Ein zynisches Spiel…

Schulmassakerein Mädchen aus Beslan

Newtown 2012, Utøya 2011, Emsdetten 2006, Erfurt 2002 – es sind bei weitem keine Einzelfälle. „Don’t ask Why…“ schreibt eine amerikanische Zeitung. Frage nicht warum! – Ja, warum eigentlich nicht? Muß man nicht die Gesellschaft hinterfragen, in der etwas derartiges möglich ist? In der DDR gab es 40 Jahre lang nicht in einziges solches Massaker. Es ist schon seltsam, wenn man heute lesen muß, daß zum Beispiel Psychiater und Soziologen „143 Ereignisse aus den Jahren 1993 bis 2001 ausgewertet“ haben, ohne jemals auf die wahren Hintergründe dieser Mordtaten zu stoßen. Vielmehr werden Intoxikationen, Wahnerkrankungen, Persönlichkeitsstörungen und Psychosen als die „wahren“ Ursachen ausgemacht. Es ist schon „ein zynisches Spiel mit dem Tod von zwanzig Erstklässlern!“ Und den Waffenlobbyisten in den imperialistischen Ländern kommt die Diskussion über gewaltverherrlichende Videospiele gerade recht. So können sie die Schuld am Tod der Schüler in Newtown, Erfurt und anderswo bequem auf die Softwareindustrie schieben.
Waffen
Der weltweite Waffenhandel ist ein Milliardengeschäft. Daß dies keine „Heimsuchung“ war, wie von einem Thüringer Ministerpräsidenten behauptet, dürfte klar sein, aber auch „psychische Störungen“ können nicht als Entlastung herhalten. Auch wenn man vielleicht die Waffengesetze verschärft – die Umstände bleiben unverändert. Der Hauptwiderspruch des Kapitalismus bleibt: Es ist der Widerspruch zwischen reich und arm, der Widerspruch zwischen den Besitzern der Produktionsmitteln und der arbeitenden Klasse, der Widerspruch zwischen Kapital und Arbeit. Das hatte Karl Marx schon vor über 100 Jahren erkannt. Und er rief die Arbeiter dazu auf, sich für die Beseitigung der Wurzel aller gegenwärtigen Übel einzusetzen. „Steh auf, du Arbeitsvolk…!“

Noch Fragen?

Siehe hier:
Woher kommt die kriminelle Gewalt?
Der Krieg ist ein Computerspiel

A.Norden: So werden Kriege gemacht.

Foto:Beslan 2004

Hinweis:
IPPNW: Zielscheibe Mensch. Mit Heckler & Koch ist einer der führenden Kleinwaffenhersteller Europas im schönen Schwarzwaldstädtchen Oberndorf am Neckar beheimatet.* Die Waffen werden exportiert, wohin immer es geht. Nicht weit von Oberndorf, in Villingen-Schwenningen, wird vom 30. Mai bis 02. Juni 2013 der internationale Kongress zum Thema Kleinwaffen stattfinden. Organisiert von der IPPNW in Zusammenarbeit mit der Kampagne „Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel“ werden sich Experten und Interessierte vieler Organisationen über die Auswirkungen dieser Waffen austauschen.
* (Der fast poetische Diminutiv verheißt Harmlosigkeit, in Wirklichkeit handelt es sich hier um einen der brutalsten, aggressivsten Waffenlieferanten Europas.)

5 Gedanken zu “Ein zynisches Spiel…

  1. Die verlogene Auschlachtung von individuellen Gewaltverbrechen aller Art im Kapitalismus, die heuchlerischen Krokodilstränen, welche da beinahe schon genüßlich vor dem Medienvolk abgedrückt werden, sind in der Tat Zynismus pur.
    Kurz bevor ich gestern abend den neuen obigen Beitrag in diesem Blog entdeckte, hatte ich mir die Tagesschau von 20 Uhr angesehen, wo gleich an erster Stelle über die junge Inderin und ihr tragisches Ende berichtet wurde.
    Als ich diesen Bericht so sah, schossen mir sofort ähnliche Gedanken durch den Kopf wie oben beschrieben.
    Diese verkommenen verlumpten verächtlichen imperialistichen Medien laben sich an jeden Verbrechen, welchen Menschen zum Opfer fallen, doch vor allem immer dann, wenn als Motiv dafür keine Profit- und Machtinteressen der führenen imperialistischen Mächte dahinterstehen.
    Not, Leiden, Gewalt (darunter eben auch sexuelle), Verbrechen, Kriege mit allen ihren Opfern nach Millionen Jahr für Jahr gehen völlig in Ordnung, werden geleugnet oder verteidigt, beschönigt oder zumindest bagatellisiert, auf alle Fälle aber sämtliche systemischen Zusammenhänge und Ursachen vertuscht.
    Es ist also nur folgerichtig, wenn diese Medien-Kloaken auch bei rein individuellen Verbrechen diese systemischen Ursachen vertuschen, ausblenden, immer bloß von Irren, Verrückten, armseligen Einzeltätern faseln, jeden auch nur Ansatz eines Verständnisses der gesellschaftlichen Ursachen aller dieser individuellen zu unterbinden suchen.
    Die jetzigen Massenmedien sind Überbau, Diener, Büttel dieses Systems, wir sollten daher von ihnen auch in aller Regel nicht viel erwarten, schon gar keine Aufklärung.

    Noch eine kleine Ergänzung: Seit gut 2 Jahren verwandeln eiskalt und skrupellos die führenden Imperialisten dieser Welt unter Zuhilfenahme internationaler Terrorbanden den laizistischen Staat Syrien zunehmend in ein Schlachthaus, wie schon zuvor andere Staaten, so etwa den Libanon, Irak, Lybien und, und, und…
    Und nun, was konnte man dieser Tage in Google News lesen?

    „Die interkonfessionelle Gewalt in Syrien nimmt zu“!!!

    Kann da nicht nur noch ein schier unaussprechlicher Ekel hochkommen?

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  2. So ist es, Harry. Wenn’s nur auch immer auf energischen Widerstand stoßen würde. Nur mal eben die Faust in der Tasche zu ballen und sonst aber das Maul halten hilft nicht. Fragen wir doch mal das brave Fernsehvolk, was gestern abend wieder „berichtet“ wurde?

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  3. Ohne einen massenhaft organisierten Widerstand, vor allem ohne die Aufkündigung des Dienstverhälnisses des Proletariats gegenüber diesem System und allen Ausbeutern wird diesem blutigen Treiben des Imperialismus kein Einhalt geboten werden können.
    Mit bloßer Fähnchen- und Plakateschwingerei, zur Schau gestellter „Empörung“ („Empört euch!“, Occupy…) ist es da nicht getan.
    Mit bloßer Moral, noch so seufzenden moralischen Appellen ist einem System nicht beizukommen, welches, nicht zuletzt in Gestalt seiner führenden politischen und ökonomischen Repräsentanten keinerlei Moral kennt, geschweige auch nur anerkennt.
    Was bleibt also vorerst bei Lage der Dinge? Wenigstens hier und dort aufklären, wo immer sich Möglichkeiten bieten, Leute daran interessiert sind oder wenigstens daran interessiert sein könnten.

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  4. modesty schrieb: „Die toten Schulkinder von Newtown sind begraben und nachrichtentechnisch schon so gut wie vergessen. Die Diskussion um strengere Waffengesetze in den USA wird aber vermutlich noch eine Weile anhalten – bislang hat sie aber vor allem dafür gesorgt, dass das Weihnachtsgeschäft der Waffenhändler noch einmal richtig angezogen hat – im Dezember wurden laut FBI so viele Hintergrundprüfungen potenzieller Waffenkäufer beantragt wie noch nie zuvor. Das weist darauf hin, dass die Leute sich schnell noch mit Schusswaffen eindecken, bevor es schwieriger wird, welche zu erwerben. Und das, obwohl sich gerade wieder gezeigt hat, dass solche Waffen die Sicherheit keineswegs erhöhen, sondern im Gegenteil zu schrecklichen Dingen benutzt werden können. Verrückt…“ Weiterlesen: http://gedankenerbrechen.wordpress.com/2013/01/04/schusswaffen-diskussion-auch-versehentlich-erschossene-sind-tot/

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