Syrisches Tagebuch

089bad71ef714d1c43eef019deeIn einem Internet-Blog fanden wir folgenden aufrüttelnden Beitrag. Die mutige, junge Journalistin Anastasia Popowa hielt sich mit einem Kamerateam 7 Monate lang in Damaskus und anderen Städten Syriens auf, sprach mit den Einwohnern, folgte den Soldaten der syrischen Volksarmee bei ihren gefährlichen Einsätzen im Kampf gegen die vom Westen eingeschleusten Banditen (ein zusammengewürfelter Haufen, oftmals unter Drogen stehender, gegen stinkende Dollars gnadenlos mordender Söldner). Oftmals entging das Kamerateam nur knapp dem Tode durch Scharfschützen, die alles hinschlachteten, was ihnen vor’s Visier ihrer automatischen Waffen oder unter’s Messer kam. Egal ob Kinder, Greise oder friedliche Bewohner. Im Gedenken an Amir Abu Dschafar, den lebenslustigen und heldenhaften Soldaten der syrischen Volksarmee, der von den Banditen bestialisch gefoltert und ermordet wurde…

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Ein zynisches Spiel…

Schulmassakerein Mädchen aus Beslan

Newtown 2012, Utøya 2011, Emsdetten 2006, Erfurt 2002 – es sind bei weitem keine Einzelfälle. „Don’t ask Why…“ schreibt eine amerikanische Zeitung. Frage nicht warum! – Ja, warum eigentlich nicht? Muß man nicht die Gesellschaft hinterfragen, in der etwas derartiges möglich ist? In der DDR gab es 40 Jahre lang nicht in einziges solches Massaker. Es ist schon seltsam, wenn man heute lesen muß, daß zum Beispiel Psychiater und Soziologen „143 Ereignisse aus den Jahren 1993 bis 2001 ausgewertet“ haben, ohne jemals auf die wahren Hintergründe dieser Mordtaten zu stoßen. Vielmehr werden Intoxikationen, Wahnerkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen als die „wahren“ Ursachen ausgemacht. Es ist schon „ein zynisches Spiel mit dem Tod von zwanzig Erstklässlern!“ Und den Waffenlobbyisten in den imperialistischen Ländern kommt die Diskussion über gewaltverherrlichende Videospiele gerade recht. So können sie die Schuld am Tod der Schüler in Newtown, Erfurt und anderswo bequem auf die Softwareindustrie schieben.
Waffen
Der weltweite Waffenhandel ist ein Milliardengeschäft. Daß dies keine „Heimsuchung“ war, wie von einem Thüringer Ministerpräsidenten behauptet, dürfte klar sein, aber auch „psychische Störungen“ können nicht als Entlastung herhalten. Auch wenn man vielleicht die Waffengesetze verschärft – die Umstände bleiben unverändert. Der Hauptwiderspruch des Kapitalismus bleibt: Es ist der Widerspruch zwischen reich und arm, der Widerspruch zwischen den Besitzern der Produktionsmitteln und der arbeitenden Klasse, der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Das hatte Karl Marx schon vor über 100 Jahren erkannt. Und er rief die Arbeiter dazu auf, sich für die Beseitigung der Wurzel aller gegenwärtigen Übel einzusetzen. „Steh auf, du Arbeitsvolk…!“

Noch Fragen?

Siehe hier:
Woher kommt die kriminelle Gewalt?
Der Krieg ist ein Computerspiel

A.Norden: So werden Kriege gemacht.

Foto:Beslan 2004

Hinweis:
IPPNW: Zielscheibe Mensch. Mit Heckler & Koch ist einer der führenden Kleinwaffenhersteller Europas im schönen Schwarzwaldstädtchen Oberndorf am Neckar beheimatet.* Die Waffen werden exportiert, wohin immer es geht. Nicht weit von Oberndorf, in Villingen-Schwenningen, wird vom 30. Mai bis 02. Juni 2013 der internationale Kongress zum Thema Kleinwaffen stattfinden. Organisiert von der IPPNW in Zusammenarbeit mit der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ werden sich Experten und Interessierte vieler Organisationen über die Auswirkungen dieser Waffen austauschen.
* (Der fast poetische Diminutiv verheißt Harmlosigkeit, in Wirklichkeit handelt es sich hier um einen der brutalsten, aggressivsten Waffenlieferanten Europas.)

Das Russische Wunder

Zur Erinnerung an die am 26.12.2012 im Alter von 87 Jahren verstorbene DDR-Dokumentarfilmregisseurin, die Kommunistin Annelie Thorndike.

Nur wenige Jahre nach der Gründung der DDR erhielten Annelie und Andrew Thorndike vom Kulturministerium der UdSSR die Einladung, einen Dokumentarfilm über dieses riesige Land, das Land Lenins und Stalins, zu drehen. Das war eine große Herausforderung für die beiden noch jungen Regisseure. Herausgekommen sind dabei über 200.000 Meter Filmmaterial (bestehend aus über 10 Millionen Einzelbildern) davon die Hälfte gesammelt in den Archiven. Man müßte 125 Stunden im Kino sitzen, um sich das alles anzusehen. So entstand 1963 ein unvergängliches Heldenepos über das erste sozialistische Land der Erde, der Film „Das Russische Wunder“. Für viele Generationen waren dieser Film, und auch das zuvor erschienene gleichnamige Buch, ein beeindruckendes Dokument revolutionären sowjetischen Kämpfertums. Das wird uns für immer unvergeßlich bleiben. Eines der besten Bilder aus jener heroischen Zeit des sozialistischen Aufbaus in der UdSSR ist das folgende:

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Welches ist das beste Bildungssystem der Welt?

PuskinDE Nachhilfe
D.E. Puskin – Nachhilfestunde

Zugegeben, die Frage ist rein rhetorischer Art. Denn jedes Ding hat seine Entwicklung, und die schreitet fort vom Niederen zum Höheren, vom Einfachen zum Komplizierten. Manchmal aber auch umgekehrt, um dann von Neuem zu beginnen. Dieses „beste Bildungssystem“ der Welt ist bereits Geschichte. Es existiert nicht mehr. Es WAR einmal das beste Bildungssystem der Welt, ein besseres gab es nicht und gibt es nicht: Es handelt sich um
DAS SOWJETISCHE BILDUNGSSYSTEM. Es wurde 1991 mit der Konterrevolution in der Sowjetunion beseitigt. Und warum? Weil diejenigen, die jetzt dort an der Macht sind, die Volksbildung nicht mehr benötigen. Da muß man weiter fragen: Wem nützt eigentlich die Bildung? Was haben die Menschen davon, wenn sie die Zusammenhänge der Natur, der Wissenschaft, der Technik und der Gesellschaft erkennen? Oder andersherum gefragt: Wer könnte ein Interesse daran haben, wenn die Menschen keine Fragen mehr stellen, sondern sich zufrieden geben mit dem, was ihnen zugebilligt wird? Wenn sie alles glauben, was man ihnen erzählt? Wenn sie ihr Schicksal für unabänderlich halten? Die Unbildung nützt der Ausbeuterklasse. Denn ein dummes Volk läßt sich leichter regieren…
In der Großen Sowjet-Enzyklopädie von 1952 heißt es:

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Folgerungen aus der Oktoberrevolution 1917

Oktoberrevolution
Die Große Sozialistische Oktoberrevolution im Jahre 1917 war zweifellos das bedeutendste historische Ereignis in der Geschichte der Menschheit. Erstmals hatte unter der Führung der Partei der Bolschewiki die bisher unterdrückte Arbeiterklasse gemeinsam mit den revolutionären Bauern das Joch der Ausbeutung abgeschüttelt und die Macht der Bourgeoisie gebrochen. Im Jahre 2017 begehen wir den 100.Jahrestag dieser Revolution. Was sind nun die wichtigstenb Folgerungen und Erfahrungen aus dieser Revolution? Darüber schreibt der Historiker, Genosse Dr.sc. Dr.h.c. Kurt Gossweiler:

Der Sieg der Oktoberrevolution wäre nicht möglich gewesen ohne die Weiterentwicklung der marxistischen Theorie durch die Analyse des neuen Stadiums der Entwicklung des Kapitalismus, des Imperialismus, und der sich daraus ergebenden Folgerungen für die marxistische Revolutionstheorie, wie sie durch W.I. Lenin geleistet wurde.

Die wichtigsten Folgerungen für die Revolutionstheorie waren

erstens die Erkenntnis, daß unter den neuen Bedingungen nicht mehr die am meisten entwickelten kapitalistischen Länder am reifsten für die sozialistische Revolution waren, sondern jene Länder welche die schwächsten Kettenglieder des imperialistischen Weltsystems bildeten. Das ist in dieser Aufsatzreihe schon ausführlich behandelt worden;

zweitens die Erkenntnis, daß auf Grund der unvermeidlich ungleichmäßig verlaufenden Entwicklung der verschiedenen Länder und Staaten der Sieg der sozialistischen Revolution nicht unbedingt in mehreren Ländern zugleich erfolgen müsse, sondern daß er auch zunächst in einem einzeln genommenen Land möglich ist.

Beides war eine so unerhört neue, die seit Marx und Engels in der sozialistischen Bewegung gewissermaßen als „ewige Wahrheiten“, als Axiome geltenden Auffassungen geradezu auf den Kopf stellende Sicht, daß sie sofort auf heftigen Widerspruch stieß – damals von Karl Kautsky und Leo Trotzki, zu deren Gefolgsleuten sich heute alle jene machen, die als Ursache für den Untergang der Sowjetunion und ihrer europäischen Verbündeten herausgefunden haben, daß die Oktoberrevolution „zu früh“ gekommen und/oder, weil sie allein geblieben sei.

Im Streit mit Lenin

Leo Trotzki hatte 1906 in seiner Broschüre „Unsere Revolution“ apodiktisch festgestellt, dass vor einem Sieg des europäischen Proletariats ein Sieg der Arbeiterklasse Rußlands nicht möglich sei: „Ohne direkte staatliche Unterstützung des europäischen Proletariats wird die Arbeiterklasse Rußlands nicht imstande sein, die Macht zu behaupten und ihre zeitweilige Herrschaft in eine dauernde sozialistische Diktatur zu verwandeln.“ (Zitiert in Stalin, Werke, Bd.6, S.33) Diese Auffassung Trotzkis beruhte auf seiner Überzeugung, ein siegreiches russisches Proletariat werde seine Macht nicht nur gegen die Bourgeoisie verteidigen müssen, sondern auch gegen die Mehrheit der Bauernschaft. Dies war einer der entscheidenden Differenzpunkte zur Auffassung Lenins und der Bolschewiki.

Zwar stimmte Trotzki mit den Bolschewiki überein, daß in der kommenden Revolution die Arbeiterklasse die führende Rolle spielen müsse. 1922 schrieb Trotzki im Vorwort zu dem Buch „Das Jahr 1905“ über den Inhalt seiner Theorie der „Permanenten Revolution“, sie bringe „den Gedanken zum Ausdruck, daß die russische Revolution wohl unmittelbar vor bürgerlichen Zielen steht, jedoch bei ihnen nicht wird stehen bleiben können. Die Revolution wird ihre nächsten bürgerlichen Aufgaben nicht anders lösen können, als dadurch, daß sie das Proletariat an die Macht bringt.“ Das Proletariat werde zur Sicherung seiner Macht „tiefgehende Eingriffe … auch in das bürgerliche Eigentum vornehmen müssen.“ Damit befand sich Trotzki in weitgehender Übereinstimmung mit den Bolschewiki.

Aber eine – wie sich später zeigen sollte – unüberbrückbare und unvermeidlich zum Bruch führende Differenz zwischen Trotzki und den Bolschewiki bestand in der Einschätzung der Rolle der Mehrheit der Bauernschaft. Die war für Trotzki unwandelbar reaktionär und konterrevolutionär, wie seine weiteren Ausführungen erkennen lassen: „Hierbei wird sie in feindliche Zusammenstöße nicht nur mit allen Gruppierungen der Bourgeoisie geraten, ….. sondern auch mit der breiten Masse der Bauernschaft, mit deren Beihilfe sie zur Macht gekommen ist. Die Widersprüche in der Stellung der Arbeiterregierung in einem rückständigen Lande mit einer erdrückenden Mehrheit bäuerlicher Bevölkerung werden nur im internationalen Maßstab in der Arena der Weltrevolution des Proletariats ihre Lösung finden können.“ (Unterstr. K.G.)

Diese grundfalsche Ansicht Trotzkis ist der Kern seiner Theorie der „permanenten Revolution“: das in Rußland siegreiche Proletariat muß die Revolution nach Europa tragen oder diese werde „auf dem Halm verfaulen.“ (mehr lesen…)

Geschrieben am 8. Mai 2007, veröffentlicht in „Roter Brandenburger“ – Zeitschrift der DKP Brandenburg, November 2007, S.10. (Auszug)

Quelle:
(PDF) Dr. Kurt Gossweiler: Von der Oktoberrevolution zum Sieg des Sozialismus

Die Geschichte hat gezeigt, daß Lenin recht behalten hat. Trotzki entwickelte sich dagegen immer mehr zu einem Feind Lenins, Stalins und der Sowjetunion:
Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki

Siehe auch:
Die Oktoberrevolution 1917
Wie kam es eigentlich zur Oktoberrevolution?
K.Hesse: Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU

Eine revolutionäre Freundschaft: Stalin und Kirow

Stalin und Kirow
Stalin und Kirow (um 1930)

Der begeisterte Revolutionär und Liebling der Partei, S.M. Kirow*, charakterisierte Genossen Stalin mit folgenden Worten:

»Genossen, man kann über die Verdienste unserer Partei, über die Erfolge unserer Partei nicht reden, ohne über den großen Organisator der von uns errungenen gigantischen Siege zu sprechen. Ich meine Genossen Stalin. Ich muß euch sagen, daß er der wirklich vollkommene, wirklich allseitige Verfechter, der Fortsetzer des Werkes ist, das uns der nunmehr schon vor zehn Jahren von uns geschiedene große Begründer unserer Partei hinterlassen hat. Es ist schwer, sich eine solche große Persönlichkeit vorzustellen, wie Stalin es ist. In den letzten Jahren, seit dem Zeitpunkt, da wir ohne Lenin arbeiten, kennen wir keine einzige Wendung in unserer Arbeit, kein einziges größeres Beginnen, keine Losung, keine Neuorientierung in unserer Politik, deren Urheber nicht Genosse Stalin, sondern irgendein anderer gewesen wäre. Die gesamte grundlegende Arbeit – das muß die Partei wissen – verläuft nach den Hinweisen, auf Initiative und unter Führung des Genossen Stalin. 

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Was verstehen wir eigentlich unter „Volkseigentum“?

PCK SchwedtDer volkseigene Betrieb: VEB Petrochemisches Kombinat Schwedt
(Zentrum der Veredelungsindustrie)

Im Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland wird das Eigentum als vermögenswerte privatrechtliche Rechtsposition (Art. 14 GG) bezeichnet, die überwiegend das Äquivalent eigener Leistung, d.h. des Einsatzes eigener Arbeit oder eigenen Kapitals sei. [2] Wie es allerdings dazu gekommen ist, daß jemand Eigentum oder Kapital besitzt, wird an dieser Stelle nicht erklärt. Warum auch. Ausbeutung und Sozialraub gehören zum Geschäft der Bourgeoisie. Das Kleine politische Wörterbuch, erschienen in der DDR, ist da genauer: Eigentum ist eine „historisch entstandene Form der Aneignung der materiellen Güter. Diese Aneignung charakterisiert das Verhältnis zwischen den Menschen im Prozeß der Produktion der materiellen Güter…Die Existenz des Privateigentums an Produktions-mitteln ist die unmittelbare Ursache für die Spaltung der Gesellschaft in antagonistische Klassen und für die Ausbeutung und Unterdrückung der nichtbesitzenden Klassen durch die Klassen, die Eigentümer der entscheidenden Produktionsmittel sind.“ [3] Friedrich Engels hatte im Jahre 1847, kurz bevor es überall in Deutschland zur revolutionären Kämpfen kam, erklärt: „Die Demokratie würde dem Proletariat ganz nutzlos sein, wenn sie nicht sofort als Mittel zur Durchsetzung weiterer, direkt das Privateigentum angreifender, und die Existenz des Proletariats sicherstellender Maßregeln benutzt würde.“ [1] Die Eigentumsfrage ist also die entscheidende Grundfrage der Arbeiterbewegung.

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Stalin: Was ist besser – Sozialismus oder Kapitalismus?

Immer wieder hört von den bürgerlichen Parteien CDU, CSU und SPD einschließlich der Partei „Die Linke“ das dumme Geschwätz, daß die „Marktwirtschaft“ doch die beste aller möglichen Wirtschaftsformen sei. Denn der Sozialismus sei gescheitert und die Planwirtschaft habe sich als uneffektiv erwiesen. Zwar müsse man die Finanzmärkte „unter Kontrolle bekommen“, so tönt es zuweilen, doch zu „Freiheit und Demokratie“ gäbe es keine Alternative. Was für ein demagogisches Gerede! Im Jahre 1930 nutzte J.W. Stalin die Gelegenheit, um auf einem Parteitag der Kommunistischen Partei Rußlands zu der Frage Stellung zu nehmen, was wohl besser wäre, Kapitalismus oder Sozialismus. Natürlich der Sozialismus! Die Praxis hat gezeigt, daß Stalin recht hatte. Und zwar uneingeschränkt!
(Über die „Repressalien“, oder sagen wir besser: über den Klassenkampf, wird noch zu reden sein!) Was ist nun der Unterschied zwischen dem kapitalistischen und dem sozialistischen Wirtschaftssystem? – Wohlgemerkt: das war bereits 1930, damals war der direkte Vergleich noch möglich…

Sowjetunion
Wir haben somit ein Bild von der inneren Lage der UdSSR. Wir haben gleichzeitig damit ein Bild von der inneren Lage in den wichtigsten kapitalistischen Ländern. Unwillkürlich ersteht die Frage: Welcher Art sind die Ergebnisse, wenn man die beiden Bilder gegeneinander hält, sie miteinander vergleicht? (…)
Vergleich
Man schwatzt von „Untergang“ der UdSSR, von „Prosperität“ der kapitalistischen Länder und dergleichen mehr. Wäre es nicht richtiger, von dem unvermeidlichen Untergang derjenigen zu sprechen, die so „unerwartet“ in den Strudel der Wirtschaftskrise geraten sind und sich noch immer nicht aus dem Morast des Niedergangs herausarbeiten können?

Wo liegen die Ursachen eines so ernsten Fiaskos bei ihnen, den Kapitalisten, und so ernster Erfolge bei uns, in der UdSSR?

Man sagt, der Zustand der Volkswirtschaft hänge in vielem vom Überfluß oder Mangel an Kapital ab. Das stimmt natürlich! Erklären sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus unserem Überfluß und ihrem Mangel an Kapital? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, daß die UdSSR viel weniger Kapital besitzt als die kapitalistischen Länder. Wäre im gegebenen Fall der Stand der Akkumulation entscheidend, so hätten wir eine Krise und die kapitalistischen Länder einen Aufstieg.

Man sagt, der Zustand der Wirtschaft hänge in vielem von der technischen und organisatorischen Geschultheit der wirtschaftlichen Kader ab. Das ist natürlich richtig. Erklärt sich nun vielleicht die Krise in den kapitalistischen Ländern und der Aufstieg in der UdSSR aus ihrem Mangel und unserem Überfluß an technischen Kadern? Nein, natürlich nicht! Jedermann weiß, daß die kapitalistischen Länder weitaus mehr technisch erprobte Kader besitzen als wir in der UdSSR. Wir haben nie verheimlicht und tragen uns auch nicht mit der Absicht, es zu verheimlichen, daß wir auf dem Gebiet der Technik Schüler der Deutschen, Engländer, Franzosen, Italiener und vor allem und hauptsächlich der Amerikaner sind. Nein, entscheidend ist hier nicht der Überfluß oder Mangel an technischen Kadern, wenn auch das Problem der Kader für die Entwicklung der Volkswirtschaft von ernster Bedeutung ist.

Vielleicht findet man des Rätsels Lösung darin, daß das Kulturniveau bei uns höher ist als in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Jedermann weiß, daß das allgemeine Kulturniveau der Massen bei uns niedriger ist als in den USA, in England, in Deutschland. Nein, es handelt sich hier nicht um die Kultiviertheit der Massen, obgleich auch sie für die Entwicklung der Volkswirtschaft von gewaltiger Bedeutung ist.

Vielleicht liegt die Ursache hier in den persönlichen Eigenschaften der führenden Männer in den kapitalistischen Ländern? Wiederum nein. Die Krisen wurden gleichzeitig mit dem Anbrach der Herrschaft des Kapitalismus geboren. Schon seit mehr als hundert Jahren kommt es zu periodischen Wirtschaftskrisen des Kapitalismus, die sich alle zwölf, zehn, acht oder weniger Jahre wiederholen. Alle Parteien des Kapitalismus, alle einigermaßen namhaften Vertreter des Kapitalismus, von den „genialsten“ bis zu den mittelmäßigsten, haben ihre Kräfte an der „Verhütung“ oder „Beseitigung“ der Krisen erprobt. Sie haben aber alle eine Niederlage erlitten. Was ist also Erstaunliches daran, daß Hoover samt seiner Gruppe ebenfalls eine Niederlage erlitten hat? Nein, hier handelt es sich nicht um die Führer oder die Parteien des Kapitalismus, obgleich auch die Führer und die Parteien des Kapitalismus dabei von nicht geringer Bedeutung sind. Worum handelt es sich also?

Was ist die Ursache dafür, daß die UdSSR trotz ihrer kulturellen Rückständigkeit, trotz des Mangels an Kapital, trotz des Mangels an technisch erfahrenen Wirtschaftskadern sich in einem wachsenden wirtschaftlichen Aufstieg befindet und an der Front des Wirtschaftsaufbaus entscheidende Erfolge aufzuweisen hat, während die führenden kapitalistischen Länder trotz des Überflusses an Kapitalien, trotz des Überflusses an technischen Kadern und trotz eines höheren Kulturniveaus sich im Zustand einer wachsenden Wirtschaftsfeme befinden und auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung Niederlage auf Niederlage erleiden?

Die Ursache liegt im Unterschied der Wirtschaftssysteme bei uns und bei den Kapitalisten. Die Ursache liegt in der Unhaltbarkeit des kapitalistischen Wirtschaftssystems. Die Ursache liegt in den Vorzügen des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen System.

Was ist das sowjetische Wirtschaftssystem?

Sowjetisches Wirtschaftssystem bedeutet:
1. Die Klassenmacht der Kapitalisten und der Gutsherren ist gestürzt und durch die Macht der Arbeiterklasse und der werktätigen Bauernschaft ersetzt;
2. die Produktionsinstrumente und -mittel, der Boden, die Industriebetriebe usw. sind den Kapitalisten genommen und der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauernmassen übereignet;
3. die Entwicklung der Produktion ist nicht dem Prinzip der Konkurrenz und der Sicherung kapitalistischen Profits untergeordnet, sondern dem Prinzip planmäßiger Leitung und systematischer Hebung des materiellen und kulturellen Niveaus der Werktätigen;
4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse der Bereicherung der Ausbeuterklassen und ihres zahlreichen parasitären Anhangs verteilt, sondern im Interesse systematischer Hebung der materiellen Lage der Arbeiter und Bauern und der Erweiterung der sozialistischen Produktion in Stadt und Land;
5. die systematische Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen und die ununterbrochene Steigerung ihrer Bedürfnisse (der Kaufkraft), die die ständig wachsende Quelle der Produktionserweiterung sind, sind für die Werktätigen eine Garantie gegen Überproduktionskrisen, gegen eine Zunahme der Arbeitslosigkeit und des Elends;
6. die Arbeiterklasse und die werktätige Bauernschaft sind Herren des Landes, sie arbeiten nicht für die Kapitalisten, sondern für ihr eigenes werktätiges Volk.

Was ist kapitalistisches Wirtschaftssystem?

Kapitalistisches Wirtschaftssystem bedeutet:
1. Die Macht im Lande gehört den Kapitalisten;
2. die Produktionsinstrumente und -mittel sind in den Händen der Ausbeuter konzentriert;
3. die Produktion ist nicht dem Prinzip der Verbesserung der materiellen Lage der werktätigen Massen, sondern dem Prinzip der Sicherung eines hohen kapitalistischen Profits untergeordnet;
4. das Volkseinkommen wird nicht im Interesse einer Verbesserung der materiellen Lage der Werktätigen verteilt, sondern im Interesse der Sicherung maximaler Profite der Ausbeuter;
5. die kapitalistische Rationalisierung und das rasche Wachstum der Produktion, die das Ziel verfolgen, den Kapitalisten hohe Profite zu sichern, stoßen auf die Schranke der Verelendung und der materiellen Schlechterstellung der werktätigen Millionenmassen, die nicht immer die Möglichkeit haben, ihre Bedürfnisse auch nur im Rahmen des äußersten Minimums zu befriedigen, was unvermeidlich den Boden vorbereitet für Überproduktionskrisen, für das Wachstum der Arbeitslosigkeit und des Massenelends;
6. die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern sind Ausgebeutete, die nicht für sich selbst, sondern für eine fremde Klasse, für die Klasse der Ausbeuter arbeiten.

Das sind die Vorzüge des sowjetischen Wirtschaftssystems gegenüber dem kapitalistischen Wirtschaftssystem. Das sind die Vorzüge der sozialistischen Wirtschaftsorganisation gegenüber der kapitalistischen Organisation.

Das ist die Ursache dafür, daß es bei uns, in der UdSSR, einen wachsenden Wirtschaftsaufstieg und bei ihnen, den Kapitalisten, eine wachsende Wirtschaftskrise gibt. Das ist die Ursache dafür, daß bei uns, in der UdSSR, das Wachstum des Verbrauchs (der Kaufkraft) der Massen dauernd das Wachstum der Produktion überholt und damit die Produktion vorwärtstreibt, während umgekehrt bei ihnen, den Kapitalisten, das Wachstum des Verbrauchs der Massen (der Kaufkraft) nie Schritt hält mit dem Wachstum der Produktion, sondern ständig hinter ihm zurückbleibt und die Produktion immer wieder zu Krisen verdammt. Das ist die Ursache dafür, daß es bei ihnen, den Kapitalisten, als durchaus normal gilt, wenn während der Krisen der „Überfluߓ an Industriewaren vernichtet und der „Überschuߓ an landwirtschaftlichen Produkten verbrannt wird, damit die hohen Preise gehalten und hohe Profite gesichert werden können, während man bei uns, in der UdSSR, die solcher Verbrechen Schuldigen ins Irrenhaus stecken würde. (Beifall.)

Das ist die Ursache dafür, daß dort, bei den Kapitalisten, die Arbeiter streiken und demonstrieren und den revolutionären Kampf gegen die bestehende kapitalistische Macht organisieren, während wir bei uns, in der UdSSR, ein Bild des großen Arbeitswettbewerbs von Millionen Arbeitern und Bauern vor uns haben, die bereit sind, für den Schutz der Sowjetmacht ihr Leben einzusetzen. Das ist die Ursache für die Stabilität und Festigkeit der inneren Lage der UdSSR, für die Labilität und die Brüchigkeit der inneren Situation in den kapitalistischen Ländern.

Man muß schon sagen, daß ein Wirtschaftssystem, das nicht weiß, was es mit dem „Überschuߓ seiner Produktion anfangen soll, und gezwungen ist, ihn zu verbrennen, während unter den Massen Not und Arbeitslosigkeit, Hunger und Ruin herrschen – daß ein solches Wirtschaftssystem über sich selbst das Todesurteil fällt.

Quelle:
J.W. Stalin: Politischer Bericht an den XVI. Parteitag, in: J. Stalin, Werke, 1954, Bd.12, Dietz Verlag Berlin (DDR), S.278-283.

Siehe auch:
Was ist sozialistische Planwirtschaft?
Sowjetischer Rubel anstatt Dollar???
Der Bruch in der kommunistischen Bewegung