Weltanschauung, und Revolution

relativImmer öfter hört man heute die ratlose Feststellung: „Wir leben in einer zerrissenen Welt!“ – Ja, und wenn das wirklich so ist, genügt es doch nicht, das einfach nur festzustellen, sondern wir müssen auch fragen: WARUM IST DAS SO? Und wenn wir nun schon erkannt haben, daß sich gesellschaftliche Widersprüche immer mehr verschärfen, so muß es doch auch Ursachen dafür geben. Und Lösungen. Diese Ursachen gilt es herauszufinden, wenn man aus dem Dilemma herauskommen will. Sich einfach damit abzufinden, ist bequem. Doch irgendwann ist auch die eigene Existenz davon bedroht. Und dann ist HANDELN unvermeidbar. Wir können nicht mehr „so weitermachen wie bisher“. Wir können uns nicht mit Belanglosigkeiten aufhalten, die zu nichts führen. Wir können nicht nur diskutieren und ganz allgemein „das LEBEN bejahen“, wenn wir nicht imstande sind, es zu erhalten. Die Erde ist reich genug, um allen Menschen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen.

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Belgische Partisanen gegen Hitler

Als 1933 in Deutschland die Nazis an die Macht gekommen waren, hatte die belgische Regierung eine Hitler begünstigende „Neutralitätspolitik“ betrieben und sich 1936 aus dem Locarnopakt zurückgezogen. Am 10.5.1940 überfiel dann die faschistische deutsche Wehrmacht das kleine Nachbarland. Der belgische König Leopold II. unterzeichnete die Kapitulationserklärung und die Regierung setzte sich nach London ab. Wie in allen besetzten Ländern herrschten auch in Belgien die deutschen Faschisten mit blutiger Gewalt. Juden wurden ins KZ gebracht und Kommunisten verfolgt und ermordet. Die rechtsradikalen wallonischen „Rexisten“ und die flämischen Nationalisten kollaborierten während der Besatzungszeit eng mit den Nazis. Es entstand eine starke antifaschistische Widerstandsbewegung, in der die Kommunistische Partei eine hervorragende Rolle spielte. [1] Aus eigenem Erleben schildert der belgische Autor Oscar Cornelius Heemans in seinem Buch „Zwischen hundert Brücken“ den Widerstand der Belgier gegen die faschistischen Okkupanten. Er beschreibt darin das gefahrvolle Leben des Genter Partisanenkorps. Geschart um seinen Kommandeur Edmond, der starke autobiografische Züge trägt, versetzt es die Okkupanten und Kollaborateure Panik. Damit ist auch die von vielen bürgerlichen Autoren vertretene Meinung widerlegt, daß es Partisanenkämpfe nur in bestimmten geographischen Regionen gegeben habe. Unter dem Einfluß der USA gelangten dann nach Kriegsende die belgischen Kollaborateure wieder in die Offensive, die Kommunisten wurden erneut verfolgt und Belgien trat 1949 der NATO bei. Im folgenden Abschnitt beschreibt Heemans einen sehr dubiosen

Besuch aus Großbritannien

Edmond war in Hochstimmung. Heute würde es einem Vertreter der britischen Armee begegnen. Das hieß Unterstützung für die Partisanen. Endlich würde genügend Sprengstoff vorhanden sein. Teufel noch mal, was würden sie damit nicht alles tun können. Den Faschisten konnten sie endlich die Hölle heiß machen, Benzinzüge und Züge mit Armeeausrüstungen konnten in die Luft gejagt, die verfluchten SS-Büros dem Erdboden gleichgemacht werden. Ja, von diesem Zusammentreffen hing ab, wie die Partisanen künftig kämpfen konnten. Weshalb sollten die Briten sonst ihren Vertreter senden? Es war ja auch höchste Zeit, endlich Hilfe zu schicken. Nun würde Schluß gemacht mit den primitiven Mitteln!

Vom Kommen des Engländers wußte Edmond schon seit einigen Wochen. Er hatte aber bisher nicht daran geglaubt. Seinem Nationalkommando vertraute er, der britischen Regierung jedoch nicht. Wie oft hatte sie schon versprochen, Waffen und andere Mittel zu schicken.

Vorsichtshalber hatte Edmond den Treffpunkt stark sichern lassen. Margot, sein erfahrener Kurier, holte den Engländer ab und brachte ihn zu Edmond. Sie begrüßten sich mit Handschlag. Der Mann informierte sich über die Aktionen der Partisanen. Edmond gab bereitwillig Auskunft. Mit Nachdruck erklärte er ihm, um wieviel leichter es wäre, wenn sie Waffen und vor allem Sprengstoff besäßen. Der Gesprächspartner nickte zustimmend. Wie nebenbei erkundigte er sich nach den Namen leitender Partisanen. Edmond konnte ein bitteres Lächeln nicht ganz von seinem Gesicht verdrängen. Das ist es also! Namen und Adressen interessieren ihn, dachte Edmond wütend. Sich aber beherrschend, sagte er: »Hören Sie, mein Herr! Sagen Sie Ihren Vorgesetzten, daß es bei den Partisanen nur Decknamen gibt. Wer trotzdem nach dem richtigen Namen forscht, wird als Verräter behandelt.«
»Wo denken Sie hin. Wir brauchen die Namen!«
»Wozu?« fräste Edmond.
Der Mann blieb die Antwort schuldig. Edmond war es auch egal. Er würde die Wahrheit sowieso nicht sagen. Immer noch seinen Zorn unterdrückend, fuhr er fort: »Wissen Sie, daß bei uns Menschen mit solchen Listen verhaftet worden sind und wenig später jene, die darauf standen? Wir leben und arbeiten in völliger Illegalität. Es wäre unverantwortlich, Namensverzeichnisse aufzustellen. Wo endete das? Doch nur im Konzentrationslager. Nein, solche Verzeichnisse brauchen wir nicht. Wir haben die Faschisten zu bekämpfen und zu vernichten. Dazu würden wir eure Unterstützung brauchen.«
Enttäuschung spiegelte sich auf dem Gesicht des Mannes wider. Trotzdem versuchte er es noch einmal. »Ist doch komisch. Sie arbeiten mit Menschen und kennen sie nicht mal. Das kann doch nicht gut gehen.«
»Es reicht, von den Menschen zu wissen, daß sie bereit sind, ihr Leben gegen den Faschismus einzusetzen. Mehr brauchen wir nicht. Oder meinen Sie, mit dem richtigen Namen kämpft es sich besser oder leichter?«
Der Mann konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. Er sah aber ein, daß weiteres Fragen zwecklos war. Edmond ließ ihm auch keine Zeit zu anderen Überlegungen. Er fragte ihn auf den Kopf zu: »Im Nationalkommando sagte man uns, daß Sie uns helfen werden. Wie stellen Sie sich diese Hilfe vor?«
»Hm… Ich habe Geld… für Sie.. bitte.« Der Mann holte einen Umschlag aus der Tasche und reichte ihn Edmond, der ihn öffnete und das Geld zahlte: fünf Banknoten zu je einhundert belgischen Francs! Edmond konnte nur mit großer Mühe seinen Spott unterdrücken. Ich laß‘ mich hängen, wenn die britische Armee nicht in den Händen der Schotten ist, dachte er grimmig. Die Geldsumme machte genau das aus, was ein Partisan pro Monat bekam, um das notwendigste Essen und ein paar Kleinigkeiten kaufen zu können!
»So«, ergriff der edle Spender das Wort und schien zufrieden zu sein. »Was haben Sie noch auf dem Herzen? Sagen Sie alles, was Sie brauchen.«
Die armseligen fünfhundert Francs lagen Edmond zwar noch schwer im Magen, dennoch gab er sich Mühe, höflich zu bleiben. »Revolver, einige Maschinenpistolen, Patronen und dann noch Minen und sehr viel Sprengstoff, TNT.«
»Ja, gut!« meinte der Mann, als stünde er hinter einer Theke und hätte genügend Vorrat in Reichweite. »Ich werde für alles sorgen.«

Edmond glaubte, der Brite rechne aus, wann die Waffen abgeworfen werden könnten. Er irrte aber gewaltig, denn der andere fragte ihn plötzlich: »Nebenbei, mein Herr; man hat mir gesagt, bei den Partisanen gäbe es viele Kommunisten.«
Endlich hatte er die Katze aus dem Sack gelassen. War das die Bedingung, um Waffen zu bekommen – keine Kommunisten? Edmond kochte innerlich, sagte aber doch mit leichtem Spott im Ton: »Denken Sie, daß Kommunisten nicht schießen und keine Aktionen durchführen können? Wie mir bekannt ist, sind die britischen Kommunisten nicht vom Wehrdienst freigestellt worden. Soweit ich weiß, ist das Land mit den meisten Kommunisten, die Sowjetunion, doch Großbritanniens Verbündeter, nicht wahr? Bei uns Partisanen gibt es selbstverständlich auch Kommunisten.«
»Nun, ich weiß nicht«, zuckte der Abgesandte mit den Schultern und schien sichtlich erfreut, auf diese lästigen Fragen nicht antworten zu müssen. Als Edmond dann noch einmal die Waffenlieferungen erwähnte, versprach der andere baldige Lieferung. [2]

Die versprochene Lieferung jedoch blieb aus.

[1] vgl. BI Universal-Lexikon, VEB Bibliographische Institut Leipzig, Bd.1, S.217.
[2] Oscar Cornelius Heemans, Zwischen hundert Brücken, Episoden aus dem Partisanenkampf in Ostflandern, Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik-VEB, Berlin, 1975, S. 180-184.

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Aktionen der belgischen Partisanen

Das faschistische KZ Dachau

Ein junger Mann fand diese Fotografien, als er den Dachboden im Haus seines Großvaters aufräumte. Die Aufnahmen wurden offenbar 1945 unmittelbar nach der Befreiung im KZ Dachau gemacht. Es ist ein wenig Geschichte. Dachau war eines der ersten Konzentrationslager der Nazis. Während des Krieges hatte Dachau unter den sowjetischen Kriegsgefangenen den Ruf, eines der am meisten gefürchteten KZ’s der Nazis zu sein, weil dort massenhaft medizinische Experimente an den Häftlingen durchgeführt wurden.
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Die Oppositionellen in der SED

SED-ParteitagEs gab ganz gewiß auch in der SED eine ganze Menge Genossen, die wußten nicht, was vorne und hinten ist, sie waren „dafür“, weil es der Mehrheit entsprach. Sie schwammen mit dem Strom, und als es andersherum kam und die Konterrevolution zu siegen begann, warfen sie ganz schnell ihr Parteibuch weg, „gestanden ihren Irrtum“ ein. Und sie erklärten, daß sie ja schon immer „gewisse Vorbehalte“ gehabt hätten, daß „die Menschen einfach noch nicht reif“ seien für den Sozialismus. Und dergleichen billige Sprüche mehr. Man nannte sie „Wendehälse“ – aber eigentlich waren sie nie Kommunisten, sie gehörten einfach nur zum Sumpf dieser Partei. Sie hatten nicht begriffen, daß man für das Neue in der Gesellschaft auch KÄMPFEN muß. Und dann gab es noch die Oppositionellen in der Partei, wie Krenz, Modrow, Gysi, Bisky, die Professoren Meißner, Wagner, Lieberam, Roß und Konsorten. Das sind diejenigen, die den Marxismus irgendwie für überholt halten, die meinen, man müsse Marx revidieren und einen „demokratischen Sozialismus“ anstreben. Diese Leute gehören niemals zu den Revolutionären in einer Gesellschaft, sondern immer zu den Bedenkenträgern und Bremsern, wenn nicht sogar zu den Antikommunisten, wie das Beispiel des Herrn Professor Kara-Mursa aus Moskau zeigt. Genosse Stalin sagte:

Man sollte nicht vergessen, daß in jeder großen Partei, besonders in einer Partei wie die unsrige, die an der Macht steht und in der es einen gewissen Teil Bauern und Angestelltenelemente gibt, sich im Laufe einer bestimmten Zeit gewisse indifferente, den Fragen der Parteipraxis gleichgültig gegenüberstehende Elemente ansammeln, die mit geschlossenen Augen stimmen und mit dem Strom schwimmen. Das Vorhandensein einer großen Zahl solcher Elemente ist ein Übel, gegen das man kämpfen muß. Diese Elemente bilden den Sumpf unserer Partei.

Der Sinn der Diskussion

Die Diskussion ist ein Appell an diesen Sumpf. An ihn appellieren die Oppositionellen, um einen gewissen Teil von ihm loszureißen. Und sie reißen wirklich seinen schlechteren Teil weg. Die Partei appelliert an ihn, um den besseren Teil von ihm loszureißen und ihn in das aktive Parteileben einzugliedern. Das Ergebnis ist, daß der Sumpf trotz seiner Passivität zur Entscheidung gezwungen wird. Und er entscheidet sich wirklich infolge dieser Appelle, er gibt einen Teil an die Opposition ab, den andern an die Partei, und auf diese Weise hört er als Sumpf zu bestehen auf. In der gesamten Entwicklungsbilanz unserer Partei ist das ein Plus. Ein Ergebnis der jetzigen Diskussion ist die Verminderung des Sumpfes, der entweder ganz zu bestehen aufgehört hat oder doch aufzuhören im Begriff steht. Das ist das Plus der Diskussion.

Was kam dabei heraus?

Die Ergebnisse der Diskussion? Die Ergebnisse sind bekannt. Bis zum gestrigen Tage stimmten, wie sich herausstellt, für die Partei 724.000 Genossen, für die Opposition etwas über 4.000. Da haben Sie das Ergebnis. Die Oppositionellen bei uns wetterten, das ZK habe sich von der Partei losgelöst, die Partei habe sich von der Klasse losgelöst, und wenn das Wenn und das Aber nicht wär’, dann flögen gebratene Tauben daher, dann hätten sie, die Oppositionellen, unfehlbar 99 Prozent auf ihrer Seite. Da ihr aber die gebratenen Tauben nicht in den Mund fliegen, hat die Opposition nicht einmal 1 Prozent der Stimmen bekommen. Das ist das Ergebnis.

Warum war die Opposition so schmählich unterlegen?

Wie konnte es kommen, daß die Partei in ihrer Gesamtheit und mit ihr die Arbeiterklasse die Opposition so unsanft isoliert hat? Dort, an der Spitze der Opposition, stehen doch bekannte Leute mit Namen, Leute, die es verstehen, Reklame für sich zu machen (Zurufe: „Sehr richtig!“), Leute, die nicht an Bescheidenheit kranken (Beifall), die es verstehen, sich anzupreisen und die Ware von der vorteilhaften Seite zu zeigen. Das geschah deshalb, weil die führende Gruppe der Opposition sich als eine Gruppe kleinbürgerlicher Intellektueller entpuppte, losgerissen vom Leben, losgerissen von der Revolution, losgerissen von der Partei, von der Arbeiterklasse. (Zuruf: „Sehr richtig!“. Beifall)

Wer sind eigentlich (oder waren) die Oppositionellen in der Partei?

Stalin: Ich sprach vorhin über die Erfolge unserer Arbeit, über unsere Errungenschaften auf dem Gebiet der Industrie, auf dem Gebiet des Handels, auf dem Gebiet der gesamten Wirtschaft, auf dem Gebiet der Außenpolitik. Aber die Opposition kümmert sich nicht um diese Errungenschaften. Sie sieht sie nicht oder will sie nicht sehen. Sie will diese Erfolge nicht sehen, teilweise aus Ignoranz, teilweise kraft einer gewissen Halsstarrigkeit vom Leben losgerissener Intellektueller.

Quelle:
J.W. Stalin, Der XV. Parteitag der KPdSU( B ) 1927, in: Stalin, Werke Bd.10, Dietz Verlag Berlin, 1953, S.291f. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
Stalinwerke Bd.11 (pdf)

Siehe auch:
Die Konterrevolution in der DDR und ihre Handlanger
Danke, lieber Genosse Gorbatschow
Ein Lump, der sich mit linken Phrasen schmückt
Trotzki verrät die junge Sowjetmacht
Der Sozialismus war und ist lebensfähig
Der Sozialismus und die SED

Das einheitliche sozialistische Bildungssystem der DDR

Schule
Eine typische DDR-Schule, heute leerstehend…

Wozu brauchen wir eigentlich noch Wissen und Bildung? Tucholsky schrieb: „Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht.“ [1] – Wozu braucht man da noch eine Demokratie? Man braucht sie eigentlich nicht. Und braucht man überhaupt noch Bildung? Ebenfalls nicht. Ein dummes Volk läßt sich leichter regieren. Die Herrschenden haben freie Hand, sie können beschließen, was immer sie wollen, das Volk darf wählen oder auch nicht. Ein paar „Wutbürger“ regen sich zwar noch auf, doch am Ende fressen sie den Kapitalisten alle aus der Hand. Die nämlich haben das Scheckbuch, wozu braucht man da noch eine Schule … verrückt, oder etwa nicht???

Zur Geschichte: Nach der Zerschlagung des deutschen Faschismus durch die Sowjetunion mußte das gesamte deutsche Schulsystem erneuert werden (was allerdings nur in der DDR geschah!). Die faschistische Schule war ein Instrument der reaktionärsten Kreise des deutschen Imperialismus. Dem Faschismus war es gelungen, große Teile der Lehrerschaft für sich zu gewinnen. Mehr als 70% der Lehrer waren Mitglieder der Nazipartei, viele von ihnen aktive faschistische Funktionäre. Neben den vielen Toten und den materiellen Verwüstungen, die der Krieg hinterlassen hatte, war vor allem die Vergiftung des deutschen Volkes und besonders seiner Jugend durch die faschistische Ideologie das schwerste Erbe der Naziherrschaft. Schon vor dem Kriege bestand im Gefolge der Herabsetzung des Lehrerberufs durch die Nazis ein Lehrermangel. Das bedenklich gesunkene Bildungsniveau hatte zur Folge, daß es nach dem Krieg wieder Analphabeten im Alter von 12-15 Jahren gab. (Zum Vergleich: In der BRD sind heute etwa bei sieben Millionen Erwachsenen die Lese- und Schreibkompetenzen stark eingeschränkt. Sie werden als ‚funktionale Analphabeten‘ bezeichnet.) In der DDR war das Bildungsprivileg der Bourgeoisie mit der ihm entsprechenden Dreiteilung des Bildungswesens – wie es auch heute wieder existiert – abgeschafft worden, und erstmals hatten auch Arbeiter- und Bauernkinder uneingeschränkt Zugang zu höheren Schulen und Universitäten. Und: Analphabeten gab es in der DDR nicht. Nicht einen einzigen! Und – vielleicht muß man das noch hinzufügen: Bildung, Lehrausbildung, Fachschul- und Hochschulstudium usw., waren in der DDR für alle völlig kostenfrei! Ein Physikbuch für die 8.Klasse kostete bspw. 1,80 Mark. So war das in der DDR.

Fortschrittliche Traditionen

In Deutschland erhielt die Novemberrevolution von 1918 durch die Große Sozialistische Oktoberevolution von 1917 entscheidende Impulse. Das galt auch für die Schulpolitik. Während die fortschrittlichen Kräfte anfangs einiger Erfolge erzielen konnten, z.B. die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht und die Aufhebung des obligatorischen Religionsunterrichts, führte der Kampf um die Beseitigung des Bildungsmonopols aufgrund der reformistischen Schulpolitik der SPD nicht zum Erfolg. Clara Zetkin erkannte richtig, daß „eine durchgreifende, grundlegende Schulreform … nicht vor der Eroberung der politischen Macht durch das Proletariat“ steht, sondern vielmehr „eine ihrer wichtigsten und wertvollsten Früchte“ sein wird. [2] Die Forderungen der KPD konzentrierten sich daher zunächst auf drei wesentliche Schwerpunkte:
► Einheitlichkeit des Schulwesens
► Weltlichkeit des Schulwesens
► Wissenschaftlichkeit des Unterrichts.

Die antifaschistisch-demokratische Schulreform

Die Erziehung in der DDR war konsequent. In der DDR wurden (im Gegensatz zu Westdeutschland!) alle alten Nazis aus ihrem Positionen entfernt. Man nannte das „Entnazifizierung“. Insbesondere an den Schulen. Es gab nicht einen einzigen Lehrer, der weiterhin unterrichten durfte, wenn er zuvor ein aktiver Anhänger der Nazis gewesen war. Sehr schnell wurden Arbeiter zu „Neulehrern“ ausgebildet. Diese „Neulehrer“ konnten sicher nicht alle fachlichen Fragen der Schüler beantworten, aber sie hatten eines gemeinsam: sie waren Antifaschisten. Und ebenso wurden wir, ihre Schüler, im antifaschistischen Sinne erzogen. Als Jugendliche besuchten alle Schüler die Nationalen Mahn- und Gedenkstätten der DDR, die ehemaligen faschistischen KZ’s in Buchenwald und Sachsenhausen. Wir wußten, was für eine giftige Saat der Faschismus in den Köpfen der Menschen gestreut hatte. Und wir wußten, welche Blutspur die deutsche Wehrmacht in ganz Europa hinterlassen hatte. Wir kannten die Folgen des Faschismus… Heute ist das KZ Buchenwald nur noch ein Museum. Alles bleibt abstrakt und unvorstellbar. Die Grausamkeiten der Nazis erscheinen weniger schlimm als das, was in Horrorfilmen und Computerspielen geschieht.
Der antifaschistisch-demokratischen Schulreform lagen (neben der grundsätzlichen antifaschistischen Zielstellung) folgende Prinzipien zugrunde:
1. Prinzip der hohen Bildung für alle.
2. Prinzip der Trennung von Kirche und Staat (bzw. der Weltlichkeit).
3. Prinzip der Wissenschaftlichkeit.
4. Prinzip der Einheitlichkeit.
5. Prinzip der Staatlichkeit.

Die Einheit von Bildung und Erziehung

In der DDR waren die Bildung und Erziehung verschmolzen zu einem einheitlichen System. Das zeigte sich u.a. in folgendem:
a) Verbindung von Schule und Leben, von Unterricht und produktiver Arbeit: Erziehung und Bildung sind „unlöslich mit dem Kampf der Werktätigen gegen die Ausbeuter (zu) verknüpfen“, das heißt, „an alle Aufgaben des Lernens (ist) so heranzugehen, daß die Jugend tagaus, tagein in jedem beliebigen Dorf, in jeder beliebigen Stadt die eine oder andere Aufgabe der gemeinsamen Arbeit – und sei es die geringste, sei es die einfachste – praktisch löst“ [3], und zwar gemeinsam mit den Arbeitern und Bauern. Diese grundsätzliche Forderung Lenins auf dem III. Gesamtrussischen Kongreß des Komsomol 1920 ist weitgehend identisch mit der Forderung, die Schule mit dem sozialistischen Leben zu verbinden.
b) Wissenschaftlichkeit und wissenschaftliche Weltanschauung: Die Verwirklichung dieses Erziehungsgrundsatzes erfordert vom Pädagogen vor allem ein hohes politisches und fachliches Wissen, pädagogisches Können, Parteilichkeit und Prinzipienfestigkeit. Da die Lehre des Marxismus-Leninismus selbst das Ergebnis der wissenschaftlichen Entwicklung ist, kann man nur dann Kommunist* werden, wenn man „sein Gedächtnis um alle Schätze bereichert, die von der Menschheit gehoben sind … wir müssen das Gedächtnis jedes Lernenden durch die Kenntnis der grundlegenden Tatsachen entwickeln und vervollkommnen …“ (Lenin). Diese Kenntnisse sollen sich die Heranwachsenden kritisch aneignen, wobei der moderne Stand der Wissenschaftsentwicklung zu beachten ist.
c) Einheitlichkeit von Kollektiv- und Persönlichkeitsentwicklung: Da das Kollektiv mit seinen vielfältigen zwischenmenschlichen Beziehungen die optimale Bedingung für die Entwicklung der Persönlichkeit darstellt, ist es erstes wichtiges Teilziel, dann wichtiges Mittel der sozialistischen Erziehung. Die Erziehung im und durch das Kollektiv ist entscheidender Grundsatz, weil nur bei seiner Beachtung von Anfang an Ordnung, Disziplin, Zielstrebigkeit, Organisiertheit und Kameradschaftlichkeit möglich sind. Im Grunde geht es hier um die Möglichkeiten des Heranwachsenden, im Prozeß des Änderns der Umstände sich selbst zu verändern, das heißt zu erziehen.
d) Hohe Achtung der Persönlichkeit und höchste Anforderungen an sie: Diese „Formel“ der sozialistischen Gesellschaft besagt, daß hohe Forderungen an jeden einzelnen auch die „Achtung vor seinen Kräften und Möglichkeiten zum Ausdruck“ bringen. Umgekehrt zeigen sich in der Achtung zugleich die Forderungen an den Menschen als höchstes Lebewesen, an den Mitgestalter der neuen Gesellschaft (Makarenko). Die Beachtung dieses Grundsatzes bestimmt maßgeblich das Verhältnis der Pädagogen (Lehrer, Eltern usw.) zu den Heranwachsenden.

Schulpflicht und Schulgeldfreiheit

In der DDR gab es für alle Kinder vom beginnenden 7.Lebensjahr eine Schulpflicht. Sie dauerte 10 Jahre und wurde durch den Besuch der zehnklassigen allgemeinbildenden polytechnischen Oberschule (POS) erfüllt. Es bestand eine generelle Schulgeldfreiheit. Außerdem wurden Lehrmittelfreiheit, Erziehungsbeihilfen sowie Stipendien gewährt. Lehrlinge erhielten ein nicht-zurückzahlbares Lehrlingsentgelt. Auch das Stipendium oder Leistungsstipendium mußten nicht zurückgezahlt werden. Nach erfolgreichem Abschluß der 8.Klasse war bei entsprechenden schulischen Leistungen der Besuch einer Erweiterten Oberschule (EOS) bis zur 12.Klasse möglich. Diese Schulausbildung schloß mit dem Abitur ab, was die Zugangsvoraussetzung für ein Hochschulstudium war.

Proportionen der Bildungsbereiche und Stundentafel

In der sozialistischen Schule soll sich der Schüler die Grundlagen der Wissenschaften und der Kultur in ihrer ganzen Breite aneignen, um seine Persönlichkeit allseitig zu entwickeln. Geistige und körperliche Arbeit, politische, sportliche und kulturell-ästhetische Tätigkeiten werden in ihren Proportionen abgesteckt, soweit sie im Unterricht zu verwirklichen sind. Doch immer sind sie in ihrer engen Verflechtung mit außer-unterrichtlichen Aktivitäten, mit Spiel und Freizeitgestaltung zu sehen. Die Stundentafel legt die gesamte Stundenzahl pro Woche auf allen Klassenstufen und für alle Fächer fest. Ausgehend vom Erziehungs- und Bildungsziel, hat jeder Lehrer nicht nur den konkreten Entwicklungsstand der Klasse und jedes einzelnen Schülers, den zu vermittelnden Stoff und seine eigenen Fähigkeiten zu beachten, wenn er seinen Unterricht plant und durchführt, sondern auch die zur Verfügung stehende Zeit. Sie wird durch die Stundentafel generell und für jede Stoffeinheit im Lehrplan des Faches festgelegt, der die Stundenzahl beachten muß. (Lediglich für Klassen mit verstärktem Unterricht in modernen Sprachen und in alten Sprachen gilt als Besonderheit die Wahlmöglichkeit zwischen Biologie und Chemie und für die Klassen mit verstärktem Unterricht in alten Sprachen der Wegfall der wissenschaftlich-praktischen Arbeit, um die notwendige Stundenerhöhung für Fremdsprachen zu ermöglichen. Dafür kommen drei- bzw. zweiwöchige Produktionseinsätze der Klassen 11 und 12 in sozialistischen Betrieben.)
Tabelle
Stundentafel für alle polytechnischen Oberschulen in der DDR (zum Lesen bitte anklicken!)

Berufsbildung

Das sozialistische Bildungsgesetz sicherte jedem Jugendlichen das Recht auf Berufsbildung zu (so wie auch jeder Bürger der DDR das Recht auf einen Arbeitsplatz besaß). Und die Verfassung der DDR formulierte auch die Pflicht dazu. Ebenso war die Aus- und Weiterbildung der Werktätigen und die Förderung der Frauen und Mädchen gesetzlich geregelt und war generell kostenfrei.

Quellen und Zitate:
Werner Naumann, Einführung in die Pädagogik, Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1977, S.98-113
Kleine Enzyklopädie Das Kind, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1978, S.200-215
[1] Kurt Tucholsky, Gesammelte Werke in zehn Bänden. Rowohlt Verlag, Hamburg, 1975, Bd.10, S.110.
[2] Clara Zetkin, Zur kommunistischen Schulpolitik, Rede im Reichstag Januar 1922, in: Clara Zetkin, Ausg.Reden und Schriften, Dietz Verlag Berlin, 1960, Bd.II, S.344.
[3] W.I. Lenin, Die Aufgaben der Jugendverbände, in: W.I. Lenin, Ausg.Werke in sechs Bänden, Bd.V, S.698.

* Kommunist: Warum soll einer eigentlich Kommunist werden, wenn er das nicht will. In der DDR wurde niemand gezwungen, Kommunist zu werden. Es gab jegliche Art von Anschauungen und Ansichten. Aber es gab auch eine auf wissenschaftlichen Grundsätzen beruhende Erziehung, und die orientierte sich am dialektischen und historischen Materialismus, weil dieser (immer noch) die fortschrittlichste Weltanschauung unserer Zeit ist. Wie wir (auch in der DDR) mit Andersdenkenden umgegangen sind, ist hier nachzulesen.
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Nachtrag:
In der DDR waren sehr viele Schulen neu errichtet worden. Heute dagegen werden in Ostdeutschland fast alle diese Schulen, sowie ganze Wohnsiedlungen von Neubauten aus den 1980er Jahren zerstört und dem Erdboden gleichgemacht. Der Grund dafür ist die kapitalistische Entwicklung, der Wegzug der Familien aus den entindustrialisierten östlichen Bundesländern und der allgemeine Geburtenrückgang in der BRD. Schließlich, der Markt bestimmt den Preis: Je weniger Wohnungen es gibt, desto höher steigt der Mietpreis. Und äußerst kriminell ist auch das, was heute auf ideologischem Gebiet in der BRD geschieht: Die DDR wird gleichgesetzt mit dem faschistischen System – Hitler gleich Stalin. Das trägt zur Verharmlosung des faschistischen Terrors bei. Was dabei herauskommt, sieht an den endlosen und wirkungslosen Scheingefechten gegen die Neonaziszene in der BRD: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch…“

Siehe auch:
Welches ist das beste Bildungssystem der Welt?
Das Volksbildungssystem der DDR
Schulbücher in der BRD und der DDR
Das Land der Dichter und Denker???
Der sowjetische Pädagoge Wassili Suchomlinski

Wer gehört eigentlich zur Arbeiterklasse?

RußlandUkraineFrankreichGroßbritannienChinaBulgarienStreiks in der kapitalistischen Welt

Manchmal muß man wirklich beim „Urschleim“ anfangen. Da liest man solche dummen Bezeichnungen, wie „emanzipatorische“ oder „interventionistische“ Linke. Und da fragt man sich, was diese Leute eigentlich wollen. Ein wahrer WortSCHATZ ist das! Und das DENKEN der Bourgeoisie. Wo stehen denn diese „Linken“ und diese falschen „Kommunisten“, wie Wagenknecht, Gysi, Stehr, Meyer, Steigerwald und Co. – stehen sie an der Theke oder auf der Seite der Arbeiter. Oder sitzen sie vielleicht genüßlich beim Hummeressen im Adlon und zahlen (selbstverständlich!) ihren Champagner selbst? (Man ist ja nicht käuflich!) Und warum gibt es eigentlich immer wieder diese Klassenauseinandersetzungen zwischen Arbeitern und den Kapitalisten? Wer gehört denn nun heute noch zum Proletariat? Diese „Linken“ etwa? Oder gehören ein Programmierer, ein selbständiger Handelsvertreter, ein Postbote oder eine Mitarbeiterin beim Finanzamt etwa nicht zur Arbeiterklasse? Wie verhält es sich eigentlich mit dem Klassenbewußtsein, mit der Klassensolidarität? Wer unterstützt denn z.B. einen Streik der Fluglotsen oder der Verwaltungsangestellten? Oder wird da nur gemeckert über die Verspätung, über die Behinderungen? Und woher kommt denn diese Feindschaft zwischen der Arbeiterklasse und den Kapitalisten? Keine Frage: Sie ist einfach da. Niemand hetzt die Arbeiter auf. Nur irgendwann haben sie einfach die Nase voll von dem Betrug. Diese Feindschaft resultiert aus den unüberbrückbaren Gegensätzen dieser kapitalistischen Gesellschaft. Überall auf der Welt. Und daran hat sich seit Marx‘ Zeiten nichts geändert. Absolut nichts…

Wer oder was ist eigentlich die Arbeiterklasse?

Die Arbeiterklasse ist im Kapitalismus eine der sich feindlich gegenüberstehenden Grundklassen; im Sozialismus Grundklasse, führende Kraft und Schöpfer der sozialistischen Gesellschaft. Im Kapitalismus besteht die Arbeiterklasse, das Proletariat, aus rechtlich freien Lohnarbeitern, die keine Produktionsmittel besitzen. Um existieren zu können, sind sie gezwungen, ihre Arbeitskraft den Besitzern von Produktionsmitteln zu verkaufen. Die Arbeiter sind die unmittelbaren Produzenten der kapitalistischen Produktion und erzeugen den größten Tei! des gesellschaftlichen Reichtums. Dennoch erhalten sie nur so viel, wie zur ständigen Reproduktion ihrer Arbeitskraft notwendig ist. Die Arbeiterklasse wird durch die herrschende Bourgeoisie Ökonomisch ausgebeutet, politisch unterdrückt und ideologisch niedergehalten. Diese Lebensbedingungen zwingen sie zum unversöhnlichen Klassenkampf gegen die Bourgeoisie. Mit der Entwicklung der kapitalist. Produktionsweise formierte sich das Proletariat als Klasse. Im „Manifest der Kommunistischen Partei“ formulierten MARX und ENGELS die Entwicklung des Proletariats zu einer Grundklasse:
Manifest der Kommunistischen Partei
Infolge ihrer objektiven Stellung ist die Arbeiterklasse die einzig konsequent revolutionäre Klasse der kapitalistischen Gesellschaft. Das ist in folgendem begründet:
Arbeiterklasse
Auf Grund ihrer Stellung hat die Arbeiterklasse objektiv die welthistorische Mission, die Bourgeoisie zu entmachten, sich selbst und damit alle anderen werktätigen Schichten von der Ausbeutung zu befreien und Sozialismus und Kommunismus aufzubauen. Diese objektiven Aufgaben werden der Arbeiterklasse im Klassenkampf unter Führung ihrer revolutionären Partei bewußt. Die Arbeiterklasse wird damit zur Führerin aller Werktätigen beim Sturz der alten und beim Aufbau der neuen Gesellschaftsordnung. Für die führende Rolle der Arbeiterklasse und für ihre Kampfkraft sind folgende Faktoren weiterhin entscheidend:
Bedingungen
Die Geschichte beweist, daß die Arbeiterklasse nur dort siegen und die politische Macht erobern kann, wo sie über diese marxistisch-leninistische Partei verfügt und die sozialistische Ideologie die ganze Klasse erfaßt. Mit der Errichtung der Diktatur des Proletariats ändern sich die Stellung und der Charakter der Arbeiterklasse grundlegend. Aus einer ausgebeuteten und unterdrückten Klasse wird sie zur körperlich und geistig produktiv tätigen und machtausübenden Klasse, die gemeinsam mit den übrigen Werktätigen die entscheidenden Produktionsmittel besitzt. Sie übt die politische Macht aus, setzt ihre wissenschaftliche Ideologie durch und errichtet im Bündnis mit den Genossenschafts-bauern, der sozialistischen Intelligenz und allen anderen Werktätigen Sozialismus und Kommunismus.

Wie wird das im Sozialismus sein?

In einem sozialistischen Land ist die Arbeiterklasse und ihre Partei die ausschlaggebende gesellschaftliche Kraft und Träger der Macht. Sie leitet die Wirtschaft und den Staat, eignet sich die Errungenschaften der modernen Wissenschaften an und produziert als die am engsten mit dem sozialistischen Eigentum verbundene Klasse den größten Teil aller materiellen Werte. Dabei entwickelt die Arbeiterklasse immer stärker solche Eigenschaften wie Streben nach höheren Leistungen, Schöpfertum, Selbstlosigkeit, Verantwortungsbewußtsein, Diszipliniertheit, Kollektivgeist, Drang nach Bildung und den Stolz, Angehöriger der Arbeiterklasse zu sein. Als führende Kraft der sozialistischen Gesellschaft bereitet sie damit die Herausbildung eines hochqualifizierten, wissenschaftlich und kulturell gebildeten und bewußten Gestalters der zukünftigen kommunistischen Gesellschaft vor.

Quelle:
Meyers Jugendlexikon, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1976, S.49f.
(der letzte Absatz wurde aktualisiert, N.G.)

N.B. Ungefähr so war es auch im Sozialismus schon mal. Und darauf können wir stolz sein, die wir unseren Beitrag dazu geleistet haben! Ob und wann das Proletariat jedoch seine historische Mission erfüllt, wo und wann es wieder eine revolutionäre Rolle spielen wird, das hängt von vielen Faktoren ab, nicht zuletzt vom eigenen Klassenbewußtsein und der Beherzigung der Lehren aus der Geschichte.
Worin besteht nun die Aufgabe der Kommunisten?
1. Die Apathie im Proletariat überwinden.
2. Die Zerfahrenheit in Zeiten der Krise beseitigen.
3. Das Wesen der Krise erkennen und verdeutlichen.
4. Dem Proletariats seine führende Rolle bewußt machen und
5. sich fest zusammenzuschließen und einen Parteikern zu bilden.
sagte jedenfalls Lenin im Jahre 1910!

Siehe auch:
Die Arbeiter und die Schmarotzer
Gibt es heute noch eine Arbeiterklasse?
Kleines Politisches Wörterbuch: Was ist eine Klasse?

Lenin: Was sind die aktuellen Aufgaben der Kommunisten?

Dietrich Kittner (1935-2013)

Dietrich Kittner1977 erschien im Henschelverlag der DDR ein Büchlein mit Texten des kommunistischen Kabarettisten Dietrich Kittner. Oft war er in der DDR zu Gast. Für uns war das ein Besuch aus einer anderen Welt, aus der kapitalistischen Welt. Seine Texte waren scharf wie Paprika, intelligent wie die von Marx selber und aufrüttelnd wie Kanonendonner. Kittner hatte nicht nur in der DDR keine Furcht, zu sagen was er dachte, vor allem tat er es im Westen. Und das in aller Öffentlichkeit. Im Vorwort zur Textausgabe schreibt Günter Wallraff: »Kittners hintergründiger Humor ist nicht auf vorschnellen Beifall aus. Sein tiefschürfender intellektueller Witz entfesselt keine schenkelklatschenden Lachsalven vordergründiger Übereinkunft…Widerlegt wird damit die bürgerliche Auffassung, daß Kunst nichts bewirken solle und könne.« Aggressiv und pointiert greift er die verkommene kapitalistische Gesellschaft an, geißelt die verlogene bürgerliche Moral und entlarvt die falschen pseudolinken Schwätzer. Dietrich Kittner starb am 8.2.2013 – hier einer seiner Texte:

Es war einmal ein Mann.
Der hatte es allein
durch seiner Hände redliche Arbeit in unserer
Leistungsgesellschaft zu großem Reichtum gebracht.

Und morgen, liebe Kinder,
erzähle ich Euch
ein anderes Märchen.*

Kittner
Siehe: http://www.jungewelt.de/2013/02-16/048.php

Quelle:
* Kittners (zoo)logischer Garten, Kabarett-Texte von Dietrich Kittner, Henschel Verlag Berlin, 1977, S.20.

Heinz Kahlau: Die gerechteste Sache…

redstarSolange…

Die gerechteste Sache
der Welt
kann nicht vorankommen,
ohne jemandem
Unrecht zu tun.
Solange
sie darin
nicht ihr gutes Recht sieht,
sondern
ein Unglück,
bleibt sie
die gerechteste Sache
der Welt.

Heinz Kahlau (1985)

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aus: Heinz Kahlau, Fundsachen, Aufbau-Verlag Berlin, 1985, S.79.

W.Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?

WeltzeituhrBerlin, Hauptstadt der DDR (1975) – Weltzeituhr

Nur die wissenschaftliche Weltanschauung von Marx, Engels und Lenin ermöglicht es der Arbeiterklasse, den Kapitalismus zu überwinden. Anläßlich des 153. Geburtstages von Karl Marx am 5. Mai 1953 hielt Walter Ulbricht eine Rede, in der er begründete, warum die Arbeiterklasse aus dem Studium des Marxismus-Leninismus neue Kraft zur Überwindung der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft schöpfen kann.

Eine neue Weltanschauung

Karl Marx vollbrachte die größte Tat der Geschichte. Er schuf eine neue Weltanschauung, die Weltanschauung der Arbeiterklasse, den wissenschaftlichen Sozialismus. Vor Marx gab es keine konsequente wissenschaftliche Ansicht von der Welt im ganzen, besonders aber von der Entwicklung der Gesellschaft. Vor Marx drückten die philosophischen, ökonomischen und geschichtlichen Lehren die Ansichten einzelner Gelehrter und eines kleinen Kreises ihrer Schüler aus. Die Lehre von Marx ist nicht die Doktrin eines einzelnen Gelehrten, sondern die Weltanschauung der fortschrittlichsten Klasse der modernen Gesellschaft, des Proletariats. Der Marxismus, das ist die Ideologie von vierhundert Millionen Werktätigen in allen Ländern der Welt. „Die Lehre von Marx“, sagte Lenin, „ist allmächtig, weil sie richtig ist.“ [1]

Einheit von Theorie und Praxis

Niemals gab es vor Marx eine so streng wissenschaftlich begründete Philosophie, politische Ökonomie und Geschichtswissenschaft. Die Theorie des Marxismus im ganzen und jeder Bestandteil dieser Theorie im einzelnen sind allseitig wissenschaftlich begründet und durch die Erfahrung der geschichtlichen Entwicklung geprüft. Im Verlauf von mehr als einem Jahrhundert hat sich der Marxismus stetig weiterentwickelt, sich immer weiter bereichert. Alle grundlegenden Thesen des Marxismus haben sich in der Erfahrung eines ganzen Jahrhunderts der geschichtlichen Entwicklung bewahrheitet.

Marx entdeckte die objektiven Gesetzmäßigkeiten

Marx schuf die Wissenschaft von der Gesellschaft, er entdeckte die objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung. Er untersuchte allseitig die Entwicklung des Kapitalismus, deckte die Widersprüche auf, die in dieser Produktionsweise selbst enthalten sind, und zeigte, daß kraft dieser Widersprüche der Kapitalismus unweigerlich seinem Untergang entgegengeht. Diese geniale Voraussicht von Marx ist heute durch die Erfahrung der UdSSR, der Länder der Volksdemokratie, durch die Erfahrung des großen Chinas, durch die Erfahrung der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigt worden.

Die Arbeiterklasse als Totengräber des Kapitalismus

Marx deckte nicht nur die Widersprüche des Kapitalismus auf und zeigte nicht nur die Unvermeidlichkeit seines Untergangs kraft objektiver ökonomischer Gesetze, sondern er entdeckte auch die Kraft, welche den. Untergang des Kapitalismus herbeiführen wird, die Arbeiterklasse. Nach einer treffenden Bemerkung von Marx ist die Arbeiterklasse der Totengräber des Kapitalismus. [2] Die Arbeiterklasse ist jedoch, nach der Lehre von Marx, nicht nur der Totengräber des Kapitalismus, sondern sie ist auch die fortschrittlichste Klasse der modernen Gesellschaft, und nur die Arbeiterklasse ist imstande, eine Weiterentwicklung der Produktivkräfte zu gewährleisten und die Gesellschaft insgesamt fortzuentwickeln.

Sozialismus bedeutet Befreiung von Ausbeutung

Karl Marx hat genial vorausgesehen, daß die Arbeiterklasse nach Eroberung der Staatsmacht das wirtschaftliche Lehen, mit einer höheren Meisterschaft als die Bourgeoisie organisieren kann, daß sie sparsamer wirtschaften wird als die Ausbeuter, daß sie in der kürzesten Geschichtsperiode Millionen Werktätige von Ausbeutung und Elend befreien und die sozialistische Gesellschaft aufbauen wird, in der die Werktätigen wirklich frei, das heißt Beherrscher ihres ökonomischen und politischen Lebens, sein werden. Auch diese große Voraussicht von Marx hat sich in vollem Umfang bewahrheitet.

Den Marxismus kann man nicht vernichten!

Der Marxismus ist seit seinen ersten Tagen als kämpferische Weltanschauung aufgetreten. Alle Winkelzüge der Bourgeoisie und ihrer gelehrten Lakaien wurden und werden von ihm unbarmherzig entlarvt. Die herrschenden Klassen und ihre Diener aus den Kreisen der rechten Sozialdemokraten versuchen unermüdlich, den Marxismus zu entstellen und zu vernichten. Doch alle ihre Versuche brechen unweigerlich zusammen. Den Marxismus kann man nicht vernichten, weil man das Proletariat nicht vernichten kann, dessen Ideologie er ist; den Marxismus kann man nicht vernichten, weil er die fortschrittlichste Wissenschaft ist und den objektiven Bedingungen der geschichtlichen Entwicklung entspricht.

Eine mächtige Waffe im Klassenkampf

Der Marxismus wird von allen Ausbeuterklassen und ihren Lakaien gehaßt. Das ist durchaus verständlich, denn der Marxismus ist eine revolutionäre Waffe in den Händen der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus, gegen alle Kräfte und Traditionen der bürgerlichen Gesellschaft. Der Marxismus ist eine mächtige geistige Waffe des Proletariats, mit deren Hilfe die Werktätigen nun bereits ein Jahrhundert lang einen hartnäckigen Kampf gegen die Ausbeuter führen, der ‚Bourgeoisie Schritt für Schritt eine Stellung nach der anderen abtrotzen. …

Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln

Marx hebt hervor, daß es sich bei der Entwicklung der kapitalistischen Produktion und der Zentralisation des Kapitals in wenigen Händen um die Enteignung und Ausbeutung der Volksmassen handelt. … Indem die Arbeiterklasse durch die Eroberung der politischen Macht das kapitalistische Eigentum in die Hände des Volkes übernimmt, vollzieht sie nur die Enteignung weniger, die sich unrechtmäßig fremdes Arbeitsprodukt angeeignet haben, durch die Volksmassen und zugunsten dieser Volksmassen. (…)

Auch in Deutschland wird die Zeit kommen, da sich die Menschen rückblickend darüber wundern, daß eine kleine Gruppe von Konzern- und Bankherren … die Bevölkerung ausbeuten und knechten konnte und das Volk so lange zugelassen hat, daß diese kleine Gruppe alle Mittel der öffentlichen Beeinflussung in den Händen hielt, um das Volk zu terrorisieren.

Zitate:
[1] W. J. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: Ausgewählte Werte in zwei Bänden, Bd.1, Dietz Verlag, Berlin 1960, S.7.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: Werke, Bd.4, S.474.

Quelle:
Walter Ulbricht: Der dialektische Materialismus – die Weltanschauung des Sozialismus, in:
derselbe, Reden und Aufsätze, Bd.IV, Dietz Verlag, Berlin, 1958, S.554-571.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Walter Ulbricht: Was man lernen muß…

Michail Kalinin: Der Marxismus-Leninismus, eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive
Der Sozialismus war und ist lebensfähig!
Der Sozialismus unmd die SED

Woher kommt der Reichtum?

ReichtumSo sind sie. Da reden sie von ERFOLG uind EIGENINITIATIVE, von ARBEITSPLÄTZEN und von unternehmerischer FREIHEIT – doch was geschieht in Wirklichkeit? Es geschieht die Ausbeutung fremder Arbeitskraft durch die Besitzer der Betriebe, der Maschinen, der Werkzeuge, der Grundstücke und Immobilien, es geschieht die Eroberung fremder Länder und Rohstoffquellen, es geschieht die Einvernahme des Denkens und der Bereitwilligkeit der Menschen für ausbeuterische Zwecke, und es geschieht die massive Einflußnahme und Unterdrückung jeglichen Widerstandes gegen diese imperialen und machthaberischen Interessen, gegen diese schreienden Ungerechtigkeiten der kapitalistischen Gesellschaft. Es ist an der Zeit, hier Klarheit zu schaffen!

Und so sind die Sprüche und Redensarten der Ausbeuter:
…Eigentum verpflichtet.
…Mit jedem Euro mehr nimmt der Neid zu.
…Ich wollte nicht vorrangig viel Geld verdienen, sondern erfolgreich sein.
…Erfolg wird mit Geld belohnt.
…ich hatte immer nur das nächste Ziel vor Augen.
…es kommt vor allem auf Fleiß und Eigeninitiative an.
…der große Feldversuch der DDR ist gescheitert.
…Viele Wohlhabende sind bereit, einen besonderen Beitrag zu leisten.
…mit Geld werden Unternehmen finanziert, was Arbeitsplätze schafft.
…die bestverdienenden 10 Prozent zahlen mehr als 50 Prozent der Einnahmen aus der Einkommenssteuer.
…Jede Deckelung des Einkommens führt zu Demotivation.
…Höhere Steuern mindern die Leistungsbereitschaft, dann wird auch nicht mehr so viel investiert, dann geht es den Unternehmen schlechter, das kostet Arbeitsplätze.
…der Staat kann mit dem Geld nur nicht richtig umgehen.

Liest man diese auswendig gelernten Äußerungen einiger reicher und super-reicher Vertreter der heutigen Bourgeoisie, so könnte man tatsächlich den Eindruck haben, daß allein deren fleißige Arbeit die Quelle all ihres Reichtums sei, daß eben nur Leistung sich lohne, und der kluge Umgang mit Geld. Und daß der Staat nunmal damit nicht umgehen könne. Dergleichen abgedroschene Sprüche hört man immer wieder. Sie haben einzig und allein den Zweck, dem Esel die Möhre vor die Nase zu halten, damit er glaubt, das Ziel seiner Beteligung, seiner „Teilhabe“ am großen Gewinn sei für ihn nun greifbar nahe. Er brauche nur noch einen kleinen Schritt zu tun, und -schwupps!- schon habe er es erreicht. Wie einfach – doch wie dumm! Keine Frage: FAULHEIT führt zu NICHTS.

Ist die Arbeit die Quelle alles Reichtums?

In dem 1960 erschienenen Heft über „Die materiellen Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens“ schrieb der DDR-Philosoph G.Heyden: Eine besondere Rolle im Klassenkampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat hat die von bürgerlichen Ökonomen aufgestellte These: „Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums“, gespielt. Wer sich mit der Geschichte der Arbeiterbewegung beschäftigt, weiß, daß diese Formulierung ins „Gothaer Programm“ der deutschen Sozialdemokratie Aufnahme gefunden hatte und von Marx in seiner Schrift „Kritik des Gothaer Programms“ widerlegt wurde. Diese These läuft nämlich letzten Endes auf eine völlige Unterschätzung der natürlichen Produktionsbedingungen, die den Menschen durch ihr geographisches Milieu gegeben sind, hinaus. Marx entlarvte in dieser Schrift besonders den bürgerlichen Klassencharakter dieser Auffassung. Er schrieb:

„Die Arbeit ist nicht die Quelle alles Reichtums. Die Natur ist ebensosehr die Quelle der Gebrauchswerte, als die Arbeit… Und soweit der Mensch sich von vornherein zur Natur, der ersten Quelle aller Arbeitsmittel und -gegenstände, als Eigentümer verhält, sie als ihm gehörig behandelt, wird seine Arbeit Quelle von Gebrauchswerten, also auch von Reichtum. Die Bürger haben sehr gute Gründe, der Arbeit übernatürliche Schöpfungskraft anzudichten; denn gerade aus der Naturbedingtheit der Arbeit folgt, daß der Mensch, der kein andres Eigentum besitzt als seine Arbeitskraft, in allen Gesellschafts- und Kulturzuständen der Sklave der ändern Menschen sein muß, die sich zu Eigentümern der gegenständlichen Arbeitsbedingungen gemacht haben. Er kann nur mit ihrer Erlaubnis arbeiten, also nur mit ihrer Erlaubnis leben.“ [1]

Mit diesen Worten betonte Marx, daß das menschliche Leben, das sich durch die Produktion erhält und entwickelt, an Naturbedingungen gebunden ist. Diese sind eine unerläßliche Existenzbedingung der Menschen.

Man muß lernen, den Kapitalismus zu durchschauen!

Die bürgerlichen Ideologen sind gezwungen, diesen Zusammenhang zu verschleiern, weil sonst ihre Phrasen von der „allgemeinen menschlichen Freiheit“, von der „Sozialpartnerschaft“ und vom „Wirtschaftsbürger“ im Kapitalismus zu leicht durchschaut werden könnten. Wenn man nämlich anerkennt, daß die menschliche Arbeit an bestimmte Naturbedingungen gebunden ist, dann muß man auch erkennen, daß der arbeitende Mensch dort, wo er durch Eigentumsschranken von den natürlichen Bedingungen seines Lebens getrennt ist, sein Leben nur erhalten kann, wenn der Besitzer dieser Naturbedingungen ihm zu arbeiten erlaubt. Unter diesen Umständen, die in allen auf dem Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhenden Gesellschaftsordnungen und vor allem natürlich in der kapitalistischen Gesellschaft gegeben sind, bleibt der arbeitende Mensch immer Sklave der besitzenden Klasse.

Der Kapitalismus – eine Sklavenhaltergesellschaft

Das trifft in vollem Umfang auch für Westdeutschland zu, wo im Unterschied zur Deutschen Demokratischen Republik der Grund und Boden den Großgrundbesitzern, die Bodenschätze und Fabriken den Monopolisten und Bankherren gehören, die als Besitzer der gesellschaftlich entscheidenden Produktionsmittel die Arbeiter und ‚Bauern ausbeuten und politisch versklaven. Deshalb können sich die Werktätigen nur befreien durch die Enteignung der Großgrundbesitzer- und Monopolkapitalisten, die Überführung der Fabriken und natürlichen Reichtümer in die Hände des Volkes. Deshalb sind Redensarten von „Volkskapitalismus“, „Volksaktien“ usw. frecher Betrug.

Die gesellschaftlichen Veränderungen in der DDR

Mit dem Übergang vorn Kapitalismus zum Sozialismus, wie er sich auch in unserer Republik (der Autor meinte damit die DDR, N.G.) vollzieht, wird durch die Umwandlung des Privateigentums an den wichtigsten Produktionsmitteln in gesellschaftliches Eigentum die Grundlage der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigt. Die wichtigsten gesellschaftlichen Produktionsmittel, Bodenschätze, Fabriken, Großhandel, Transport und Verkehrswesen usw., sind bei uns bereits in das Eigentum des Volkes übergegangen. Das noch in geringem Umfang bestehende kapitalistische Eigentum an Produktionsmitteln wird allmählich auf dem Wege der staatlichen Beteiligung an diesen Privatbetrieben, das bäuerliche Eigentum an Grund und Boden und das handwerkliche Eigentum an Produktionsmitteln aber auf dem Wege der Vergenossenschaftung allmählich in sozialistisches Gemeineigentum umgewandelt. Indem die Arbeiterklasse auf diese Weise in der sozialistischen Revolution unter Führung ihrer marxistisch-leninistischen Partei die Schranken niederreißt, die den Produzenten von den Produktionsbedingungen trennen, stellt sie eine harmonische Einheit zwischen Mensch und Natur her und befreit sich selbst vom Sklavendasein.

Eine kleine Schicht von Monopolisten

Im Kapitalismus kann der arbeitende Mensch die ständige und notwendige Einheit mit seiner natürlichen Umgebung nur über die Besitzer der Produktionsmittel realisieren. Das ist eine ständige Quelle von Unsicherheit, Hunger, Arbeitslosigkeit und Unterdrückung für den Arbeiter. Das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln hindert den Arbeiter am Zutritt zu seinen notwendigen Existenzmitteln. Im Sozialismus dagegen, wo die Einheit des arbeitenden Menschen mit der Natur nicht mehr über eine kleine Schicht von Monopolisten hergestellt wird, wo alle Eigentumsschranken gefallen sind und dem gesellschaftlichen Charakter der Produktion das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln entspricht, ist diese Einheit Quelle eines ständig steigenden Lebensstandards der ganzen Gesellschaft.

Quelle:
G.Heyden: Die materiellen Grundlagen des gesellschaftlichen Lebens, in: Wissenschaftliche Weltanschauung, Teil II, Historischer Materialismus, Dietz Verlag Berlin, 1960, S.49-51.
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Der Wahlspruch der Profiteure: „Geld machen“

In der kapitalistischen Gesellschaft, wo das kapitalistische Privateigentum an den Produktionsmitteln das Verhältnis der Menschen zur Natur bestimmt, werden in den verschiedenen Ländern einzelne Elemente des geographischen Milieus gar nicht oder nur ungenügend ausgenutzt, andere dagegen werden ohne Rücksicht auf eventuelle Folgen ausgebeutet. Unter der Losung „Geld machen“ werden ganze Wälder abgeholzt, Tierarten ausgerottet und der Boden verwüstet. Die Bodenerosion als das sichtbarste Ergebnis der Entwaldung und des Raubbaues am Boden hat zum Beispiel in den USA zur Zerstörung etwa eines Viertels des ursprünglichen Acker- und Weidelandes geführt. Andererseits werden im Kapitalismus natürliche Bedingungen der Produktion nicht genutzt, weil die Kapitalisten weniger Produkte einer Sorte auf den Markt werfen wollen, um die Preise künstlich hoch zu halten.

Beispiele kapitalistischer Plünderungen

Keinen anderen Sinn haben die im Jahre 1950 angeordneten Vernichtungen großer Mengen Lebensmittel in den USA und die Anfang des Jahres 1956 von Präsident Eisenhower bekanntgegebenen Vorschläge zur Subventionierung der Anbaubeschränkung in der amerikanischen Landwirtschaft. Diese Vorschläge zielen darauf ab, die Anbaufläche für Weizen und Baumwolle in den USA um 20 Prozent zu verringern. Bereits angebaute Weizenfelder sollen umgepflügt werden. Als Ersatz erhalten die Farmer, die sich an diesem Plan beteiligen, Bezugscheine, das heißt, die Regierung erstattet ihnen einen Teil der Ernte, auf die sie verzichtet haben, in natura oder in bar. Es bahnt sich hier eine ähnliche Tragödie an. wie wir sie schon in den dreißiger Jahren dieses Jahrhunderts erlebt haben. Schon damals wurden amerikanische Farmer dafür bezahlt. daß sie nicht produzierten, obwohl ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung unter dem Existenzminimum leben mußte. Das zeigt, wie in der kapitalistischen Gesellschaft das Verhältnis des Menschen zur Natur durch die Profitinteressen der herrschenden Klassen bestimmt und eine vernünftige Ausnutzung der natürlichen Produktionsbedingungen verhindert wird. Wie Marx schrieb, „ist die Fruchtbarkeit nicht eine so bloß natürliche Eigenschaft, wie man wohl glauben könnte: Sie steht in engem Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftlichen Verhältnissen. Ein Grundstück kann für den Getreideanbau sehr fruchtbar sein, und doch kann der Marktpreis für den Bebauer bestimmen, es in künstliche Wiesen umzuwandeln und so un fruchtbar zui machen.“ [2]

Grundlegend anders ist das Verhältnis des Menschen zur Natur unter den Bedingungen der sozialistischen Produktionsverhältnisse. Hier ist das gesellschaftliche Eigentum die Grundlage für ein völlig neues Verhältnis der Menschen zur Natur. Wer hätte wohl in der sozialistischen Gesellschaft ein Interesse daran, die natürlichen Bedingungen der Produktion zu zerstören oder vorhandene Möglichkeiten für die Befriedigung der ständig wachsenden materiuellen un d kulturellen Bedürfnisse der Menschen nicht auszunutzen?

Quelle:
G.Heyden, a.a.O, S.55f.

Zitate:
[1] Marx/Engels: Ausgewählte Schriften, Bd, II, S.11.
[2] Karl Marx, Das Elend der Philosophie, Dietz Verlag, Berlin 1957, S.1282.

Siehe auch:
Friedrich Engels: Über Habgier und Reichtum
Null-bock-Stimmung – oder: Macht Geld faul?
Die Reichen und die Armen