Ein Gespräch im Hause Chruschtschow nach der erfolgreichen Beseitigung des Genossen Stalin

Es war eine dramatische, eine folgenschwere Veränderung, die sich nicht nur auf die Sowjetunion, sondern später auch auf die ganze Welt auswirken sollte, und die vielen erst bewußt wurde, als es schon zu spät war: Mit der Ermordung J.W. Stalins im Jahre 1953 hatte in der Sowjetunion eine Konterrevolution begonnen! Doch nur wenigen war damals so richtig klar, was das für Konsequenzen haben würde, und sie bezahlten es mit ihrem Leben. Nur wenige vermochten es, diese scharfe Kehrtwendung so unmittelbar und so treffend zu beschreiben, wie es der albanische Kommunist und Mitbegründer der albanischen kommunistischen Partei Enver Hoxha tat. Unbeirrt von den Intrigen und Anfeindungen durch die damalige sowjetische Parteiführung setzte die albanische kommunistische Partei ihren marxistisch-leninistischen Kurs fort. Ein sehr aufschlußreiches Gespräch hatten die albanischen Genossen mit dem sowjetischen Chefideologen Michail Suslow…
enver_hoxha_17.10.1971Enver Hoxha (1908-1985) in seinem Arbeitszimmer
– nur auf wenigen Bildern sieht man ihn derart betroffen

Kurz nach dem XX.Parteitag der KPdSU begann unter der Anführerschaft von Nikita Chruschtschow allmählich die Zerstörung des ersten sozialistischen Staates der Erde. Und es gab weitere Todesfälle … 1953: Der tschechische Kommunist Klement Gottwald starb in Moskau an den „Folgen einer Erkältung“. 1956: Der polnische Kommunist Bolesław Bierut starb in Moskau nach einem Herzmuskelinfarkt. 1964: Der französische Kommunist Maurice Thorez starb bei einer Überfahrt auf dem Schwarzen Meer. Kurz danach, ebenfalls 1964 starb in Jalta der italienische Kommunist Palmiro Togliatti. (Man muß lesen, was Togliatti kurz vor seinem Tode über seine Mörder schrieb! Siehe: [1] Memorandum) – Ein Zufall? Nein, keineswegs! „Die Umstände ihres Todes sind mysteriös“, schreibt Genosse Kurt Gossweiler, „und bis heute ungeklärt. Gemeinsam ist ihnen jedoch, daß der Tod die Genannten ereilte, als sie die Sowjetunion besuchten oder gerade von einem solchen Besuch zurückgekehrt waren.“ [2] Enver Hoxha beschreibt diese eigenartige Situation wie folgt:

Was geschah nach 1953 in der Sowjetunion?

Schon gleich nach Stalins Tod, bis hin zum XX.Parteitag, operierten die chruschtschowianischen Verschwörer auf füchsische Weise mit der „bürokratischen Legalität“, den „Parteiregeln“, der „Kollektivität“ und dem „demokratischen Zentralismus“, mit Krokodilstränen über Stalins Verlust, um so Schritt für Schritt die Torpedierung von Stalins Werk, seiner Persönlichkeit, des Marxismus-Leninismus anzubahnen. Für den Marxisten-Leninisten ist dies eine sehr lehrreiche Periode, denn sie zeigt den Bankrott der „bürokratischen Legalität“, die für eine marxistisch-leninistische Partei sehr gefährlich ist; sie zeigt die Methoden, mit denen die Revisionisten diese „bürokratische Legalität“ für sich ausnutzten; sie zeigt, wie ehrliche und erprobte Führer, die allerdings den revolutionären Klassengeist eingebüßt haben, den Intriganten auf den Leim gehen und den Erpressungen und der Demagogie der mit einer revolutionären Phraseologie getarnten revisionistischen Verräter Zugeständnisse machen, nachgeben. Wir sahen, wie die Chruschtschowianer während dieser Übergangsperiode, um ihre Macht zu konsolidieren, unter riesigem Spektakel angeblich mit „großer Parteilichkeit“, befreit vom „Alptraum der Angst vor Stalin“, mit „wahrhaft demokratischen und leninistischen Formen“ aktiv zu Werke gingen, wie sie damit beschäftigt waren, die gemeinsten Verleumdungen gegen die Sowjetunion, gegen Stalin und die sozialistische Ordnung überhaupt auszuhecken, wie sie sonst nur der Bourgeoisie zuzutrauen sind.

Eine von langer Hand vorbreitete Demontage

All diese ungeheuerlichen Verleumdungen der Chruschtschow-Revisionisten, ihre ganze zerstörerische Tätigkeit, untermauerten die seit vielen Jahren umgehenden Verleumdungen der reaktionären Bourgeoisie gegen den Marxismus-Leninismus, die Revolution und den Sozialismus und versuchten sie mit angeblich authentischen Dokumenten, mit „Argumenten“ und „Analysen“ in neuem Geist „zu belegen“. … Der opportunistische „neue Geist“, den Chruschtschow im Begriff war zu wecken und zu schüren, zeigte sich schon daran, wie dieser Parteitag organisiert war und ablief. Dieser liberale Geist drückte wie eine schwarze Wolke auf die ganze Atmosphäre, durchzog die sowjetische Presse und Propaganda in jenen Tagen, herrschte in den Sälen und Gängen des Parteitags, spiegelte sich auf den Gesichtern, in den Gesten und in den Worten der Menschen wider.
XXI. Parteitag der KPdSUXXI. Parteitag der KPdSU – nur eine heuchlerische Show

Es fehlte die frühere Ernsthaftigkeit, wie sie eigentlich für ein so außerordentlich wichtiges Ereignis im Leben einer Partei und eines Landes kennzeichnend sein sollte. Auf dem Parteitag sprachen auch Parteilose. In den Pausen zwischen den Sitzungen spazierten Chruschtschow und Genossen lachend in den Sälen und Gängen umher, wobei sie um die Wette Anekdoten erzählten, Geistreicheleien austauschten, sich volkstümlich gaben und an den übervollen Tischen, die überall aufgestellt waren, Getränke in sich hinein stürzten. Mit all dem wollte Chruschtschow den Eindruck nachhelfen, die „drückende Zeit“, die „Diktatur“, die „düstere Analyse“ der Dinge sei nun ein für allemal vorüber, und nun sei offiziell die „neue Zeit“ der „Demokratie“, der „Freiheit“, des „schöpferischen Herangehens“ an die Ereignisse und Phänomene angebrochen, innerhalb wie außerhalb der Sowjetunion. [3]

Der Tisch bog sich unter den Speisen

Man hatte auch Vertreter der Bruderparteien aus den anderen sozialistischen Ländern dazu eingeladen, darunter die Delegation Albaniens unter Leitung von Enver Hoxha. Da spielte sich dann etwa das folgende ab: Während seines Aufenthalts in Moskau anläßlich des XXI. Parteitags der KPdSU wurden er und die anderen albanischen Gäste von einem Politbüro-Mitglied zu einem Mittagessen auf seiner Datscha bei Moskau eingeladen. Es war 10 Uhr morgens, und der Tisch war schon wie in einem russischen Märchen üppig gedeckt. Die Gastgeber tranken Wodka und verschiedene Weine. Die Albaner waren dabei, loszufahren, als ihre Gastgeber ein Mittagessen ankündigten. „Wir waren überrascht und fragten, ob wir denn nicht genug gegessen hatten“, schreibt Enver Hoxha. „O nein, war die Antwort, das war nur ein kleiner Imbiß. Jetzt beginnt aber eine richtige Mahlzeit.“ „Daraufhin wurden wir in den Speiseraum eingeladen. Der Tisch bog sich unter den Speisen. All diese Gerichte wurden auf Kosten des sowjetischen proletarischen Staates für dessen Parteifunktionäre produziert!“, schrieb Enver Hoxha, entrüstet über die sowjetischen Revisionisten. [4]

Ein sehr aufschlußreiches Gespräch mit Suslow

Inzwischen war klar, daß sich die Tito-Clique im Nachbarland Jugoslawien vom Marxismus-Leninismus verabschiedet hatte. Und so hatten auch die albanischen Kommunisten ihre Schlußfolgerungen aus diesem Verrat gezogen. In diesem Zusammenhang berichtet Enver Hoxha von der folgenden Episode: Am Vorabend des 3.Parteitags unserer Partei, der Ende Mai/Anfang Juni 1956 tagte, verlangte Suslow von unserer Führung ungeschminkt, sie solle ihre bisherige Linie „überprüfen“ und „korrigieren“.

„Es gibt nichts, was unsere Partei an ihrer Linie zu überprüfen hätte“, entgegneten wir bestimmt. „Wir haben niemals schwere prinzipielle Fehler in der Linie zugelassen.“
„Die Sache mit Koçi Xoxe und seinen Genossen, die ihr bestraft habt, muß überprüft werden“, sagte Suslow uns.
„Sie waren und bleiben Verräter und Feinde unserer Partei und unseres Volkes, Feinde der Sowjetunion und des Sozialismus“, erwiderten wir entschieden. „Und wenn wir die Prozesse gegen sie hundert Mal überprüfen würden, hundert Mal würde dabei herauskommen, daß sie Feinde waren. Und so haben sie auch gehandelt.“

Nun fing Suslow zu reden an. Er sprach von dem, was in den anderen Parteien und in der sowjetischen Partei selbst gerade vor sich ging, von einer „großzügigeren“, „humaneren“ Betrachtungsweise des Problems.

„Das“, sagte er, „hat großen Eindruck gemacht und ist von den Völkern gut aufgenommen worden. Das muß auch bei euch passieren.“
„Unser Volk würde uns steinigen, wenn wir die Feinde und Verräter rehabilitieren würden, die das Land in die Ketten einer neuen Sklaverei schlagen wollten“, entgegneten wir Chruschtschows Ideologen.

Als Suslow sah, daß er so nicht durchkam, versuchte er es mit einer anderen Karte.

„Gut“, sagte er. „Wenn ihr davon überzeugt seid, daß sie Feinde sind, dann sollen sie es eben bleiben. Aber eines müßt ihr tun: sprecht nicht über ihre Verbindungen zu den Jugoslawen, bezeichnet sie nicht mehr als Agenten Belgrads.“
„Wir sprechen hier über die Wahrheit“, gaben wir zurück. „Und die Wahrheit ist, daß Koçi Xoxe und seine Spießgesellen bei dem Komplott von Kopf bis Fuß Agenten der jugoslawischen Revisionisten waren. Wir haben die gegen unsere Partei und unser Land gerichteten Verbindungen Koçi Xoxes zu den Jugoslawen, die vielen Fakten, die dies beweisen, aller Welt bekannt gegeben. Die Sowjetführung kennt sie genau. Weil sie vielleicht noch keine Gelegenheit hatten, die Fakten kennen zu lernen, und weil Sie auf Ihrer Meinung bestehen, wollen wir Ihnen einige aufzählen.“

Suslow vermochte kaum seine Nervosität zu zügeln. Wir zählten ihm in aller Ruhe einen Teil der wichtigsten Fakten auf und betonten abschließend:

„Das ist die Wahrheit über Koçi Xoxes Verbindungen zu den jugoslawischen Revisionisten.“ „Da da!“ [Russisch im Original: Ja, ja!] sagte er ungeduldig.
„Wie könnten wir dann diese Wahrheit verdrehen?!“ fragten wir ihn. „Und darf eine Partei irgend jemand zuliebe verheimlichen oder verdrehen, was durch zahllose Fakten bewiesen ist?“
„Aber anders lassen sich die Beziehungen zu Jugoslawien nun einmal nicht in Ordnung bringen“, schnaubte Suslow.

Uns wurde nun alles sonnenklar. Hinter Suslows „brüderlicher“ Vermittlung steckten Chruschtschows Schachereien mit Tito. [5]

Doch es kam noch schärfer: „Wir haben uns nie jemandem gebeugt…!“ (Ein Gespräch zwischen dem Spitzbuben und Volksverräter Chruschtschow und Genossen Enver Hoxha)

Der Revisionismus ist die Idee und die Tat, die die Rückverwandlung eines Landes vom Sozialismus zum Kapitalismus, einer kommunistischen Partei leiten. Er schürt ideologisches Chaos, Konfusion, Korruption, Unterdrückung, Willkür, Instabilität, den Ausverkauf des Vaterlands an den Meistbietenden. Diese Tragödie ereignete sich in der Sowjetunion und in den anderen revisionistischen Ländern. Diese Verhältnisse wurden geschaffen durch Chruschtschow und die Chruschtschowianer, sie wurden geschürt und gefördert durch den amerikanischen Imperialismus und den Weltkapitalismus.
…das schrieb Enver Hoxha schon 1980. [6]

Zitate:
[1] Palmiro Togliatti, Memorandum zu Fragen der internationalen Arbeiterbewegung und ihrer Einheit, Jalta, August 1964, in: P.Togliatti, Ausgewählte Reden und Aufsätze, Berlin 1977, S.778.
[2] Kurt Gossweiler, Die Taubenfußchronik oder Die Chruschtschowiade, Verlag zur Förderung der wissenschaftlichen Weltanschauung, München, 2002, Bd.1, S.383.
[3] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, Verlag „8 NËNTORI“, Tirana 1980, S.195–226, deutsche Ausgabe. Hier: Kommunisten-online
[4] Stimme Rußlands: Beobachtungen eines albanischen Stalinisten
[5] Enver Hoxha, Die Chruschtschowianer, ebd.
[6] ebd. S.226, Siehe: http://archive.250x.com/hoxha/german/20ptgkpdsu.html

Siehe auch:
Ljubow Pribytkowa: Die Demontage der Sowjetunion
Jugoslawien: Die faschistische Tito-Clique
„Sie haben mich bespuckt, mit Ihnen kann man nicht reden!“ (pdf-Datei)
Erik Hobsbawm: Zweimal 10 Tage, die die Welt erschütterten
Ist Lynchjustiz ein berechtigtes Mittel?
Enver Hoxha: Begegnungen mit Stalin
Enver Hoxha am 11. April 1985 in Tirana gestorben
Enver Hohxha: Laßt uns den Marxismus verteidigen!

8 Gedanken zu “Ein Gespräch im Hause Chruschtschow nach der erfolgreichen Beseitigung des Genossen Stalin

  1. Ich schätze, da sind die albanischen Genossen weit über’s Ziel hinausgeschossen. Es ist schon eine Verleumdung, die heute von Trotzkisten und DDR-Hassern begierig aufgegriffen wird. Von da aus bis zur Gleichsetzung der SED mit der Nazipartei ist es allerdings nicht mehr weit. Das ist hoffentlich auch Nowack bewußt. Als Stalin sich 1924 dahingehend äußerte, daß der Faschismus und die Sozialdemokratismus „keine Antipoden, sondern Zwillingbrüder“ seien, gab es den faschistichen deutschen Staat noch nicht. Wohl aber es gab allen Grund, den bgl.Staat mit all seinen Einrichtungen zu bekämpfen. Man muß also den ganzen Text lesen.

    Ulbricht war bei weitem kein Chruschtschowist, nur war eben die DDR damals ökonomisch von der UdSSR abhängig. Das führte ohnehin zu harten Einschränkungen gegenüber der DDR. In der DDR hat man den unwissenschaftlichen Begriff „Sozialfaschismus“ m.W. nie verwendet.

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    1. Hallo Genosse Norbert,

      Erstens möchte ich betonen daß ich mit diesen Herr Bernd N. nichts, aber auch gar nichts, zu tun habe. Es trefft sich nur das der Beitrag, mit welche Absicht auch, sich in seiner Seite befindet.

      Zweitens: „Ich schätze, da sind die albanischen Genossen weit über’s Ziel hinausgeschossen“: Das taten sie nicht nur gegen die DDR, sondern gegen sämtliche sozialistischen Staaten (nur Vietnam fand noch Gnade in ihre Augen, nachdem die vietnamesische Führung sich gegen die VR China kehrte und Demokratisches Kampuchea überfielen).
      Der „Stalinismus“, „astreiner“ Marxismus-Leninismus Albaniens hat sie auch nicht errettet von einen tragischen kontrarevolutionären Untergang.

      Drittens: Genosse Walter Ulbricht war der perfekter Opportunist, und indem Chruschtschowist wenn es aus Moskau erfordert wurde. Siehe seine – nie widerrufene – Aussagen nach den XXII. Parteitag der KPdSU. Er machte 1962 eine Verbesserung“ den ersten drei Bänder seiner „Zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Aus Reden und Aufsätzen.“ (Bücher die ich übrigens in ihrer Version von 1953 den Genossen wärmstens empfehle!) worin jede positive Erwähnung J.W. STALINS gelöscht wurden.

      Es wäre zur Thema noch viel zu sagen…
      Mit sozialistischem Gruß,
      Nadja

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  2. sascha: „Ulbricht war bei weitem kein Chruschtschowist, nur war eben die DDR damals ökonomisch von der UdSSR abhängig. Das führte ohnehin zu harten Einschränkungen gegenüber der DDR.“

    SO WAR ES EINFACH!

    Auch wenn’s dem einen oder anderen langweilt,
    hier nochmals zum Nachlesen:

    http://www.deutsche-kommunisten.de/Walter_Ulbricht/1961_Brief_an_Chruschtschow.html

    Die Errichtung des Sozialismus in der DDR unter den damaligen Bedingungen war eben kein Zuckerschlecken, kein Kindergeburtstag, sondern ein schwerer Kampf, ein Kampf gegen innere und äußerer Feinde, mitunter selbst gegen heimliche Feinde, welche sich als „Freunde“ ausgaben.

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  3. …und ein solcher „heimlicher Feind“ waren eben Chruschtschow und seine Clique. Und jene schwankenden Gestalten. Auch zu diesem Thema, liebe Nadja, wäre noch einiges zu sagen!

    Den Brief des Genossen Ulbricht an diesen Schakal Chruschtschow muß man auch aus anderer Hinsicht gelesen haben: Mit Kenntnis dieser Tatsachen ist allen gängigen Verleumdungen gegenüber der DDR der Boden entzogen!

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  4. Wenn immer wir von den wissenschaftlichen Begründern des Sozialismus oder seinen wirklich guten Baumeistern sprechen wie etwa den Genossen Stalin und Walter Ulbricht, so sollten wir um Himmels Willen nicht in einen nur seitenverkehrten bürgerlichen Personenkult, extremen Subjektivismus à la „Männer machen Geschichte“ abgleiten.
    Denn dann begeben wir uns auf ein bedenklich ideologisches und besonders im Sinne der bürgerlichen Propaganda äußerst gefährliches Glatteis.
    Wir sind doch keine Katholiken, welche sich in der Retrospektive „Heilige“ erdichten!
    Beide hatten fast immer eine Mehrheit der Partei, des Zentralkommitees hinter sich und arbeiteten in deren Sinne.
    Sie und die Mehrheit der damaligen Kommunisten verstanden sich immer als Schüler Lenins und versuchten so weit wie möglich den Sozialismus nach seinen Hinweisen zu errichten.
    Wo findet man in dem uns bekannten Nachlaß des Genossen Stalin wirklich eine Abkehr von Lenin?
    Dazu möge jeder z.B. nur nochmals seine letzte Arbeit, „Ökonomische Probleme des Sozialismus in der UDSSR“ lesen.
    Es ist schon erschütternd, macht traurig, zeigt den Verrat aller seiner Nachfolger an Lenin und ihn, dass praktisch alle düsteren Prophezeiungen für alle die Fälle falschen ökonomischen Denkens, die er anführt, im Nachhinein eingetroffen sind. Die schwere ökonomische Krise der UDSSR in den 80er Jahren und ihr zunehmender Rückstand in der breiten Anwendung von Wissenschaft und Technik lassen sich ganz klar auf alle diese „Reformen“ und Einführung von immer mehr „Marktelementen“ und allen möglichen „Stimuli“ bei ungehinderter „Gewinnerwartung“ zurückführen.
    Ganz nebenbei ruinierten sie so auch zunehmend die Landwirtschaft, insbesondere den Getreideanbau.
    Es gab in der UDSSR nach dem Tode des Genossen Stalins eben nicht bloß einen rein ideologischen Revisionismus, welcher nur die Außen-Innen- und Kulturpolitik allmählich umkrempelte, sondern von Anbeginn vor allem einen ökonomischen, welcher auf die Zersetzung einer vernünftigen gesamtgesellschaftlich geplanten Wirtschaft hinzielte.
    Und damit wären wir im Grunde auch schon beim Genossen Walter Ulbricht und seinen damaligen Mitstreitern in der SED, welche sich damals ebenso noch als Schüler Lenins ansahen, in seinem Geiste, nach seinen Hinweisen und Anregungen auch den Sozialismus in der DDR zu errichten gedachten, natürlich unter den ganz speziefischen Voraussetzungen und Bedingungen der damaligen jungen DDR.
    Eine einfache „Kopie“ der UDSSR war in der DDR nie wirklich geplant, dies gehört zu den üblichen billigen Verleumdungen der damals und heute wild geifernden deutschen Bourgeoisie bzw. deren Meinungsmachern.
    Doch das Gift des Revisionismus, welches sich zunächst in der UDSSR zusammenbraute, machte natürlich keinen Umweg um Walters DDR, ebenso wenig um die meisten anderen sozialistischen Länder, es verpestete und zerstörte allmählich auch die einstmals guten geschlossenen und mächtigen kommunistischen Parteien Italiens, Frankreichs, auch die etwas kleineren in Spanien, Portugal, Griechenland, letztlich fast alle, es zerstörte am Ende die ganze kommunistische Weltbewegung, natürlich langsam, sachte, peu á peu…
    Dieser Fakt wird heute auch von allen bürgerlichen Historikern weitgehend bestätigt: Ab 1956 ging es abwärts!
    Was sollen wir nun zum Genossen Walter Ulbricht, der damaligen Mehrheit der SED sagen?
    Auch sie einfach des Revisionismus, Opportunismus beschuldigen, HEUTE unsere Nasen rümpfen? Nichts einfacher und billiger als das!
    Doch wo bleibt die historische Wahrheit?
    Für die bürgerlichen Geschichte(n)-Erzähler (so etwa Guido Knopp einmal ganz freimütig) reichen Fakten in der Regel völlig aus, werden Hintergründe und Zusammenhänge gern in den Bereich von Spekulationen und Deutungen geschoben, oder dem „reinen Willen“ „großer Männer“ angedichtet.
    Doch das ist nicht die Methode des Historischen Materialismus.
    Für ihn muss auch die Erforschung der Geschichte wissenschaftlich, dialektisch-materialistisch betrieben werden.
    Daher müssen Tatsachen, Fakten in allen ihren Ursprüngen, Zusammenhängen und Entwicklungen, Verwicklungen gesehen werden.
    In diesem gesellschaftlichen Geflecht, in diesen objektiven Verhältnissen bewegen sich alle historischen Personen, ob an der Spitze von Gesellschaften, Staaten, oder auf unteren Ebenen.
    Zu dieser Betrachtung gehören ebenso die Staatengeflechte, ihre Beziehungen auf allen Ebenen untereinander
    Genosse Stalin schrieb einmal, die Logik der Umstände ist immer stärker als die bloße Vernunft der Menschen.
    Die Frage, ob nun Walter Ulbricht ein Opportunist war, kann man nur vernünftig beantworten, wenn man alle damaligen nationalen und internationalen objektiven Handlungsmöglichkeiten einschließlich ihrer Grenzen in Rechnung stellt.
    Und wenn wir das ganz sauber tun, so werden wir nicht umhin können festzustellen, dass der Genosse Walter Ulbricht unter den damligen Umständen mit dem Revisionismus aus der UDSSR eben irgend wie zurecht zu kommen versuchte, ökonomisch und politisch, seine Anpassungen an die „neue Linie“ erzwungene Anpassungen waren (also keine freiwilligen), nicht zuletzt auch auf Grund der Tatsache, dass es da auf der westlichen Seite der DDR noch einen Staat gab, der nichts lieber vor hatte als die DDR zu vernichten.
    Und wer konnte die DDR damals als einzige Macht davor bewahren, warum, aus welchen Motiven auch immer? Na, der „liebe Nikita C. „!
    Bis 1970/71 haben sich Walter Ulbricht und seine zunehmende Minderheit der SED-Genossen insbesondere im ZK wacker gehalten, dann kam auch für die DDR unwiderruflich Nikitas bzw. Breschnews „Kopernikanische Wende“, einschließlich der katastrophalen „Entspannungspolitik“ und deren Vertragswerken, ziemlich schmuddeligen „Ostverträgen“, vermeintlichen „Anerkennungen“, „Körben“…., alles letzlich deutlich mehr zu Gunsten des Imperialismus, zur Aufweichung des Sozialismus („Aggression in Filzlatschen“, Otto Winzer, später Egon Bahr!), mit allen inzwischen bekannten Resultaten.
    Fazit, was bleibt: Wer immer ehrlich für einen neuen Sozialismus in Deutschland zu kämpfen vorgibt, der muss auch unbedingt die großen Verdienste des Genossen Walter Ulbricht anerkennen, insbesondere auch jene aus seiner langen Kampfzeit innerhalb der politisch bewussten deutschen Arbeiterbewegung vor dem Mai 1945, seinen „Opportunismus“ aber sehen als eine Anpassung an Umstände, welche objektiv gegeben waren.
    (Und nach dieser Methode muss ebenso das Wirken Erich Honecker und seiner Mehrheit ab 1971 beurteilt und verstanden werden, obś einem gefällt oder nicht!)
    Diese meine Einschätzung entspricht natürlich meinem aktuellen Kenntnisstand, ist nicht als „absolutes Wissen“ im Sinne des Altmeisters G.W.F. Hegel aufzufassen.

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  5. Es mag beinahe Paradox klingen, aber ausgerechnet ein bürgerlicher Publizist, ein guter deutscher bürgerlicher Publizist, zu denen ich z.B. schon seit meinen jungen Jahren u.a. auch Peter Scholl-Latour gern dazu zähle, Sebastian Haffner, hat im Jahre 1966(!!!) in der Leib-und Magen Zeitung des (west)deutschen Bildungs-Bürgertums, „Die Zeit“, eine beinahe „Homage“ an Walter Ulbricht geschrieben.
    Was ist da nun der springende Punkt? Warum schob damals und heute das gewöhnliche deutsche Bürgetum so einen animalischen bestialischen Hass auf Walter Ulbricht?
    Sebastian Haffner antwortet ganz nüchtern, sachlich: Walter Ulbricht verkörpert in den Augen des (west)deutschen Bürgertums ALLE fortschrittlichen, revolutionären Traditionen, die das deutsche Bürgertum SELBST – schon seit dem Baauernkrieg 1524/25 bis zur Kaiserzeit, NS-Zeit imer und immer wieder – VERRATEN hat!
    Es erblickte und erblickt(auch heute noch) im Anlitz Walter Ulbrichts seine ganze abstoßende schmutzige EIGENE (historische)SCHANDE!
    Soweit Sebastian Haffner, 1966!
    Dieser Beitrag ist nachzulesen in: „Lotte und Walter“, „Die Ulbichts in…“, zu beziehen z.B. bei ZVAB.

    Bon soir! 🙂

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