Johannes R.Becher: Die DDR – ein Menschen-Staat

Staat

Trümmerfrau – Plastik von Fritz Cremer (DDR)

Der Staat

Ein Staat geboren aus des Volkes Not
Und von dem Volk zu seinem Schutz gegründet –
Ein Staat, der mit dem Geiste sich verbündet
Und ist des Volkes bestes Aufgebot –

Ein Staat, gestaltend sich zu einer Macht,
Die Frieden will und Frieden kann erzwingen –
Ein Staat auf aller Wohlergehn bedacht
Und Raum für jeden Großes zu vollbringen –

Ein solcher Staat ist höchster Ehre wert,
Und mit dem Herzen stimmt das Volk dafür,
Denn solch ein Staat dient ihm mit Rat und Tat –

Ein Staat, der so geliebt ist und geehrt,
Ist unser Staat und dieser Staat sind wir:
Ein Reich des Menschen und ein Menschen-Staat.

Johannes R.Becher

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Evamarie Badstübner-Peters schreibt dazu:

1949 und in den folgenden Jahren mußte unser junger Staat einen schweren Kampf gegen die Angriffe der imperialistischen Reaktion führen, die mit Sabotageakten, Sprengstoffan-schlägen, Wirtschaftskrieg und ideologischer Diversion gegen die erste deutsche Arbeiter-und-Bauern-Macht auf den Plan trat. Sogar in der Provisorischen Volkskammer saßen Feinde, wie sich herausstellte. Der stellvertretende Volkskammerpräsident Hugo Hickmann (CDU) und der Fraktionsvorsitzende dieser Partei, der sächsische Finanzminister Gerhard Rohner, arbeiteten den imperialistischen Kräften in der BRD in die Hände. Hinter ihnen standen bekannte Konzerne wie AEG, Telefunken und Flick. Allerdings wurden sie sehr bald entlarvt und aus ihren Funktionen entfernt.

Aber auch in breiten Kreisen der Bevölkerung, selbst unter Arbeitern, gab es noch unklare Vorstellungen von der Rolle der Arbeiterklasse und Mißtrauen oder Zweifel gegenüber der Partei der Arbeiterklasse. Viele Menschen vermochten nicht, sich vorzustellen, daß die kleine, rohstoffarme DDR auf die Dauer existieren könnte – sie kannten die Kraft der internationalen Solidarität noch nicht. Verbunden mit der Sowjetunion und den anderen sozialistischen Ländern widerstand unsere Arbeiter-und-Bauern-Macht allen Provokationen und entwickelte sich zu einem stabilen und leistungsfähigen sozialistischen Staat.

Quelle:
Evamarie Badstübner-Peters: Wie unsere Republik entstand, Illustrierte historische Hefte 2,
Zentralinstitut für Geschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR (Hrsg.), 1976, S.34.

Siehe auch:
Die DDR war ein Rechtsstaat
Friedrich Engels: Über den Staat

20 Gedanken zu “Johannes R.Becher: Die DDR – ein Menschen-Staat

  1. Ja, eine humanistische Bildung erfolgte in der DDR, eine Erziehung zu Frieden und Völkerverständigung. Die Gesetze, unsere Gesetze waren menschlich, für jeden verständlich und klar, ohne Hintertüren und Floskeln. Dass sie nicht immer im Sinne der Menschen angewendet wurden, liegt nun mal daran, dass diese Ausführung immer von Menschen erfolgt und diese durch ihre Taten entweder diese Gesetze bestätigen oder verbiegen. Wie viele haben schon lange nicht mehr an diesen Staat geglaubt, waren aber in führenden Positionen und haben durch ihren Schlendrian, ihren Eigennutz, zur Beschleiunigung des Niedergangs aktiv beígetragen. Will man einen Staat einschätzen, so muß man zuerst dessen Gesetze ansehen. Sind sie für die Bevölkerung gemacht, dienen sie dessen Interessen, dann ist es nur notwendig diese Gesetze auch durchzusetzen, ihnen Geltung zu veschaffen. Sind die Gesetze gegen die Bevölkerung gemacht, dann hilft alles Laborieren nicht, dann kan der Staat nur bekämpft und das System geändert werden

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  2. Nunja, zitat: „Will man einen Staat einschätzen, so muß man zuerst dessen Gesetze ansehen.“ Vom jetzigen Grundgesetz her, sind wenigstens die 20 Grundrechte eigentlich sehr gut…nur leider hält sich diese Einheitspartei nicht daran, wo steht: „Die würde des Menschen (also jedes einzelnen Menschen/Bürgers) ist unantastbar“, meinen die eher die würde derer die das Geld haben ist unantastbar. Sie machen was sie wollen, ob das Grundgesetz nun da ist oder nicht.
    Ein Politiker hatte vor einiger Zeit gesagt, als sein Kollege ihm auf das Grundgesetz aufmerksam machte: „Hör mir auf mit diesem Scheiß!“…das sagt wohl alles (ging mal ganz klein nur, kurzfristig durch die Presse).
    Übrigens war ich letztens an den Grundgesetztafeln in Berlin, wiegesagt es gibt 20 Grundrechte, es waren aber nur 19 Glastafeln aufgestellt, das Grundrecht Artikel 20 fehlte:
    „1) Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.
    (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.
    (3) Die Gesetzgebung ist an die verfassungsmäßige Ordnung, die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung sind an Gesetz und Recht gebunden.
    (4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

    Warum fehlt diese Tafel mit diesem Grundrecht wohl wohl??? doch nicht etwa wegen dem recht auf Widerstand?

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  3. Hmm, kann ich nicht sagen. Der Artikel 20 GG (Grundlagen staatlicher Ordnung, Widerstandsrecht) gehört formell nicht zu den Grundrechten. Da steht ja auch drin: „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ – Ja, wo geht sie denn hin – das wird man doch mal fragen dürfen, oder? Irgendwohin muß sie ja gehen…

    Das Grundrecht auf Arbeit, eines der wichtigsten Grundrechte in einer hochentwickelten Gesellschaft, wird man im Grundgesetz der BRD vergeblich suchen, dafür ist kein Artikel so lang wie der 12a über die „Wehr- und Dienstpflicht“. Und es gibt genügend Absätze im GG, die die vielgepriesene Freiheit unmd die angeblich „unantastbare“ Würde des Menschen wieder einschränken.
    (siehe: Was sind eigentlich Menschenrechte?)

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    1. Ahja, da hast Du recht, § 20 gehört formell nicht zu den Grundrechten. Es mag dann weitere Gesetze im GG geben, die die Freiheit und Würde einschränken, allerdings steht dort auch, das die § der Grundrechte nicht verändert werden dürfen („Ewigkeitsklausel“) bei allen anderen dürfen änderungen nach beschluss (Bundestag) gemacht werden…wenn ich das richtig im Hinterkopf habe.
      Bei 1-19 gibt es keine Eingriffsrechte des Staates…eigentlich, aber wie geschrieben, hält sich niemand daran. Es ist doch traurig, das man seine Grundrechte erst mühsam erklagen muss, wenn man denn genügend Geld hat, und einen langen Atem hat.

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    1. So siehts aus. Ebenso dürfte es auch nicht einen Obdachlosen geben, da gab es letztens einen Artikel dazu, es wurde so gedreht, das das keine Obdachlosen sind, sondern die „machen das ja freiwillig“ und dann (wie immer vergleiche mit dem Ausland) in Amerika gibt es ja die „richtigen“ Obdachlosen-sinngemäß.
      Der Bundestag sieht das sicher anders, das sie jemals etwas gegen die würde des Menschen beschlossen haben, denn die leben in einer ganz anderen Welt….aber nicht in unserer, oder es interessiert die gar nicht.
      Kapitalisten eben, Ausbeuter usw. kann man tatsächlich SO sagen.

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  4. Die Vorzüge des Sozialismus sind eben unbestreitbar? Das Einzige was am Sozialismus unbestreitbar ist, ist der Umfang des Versagens – moralisch wie ökonomisch. Die Verfassung der DDR enthielt zahlreiche Grundrechte, die wir auch heute kennen – Versammlungsfreiheit (Art.28), Meinungsfreiheit (Art. 27), Post-und Fernmeldegeheimnis (Art. 31), Reisefreiheit (Art.33). Der Staat hat alle Grundrechte mit Füßen getreten und sich dabei häufig noch nicht mal die Mühe gemacht die Einschränkungen wenigstens gesetzlich zu normieren und da reden Sie von einem Rechtstaat?
    Wirtschaftlich konnten die Kommunisten nie die selbstgesteckten Ziele erreichen oder mit der technischen Entwicklung Schritt halten. Ganze Landstriche wurden ökologisch verwüstet – um die Gesundheit der Bevölkerung (Art.35) hat sich die Regierung einen Dreck geschert. Der Lebensstandard konnte nur auf Kosten der wirtschaftlichen Substanz und mit West-Krediten einigermaßen aufrechterhalten werden. Selbst der für Sie sicher unverdächtige DDR-Wirtschaftsminister Günter Mittag musste dies in einem Spiegel-Interview einräumen.
    Sie schreiben man müsse einen Staat nicht von seinem Ende, sondern von seinem Anfang her Beurteilen. Ich teile diese Meinung zwar nicht aber schauen wir uns doch den Anfang mal an: Eine Besatzungsmacht errichtet eine Ein Parteien-Diktatur, die wie Sie ja indirekt selbst einräumen von der Bevölkerung abgelehnt wird. Wenn das für Sie ein guter Anfang ist, brauchen Sie sich über das Ende nicht zu wundern.

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  5. Gegen Unkenntnis hilft nur eines: sich mal informieren. Gegen verleumderische Falschaussagen hilft nur – löschen!
    Ich lasse Ihren Kommentar hier trotzdem stehen, mache mir aber nicht die Mühe, dies Punkt für Punkt zu widerlegen. Das wurde (auch hier) bereits mehrfach getan. Sie wiederholen hier nichts anderes, als das, was jeden Tag irgendwo in den bürgerlichen Zeitungen steht. Über Herrn Mittag müssen wir hier nicht reden, doch Sie wissen so gut wie ich, daß der Kapitalismus nicht die ultima ratio sein kann, und daß jede Alternative dazu von Anfang an aufs heftigste bekämpft wurde und wird. Ihre Schlaumeierei ist daher völlig unangebracht…

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  6. Gerhard767 ….
    09. Dez 2012 @ 18:50:28

    …fragt rein metaphorisch: „Die Vorzüge des Sozialismus sind eben unbestreitbar?“

    Ja, ja…, wenn er von genügend gebildeten und kultivierten Menschen errichtet wird, von heute noch mehrheitlich lohnabhängigen Menschen, sprich: modernen Proletariern, aus möglichst allen Berufen und aller Bildungsabschlüsse, wenn dieser Aufbau auch noch erfolgen kann ohne feindliche imperialistische Einmischungen, aufgezwungenen Wettrüsten, Spionage- und Sabotageaktionen, Kriegsdrohungen und selbst Aggressionen, also in einer Welt ohne NATO und imperialistische „Führungsmächte“, dann dürften die Vorzüge des Sozialismus, insbesondere im Hinblick auf den Entwicklungsstand der heutigen Produktivkräfte, des allgemeinen Kulturniveaus vieler Menschen, für jedermann unstreitbar sein.
    Natürlich nicht für Menschen, die sich eine Welt ohne Ausbeutung anderer Menschen, ohne Reichtum auf Kosten anderer, armer, besitzloser Leute, nicht vorstellen können und wollen.
    Für sie, also jene, die andere arme abhängige Menschen für ihre „persönliche Freiheit“ als Fußabtreter brauchen, ist natürlich jeder Sozialismus und Kommunismus ein „Gulag“!
    Was nun den zunächst verflossenen realen Sozialismus betrifft, so sollte man ihn nicht ideologisch, sondern wissenschaftlich betrachten, erforschen, mit der dazu einzig sinnvollen und wissenschaftlichen Methode, nämlich den historischen Materialismus.
    Also nicht immer allein fragen, was die damaligen Herrschaften, also Generalsekretäre und sonstige Leute in bestimmten Positionen dachten und wollten, sondern was für Möglichkeiten, Spielräume es für sie gab, in welchen eigenen gesellschaftlichen als auch internationalen Rahmen sie zu handeln, zu regieren hatten.
    Geht man so an die Sache heran, dann ergeben sich auch genügend Ansatzpunkte, um wirkliche oder vermeintliche Fehler, Irrtümer zu erhellen, aus diesen für die Zukunft vernünftige Schlüsse zu ziehen, mit dem Ziel, es zukünftig besser, erfolgreicher zu machen.
    Billige Hetze und Verteufelung sind nur durchsichtige billige Mittelchen, um sich mit den jetzigen Verhältnissen zu arrangieren, aus welchen persönlichen Motiven auch immer.

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  7. Ich unterstelle Herrn Gerhard767 nicht, daß er so dumm ist, die vom Kapitalismus (und heute: Imperialismus) begangenen Verwüstungen (einschließlich der ökologischen!) und der Morde und anderer Verbrechen (einschließlich der Raubkriege und Annexionen!) zu übersehen. Die Liste ist überlang. Man weiß nicht, wo anfangen und wo enden. Und da er so blind nicht sein kann und so dumm auch nicht, erscheint sein Kommentar als provokativ. Man muß allerdings einräumen: Wer fleißig und andächtig die Kommentare und Berichte aus Zeit, Welt und Bild liest, bleibt von deren Demagogie (Lügen, Fälschungen usw.) zumeist nicht ganz unangefochten. Ein „Versagen“ des Sozialismus? Das war es nicht, denn das stimmt einfach nicht. Wohl aber muß man konstatieren, daß die (ja notwendige!) Diktatur des Proletariats demontiert wurde. Und diesen Werdegang gilt es zu untersuchen, und nicht das angebliche „Versagen“. Dann erscheinen nämlich auch die unbestreitbaren Vorzüge des Sozialismus in einem anderen Licht!

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  8. Mir war gar nicht bewusst, dass der Inhalt der Verfassung der DDR in der bürgerlichen Presse problematisiert wird. Mein Exemplar jedenfalls stammt original aus dem Staatsbürgerkundeunterricht und ich brauche nicht von irgendjemandem beeinflusst zu werden um den Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu erkennen. Sie haben doch damit angefangen sich über angebliche Grundrechtsverletzungen hierzulande aufzuregen. Ich habe Ihnen nur den Spiegel vorgehalten. Der Korrektheit halber möchte ich hier jedoch einschränken, dass Art. 33 der DDR-Verfassung nicht als Recht zur Reisefreiheit gewertet werden kann. An den übrigen Punkten habe ich nichts zurückzunehmen.
    An eine ultima ratio-Lösung glaube ich nicht. Ich glaube aber an Zielkonflikte zwischen Effizienz und Gerechtigkeit; Freiheit und Gleichheit; Wohlstand und Nachhaltigkeit, Dynamik und Stabilität. In diesen Spannungsfeldern muss sich die Politik bewegen und eine Lösung finden, die für die Bürger akzeptabel ist und die zukünftigen Generationen nicht übervorteilt. Ob der historische Materialismus uns bei der Lösungssuche behilflich sein kann vermag ich nicht zu beurteilen.
    Wissen Sie, ich dachte immer alle Linken glauben jetzt, die DDR sei gescheitert, weil sie undemokratisch war und die Bürgerrechte nicht respektierte. Und deswegen versuchen sie jetzt den Menschen den Sozialismus „light“ zu verkaufen. Nun hier schein ich aber bei den Anhängern der „retro“- Variante gelandet zu sein. Aber vielleicht können wir uns ja in einem Punkt einig werden: Ob die DDR nun demokratisch war und die Bürgerrechte respektierte oder nicht – Gysi & Co liegen total falsch, wenn sie glauben, sie sei daran gescheitert. Es gibt genügend Beispiele für zumindest wirtschaftlich funktionierende Diktaturen wie auch für Demokratien, die wirtschaftlich nichts auf die Reihe kriegen.

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  9. Tja, das sind ja nun gleich mehrere Fragen auf einmal. „Retro“ ist Unfug, die DDR „zurückhaben“ wollen auch. Und – „die“ Linken gibt es nicht! Mit Gysi und Konsorten gebe ich Ihnen recht. Mit dem Kommunismus haben diese Leute recht wenig am Hut. Wir reden hier vom Marxismus-Leninismus, dem dialektischen und historischen Materialismus, der – wohlgemerkt – kein Dogma ist (Zielkonflikte inbegriffen). Aber doch eben eine wissenschaftliche Weltanschauung, nicht nur irgendeine Ideologie. Dazu gehören Liebknecht, Luxemburg ebenso wie Thälmann, Pieck und Stalin. Ja, und wie kann man nun rauskriegen, ob es funktioniert? In der Chemie kann man vorher – bildlich gesprochen – die Knallgasprobe machen, in der Gesellschaft geht das nicht. Hier sind es immer Erwägungen, denen wissenschaftliche Erkenntnisse zugrundeliegen sollten. Da spielen Interessen eine große Rolle. Doch die letztlich entscheidende Frage ist immer: In wessen Händen befinden sich die Produktionsmittel, die Banken, der Grundbesitz usw. – sind sie Privatbesitz, dann haben wir Kapitalismus, sind sie Volkseigentum (d.h. in den Händen der arbeitenden Menschen), dann führt dies zum Sozialismus. Bis dahin kann natürlich auch vieles schiefgehen, das haben wir ja erlebt. Dennoch ist das letztere die bessere Wahl: ein „Menschen-Staat“ eben, wo nicht das Geld regiert, sondern die Menschlichkeit. Da fragen Sie mal die einfachen Arbeiter! Sagen wir mal so: Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben…

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  10. Eigenartig: ich dachte immer die Knallgasprobe hätten Sie nun hinter sich, aber mal im Ernst:
    In wessen Händen soll das Kapital auch sonst sein: entweder es ist in Privatbesitz oder in Staatsbesitz; ist es in Staatsbesitz reden Sie von Volkseigentum – geschenkt. Aber Eines würde mich ja doch interessieren. Wo ziehen Sie eigentlich die konkrete Grenze? Immerhin spricht Marx von einer Stufentheorie und da möchte man doch wissen, wann man auf der nächsten Stufe steht. Schließlich gab es ja in fast allen sozialistischen Ländern auch Privatbesitz, ja sogar private Unternehmen, unter Ulbrecht mehr als unter Honecker; in Ungarn mehr als in der SU. Andererseits gab und gibt es in westlichen Ländern Staatsunternehmen. Bahn und Post etwa waren früher in Staatshand und sind es zum Teil immer noch. In Frankreich hat der Sozialist Mitterand zahlreiche Großbetriebe verstaatlicht. Seine Politik war natürlich nicht sehr erfolgreich und so manches Luftschloss musste später wieder eingerissen werden. Warum aber wurde Frankreich nie zum sozialistischen Lager gezählt – war die Staatsquote noch nicht hoch genug oder lag es vielleicht doch an den freien Wahlen? Wie hoch muss der Anteil der Staatsbetriebe sein, damit ein Land als sozialistisch durchgeht? Und welche wissenschaftliche Erkenntnis bringt uns diese Aufteilung?
    Wenn sich Frankreich morgen entschließen sollte diese Politik zu wiederholen oder noch extremer umzusetzen – meinetwegen. Und wenn der sozialistische Präsident Hollande dann irgendwann am Punkt x behauptet Frankreich sei jetzt sozialistisch soll es mir auch recht sein. Ich weiß nur nicht warum alle so tun, als sein sie hier an einer riesigen Sache dran, die die ganze Welt auf Kopf stellt. Für mich ist das was Sie Sozialismus nennen nichts anderes als eine Diktatur mit hoher Staatsquote.

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  11. Naja – da kommen wir der Sache schon näher. Das Beispiel mit der Knallgasprobe habe ich nur gewählt, um es nicht gar zu kompliziert zu machen. 😉 Aber mal im Ernst: Wie ist das denn heute – die Profite werden privatisiert, und die Verluste sozialisiert, oder? Staatsquote hin oder her – Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber vielleicht sollten wir an dieser Stelle mal einen Grundkurs über die Unterschiede zwischen Sozialismus und Kapitalismus einflechten. Mit der Diktatur haben Sie absolut recht. Warum sollte man den privaten Profiteuren nicht mal die Nägel beschneiden? Es ist eben nicht geschenkt, wem die Betriebe, Banken und der Grundbesitz gehören. Entweder einer Handvoll Kapitalisten oder der übergroßen Masse des Volkes, der Klasse der Arbeiter. Und der Staat ist eben nun mal nichts anderes als ein Machtinstrument der einen oder der andern Klasse. Was hätten wir denn in der DDR wählen sollen – zurück zum Kapitalismus, zur Ausbeutung durch die Thyssen, Krupp und Görings? Nein. Wir waren froh, daß wir diese Verbrecherbande loswaren, die Deutschland in den bisher furchtbarsten aller Kriege geführt hatte. Da gab es keine Alternative, und dafür waren wir der Sowjetunion unendlich dankbar, die meisten natürlich! Daß es auch welche gab, denen diese Richtung nicht gepaßt hat – geschenkt! Es ist eben sehr vielschichtig. Dennoch: danke für Ihre Diskussion! Es ist gut sich darüber auszutauschen!

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  12. Ich habe eigentlich nicht gemeint, dass es mir egal ist ob Banken, Betriebe und Grundbesitz in Privat- oder Staatsbesitz sind. Ich habe hierzu nur eine andere Meinung – aber die will ich mal hinten anstellen. Meine eigentliche Frage wo Ihrer Meinung nach die rote Linie zwischen Kapitalismus und Sozialismus läuft konnten Sie jedenfalls nicht schlüssig beantworten. Dabei ist die Antwort ja keineswegs offensichtlich und auch unter Linken nicht unumstritten. Die starke Zersplitterung im linken Spektrum ist ja ein offensichtliches Zeichen für diese Uneinigkeit heute wie früher. Jeder glaubt irgendwie den heiligen Gral gefunden zu haben. Gysi hat seine Meinung Sie haben Ihre. Der französische Sozialist Pierre-Joseph Proudhon prägte den Satz „Eigentum ist Diebstahl“ – naja so hat eben jeder seine Ansichten. Aber wie dem auch sei, ich konnte in Ihren Beiträgen keinen Hinweis darauf finden, dass meine Unterhose ebenfalls in Volkseigentum übergehen soll. So haben wir eine unübersichtliche Lage: ich will mehr Privateigentum als Gysi; Gysi mehr als Sie; Sie wohl mehr als Proudhon. Ich nehme als einziger in dieser Kette nicht für mich in Anspruch ein Sozialist zu sein, aber bei den Neo- Konservativen in den USA würde ich wohl ohne weiteres als ein solcher durchgehen. Mir scheint Sie haben die Welt aufgeteilt in ein klares schwarz-weiß-Schema: Kapitalismus, Sozialismus; Gut und Böse. Ich nutze die Begriffe Kapitalismus und Sozialismus zwar gelegentlich selbst aber eigentlich sind es auch nur Dogmen, ohne allgemeingültige Definition. Es ist eben wie Sie selbst sagen sehr vielschichtig. Solange Sie sich aber in diese Dogmen verbeißen wird es wohl schwierig über die Frage zu reden wie viel Staat ist sinnvoll und wo liegen hier die Zielkonflikte. Was aber nun die Sozialisierung von Verlusten angeht, da gebe ich Ihnen völlig Recht: Chancen und Risiken müssen in einer Hand bleiben.

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  13. Zum Thema Volkseigenum habe ich noch was Interessantes gefunden: siehe hier.

    Der Gysi ist ein Schwätzer. Erich Honecker charakterisierte ihn so: „Es spricht von Arroganz und Zynismus, wenn Herr Gysi alles das, was die Bürger heute schmerzhaft vermissen, als „Feudalismus“ und „Stalinismus“ und die SED als „reaktionäre Partei“ bezeichnet. Gleichwohl hat er und manche Leute, die so reden wie er, alle Möglichkeiten, die der Arbeiter-und-Bauern-Staat dieser Generation bot, einschließlich seine Ausbildung voll genutzt.“ (siehe: hier)

    Für Schwarz-Weiß-Malerei bin ich nicht, dafür ist die Sache zu kompliziert. Und man lernt immer dazu. Aber zwischen Freund und Feind zu unterscheiden ist schon erheblich leichter…

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