W.Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?

WeltzeituhrBerlin, Hauptstadt der DDR (1975) – Weltzeituhr

Nur die wissenschaftliche Weltanschauung von Marx, Engels und Lenin ermöglicht es der Arbeiterklasse, den Kapitalismus zu überwinden. Anläßlich des 153. Geburtstages von Karl Marx am 5. Mai 1953 hielt Walter Ulbricht eine Rede, in der er begründete, warum die Arbeiterklasse aus dem Studium des Marxismus-Leninismus neue Kraft zur Überwindung der kapitalistischen Ausbeutergesellschaft schöpfen kann.

Eine neue Weltanschauung

Karl Marx vollbrachte die größte Tat der Geschichte. Er schuf eine neue Weltanschauung, die Weltanschauung der Arbeiterklasse, den wissenschaftlichen Sozialismus. Vor Marx gab es keine konsequente wissenschaftliche Ansicht von der Welt im ganzen, besonders aber von der Entwicklung der Gesellschaft. Vor Marx drückten die philosophischen, ökonomischen und geschichtlichen Lehren die Ansichten einzelner Gelehrter und eines kleinen Kreises ihrer Schüler aus. Die Lehre von Marx ist nicht die Doktrin eines einzelnen Gelehrten, sondern die Weltanschauung der fortschrittlichsten Klasse der modernen Gesellschaft, des Proletariats. Der Marxismus, das ist die Ideologie von vierhundert Millionen Werktätigen in allen Ländern der Welt. „Die Lehre von Marx“, sagte Lenin, „ist allmächtig, weil sie richtig ist.“ [1]

Einheit von Theorie und Praxis

Niemals gab es vor Marx eine so streng wissenschaftlich begründete Philosophie, politische Ökonomie und Geschichtswissenschaft. Die Theorie des Marxismus im ganzen und jeder Bestandteil dieser Theorie im einzelnen sind allseitig wissenschaftlich begründet und durch die Erfahrung der geschichtlichen Entwicklung geprüft. Im Verlauf von mehr als einem Jahrhundert hat sich der Marxismus stetig weiterentwickelt, sich immer weiter bereichert. Alle grundlegenden Thesen des Marxismus haben sich in der Erfahrung eines ganzen Jahrhunderts der geschichtlichen Entwicklung bewahrheitet.

Marx entdeckte die objektiven Gesetzmäßigkeiten

Marx schuf die Wissenschaft von der Gesellschaft, er entdeckte die objektiven Gesetze der gesellschaftlichen Entwicklung. Er untersuchte allseitig die Entwicklung des Kapitalismus, deckte die Widersprüche auf, die in dieser Produktionsweise selbst enthalten sind, und zeigte, daß kraft dieser Widersprüche der Kapitalismus unweigerlich seinem Untergang entgegengeht. Diese geniale Voraussicht von Marx ist heute durch die Erfahrung der UdSSR, der Länder der Volksdemokratie, durch die Erfahrung des großen Chinas, durch die Erfahrung der Deutschen Demokratischen Republik bekräftigt worden.

Die Arbeiterklasse als Totengräber des Kapitalismus

Marx deckte nicht nur die Widersprüche des Kapitalismus auf und zeigte nicht nur die Unvermeidlichkeit seines Untergangs kraft objektiver ökonomischer Gesetze, sondern er entdeckte auch die Kraft, welche den. Untergang des Kapitalismus herbeiführen wird, die Arbeiterklasse. Nach einer treffenden Bemerkung von Marx ist die Arbeiterklasse der Totengräber des Kapitalismus. [2] Die Arbeiterklasse ist jedoch, nach der Lehre von Marx, nicht nur der Totengräber des Kapitalismus, sondern sie ist auch die fortschrittlichste Klasse der modernen Gesellschaft, und nur die Arbeiterklasse ist imstande, eine Weiterentwicklung der Produktivkräfte zu gewährleisten und die Gesellschaft insgesamt fortzuentwickeln.

Sozialismus bedeutet Befreiung von Ausbeutung

Karl Marx hat genial vorausgesehen, daß die Arbeiterklasse nach Eroberung der Staatsmacht das wirtschaftliche Lehen, mit einer höheren Meisterschaft als die Bourgeoisie organisieren kann, daß sie sparsamer wirtschaften wird als die Ausbeuter, daß sie in der kürzesten Geschichtsperiode Millionen Werktätige von Ausbeutung und Elend befreien und die sozialistische Gesellschaft aufbauen wird, in der die Werktätigen wirklich frei, das heißt Beherrscher ihres ökonomischen und politischen Lebens, sein werden. Auch diese große Voraussicht von Marx hat sich in vollem Umfang bewahrheitet.

Den Marxismus kann man nicht vernichten!

Der Marxismus ist seit seinen ersten Tagen als kämpferische Weltanschauung aufgetreten. Alle Winkelzüge der Bourgeoisie und ihrer gelehrten Lakaien wurden und werden von ihm unbarmherzig entlarvt. Die herrschenden Klassen und ihre Diener aus den Kreisen der rechten Sozialdemokraten versuchen unermüdlich, den Marxismus zu entstellen und zu vernichten. Doch alle ihre Versuche brechen unweigerlich zusammen. Den Marxismus kann man nicht vernichten, weil man das Proletariat nicht vernichten kann, dessen Ideologie er ist; den Marxismus kann man nicht vernichten, weil er die fortschrittlichste Wissenschaft ist und den objektiven Bedingungen der geschichtlichen Entwicklung entspricht.

Eine mächtige Waffe im Klassenkampf

Der Marxismus wird von allen Ausbeuterklassen und ihren Lakaien gehaßt. Das ist durchaus verständlich, denn der Marxismus ist eine revolutionäre Waffe in den Händen der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus, gegen alle Kräfte und Traditionen der bürgerlichen Gesellschaft. Der Marxismus ist eine mächtige geistige Waffe des Proletariats, mit deren Hilfe die Werktätigen nun bereits ein Jahrhundert lang einen hartnäckigen Kampf gegen die Ausbeuter führen, der ‚Bourgeoisie Schritt für Schritt eine Stellung nach der anderen abtrotzen. …

Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln

Marx hebt hervor, daß es sich bei der Entwicklung der kapitalistischen Produktion und der Zentralisation des Kapitals in wenigen Händen um die Enteignung und Ausbeutung der Volksmassen handelt. … Indem die Arbeiterklasse durch die Eroberung der politischen Macht das kapitalistische Eigentum in die Hände des Volkes übernimmt, vollzieht sie nur die Enteignung weniger, die sich unrechtmäßig fremdes Arbeitsprodukt angeeignet haben, durch die Volksmassen und zugunsten dieser Volksmassen. (…)

Auch in Deutschland wird die Zeit kommen, da sich die Menschen rückblickend darüber wundern, daß eine kleine Gruppe von Konzern- und Bankherren … die Bevölkerung ausbeuten und knechten konnte und das Volk so lange zugelassen hat, daß diese kleine Gruppe alle Mittel der öffentlichen Beeinflussung in den Händen hielt, um das Volk zu terrorisieren.

Zitate:
[1] W. J. Lenin: Drei Quellen und drei Bestandteile des Marxismus. In: Ausgewählte Werte in zwei Bänden, Bd.1, Dietz Verlag, Berlin 1960, S.7.
[2] Karl Marx/Friedrich Engels: Manifest der Kommunistischen Partei. In: Werke, Bd.4, S.474.

Quelle:
Walter Ulbricht: Der dialektische Materialismus – die Weltanschauung des Sozialismus, in:
derselbe, Reden und Aufsätze, Bd.IV, Dietz Verlag, Berlin, 1958, S.554-571.
(Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Siehe auch:
Walter Ulbricht: Was man lernen muß…

Michail Kalinin: Der Marxismus-Leninismus, eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive
Der Sozialismus war und ist lebensfähig!
Der Sozialismus unmd die SED

9 Gedanken zu “W.Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?

  1. Hallo Genosse Norbert,
    Dieses Referat kenne ich in vollem Wortlaut. Die „Werke“ von Walte Ulbricht (Dietz Verlag Berlin) haben viele Lücken. Die erste drei Bänder bekamen nach 1961 eine zweite Auflage, worin J.W. Stalin völlig ausradiert war.
    Schon gleich nach seinem Rückkehr vom XX. Parteitag der KPdSU sagte er „Zu den Klassikern des Marxismus-Leninismus kann man Stalin nicht rechnen“ (sic – ND 04.03.1956).
    Spitzbart, wie wir ihm in Volksmund nannten, verstand die Kunst, auch wenn er weiterhin was richtiges sagte oder schrieb, sich unglaubwürdig zu machen ! Hinzu hatte er eine salzlose Stimme. Er hat jede Wendung mitgemacht und zuletzt haben seine Genossen es ihm auf ihre Art „gedankt“. Man konnte, wollte, nicht mal die Weltfestspiele in Berlin ein Tag stilllegen.
    Das „Walter Ulbricht“ Stadion wurde „Stadion der Weltjugend“. Und so weiter…Schade.
    Mit sozialistische Grüße,
    Nadja

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  2. … langsam bin ich nicht mehr so optimstisch, sondern eher erstaunter und dankbarer, dass es sowas wie die DDR überhaupt gegeben hat (heute kommt es mir wie ein Märchen aus fernsten Zeiten vor …)

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  3. Danke für die Kommentare. Tja, und…? Genosse Dr.Kurt Gossweiler schreibt in seinem Tagebuch am 11.Juni 1953: „Schroffe, in keiner Weise vorbereitete Wendung. Feststellung, daß seitens der Partei und Regierung in der Vergangenheit eine Reihe von Fehlern begangen wurde. Vorschläge zur Aufhebung all der Maßnahmen, für deren Verteidigung und Propaganda die gesamte Partei wochenlang bis zum 10. Juni auf den Beinen war….“ provokatorischer Artikel im ND …“ das Zentralorgan putscht also Arbeiter gegen die Maßnahmen der Partei auf…“ (Taubenfußchronik, Bd.1), dann der konterrevolutionäre Putsch. Stalin (heute wissen wir’s) ermordet! Gottwald in Moskau an einer „Erkältung“ gestorben. Faschistischer Putsch in Jugoslawien. Chruschtschow wird Generalsekretär, Ulbricht nunmehr auch gegen „Dogmatismus“. Wer hat ihm da die Feder geführt? Herrnstadt-Zaisser-Berija… die Synchronität der Ereignisse verblüfft…

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  4. Will man versuchen, die vielen Wendungen des immerhin staatlich(!) organisierten embryonalen Sozialismus in seiner Entwicklung bis hin zu Revisionismus und schließlich offener Konterrevolution zu verstehen, sollte man keinesfalls der typisch bürgerliche Manier reiner Personifizierungen nach dem Motto „Männer machen Geschichte“ folgen.
    Dies ist reiner Subjektivismus, von jeglichem ernstaften dialektischen und historischen Materialismus Lichtjahre entfernt!
    Es macht einfach keinen Sinn, das alles einfach nur an Personen wie Chruschtschow, Breshnew, Gorbatschow oder Honecker aufzuhängen, ebenso die zweifellos widerwilligen Wendungen, denen auch ein Walter Ulbricht mehrfach folgen musste bis hin zu diesem seltsamen Zitat zu Stalin.
    Alle diese historischen Figuren agierten nicht auf dem Mond oder noch besser dem Mars, sondern unter jeweils gegebenen OBJEKTIVEN innen- als auch außenpolitischen Bedingungen.
    Es sind also die konkreten innenpolitischen Verhältnisse, ökonomischen Voraussetzungen, das allgemeine Kulturniveau der Bevölkerung, insbesondere deren politisches Niveau in gewissen Proportionen untereinander, zu untersuchen, besonders das der Masse der einfachen Werktätigen, den daraus entsprungenen Erwartungen und Hoffnungen an die neue sozialistische Gesellschaft, welche ja keine der herschenden Parteien alles längerfristig ohne schwere innenpolitische Konflikte zu riskieren ignorieren konnte.
    Lehrten Lenin und Stalin nicht immer wieder zu recht, dass die Partei der herrschenden Arbeiterklasse immer ihr Ohr an den Massen haben müsse?
    Und dann eben auch der niemals zu unterschätzende Kampf und Einfluss des nach wie vor mächtigen imperialistischen Weltsystems unter US-Führung auf die sozialistischen Länder, mit allen seinen ökonomischen Restriktionen, Sanktionen, Boykotten, Embargen, permanenter militärischer Bedrohung mit einem riesigen Atomwaffen-Arsenal, aufgezwungenen Wettrüsten zu allen Zeiten, der äußerst geschickten und raffienierten politischen und kulturellen Diversion, der Spionage und gezielten Unterwanderung bestimmter Zielgruppen in den sozialistischen Ländern, deren allmählicher Umpolung durch „Wandel durch Annäherung“, vermehrter Kontakte zwecks allmählicher vor allem materieller Korrumpierung wichtiger Entscheidungsträger, dies alles in vielfältigen Zusammenspiel und Wechselwirkungen brachten schließlich allmählich jene Wirkungen hervor, die heute von vielen Leuten einfach mit dem Schlagwort Revisionismus abgetan werden.
    Natürlich schillert der Revisionismus an der Oberfläche des Untergangs des realen Sozialismus sehr hell und beeindruckend, ist geradezu mit Händen zu fassen, doch auch hier sind nicht die Ideen schlechthin das letztlich bestimmende, sondern jene materiellen und objektiven Verhältnisse, welche diese hervorriefen, begünstigten.
    Wenn wir ganz ehrlich sind, so müssen wir doch anerkennen, dass der reale Sozialismus rein ökonomisch trotz großer Nachhol-Erfolge gegenüber dem ökonomisch mächtigen imperialistischen Weltsystem ökonomisch leider NOCH auf zu schwachen Füßen stand.
    Ebenso muss bei diesen Betrachtungen auch das weitgehende gesellschaftliche Versagen fast aller Organisationen und Parteien der Lohnabhängigen der führenden und fortgeschrittensten imperialistischen Länder, deren völlige Unterwanderung und Korrumpierung durch imperialistische Geheimdienste und monopolistische Extra-Profite in Betracht gezogen werden.(Gewerkschaften, ehemalige Arbeiterparteien, Genossenschaften)
    So wurden eben auch die Massen der völlig „verhausschweinten“ Lohnkechte(Robert Kurz: Schwarzbuch des Kapitalismus, 1999) zu weiteren Stützen und Reserven des Imperialismus, konnten so jenseits allen subjektiven politischen Wollens und Empfindens dieser Klassen und Schichten gegen den realen Sozialismus in Stellung gebracht werden, ob als Söldner, Agenten, Kulturimperialisten, Waffenschmiede oder nur einfache kleine ordinäre Mehrprodukt-Spender der herrschenden Eliten des Weltimperialismus.
    Mit dem Imperialismus ist eben doch wie mit der Schlange, der Kopf muss schließlich doch endgültig zerrtreten werden!(Trotz aller „schwächsten Kettenglieder“ des Imperialismus)
    Sorry, wenn es etwas lang wurde, doch alle, die den Untergang des realen Sozialismus ehrlich beklagen, müssen sich auch ganz ehrlich mit dessen Ursachen beschäftigen, dies der Sinn.

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  5. Ganz recht, Harry. Ich hab’s verstanden. Nunja, embryonal war er sicher nicht, und trotz aller Ecken und Kanten, trotz aller personellen Abweichungen, Unarten, Mißdeutungen und Schlitzohrigkeiten (die es ja überall gibt), war der Sozialismus doch sehr quicklebendig. Und Millionen (!) Menschen haben sich aufopferungsvoll und selbstlos dafür eingesetzt, und tun es noch. Nicht nur die Kommunisten!!! Viele waren nach dem Ende des Sozialismus bitter enttäuscht. Einige sogar so sehr, daß sie meinten, auf’s falsche Pferd gesetzt zu haben. Lächerlich! Und wiederum ist die Idee nicht erloschen. Auch wenn es Widersprüche gibt und Uneinigkeiten, ja auch erneut Falschheiten. In keiner Wissenschaft gibt es wohl soviel Streit wie in der Gesellschaftswissenschaft. Ceterum censeo: Der Marxismus-Leninismus ist kristallklar!

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  6. Noch schnell ein interessanter Link als Nachtrag zu meinem vorherigen Beitrag, um zu sehen, mit was für objektiven Problemen, Problemen, dessen Lösung eben keines falls allein in seiner Hand lagen, sich der „wendige“ „Spitzbart“ Walter Ulbricht oft herumschlagen musste: (später auch wieder Honecker gegen Breshnew, Erdöl etc…)

    http://www.deutsche-kommunisten.de/Walter_Ulbricht/1961_Brief_an_Chruschtschow.html

    Man kann doch selbst heute nur Hochachtung haben vor solchen Leuten wie Walter Ulbricht, was sie dennoch unter solchen schlimmen inneren und äußeren Bedingungen doch bis 1989 auf die Beine brachten, der großen Masse des DDR-Volkes ein recht behagliches und ruhiges Leben verschaffen konnten.
    Was wäre wohl alles unter viel günstigeren Bedinungen alles möglich gewesen!

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  7. Ich möchte nur davor warnen, dass Ende des realen Sozialismus ganz einfach á la Guido Knopp zu einer Räubergeschichte mit Gift, Dolchen und Pistolen umzuinterpretieren! 🙂
    „History“ etc.. haben wir schon genug…
    Und selbstverständlich wurde eine Menge erreicht, trotz alledem, der Sozialismis ist kein Traum, keine Utopie, der gesellschaftliche Beweis wurde erbracht, er ist machbar!

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