der UdSSR nach der Ermordung Stalins mit Chruschtschows verbrecherischer „Geheimrede“ auf dem XX.Parteitag der KPdSU. Letzteres konnte Gen. Dr. Kurt Gossweiler (u.a. mit seiner „Taubenfußchronik“) eindeutig nachweisen. (s.a. http://www.kurt-gossweiler.de)

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  3. Ganz hervorragend dieser Eintrag – eine bittere Wahrheit, die viele Menschen ENDLICH registrieren und daraus lernen sollten!!!
    Zur Bekräftigung und Untermauerung der Gedankenführung hier ein kleiner Auszug aus einem Buch von Klaus Huhn:

    – 2004
    Erklärung Gorbatschows vor den Schülern der Hildegard-Wegscheiden-Oberschule in Berlin-Wilmersdorf: „Wenn ich mich an die Mauer in Berlin erinnere, spüre ich heute noch Entsetzen über dieses Bauwerk.“
    Über seine Eintragung im „Mauer-Gästebuch“ aus dem Jahre 1986 verlor er an diesem Tag kein Wort. Die lautete: „Am Brandenburger Tor kann man sich anschaulich davon überzeugen, wieviel Kraft und wahren Heldenmut der Schutz des ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden vor den Anschlägen des Klassenfeindes erfordert. Die Rechnung der Feinde des Sozialismus wird nicht aufgehen. Das Unterpfand dessen sind das unerschütterliche Bündnis zwischen der DDR und der UdSSR … Ewiges Andenken an die Grenzsoldaten, die ihr Leben für die sozialistische DDR gegeben haben.“ –

    Bemerkenswert zudem, daß gerade dieser Mann 1998/1999 in Ankara der Weltöffentlichkeit mitteilte, daß die „Vernichtung des Kommunismus“ sein eigentliches Lebensziel gewesen sei …

    „Von zwei Millionen blieben
    Kaum eine Handvoll grad.
    Es hat sie aufgerieben
    Gorbatschows Verrat.“
    ( Aus „Die Partei“ von Peter Hacks )

    Danke für diesen Beitrag, lieber Norbert, und noch ein schönes Wochenende.
    Marita

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    1. Der von mir zitierte Auszug ist aus dem Buch „Wahrheiten über Gorbatschow“ von Klaus Huhn – Seite 17 einer entsprechenden Sonderausgabe.

      Herzliche Grüße!

      Danke, Marita!
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  4. Ich halte es für sehr gefährlich und letztlich auch wenig erhellend, das zunächst verborgene, später aber recht offene konterrevolutionäre Treiben gewisser historischer Persönlichkeiten nur allein in deren persönlichen Fehlverhalten oder geheimen antikommunistischen Ambitionen zu suchen.
    Die kommunistischen und Arbeiterparteien der sozialistischen Länder vereinigten Millionen von Mitgliedern, allein in der DDR Ende 1989 ca. 2,3 Millionen erwachsener Frauen und Männer – bei einer Gesamtbevölkerung von 17 Millionen!
    Die KPDSU hatte natürlich noch viel mehr Mitglieder.
    Wie konnte es nun passieren, wie war es möglich, dass diese Millionenmassen von „Kommunisten“(?) sich von einigen Scharlatanen blenden ließen?
    Was ist da alles über viele Jahre hinweg schief gelaufen?
    War es doch die in allen sozialistischen Ländern teilweise noch unreife Ökonomie, fehlende Perspektiven zu ihrer weiteren Fortentwicklung, die dem Opportunismus und Revisionismus Vorschub leisteten?
    Welche Rolle mögen da die ökonomischen „Lockangebote“ des „Westens“ ab Ende der 60er Jahre gespielt haben?
    „Wandel durch Annäherung“ war doch ein ganz offen, lauthals verkündetes Programm der westlichen Strategen.
    Wieso wurde das ignoriert?
    Ich denke, hier gibt es noch vieles aufzuklären.

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  5. Der Revisionismus (!) ist immer gefährlich – in welcher Spielart auch immer. Mit der Verschärfung des Klassenkampfes (auch nach der Gründung der DDR bzw. schon nach der Errichtung des Sozialismus in der UdSSR) war zu rechnen. Darauf hatte Stalin mehrfach hingewiesen. Und das führte auch zu Konsequenzen!

    Natürlich gab es unter den Mitgliedern der SED (das wußten wir!) auch „Karrieristen“ und „Opportunisten“ – aber das ist nicht der Punkt. Man kann den Menschen nicht ins Hirn schauen. Wäre das aber von entscheidender Bedeutung gewesen, hätte die Sowjetarmee im Großen Vaterländischen Krieg niemals siegen können. Man muß die Warnungen immer wieder wiederholen, auch wenn die Worte schon wie Asche in unserem Mund sind (frei nach Brecht).

    Siehe: http://sascha313.blog.de/2010/06/07/wesen-revisionismus-8752400/

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  6. Einer der schönsten und klügsten Sätze von Engels, schon vor ewiger Zeit gelesen und nie vergessen, lautet, dass der Sozialismus, nachdem er nun zu einer Wissenschaft geworden ist, auch als solche behandelt werden muss.
    Das bedeutet doch, dass gerade Mitglieder einer kommunistischen Partei unablässig studieren, sich fortbilden, im Verlauf vieler Jahre immer tiefer in die Materie des wissenschaftlichen Sozialismus eindringen müssen.
    Ich denke persönlich, dass da Parteilehrjahre und Kurse nicht genug sind, auch individuell müssen wirkliche Kommunisten, Anhänger des wissenschaftlichen Kommunismus sich fortbilden, einschließlich des Fortganges in den Naturwissenschaften, der Technik etc…
    Eine Avantgarde muss immer weiterschreiten, darf sich niemals auf einmal Erreichten gemächlich ausruhen.
    Lenin und Stalin haben darauf oft aufmerksam gemacht.
    Und nun, so im Nachhinein, müssen wir ehrlich sagen, dass sie undbedingt Recht hatten, ihre Mahnungen, Hinweise aber oft nicht so „streng“ befolgt wurden.
    Den Klassengegener darf man eben niemals unterschätzen, mag er auch eine Schlacht, sogar einige verloren haben, so lange er noch Schlupflöcher hat, größere Territorien und Menschenmassen beherrscht, wird er niemals ruhen, wird nach Niederlagen lernen, zu Gegenschlägen ausholen.
    Und das trifft auch und gerade auf die aktuelle Lage in ganz Europa zu, überall werden gewaltige (a)soziale Konterrevolutionen eingeleitet, werden ehemals von den Lohnknechten erkämpfte Fortschritte Stück für Stück zunichte gemacht, euphemistisch-verlogen umschrieben mit „Reformen“ oder „Sparanstrengungen“, „Rettungen“ aller Art.

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