Die Goebbelssche Mendazinie

goebbels
Mittlerweile scheint sich in der Geschichtsschreibung ein Virus auszubreiten, den wir die Goebbelssche Mendazinie* (Lügenkrankheit) nennen wollen. Bekanntlich hat sich der vormalige Nazipropagandaminister (ein skrupelloser Kriegshetzer, ein bis zum letzten Atemzug eiskalter Volksverführer und Verbrecher) der Verantwortung vor dem Nürnberger Gericht durch Selbstmord entzogen. Doch seine Lügen haben dank der bürgerlichen Massenmedien (Zeitungen und Rundfunk) schon damals weit über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus Verbreitung gefunden. Sie haben ihn sogar überlebt, denn auch in die Geschichtsschreibung hielten seine verlogenen Tiraden Einzug. Man zitierte (vorrangig waren es westdeutsche Historiker und Journalisten) seine Weltsicht und seine Darstellungen in Zeitungen, Büchern und Artikeln, oft ohne auf deren Falschheit hinzuweisen. Ein hervorstechendes Machwerk dieser Art war das „Schwarzbuch des Kommunismus“.

Da nun aber seit der Konterrevolution eine „Epoche der schwärzesten Reaktion“ [1] anbrach (wie es Stalin nannte), erfaßte diese Krankheit auch viele der in der DDR aufgewachsenen, und heute zu zweifelhaften Ehren gekommenen Figuren der Politik und Publizistik. In ihrem Fieberwahn überboten sie sich gegenseitig. Das betrifft die Verleumdung Ernst Thälmanns durch führende Politiker der „Linken“ ebenso, wie die noch üblere Hetzkampagne gegen Stalin. In erster Linie sind da zu nennen Gysi, Wagenknecht, Brombacher & Co. … aber auch ernstzunehmende Historiker blieben von Symptomen dieser Krankheit nicht gänzlich verschont. Als Beispiel sei nur genannt, der ansonsten sehr streitbare Prof.Kurt Pätzold. So schrieb letztens der Historiker Dietrich Eichholtz den folgenden merkwürdigen Satz:

„Im April 1943 waren im Gebiet Smolensk bei Katyn die Leichen von über 4.000 offensichtlich im Jahr 1940 erschossenen polnischen Offizieren von den Deutschen ausgegraben worden. Seitdem war die Urheberschaft dieser Untat umstritten; sie wird aber heutzutage den stalinschen Organen zugeschrieben.“ [2]

…zugeschrieben??? Eine wahrlich merkwürdige Geschichtsbetrachtung. Die Merkwürdigkeit dieser „Bemerkung“ von Eichholtz besteht darin, daß er sich zwar als Historiker offensichtlich mit der gesamten Geschichte des 2. Weltkriegs befaßt zu haben schien, die Katyner Sache aber von einer Bewertung „ausklammert“. Nun gibt es dafür drei Möglichkeiten: entweder er will sich mit seinen antikommunistischen Historiker„kollegen“ nicht streiten, oder er ist der stalinfeindlichen Goebbelspropaganda ebenso erlegen, oder aber er ist tatsächlich uninformiert. Ersteres ist Feigheit, das zweite … lassen wir mal aus…, und letzteres ist ziemlich ausgeschlossen, da es mittlerweile kein Problem mehr ist, auch an neuere russische Quellen heranzukommen, die die Lügen von den „Stalinschen Massenmorden“ (einschließlich der „Katyner Sache“) eindeutig widerlegen. Wenn wir nun also die beiden letztgenannten Möglichkeiten ausschließen, bliebe nur die erste. Falls es aber doch keine Feigheit war, so wäre eine klare Position in dieser Frage unbedingt angebracht gewesen. Trotz aller Versuche neofaschistischer Auftraggeber, Verwirrung zu stiften – die Tatsachen sprechen eine klare Sprache. Nämlich die: Es waren die Nazis.!

Wie man in Rußland mit derartigen Fälschungen umgeht

Die griechische Zeitung „Risospastis“ schreibt: Am 2. September 2010 besuchte der Außenminister Rußlands, Sergej Lawrow, Polen, wo er mit seinem polnischen Kollegen Radosław Sikorski zusammentraf. Dort erklärte Lawrow, daß sich Präsident Dmitrij Medwedjew persönlich mit der Frage der Untersuchung der Katyner Sache beschäftige, und er ergänzte, ohne auf Einzelheiten einzugehen: „Der Präsident hat befohlen, auch andere Dokumente geheimzuhalten, deshalb werden die Arbeiten in diesem Zusammenhang weitergeführt“.

Diese Neuigkeit wurde unmittelbar nach der sensationellen Aufdeckung der sich in russischen Archiven befindlichen Dokumente durch den ehemaligen Staatsanwalt und dem Abgeordneten von KPRF, Juri Iljuchin, mitgeteilt. Sie verdeutlicht den Mechanismus der Fälschungen, welche eigens zu dem Zweck veröffentlicht wurden, um die Führung der UdSSR und der kommunistischen Partei der Bolschwiki im Laufe des Zweiten Weltkrieges anzuschwärzen. Von der Tribüne der Staatsduma warf Prof. Iljuchin diese Frage auf, aber er erhielt von der russischen Führung bis heute keine ernstzunehmende Antwort.

Nach diesen Erklärungen Lawrows in Polen stellt sich die Frage: Wird die russische Führung und Präsident Medwedjew persönlich diese Verfahrensweise der Fälschung historischer Dokumente wieder aufnehmen, um die Version über die Ereignisse in Katyn in der Weise zu rechtfertigen, wie sie erstmals von Goebbels dargestellt wurden?

Nach der Huldigung für den polnischen Regisseur Andrzej Wajda, der die nazistische Version der Ereignisse verfilmte, muß man mit allem rechnen.

Die Erklärung Lawrows erfolgte in einer Periode, als das russische Kapital bestrebt war, nach Polen einzudringen und große Teile des europäischen Marktes für sich zu erobern. Indem die polnischen Kapitalisten auf die „energetische Karte“ der EU setzten, waren sie bemüht, denjenigen Teil der Gasleitung des russischen Energiekonzerns GAZPROM unter ihre Kontrolle zu bekommen, der das Territorium Polens überquert.

Man sollte darüber nachdenken:

1) Wie lange wird sich die russische Führung noch mit Speichelleckerei befassen, damit das Kapital seine ökonomischen und politischen Ziele erreicht?
2) Wann ist endlich Schluß mit der Diffamierung, welche die antikommunistische und antisowjetische Hysterie in Europa, in der OSZE, im Europarat und in anderen Instituten fördert, wo immer neue antikommunistische Resolutionen und Memoranden in Umlauf gebracht werden?

Die Position Rußlands in dieser Kampagne trägt dazu bei, daß sich eine breiten antikommunistische Strömung entwickelt, welche sich am Ende gegen Rußland selber wendet. Davon zeugen die Klagen der baltischen Länder, die wegen der angeblichen „sowjetischen Okkupation“ an Rußland finanzielle Ansprüche erheben. [3]

Quellen:
[1] J.W. Stalin, VII. erweitertes Plenum des EKKI, in: Werke, Bd.9, S.24.
[2] Eichholtz, D, Die große Wende im Osten, in: jW vom 15.1.2013
(siehe: http://www.jungewelt.de/2013/01-15/020.php )
[3] Ein Kommentar der Tageszeitung „Risospastis“, Organ des ZK der KP Griechenlands (KKE) anläßlich eines Antrags des russischen Außenministers Sergej Lawrow zu Katyn (mit freundlicher Genehmigung übernommen von http://www.kommunisten-online.de/blackchanel/kke_katyn.htm

* von lat. mendacium (Lüge)

Siehe auch:
Lügen über Katyn
Wahrheit und Lüge über Katyn
Die Lüge von den Stalinschen Massenmorden
Die Fälscher im Russischen Staatsarchiv

6 Gedanken zu “Die Goebbelssche Mendazinie

  1. Hallo Genosse Norbert,
    Erstens bitte ich um Aufklärung über das Wort „Mendazinie“. Ich habe es weder im DDR- Duden noch im alten Brockhaus-Sprachlexikon getroffen.
    Über die Lügen von Goebbels und des Machwerkes „Schwarzbuch des Kommunismus“ sind wir uns einig.
    Zweitens, wollte ich nur bemerken daß die Historiker, Geschichtsschreiber schreiben wie ihre Auftraggeber es vorschreiben, jeweils wie es gefragt wird. Das galt auch für die Wissenschaftler in der DDR. Diese Binsenwahrheit gilt auch für Autoritäten wie beispielsweise K. Pätzold oder J. Kuczynski.
    Nehmen wir als Beispiel folgende Glosse aus das Nachschlagewerk „Weltgeschichte in Daten“ erschienen im VEB Deutscher Verlag der Wissenschaften 1965, 1.Auflage. Insgesamt ist es sehr interessant aber enthält in systematisierter Form alle chruschtschowsche Lügen und Verleumdungen gegen J.W. Stalin.
    Eine kleine Kostprobe: „ 1937.Febr. – März Plenum des ZK der KPdSU( B ) J.W. Stalin stellt die falsche These auf, daß sich der Klassenkampf in der UdSSR in dem Maße verschärft, wie das Land zum Sozialismus voranschreitet.“ Und noch eine auf dieselbe Seite: „1938. 14. Nov. Beschluß des ZK der KPdSU( B ) „Über die Parteipropaganda im Zusammenhang mi dem Erscheinen des „Kurzen Lehrgangs der Geschichte der KPdSU( B ). Der Beschluß leitet einen neuen Aufschwung im Studium der Parteigeschichtegeschichte und in der Parteipropaganda ein, obwohl der „Kurzer Lehrgang“ zahlreiche ernste Mängel aufweist (Negierung der Rolle der Massen, unvollständige Würdigung der Leistungen Lenins, dogmatische Einengungen, Umdeutung mancher Ereignisse im Sinne einer Aufbauschung der Verdienste Stalins“. (ebenda S.771). Das reicht wohl um es zu illustrieren, Du verstehst schon wie ich es meine: Die moderne Revisionisten und ihr wissenschaftliches Personal waren und sind eben Revisionisten, Konterrevolutionären, auch dann wenn sie sich als „Marxisten“ usw. ausgeben.
    Mit sozialistischen Gruß,
    Nadja

    (ich mußte im Text die Klammern mit demn B ändern, weil da sonst immer smilies erscheinen, N.G.)

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  2. Danke Nadja, für Deinen Kommentar. Zuerst: die Wortschöpfung „Mendazinie“ ist natürlich so eine Idee von mir 😉 die Erklärung steht unter dem Text. Aber Du hast völlig recht, was die Revisionisten betrifft. So sind eben Pätzold, Eichhorn u.a. von dieser Krankheit befallen. (Übrigens war davon auch der verstorbene Walter Ruge befallen!) Von ihnen ist wohl auch nichts anderes zu erwarten, als daß sie gedankenlos alles das nachplappern, was der Ganove Chruschtschow ihnen vorgebetet hat. Und natürlich hatte Stalin recht, daß sich der Klassenkampf verschärft…

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  3. Hallo Sascha,
    ich bitte doch wirklich um ein wenig mehr historische Gerechtigkeit für den guten Reichsminister Dr. Goebbels a.D. in dieser seiner Funktion als Meinungsbildner zunächst vom und für das gute deutsche Bürgertum, und letztlich natürlich alle anderen damaligen guten deutschen Anständigen.
    Er tat damals nur seine Pflicht für sein damaliges imperialistische System, sein damaliges „Wertesystem“, nicht mehr und nicht weniger.
    Erinnere dich mal bitte an das Jahr 1999!
    Damals, im Frühjahr, da wimmelte es aus den Mündern von Scharping, Fischer, Schröder und zahllosen anderen „Demokraten“ nur so von „Bromberger Blutsonntagen“, Metzeleien des „Schlächters vom Balkan“, des Herrn Hitler-Milosevics.
    Natürlich musste der „Westen“ ganz führermäßig“ eingreifen, „zurückschießen“.(„air strikes“)
    Und heute haben wir fast jeden Tag einen „Bromberger Blutsonntag“ in Syrien, du weist ja, die Assad-Truppen „morden“ ohne Ende, der „Westen“, die „Wertegemeinschaft“ werden nicht mehr lange… „zuschauen“ können.
    Erst heute soll dieses Ungeheuer über 80 syrische Studenten an der Uni von Aleppo durch seine Kampf-Jets gemordet haben, so erste „westliche“ Spekulationen….
    Ich frage mich bei jeder dieser Meldungen, wo die Nato in neue „Freiheitskriege“ zieht, wie uns wohl der alte Goebbels diese Storys angedreht hätte, wo eigentlich der wirkliche Unterschied von damals und heute liegt.
    Ob es nicht langsam an der Zeit wäre, den schon ziemlich abgegriffenen und ziemlich umfunktionierten und verwässerten Begriff des Faschismus wieder besser durch den altehrwürdigeren Begriff des Imperialismus ganz im wahrsten Leninschen Sinne zurück zu ersetzen?

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  4. Nunja, bei Syrien verwendet man in deutschen Nachrichtensendungen stets (wie seinerzeit auch bei Libyen) den Begriff „Regime“ und bezeichnet Baschar Assad konsequenterweise als „Machthaber“. Wie wäre es denn, wenn man das mal auf deutsche Verhältnisse anwendete? Das mag hier niemand hören. Und die NATO als „faschistische Organisation“ – auch nicht. Man sieht, wie hier die Begriffe „verwässert“, nein besser: vertauscht werden! Der Goebbels hätte seine helle Freude daran, wie eifrig man hier sein „Erbe“ pflegt!

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  5. Regime…. Assad-Regime, Ulbricht-Regime, Pankow-Regime…., wenn da nicht nicht das Blut gefriert! 🙂

    Wieso nur, par example, spricht niemand vom Adenauer-Regime TROTZ Verbots von FDJ und KPD, mehr als 160 000 (!) politischen Strafverfahren danach, mehr als 50.000 ausgesprochenen Gefängnisstrafen nach diesen Verboten im, na ja, du weist es ja selbst, unvergleichlichen „Wirtschaftswunder“- Land Adenauer-BRD?

    Und heute, seit 2005, die Hartz 4 Gesetze, über 1 Millionen von Sanktionen trotz der Tatsache in einem einzigen Jahr, dass die Job-Center für die Masse der Arbeitslosen überhaupt NICHTS zu vermitteln haben – außer eben Drohungen, Erpressungen, und eben auch DESHALB den beinahe schon grundgesetzwidrigen Sanktionen – warum hören wir nichts in den Medien von Arbeitslosen-, Arbeitnehmer, – und Kommunisten feindlichen BRD-Regimen?
    Oder gar, ganz im Gegensatz übrigens zu Adolf H. und Joseph G. – seit 1949 Amerika hörigen BRD Vasallen-Regimen?
    Was ist bei der Massenmaniulation, Massenverblödung denn heute wirklich anders als die gesteigerten technichen Möglichkeiten?
    Glaube mir, der Goebbels, heute wäre er ein prächtiger Nato-Pressesprecher, der hätte 1999 noch immer genauso „eloquent“ die „Erfolge“ des NATO- Krieges gegen Jugoslawien verkauft wie sein Nachfolger, dieser einstige portugiesische „Sozialist“ und „Erbe“ der „Rosen-Revolution“ von 1974 , Herr Barosso.
    Der Imperialismus bleibt Imperialismus, auch wenn er seine politischen Formen wechselt wie Chamälions ihre Farbe.

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