Warum ist der Kommunismus gut für die Menschen?

Pieck und Grotewohl
Freunde und Kampfgefährten: Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl (1950)

Im April 1954 auf dem IV. Parteitag der SED hielt Ministerpräsident Otto Grotewohl eine Rede, in der er begründet, warum der Kommunismus gut für die Menschen ist. Hinter ihm, an der Wand war die Aufschrift befestigt:

DIE STÄRKE DER PARTEI
LIEGT IN IHRER UNLÖSBAREN
VERBUNDENHEIT
MIT DEN MASSEN

Das war mehr als nur symbolisch. Durch das Vertrauen der Arbeiterklasse in die Politik der Partei, durch die enge Verbindung der Partei zum Volk, und durch dessen enthusiastische Kraft und mit Hilfe der Sowjetunion, war es damals möglich, binnen weniger Jahre auf den Trümmern des 2.Weltkrieges eine neue, sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten. Die DDR gehörte bald darauf wirtschaftlich, wie sozial zu den fortgeschrittensten Ländern der Erde. Zwar hatten wir noch keinen Kommunismus in der DDR (wie im übrigen nirgendwo auf der Welt), doch wir hatten den Sozialismus, die Vorstufe der kommunistischen Gesellschaft. Und der war dem heutigen Kapitalismus haushoch überlegen. Davon können die meisten Menschen heute nur träumen. (Bei allen Fehlern und Mängeln, die es gab!) Und das sind unsere praktischen Erfahrungen damit. Otto Grotewohl sagte damals zu den Anwesenden:

Der dem Parteitag vorgelegte Rechenschaftsbericht des Zentralkomitees ist ein umfangreiches Dokument für die umgestaltende Kraft der Arbeiter und der Bauern in der Deutschen Demokratischen Republik, die sich aus der sinnvollen Verbindung marxistisch-leninistischer Theorie und marxistisch-leninistischen Handelns ergibt.

Für eine neue Offenheit, Ehrlichkeit und Begeisterung

Trotzdem gestattet mir zu sagen, daß viele der von den Genossen gehaltenen Diskussionsreden bis jetzt noch nicht in allen Punkten den Erwartungen entsprachen, die die umfangreiche marxistisch-leninistische Analyse des Rechenschaftsberichtes des Zentralkomitees erwarten ließ. Gewiß waren viele der hier gegebenen Berichte voll von heroischen Beispielen im Kampf um Planerfüllung, um Übererfüllung und Selbstverpflichtung. Aber viele dieser Berichte waren eben gute Wirtschaftsberichte. Man vermißte in ihnen oft noch den Willen, Kritik und Selbstkritik mit jener leidenschaftlichen Begeisterung und klassenmäßigen Bindung zur Beseitigung von Fehlern und Mängeln zu verbinden, wie es zum Beispiel Genossin Erna Wilcken, Parteisekretär der Verkehrsbetriebe Rostock, und andere uns gezeigt haben.

Das sozialistische Bewußtsein entwickelt sich nicht im Selbstlauf

Der Marxismus-Leninismus führt den Nachweis, daß das gesellschaftliche Bewußtsein nicht von selbst entstanden ist, sondern sich auf der Grundlage der sich stets verändernden gesellschaftlichen Produktion entwickelt und sich ebenfalls verändert. Das gesellschaftliche Bewußtsein der Menschen formt und entwickelt sich im Prozeß des Lebens und der Arbeit, im Zuge der historischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Gesellschaftliches Bewußtsein muß seinen Inhalt aus dem Leben und aus der Wirklichkeit schöpfen, wenn es die objektive Realität widerspiegeln und sich im Kampf um den gesellschaftlichen Fortschritt zu einer gewaltigen, aktiven und bewegenden Kraft entwickeln soll.

Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewußtsein!

Mit dieser Lehre vom gesellschaftlichen Bewußtsein, legten die Begründer des wissenschaftlichen Sozialismus der Arbeiterklasse starke theoretische Waffen in die Hände im Kampf um den Sozialismus, für den Aufbau einer neuen Gesellschaftsordnung. Sie zerschlugen die „Theorien“ der idealistischen Philosophen, wonach Wesen und Inhalt der gesellschaftlichen Bewußtseinsformen den Ideen und Anschauungen der Menschen, der „absoluten Idee“, der Religion, dem „blinden Schicksal“ oder einzelnen hervorragenden Persönlichkeiten entspringen. Mit Hilfe solcher „Theorien“ versuchen die Ausbeuterklassen die objektiven Tatsachen zu verdrehen und ihre besonderen Klasseninteressen zu verschleiern.

Die DDR – ein fortschrittlicher Staat der Arbeiter und werktätigen Bauern

In Wirklichkeit sind die werktätigen Massen die wahren Schöpfer aller materiellen und geistigen Werte. Ihre bewußte Tätigkeit drückt der Entwicklung der Geschichte den Stempel auf. Das ist in der Deutschen Demokratischen Republik so, weil die Arbeiterklasse im Bündnis mit der werktätigen Bauernschaft und in Zusammenarbeit mit allen anderen fortschrittlichen Kräften den Staat, die Deutsche Demokratische Republik, in ihre Hände genommen hat. Genosse Ulbricht hat die Rolle der Arbeiterklasse in der DDR genau dargelegt. Die Arbeiterklasse spielt in der DDR die führende Rolle. Von 6,1 Millionen werktätigen Männern und Frauen, die in Lohnarbeit stehen, sind in der DDR mehr als 4,5 Millionen Arbeiter. Gemeinsam mit ihren Familienangehörigen machen die Arbeiter mehr als die Hälfte der gesamten Bevölkerung der Republik aus. Schon allein da spricht von der überaus bedeutenden Rolle, die die Arbeiter im Leben der DDR spielen. Sie schaffen mit ihrer Arbeit alle materiellen Werte. Doch die zahlenmäßigen Angaben allein geben noch keine volle Vorstellung von der Rolle der Arbeiterklasse in der DDR.

Der entscheidende Unterschied zu Westdeutschland

Auch in Westdeutschland stellen die Arbeiter und ihre Familien die Mehrheit der Bevölkerung dar. Auch ihre Arbeit schafft die größten Reichtümer der Gesellschaft, doch sie haben keinerlei entscheidenden Einfluß auf das Leben der Gesellschaft in Westdeutschland, wie es in der DDR für unsere Arbeiterklasse der Fall ist. Das Wichtigste ist, daß in der DDR der größte Teil der Wirtschaft und die gesamte Staatsmacht der Arbeiterklasse gehören, die ein Bündnis mit der werktätigen Bauernschaft eingegangen ist und eng mit allen fortschrittlichen Kreisen, mit Wissenschaftlern, Technikern und Künstlern zusammenarbeitet, während in Westdeutschland die Wirtschaft und die Staatmacht ebenso wie früher den Großkapitalisten und Gutsbesitzern gehören.

Der Kampf um soziale Gerechtigkeit – gegen Ausbeutung und Unterdrückung

Lenin hat nachgewiesen, daß die werktätigen Massen stets die Hauptkraft historischer Prozesse sind, alle sozialen Revolutionen und jeden gesellschaftlichen Fortschritt selbst vollbracht haben und vollbringen, und daß im Verlaufe der historischen Auseinandersetzung der Klassen das Bewußtsein und die Organisiertheit der Werktätigen wachsen. … Die unbesiegbare geistige Waffe der Arbeiter und Bauern in diesem ihrem heroischen Kampf ist die Lehre von Marx, Engels und Lenin. Ihre Partei verteidigt und verficht die ureigensten Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen, nur sie ist auch imstande, dem Grundgesetz des Sozialismus zum Durchbruch zu verhelfen, indem sie die Mehrheit der Werktätigen für ihre Politik gewinnt und ihre führende Rolle auf allesn Gebieten des gesellschaftlichen Lebens verwirklicht.

Warum war Kommunismus stets gut für die Menschen?

Es geht einfach darum, daß die Arbeiter in der DDR den entscheidenden Teil der Produktionsmittel in ihren Besitz genommen haben, daß sie für sich selbst arbeiten und nicht für Kapitalisten, daß die von den Arbeitern geschaffnen Werte nicht der Bereicherung eines kleinen Häufleins von Großkapitalisten dienen, sondern – zum mindesten in der volkseigenen Industrie – dem Wohl der ganzen Gesellschaft. Die Arbeiter in der DDR sind schon nicht mehr Objekt der Ausbeutung durch die Großkapitalisten, sondern sie haben die Ausbeutung beseitigt und ihren eigenen Staat errichtet. Die Werktätigen erkennen, daß dieser neue Staat ihr eigener Staat ist, mit dem sie ihre eigenen Geschicke lenken und leiten. Damit werden die Werktätigen, die Arbeiter und Bauern, zum grundlegenden Träger der Staatsmacht. [1]

Um das alles zu erreichen, was in der DDR in diesen wenigen Jahren erreicht wurde, und um die Macht der Arbeiterklasse zu verteidigen, um das Volk vor den inneren und äußeren Feinden zu schützen, war es notwendig, die Diktatur des Proletariats zu errichten. Es ist die Macht der Mehrheit des Volkes über die Minderheit der gestürzten Ausbeuterklasse.

Ist eine Diktatur nicht etwas Schreckliches?

Nein: Die Diktatur des Proletariats ist die ungeteilte politische Herrschaft der Arbeiterklasse, die von ihr in der sozialistischen Revolution errichtet wird und dem Aufbau und der Festigung des Sozialismus dient. Um die neue, sozialistische Ordnung aufbauen zu können, muß die Arbeiterklasse ihre eigene politische Herrschaft errichten, ihr eigene Staatlichkeit konstituieren, den Staat der Diktatur des Proletariats. Sie nutzt den sozialistischen Staat als Machtinstrument der Arbeiterklasse, um „der Bourgeoisie nach und nach alles Kapital zu entreißen, alle Produktionsinstrumente in den Händen des Staates, d.h. des als herrschende Klasse organisierten Proletariats zu zentralisieren und die Masse der Produktionskräfte … rasch zu vermehren“ (MEW, B.4, S.481). [2]

„Der Kommunismus beginnt dort“, so sagte Lenin, „wo einfache Arbeiter in selbstloser Weise, harte Arbeit bewältigend, sich Sorgen machen um die Erhöhung der Arbeitsproduktivität, um den Schutz eines jeden Puds Getreide, Kohle, Eisen und anderer Produkte, die nicht den Arbeitenden persönlich und nicht den ihnen ‚Nahestehenden‘ zugute kommen, sondern ‚Fernstehen­den‘, d.h. der ganzen Gesellschaft.“ [3]

Quellen:
[1] Otto Grotewohl, im Kampf um die einige Deutsche Demokratische Republik, Reden und Aufsätze, Bd.IV, Dietz Verlag Berlin 1959, S.65-69. (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)
[2] Jugendlexikon Politische Ökonomie, VEB Bibliographisches Institut Leipzig, 1981, S.47.
[3] W.I. Lenin: Die große Initiative, in: Werke, Bd.29, Dietz Verlag, Berlin/DDR 1977, S.417.

Dreizehn Fragen und Antworten:
1. Die DDR war nicht pleite, sie war aber ohne die Sowjetunion nicht zu halten.
2. Der Sozialismus war lebensfähig, er wurde aber durch innere und äußere Feinde zerstört.
3. Die Feinde der DDR waren eine verschwindend kleine Minderheit, dennoch gefährlich.
4. Die Unzufriedenheit in der DDR war auf Abweichungen vom Sozialismus zurückzuführen.
5. Die Sowjetunion war unbesiegbar, solange sie am Marxismus-Leninismus festhielt.
6. Die angeblichen 20 Millionen Toten unter Stalin sind eine statistische Erfindung.
7. In den sozialistischen Ländern gab es keine Arbeitslosigkeit und keine Ausbeutung.
8. Der Kapitalismus ist nicht unbesiegbar, er muß aber überwunden werden.
9. Die sozialen Errungenschaften (wie z.B. in der DDR) sind nur im Sozialismus möglich.
10. Die globalen Menschheitsprobleme sind im Kapitalismus nicht lösbar.
11. Die Verbindung der Partei der Arbeiterklasse zu den Massen ist lebensnotwendig.
12. Der Sozialismus ist nicht gescheitert, sondern er wurde von seinen Feinden zerstört.
13. Der Kommunismus ist gut für die Menschen, Marx konnte beweisen, warum das so ist.

Worin besteht nun die Aufgabe der Kommunisten?
1. Die Apathie im Proletariat überwinden.
2. Die Zerfahrenheit in Zeiten der Krise beseitigen.
3. Das Wesen der Krise erkennen und verdeutlichen.
4. Dem Proletariats seine führende Rolle bewußt machen und
5. sich fest zusammenzuschließen und einen Parteikern zu bilden.
… sagte Lenin im Jahre 1910. (Siehe hier)

Siehe auch:
Der Sozialismus und die SED
Vor der Gründung der DDR (1)
Vor der Gründung der DDR (2)
Leben in der DDR, Lebensweise und Familie
Kurt Gossweiler: Die Vorzüge des Sozialismus (DDR)
Stalin: Was ist besser Sozialismus oder Kapitalismus?
Wer oder was ‚motivierte‘ eigentlich die Kommunisten?

Intrigen und dunkle Geschäfte des Imperialismus: Gedanken und Hintergünde zum Mord an J.W. Stalin

Moskau 1953
Moskau im Jahre 1953

Es liest sich wie ein Krimi. Und doch sind die handelnden Personen nicht frei erfunden. Der Tatort ist bekannt. Auch wissen wir: die Ermordung Stalins und die in der Folgezeit von Chruschtschow auf dem XX.Parteitag der KPdSU und von seinen späteren Kumpanen über ihn verbreiteten Lügen haben in der Welt nicht nur für erhebliche Verwirrung gesorgt, sondern in weiten Teilen der Bevölkerung geradezu einen sozialpolitischen Tsunami ausgelöst. Die Ende der 80er – Anfang der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts vollendete Konterrevolution war einer der schlimmsten Rückschläge der Geschichte der Menschheit.

Bezeichnenderweise hatte Stalin selbst lange Zeit vor seinem Tod davor gewarnt: „Was wäre die Folge“, so sagte er 1926 vor den Mitgliedern der Kommunistischen Internationale, „wenn es gelänge, die Republik der Sowjets zu zerschlagen? Eine Epoche der schwärzesten Reaktion würde über alle kapitalistischen und kolonialen Länder hereinbrechen, man würde die Arbeiterklasse und die unterdrückten Völker vollends knebeln, die Positionen des internationalen Kommunismus würden liquidiert.“ [1] Die Ermordung Stalins spielt in diesem Drama eine entscheidende Rolle. Sie war praktisch der Ausgangspunkt der Konter-revolution. Ohne die genaue Kenntnis dieser Geschichte gibt es keine sozialistische Zukunft!

In der Geschichte widerspiegeln sich die Kämpfe der Klassen

Wenn man einzelne Kapitel aus der Geschichte herausgreift, ohne die Hintergründe zu kennen und die in jener Epoche wirkenden Kräfte, kommt man unweigerlich zu Fehlurteilen und zu einer einseitigen, falschen Betrachtungsweise. „Es war gerade Karl Marx,“ schrieb sein langjähriger Freund und Kampfgenosse Friedrich Engels im Jahre 1885, „der das große Bewegungsgesetz der Geschichte zuerst entdeckt hatte, das Gesetz, wonach alle geschichtlichen Kämpfe, ob sie auf politischem, religiösem, philosophischem oder sonst ideologischem Gebiet vor sich gehen, in der Tat nur der mehr oder weniger deutliche Ausdruck von Kämpfen gesellschaftlicher Klassen sind, und daß die Existenz und damit auch die Kollisionen dieser Klassen wieder bedingt sind, durch den Entwicklungsgrad ihrer ökonomischen Lage, durch die Art und Weise ihrer Produktion und ihres dadurch bedingten Austausches.“ [2] So ist es auch mit der Geschichte der UdSSR und den „Geschichten“, die sich um das Leben und Wirken von Josef Wissarionowitsch Stalin ranken. Nicht wenige sensationsheischende Stories wurden über ihn erfunden, oft wurde die Geschichte gefälscht, wurden Spuren verwischt und werden Tatsachen verdreht. Um so schwieriger ist es für uns heute, eine gerechte, der Wirklichkeit und der historischen Bedeutung dieser bedeutenden Persönlichkeit gerecht werdende Darstellung zu finden.

Der Staatsstreich Nr.1 erfolgte in der Sowjetunion: Der Mord an Stalin

Wie kein anderer hatte Stalin die Entwicklung der Sowjetunion beeinflußt. Er führte dieses Riesenland in seiner Entwicklung buchstäblich vom Hakenpflug bis zur Weltraumrakete. Er setzte sich mit den Feinden der Sowjetunion auseinander. Und schließlich brachten die Völker der Sowjetunion unter seiner Führung dem Imperialismus seine bisher größte Niederlage bei, die Zerschlagung des deutschen Faschismus. Der Historiker Dr. Klaus Hesse befaßt schon sich seit langem mit der Geschichte der UdSSR. Er schreibt: „Viele waren und noch viel mehr sind auf Grund der humanistischen Erwartungen ihrer sozialistischen Überzeugung geneigt, die damit untrennbar verknüpften Probleme der Klassenauseinandersetzung im Inneren und der konterrevolutionären Aktivitäten der reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals zu ignorieren resp. zu unterschätzen. Aber der weitere Verlauf der Ereignisse hat unwiderlegbar bewiesen, daß eine wie auch immer geartete dieser ‚Lösungen‘ mit der Tatsache konfrontiert wurde und wird, daß es hier um antagonistische Widersprüche ging.“ [3] Es war also keineswegs nur ein Richtungskampf zwischen untereinander zerstrittenen Kommunisten, sondern ein Kampf für oder gegen den Sozialismus! Es war Klassenkampf. Oder wie Ljubow Pribytkowa es ausdrückte: „Mit Chruschtschow gelangte ein Antikommunist an die Spitze der Partei Lenins.“ [4]

Die Sowjetunion war den Weltherrschaftsplänen der Imperialisten im Wege

Die Imperialisten waren sich dieses antagonistischen Widerspruchs durchaus bewußt. So schreibt Klaus Hesse weiter: „Winston Churchill hatte Stalin nach seinem Ende als einen Mann bezeichnet, ‚der seinen Feind mit den Händen seiner Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang, gegen Imperialisten zu kämpfen.‘ (siehe Anm.1) Nachdem die Gefahr der Okkupation Großbritanniens durch die deutschen Faschisten vor allem durch die ungeheuren Opfer der Roten Armee gebrochen war, gab es für Churchill, Truman und ihresgleichen nur noch den einen alten Feind, der ihren Kriegs- und Weltherrschaftsplänen im Wege stand: die Sowjetunion, das in Osteuropa und Asien immer größer werdende sozialistische Lager…“ [5] Es war klar, daß diese Tendenz die herrschenden Kreise des Monopol- und Finanzkapitals eines Tages daran hindern würde, die bestehenden Ausbeutungsverhältnisse beizubehalten, und sie dazu zwingen würde, ihre kolonialistischen und neokolonialistischen Pläne und die von ihren Regierungen verfolgten Machtinteressen der aufzugeben. Doch niemals freiwillig, oder aus irgendwelchen „demokratischen“ Gründen!

Wie kam es zu diesen Auseinandersetzungen innerhalb der Führung der KPdSU?

Die Auseinandersetzungen zwischen Sozialismus und Imperialismus wirkten sich bis in das Zentralkomitee der KPdSU aus. Warum dies so geschah, darüber gibt es zunächst mehr Fragen als Antworten. „Manch einer mag derlei Überlegungen ignorieren, weil sie denn doch zu sehr an Verschwörungstheorien erinnern. Aber warum wurden nicht ’nur‘ die Ergebnisse dieser Beratung (der Wirtschaftskonferenz von 1952, N.G.), insbesondere die damals weltweit Zustimmung auslösende Aufforderung zu friedlicher Zusammenarbeit sondern auch die Resultate und Folgen des XIX. Parteitages der KPdSU derart gründlich ‚vergessen‘? Wer war daran interessiert, daß die Entwicklung der Sowjetunion in den Jahren vor dem XX. Parteitag als eine ununterbrochene Serie schwerster Verbrechen dargestellt wurde? Wie konnte es zu einer derart beeindruckenden Übereinstimmung der Interessen führender Funktionäre der KPdSU und des CIA kommen? Schließlich: Wer war der, wer waren die, die im Verlauf der Vorbereitung und Ausführung dieses Verbrechens aktiv wurden?“ [6] so Klaus Hesse.

Die inneren Feinde des Sozialismus

Wie man sagt, sind die Feinde in den eignen Reihen, die Karrieristen, die Speichellecker, Verräter und Kapitulanten für eine Bewegung des gesellschaftlichen Fortschritts am gefährlichsten, da sie sich nicht immer offen zu erkennen geben. Zu allen Zeiten hat es sie gegeben, doch nicht immer wurden sie sogleich auch erkannt und entlarvt. Innerlich längst von kleinlichen, egoistischen Motiven getrieben, heuchelten sie (oft sogar in übertriebener Manier!) Übereinstimmung und Zustimmung zur mehrheitlich beschlossenen Linie der Partei der Arbeiterklasse und leisteten zugleich passiven oder zuweilen sogar offenen Widerstand. Auch in der DDR gab es solche 150%igen Genossen, die kritische Entgegnungen am liebsten auf der Stelle standrechtlich verurteilt hätten, später mitunter ihre Fehler ‚einsahen‘ oder tunlichst verschwiegen. „Man muß mit den Wölfen heulen“, so die plausible Erklärung eines typischen Opportunisten, der sein Fähnlein immer in den richtigen Wind zu hängen verstand. Charakterliche Schwächen untergraben die kommunistische Moral: Kollektive Beratung, Kritik und Selbstkritik findet nicht mehr statt, Weisungen ‚von ganz oben‘ haben den Vorzug. Das ist es vermutlich auch, warum in diesem Zusammenhang so gerne der einzelne, aus dem Zusammenhang gerissene Satz von Rosa Luxemburg zitiert wird, daß Freiheit immer Freiheit der Andersdenkenden sei. [7]

Wer waren also die im Untergrund wirkenden Kräfte?

Fangen wir also von hinten an und greifen wir einige von denen heraus:
1. Der Verräter Gorbatschow: Bei Gorbatschow kam es später eindeutig ans Licht. Zunächst schien es, als sei er der Erneuerer, der bestrebt war, die verkrusteten, bürokratischen Strukturen des sowjetischen Staatsapparates aufzubrechen, bis er sich öffentlich zum Antikommunismus bekannte. (siehe Anm.2) Das wurde ausführlich von Genossen Kurt Gossweiler bewiesen. Er schrieb: „Ganz falsch ist die Ansicht der Leute, die glauben, Gorbatschow habe den Sozialismus verbessern wollen, aber dafür nicht das richtige oder gar kein Konzept gehabt. Er hatte ein Konzept, und das hat er konsequent und erfolgreich verfolgt und verwirklicht; nur war es kein Konzept des sozialistischen Aufbaus, sondern der Demontage des Sozialismus. Gelingen konnte ihm das allerdings nur, weil durch die Vorarbeit Chruschtschows die kommunistische Bewegung in der Sowjetunion und international schon so tief im Sumpfe des Revisionismus steckte und ideologisch schon so sehr abgerüstet und entleninisiert war, daß nur wenige noch aus den Aussagen Gorbatschows herauslasen, was an Konterrevolution in ihnen enthalten war.“ [8]
2. Der Antikommunist Chruschtschow: Man muß seine Biografie kennen und seinen politischen Werdegang. Daß er nicht der Klügste war, ergibt sich aus seinem Bildungsniveau. Daß aber Chruschtschow allen Grund hatte, seine Vergangenheit zu verschweigen, war offensichtlich, als bekannt wurde, daß er nicht nur das Fiasko der Sowjetarmee vor Charkow verschuldet hatte (LKW-weise wurden damals belastende Akten vernichtet), und erst recht, nachdem er sich als Parteisekretär von Moskau besonders hervorgetan hatte, wenn es darum ging, ‚Verräter‘ zu verurteilen und erschießen zu lassen. Klar, daß Stalin ihm da im Wege war. Hatte Chruschtschow in speichelleckerischer Manier Stalin zuvor in den höchsten Tönen gelobt, so zeichnete er ihn auf dem XX. Parteitag der KPdSU in den schwärzesten Farben.
3. Der USA-Geheimagent Noël Field: Noch ist die Geschichte nicht zu Ende. Auch wenn der Imperialismus die Verbrechen seiner Geheimdienste mit allen Mitteln zu verschleiern und zu vertuschen sucht. Irgendwie kommt es doch ans Licht. Noël Field war nachweislich eng verbunden mit dem Chef des USA-Geheimdienstes OSS Allan Dulles, einem der schärfsten Antikommunisten der USA. Er verstand es, auch Kommunisten in seine dunklen Geschäfte zu verwickeln, um sie späterhin damit erpreßbar zu machen. Interessante Details dazu vermittelt der Bericht von Kurt Gossweiler. [9]
4. Der Staatsfeind der Sowjetunion Sinowjew: Zeitlebens setzten sich nicht nur Stalin, sondern auch Lenin und Karl Marx mit antikommunistischen Positionen auseinander. Einer derjenigen, die dennoch nicht zum Tode verurteilt wurden, sondern in ihrem Wirken nur eingeschränkt, war Alexander Sinowjew. Die „Rote Fahne“ veröffentlichte am 18.05.2006 ein Interview, in dem sich Sinowjew „als Wissenschaftler“ über die Kollektivierung der Landwirtschaft, die Industrialisierung, die Hetze gegen Stalin und die Ursachen des Zerfalls der Sowjetunion äußerte. Darin stellte er zweimal explizit fest: „Ich bin kein Kommunist“. Er bezeichnete sich selbst als Antistalinisten, der den Kommunismus seit seiner Jugend kritisiert hatte. „Aber“, so fügte er hinzu, „jetzt bin ich ein alter Mensch, ich will nicht während meines Lebens lügen.“ Eine immerhin interessante Bemerkung! [10]
5. Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki: Mit solchen hinterhältigen Figuren wie Trotzki hatte schon Lenin heftige Auseinandersetzungen. Siehe dazu: http://sascha313.blog.de/2011/03/04/antikommunist-sowjetfeind-trotzki-10760156/

Warum wurde Stalin erst 1953 ermordet?

Der Historiker Klaus Hesse weist hier auf einen außenpolitischen Zusammenhang hin: „Mironin geht davon aus, daß die Operation zur Liquidation Stalins eingeleitet wurde, als die UdSSR die USA bei der Schaffung thermonuklearer Bomben und ballistischer Raketen überholte. Nach dem Ende der Moskauer Wirtschaftskonferenz verging kein Jahr und Stalin wurde umgebracht. Zusammenfassend schlußfolgert Mironin, daß die Geschichte der UdSSR schon deshalb neu geschrieben werden muß, weil es nur im Resultat der Untersuchung dieses Ereignisses und aller seiner Hintergründe möglich ist, nicht nur die Abfolge der Ereignisse der Jahre 1948 bis 1954, sondern auch die Rolle Bulganins, Malenkows, Berijas und Chruschtschows sowie den Verlauf und die Folgen des XX. Parteitages, realitätsnah zu beurteilen.“ [11] Der heute in Italien lebende russische Professor Dr.med.Sigismund Mironin hat sich als ein ausgewiesener Kenner der jüngeren Geschichte der UdSSR insbesondere auch mit den Umständen der Ermordung Stalins befaßt.

Woran kann man die Konterrevolutionäre erkennen?

Eine Konterrevolution ist kein Naturereignis. Sie hat immer ihre Vorgeschichte und ihre Hintermänner. Immer steckt dahinter, wie schon Karl Marx es ausdrückte, „der mehr oder weniger deutliche Ausdruck von Kämpfen gesellschaftlicher Klassen“ (siehe oben). Otto Grotewohl sagte zum 17. Juni 1953: „Viele klassenbewußte Arbeiter, die Zeugen der Ereignisse des 17. Juni waren, erklärten: Wir haben manchen Streik erlebt, aber wo Arbeiterheime zerstört, volkseigene Geschäfte geplündert und rote Fahnen heruntergerissen und verbrannt werden, dort kann von einem Kampf um Arbeiterinteressen nicht mehr die Rede sein, dort ist der Klassenfeind am Werk.“ [13]

FAZIT: Der Sozialismus ist nicht gescheitert, sondern er wurde zerschlagen!

Worin besteht nun die Aufgabe der Kommunisten?
1. Die Apathie im Proletariat überwinden.
2. Die Zerfahrenheit in Zeiten der Krise beseitigen.
3. Das Wesen der Krise erkennen und verdeutlichen.
4. Dem Proletariats seine führende Rolle bewußt machen und
5. sich fest zusammenzuschließen und einen Parteikern zu bilden.
… sagte Lenin im Jahre 1910. [14]

Quellen:
[1] J.W. Stalin: VII. erweitertes Plenum des EKKI, in: Stalin, Werke Bd.9, S.24.
[2] Friedrich Engels: Vorrede zur dritten Auflage des „Achtzehnten Brumaire“ von Karl Marx, in: Marx/Engels, Ausg.Werke in sechs Bänden, Bd.II, S.307.
[3] Klaus Hesse: Zum Streit über die Alternative zu imperialistischer Barbarei: Sozialismus. Leipzig 2013, S.75.
[4] Ljubow Pribytkowa: …und wieder mal über Stalin.
[5] Klaus Hesse, ebd., S.75.
[6] ders. ebd. S.76f.
[7] Siehe: http://sascha313.blog.de/2012/05/05/freiheit-andersdenkenden-13632297/
[8] Kurt Gossweiler: Die vielen Schalen der Zwiebel Gorbatschow (Februar 1993), in: Politisches Archiv ( www.kurt-gossweiler.de )
[9] Veröffentlicht in der Buchreihe „Spurensicherung“, im GNN-Verlag, Bd.3. Siehe: http://www.spurensicherung.org/texte/Band3/gossweiler.htm#top
[10] Siehe ‚randzone‘: http://archiv.randzone-online.de/art/art060525.htm
[11] Klaus Hesse, ebd., S.78.
[12] Klaus Hesse, Zur Geschichte der UdSSR und der KPdSU, Teil 1.3, Leipzig 2012, S.357ff.
Siehe: http://data8.blog.de/media/521/6798521_3ad5b25d83_d.pdf
[13] Otto Grotewohl: Im Kampf und die einige Deutsche Demokratische Republik – Reden und Aufsätze, Auswahl aus den Jahren 1945-1953, Dietz Verlag Berlin, 1954, Bd.III, S.436/437
[14] W.I.Lenin, Ankündigung der Herausgabe der „Rabotscheskaja Gaseta“, in: Lenin, Werke, Bd. 16, S.293-299. Siehe auch: …wie zu Lenins Zeiten.

Anmerkungen:
1) Winston Churchill über Stalin: „Er war eine herausragende Persönlichkeit, die in unserer rauhen Zeit, in der Periode in der sein Leben verlief, imponierte. Stalin war ein außergewöhnlich energischer, belesener und äußerst willensstarker Mann, heftig, schroff, schonungslos in der Sache, wie im Gespräch, dem selbst ich, der ich im englischen Parlament groß geworden bin, nichts entgegenzusetzen vermochte. … In seinen Werken spürte man eine hünenhafte Kraft. Stalins Kraft war so groß, daß er unter den Führern aller Völker und Zeiten nicht seinesgleichen kennt. … Die Menschen konnten seinem Einfluß nicht widerstehen. Als er den Raum der Konferenz von Jalta betrat, erhoben wir uns alle, buchstäblich wie auf Kommando. Und, so seltsam es ist, wir legten die Hände an die Hosennaht. Stalin besaß einen tiefschürfenden, gründlichen und logischen Verstand. Er war ein unübertroffener Meister darin, in schweren Momenten einen Ausweg aus der ausweglosesten Lage zu finden. … Er war ein Mann, der seinen Feind mit den Händen seiner Feinde vernichtete, der uns, die er offen Imperialisten nannte, zwang, gegen Imperialisten zu kämpfen. Er übernahm das Rußland des Hakenpflugs und hinterließ es im Besitz der Atomwaffe.“ http://forum.stalinwerke.de/viewtopic.php?t=1248
(Daß diese Äußerungen authentisch sind, kann man in allen möglichen englischsprachigen Publikationen nachlesen. So z.B. bei David Carlton, Churchill and the Soviet Union, Manchester Univ. Pr., 2000, p. 102.)

2) Gorbatschow sagte: „Mein Lebensziel war die Zerschlagung des Kommunismus, der eine unerträgliche Diktatur über das Volk ist. In dieser Haltung hat mich meine Ehefrau unterstützt und bestärkt, die diese Meinung schon früher als ich hatte. Am meisten konnte ich dafür in den höchsten Funktionen tun. Deswegen empfahl meine Frau Raissa mir, mich um immer höhere Funktionen zu bemühen. Als ich den Westen persönlich kennen gelernt hatte, war meine Entscheidung unumkehrbar… Eine Welt ohne Kommunisten wird besser sein. Nach dem Jahr 2000 kommt die Zeit des Friedens und Aufblühens der Menschheit….“ Rede Gorbatschows vor der Amerikanischen Universität von Ankara (1999), Ausführlicher siehe: http://ddr-kabinett-bochum.blogspot.de/2011/07/gorbatschow-oder-der-wolf-im-schafspelz.html

Siehe auch:
Das Wesen des Revisionismus
Der sowjetfeindliche Verschwörer Trotzki
Ljubow Pribykowa: Wie die KPdSU den Sozialismus in der Sowjetunion zerstörte
Ein „Nachruf“ an einen Volksverräter: Danke, lieber Genosse Gorbatschow…
Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts
Wir leben in einer Welt extremer Gegensätze… (Über die Sklaverei)
Kurt Gossweiler: Zur Liebknecht-Luxmburg-Ehrung (2013)
Eric Hobsbawm: 2×10 Tage, die die Welt erschütterten
Wozu braucht des Sozialismus eine Diktatur des Proletariats?
Die Diktatur des Proletariats und ihre Kritiker
Vorsicht vor den Sjuganowleuten der KPRF!
Der politische Mord im Auftrag der Bourgeoisie

Egoismus

Der EgoistZuerst ICH, dann noch einmal ich, dann lange, lange nichts und nach mir die Sintflut! Eine der widerlichsten Erscheinungen des gegenwärtigen Kapitalismus ist der ausgeprägte und alle Bereiche der Gesellschaft zerfressende EGOISMUS, eine Charaktereigenschaft vieler Menschen, die sich in maßlosem Besitzstreben, in Raffgier und Profitsucht manifestiert. Das egoistische Schmarotzertum ergreift nicht nur jene Bankmanager, denen man das immer nachsagt, sondern auch führende Politiker und Funktionäre in Parteien, Ministerien, Behörden, Instituten und Gewerkschaften, somit also Ministerialräte, Vorstände, Sportfunktionäre und sogar zahlreiche verbeamtete Lehrer.

Woher kommt das egoistische Denken?

Mit allen möglichen Begründungen sucht die herrschende Klasse die Ansicht zu verbreiten, daß nur eine ELITE – nämlich das Management in Politik und Wirtschaft – überhaupt fähig sei, die richtigen Entscheidungen zu treffen, und daß schließlich jeder in der „freien Marktwirtschaft“ die Möglichkeit habe, sich zu entwickeln und zu entfalten, ja – daß es nur von Fleiß und eigener Zielstrebigkeit abhänge, ob einer Erfolg habe im Leben oder nicht. Und nur „eine freiheitlich-demokratische Grundordnung“ könne eben eine solche „Freiheit der Persönlichkeit“ gewährleisten. Welch ein Unsinn! Und welch ein verlogenes Geschwätz! So hat jeder mit sich selbst zu tun. Ablenkungen und Verpflichtungen gibt es genug. Einseits ist da das vielfältige elektronische Spielzeug, andererseits die allumfassende Bürokratie, die verhindern, daß Menschen sich zusammenschließen, um gemeinsam gegen Ausbeutung und Unterdrückung zu kämpfen. Dann wiederum gibt es eine weitverbreitete Vereinsmeierei, Party- und Vergnügungsoasen, die Ablenkung von der Wirklichkeit schaffen, und die das menschliche Geselligkeitsbedürfnis befriedigen. Und die Elite? Diese Typen arbeiten z.B. bei der Deutschen Bank in Südafrika, Hongkong oder sonstwo, sie haben ihr klein Häuschen am Zürichsee und können sich jedes Jahr eine ausgedehnte Chinarundreise oder sonstwas leisten. Eine Neiddebatte? Nein. Ein Hinweis auf die Methode!

Das individuelle Sein und die Klassengesellschaft

Gleichzeitig durchdringt der bürgerliche Individualismus alle Formen der imperialistischen Ideologie und Weltanschauung und verhindert und bekämpft den organisierten Zusammenschluß der Werktätigen, der erforderlich wäre, um die elementarsten Rechte des Proletariats gegenüber der Bourgeoisie durchzusetzen. Die proletarische Solidarität wird ersetzt durch eine illusionäre „Verbundenheit mit dem Unternehmen“, die durch die Formel ausgedrückt wird: „Wenn es dem Unternehmen gut geht, dann geht es auch den Mitarbeitern gut.“ Oder anders gesagt: „Wir sitzen alle in einem Boot!“ Wann endlich merkt der Prolet, daß er mit dem Manager, dem Abteilungsleiter oder dem Vorstandsvorsitzenden nicht im gleichen Boot sitzt? Wann endlich begreift der lohnabhängige Angestellte, daß er nur der Sklave ist und der andere der Herr? Wer auf 400-Euro-Basis im Monat auf Abruf bereitsteht, wenn die Firma ihn gerade mal braucht, der ist für die Unternehmen nicht viel mehr als ein billiger Lohnsklave. Wer hingegen vom kapitalistischen System profitiert, der wird alles andere tun, als gegen dessen Ungerechtigkeiten protestieren; er wird sich hüten, in den eigenen Freßnapf zu spucken.

Was ist Egoismus?

Im Jugendlexikon Philosophie der DDR steht: „Der Egoismus (lat. ego, ‚ich‘) ist ein verwerflicher moralischer Verhaltenszug, der durch die ausschließliche Berücksichtigung der eigenen Interessen, durch Selbstsucht und Eigenliebe gekennzeichnet wird. Ein Mensch, der nur auf seinen Vorteil bedacht ist, der seine Interessen rücksichtslos auf Kosten anderer, des Kollektivs bzw. der Gesellschaft (wobei letzteres nur im Sozialismus gilt, N.G.) durchsetzt, ist ein Egoist. Der Egoismus hat seine sozialen Wurzeln im Privateigentum an Produktionsmitteln, das die Menschen vereinzelt (‚Jeder für sich, Gott für uns alle‘), ihr Bereicherungsstreben entfacht und sie hartherzig und mißtrauisch macht.“ [1] Dieser schändliche Egoismus führt sogar soweit, daß Gewerkschaftsfunktionäre demagogisch dafür werben, weiteren Lohnarbeitern die Zuwanderung nach Europa zu erlauben: „Wir können unseren Lebensstandard nur halten, wenn weiteren Fachkräften (sic!) die Einwanderung ermöglicht wird!“

Gibt es im Sozialimus eigentlich noch egoistisches Verhalten?

Ja, das gibt es. Und es wird wohl auch nicht so schnell verschwinden. Auch in der DDR gab es Bereicherungssucht und Besitzstreben, das nicht nur mit dem Einfluß des Westfernsehens auf die DDR-Bürger zu erklären ist. Im Jugendlexikon Philosphie lesen wir weiter: „Im Sozialismus wird dem Egoismus mit der Schaffung des gesellschaftlichen Eigentums an Produktionsmitteln und der Beseitigung des Ausbeutung seine entscheidende Quelle entzogen. Es ist auf dieser gesellschaftlichen Entwicklungsstufe aber noch nicht möglich, alle materiellen und ideologischen Bedingungen zu beseitigen, aus denen solche Formen des Egoismus wie Bereicherungsstreben, Rücksichtslosigkeit, Gleichgültigkeit gegenüber den Sorgen anderer, Habsucht u.a. erwachsen können. Sie sind aber dem Wesen des Sozialismus fremd, vergiften die zwischenmenschlichen Beziehungen und müssen daher bekämpft werden.“ [2]

Kann man den Egoismus beseitigen?

Ja, man kann! Makarenko sagte einmal: „Es gibt keine dialektischere Wissenschaft wie die Pädagogik.“[3] Schon viele Pädagogen haben versucht, dieser Seuche des Egoismus Herr zu werden. Doch dies gelang erst nach der Überwindung und Beseitigung des Kapitalismus, und fast ausschließlich in der sozialistischen Gesellschaft, unter den Bedingungen eines sozialistischen Kollektivs, dort wo „das bewußte Streben seiner Mitglieder nach bestmöglicher Erfüllung der gesellschaftlichen Erfordernisse, durch deren sozialistische Denk- und Verhaltensweisen ihre wechselseitige Verantwortung füreinander und das Ganze“ zur Geltung kamen, und wo „eine offene, ehrliche und kritische Atmosphäre, durch seine auf gegenseitiger Hilfe und kameradschaftlicher Zusammenarbeit beruhenden zwischenmenschlichen Beziehungen die Entwicklung der Kollektivmitglieder zu allseitig entwickelten Persönlichkeiten ermöglichen und fördern“. [4] Und schließlich meinte Lenin: „Der Kommunismus beginnt dort, wo einfache Arbeiterin selbstloser Weise, harte Arbeit bewältigend, sich Sorgen machen um die Erhöhung der Arbeitsproduktivität, um den Schutz eines jeden Puds Getreide, Kohle, Eisen und anderer Produkte, die nicht den Arbeitenden persönlich und nicht den ihnen Nahestehenden zugute kommen, sondern Fernstehenden, d.h. der ganzen Gesellschaft in ihrer Gesamtheit…“ [5] – Also: Kapitalismus abschaffen! Vom ICH zum WIR. Das ist das Ende des Egoismus! Das ist die wahre Entfaltung der Persönlichkeit. Die Proletarier haben nichts zu verlieren als ihre Ketten! [6]

Quelle:
[1] Frank Fiedler/Günter Gurst (Hrsg.), Jugendlexikon Philosphie, VEB Bilbliographisches Institut Leipzig, 1987, S.43f.
[2] ebd. S.44
[3] A.S. Makarenko, Pädagogische Werke in nacht Bänden, Dritter Band, Volk und Wissen Volkseigener Verlag, Berlin, 1989, S.632.
[4] Fiedler/Günter, Jugendlexikon. a.a.O. 101.
[5] W.I.Lenin, Werke, Die Große Initiative, in: Dietz Verlag Berlin (DDR), 1976, Bd.29, S.408.
[6] Manifest der Kommunistischen Partei

Siehe auch:
Was ist Marxismus?
Mißbrauch der Gefühle
Sie werden es nicht verstehen…
Walter Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?
Marxismus-Leninismus: Eine interessante Wissenschaft mit revolutionärer Perspektive
Die DDR – ein kinderfreundliches Land

Metropolit Gregorius: Wider den Antikommunismus !

Gerade in unserer heutigen Zeit, wo weltanschauliche Fragen gegenüber pragmatischen Erwägungen weitestgehend in den Hintergrund gedrängt wurden, liest sich der mittlerweile fast 30 Jahre alte Beitrag des orthodoxen Metropoliten Mar Gregorius wie ein wertvoller Gedankenanstoß, der dem erstarrten und verbildeten Denken und den Vorstellungen insbesondere der jüngeren Generation neuen Aufwind zu geben vermag. Daß der, welcher solches schreibt, kein Kommunist ist, macht ihn allemal interessanter. Das zeugt u.a. auch davon, daß die Existenz des realen Sozialismus sich auch auf religiöse Kreise positv ausgewirkt hatte, was in Einzelfällen auch heute noch zutrifft…

Wider den Antikommunismus (1985)
von Metropolit Mar Gregorius /Indien

Die ideologische Krise hat mit dem Wirklichkeitsverständnis des Volkes zu tun und damit, wie es jene Wirklichkeit umformt, damit sie seinen besten Interessen dient. Die Krise ist in den Köpfen der Leute. Sie wissen nicht, wem sie glauben beziehungsweise wie sie verstehen sollen. Andererseits gibt es da den in der Welt weit verbreiteten simplen Antikommunismus; selbst Menschen in den sozialistischen Ländern sind nicht immun dagegen. Gewöhnlich hat er einen religiösen und einen weltlichen Aspekt: Das religiöse Element konzentriert sich auf den kommunistischen „Atheismus“. Die Tatsache, daß Kommunisten nicht an Gott und nicht – wie Reagan es jetzt sieht – an ein Leben nach dem Tode glauben, ist ein hinreichender Grund, nicht nur den Kommunismus abzulehnen, sondern auch einen „heiligen Krieg“, einen Kreuzzug gegen ihn zu führen. Der weltliche Aspekt konzentriert sich auf die Furcht vor dem Kommunismus als dem großen „Gleichmacher“, der die Privilegien und Freiheiten der Reichen beseitigen werde. Religiöse und weltliche Elemente verstärken einander, begleitet von einem systematisch (und subtil) den Leuten eingeprägten Haß gegen die „Russen“. Einer solchen antikommunistischen, antisowjetischen Ideologie nehmen sich Politiker und religiöse Führer überall in der Welt an und verbreiten sie – besonders unter Christen und Moslems. Jede In-Frage-Stellung eines solchen naiven Antikommunismus wird emotional abgelehnt, und es kommt zu einer traurigen Trübung des klaren Verstandes und zur Weigerung, die Wirklichkeit anzuerkennen.

Antikommunistische Vorurteile

In der Zwei-Drittel-Welt ist dieser Antikommunismus alles durchdringend gegenwärtig, besonders in der Mittelschicht, die der westlichen Propaganda gegenüber offener als andere ist. Sie beklagt sich freilich in erster Linie nicht über die Gottlosigkeit des Kommunismus, sondern über das angebliche Fehlen einer Freiheit von staatlicher Kontrolle. Es gibt auch vorgefaßte Meinungen über die „blutigen und gewaltsamen Methoden“ des Kommunismus, zum Teil gegründet auf Impressionen aus der Stalin-Ära, vor allem aber als Ergebnis der im Westen gezeichneten Karikatur des Kommunismus.

Dieses antikommunistische Vorurteil, selten systematisch artikuliert, wird ein wichtiges Werkzeug des Imperialismus und der reaktionären Kräfte in der Welt. Die Zeitungen, die meist reicheren Gruppen gehören, halten systematisch alle positiven Informationen über die sozialistischen Länder zurück. Dagegen spielen sie die Dissidenten beziehungsweise einzelne politische Prozesse hoch und erwecken mit allen nur möglichen Mitteln den Eindruck, daß den Menschen in den sozialistischen Ländern die Menschenrechte verweigert würden. Darüber hinaus erschwert die Infiltration einer subtilen Form westlichen Liberalismus die offene Ideologie-Diskussion – und zwar in den industriell entwickelten Ländern ebenso wie in der Zwei-Drittel-Welt.

Die bürgerliche Illusion von einem „dritte Weg“ und die Krise des Marxismus

Dieser Liberalismus vertritt mit einer gewissen hochmütigen Herablassung die Ansicht, daß Kapitalismus und Sozialismus beide schlecht seien und daß wir nach einem „dritten Weg“ Ausschau zu halten hätten. Jeder „dritte Weg“ aber erweist sich schließlich nur als eine weitere Variante der Politik der Marktwirtschaft! Gleichzeitig gibt es eine Krise innerhalb des Marxismus selbst, die die Diskussion zusätzlich kompliziert. Diese Krise hat zwei unterschiedliche Quellen:

Die erste ist das Aufkommen einer verwirrenden Anzahl neuer (bzw. wiederbelebter alter) Versionen des Marxismus. Der Euro-Kommunismus, der Kommunismus der Wohlstandsgesellschaft mit seinem unverhohlenen Antisowjetismus ist eine Form. Unter jungen Intellektuellen kommt der Trotzkismus wieder in Mode. Am bösartigsten aber sind die vielfältigen Formen der „neuen Linken“ mit ihren simplizistischen Heilmitteln für die komplexesten Probleme und mit ihrem Eintreten für die „permanente Revolution“ oder einen „kritischen Marxismus“ – ohne daß sie jedoch die praktischen Implikationen dieser neuen Doktrin wirklich erkennen. Da gibt es die chinesische Spielart eines pragmatischen Marxismus, der Großmachtambitionen mit sozialistischen Zielen zu verbinden sucht. Die Folge dieser vielfältigen Formen von „Marxismus“ ist eine ideologische Verwirrung unter Marxisten selbst. Die Führungen marxistischer Parteien haben Angst vor tiefgehender ideologischer Reflexion und Diskussion aus Sorge um die Einheit der Parteien. Das Ergebnis ist, daß junge Marxisten (und viele von den alten ebenso) in der marxistischen Theorie nur ungenügende Kenntnisse besitzen und sich bei der Ausarbeitung von Aktionsprogrammen durch fremde und unwesentliche Überlegungen leiten lassen.

Die andere Quelle der Krise ist die Tatsache, daß der an der Macht befindliche Kommunismus andere Qualitäten bezeugt als der für die Emanzipation des Volkes noch kämpfende Kommunismus. Der Geist der Opferbereitschaft und der Wille zum Ertragen der Härten schwinden, während die üblichen Wertvorstellungen der Machtelite innerhalb der Parteikader nach oben kommen. Das wiederum stößt jene Marxisten ab, die nach wie vor an den Werten des revolutionären Kampfes festhalten. Da aber die Macht, Entscheidungen zu fällen, nicht in ihrer Hand liegt, ziehen sie sich still und leise von der politischen Bühne zurück und versuchen in der akademischen Welt oder in ähnlich ruhigen Atmosphären zu arbeiten. Die ältere Führung konsolidiert ihre Macht in der Partei und dem Staatsapparat; die Ideologie wird so kompromittiert. Das Endergebnis ist ein Nachlassen ernsthafter, sich auf die Praxis gründender theoretischer Reflexion.

Für eine neue Diskussion über Fragen des Marxismus-Leninismus

Es ist verständlich, daß die Marktwirtschaft die intellektuelle Welt von der ideologischen Reflexion abhalten soll und sich mit einer Art Ad-hoc-Denken und dem kritischen Pragmatismus begnügt – hat sie doch die Gefahr erkannt, daß tieferes Nachdenken nur die gegen das Volk gerichteten Aspekte des marktwirtschaftlichen Programms entlarven würde. Das ist nicht zu befürchten, solange sich die Diskussion auf pragmatische Aspekte des Programms beschränkt. Das Tragische aber ist, daß es auch in sozialistischen Parteien eine Verhinderung ernsthaften (das heißt auf die Wirklichkeit gründenden) theoretischen Nachdenkens gibt.

Die jungen Leute sind verwirrt. In einem Alter, wo nur mit der Praxis eng verbundene theoretische Erkenntnisse zu tieferen Überzeugungen führen können, sehen sie wenig Licht, dem sie folgen könnten. Die Universitäten in der Welt der Marktwirtschaft befinden sich selten in der dazu notwendigen Verfassung. Selbst in sozialistischen Ländern – so scheint es zumindest dem Außenstehenden – bleibt da noch viel zu wünschen übrig.

Die ideologische Krise besteht also nicht etwa in einer direkten Konfrontation zwischen sozialistischen und Freie-Markt-Ideologien, sondern gerade im Fehlen einer solchen Konfrontation auf der ideologischen Ebene. Der christlich-marxistische Dialog hat einmal dabei geholfen, einige ideologische Fragen zu klären. Heute aber herrscht die Tendenz, ideologische oder theoretische Fragen im Dialog zu vermeiden und die Diskussion auf allgemein akzeptable Dinge und Programme zu beschränken. Das Endergebnis ist, daß die Leute abgeschnitten werden von der ideologischen Reflexion, die nun auf eine halbverdaute Diskussion unter „sicheren“ Akademikern beschränkt bleibt.

Quelle:
Weißenseer Blätter (Zwischenüberschriften von mir, N.G.)

Metropolit Paulos Mar Gregorios
Metropolit Mar Gregorius (1922-1996)

Paul Verghese wurde in Kerala geboren. Er begann seinen Berufsweg als freischaffender Journalist mit Artikeln und Berichten für verschiedene Zeitungen. Zum Metropoliten wurde er am 16. Februar 1975 durch seine Kirche berufen. Ein Jahr später leitete Paulos Mar Gregorios die Diözese Delhi und gründete das Delhi Orthodoxe Zentrum. Er hatte mehrere Positionen im Weltrat der Kirchen (ÖRK) inne. [1] Das Andenken an den Metropoliten wird heute in Indien und Syrien sehr hoch geschätzt. [2]

[1] Wikipedia
[2] http://www.paulosmargregorios.in
Erzdiözese von Aleppo

Siehe auch:
Thomas Mann: Der Antikommunismus ist die Grundtorheit der Epoche
Was ist Marxismus?
Diese Ideen kann man nicht besiegen – niemals!
Walter Ulbricht: Warum Marxismus-Leninismus?

Kurt Gossweiler: Wider die linke Resignation!

Daß sich ausgerechnet Christen aus der ehemaligen DDR mit aufrechten Kommunisten dieses Landes in enger Gemeinschaft zusammenfinden würden, hatte zuvor wohl kaum einer von denen so richtig glauben wollen. Zu tief war noch die Enttäuschung über die Verwandlung einiger ehemaliger Genossen aus der SED in von opportunistischer Blindheit geschlagene PDS-Anhänger, in Nachläufer einer Partei, die sich sehr bald als ein Helfershelfer und Instrument der westlichen Bourgeoisie herausstellen würde. Seiner Biografie nach hatte Prof. Hanfried Müller schon immer sehr deutlich auf Seiten des Sozialismus in der DDR gestanden und vertrat auch zu Stalin eine klare und von Respekt geprägte Haltung. Keinen Grund gab es damals für ihn und viele Gleichgesinnte, auch nur mit einer Faser seines Lebens an der Richtigkeit des von Lenin und Stalin eingeschlagenen Weges und an der historischen Überlegenheit und Zukunft des Sozialismus zu zweifeln. Kein Grund also zu einer Resignation der Linken! Zum Gedenken an den am 3.März 2009 verstorbenen Theologieprofessor Hanfried Müller schrieb Dr.Kurt Gossweiler in einem Beitrag folgendes:
Prof. Hanfried MüllerDer Theologe Prof. Hanfried Müller (1925-2009)

Nach dem – zeitweiligen! – Sieg der Konterrevolution hat sich die Dialektik des Geschichtsganges auch darin bestätigt, daß selbst dieses böseste Ereignis noch Gutes hervorbrachte: es führte Menschen zusammen, die – ohne es zu wissen – schon lange zusammengehörten, und die ohne dieses böse Ereignis sich wohl nie begegnet wären: ich meine damit die Zusammenführung von Kommunisten wie „Kled“, also Karl Eduard von Schnitzler und Martha Raffael, Heinz und Ruth Kessler, Ulrich Huar, Hermann Leihkauf, mich und andere, – mit Theologen wie Hanfried Müller, Rosemarie Müller-Streisand, Renate Schönfeld und anderen.

Der schwere, aber richtige Weg Stalins

Ein Dauerthema war natürlich die Frage nach den Ursachen des Siegs der Konterrevolution, der XX. Parteitag der KPdSU, die Rolle Stalins und Chruschtschows. Hanfried Müller sagt in seinen Erinnerungen zu Stalin (S.117/18): „Stalin stand angesichts der Notwendigkeit des Aufbaus des Sozialismus in nur einem, (und zudem höchst rückständigen) Lande für die Entscheidung, auf der einen Seite unter riesigen Opfern eine Grundindustrie aus dem Boden zu stampfen und dabei den revolutionären Prozess gegen die Isolation einer Avantgarde von den sie tragenden Massen einerseits, andererseits vor dem Rückfall zu schützen, der durch eine schleichende Rekapitalisierung vom Lande her drohte. Die Entscheidung fiel gegen Trotzki und Bucharin. Sie enthielt zugleich die schmerzhafte Bewältigung der `konstantinischen Wende´ der Revolution von der Zerschlagung fremder zum Aufbau eigener Staatsmacht. Dafür und für die Wahrung des Klassenherrschaft gegen jeden Angriff von innen und außen wurde der Preis der Beeinträchtigung der Balance zwischen innerparteilicher Demokratie und demokratischem Zentralismus gezahlt und die damit verbundene Erschwernis künftiger Entwicklung der sozialistischen Demokratie in Kauf genommen. Gewiß, auch dafür steht der Name Stalin. Aber war das ein `Fehler´? Es gibt Situationen, man könnte von historischen Dilemmata sprechen, die dazu zwingen, Bitternisse in Kauf zu nehmen, um Schlimmeres zu vermeiden. So mußte um des Sieges über den Faschismus willen in Kauf genommen werden, daß man den Kampf gegen ihn nur als großen vaterländischen Krieg´ und nicht als sozialistischen Befreiungsschlag gewinnen konnte. Zweifellos bremste das die weitere Reifung des Sozialismus in der Sowjetunion ab. Aber er führte zum Sieg über den Faschismus, und dafür vor allem steht der Name Stalin!“

Antikommunisten benutzten den XX.Parteitag der KPdSU zum Verrat

Und zum XX. Parteitag und zu Chruschtschow ist in den Erinnerungen zu lesen: „Der XX. Parteitag blieb natürlich bei den Antikommunisten nicht ungenutzt. Ihr massendemagogisch wertvollster Gewinn daraus war es, daß sie ihren Antikommunismus nun als `Antistalinismus´ artikulieren konnten, so daß er auch unter kommunistischen Bündnispartnern und bis in die kommunistischen Parteien und sozialistischer Länder hinein ungestraft propagiert werden konnte. An die Stelle der Frage: `Für oder gegen Privateigentum an gesellschaftlichen Produktionsmitteln´ trat damit die Frage für oder gegen Stalin´. … Trotz aller Kritik am XX. Parteitag der KPdSU war mir damals nicht deutlich, daß schon damals in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre die Aufstiegsphase im Frühsozialismus in eine Abstiegsphase umschlug, so daß bereits hier von einer konterrevolutionären Wende zu sprechen gewesen wäre. Wir waren zwar vom ersten Tage an gegen den XX. Parteitag, aber wir haben seine Folgen verniedlicht, als wir Chruschtschow nur als `Hampelmann auf der Bühne der Weltpolitik´ und nicht als ernsthafte Gefahr für den Sozialismus sahen.“ (S.122) Diese Seite aus Hanfried Müllers Erinnerungen macht verständlich, weshalb er ohne jegliche Bedenken meine seinerzeit sowohl von PDS- wie von DKP-Seite heftig angefeindete Brüsseler Rede auf dem 1.-Mai-Seminar 1994 der Partei der Arbeit Belgiens „Der Anti-Stalinismus – das Haupthindernis für die Einheit aller antiimperialistischen Kräfte“ [1] in das Heft 4/94 der WBl aufnahm.

Weltanschauliche Gemeinsamkeiten von Christen und Marxisten

Die Teilnehmer der Linken Runde, die – neben den Gastgebern und Renate Schönfeld – mir diese Runde besonders gewinnreich machten, waren damals von den Theologen besonders Dieter Frielinghaus und Dieter Kraft, von der „weltlichen“ Seite natürlich Kled Schnitzler, sodann der leider sehr früh verstorbene Friedrich Jung, ein Mediziner, dem u.a. die Aufsicht über die in der DDR hergestellten Pharmaka oblag und dessen strenger Kontrolle es mit zu verdanken ist, dass die Medikamente in der DDR nur zur Gesundung der Patienten und nicht zur Gewinnung von Maximalprofiten der Pharmaindustrie, wie in der BRD selbstverständlich, in die Apotheken geliefert wurden, und Margit Schaumäker, erste Nachrichtensprecherin des DDR-Fernsehens, dessen Geschichte sie bis zu seinem Ende mitgestaltet hat. Mit dem Hause Müller-Streisand ist sie jahrzehntelang eng befreundet und sie war eine unentbehrliche Mitarbeiterin bei der Gestaltung der Weißenseer Blätter.

Eine erfreuliche Begegnung unter Gleichgesinnten

Im Laufe der Jahre veränderte sich die Zusammensetzung der Linken Runde, sei es durch Tod oder Ausscheiden aus anderen Gründen von Mitgliedern der ersten oder der zweiten Stunde, und es kamen neue hinzu. Von denen sind an erster Stelle zu nennen Heinz Kessler und seine Frau Ruth. Heinz Kesslers Teilnahme war ein unermeßlicher Gewinn für unsere Bemühungen, uns Klarheit über das Geschehen auf der Regierungsebene in den letzten Jahren der DDR zu verschaffen. Vieles von dem, was Heinz Kessler in seinem Buche „Zur Sache und zur Person“ [2] veröffentlicht hat, kam in unseren Tagungen zur Sprache. Zum anderen halfen uns Heinz und Ruth Kesslers Berichte über ihre mehrfachen Reisen in das sozialistische Land in der Karibik unser Wissen über dessen Schwierigkeiten und Fortschritte zu vertiefen und unsere inneren Bindungen an dieses Land noch inniger zu gestalten. Hocherfreulich war auch, daß die Linke Runde erweitert wurde durch den Hinzutritt von Hermann Leihkauf. Mit ihm, dem exzellenten Politökonomen und ehemaligen Mitarbeiter in der Staatlichen Plankomission der DDR, verloren die Diskussionen über ökonomische Sachverhalte und Entwicklungen in Vergangenheit und Gegenwart den nicht seltenen Charakter von Meinungen und Vermutungen auf Grund von ungenauen Kenntnissen, weil Hermann Leihkauf mit einem phänomenalen Zahlengedächtnis und exakten Kenntnissen die Dinge immer genau auf den Punkt brachte. … Bliebe nur noch, schrieb Genosse Kurt Gossweiler abschließend, dem Theologen Hanfried Müller für all das zu danken, was er ihnen an Erkenntnissen, an Mut und Standhaftigkeit vermittelt hatte, um den Kampf um eine sozialistische Zukunft weiter zu führen.

Quelle:
Weißenseer Blätter

[1] http://www.kominform.at/article.php?story=20060222222507194
oder: trend (online-zeitung) 9/06: Kurt Gossweiler, Der Antistalinismus – das Haupthindernis für die Einheit aller antiimperialistischen Kräfte und der kommunistischen Bewegung
oder: Kurt Gossweiler, Der Antistalinismus… (pdf-Datei)
[2] Heinz Keßler, Zur Sache und zur Person, edition-ost, 1997
oder: Kurt Gossweiler – ein unbestechlicher Chronist des Jahrhunderts

Siehe auch:
Weißenseer Blätter (reprint): Wider die Resignation der Linken, ISBN-926922-25-7
Ljubow Pribytkowa: …Und wieder mal über Stalin
XX.Parteitag: Eine verbrecherische Rede
Die Lüge von den Stalinschen Massenmorden
Marxfälscher und andere Revisionisten unserer Zeit
Die Konterrevolution in der DDR und ihre Handlanger

Zum Tag der Befreiung vom Faschismus: 8. Mai 1945

Denkmal
Die welthistorischen Siege der Sowjetarmee führten Hitlerdeutschland vor den unvermeidlichen Zusammenbruch. in den herrschenden Kreisen Deutschlands entstand der Plan, Hitler zu beseitigen und separate Verhandlungen mit den Westmächen anzubahnen. Das Ziel der Verschwörung, die vom Spionagedienst der USA inszeniert wurde, war die Rettung des deutschen Imperialismus durch ein Abkommen mit der amerikanisch-englischen Reaktion. Der Attentatsversuch auf Hitler am 20. Juli 1944 mißlang jedoch. Die Teilnehmer wurden verhaftet und hingerichtet.

Durch die große Winteroffensive der Sowjetarmee im Januar/Februar 1945 wurde der Kriegsschauplatz nunmehr auf deutsches Territorium verlegt. Die Sowjettruppen rückten siegreich auf Berlin, die Hauptstadt Deutschlands, vor. Die Hitlerclique unternahm verzweifelte Versuche, sich durch ein Abkommen mit der amerikanisch-englischen Reaktion zu retten. Die faschistische Truppenführung öffnete die Front im Westen, um mit Hilfe der amerikanisch-englischen Reaktion das faschistische Regime zu erhalten. Sämtliche deutschen Truppemn wurden in den Kampf gegen die Sowjetarmee geworfen. Dessenungeachtet nahm die siegreiche Sowjetarmee Berlin im Sturm. Am 30. April 1945 wurde die Siegesfahne auf dem deutschen Reichstagsgebäude gehißt: am 2. Mai hatten die Sowjettruppen ganz Berlin erobert. Am 1. Mai gab das Hauptquartier des deutschen Oberkommandos den Selbstmord Hitlers und die Berufung des Admirals Dönitz zu seinem Nachfolger bekannt. Die Ernennung von Dönitz war der letzte Versuch der deutschen Imperialisten und ihrer amerikanischen und englischen Freunde, das faschistische Regime in Deutschland zu retten.

Am 8. Mai kapitulierte Hitlerdeutschland bedingungslos.

So endete der Krieg, in den die Faschisten Deutschland gestürzt hatten, mit der völligen Niederwerfung Deutschlands. Durch die Vernichtung Hitlerdeutschlands befreite die Sowjetunion (und nicht die USA ! – N.G.) die Völker Europas von der faschistischen Barbarei und rettete die Zivilisation der Welt. „Die Sowjetunion“, so führte Genosse Stalin am 9. Mai 1945 aus, „feiert den Sieg, wenn sie sich auch nicht anschickt, Deutschland zu zerstückeln oder zu vernichten.“ [1]

Quelle:
Große Sowjet-Enzyklopädie, Deutschland, Verlag Kultur und Fortschritt, Berlin 1953, S.172f.

Zitat:
[1] J. Stalin, Über den Großen Vaterländischen Krieg der Sowjetunion, Berlin 1951, S.129.

Siehe auch:
Dank Euch, Ihr Sowjetsoldaten!
Kommunisten-online: Zum Tag der Befreiung, 8. Mai 1945.
Das Frauen-KZ in Ravensbrück
Warum hat die Sowjetunion den deutschen Faschismus besiegt?
Wie kam es zum Faschismus in Deutschland?
Warum der Faschismus auf fruchtbaren Boden fällt…

Ein Gespräch im Hause Chruschtschow nach der erfolgreichen Beseitigung des Genossen Stalin

Es war eine dramatische, eine folgenschwere Veränderung, die sich nicht nur auf die Sowjetunion, sondern später auch auf die ganze Welt auswirken sollte, und die vielen erst bewußt wurde, als es schon zu spät war: Mit der Ermordung J.W. Stalins im Jahre 1953 hatte in der Sowjetunion eine Konterrevolution begonnen! Doch nur wenigen war damals so richtig klar, was das für Konsequenzen haben würde, und sie bezahlten es mit ihrem Leben. Nur wenige vermochten es, diese scharfe Kehrtwendung so unmittelbar und so treffend zu beschreiben, wie es der albanische Kommunist und Mitbegründer der albanischen kommunistischen Partei Enver Hoxha tat. Unbeirrt von den Intrigen und Anfeindungen durch die damalige sowjetische Parteiführung setzte die albanische kommunistische Partei ihren marxistisch-leninistischen Kurs fort. Ein sehr aufschlußreiches Gespräch hatten die albanischen Genossen mit dem sowjetischen Chefideologen Michail Suslow…
enver_hoxha_17.10.1971Enver Hoxha (1908-1985) in seinem Arbeitszimmer
– nur auf wenigen Bildern sieht man ihn derart betroffen

Kurz nach dem XX.Parteitag der KPdSU begann unter der Anführerschaft von Nikita Chruschtschow allmählich die Zerstörung des ersten sozialistischen Staates der Erde. Und es gab weitere Todesfälle … 1953: Der tschechische Kommunist Klement Gottwald starb in Moskau an den „Folgen einer Erkältung“. 1956: Der polnische Kommunist Bolesław Bierut starb in Moskau nach einem Herzmuskelinfarkt. 1964: Der französische Kommunist Maurice Thorez starb bei einer Überfahrt auf dem Schwarzen Meer. Kurz danach, ebenfalls 1964 starb in Jalta der italienische Kommunist Palmiro Togliatti. (Man muß lesen, was Togliatti kurz vor seinem Tode über seine Mörder schrieb! Siehe: [1] Memorandum) – Ein Zufall? Nein, keineswegs! „Die Umstände ihres Todes sind mysteriös“, schreibt Genosse Kurt Gossweiler, „und bis heute ungeklärt. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß der Tod die Genannten ereilte, als sie die Sowjetunion besuchten oder gerade von einem solchen Besuch zurückgekehrt waren.“ [2] Enver Hoxha beschreibt diese eigenartige Situation wie folgt:

Was geschah nach 1953 in der Sowjetunion?

Schon gleich nach Stalins Tod, bis hin zum XX.Parteitag, operierten die chruschtschowianischen Verschwörer auf füchsische Weise mit der „bürokratischen Legalität“, den „Parteiregeln“, der „Kollektivität“ und dem „demokratischen Zentralismus“, mit Krokodilstränen über Stalins Verlust, um so Schritt für Schritt die Torpedierung von Stalins Werk, seiner Persönlichkeit, des Marxismus-Leninismus anzubahnen. Für den Marxisten-Leninisten ist dies eine sehr lehrreiche Periode, denn sie zeigt den Bankrott der „bürokratischen Legalität“, die für eine marxistisch-leninistische Partei sehr gefährlich ist; sie zeigt die Methoden, mit denen die Revisionisten diese „bürokratische Legalität“ für sich ausnutzten; sie zeigt, wie ehrliche und erprobte Führer, die allerdings den revolutionären Klassengeist eingebüßt haben, den Intriganten auf den Leim gehen und den Erpressungen und der Demagogie der mit einer revolutionären Phraseologie getarnten revisionistischen Verräter Zugeständnisse machen, nachgeben. Wir sahen, wie die Chruschtschowianer während dieser Übergangsperiode, um ihre Macht zu konsolidieren, unter riesigem Spektakel angeblich mit „großer Parteilichkeit“, befreit vom „Alptraum der Angst vor Stalin“, mit „wahrhaft demokratischen und leninistischen Formen“ aktiv zu Werke gingen, wie sie damit beschäftigt waren, die gemeinsten Verleumdungen gegen die Sowjetunion, gegen Stalin und die sozialistische Ordnung überhaupt auszuhecken, wie sie sonst nur der Bourgeoisie zuzutrauen sind.

Eine von langer Hand vorbreitete Demontage

All diese ungeheuerlichen Verleumdungen der Chruschtschow-Revisionisten, ihre ganze zerstörerische Tätigkeit, untermauerten die seit vielen Jahren umgehenden Verleumdungen der reaktionären Bourgeoisie gegen den Marxismus-Leninismus, die Revolution und den Sozialismus und versuchten sie mit angeblich authentischen Dokumenten, mit „Argumenten“ und „Analysen“ in neuem Geist „zu belegen“. … Der opportunistische „neue Geist“, den Chruschtschow im Begriff war zu wecken und zu schüren, zeigte sich schon daran, wie dieser Parteitag organisiert war und ablief. Dieser liberale Geist drückte wie eine schwarze Wolke auf die ganze Atmosphäre, durchzog die sowjetische Presse und Propaganda in jenen Tagen, herrschte in den Sälen und Gängen des Parteitags, spiegelte sich auf den Gesichtern, in den Gesten und in den Worten der Menschen wider.
XXI. Parteitag der KPdSUXXI. Parteitag der KPdSU – nur eine heuchlerische Show

Es fehlte die frühere Ernsthaftigkeit, wie sie eigentlich für ein so außerordentlich wichtiges Ereignis im Leben einer Partei und eines Landes kennzeichnend sein sollte. Auf dem Parteitag sprachen auch Parteilose. In den Pausen zwischen den Sitzungen spazierten Chruschtschow und Genossen lachend in den Sälen und Gängen umher, wobei sie um die Wette Anekdoten erzählten, Geistreicheleien austauschten, sich volkstümlich gaben und an den übervollen Tischen, die überall aufgestellt waren, Getränke in sich hinein stürzten. Mit all dem wollte Chruschtschow den Eindruck nachhelfen, die „drückende Zeit“, die „Diktatur“, die „düstere Analyse“ der Dinge sei nun ein für allemal vorüber, und nun sei offiziell die „neue Zeit“ der „Demokratie“, der „Freiheit“, des „schöpferischen Herangehens“ an die Ereignisse und Phänomene angebrochen, innerhalb wie außerhalb der Sowjetunion. [3]

Der Tisch bog sich unter den Speisen

Man hatte auch Vertreter der Bruderparteien aus den anderen sozialistischen Ländern dazu eingeladen, darunter die Delegation Albaniens unter Leitung von Enver Hoxha. Da spielte sich dann etwa das folgende ab: Während seines Aufenthalts in Moskau anläßlich des XXI. Parteitags der KPdSU wurden er und die anderen albanischen Gäste von einem Politbüro-Mitglied zu einem Mittagessen auf seiner Datscha bei Moskau eingeladen. Es war 10 Uhr morgens, und der Tisch war schon wie in einem russischen Märchen üppig gedeckt. Die Gastgeber tranken Wodka und verschiedene Weine. Die Albaner waren dabei, loszufahren, als ihre Gastgeber ein Mittagessen ankündigten. „Wir waren überrascht und fragten, ob wir denn nicht genug gegessen hatten“, schreibt Enver Hoxha. „O nein, war die Antwort, das war nur ein kleiner Imbiß. Jetzt beginnt aber eine richtige Mahlzeit.“ „Daraufhin wurden wir in den Speiseraum eingeladen. Der Tisch bog sich unter den Speisen. All diese Gerichte wurden auf Kosten des sowjetischen proletarischen Staates für dessen Parteifunktionäre produziert!“, schrieb Enver Hoxha, entrüstet über die sowjetischen Revisionisten. [4]

Ein sehr aufschlußreiches Gespräch mit Suslow

Inzwischen war klar, daß sich die Tito-Clique im Nachbarland Jugoslawien vom Marxismus-Leninismus verabschiedet hatte. Und so hatten auch die albanischen Kommunisten ihre Schlußfolgerungen aus diesem Verrat gezogen. In diesem Zusammenhang berichtet Enver Hoxha von der folgenden Episode: Am Vorabend des 3.Parteitags unserer Partei, der Ende Mai/Anfang Juni 1956 tagte, verlangte Suslow von unserer Führung ungeschminkt, sie solle ihre bisherige Linie „überprüfen“ und „korrigieren“.

„Es gibt nichts, was unsere Partei an ihrer Linie zu überprüfen hätte“, entgegneten wir bestimmt. „Wir haben niemals schwere prinzipielle Fehler in der Linie zugelassen.“
„Die Sache mit Koçi Xoxe und seinen Genossen, die ihr bestraft habt, muß überprüft werden“, sagte Suslow uns.
„Sie waren und bleiben Verräter und Feinde unserer Partei und unseres Volkes, Feinde der Sowjetunion und des Sozialismus“, erwiderten wir entschieden. „Und wenn wir die Prozesse gegen sie hundert Mal überprüfen würden, hundert Mal würde dabei herauskommen, daß sie Feinde waren. Und so haben sie auch gehandelt.“

Nun fing Suslow zu reden an. Er sprach von dem, was in den anderen Parteien und in der sowjetischen Partei selbst gerade vor sich ging, von einer „großzügigeren“, „humaneren“ Betrachtungsweise des Problems.

„Das“, sagte er, „hat großen Eindruck gemacht und ist von den Völkern gut aufgenommen worden. Das muß auch bei euch passieren.“
„Unser Volk würde uns steinigen, wenn wir die Feinde und Verräter rehabilitieren würden, die das Land in die Ketten einer neuen Sklaverei schlagen wollten“, entgegneten wir Chruschtschows Ideologen.

Als Suslow sah, daß er so nicht durchkam, versuchte er es mit einer anderen Karte.

„Gut“, sagte er. „Wenn ihr davon überzeugt seid, daß sie Feinde sind, dann sollen sie es eben bleiben. Aber eines müßt ihr tun: sprecht nicht über ihre Verbindungen zu den Jugoslawen, bezeichnet sie nicht mehr als Agenten Belgrads.“
„Wir sprechen hier über die Wahrheit“, gaben wir zurück. „Und die Wahrheit ist, daß Koçi Xoxe und seine Spießgesellen bei dem Komplott von Kopf bis Fuß Agenten der jugoslawischen Revisionisten waren. Wir haben die gegen unsere Partei und unser Land gerichteten Verbindungen Koçi Xoxes zu den Jugoslawen, die vielen Fakten, die dies beweisen, aller Welt bekannt gegeben. Die Sowjetführung kennt sie genau. Weil sie vielleicht noch keine Gelegenheit hatten, die Fakten kennen zu lernen, und weil Sie auf Ihrer Meinung bestehen, wollen wir Ihnen einige aufzählen.“

Suslow vermochte kaum seine Nervosität zu zügeln. Wir zählten ihm in aller Ruhe einen Teil der wichtigsten Fakten auf und betonten abschließend:

„Das ist die Wahrheit über Koçi Xoxes Verbindungen zu den jugoslawischen Revisionisten.“ „Da da!“ [Russisch im Original: Ja, ja!] sagte er ungeduldig.
„Wie könnten wir dann diese Wahrheit verdrehen?!“ fragten wir ihn. „Und darf eine Partei irgend jemand zuliebe verheimlichen oder verdrehen, was durch zahllose Fakten bewiesen ist?“
„Aber anders lassen sich die Beziehungen zu Jugoslawien nun einmal nicht in Ordnung bringen“, schnaubte Suslow.

Uns wurde nun alles sonnenklar. Hinter Suslows „brüderlicher“ Vermittlung steckten Chruschtschows Schachereien mit Tito. [5]

Doch es kam noch schärfer: „Wir haben uns nie jemandem gebeugt…!“ (Ein Gespräch zwischen dem Spitzbuben und Volksverräter Chruschtschow und Genossen Enver Hoxha)

Der Revisionismus ist die Idee und die Tat, die die Rückverwandlung eines Landes vom Sozialismus zum Kapitalismus, einer kommunistischen Partei leiten. Er schürt ideologisches Chaos, Konfusion, Korruption, Unterdrückung, Willkür, Instabilität, den Ausverkauf des Vaterlands an den Meistbietenden. Diese Tragödie ereignete sich in der Sowjetunion und in den anderen revisionistischen Ländern. Diese Verhältnisse wurden geschaffen durch Chruschtschow und die Chruschtschowianer, sie wurden geschürt und gefördert durch den amerikanischen Imperialismus und den Weltkapitalismus.
…das schrieb Enver Hoxha schon 1980. [6]

Zitate:
[1] Palmiro Togliatti, Memorandum zu Fragen der internationalen Arbeiterbewegung und ihrer Einheit, Jalta, August 1964, in: P.Togliatti, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin 1977, S.778.
[2] Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtschowiade, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, München, 2002, Bd.1, S.383.
[3] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, Verlag „8 NËNTORI“, Tirana 1980, S.195–226, deutsche Ausgabe. Hier: Kommunisten-online
[4] Stimme Rußlands: Beobachtungen eines albanischen Stalinisten
[5] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, ebd.
[6] ebd. S.226, Siehe: http://archive.250x.com/hoxha/german/20ptgkpdsu.html

Siehe auch:
Ljubow Pribytkowa: Die Demontage der Sowjetunion
Jugoslawien: Die faschistische Tito-Clique
„Sie haben mich bespuckt, mit Ihnen kann man nicht reden!“ (pdf-Datei)
Erik Hobsbawm: Zweimal 10 Tage, die die Welt erschütterten
Ist Lynchjustiz ein berechtigtes Mittel?
Enver Hoxha: Begegnungen mit Stalin
Enver Hoxha am 11. April 1985 in Tirana gestorben
Enver Hohxha: Laßt uns den Marxismus verteidigen!

Die schwarzen Pfaffen und die Politik

Auf welcher Seite dieser russische Pope steht, sieht man hier sehr deutlich:
russischer PfaffeNicht nur in rückständigen Ländern ist es so, daß das ungebildete Volk Orientierung sucht bei religiösen Ratgebern, auch in den hochindustrialisierten kapitalistischen Ländern ergreift das religiöse Dunkelmännertum die ungebildeten Massen. Die Pfaffen aller Arten mischen sich in die Politik ein, gehen in die Schulen und verblöden die Kinder, erzählen den naiv Gläubigen vom Himmelreich und von der ewigen Seligkeit, die sie einst erwartet. Sie lenken ab vom Klassenkampf und erziehen ihre „Schafe“ zu Demut, Friedfertigkeit und Geduld. Und sie verbünden sich nicht selten mit den reaktionärsten Kreisen*. Ganz klar, daß da nicht nur die Bereicherungssucht und das Machtstreben des Klerus dahintersteckt, sondern auch eine staatliche Absicht. Nämlich die, daß die Verblödung der Volksmassen der herrschenden Klasse gerade ins Konzept paßt. Die Erklärung Lenins aus dem Jahre 1905 liest sich so, als wäre sie erst gestern geschrieben…

Die moderne Gesellschaft ist ganz auf der Ausbeutung der ungeheuren Massen der Arbeiterklasse durch eine verschwindend kleine, zu den Klassen der Grundeigentümer und Kapitalisten gehörende Minderheit der Bevölkerung aufgebaut. Das ist eine Sklavenhaltergesellschaft denn die „freien“ Arbeiter, die ihr Leben lang für das Kapital arbeiten, „haben Anrecht“ nur auf solche Existenzmittel, die zum Lebensunterhalt der Profit erzeugenden Sklaven und zur Sicherung und Verewigung der kapitalistischen Sklaverei notwendig sind. Die ökonomische Unterdrückung der Arbeiter verursacht und erzeugt unvermeidlich alle möglichen Arten der politischen Unterdrückung und sozialen Erniedrigung, der Verrohung und Verkümmerung des geistigen und sittlichen Lebens der Massen. Die Arbeiter können sich mehr oder weniger politische Freiheit für den Kampf um ihre ökonomische Befreiung erringen, aber keinerlei Freiheit wird sie von Elend, Arbeits-losigkeit und Unterdrückung erlösen, solange die Macht des Kapitals nicht gestürzt ist.

Die Religion ist eine von verschiedenen Arten geistigen Joches, das überall und allenthalben auf den durch ewige Arbeit für andere, durch Not und Vereinsamung niedergedrückten Volksmassen lastet. Die Ohnmacht der ausgebeuteten Klassen im Kampf gegen die Ausbeuter erzeugt ebenso unvermeidlich den Glauben an ein besseres Leben im Jenseits, wie die Ohnmacht des Wilden im Kampf mit der Natur den Glauben an Götter, Teufel, Wunder usw. erzeugt. Denjenigen, der sein Leben lang arbeitet und Not leidet, lehrt die Religion Demut und Langmut hienieden und vertröstet ihn mit der Hoffnung auf himmlischen Lohn. Diejenigen aber, die von fremder Arbeit leben, lehrt die Religion Wohltätigkeit hienieden, womit sie ihnen eine recht billige Rechtfertigung ihres ganzen Ausbeuterdaseins anbietet und Eintrittskarten für die himmlische Seligkeit zu erschwinglichen Preisen verkauft.

Die Religion ist das Opium des Volks. Die Religion ist eine Art geistigen Fusels, in dem die Sklaven des Kapitals ihr Menschenantlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ersäufen. Doch der Sklave, der sich seiner Sklaverei bewußt geworden ist und sich zum Kampf für seine Befreiung erhoben hat, hört bereits zur Hälfte auf, ein Sklave zu sein. Durch die Fabrik der Großindustrie erzogen und durch das städtische Leben aufgeklärt, wirft der moderne klassenbewußte Arbeiter die religiösen Vorurteile mit Verachtung von sich, überläßt den Himmel den Pfaffen und bürgerlichen Frömmlern und erkämpft sich ein besseres Leben hier auf Erden. Das moderne Proletariat bekennt sich zum Sozialismus, der die Wissenschaft in den Dienst des Kampfes gegen den religiösen Nebel stellt und die Arbeiter vom Glauben an ein jenseitiges Leben dadurch befreit, daß er sie zum diesseitigen Kampf für ein besseres irdisches Leben zusammenschließt.

Quelle:
W.I. Lenin, Sozialismus und Religion, in: Werke, Bd.10, S.70f.

* der damals bereits in der Schweiz lebende BRD-Schriftsteller Rolf Hochhuth schrieb 1963 in seinem Drama „Der Stellvertreter“ über die geheimen Verbindungen der katholischen Kirche zu den Nazis und entlarvte damit deren Verstrickung und das Verschweigen des Massenmordes der deutschen Faschisten an den Juden. Die katholische Kirche unterstützte gezielt die deutschen Faschisten (anfangs und später – z.B. Rattenlinie)

Siehe auch:
Dunkelmännertum!
Gegen die religiöse Verblödung der Menschheit
Der politische Klerikalismus
Die Kirche im Faschismus